Von Herbstanfang, Internetüberraschungen und Ärzten in Armani-Kitteln

Meine Güte, es ist fast schon September. In Oslo trollt sich der Sommer beschämt davon und der Herbst schmeichelt sich mit viel Sonne an seine Stelle. Herbst!! Bunte Blätter, mitreißende Stürme, Regenschirm und Gummistiefel stehen bald wieder auf dem Programm! Genauso wie verrotzte Nasen und schaurige Hustenattacken. Und das bringt mich zu einem neuen Thema über das Leben in Norwegen………..

HALLO MEINE LIEBEN LESER! Da sind wir wieder. Also Ihr und ich. Lange haben wir uns nicht gesehen! Ich hatte eine tolle Zeit in Deutschland, das gerade in der Woche, als ich dort war, beschlossen hatte, Saharaluft zu importieren. Aus der Sauna bin ich aber wohlbehalten wieder im kühleren Norwegen gelandet und konnte gleich einen Haken auf meiner „Ich lerne Norwegen kennen“-Liste machen. Ich war beim Arzt. Muss man ja auch mal machen. Während ich so im Warteraum saß, habe ich mir Notizen gemacht, um Euch von diesem Erlebnis und dem norwegischen Gesundheitssystem so gut wie möglich berichten zu können!

(Womit auch klar ist, dass ich nicht bettlägerig schwerstkrank war. Nur zu Eurer Beruhigung. Es ging um meinen Magen.)

Norwegen ist ein Sozialstaat, der jedem Bewohner Norwegens, sofern er registriert ist, das Recht auf kostenfreie medizinische Betreuung zusteht. Den zuständigen Hausarzt kann man entweder selber wählen oder bekommt ihn von der HELFO (Helseøkonomiforvaltingen…tolles Wort für Galgenraten!) zugewiesen. So einfach ist das mit dem Selbstwählen aber nicht: Der Arzt muss auch freie Plätze haben. Um festzustellen, ob der Lieblingsarzt noch Kapazitäten hat, kann im Internet eine Liste konsoltiert werden, die für Majorstuen beispielsweise gerade so aussieht:

https://tjenester.nav.no/minfastlege/innbygger/fastlegesokikkepalogget.do

Von den 51 ansässigen Ärzten in Frogner/Majorstuen haben nur noch 8 freie Plätze.  Ist der Lieblingsarzt dabei, kann der Wechsel gleich online vollzogen werden und, schwupps, ab dem nächsten Monat kann sich ein neuer Mediziner um den wertvollen Körper kümmern.

Da wir keine Erfahrung mit Ärzten in Oslo hatten und uns nicht auf unterschiedliche Empfehlungen verlassen wollten, haben wir gewartet, bis wir zugeteilt wurden. Nach ca. drei Monaten kam der Brief mit Name und Adresse unseres neuen Arztes. Gleich hier um die Ecke, na das nenn ich praktisch.

Und nun sollte ich ihn zum ersten Mal treffen.

Da ich ein Internetjunkie bin (und die Öffnungszeiten der Praxis erfahren wollte), googelte ich unseren Arzt also und erlebte einigen Überraschungen:

Erstens: Er war eine sie. Manche norwegischen Vornamen sind aber auch tricky.

Zweitens: Ich fand zwar keine Öffnungszeiten, aber erfuhr, dass meine Ärztin in 2009 knapp 1 Million NOK verdient hatte. (In Norwegen wird jährlich das Einkommen, Vermögen und die Steuerbelastung  JEDES Norwegers und Steuerpflichtigem in Norwegen veröffentlicht. Glaubt Ihr nicht? Hier: http://www.nrk.no/skattelister2009/kommune~oslo~0301/)

Drittens: Wütende norwegische Patienten hatten sich in einem Ärzte-Forum ihren Frust über unsere neue Ärztin von der Seele geschrieben und „frustrierte, verbitterte Kuh“ war eine der nettesten Beschreibungen.

Ja, gut………

Mit dem Bild einer männlich aussehenden, aber weiblich heißenden, verbitterten Kuh im Armani-Kittel vor Augen, machte ich mich auf den Weg in die Praxis.

Wo ich erstmal meine Schuhe ausziehen sollte. Also nicht zur Untersuchung. Nein, nein. Gleich beim Reinkommen. Norwegen ist das Mekka aller Hausschuhhersteller, denn kein privates Haus kann in Straßenschuhen betreten werden. Ist so. Gibt es bei uns auch nicht!

