Allein unter Schafen in Neuseeland ODER Was für Auswanderer-Typen gibt es?

Ich liebe Psychotests. Von Welche Hollywood-Ikone bist du? (Antwort: Audrey Hepburn. Huch.) über Bist du eine Zicke? (Antwort, erstaunlicherweise: Ja.) bis hin zu Welcher Muttertyp bist du? (Antwort, beruhigenderweise: Ich bin für beide Geschlechter geeignet.) ist kaum ein Psychotest vor mir sicher.

Jeder hat ja so seine Laster.

Ich also Psychotests.

Das war auf jeden Fall das eindeutige Ergebnis bei Welche Laster hast du?

Hallo, meine lieben Leser, schön, dass wir uns hier wieder treffen. Ich erwähne es nur noch am Rande: Ja, es ist heiß. Immer noch.

Weiter im Text.

Ich liebe also Psychotests. Beim wahllosen Surfen im Netz stieß ich heute auf einen Test bei jetzt.de, der Jugendseite der Süddeutschen Zeitung. Welcher Auswanderer-Typ bist du? Na, da bin ich doch neugierig geworden. Ran also an den Test, kurz registriert und zehn absolut dusselige Fragen später war klar: Wir müssen umziehen. Denn ich gehöre in die Kategorie: Allein unter Schafen in Neuseeland. Der Test fand heraus, dass meine Liebe zu den „Herr der Ringe“- Filmen mich dazu bringen wird, per eBay eine Schaffarm in Neuseeland zu ersteigern. Das ist insoweit besonders interessant, da es 1. überhaupt keine Frage zu den Filmen gab und ich 2. auch nie im Leben irgendeinen positiven Kommentar über selbige abgegeben hätte. Ich finde die Filme, Bücher, Hörbücher nämlich zum Gäääääähnen.

Aber wer bin ich, das Ergebnis eines Psychotests anzuzweifeln?

Eigentlich hatte ich auch erwartet zu erfahren, welcher TYP ich genau bin, wenn es ums Auswandern geht und nicht, WOHIN ich auswandern würde. Denn, und da hat der Test wenigstens in der Überschrift recht, es gibt ganz unterschiedliche Auswanderer-Typen.  Auch hier in Norwegen. Mit einem zwinkernden Auge und viel Selbstironie stelle ich Euch die drei Typen vor, die mir hier in den letzten zwei Jahren aufgefallen sind.

1. Die Brunost-Schwärmer mit Elchpatenschaft oder „Ja, vi elsker dette landet!“

VORHER: Sie lieben Norwegen seit ihrem ersten Urlaub am Fjord und haben seitdem die Wohnung im Heimatland mit rot-weiß-blauen Fahnen, Trollen und Norwegenkalendern dekoriert. Ihr Traum ist eine eigene Pension an der Westküste Norwegens mit angegliederter Hundeschlittenzucht. Norwegen ist für sie Freiheit, Naturidylle und ein einziger Traum. Irgendwann wird die Sehnsucht zu groß, die deutschen Freunde und Verwandten können das Wort Norwegen nicht mehr hören und auch der Chef verlangt mehr Konzentration auf die Jahresbilanz als auf das norwegische Kochbuch. Eine Entscheidung muss her! Nach einigen Scheiben Knäckebrot mit Brunost sind sich die Schwärmer sicher: Wir wollen nach Norwegen. Für immer! Ab jetzt werden die Wände und Möbel der Wohnung mit norwegischen Vokabeln geplastert („et bord“, „en tannbørste“, „en underbukse“), auf zahlreichen Internetseiten wird nach Jobs und Wohnungen gesucht, im nächsten Zoo schon mal eine Elchpatenschaft eingegangen. Dann geht es endlich los. Die Ankunft in Norwegen erscheint wie das Klopfen am Tor des Paradieses. Endlich da!!

IM LAND: Die Schwärmer stehen ab jetzt jeden Morgen auf und können ihr Glück nicht fassen. Alles, wirklich alles ist toll im Paradies. Und die Sachen, die mal nicht so toll sind, ach, die wiegen gar nicht so schwer. Am Wochenende sind sie nur unterwegs und verbringen ihre Zeit am Fjord, auf Bergen, in Hütten und machen Fotos, Fotos, Fotos. Sie kennen norwegische Spezialitäten besser als mancher Norweger und wissen eh nach einer gewissen Zeit mehr über Norwegen als König Harald. Was sie auch gern zum Besten geben. Sie lernen die Sprache schnell (falls sie sie nicht eh schon kannten) und integrieren sich bestens in das kleine Dorf, in das sie gezogen sind, um „den richtigen Kontakt mit richtigen Norwegern“ zu bekommen. Kontakt mit anderen Deutschen lehnen sie in den ersten Monaten ab, denn „schließlich sind wir nicht nach Norwegen gekommen, um Deutsch zu reden.“  Nach sieben Jahren in Norwegen beantragen sie die norwegische Staatsbürgerschaft, kaufen eine hytte, pflanzen einen Baum und lernen Sami.

