Sommer, nee Herbst, nee Sommer in Oslo….

@radiokiepenkerl

So, gleich geht es los. Habe ich alles eingepackt für einen Nachmittag im Park? Kurz nochmal checken: Picknickdecke, Ball, Sonnencreme, Gummistiefel, Schirm, Schneeanzug, Handschuhe. Ja, alles da, auf geht’s!

Hallo, meine lieben Leser, wie schön, dass wir uns hier wieder treffen. Das Wetter in Oslo spielt 2016 echt verrückt. Verlässt man das Haus morgens in sommerlicher Stimmung, kehrt man spätestens mittags frierend zurück. Oder umgekehrt. Ein heilloses Durcheinader! Mehrfach haben wir schon gedacht: “So, das war es mit dem Sommer!”, nur damit er dann am nächsten Tag wieder da war. Das ist verwirrend! Wie soll man sich denn darauf einstellen?

Ich meine, mal ehrlich: Make up your mind, Sommer! Sein oder nicht sein? Strand oder Pfütze? Das würde mir auf jeden Fall den Tagesablauf sehr erleichtern.

Allerdings bemerke ich, dass viele Norweger (und bald auch ich) dieses Hin und Her einfach ignorieren und sagen: “Es ist Sommer. Basta!” Da hüpfen die Kinder im Regen barfuß auf dem Spielplatz, da geht die Familie bei Herbstwetter ins Freibad und Eis schmeckt überhaupt schon mal IMMER. Dazu tragen wir Birkies und Shorts, Blumenkleider und Bikinis und wer im Sommer Socken anzieht ist ein Loser! Sommer ist, weil wir das sagen.

Ein sehr unterhaltsame und positive Einstellung, die Gesa und ich gern übernehmen. Wir sind allerdings noch blutige Anfänger, deshalb quillt der Kinderwagen über von Gegenständen für alle vier Jahreszeiten. Naja, das wird schon! Bis Montag dauert der Zauber noch, dann geht hier in Oslo der Alltag wieder los: Schulstart. Ende des Sommers. Ende der lockeren Tage, des Pokemon-gefüllten Frognerparks und langsamer Anfang vom Herbst.

Schade. Je länger ich in Norwegen lebe, umso mehr mag ich den Sommer. Besonders den norwegischen Sommer: Am See liegen, leichter Wind in den Birken, Sommergeruch in der Nase. Schön ist das. Nur irgendwie zu kurz.

Also, Sommer, falls du noch ein paar Tage bleiben willst, von mir aus gerne. Aber dann entscheid’ dich: Do you wanna stay or wanna go? Weil, ehrlich, ich habe keine Lust mehr, den ganzen Mist immer mitzuschleppen!!!!

***

So, meine lieben Leser, das war es für heute! Meine wöchentlichen Grüße gehen diesmal an meinen Partner in Crime und Love. Ich wette, du hast beim Lesen die Augen verdreht, den Kopf geschüttelt und hast “Ich will Herbst!” gemurmelt. – Und dann schicke ich ein paar Grüße an den kleinen Sonnenschein, der nebenan seinen Mittagsschlaf hält: Heute, meine kleine Motte, war unser letzter “normaler” Tag. Nur wir beide vormittags mit unserem normalen Alltag. Ab morgen ist Oma zu Besuch, jippie!!! und ab Dienstag, deinem 2. Geburtstag, bist du ein Kindergartenkind!!!

Was hatten wir für zwei tolle Jahre, mein kleiner Lieblingsmensch! Jetzt kommt dein erster Schritt raus aus dem Nest und ich frage mich, wer tapferer sein muss… Als du gerade ein paar Tage alt warst, habe ich geschrieben: “Gesa füllt einen Platz in unseren Herzen, von dem wir gar nicht wussten, dass er so schmerzhaft leer war.” Wahnsinn, wie lange das schon her ist. Ich hab dich trillionenfach mehr lieb als damals, meine kleine Entdeckerin. Und jetzt, los, husch, raus aus dem Nest!

Ha det bra,

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Ulrike

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Sommer in Oslo ODER Ich buddel‘ mir ein Loch und warte auf Besserung

 

Die Thermometer in Oslo zeigen gerade sportliche 26 bis 31 Grad an. Das ist fein, besonders für Menschen, die die Hitze lieben. Ich allerdings überlege, mir im Frognerpark ein Loch zu buddeln, mich hineinzulegen und auf bessere Zeiten zu warten.

Hallo, liebe Leser, schön, dass wir uns hier wieder treffen. Der Sommer ist also da und zwar mit Karacho. Nun haben er und ich schon immer ein gestörtes Verhältnis und seine hohen Temperaturen (alles ab 24 Grad) kann er von mir aus für sich behalten. Hier in Norwegen hatten Sommer und ich bisher eine Art Waffenstillstand gelebt: Er bot mir max. 24 Grad, ich lobte seine Vorzüge.

Ohne große Vorwarnung hat der norwegische Sommer nun aber über die Stränge geschlagen. Und das gerade jetzt, wo ich schon bei frühlingshaften 20 Grad keuche wie ein Nilpferd nach dem Baden. Und nicht nur, dass der Sommer über die Stränge schlägt: Die Menschen ziehen mit. Gestern jubelte es in den sozialen Medien ob meiner Aussage, dass Oslo sich in Madrid oder Athen verwandelt hatte und wahnwitzige 31 Grad bot: „Toll! Super! Prima! Ich komme! Warum jetzt, ich bin gerade nicht da! Endlich Sommer! Ich liebe Hitze!“ schlug es mir entgegen und ich fühlte mich augenblicklich unverstanden und ungeliebt.