Aber beim ARZT?

Irritiert verließ ich meine Schuhe und stieg in ein, kurz vor dem Rentenalter stehendes, Paar blauer Pantoffeln. Vielleicht hat Frau Doktor einen Deal mit einem Fußpilzmedizinvertreter und ich wurde gerade das neueste Opfer?? Gottergeben schlurfte ich zum Warteraum. Der Armanihexe in Pantoffeln zu begegnen war mir nicht recht, und gerade, als ich dabei war, eine Strategie zu ersinnen, ertönte mein Name: „Ulrike?“.

Oho, meine Ärztin schien eine Vertretung zu haben, dachte ich erleichtert und schlurfte der netten, blonden Frau im regulären Arztkittel entgegen, die mir einen Platz anbot und sich vorstellte.

Und nun habe ich einen Rat an Euch alle, meine lieben Leser: Vertraut nie, NIEMALS, den Kommentaren im Internet. Alles Humbug. Irgendwelche Selbstdiagnose-Träger mit Selbstbewusstseinsknacks geben ihren Senf ab und dusselige Leute wie ich fallen darauf rein.

Meine Ärztin ist toll! Professionell, kompetent und freundlich. Was will ich mehr?

Auf Englisch arbeiteten wir uns durch die notwendigen Fragen, ich bekam mein Rezept und während Frau „Total nett und gar keine reiche Hexe“-Doktor tippte, blickte ich mich um. Und war verwirrt: Im Raum befand sich neben einer Untersuchungsliege auch ein Poster für Seh-Übungen und ein gynäkologischer Untersuchungsstuhl.

Es ist in Norwegen wie auf dem Land: Der Hausarzt ist für alles da. Augen- , Frauen- , Kinder- und Allgemeinkrankheiten.

Oha. Das musste ich erstmal verdauen. In einem Dorf hätte ich nichts anderes erwartet, aber hier in Oslo? Im Westend? Oha.

(In bestimmten Fällen scheint es die Überweisung zu Fachärzten zu geben, aber ob das ein Gerücht ist oder die Wahrheit habe ich noch nicht herausgefunden. Es gibt selbstverständlich Privatkliniken für alle, die dem System nicht ausreichend vertrauen.)

Wieder was gelernt.

Und Ihr auch! Toll so ein Blog, nicht wahr?

Mit meinem Rezept, vielen neuen Informationen und einer Quittung über die gezahlten 116 NOK verließ ich die Praxis. Eine anschließende Runde im Frognerpark machte klar, dass der Herbst wirklich da war: Das Frognerbad hat geschlossen, genauso wie eines der Cafes im Park. Statt 50 parkten nur noch gefühlte 25 Reisebusse am Haupteingang. Manche Spaziergänger trugen Stiefel und Schal, während andere den Sommer nicht loslassen wollten und tapfer in Shorts und Flipflops stiegen.

Herbst.

JUCHUUU!!!!!!!!!!!!!!!

ICH LIEBE HERBST!!!!

Lass den Sommer ruhig blöd sein, kümmert mich nicht!!

VELKOMMEN HǾSTEN!!!

Das war es, meine lieben in 7er-Gruppen hoffentlich schmunzelnden Leser! Danke, dass Ihr hier wart! Ich wünsche Euch eine tolle Woche, für mich beginnt Montag eine neue Runde Norwegisch-Kurs, an der ich Euch natürlich wieder teilhaben lasse.

Bis dahin liebe Grüße, schätzt mal wieder das deutsche Sozialsystem, genießt den Herbst und holt die Keksrezepte aus dem Schrank!

Ha det bra,

Ulrike

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Von olympischen Medaillen, skurrilen Sportarten und norwegischen Handballfrauen

JAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAA!

Norwegen hat Gold!!!

Einik Verås Larsen heißt der norwegische Goldmann und hat sich in der fantastischen Zeit von 3:26 Minuten in den Olympischen Medaillenhimmel gekajakt. (Das ist wahrscheinlich kein weltweit akzeptiertes Verb, aber man möge mir meine grammatikalischen Patzer entschuldigen. Ich bin mit Jubeln beschäftigt!)

GOLD!!!!!

Das wurde ja auch Zeit.