NACHTEIL: Ein bisschen fehlt ihnen der Bezug zur Realität, denn die in Norwegen auftauchenden Probleme werden oft weggewischt. Das Paradies soll nicht beschmutzt werden!

VORTEIL: Bei den Norwegern beliebt, weil sie Norwegen ebenso lieben wie die Norweger selbst, sich gut integrieren, die Sprache lernen und regelmäßig Brunost essen. Sind glücklich und bereuen ihre Entscheidung auszuwandern, wahrscheinlich nie oder selten.

2. Die Wirtschafts-Rationalisten mit internationalen Beziehungen ODER „Well, it isn’t New York, is it?“

2727285-new_york

VORHER: Im Ausland zu arbeiten ist für sie schon fast normal und nach einigen anderen Ländern soll jetzt mal „das komische Land im Norden mit viel Geld“ dran sein. Der norwegische Arbeitsmarkt sucht internationale Bewerber (auch wenn das nur ungern zugegeben wird), die Türen stehen also relativ offen. Die Gehälter und Zuwendungen sind großzügig, die Arbeitszeit ist dafür gering und die Lebensqualität damit hoch. Die Rationalisten sind nicht unbedingt am Land an sich interessiert, das nehmen sie halt so mit.

IM LAND: Am Anfang wird verglichen. Gerade in Oslo werden sie nicht müde zu betonen, wie provinziell die Stadt doch ist. „Aber wir mögen es hier trotzdem!“ Mit dem 13. oder 14. Monatsgehalt werden dann Trips in die große Welt unternommen. Das Interesse an Norwegen ist mäßig bis kaum vorhanden, man weiß schließlich gar nicht, wie lange man bleibt, ob es nicht irgendwo noch etwas Besseres gibt und überhaupt: Diese Sprache!!! Wer will die schon lernen, sprechen doch alle Englisch hier! Wirtschafts-Rationalisten leben meistens in der internationalen Gemeinde der größeren Städte, haben internationale Freunde, gehen höchstens mal auf ein „Freitags-Bier“ mit ihren Kollegen und fragen sich die ganze Zeit, warum sie eigentlich keinen Kontakt zu Norwegern haben. Bei manchen ändert sich das Verhalten nach einiger Zeit: Sie werden zwar keine Brunost-Schwärmer, aber nach einigen Fahrten mit der Bergenbahn, dem Kaminfeuer in der hytte und der Begeisterung am 17. Mai verspüren sie eine gewisse Begeisterung für das Land, in dem sie leben. Zögernd blicken sie in die norwegischen Zeitungen, schalten auch mal norwegisches Fernsehen ein und bestellen den Kaffee im Espresso House in der Landessprache.

NACHTEILE: Leben in ihrer eigenen, kleinen Welt und sind eher Arbeitstouristen als Einwohner. Tragen, außer Steuerzahlungen, nicht viel zur norwegischen Gesellschaft bei.

VORTEILE: Realistischer als die Schwärmer und, bei auftretendem Interesse an norwegischer Gesellschaft, gute Gesprächspartner mit klarem Blick für das Land in dem sie leben.

3. Die heimwehkranken Nostalgiker ODER „Deutschland, Deutschland über alles…“

VORHER: Sie entscheiden sich aus den unterschiedlichsten Gründen, nach Norwegen zu kommen. Vielleicht ist die Arbeitssituation in Deutschland unerträglich, vielleicht hat die Midlife-Crisis zugeschlagen, vielleicht kommt die große Liebe aus Norwegen oder vielleicht war es einfach mal Zeit für etwas Verrücktes. Auf jeden Fall hat es mehr mit ihnen selbst zu tun als mit Norwegen. Kein idealer Start, kann aber funktionieren. Oder auch nicht.

IM LAND: Hier ist alles so teuer. Man findet gar keine Freunde. Die arbeiten/reden alle so langsam. Was ist denn das für Käse…das ist doch kein Käse? Wenn ich da an Deutschland denke… Die Nostalgiker machen es Norwegen schwer. Denn, wenn sie mal ganz ehrlich wären, eigentlich finden sie es in Deutschland schön. Aber manchmal entdeckt man das eben erst, wenn man für längere Zeit fort geht. Im Ausland begeben sie sich nun in deutsche Organisationen, treffen Deutsche, reden Deutsch und finden das Leben so ganz erträglich. Unermüdlich erzählen sie aber gerne, besonders Norwegern, vom tollen Leben in Deutschland. Die Satelliten-Schüssel mit deutschem TV-Empfang ist eine ihrer ersten Anschaffungen und regelmäßige Trips nach Deutschland sind unumgänglich.

