God påske! ODER Ostern in Oslo…

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“Boah, ist das ruhig!”, ist mein erster Gedanke, als ich am Donnerstagvormittag das Fenster öffne. Statt Großstadtlärm – Stille. Die Sorgenfrigata liegt verlassen unter mir, zahlreiche Parkplätze sind frei. Willkommen in der Osloer Osterruhe – die schon am Gründonnerstag beginnt!

Hallo, meine lieben Leser, wie schön, dass wir uns hier wieder treffen. Norwegen hat eine der längsten Osterferien weltweit – bereits Mittwoch ab 12 Uhr verabschieden sich viele in die Osterzeit. Bei einem Land, das vor einigen Jahren die Staatskirche abgeschafft hat und in dem Kirchengemeinden höhere Mitgliederzahlen angeben, als sie tatsächlich haben – in einem solchen Land also scheint die Osterzeit erstaunlich wichtig zu sein. Wird in vielen anderen Ländern noch am Gründonnerstag gearbeitet, schwingen sich die Norweger an diesem Tag ins Auto und fahren nach Schweden. Auf zur Harrytur – denn die armen Schweden müssen ja noch arbeiten und alle Geschäfte sind offen – bruhahahahahaha, lacht da das norwegische Herz.

Eingekauft wird dann in rauen Mengen, nicht nur für das Osterfest sondern für die obligatorische Tour auf die Hütte. Der Grund nämlich, warum die Sorgenfrigata leer ist und die Stadt so ruhig, liegt darin, dass die Einwohner Stadtflucht betreiben – raus aus Oslo und ab auf die Hütte. Gerne mit Skiern, denn in den Bergen liegt noch ausreichend Schnee für die eine oder andere kleine – vielleicht 30 Kilometer kurze – Skitour. „Wir wollen es ja laaangsam angehen lassen!“ Am Mittwoch schnallen also meine Nachbarn ihre Skiboxen aufs Auto, verstauen Hund, Kind, Frau und Brunost und ab geht es in die Einsamkeit – zusammen mit anderen 200.000 Stadt-Deserteuren.

Die, die nicht auf die Hütte flüchten, zieht es in den Süden. Schon am Samstagmorgen ist am Flughafen Gardermoen Hochbetrieb – mir würde dabei schon die Lust auf Urlaub vergehen.

Wir bleiben hier! Schon zum vierten Mal verbringen wir Ostern in der Stadt und genießen die Ruhe. (Wahnsinn, vier Jahre leben wir in ein paar Tagen schon in Oslo, viel ist passiert in diesen Jahren!) Statt also unsere Füße zu bräunen oder Knochen zu brechen erkunden wir neue Ecken der Stadt, freuen uns auf den Osterbrunch in der Deutschen Gemeinde und feiern den Ostermontag mit Freunden Claudia und Magnus. Ich weiß nicht, wie es Euch geht – für mich klingt das perfekt!

Ich habe zum ersten Mal seit gefühlten hundert Jahren einen Osterstrauß, inspiriert von Freundin Catharina, die uns letzte Woche zum Osteressen eingeladen hat und alles so schön osterlich dekoriert hatte, dass ich dachte: “Das will ich auch!” Norwegische Osterdekoration unterscheidet sich nicht von deutscher Deko (im Gegensatz zur Adventszeit, wo hier alle lila ist!). Tulpen und Weidenkätzchen, bunte Plastik-, Holz oder selbstgemalte Eier schmücken die Häuser.

Ein paar Dinge sind besonders in Norwegen: Påskekrim, der norwegische Osterkrimi, eine Tradition, die ich verwirrend finde. Anfang März war hier in Oslo das Krimifestival und kurz danach erschienen, passend zur Osterzeit, neue Krimis in den Buchhandlungen. Anscheinend nehmen die Norweger mit Vorliebe einen guten Krimi mit auf die Hütte. Klar, so in der Einsamkeit der Berge wirkt ein spannender Krimi gleich doppelt. Nachts liegt man zitternd unter der Hüttendecke und lauscht ängstlicht jedem Knacken der Natur.

Zu jeder ordentlichen Osterwanderung gehören, selbstverständlich, kvikk lunsj und – Orangen. Zu keiner Zeit des Jahres werden mehr Orangen gekauft und gegessen als zur Osterzeit, ob nun die mit Vitamin C gefüllten oder die mit Schokolade.