Hallo, meine lieben, in 7er Gruppen kajakenden, Leser! Das Olympiafieber hat seinen Höhepunkt erreicht und es bis in diesen Blog geschafft. Ich hätte auch über nichts anderes schreiben können, da ich seit Tagen am TV klebe wie die Bärenzunge am Honigtopf. Es ist aber auch zu spannend, was in London passiert. Nach der etwas enttäuschenden Eröffnungsfeier hatte ich zugegebenermaßen so meine Zweifel, aber alles wurde gut. Ich frage mich jetzt schon, was ich nach Ende der Olympischen Spiele tun soll. Ob es Wiederholungen gibt? Ich bin wirklich ein Sport-Junkie geworden, aber ich bin nicht allein: Hier im Appartmentkomplex jubelte und schrie es gestern abend aus allen Richtungen, als Norwegen im Handball gegen Süd-Korea gewann. Im Norwegischkurs nutzen wir unser beschränktes Vokabular, um die Silbermedaille von Bartosz Piasecki zu feiern. Olympia ist überall!

Es gibt ja auch soviel zu entdecken bei Olympischen Spielen. Irrwitzige Athleten, deren Ego größer ist als das gesamte britische Königreich. Ehrgeizgetriebene Regierungen, die ihre Sportler als politisches Machtmittel missbrauchen. Echte Olympia-Momente mit überwältigten Sportlern und jubelndem Publikum. Es gibt auch neue Sportarten zu entdecken. Keirin zum Beispiel. Habt Ihr davon schon gehört? Im Alltagsleben würden wir es „100jähriger auf Klapprad hält Berufsverkehr auf“ nennen. Im Radsport ist es eine faszinierend skurile Disziplin, bei der ein Fahrer auf einem motorbetriebenen Rad vor den Radathleten herfährt. Nach einigen Runden verlässt er die Bahn und die Radler geben Gas – der Schnellste gewinnt.

Nein, es hört sich nicht nur komisch an.

Ein bisschen schwieriger ist es, norwegische Athleten bei diesen Olympischen Spielen zu entdecken. Zugegeben, Norwegen gehört zu den kleineren Ländern und reiste mit gerade einmal 64 Athleten nach London. Bei der überwältigenden Masse von chinesischen und US-amerikanischen Sportlern haben es die kleinen Länder auch wirklich nicht leicht. Der Vorteil ist: JEDE Medaille wird wie eine Goldmedaille gefeiert! Jawohl. Bisher konnten wir hier im Land dreimal jubeln. Bronze für Alexander Kristoff im Straßenrennen, Silber für Bartosz Piasecki im Fechten und schließlich Gold für Einir Larsen im Kajaksprinten.

BRAVO!!! VELDIG BRA!! KJEMPEFINT!!

Nun könntet Ihr, meine lieben Leser, aufhorchen und bemerken: Das sind ja alles Männer! Gewinnen in Norwegen nur Männer Gold??

Die Rettung naht in Gestalt der norwegischen Handballfrauen.

Die Frauen um Mannschaftskapitän Marit Fram Malfjord stehen morgen Abend im Finale gegen Montenegro und wollen ihr Olympiagold von Peking verteidigen! Notiert Euch: Morgen abend 21.30 (20.30 Londonzeit!). Wehe, Ihr guckt nicht! Bisher fand ich Handball ja immer zum Sterben langweilig, aber ich bin ja lernfähig. Irgendwie ist es ja ein ganz nettes Spiel. Der Torwart ist zwar überflüssig. Ansonsten: Doch, nett, irgendwie. GOOOOO NOOORWAYYYYY!!!

In den anderen Disziplinen sind die Norweger leider nicht so weit gekommen. Im Bogenschießen gab es ein frühes Aus, ebenso im Badminton, Volleyball, Ringen, oder in der Leichtathletik. Im Schwimmsport verarbeitet das Team, zusammen mit dem Rest Norwegens, den tragischen Tod von Alexander Dale Oen. Dieser Mannschaft hätte ich eine Medaille von ganzem Herzen gegönnt. Im 1500-Meter-Lauf hat Henrik Ingebrigtsen den norwegischen Rekord eingestellt, ist dann aber auf dem 5. Rang gelandet. Die Segler Eivind Melleby und Petter Mørland Pedersen segelten auf Rang 4 im Starbootrennen. Dabei sein ist alles, das ist natürlich wahr. Aber die eine oder andere Medaille mehr wäre doch ganz nett gewesen.