NACHTEILE: Blockieren und lassen sich selbst von knutschenden Elchen in wunderschönen Mittsommernächten am Fjord nicht oder nur schwer begeistern. Verlieren nicht nur den Blick für die Schönheiten Norwegens sondern auch für die Nachteile Deutschlands.

VORTEILE: Sie haben es wenigstens probiert! Es gehört schon Mut dazu auszuwandern. Man kann den schwersten Nostalgiefällen nur wünschen, dass sie auch genug Mut haben, um wieder zurückzugehen ins gelobte Land.

Das waren sie, meine drei Auswanderer-Typen, subjektiv zusammengestellt, wissenschaftlich nicht fundiert und gesellschaftlich vielleicht gar nicht auffindbar, denn weder das Leben noch die Menschen darin sind schwarz-weiß und viele Auswanderer, die ich getroffen habe, sind eine Mischung aus verschiedenen Typen oder – ihre ganz eigenen Typen. Habt Ihr Euch wiedererkannt (und löscht den Blog jetzt oder kündigt mir die Freundschaft????) oder jemanden erkannt, der ausgewandert ist? Seid Ihr selber bereit zum Auswandern? Fragen über Fragen, mit denen ich Euch jetzt allein lasse! Denn ich…jaha, ich…

Ich werde mich jetzt über Neuseeland und den Kauf einer Schaffarm informieren! Wenn jetzt.de schon meint, ich sei dafür geeignet…

Da fällt mir spontan noch ein Auswanderer-Typ ein: Die Nie-Ankommer ODER „Fly me to the moon…“. Das sind die, die immer auf der Reise zu sein scheinen. Die nie ankommen, wohl nie seßhaft werden. Sie sehen Norwegen als fantastische Zwischenstation und sind schon gespannt auf das nächste Land. Nachteil: Kommen nie richtig an, integrieren sich selten. Vorteile: Sehen in jedem Land gute und schlechte Seiten und gehen, wenn es ihnen nicht mehr gefällt.

***

Das war es für heute, meine lieben Leser! Ich hoffe, Ihr hattet Spaß an meinem soziologischen Exkurs und freue mich auf Eure Kommentare zu Auswanderer-Typen in Norwegen, Italien, Deutschland oder wo auch immer! Hier in Oslo sind die Ventilatoren ausverkauft und ich verbringe meinen Tag mit den Füßen im kühlenden Wasser und träume vom Winter. Euch allen wünsche ich eine tolle, aber vor allem KÜHLE Woche, testet mal wieder Eure Psyche und steckt Menschen nicht in zu feste Schubladen.

Und in ganz eigener Sache: In unglaublichen vier Wochen soll unsere Tochter zur Welt kommen und dann geht der Blog erstmal in Babypause. Aber manchmal halten sich Babies ja nicht so an Zeitpläne, habe ich gehört….wundert Euch also nicht, falls Ihr an einem Freitag ganz unentschuldigt nichts von mir lest. Ich melde mich dann wieder…ist doch klar!!!!!

Ha det bra,

2014-07-25 13.47.24

(…und gleich kaufe ich die Farm!)

 

Ulrike

Advertisements

Heiße Schmuggelware aus Norwegen ODER Sag mir, wo die Windeln sind, wo sind sie geblieben?

Geschmuggelte Drogen aus Südamerika, Waffenschmuggel in Zentralafrika oder billige Zigaretten aus Polen – das illegale Geschäft mit Waren aller Art blüht weltweit.

Auch Norwegen hat ein Schmuggelproblem.

Hier im Land sind die heißen Waren…

Windeln.

Hallo, meine lieben Leser, schön, dass wir uns hier wieder treffen. Wie ich bereits häufiger erwähnt habe, ist in Norwegen so ziemlich alles zu teuer. Die ersten Besuche im Supermarkt haben mich fast traumatisiert, schluchzend stand ich vor dem Regal mit Schokolade und wünschte mich sofort in irgendeinen ALDI oder Realkauf in Deutschland. EIN Produkt ist in Norwegen allerdings so richtig billig: Windeln. Zum Vergleich: Die 30er – Packung einer bekannten Windelmarke mit dem Zusatz „baby dry“ für Babies zwischen 4 bis 9 Kilo kostet in Deutschland zwischen 8,45 und 8,95 Euro. Das sind umgerechnet rund 75 NOK. Hier in Norwegen kostet die Packung beim KIWI-Supermarkt gegenüber aber nur…..TUUUUUUSCH……36,90 NOK. Das ist (für alle mathematisch gehemmten Leser) knapp DIE HÄLFTE! Und ich rede hier nicht von Aktionspreisen. Das ist der reguläre Preis.