Nun, es ist heiß, da tendiert frau zu übertriebenen emotionalen Momenten. Und nicht nur frau, oder? Nach der brutalen Heimsuchung in Belo Horizonte durch die deutsche Elf kühlten sich die geschockten Brasilianer mit ihren eigenen Tränen, Torkeeper Julio Cesar riss es fast wieder beim anschließenden TV-Interview und das lautstarke Heulen der entsetzten Fans erstickte den deutschen Jubel. Auch das Spiel Ecuador-Kolumbien erinnerte mehr an eine schlechte Seifenoper als an gestandenen Männersport. Aber vielleicht wurde bei dieser so unerwartet unerwarteten WM das Ausschütten von Tränenflüssigkeit wirklich zum Kühlen benutzt und sollte das so sein, dann kann ich das verstehen, ich könnte bei den tropischen Verhältnissen hier in Norwegen auch heulen.

Was aber tun in Oslo an Tagen wie diesen, wo die Nächte keine Abkühlung bringen und jede Busfahrt zum Höllentrip wird? In den Norden wandern, solange bis es kühler wird? Laut Wetterdienst müsste ich bis zu den Lofoten wandern, wo mich wunderbare 15 Grad erwarten. Das schon angekündigte Loch im Park buddeln oder in den Keller ziehen? Die kühlenden Angebote der Stadt nutzen?

Der letzte Gedanke hört sich vernünftig an. Wie kann sich der hitzegestresste Mensch in der norwegischen Hauptstadt das Leben also erträglicher gestalten?

1. Kühlendes Nass (extern): Oslo besitzt ein Freibad am Frognerpark, das außer zwei Becken und einem Sprungturm nicht viel bietet, dafür aber 90 NOK/100 NOK (Wochenende) Eintritt kostet (ja, das sind grob 12,- Euro…). Wer das Geld sparen will, springt an einem der vielen öffentlichen Strände in den Fjord oder in einen der zahlreichen Seen. Ganz neu und chic ist der Badeplatz am Astrup Fearnley Museum in Tjuvholmen, fast direkt in der Innenstadt. Mit Blick auf Bygdøy, das Rathaus und die Festung kann man sich hier in die Fluten stürzen. Mehr Natur bieten die Badeplätze am Songsvann (super mit der T-bane Linie 6 erreichbar) oder am Bogstadvannet. Mit den Fähren 92, 93 und 94 lassen sich unter anderem die Fjordinseln und Strände Hovedøya, Langøyene oder Gressholmen anfahren. Einfach am Hauptbahnhof, gegenüber des Ruter-Turms, den Bus 60 nach Vippetangen nehmen und dort angekommen auf eine der Fähren springen. Bus Nr. 30 oder die eigenen Füße bringen erhitzte Körper nach Bygdøy, wo man sich entweder am Strand von Huk oder an Paradisbukta (der Paradiesbucht) abkühlen kann. Und wenn das alles zu weit erscheint: Einfach die Füße in den Springbrunnen im Frognerpark stecken. Das ist nicht gern gesehen, kühlt aber herrlich ab!

2. Kühlendes Nass (intern): In Oslo gibt es, trotz des normalerweise kurzen Sommers, viele Lokale mit Patios, wo sich die Hitze mit einem kühlenden Getränk ertragen lässt. Norweger tendieren schon die ersten Sonnenstrahlen im Februar mit einem Ute-Pils zu feiern, dem ersten Bier (Pils), das draußen (ute) genossen wird. So betrachtet, lohnt sich die Anschaffung einer Außenterrasse für jeden Wirt und ich mag drei hier in Oslo besonders gern:

– Lekter’n an Aker Brygge: Riesige Sitzkissen oder gemütliche Sitzoasen erwarten Besucher hier direkt am Wasser, wo immer eine nette Brise weht. Ja, das Publikum ist manchmal etwas snobby, aber die Yachtbesitzer und Yuppies können meine Begeisterung nicht trüben. Mit Blick auf die Festung und den Fjord sitzt man mit den Füßen fast im Wasser und findet den Sommer plötzlich viel schöner.

– Frognerseteren: Zugegeben, die Anreise mit der T-bane ist lang und der steinige Abstieg zum Lokal bei 30 Grad kein Zuckerschlecken. Aber dafür wird man mit der wohl schönsten Terrasse und dem wunderbarsten Ausblick über Oslo belohnt, den die Stadt zu bieten hat. Dazu noch ein Stück Apfelkuchen aus der hervorragenden Küche und alles ist perfekt.

– Lorry: Am Ende des Bogstadveien, direkt neben dem Literaturhaus, liegt der französisch wirkende Biergarten des britischen Lokals mit der größten Bierauswahl in Oslo. Rotkarierte Tischdecken und bunte Lichter in den Bäumen wirken wie aus Frankreich entführt und selbst die gestresste Bedienung kann mich nicht ärgern. Hier im Schatten unter einem der großen Bäume zu sitzen – das ist Sommer pur.

3. Eisdielen: Umsonst sucht der verwöhnte deutsche Gaumen in Oslo nach einem Spaghettieis oder einem Bananenflip. Die hohe italienische Gelatokunst hat es noch nicht bis nach hier oben geschafft, was wirklich ein Jammer ist! (Hier also mein Aufruf an Eisdielenbesitzer in Deutschland: Kommt nach Oslo! Wir brauchen Euch!!!) Stattdessen bieten Läden wie Seven Eleven, Deli de Luca oder Narvesen Eis am Stiel oder Softeis. Das ist bei den Norwegern sehr beliebt, aber so richtig nach Sommer schmeckt es nicht. An Aker Brygge finden sich drei verschiedene Eisstände, die Kugeln im Becher oder in der Waffel anbieten. Zwei wirklich lohnende Ausnahmen sind die Eisdiele Paradis kurz vor dem Astrup Fearnley Museum und die italienische Eisdiele Dolce Vita hinter dem Parlamentsgebäude. Kippen hier die Kunden zwar vor Begeisterung aus den Latschen, vermissen Deutsche aber die richtigen Eisbecher, die beim Besuch der Eisdiele einfach dazu gehören.