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Ostern sind alle draußen, egal ob nun für einen Ausflug nach Bygdøy oder beim Hochgebirgsklettern. Bis Mittwoch hat dieses Jahr auch das Wetter mitgespielt und ich sah uns schon Ostersonntag auf der Picknickdecke. Aber, Pustekuchen – plötzlich fällt das Thermometer, der Frosch kauert am Boden und ich hole den Schal wieder aus dem Schrank – Minusgrade!

Aber, das schreckt uns nicht ab! Wir freuen uns auf das Ende der Fastenzeit (Hallo, Facebook!!!!), die Ankunft des Frühlings, auf schöne Stunden mit Freunden und Bekannten, leckeres Essen und auf Gesas erste Ostereiersuche!!! Das wird ein Spaß!!

***

So, das war es für heute, meine lieben Leser! Ich werde mich Ostern an Jamie Olivers Kolibrikuchen versuchen – ein wunderschöner Frühlingskuchen, der unseren Ostertisch verzieren und köstlich schmecken soll! Drückt mir die Daumen!!!

Euch allen wünsche ich ein schönes Osterfest, genießt die freien Tage, vergesst nicht, was wir feiern und falls Ihr einen guten Krimi findet – schreibt mir davon!

Frohe Ostern oder wie man hier sagt: God påske!

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Ulrike

 

Ein Abend bei der Biathlon-WM oder Wie geht nochmal die Marseillaise?

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Foto: Christian Erhard

Hallo, meine lieben Leser, schön, dass wir uns hier wieder treffen. Noch bis morgen hat die Biathlon-WM Oslo in der Hand. Statt norwegischen Jubels schallt aber die französische Nationalhymne durch die Stadt, denn der französische Biathlet Martin Fourcade ist der bisher ungeschlagene Held dieser WM. Am Sonntag, dem Tag seines dritten WM-Goldes, verabredete er sich schon einmal lachend für die nächsten drei Wettbewerbe mit König Harald. Da dürfte dem norwegischen Team, trotz lachender Gesichter, der Atem gestockt haben.

Gestern holte sich der bärtige Franzose dann die vierte Goldmedaille.

Aber das sind alles Sportnachrichten, die Ihr auf jeder Nachrichtenseite nachlesen könnt.

Ich wollte auch irgendeinen Teil dieser WM erleben. Zum Wettbewerb selber wollte ich mit einer wirbeligen 1,5jährigen nicht gehen. Gesa wäre mir noch auf die Loipe gehüpft! Was dann?

Beim Stöbern auf der WM-Website dann die Lösung: Jeden Abend findet nach dem Wettbewerb die Medaillenverleihung statt. Aber nicht oben am Holmenkollen – nein, mitten in der Stadt!

Na, da wollte ich hin!

Freund Christian praktischerweise auch.

Wir verabredeten uns für Mittwochabend. Der Wettbewerb des Tages waren Einzelrennen der Frauen und wir hofften auf einen deutschen Sieg. Wäre doch toll, eine Landsfrau anzujubeln!

“LOS, LAURA!!!!” feuerte ich also die deutsche Biathletin Laura Dahlmeier mittags am Fernseher an, “Go for GOOOOOLD!!!”

Aber wer – natürlich – musste sich mit fantastischen Zeiten vor unsere deutsche Goldhoffnung drängeln?

Bien sûr – die Franzosen! Wollten die jetzt wirklich ALLE Medaillen gewinnen? Gold und Silber also an Frankreich, aber, immerhin, Bronze für Deutschland! Und da ich die Dinge immer positive sehe, dachte ich in diesem Fall: Prima, dann kann ich endlich mal wieder die französische Nationalhymne singen.

(Die finde ich nämlich, trotz ihres blutrünstigen Textes, fabelhaft. Eines meiner Highlights unserer Jahre in Frankreich war es, im vollbesetzten Stade de France die Marseillaise zu singen.)

Kurz nach 19 Uhr kamen Christian und ich am Universitätsplatz an, wo Kurt Nilsen gerade sein Minikonzert begonnen hatte. Franzosen und Deutsche wippten im Takt, die Franzosen in glückseliger “Wir gewinnen AAAALLLES!”-Stimmung. Im NRK-Studio neben der Bühne bereitete sich Anne Rimmen auf die Live-Show vor.

 

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Foto: Christian Erhard

 

Cool!

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Wir knipsten alles und nichts, genossen die Stimmung und besonders den Blick durch die Bühne zum erleuchteten Schloss. Der Anblick hatte mich schon bei der Eröffnungsshow begeistert– live war es aber noch besser! Tja und dann war das Musikprogramm beendet und der Höhepunkt des Abends kam – die Medaillenverleihung! Unter Jubel der Fans war das französische Team in den Innenraum der Bühne eingeladen wurden und wir erhaschten Blicke auf das deutsche Team mit ihren grünen Teamjacken.