Wow, oder?

Die Windeln einer schwedischen Firma, die besonders Fußballfans anspricht, sind über eine deutsche Website für 8,90 Euro zu kaufen, im KIWI gibt es sie für 29,60 Kronen, das sind rund 3,20 Euro. Und ganz extrem wird es, greift man zu KIWIs Eigenmarke – 50 Windeln für 16,90, also für knapp 2,- Euro. WIE kommt das? Alles begann im Jahre 2000: Die beiden großen Supermarktketten im Land, KIWI und Rema1000 führen den „bleiekrig“, den Windelkrieg. Die Idee ist simpel. Familien mit kleinen Kindern werden mit absurd niedrigen Preisen für dringend benötigte Windeln in den Laden gelockt. Einmal dort, hofft man, dass sie auch den restlichen Einkauf im Supermarkt erledigen. Wenn man schon mal da ist….

Besonders hart wird der Windelkrieg im Herbst, da die meisten Babies in Norwegen Ende August geboren werden. (Was weniger an kalten Novembernächten als an der zeitlichen Vergabe von Kindergartenplätzen liegt.) Im Herbst tobt also der Windelkrieg mächtiger als jemals. Manche Supermarktketten vermelden rote Zahlen in dieser Zeit, aber trotzdem beteiligen sich fast alle an den Dumpingpreisen. Ein in Europa einmaliger Produktkrieg, der dazu führt, dass nirgendwo auf dem Kontinent Windeln so billig sind wie im eigentlich teuersten Land Europas Norwegen.

Auftritt Wirtschaftstheorie.

Es nennt sich Ricardos ehernes Gesetz des Preises und geht ungefähr so (mein Wirtschaftsabitur ist schon ein paar Jahre her, ich bitte daher um Nachsicht): Ist der Preis eines Gutes niedriger als der Preis plus Transport desselben Gutes an einem anderen Ort, beginnen Leute es zu kaufen, zu verschiffen und zu verkaufen.

Auftritt Schmuggler.

In der Scheibenwelt des britischen Autors Terry Pratchett gibt es die Zunft der Diebe und Schmuggler, um die illegalen Machenschaften zu einem angesehenen Berufstand zu entwickeln. Vielleicht gibt es auch in der realen Welt einen Treffpunkt für Schmuggler…

Ein düsteres Cafe in einem verkommenen Vorort. An der Bar drei undurchsichtige Typen. Die blond toupierte Barfrau will die Stimmung etwas aufheitern.

Barfrau (lächelnd): „Na, Jungs, was schmuggelt Ihr denn heute so Hübsches?“

Schmuggler (gemeinsam): „PSSSSSSST! Bist du verrückt? Schmuggeln? WIR? Nie! Legaler Import-Export, das ist es was wir machen!“

Polizist, der gerade am Ende der Bar dienstbeflissen aufgeschreckt ist, schläft wieder ein.

Barfrau (die Augen verdrehend): „Okay, okay. Also: Welche Waren IMPORTIERT Ihr denn heute so? – Irgendetwas Nettes für mich dabei?“

Schmugg…entschuldigung…Importeur 1 (zieht lässig Schnodder hoch): „Drei Leopardpanzer heute.“

Barfrau (enttäuscht): „Och, schon wieder?“

Importeur 2 (rückt seine Kronjuwelen zurecht): „Kolumbianische Drogen.“

Barfrau (nickt): „Gehen immer.“

Importeur 3: Schweigt.

Barfrau (aufmunternd): „Georgi, und du?“

Importeur 1 und 2 kichern hämisch.

Importeur 2: „Ja, Georgi, und duuuuuuuu?“

Importeur 3 guckt mörderisch.

Importeur 1: „Na, komm, Georgiiiiiiii: Ich importiere heute……..“

Importeur 2: „W…..W…..Wi…..Wi……Winnnnnnnnn……“

Georgi (brüllt genervt): „WINDELN, okay????? W I N D E L N!“

Importeur 1 und 2 fallen lachend vom Barhocker: „Wiiihiiindeln aus Nooorwegen…….“

Barfrau (mitleidig): „Ach, Georgi, das wird schon noch….noch ein paar Jahre und du schmuggelst was Ordentliches. Bestimmt.“

Georgi (verletzt, aber nicht ohne Stolz): „Die Familien freuen sich. Alle mögen mich. Windeln sind wichtig.“