Kühlen, kühlen, kühlen lautet also die Devise und weiter auf Besserung hoffen. Liebe Osloaner, schickt mir doch Eure Lieblingsplätze der Stadt im Sommer und Tipps, wie Ihr die Hitze hier bewältigt. Ihr lieben Leser aus anderen Orten: Hat bei Euch der Sommer schon zugeschlagen und was sind Eure Tipps bei tropischen Temperaturen?

Kühlen Kopf bewahren heißt es auch am Sonntag für das deutsche Team im Finale gegen Argentinien im Maracana. Was für eine Kulisse für ein Finale!! Ich hoffe auf ein spannendes, faires und unterhaltsames Spiel, das Deutschland am Ende gewinnt. Gerne im Elfmeterschießen! Allen Fußballfans wünsche ich also einen spannenden Sonntag, allen Nicht-Fußballfans rufe ich zu: „Es ist fast geschafft!“

Euch allen wünsche ich eine tolle Woche, einen schönen Urlaub oder eine wunderbare Zeit auf der heimatlichen Terrasse. Genießt den Sommer, denn ehrlich gesagt: Der Herbst kommt schneller als man denkt!

Ha det bra,

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(geht schon….)

 

Ulrike

 

 

Dies und das und jenes…ODER Frost? Ich will keinen Frost!!!!!

Gestern Morgen war es soweit. Ich hörte, wie Martin sich fertig machte für die Arbeit. Plötzliches ein glückliches Juchzen. Nun ist mein Mann nicht gerade ein begeisterter Frühaufsteher und Juchzen ist ihm um diese Uhrzeit eher fremd. Kurze Zeit später kam er mit einem strahlenden Lächeln ins Schlafzimmer und verkündete: „Wir haben Frost!!!!!!!“

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Hallo meine lieben Leser, schön, dass wir uns hier wieder treffen. Es ist also wieder soweit. Nach einem kurzen, viel zu kurzen, Ausflug in den Wärmebereich des Thermometers, geht es nun wieder abwärts.

ICH.WILL.DAS.NICHT! Hörst du, Wetter? Ich will keinen Frost, keinen Schnee, keine Kälte! Wahrscheinlich wird mein Wunsch nicht beachtet und deshalb habe ich heute offiziell die kalte Jahreszeit eingeläutet.

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Toll, oder? Dank der hilfreichen Facebook-Gruppe „Where in Oslo“ erfuhr ich heute morgen von einem guten Deal beim Sportladen XXL, die angeblich drei Paar Merinosocken für den unglaublichen Preis von nur 19 NOK anboten. Nichts wie hin da! Das super Angebot war leider schon ausverkauft – habe ich eben pro Paar 19,- bezahlt und gleich noch Unterwäsche dazu erstanden. Soooo sexy! Egal – Hauptsache warm, die Tangas lasse ich im Winter den H&M-Mädels :). Und weil ich schon mal so dabei war, wanderten auch gleich die wohl kuscheligsten Hausschuhe der Welt in den Korb. Der Winter kann kommen!

Viel habe ich Euch in dieser Woche leider gar nicht zu berichten. Bei textbroker ist ein neues Verkaufsteam am Werk und die sorgen für ordentlich Aufträge, was natürlich toll ist, aber die kurzen Deadlines lassen nicht viel anderes zu, als am Schreibtisch zu sitzen.

NEIN! Ich beschwere mich nicht…ich wollte nur erklären, warum heute nichts Spannendes von diesem Blog zu erwarten ist.

Ich würde also verstehen, wenn Ihr jetzt gelangweilt wegklickt.

Ehrlich.

No hard feelings.

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Ihr seid aber hartnäckig. Ok! Nach meinem Kransekake-Desaster von vergangener Woche habe ich die Formen nicht mehr angerührt, stattdessen aber köstliche Muffins und einen veganen Käsekuchen gebacken. Und der war so richtig lecker. Seidentofu, Tofu und Brombeeren waren eine himmlische Mischung und das Rezept war absolut einfach. Momentan versuche ich, soviel Milchprodukte wie möglich zu ersetzen, leider schmecken die veganen Brotauflagen nicht gut. Lecker ist allerdings veganer Überbackkäse, das war eine echte Entdeckung. Das Angebot ist in Norwegen eher begrenzt, einen der größten Bioläden haben wir hier glücklicherweise fast um die Ecke und gerade hat Helios auch umgebaut und vergrößert – Hurra!

Eine gute Alternative für ökologische Lebensmittel und Milch von glücklichen Kühen sind die Bauernmärkte oder „bondens marked“. Bauern aus der Umgebung bieten an Ständen so ziemlich alles an, was die Scheune und die Felder hergeben. Gerade am Sonntag haben wir per Zufall einen Markt auf dem königlichen Bauernhof entdeckt (nein, die Kühe tragen keine Kronen!). An einem wunderbaren Gemüsestand wanderten Rote Beete, Mörder-Karotten und Sellerie in meine Tasche und der Geruch von fast frisch geerntetem Gemüse begleitete uns auf dem Weg nach Hause. Am nächsten Tag habe ich alles zu einer vegetarischen Borscht verarbeitet – es schmeckte wie Herbst!! Dank der roten Beete und der Karotten hatte der Eintopf tolle Farben und schmeckte dazu einfach toll. Herbst ist fürs Kochen einfach die allerbeste Jahreszeit! Neben Gemüse bieten bondens marked auch Eier, Rentierfleisch, echt gelungene Kransekake, Honig oder Kräuter an.