Es ist aber auch kein Wunder, dass Norwegen nicht zu den erfolgreichsten Nationen dieser Olympischen Spiele gehört. Das sind schließlich die SOMMER-Spiele. Gibt es hier Sommer? Nein, es gibt keinen Sommer, nur einen etwas erschöpften Winter. Kein Wunder also, das Norwegens Sternstunde eher in den Winterspielen liegt. 23 Medaillen waren es 2010 in Vancouver. 3 bisher in London.

Aber morgen spielen ja die Handballerinnen………..

Das war es schon wieder für heute, meine lieben Leser! Ich wünsche Euch eine tolle Woche und dann noch eine tolle Woche und dann noch eine tolle Woche….ich gehe nämlich in Urlaub! Am 31. August melde ich mich wieder bei Euch.

Bis dahin lasst es Euch gut gehen, nutzt die letzten Sommertage, habt Spaß an allen skurillen Dingen im Leben und drückt morgen Abend die Daumen für Norwegen!

Ha det bra,

Ulrike

P.S.: Habt Ihr schon meinen neuen Blog entdeckt? Ein Fotoblog mit wechselnden Aufgaben. Guckt doch mal vorbei oder noch besser: Macht mit! http://ulrikeniemann3.wordpress.com/

Von revolutionären Westfjorddialekten, multivisuellen Sporterlebnissen und brillanten Überleitungen

Multitasking ist das Wort des Tages: Auf Eurosport vor mir schwingt sich gerade Jennifer Oeser über die Hochsprungstange, auf Internet-Channel 2 des norwegischen Fernsehens schlägt Roger Federer auf und dazwischen sitze ich mit Büchern über norwegische Grammatik!! VERWIRRUNG!! Ähnlich verwirrt müssen sich die Norweger gefühlt haben, als sie 1814, ganz unabhängig von Dänemark plötzlich, vor einem Problem standen: Welche Sprache sprechen wir denn jetzt?

(Also, wenn das jetzt keine elegante Überleitung war, dann weiß ich es nicht!)

Hallo meine lieben, eventuell auch Olympiasüchtigen, Leser! Schön, dass wir uns hier wieder treffen! Wie versprochen dreht sich heute alles um den ungewöhnlichen Zustand, dass es in Norwegen zwei offizielle Schriftsprachen gibt. Bokmål und Nynorsk. Das gibt’s natürlich in anderen Ländern auch: Kanada begrüßt und begleitet uns in Englisch und Französisch, die Schweiz besitzt vier Amtssprachen, was noch nichts ist gegen Bolivien, wo es tatsächlich 36 zugelassene Amtssprachen gibt.

Nun gibt es zu diesen, von mir clever ausgesuchten, Beispielen und Norwegen einen ganz wesentlichen Unterschied: In Kanada oder der Schweiz sind VÖLLIG verschiedene Sprachen Amtssprachen. In Norwegen sind es zwei einander sehr, sehr, sehr ähnliche Dialekte. Das ist, als würden in Deutschland plötzlich Hochdeutsch und Plattdeutsch zu gleichwertigen Amtssprachen erklärt. Hier mal ein paar Beispiele aus den beiden Sprachen, entnommen dem „Practical Guide to the Mastery of Norwegian“ von Louis Janus.

(Da stocke ich gerade und stelle erstaunt fest, dass ich Louis Janus kenne: Er betreut eine Norwegisch-Gruppe bei facebook und ich habe ihm schon manche Frage gestellt. Ist ja ein Ding jetzt. Die Welt ist ein Dorf. Weiter im Text!)

Beispiel also.

Louis bietet uns die folgenden, essentiellen, Vokabeln:

Norwegen, ich, sie, nicht, Unterschied.

Im Bokmål heißt es dann so:          Norge, jeg, hun, ikke, forskjell.

Im Nynorsk sieht so aus:                Noreg, eg, ho, ikkje, skilnad.

Die Unterschiede halten sich im Rahmen, finde ich…..Anscheinend hat jemand das j von „jeg“ geklaut und es in das „ikkje“ gesteckt. Aber wer?

(Schon wieder so eine brillante Überleitung. Ich sollte allerdings damit aufhören, die Überleitung zu bewerten, dass nimmt ihr die Brillanz irgendwie….Mist….zu spät…nächstes Mal…)

Nynorsk, das „neue Norwegisch“, wurde im 19. Jahrhundert vom Sprachforscher und Westnorweger Ivar Aasen entwickelt. Nach Jahrhunderten der dänischen Abhängigkeit stellte sich Aasen die Frage: Was für ein Norwegisch würden wir sprechen, wenn wir die Dänen niemals getroffen hätten? Diese, im Unabhängigkeitsrausch gestellte, Frage war berechtigt, denn bis 1814 galt Dänisch als offizielle Landessprache von Christiana bis Tromsø. Aasen zog also durch Westnorwegen auf der Suche nach dem neuen Norwegisch, das ironischerweise aus den alten Dialekten entstehen sollte. Aus Alt mach Neu, sozusagen.