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Großartiges Foto: Christian Erhard :)))))

Kurze Zeit später erschienen die Sportlerinnen auf dem Bühnensteg. Vorne weg junge Norwegerinnen in bunad, die die Medaillen trugen, dann kam Laura (“LAAAAURA!!!!”) Dahlmeier, gefolgt von Anaïs Bescond und Marie Dorin Habert. Ich bin ja so fürchterlich sentimental – keine Tierdoku läuft bei mir ohne Tränen ab – und hatte schon Wasser in den Augen, bevor Laura Dahlmeier das Siegertreppchen betrat. Was hat sie sich aber auch gefreut!

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Foto: Christian Erhard

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Foto: Christian Erhard

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Foto: Christian Erhard

Toll war es auch, live zu erleben, was ich sonst nur im Fernsehen sah – altbekannte Bilder aus ganz neuer Perspektive. Die Riesenleinwand vor unserer Nase übertrug die Liveshow und wir konnten uns und unsere einzelne deutsche Flagge gut sehen….naja….

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So, nun hatten auch die beiden Französinnen ihre Medaillen. Zu den Klängen der Marseillaise wanderten die Nationalflaggen an den Mästen empor.

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Die französischen Fans gaben stimmlich alles, unterstützt von einer Deutschen, die sich versuchte, an den Text zu erinnern. Falls Ihr jemals in diese Situation kommen sollte (…ich wette, Martin Fourcade holt noch zwei Medaillen…) – hier ist er:

 

Allons enfants de la Patrie,

Le jour de gloire est arrivé!

Contre nous de la tyrannie,

L’étendard sanglant est levé. (2×)

Entendez-vous dans les campagnes

Mugir ces féroces soldats?

Ils viennent jusque dans vos bras

Égorger vos fils, vos compagnes.

Auf, Kinder des Vaterlands,

Der Tag des Ruhmes ist gekommen!

Gegen uns Tyrannei,

Das blutige Banner ist erhoben. (2×)

Hört ihr auf den Feldern

Diese wilden Soldaten brüllen?

Sie kommen bis in eure Arme,

Um euren Söhnen, euren Gefährten die Kehlen durchzuschneiden.

Refrain:

Aux armes, citoyens,

Formez vos bataillons,

Marchons, marchons!

Qu’un sang impur

Abreuve nos sillons!

(2×)

Refrain:

Zu den Waffen, Bürger,

Formt eure Truppen,

Marschieren wir, marschieren wir!

Unreines Blut

Tränke unsere Furchen!

(2×)

 

Sollten die Norweger gewinnen, singen wir alle:

Ja vi elsker dette landet

Melodie: Richard Nordraak
Text: Bjørnstjerne Bjørnson

Ja, vi elsker dette landet
som det stiger frem,
furet, værbitt over vannet
med de tusen hjem, –
elsker, elsker det og tenker
på vår far og mor
og den saganatt som senker
drømme på vår jord.

Norske mann i hus og hytte,
takk din store Gud!
Landet ville han beskytte,
skjønt det mørkt så ud.
Alt hva fedrene har kjempet,
mødrene har grett,
har den Herre stille lempet,
så vi vant vår rett.

Ja, vi elsker dette landet
som det stiger frem,
furet, værbitt over vannet
med de tusen hjem.
Og som fedres kamp har hevet
det av nød til seir,
også vi, når det blir krevet,
for dets fred slår leir.

  • Ja wir lieben dieses Land

Ja, wir lieben dieses Land,
wie es zerfurcht und vom Wetter gegerbt
aus dem Wasser emporsteigt,
mit den tausend Heimen.
Lieben es und denken
an unseren Vater und Mutter
und an die Nacht der Sage,
die Träume auf unsere Erde niedersenkt.

Norweger in Haus und Hütte,
danke deinem großen Gott,
das Land wollte er beschützen,
auch wenn es dunkel aussah,
alles wofür die Väter gekämpft haben,
die Mütter geweint,
hat der Herr still gemäßigt,
so das wir unsere Recht bekamen.

Ja, wir lieben dieses Land,
wie es zerfurcht und vom Wetter gegerbt
aus dem Wasser emporsteigt,
mit den tausend Heimen.
Und wie der Kampf unserer Väter
es aus der Not zum Sieg gehoben hat,
so werden auch wir, wenn es nötig ist,
das Lager für den Frieden aufschlagen.