Das Wetter will mich anscheinend gerade milde stimmen, die Sonne strahlt vom wolkenlosen Himmel und lockt mich nach draußen. Heute habe ich meine ersten Kastanien gefunden. Wir haben das Ritual, die erste Kastanie des Jahres zu behalten, sozusagen als Glücksbringer für den Winter. Ich weiß ja nicht, wie es Euch geht, aber ich kann an den braunen, glänzenden Früchten einfach nicht vorbei gehen. Hier in der Sorgenfrigata stehen mehrere Kastanienbäume und heute haben sie endlich mit mir geteilt. In Compiegne standen ab Mitte Oktober immer die Straßenverkäufer mit gerösteten Esskastanien am Marktplatz und auch wenn ich kein großer Fan von Esskastanien bin, war es doch sehr gemütlich, sich an dem kleinen Stand die Finger aufzuwärmen.

Hier in Norwegen wärmt uns bald wieder der Kamin, denn noch ein Zeichen der nahenden Kälte: Unser Kiwi-Supermarkt verkauft wieder Holz und wir werden am Wochenende die ersten Vorräte anlegen. Vielleicht wäre es jetzt auch mal an der Zeit, den Keller zu entrümpeln, um statt alter Umzugskartons lieber Holz zu stapeln.

Braucht jemand ca. 100 Umzugskartons? Noch super in Schuss!!!

Ich gucke also der Kälte gefasst ins Auge und werde mich im Notfall am Schreibtisch warm tippen. Diese Woche war das Themenangebot echt unterschiedlich. Ich schreibe ja über fast jedes Thema, denn bis auf abgefahrene Sachen wie String-Theorie oder Dialekte im Himalaya lautet mein Motto: (Fast) Alles kann recherchiert und beschrieben werden. Diese Woche lernte ich also viel Neues über Brunost, den braunen Norwegerkäse, kann Euch eine Menge über Chrysler, Mitsubishi und Lexus erzählen und war gedanklich in Marseille und Nantes unterwegs. Langweilig wird es nie und jeden Tag kommen neue Aufträge. Die aktuellen entführen mich weiter nach Südfrankreich und gleichzeitig weg von diesem Blog. – Vorher werde ich mir wahrscheinlich noch kurz die Haare abrasieren. MAAANNNN!! Wisst Ihr, was passiert, wenn frau sich die kurzen Haare wieder länger wachsen lassen will? Nein? Es kommt der Moment, wo es einfach nur noch s*****e aussieht. Da bin ich jetzt! Wie schaffen es diese kurzgeschorenen Hollywood-Stars selbst im Übergangsstadium noch gut auszusehen? Rasieren werde ich wohl nicht, denn Hilfe ist nah: Meine Freundin Britta, als hätte sie es geahnt, hat mir im Mai eine wunderschöne Mütze gestrickt. Die werde ich ab jetzt aufsetzen und erst wieder absetzen, wenn die Haare auf Kinnlänge sind. So in 4 Monaten etwa.

Mit diesem Entschluss verabschiede ich mich für heute. Ich wünsche Euch allen eine wunderbare Woche, packt Euch warm ein, holt Kekse, Tee und ein gutes Buch oder den Lieblingsfilm hervor und macht es Euch gemütlich! Meine wöchentlichen Grüße gehen heute mal an meinen Stiefvater Dieter, einen treuen Blogleser! Wir sehen uns im Dezember 🙂

Ha det bra,

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Ulrike

Frohes, glattes Jahr aus Oslo oder Bin ich ein Youtube-Eisrutsch-Star?

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Godt nytt år!!!

Hallo, meine lieben Leser, was für eine Freude, dass wir uns hier wieder treffen! Fast schon unverzeihlich lange war es still in diesem Blog, aber ab heute kehren wir zur Normalität zurück!

Seit wir uns das letzte Mal gelesen haben, waren Martin und ich in Deutschland und sind hier in Oslo umgezogen, weshalb ich Euch heute, erstmalig, ein Hallo aus der Sorgenfrigata zuwerfe. Oder der Sorgenfrigaten.  Jaha, hier in Norwegen, da hat man nämlich manchmal die Auswahl.

WARNUNG:

Es folgt eine kleine Grammatik-Episode!

ACHTUNG!

Im Norwegischen gibt es, wie im Deutschen, verschiedene Artikel. Aus unerfindlichen Gründen hat sich die weibliche Form oder hunkjønn nicht wirklich durchgesetzt. Im Norwegischkurs hieß es dazu: „Ja, die gibt’s, aber die kann fast immer durch die männliche Form ersetzt werden.“ So wird das Buch von boka zu boken, aus dem Fluss wird elven statt elva und aus der Sorgenfrigata eben die Sorgenfrigaten.

Aber nicht bei mir! (Obwohl ich die Einladung für die Einweihungsparty noch vermännlicht habe. Aber ab JETZT: Nie wieder! Gata it is!)

Statt der männlichen Endung SorgenfrigatEN, benutze ich also, weiblich solidarisch, ab sofort SorgenfrigatA!

GRAMMATIK ENDE!

Hat doch gar nicht weh getan, oder?

Wir fühlen uns auf jeden Fall wohl im neuen Zuhause, haben den Kamin angefeuert, die Aussicht auf die Zahnarztpraxis genossen und Martin ist bereits sehr effektiv im Fahrstuhl steckengeblieben.

Wir leben uns ein.