Barfrau: „So ist es, Georgi.“

Fakt ist: Die Dumping-Preise von Windeln führen dazu, dass vor allem litauische und polnische Schmuggler nach Norwegen kommen und sich hier mit Windeln eindecken, bis der Kleinlaster ächzt. Berühmtestes Beispiel ist der „Windel-Engpass von 2013“, als bei Rema1000 im ganzen Land die Windelregale von ausländischen Käufern leergeräumt wurden. An der Grenze zu Schweden entdeckten Zollbeamte Wagen voller Windelpakete im Wert von rund 50.000 NOK, knapp 6000 Euro. Statt den Preis der Windeln zu erhöhen und damit Megaeinkäufe und Schmuggel ins Ausland unattraktiv zu machen, beschränkte die Supermarktkette die Anzahl an Windelpaketen pro Person. Rieseneinkäufe seien „…kein Diebstahl und nicht kriminell,“ so ein Sprecher. „Aber sie sind ein großes Problem…sie lassen nichts mehr übrig für unsere regulären Kunden.“ Aber man kann es den Schmugglern fast nicht verdenken. Windeln, in Norwegen für rund 40 NOK eingekauft, können, laut norwegischer Zeitung Dagbladet, in Litauen für umgerechnet 120-140 NOK verkauft werden. Das lohnt sich. Und gut versteckt entfällt die bei Einfuhr zu zahlende Steuer und schon ist man der Windelkönig im Land und verdient sich eine goldene Nase!

Oder goldene Windel.

Ich werde auf jeden Fall das Windelregal bei KIWI im Blick behalten und, falls nötig, jeden Tag drei Pakete kaufen, um einen Engpass zu vermeiden. Jede vierte Packung gibt es dank der Bleiekort, der Windel-Discountkarte, übrigens umsonst. Toll!!!!!!

***

Das war es schon wieder für heute, meine lieben Leser! Ich hoffe, dieser kleine Bildungsartikel über Norwegen hat Euch gefallen und freue mich auf Kommentare. Meine wöchentlichen Grüße sind diesmal eine Portion Abkühlung für Euch Armen in Deutschland, es scheinen tropische Temperaturen zu herrschen. Haltet durch! Hier hat der Sommer eine kurze Verschnaufpause eingelegt, das finde ich ganz ausgezeichnet. Euch allen wünsche ich eine tolle Woche, guckt mal wieder nach Angeboten im Supermarkt, schmuggelt nichts außer guter Laune und esst einen großen Eisbecher für mich – ich habe Lust auf Bananenflip!!!!

Ha det bra,

20140718_113611

Ulrike

Sommer in Oslo ODER Ich buddel‘ mir ein Loch und warte auf Besserung

 

Die Thermometer in Oslo zeigen gerade sportliche 26 bis 31 Grad an. Das ist fein, besonders für Menschen, die die Hitze lieben. Ich allerdings überlege, mir im Frognerpark ein Loch zu buddeln, mich hineinzulegen und auf bessere Zeiten zu warten.

Hallo, liebe Leser, schön, dass wir uns hier wieder treffen. Der Sommer ist also da und zwar mit Karacho. Nun haben er und ich schon immer ein gestörtes Verhältnis und seine hohen Temperaturen (alles ab 24 Grad) kann er von mir aus für sich behalten. Hier in Norwegen hatten Sommer und ich bisher eine Art Waffenstillstand gelebt: Er bot mir max. 24 Grad, ich lobte seine Vorzüge.

Ohne große Vorwarnung hat der norwegische Sommer nun aber über die Stränge geschlagen. Und das gerade jetzt, wo ich schon bei frühlingshaften 20 Grad keuche wie ein Nilpferd nach dem Baden. Und nicht nur, dass der Sommer über die Stränge schlägt: Die Menschen ziehen mit. Gestern jubelte es in den sozialen Medien ob meiner Aussage, dass Oslo sich in Madrid oder Athen verwandelt hatte und wahnwitzige 31 Grad bot: „Toll! Super! Prima! Ich komme! Warum jetzt, ich bin gerade nicht da! Endlich Sommer! Ich liebe Hitze!“ schlug es mir entgegen und ich fühlte mich augenblicklich unverstanden und ungeliebt.

Nun, es ist heiß, da tendiert frau zu übertriebenen emotionalen Momenten. Und nicht nur frau, oder? Nach der brutalen Heimsuchung in Belo Horizonte durch die deutsche Elf kühlten sich die geschockten Brasilianer mit ihren eigenen Tränen, Torkeeper Julio Cesar riss es fast wieder beim anschließenden TV-Interview und das lautstarke Heulen der entsetzten Fans erstickte den deutschen Jubel. Auch das Spiel Ecuador-Kolumbien erinnerte mehr an eine schlechte Seifenoper als an gestandenen Männersport. Aber vielleicht wurde bei dieser so unerwartet unerwarteten WM das Ausschütten von Tränenflüssigkeit wirklich zum Kühlen benutzt und sollte das so sein, dann kann ich das verstehen, ich könnte bei den tropischen Verhältnissen hier in Norwegen auch heulen.