Ich wünsche den Norwegern eine weitere Goldmedaille. Heute haben die norwegischen Frauen Gold in der Staffel geholt – die Freude war groß. Richtige Befriedigung gäbe aber, vermute ich, erst ein Sieg gegen den WM-König Martin Fourcade. Auch wenn der sich schon mit König Harald in der Königsloge verabredet hat.

***

So, das war es für heute, meine lieben Leser. Wir sind begeistert vom Universitätsplatz nach Hause gewandert, vorbei an jubelnden Franzosen und gutgelaunten Deutschen. Ab Montag kehrt in Oslo wieder Ruhe ein, aber bis dahin genießt die Stadt es noch, Gastgeber zu sein. Meine Grüße der Woche gehen diesmal nach Hildesheim: Lislbee Lisa :), noch ganz viel Spaß beim Biathlon gucken! Uns allen wünsche ich eine tolle Woche, schaltet mal die WM an und drückt die Daumen für das deutsche Team.

Ha det,

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(Laura Dahlmeier in grün und ich…ein Meilenstein in der Geschichte der Selfie-Fotografie…)

Ulrike

 

 

In meiner Küche herrscht Weltgebetstag ODER Hola aus Oslo!

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(zeitreisen.zeit.de)

“Was ist denn jetzt los?” fragt Ihr Euch vielleicht. “Schreibt sie plötzlich einen religiösen Kochblog…auf Spanisch?” Die Wellen schlagen hoch, das Kommentarfeld füllt sich, bis endlich die erlösende (ganz unreligiös gemeinte) Nachricht kommt: Alles bleibt wie es war.

Hallo, meine lieben Leser, wie schön, dass wir uns hier wieder treffen. Das Gemeindeleben der deutschen Gemeinde in Oslo ist vielfältig und seit der Ankunft des neuen Pastors auch um einige Veranstaltungen reicher. Dass ich sehr aktiv in der Gemeinde bin, ist Euch bekannt – auch wenn ich immer noch keinen Blog darüber geschrieben habe.

(Steht ganz oben auf meiner Agenda. Eine evangelische Gemeinde im Ausland kann nämlich nicht nur ein zweites Zuhause sein – sie ist auch etwas ganz anderes als eine heimatliche Kirchengemeinde.)

Eine der neuen (oder für mich neuen) Veranstaltungen ist der Weltgebetstag. Der Name spricht für sich. Jedes Jahr richtet ein anderes Land diesen Tag thematisch aus und die ausführenden Gemeinden in aller Welt feiern den Tag soz. im Namen dieses Landes. Es wird gesungen, gebetet, erzählt und…GEKOCHT!

Dieses Jahr ist das ausführende Land Kuba. Was bedeutet, dass wir morgen einen Kinderbibeltag und im Anschluss einen Gottesdienst zum Weltgebetstag haben werden, in dem es auch um Kuba geht. Nach dem Gottesdienst kommt der kulinarische Teil des Weltgebetstags: Kubanische Küche.

Lange Rede, kurzer Sinn: Statt also heute amüsant über Norwegen zu berichten, stehe ich in der Küche und koche picadillo corriente – kubanischen Hackfleischtopf und backe Orangenmuffins. Ganz norwegisch läuft im Wohnzimmer die Zusammenfassung der Biathlon-WM von heute.

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(unscharf…aber lecker!)

Ha! Da kommt also doch noch etwas Norwegisches in den heutigen Blog!

Seit Donnerstag läuft in Oslo nämlich die Oslo2016 – die Biathlon-WM, an der 34 Nationen beteiligt sind. Passend dazu schneit es seit drei Tagen, und das perfekte Wetter führte auch gleich zu einer Silbermedaille des deutschen Teams im ersten Wettbewerb. Die Stadt ist im WM-Fieber: Tagsüber oben am Holmenkollen und abends in der Innenstadt, wo am Universitätsplatz ab 20 Uhr die Medaillenverleihungen sind.

Aber dazu nächste Woche mehr.

Weltgebetstag und Biathlon – diese Mischung bekommt Ihr nur bei mir zu lesen 🙂

Lasst es Euch gut gehen, liebe Leser und verzeiht den (fast) nicht vorhandenen Blog dieser Woche. Vielleicht findet bei Euch auch irgendwo der Weltgebetstag statt – geht doch mal hin! Uns allen wünsche ich eine schöne Woche, wo immer Ihr seid!

Ha det bra,

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Moooojito!!!!

Ulrike