Der Frognerpark ist nun ein Stück weiter entfernt und bei den momentan vereisten Bürgersteigen steht er nicht mehr so häufig auf dem Programm. Dass Oslo derartig lax mit dem Winter umgeht, erstaunt mich zutiefst: Die Sorgenfrigata ist vereist, jeder Schritt gefährlich, aber bis auf ein paar gestreute Kiesel passiert nichts, um die Unfallgefahr zu verbannen. Mittlerweile laufe ich immer auf der Straße, denn die ist frei. Ein harmloser Winter sei es dieses Jahr, höre ich von allen Seiten, aber mir reicht es schon: Wie ein Huhn auf Stöckelschuhen wackele ich durch die Straßen und meine, bisher, geglückten Sturzabfangmanöver sind eine eigene Fotoserie wert. Mit offenem Mund beobachte ich Jogger, die in gemächlichem Tempo über das Eis laufen, entspannt mit sich und der Natur.

HALLOO????

Bestimmt sehen mir alle an, dass ich ein Oslo-Winter-Anfänger bin. Wer weiß, wie oft ich heimlich gefilmt und nun unter „Hahaha…guck dir das an!“ bei Youtube zu finden bin. Hoffentlich hat mich niemand gesehen, als ich mich auf dem Weg zur Kirche am Zaun bergab gehangelt habe.

Entwürdigend ist das! Ich erwarte freie Bürgersteige! PROTEST!

Vielleicht sollte ich doch Spikes kaufen. Das Ding ist nur….Ich sehe hier Spikes im Laden aber nie an Füßen. Meine nächsten Tage werde ich damit verbringen, die Geh-Technik der Osloaner zu beobachten. Und zu lernen! Huhn ade!

Dabei wollte ich wieder mit dem Joggen anfangen, denn der nächste Wettbewerb steht auf dem Programm: Die 10km beim Hannover Marathon im Mai. Davor vielleicht noch der Centrumslauf hier in Oslo. Außerdem will ich endlich Langlaufski fahren!

So viele Pläne!

Habt Ihr Vorsätze gefasst für 2013?

Und wenn ja, welche?

Wir wollen dieses Jahr endlich in Norwegen herumreisen und planen eine große Tour im Sommer.  Im Frühling steht endlich die versprochene Bergbesteigung auf dem Programm und bis dahin wollen wir den, wenn auch harmlosen, Winter genießen. Alle Welt verbringt die Wochenenden mit Skifahren, Rodeln, Eislaufen…an uns ist das bisher noch vorbeigegangen, aber wir sind auf dem Weg!

Freut Euch also auf amüsante Bilder von mir auf, neben und untern den Langlaufskiern.

Ich wünsche uns allen ein glückliches, entspanntes und krisenarmes 2013 mit vielen neuen Geschichten und Erlebnissen. Vergesst nicht zu lachen und neugierig zu sein, dient nicht immer nur, sondern lebt auch mal und rutscht gut und sicher durch die kommenden Monate!

Ha det bra,

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Ulrike

Majorstuen singt: Let it snow oder Warum ist es im Erzgebirge soviel kälter?

Das hat es in diesem Blog auch noch nicht gegeben: Ich habe einen Artikel auf der Hälfte gestoppt, alles markiert und gelöscht. Geplant hatte ich einen Text über den klirrenden Winter hier in Oslo. Da momentan jedes Gespräch in der norwegischen Hauptstadt mit „Herregud, det er veldig kaldt!“ beginnt ist das ein legitimes Thema, dachte ich.  Doch dann sah ich den Wetterbericht für Deutschland, der von -17° Nachttemperatur im Erzgebirge berichtete und für weite Teile der Republik weiteren Schneefall ankündigt. WEITEREN Schneefall.

Schnee?

Haben wir nicht.

-17°?

Haben wir nicht.

Wovon also genau wollte ich erzählen???

Das kann doch aber nicht sein!!! Wir leben in NORWEGEN!!! Gut, ja, wir hatten in den letzten Tagen regelmäßig -16°. Ok, ich trage ein Doppelpaar Socken und noch weitere wollene, wärmende Schichten beim Rausgehen. Ja, ich muss aufgrund der zusätzlichen Kleidungsschicht immer 20 Minuten früher aufstehen, um pünktlich zu sein.

Aber wem erzähl ich das?

BEI EUCH LIEGT SCHNEE!

Hier ist der Frognerpark mit einer weißen Pseudoschicht überzogen. Irgendwo weiter oben in Oslo soll zwar mehr Schnee liegen, aber ich muss ganz ehrlich zugeben: Ich bin enttäuscht bisher! Schickt mir also Eure Schneebilder und Wintererlebnisse aus Deutschland ins fast schneefreie Majorstuen.

Lächerlich. Mal ehrlich.

Da haben es Blogger viel einfacher, die aus Südamerika stammen, aus Afrika oder Mexiko. DIE haben jetzt trotzallem etwas zu erzählen. DIE können Familie und Freunde mit haarsträubenden Geschichten über den Winter ( „¿Qué es WINTER?“) aus dem fernen Land am Rand der Arktik begeistern. Ich stelle wieder einmal fest: Norwegen und Deutschland sind sich einfach zu ähnlich. Nein, das ist falsch gesagt. OSLO und Deutschland sind sich ähnlich. Für die anderen Landesteile kann und will ich das nicht sagen, vermute aber, dass es zwischen Nord-Norwegen und Deutschland gravierende Unterschiede gibt.

Die haben da oben mehr Schnee!

Und kälter ist es auch!