Was aber tun in Oslo an Tagen wie diesen, wo die Nächte keine Abkühlung bringen und jede Busfahrt zum Höllentrip wird? In den Norden wandern, solange bis es kühler wird? Laut Wetterdienst müsste ich bis zu den Lofoten wandern, wo mich wunderbare 15 Grad erwarten. Das schon angekündigte Loch im Park buddeln oder in den Keller ziehen? Die kühlenden Angebote der Stadt nutzen?

Der letzte Gedanke hört sich vernünftig an. Wie kann sich der hitzegestresste Mensch in der norwegischen Hauptstadt das Leben also erträglicher gestalten?

1. Kühlendes Nass (extern): Oslo besitzt ein Freibad am Frognerpark, das außer zwei Becken und einem Sprungturm nicht viel bietet, dafür aber 90 NOK/100 NOK (Wochenende) Eintritt kostet (ja, das sind grob 12,- Euro…). Wer das Geld sparen will, springt an einem der vielen öffentlichen Strände in den Fjord oder in einen der zahlreichen Seen. Ganz neu und chic ist der Badeplatz am Astrup Fearnley Museum in Tjuvholmen, fast direkt in der Innenstadt. Mit Blick auf Bygdøy, das Rathaus und die Festung kann man sich hier in die Fluten stürzen. Mehr Natur bieten die Badeplätze am Songsvann (super mit der T-bane Linie 6 erreichbar) oder am Bogstadvannet. Mit den Fähren 92, 93 und 94 lassen sich unter anderem die Fjordinseln und Strände Hovedøya, Langøyene oder Gressholmen anfahren. Einfach am Hauptbahnhof, gegenüber des Ruter-Turms, den Bus 60 nach Vippetangen nehmen und dort angekommen auf eine der Fähren springen. Bus Nr. 30 oder die eigenen Füße bringen erhitzte Körper nach Bygdøy, wo man sich entweder am Strand von Huk oder an Paradisbukta (der Paradiesbucht) abkühlen kann. Und wenn das alles zu weit erscheint: Einfach die Füße in den Springbrunnen im Frognerpark stecken. Das ist nicht gern gesehen, kühlt aber herrlich ab!

2. Kühlendes Nass (intern): In Oslo gibt es, trotz des normalerweise kurzen Sommers, viele Lokale mit Patios, wo sich die Hitze mit einem kühlenden Getränk ertragen lässt. Norweger tendieren schon die ersten Sonnenstrahlen im Februar mit einem Ute-Pils zu feiern, dem ersten Bier (Pils), das draußen (ute) genossen wird. So betrachtet, lohnt sich die Anschaffung einer Außenterrasse für jeden Wirt und ich mag drei hier in Oslo besonders gern:

– Lekter’n an Aker Brygge: Riesige Sitzkissen oder gemütliche Sitzoasen erwarten Besucher hier direkt am Wasser, wo immer eine nette Brise weht. Ja, das Publikum ist manchmal etwas snobby, aber die Yachtbesitzer und Yuppies können meine Begeisterung nicht trüben. Mit Blick auf die Festung und den Fjord sitzt man mit den Füßen fast im Wasser und findet den Sommer plötzlich viel schöner.

– Frognerseteren: Zugegeben, die Anreise mit der T-bane ist lang und der steinige Abstieg zum Lokal bei 30 Grad kein Zuckerschlecken. Aber dafür wird man mit der wohl schönsten Terrasse und dem wunderbarsten Ausblick über Oslo belohnt, den die Stadt zu bieten hat. Dazu noch ein Stück Apfelkuchen aus der hervorragenden Küche und alles ist perfekt.

– Lorry: Am Ende des Bogstadveien, direkt neben dem Literaturhaus, liegt der französisch wirkende Biergarten des britischen Lokals mit der größten Bierauswahl in Oslo. Rotkarierte Tischdecken und bunte Lichter in den Bäumen wirken wie aus Frankreich entführt und selbst die gestresste Bedienung kann mich nicht ärgern. Hier im Schatten unter einem der großen Bäume zu sitzen – das ist Sommer pur.