Nun gibt es in Westnorwegen „ebenso viele Dialekte wie westnorwegische Fjordarme“ (Edda D. Drolshagen) und nach einer langen Suche blieb Aasen nichts anderen übrig, als seine Aufzeichnungen in einen Shaker zu tun und kräftig durchzuschütteln. Ein bisschen Logik und Regeln dazu und…zack…NYNORSK. Aasen war ein Sprachrevoluzzer.

Auf der anderen Seite des Landes machte sich Knud Knudsen seine Gedanken. Auch ihm war bewusst, dass das nun unabhängige Norwegen eine eigene Sprache brauchte. Die revolutionäre Fjordsprachenattacke war ihm aber fremd. Knudsen war traditioneller und machte sich daran, die dänische Sprache zu „norwegenisieren“. Das daraus entstandene Bokmål ist sprachlich gesehen keine eigene Sprache, sondern ein….naja….abgewandeltes Dänisch.

(Was dazu führt, dass sich Dänen hier in Oslo beispielsweise ohne große Schwierigkeiten verständigen können.)

Plötzlich waren also zwei Sprachen im Umlauf. Was sollten die Norweger tun? Sie taten, was sie gut können: Sie fanden eine diplomatische Lösung. 1885 erhob das norwegische Storting (Parlament) Nynorsk und Bokmål zu gleichwertigen Schriftsprachen und alle offiziellen Publikationen müssen seitdem in beiden Sprachen erhältlich sein.

(Ich bin dafür, dass in Deutschland auch zu tun. Ich will Plattdeutsch als zweite offizielle Schriftsprache!!!!)

Heute sieht die Situation in Norwegen so aus: Der Großteil der Bevölkerung benutzt Bokmål, es ist auch die erste offizielle Sprache die Schulkinder lernen. Abiturienten werden in beiden Sprachen geprüft. Ein Großteil der TV- oder Radiosendungen des staatlichen Sender sind in Bokmål, rund ein Viertel in Nynorsk, der Rest sind US-Krimis im Original. Im Osten und Norden des Landes regiert die dänische Tochtersprache, während Bergen beispielsweise eher Nynorsk-Gebiet ist.

Alle diese wichtigen Fakten beziehen sich wohlgemerkt auf die SCHRIFTsprache. Die gesprochenen Dialekte sind ein völlig anderes Thema und eines, dem ich noch nicht gewachsen bin. Soviel sei gesagt: Niemand in Norwegen käme auf die Idee, seinen Heimatdialekt jemals abzulegen. Ein Dialekt ist wie eine Tracht: Er zeigt, woher man stammt. Seinen Dialekt aufzugeben hieße, seine Herkunft zu verleugnen. Und Herkunft ist wichtig in Norwegen.

So.

Fertig.

Seid Ihr noch da????

Ich gebe uns allen jetzt mal einen Moment, uns von diesem trockenen Thema zu erholen…….

*erhol*

*erhol*

Alles gut wieder?

Auf Eurosport wird übrigens gerade ein Läufer aus Ghana vom Feld gerollt, del Potro fegt Federer vom Platz und inmitten der sportlichen Aufregung sitze ich. Nun mit einem fertigen Artikel! Toll! Wo ist meine Goldmedaille? Ich lache übrigens jedes Mal Tränen, wenn norwegische Kommentatoren von Goldmedaillen reden. Die heißen hier Gullmedalje und werden wie „güll“ ausgesprochen. Gestern abend klang es also über Michael Phelps so aus unserem TV: „Hann sfömmer for gülle.“

Wunderbar.

So, meine lieben in 7er Teams versammelten Goldleser, das war es schon wieder für heute! Ich hoffe, Ihr hattet Spaß an diesem ungewöhnlich trockenen Artikel. Man kann ja nicht IMMER lustig sein!! Ich wünsche Euch eine tolle Woche, erforscht mal Eure Herkunft, sammelt lustige Dialektausdrücke, postet sie hier und jubelt auch mal einem Verlierer zu!!

Ha det bra

Ulrike