Die tiefste, jemals gemessene Temperatur in Norwegen stammt aus der Finnmark. Im Januar 1886 wurden in Karasjok – 51,4° Grad gemessen. HA! Take that Erzgebirge! Nicht, dass ich irgendeine Form von Wettstreit starten will. Neeeeinnnnn. Aber ich hatte schon vor, Euch mit Geschichten aus dem klirrenden Winter Norwegens zu überraschen.

WIE SOLL DAS GEHEN, WENN IHR NICHT MITMACHT???

Ehrlich. Nun haltet Euch mal zurück.

Besonders Ihr da im Erzgebirge.

Wo war ich?

Ähnlichkeiten, genau.

Hier ein paar aktuelle Dinge, die ähnlich sind zwischen Norwegen und Deutschland (um weitere wird in den Kommentaren gebeten!):

  • Adventskranz
  • Adventskalender
  • Marzipan
  • Weihnachtsmarkt
  • Rotkohl (den gab es in Frankreich beispielsweise im Regal für „Ethnic Food“)
  • Sprache (manchmal wirkt Norwegisch wie ein deutscher Dialekt, was sind beispielsweise „Strømpebukse“?)

Es sind nur Kleinigkeiten, aber sie wecken in mir das Gefühl von Heimat, das ich noch in keinem anderen Land so schnell verspürt habe. Und doch finden sich überall kleine, feine Unterschiede:

  1. Der norwegische Adventskranz wird bevorzugt mit lila Kerzen bestückt. Das ist keine farbliche Modeerscheinung: Ähnlich wie die Fastenzeit vor Ostern, gilt der Advent als Vorbereitungs-, Umkehr- und Bußzeit (beim Blick in den Supermarkt mag das allerdings niemand glauben). Die Menschen bereiten sich auf das Weihnachtsfest vor. Eine derartige Zeit im Jahr wird in den Kirche durch die liturgische Farbe Lila dargestellt. Voilá: Lila Kerzen auf dem Adventskranz.
  2. Marzipan. Wo die deutschen Schleckermäuler Marzipankartoffeln und Marzipanbrote schlemmen, gibt es in Norwegen eine ganz wichtige Marzipanfigur: Das Julegris. Ein kleines, aus Marzipan gefertigtes Schwein, das derjenige als Trophäe bekommt, der die Mandel im Weihnachtsmilchbrei findet.
  3. Weihnachtsmarkt in Oslo. Ich sage nur: Komplett Alkoholfrei.
  4. Sprache.     Von „Strømpebukse“ auf Strumpfhose zu kommen, in „Julemarked“ den „Weihnachtsmarkt“ zu erkennen oder von „Herregud“ auf „Herrgott“ zu übersetzen, ist möglich. Was aber sind „skøyte“, „lue“ oder „vinterdekk“? Und warum spricht meine Bekannte „votter“, wie „vanter“ aus und lässt mich ratlos stehen, obwohl ich das Wort „votter“ verstehe? Und wie ist es möglich, dass die Bedienung im „Jacobs Aall“ gestern sofort auf Englisch umstellt, nachdem ich magere zwei Worte gesagt hatte? Fragen über Fragen.

So findet sich überall in der Stadt Bekanntes und Vertrautes, Neues und Ungewohntes. Aber das macht das Leben im Ausland jeden Tag spannend.

So, wo ist jetzt der SCHNEE?????

Nachdem seit Wochen die satirische Hilfsaktion der norwegischen Studentengruppe SAIH „Radiatoren für Norwegen“ das Internet amüsiert,

http://www.youtube.com/watch?v=oJLqyuxm96k

bitte ICH nun um Schneespenden. Schnee für Norwegen klingt wie Eulen nach Athen tragen. Seltsame Welt.

Das war es schon für heute, meine lieben glorreichen Sieben im Schnee! Das Wochenende lockt mit einer „Extravaganza Weihnachtsfeier“, einer Keller-Entrümpelungsaktion (unglaublich, was sich in 8 Monaten ansammelt), einer langen (und hoffentlich erfolgreichen) Schreibsitzung für die ersten Szenen zum Theaterabend „Grimm Reloaded“ oder „Grimm 2013“ und einem hoffentlich sonnigen Spaziergang! Meine wöchentlichen Grüße gehen heute an meinen wunderbaren „partner in crime and love“ Martin, der letzte Woche befördert wurde, was mich ganz stolz macht. Well done, you!

Ich wünsche Euch allen eine wunderbare Woche mit Tannenduft und Lebkuchen, Schlitten fahren und Schneeballschlacht, warmen Füßen und Kaminfeuer. Genießt die Zeit, kommt mal zur Ruhe und lasst Euch das Marzipanbrot schmecken.

Ha det bra,

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(Nikolauspaket meiner wunderbaren „Mutta“, noch ein Stück Heimat, das in die Fremde kam)

Ulrike

 

Von ersten Schneeflocken, wollenen Unterhosen und der wichtigen Frage: Was zieh ich bloß an?

Oslo in Aufregung: Die ersten Flocken sind gefallen! „SCHNEE!“ schrie es gestern auf Norwegisch, Englisch, Deutsch, Polnisch und Litauisch auf facebook und meine internationale Freundesschar übertraf sich beim Posten von Live-Videos, Parkbildern und frühzeitlichen Winterliedern. Da wurde jede Flocke begrüßt wie ein langvermisster Freund und auch wenn das Spektakel nach wenigen Minuten endete, war allen klar: Der Winter kommt.

Hallo meine lieben in 7er-Gruppen versammelten Winterfreunde, schön, dass wir uns hier wieder treffen. Wir gehen heute gemeinsam auf Schaufensterbummel und ich kann nur sagen: Zieht Euch warm an!