3. Eisdielen: Umsonst sucht der verwöhnte deutsche Gaumen in Oslo nach einem Spaghettieis oder einem Bananenflip. Die hohe italienische Gelatokunst hat es noch nicht bis nach hier oben geschafft, was wirklich ein Jammer ist! (Hier also mein Aufruf an Eisdielenbesitzer in Deutschland: Kommt nach Oslo! Wir brauchen Euch!!!) Stattdessen bieten Läden wie Seven Eleven, Deli de Luca oder Narvesen Eis am Stiel oder Softeis. Das ist bei den Norwegern sehr beliebt, aber so richtig nach Sommer schmeckt es nicht. An Aker Brygge finden sich drei verschiedene Eisstände, die Kugeln im Becher oder in der Waffel anbieten. Zwei wirklich lohnende Ausnahmen sind die Eisdiele Paradis kurz vor dem Astrup Fearnley Museum und die italienische Eisdiele Dolce Vita hinter dem Parlamentsgebäude. Kippen hier die Kunden zwar vor Begeisterung aus den Latschen, vermissen Deutsche aber die richtigen Eisbecher, die beim Besuch der Eisdiele einfach dazu gehören.

Kühlen, kühlen, kühlen lautet also die Devise und weiter auf Besserung hoffen. Liebe Osloaner, schickt mir doch Eure Lieblingsplätze der Stadt im Sommer und Tipps, wie Ihr die Hitze hier bewältigt. Ihr lieben Leser aus anderen Orten: Hat bei Euch der Sommer schon zugeschlagen und was sind Eure Tipps bei tropischen Temperaturen?

Kühlen Kopf bewahren heißt es auch am Sonntag für das deutsche Team im Finale gegen Argentinien im Maracana. Was für eine Kulisse für ein Finale!! Ich hoffe auf ein spannendes, faires und unterhaltsames Spiel, das Deutschland am Ende gewinnt. Gerne im Elfmeterschießen! Allen Fußballfans wünsche ich also einen spannenden Sonntag, allen Nicht-Fußballfans rufe ich zu: „Es ist fast geschafft!“

Euch allen wünsche ich eine tolle Woche, einen schönen Urlaub oder eine wunderbare Zeit auf der heimatlichen Terrasse. Genießt den Sommer, denn ehrlich gesagt: Der Herbst kommt schneller als man denkt!

Ha det bra,

20140711_153646

 

(geht schon….)

 

Ulrike

 

 

Fotosafari Norwegen: Verdens Ende ODER Das Ende der Welt ist näher als man denkt!

„Ich geh‘ mit dir wohin du willst – auch bis ans Ende dieser Welt…“ sang Nena, meine Jugendheldin und BRAVO-Starschnittkönigin, schon 1983. Auch Leinwandlegende Johnny Depp befasst sich als Captain Jack Sparrow im dritten Teil der erfolgreichen Fluch der Karibik-Serie mit dem Ende der Welt. Viele Kulturen haben eine Vorstellung dieses geografischen Punktes, an dem die bewohnbare und bekannte Welt endet. An dem das Mysterium beginnt. Das Abenteuer wartet.

Auch in Norwegen kann man an das Ende der Welt reisen.

Dort gibt es dann Würstchen.

Und Kaffee.

Und gute Angelplätze.

Hallo, meine lieben Leser, schön, dass wir uns hier wieder treffen. Letztes Wochenende sind wir „på hytta“ gegangen – auf die Hütte – eine für Norwegen typische Wochenendaktivität. Viele Norweger besitzen ein eigenes Ferienhaus in den Bergen oder am Meer und verbringen einen großen Teil ihrer Wochenenden oder Ferien dort. Selbst in die Musikbranche hat es das Hüttenleben schon geschafft und zwar mit dem wunderbar schrägen Song The Cabin der norwegischen Band Ylvis.

http://www.youtube.com/watch?v=ua1FAlHt_Ys

Nun verfügen wir (noch?) nicht über eine eigene Hütte, aber mieten geht ja auch. Am Samstagmorgen machten wir uns also auf Richtung Ende der Welt.

In Norwegen liegt das Ende der Welt am südlichen Teil des Oslofjords und kann innerhalb von zwei Stunden bequem mit dem Auto erreicht werden. Leider waren alle Campingplätze, Ferienhäuser und ähnliche Unterkünfte dort bereits ausgebucht. Eva fand aber einen wunderbaren Hof in Tjøme, nur wenige Kilometer entfernt. Die Dokkestua auf dem Holmehof wurde also für eine Nacht unser Domizil.

Nach einem ausgedehnten Angel-Wander-Grill-Fußballabend und einer ungestörten Nacht hieß es am nächsten Morgen: „Auf zum Ende der Welt!“ Auf dem Weg dorthin entdeckten wir noch die Halbinsel Hvasser, die erste Begeisterungsstürme auslöste.

@EvaWenzel

@EvaWenzel

 

 

 

@EvaWenzel

@EvaWenzel

Und was finden wir in einer schnuckeligen Bäckerei mit lecker Backwaren?

 @EvaWenzel

@EvaWenzel

GEITOST!!! Nichts wie weg hier!