Lachend saß ich also gestern vor dem Computer, summte „Schneeflöckchen, Weißröckchen“, als mir plötzlich ein Gedanke kam: Winter in Norwegen  – und was zieh ich an? Natürlich bin ich auf den mitteleuropäischen Winter eingestellt, aber Norwegen? Wo es bis zu gefühlten – 500 Grad werden soll, mit kniehohen Schneebergen und Frostbrandgefahr? Wie schützt man sich? Was zieht man an?

Es blieb nichts anderes übrig:  Ich musste mich informieren.

Das hieß ab in die Geschäfte.

Mist.

Ja, da könnt Ihr jetzt lachen, aber ich gehe wirklich nicht soooo gerne shoppen. Meistens wandere ich ratlos durch die Geschäfte und denke: Wow, wer zieht DAS denn an? Wo sind denn die Sachen für mich? Mittlerweile gibt es in vielen Ländern den „personal shopper“, eine dem einzelnen Kunden persönlich zugeteilte Verkäuferin namens Larissa oder so, die mit einem Blick die Situation erfasst und mit drei Griffen eine komplett neue Garderobe zusammengestellt hat.

Was für ein Horror.

Ich stelle mir vor, wie ich taxiert werde und Larissa dann mit Grabesstimme erklärt: „Wir haben viel zu tun.“

Doch desperate times call for desperate measures. Ich machte mich also auf den Weg in die Stadt, entschlossen, am Ende des Tages eine komplette Winterausrüstung zusammengestellt zu haben. (Martin, falls du jetzt panisch wirst: Ich wollte noch nichts KAUFEN – nur informieren!) Die Sonne strahlte vom Himmel und führte mich gutgelaunt in die Innenstadt, wo mehrere Einkaufszentren und die Karl-Johans-Gate vielversprechende Anlaufstellen boten. Wir hatten bereits von Freunden und Kollegen gute Ratschläge für unsere erste Winterausrüstung bekommen, wobei die Norweger nur ein Wort  sagten: „Wolle!“, während die Nicht-Norweger Tipps gaben, die von „Zara, H&M haben warme Sachen!“ bis „North Face Thermomantel“ reichten.

Ich versprach, offen für alle Vorschläge zu sein und betrat das erste Geschäft auf dem Weg. „Gina Tricot“ heißt die, nehme ich mal an, in ganz Europa bekannte Kette (Larissa rollt verzweifelt mit den Augen und nickt dann). Hinein da! Bewundernd sah ich mich um. Gina Tricot vermittelte ihren Kundinnen eine klare Botschaft zum Thema Winter: Wir lachen ihm höhnisch ins Gesicht! Eisglatte Bürgersteige? – HA! Frostige Minusgrade? – HA! HA! – Hautzerfetzender Eiswind? HA! HA! und nochmals HA!

Wir kontern mit blauen Satinstilettos, ärmellosen Seidentops und Miniröcken aus Tweed! Winterjacken? Nur für Schwächlinge!

Ich zog meine Fleecemütze tiefer ins Gesicht und begab mich aus dem Tropenparadies zurück auf die Osloer Geschäftsstraße. Das war wohl nichts. Mein Auge wanderte auf die andere Straßenseite und:

OHO!

Cubus lockte seine Kunden mit Ständern voller Winterjacken, die auf dem Bürgersteig standen. Frohgemut ließ ich mich locken, um nur wenig später mitleidig neben den offensichtlich frierenden Jacken zu stehen. „Hallo!“, wollte ich rufen. „Holt doch mal Eure Jacken rein, denen ist kalt.“ Ob ich sie alle kaufen und zu Hause aufwärmen sollte? Merke: Es ist nicht alles warm, was dick und kuschelig aussieht. Ich rubbelte jeder Jacke noch einmal aufmunternd über die Ärmel und ging weiter. Was hätte ich tun sollen? Schon tauchte der nächste Laden auf und diesmal hatte ich ein gutes Gefühl! Die Outdoormarke Norrønna ist in Norwegen sehr beliebt und wenn es in Outdoorgeschäften keine warme Winterkleidung gibt, wo denn bitte sonst?

Norrønna schien allerdings neben der Wärme auch noch eine andere Sorge zu haben: Lawinen. Nebel. Dunkelheit. Anders konnte ich mir die grellschreiende Farbenpracht nicht erklären, die mir im Geschäft entgegenschlug. Pinke Hosen, neongelbe Shirts, leuchtend blaue Jacken lieferten sich einen erbitterten Wettstreit und schrien mir entgegen: Wo immer du bist, mit uns gehst du nie verloren! Mir wässerten die Augen, als eine Mitkundin sich in gelber Skijacke schwungvoll vor dem Spiegel drehte und mutig nach einer pinkgrünen Hose griff. Nein, es gibt Farbe und es gibt Farbe und das hier war einfach zuviel.

Auf der Straße beruhigte ich meine Augen im Schaufenster eines Herrenausstatters, der mit Tweedsakkos und dunkelgrünen Kaschmirpullovern warb. Eine Wohltat. Leider ohne Frauenabteilung. Überhaupt schien es für die Männer einfacher zu sein, sich der Temperatur entsprechend zu kleiden. Wo Frauen den frostigen Temperaturen anscheinend mit innerem Feuer trotzen sollen, hüllen Männer sich in Wolle, Tweed und Kaschmir. Red‘ mir einer von Gleichberechtigung, dachte ich grummelnd und betrachtete die gemütliche Winterdekoration im Schaufenster: In einen Lehnstuhl platziert, die Beine lässig überschlagen, frönte eine warm angezogene Schaufensterpuppe einer guten Pfeife. Auf dem Beistelltisch neben ihr lag ein Paar wollene Unterhosen. Hm. Und dann: Das ist die Lösung!

HA!

Sollte ich auch in der Oberbekleidungswelt als Frau diskriminiert sein, die wollene Unterwäsche wird es jawohl für beide Geschlechter geben!

Warum war ich darauf nicht früher gekommen? Natürlich, wollene Unterhosen, Hemden und Socken sollten meine Rettung im nahenden Winter werden.

Ich betrat H&M. Warum gerade H&M? Och, mir war nach ein bisschen Spaß. Denn nun habe ich einen Tipp für Euch: Falls Ihr an einem trüben Novembernachmittag ein wenig Unterhaltung braucht, geht zu H&M in die Unterwäsche-Abteilung und fragt die Verkäuferin dort: „Haben Sie Wollunterwäsche?“

Meine wurde blaß und schwankte gefährlich. Um den Spaß auf die Spitze zu treiben, beschrieb ich die gerade im anderen Schaufenster gesehenen, langen wollenen Unterhosen. „In Kanada“, fügte ich harmlos hinzu, „werden die, glaube ich, Long Johns genannt. – Nein? –Schade.“

Im Weggehen sah ich wie das arme Mädchen behutsam von einer Kollegin weggeführt wurde. (Larissa schüttelte ob meiner Unverschämtheit den Kopf und nannte mich „dumme Pute“. Falls eine fiktive personal shopperin das überhaupt darf.)

Ich sehe natürlich das Problem: Kundinnen von H&M sind offensichtlich weniger mit ihrer drohenden Unterkühlung beschäftigt, als damit, die bestehende oder neuaufzugabelnde Männerwelt zu beeindrucken. Was mit wollenen Long Johns schwierig wird. Nicht unmöglich, wohlbemerkt, aber schwierig. Aber meine Mission war die Komplettierung meiner Wintergarderobe und ich konnte dem drohenden Frost nicht mit paillettenbenähten Tangas begegnen. Also ab in den nächsten Laden.

Das grüne Zeichen von XXL, eine der großen Sportgeschäftketten, leuchtete mir entgegen. Hier führte meine Frage nach Merinowäsche zu keinen größeren Problemen: Nonchalant führte mich der junge Verkäufer zu einem Regal mit wollenen Hosen, Shirts und Hemden. Erschwinglich, nicht zu häßlich und ein „Muss im norwegischen Winter!“ wie mein Verkäufer betonte. (HA!, rief ich Larissa zu, die die Augen verdrehte.) Im Weitergehen las ich noch eine wichtige Botschaft von XXL: Schichten seien das A und O, um im Winter warm zu bleiben. Schicht 1, das sei wichtig, sei dabei die Unterwäsche.

Gut, dass sie das geschrieben haben.

Ich hätte die Merinounterhose ansonsten außen getragen. Wer weiß!

Die Frage nach der wärmenden Unterschicht befriedigend gelöst, begab ich mich auf die Suche nach einer möglichen Oberschicht. Ich betrat eines der großen Shoppingcenter am Hauptbahnhof und wurde von einem Bodyshop –Schild mit der frohen Botschaft: Happy Halloween! begrüßt. Irgendwie irritierte mich das. Soll ich das auf dem Schild beworbene Gesichtspeeling benutzen, damit ich NICHT nach Halloween aussehe oder gerade doch? Und warum sah der Wollpullover im Laden nebenan aus, als hätte ein verfilzter Langhaardackel dafür sein Leben lassen müssen? Und wieso kann ich jetzt gerade meine Notizen hier am Schreibtisch nicht mehr erkennen und bringe mich damit um einen weiteren, genialen Witz? „..krikelkrikel…empfehlen es an die Wena“, was soll das bedeuten? Wer ist Wena?

Hoffnungslos.

Ich war erschöpft. Etwas halbherzig streifte ich durch die Läden, ließ mein Auge wandern und fand shoppen einmal mehr sehr anstrengend.

Immerhin hatte ich die Unterschichtfrage gelöst, nicht wahr? Ach, und die Schuhfrage auch: Es werden Sorel-Stiefel für Martin und mich, das hatten wir nach einem Geheimtip am Abend vorher entschieden. Und genau die Sorel-Stiefel, die wir uns im Internet ausgesucht hatten, sprangen mir in einem Schuhgeschäft im Shoppingcenter entgegen. WOOHOO!

Ich beschloss, dass ich für einen Vormittag genug Recherchen betrieben hatte, entließ die fiktive und unnütze Larissa und begab mich nach Hause. Die Frage nach dem richtigen Wintermantel/-parka muss auf später verschoben werden. Immerhin hatte ich für einen warmen Po und warme Füße gesorgt.

Wenn das nichts ist! Der Winter kann kommen.

Das war es schon, meine lieben Leser! Ich hoffe, Ihr hattet Spaß auf unserem gemeinsamen Bummel und fürchtet Euch jetzt nicht mehr vor dem Winter. Für mich wird es jetzt Zeit, den Smoking aus dem Schrank zu holen und das Martiniglas zu polieren, denn heute hat der neue James-Bond-Film Premiere und wir sind dabei. Ich wünsche Euch eine tolle Woche, zieht Euch warm an, schockt mal wieder eine Verkäuferin und freut Euch am Leben.

Ich schicke an dieser Stelle ganz liebe Grüße an meinen Lieblingswikinger Volker, der gerade seine Zeit in Bad Kreuznach absitzt. Lass es dir gut gehen!

Falls bei Euch etwas Wichtiges ansteht und Ihr Grüße braucht, dann schreibt mir einfach unter ulrisco@yahoo.co.uk und schon beim nächsten Blog werdet Ihr erwähnt!

Lass es Euch gut gehen,

ha det bra,

Ulrike