Zwanzig Minuten später war dann das Ende der Welt ausgeschildert – und einen Parkplatz gab es auch! Leider gab es aber nur einen Parkautomaten, was bei dem sonntäglichen Ansturm zu einer langen Schlange führte. Und für alle, die es noch nicht wissen: Ich HASSE Anstehen. Nicht im Sinne von: „Och, wie doof, jetzt stehen da 10 Leute vor mir…“

Nein, nein.

Ich bekomme Mordgedanken.

Zuerst gerichtet gegen die zehn bekloppten Leute vor mir, die ja UNBEDINGT auch jetzt hierher kommen mussten, obwohl die genauso gut gestern oder morgen hätten kommen können. Oder von mir aus auch heute, aber dann eben früher. Oder später. AUF JEDEN FALL NICHT JETZT!

Die nächste Wutwelle richtet sich gegen die Betreiber des Parkplatzes. ERSTENS: Wie dusselig muss man sein, um an einer derartigen Touristenattraktion nur einen Parkautomaten aufzustellen? Wo haben die denn ihr Parkplatz-Planungs-Zeugnis gewonnen? Beim Lotto? UND ÜBERHAUPT: Wieso muss man hier bezahlen? Unverschämtheit! Das wird superteuer sein, da bin ich mir sicher, sehen kann ich die Preise noch nicht, weil JA IMMER NOCH 4 LEUTE VOR MIR STEHEN.

Um mir die Zeit noch besser zu vertreiben, hatte jetzt der Typ in der selbstabgeschnittenen Jeans vorne am Automaten seine Geldbörse im Auto liegen lassen. Statt aber einfach zur Seite zu gehen und Platz für den Nächsten in der Reihe zu machen, entschied er sich dafür, die Aufmerksamkeit seiner Frau zu erhaschen. „Hanne! HANNE! HAAAAAANNEEEEE!!!!!“, brüllte die Fransenhose also ohne Erfolg über den Platz. Hanne stand am Kiosk und kaufte gerade ein Eis. Wahrscheinlich mit seinem Portemonnaie. „H A N N E!!!!!!“ schrie die Franse nochmal, gab dann genervt dem Automaten, der ja nun wirklich nichts dafür konnte, einen Schlag und verschwand Richtung Kiosk.

Mir kam fast der Dampf aus den Ohren. Die drei nächsten Kunden erledigten ihr Parkgeschäft aber effizient und endlich, ENDLICH, durfte ich auch. Triumphierend spazierte ich mit dem Parkschein an der mittlerweile unendlich wirkenden Schlange vorbei, platzierte das Stück Papier an seinem Platz im Auto und war endlich bereit für das Ende der Welt.

Ganz schön voll hier.

Mehrere Wege führten ans Ziel, die Sonne kam zwischen den dramatischen Wolken hervor und bald tauchte eine wunderbare Szenerie vor uns auf. (Ich lasse an dieser Stelle gern die Bilder sprechen. Ist ja schließlich eine Fotosafari!)

20140629_132825

20140629_131418

(Ein Wippfeuer, die frühere Form des Leuchtturms)

20140629_132936

20140629_132027

20140629_131000

(Tja…???)

IMG_1093

Und auch für Verliebte ist Platz am Ende der Welt:

@EvaWenzel

@EvaWenzel

IMG_1090

„Die öffentliche Kussbank“ der Gemeinde Tjome. Ob man sich an anderen Plätzen in der Gemeinde NICHT küssen darf, konnte uns allerdings niemand sagen.

Nach stundenlangem Klettern und aufs Meer gucken, Angeln und Kaffee trinken haben wir dem Ende der Welt den Rücken zugekehrt und uns auf den Heimweg nach Oslo gemacht. Ein tolles Wochenende war es! Danke an Eva und Stephan für die Idee – und Euch allen fürs Lesen! Fahrt unbedingt mal ans Ende der Welt, wenn Ihr in der Nähe seid! Und zum Schluss noch mein Lieblingsfoto mit meinem Lieblingsbesucher (links im Bild):

2014-06-29 19.22.24

***

Das war es schon für heute, meine lieben Leser, ich hoffe, Ihr hattet Spaß an unserem Ausflug. Auch in den kommenden Tagen wird es einige Ausflüge geben: Meine Mutter ist zu Besuch und wir wollen hier in der Umgebung noch einiges erkunden. Ausflüge auf die Fjordinseln und in den Ekebergpark, Kaffee trinken in Grünerlokka und und und…

Ich wünsche Euch allen eine tolle Woche, betrachtet das Ende auch mal als Anfang, lasst es Euch gut gehen und vergesst nicht zu lachen!

Ha det bra,

IMG_1053

 

 

Ulrike