Eröffnung des Færder Nationalparkzentrums ODER Königin Sonja und ich am Ende der Welt!

„Na, dein Blog muss aber populär sein, wenn du hier mit uns Fotografen sein darfst.“ – „Ja, klar, der wird in über 30 Ländern gelesen!“, sollte ich sagen. Aber ich nicke nur, ohne aufzublicken.  Ich muss Prioritäten setzen. Und meine Priorität ist im Moment mit möglichst heilen Knochen am Aussichtspunkt anzukommen. In wenigen Minuten soll ich dort schließlich auf Königin Sonja treffen.

Hallo, meine lieben Leser, schön, dass wir uns hier wieder treffen. God fottøy, festes Schuhwerk, sollte ich zum Pressetermin in Verdens Ende mitbringen und das war ein guter Tipp.

Pressetermin hört sich gut an, oder? Ich hatte tatsächlich eine Akkreditierung für die Eröffnung des Nationalparkzentrums in Verdens Ende, dem Ende der Welt, bekommen und war darüber ähnlich erstaunt wie der oben zitierte Fotograf, mit dem ich gerade über die Felsenberge kletterte. Mit einem großen Juchzer hatte ich auf die entsprechende Email reagiert, sofort Martin informiert, der begeistert: „Roadtrip!“ jubelte, ein Auto organisierte und sich mit mir freute.

Mich hingegen plagten typisch weibliche (?) Gedanken. Praktischerweise am Freitagabend um 23 Uhr:

Was ziehe ich an???

Unten herum fiel die Entscheidung nicht schwer: „Festes Schuhwerk“ hatte ich. Aber alles darüber war ein großes Fragezeichen. Elegant? Leger? Sportlich chic? Gab es für die Presse überhaupt eine Art Dresscode? Ich meine, immerhin traf man auf die Königin und ich wollte ja nicht sofort aus dem Rahmen fallen. Ich grübelte und grübelte. Und nicht nur das: Ich googelte. Fand Bilder von anderen Gelegenheiten, bei denen die Königin auftrat wie aus dem Ei gepellt und von zahlreichen Presseleuten umgeben war, die in Schlips und Kleid ihrer Arbeit nachgingen.

Kleid und Wanderschuhe?

Nee, komm, jetzt mal ehrlich.

Am nächsten Morgen fiel die Entscheidung für schwarze Hose und blusiges Oberteil. Bei den Jacken konnte ich mich nicht entscheiden und nahm alle drei mit.

Wofür hat man ein Auto?

Um es gleich vorweg zu sagen: Die Gedanken hätte ich mir, NATÜRLICH, sparen können, denn die versammelte Presse erschien in allen möglichen Kleidervariationen: Anzug und Krawatte plus Turnschuhe, Hemdblusenkleid mit Sandalen, Caprihose mit T-Shirt und Birkenstock.

Anzug und Krawatte war eine edle, aber schlechte Wahl für das wunderbare Sommerwetter, das am Samstag in Tjøme herrschte. Strahlender Sonnenschein begrüßte uns, als wir nach knapp zweistündiger Fahrt über die Parkplatzwiese am Ende der Welt hoppelten. Nervlich bereits etwas angeschlagen, denn Gesa fand Autofahren blöd und hatte dies sehr deutlich gemacht. Kaum raus aus dem Auto war ihre – und damit unsere – Laune wieder hervorragend und wir spazierten einen kleinen Pfad entlang Richtung Nationalpark. Und waren bei unserer Ankunft wieder begeistert.

DSCN4551

Der Færder Nationalpark (Broschüre in norw.) ist ein wunderschöner Schärengarten an der Südküste des Landes. Ich verbinde mit Schären, diesen kleinen und größeren felsigen Inseln, vor allem Sommer und Ferien – nicht, weil wir dort immer Urlaub gemacht hätten, sondern weil Ferien auf Saltkrokan meine jährliche Sommerbeginn-Rituallektüre ist. Und Pelle und seine Familie, Tjorven und ihr Hund Bootsmann leben inmitten des schwedischen Schärengartens. Und ähnlich wie beim Lesen des Buches strahle ich beim Anblick der norwegischen Schären mit der Sonne um die Wette.

Was für ein königlicher Tag.

Das gläserne Panoramarondell des neu zu eröffnenden Nationalparkzentrums liegt auf einer kleinen Anhöhe. Direkt davor eine kleine Bühne mit dem typischen roten Band, das später von Königin Sonja durchschnitten werden soll. Hier soll das pressemøte, das Pressetreffen, in wenigen Minuten stattfinden. Mit Kamera und Block bewaffnet mache ich mich auf den Weg.

Und werde plötzlich ganz nervös.

Na, also, sowas Blödes. Was soll das denn jetzt?

Ich drehe mich um, sehe Martin und Gesa winken und gleich geht es besser und die letzten Meter bis zur Terrasse erledige ich mit schwungvollem Selbstbewusstsein.

Die Presseeinführung ist kurz, nett und informativ. Mir wird erklärt, wie die Königin ankommt (mit dem Boot), wo die Presse dann sein wird (auf einem kleinen Felsvorsprung direkt über dem Hafen). Dann macht sich die Pressegruppe auf den Rückweg zur Terrasse (schnell), die die Königin dann wenige Minuten später erreichen wird. Dann folgt eine Rede des Bürgermeisters und die Königin schneidet das rote Band durch. Es folgen Gesang und Gedicht von Hanne Krogh. Während des Liedes verschwindet die Presse im Inneren des neuen Zentrums und klettert die Treppe hinauf zum Panoramaraum. Hier wird die Königin kurz darauf (im Gegenlicht) mit Bürgermeister und Architekt erscheinen. Während der (wahrscheinlich) interessanten Ausführungen des Architekten schleicht die Pressegruppe hinunter in die Empfangs-/Ausstellungshalle. Hier wird die Königin einige Minuten später das Künstlerduo Prestgaard/Andersen begrüßen, die für die Eröffnungsausstellung verantwortlich sind. Danach macht sich die Presse auf den Weg zum etwas entfernt gelegenen Aussichtspunkt („dort hinten der Felsen mit der Treppe“ – Äh, welcher Felsen? Hier sind doch nur….Egal, ich werde es später sehen.“). Die Königin wird dort kurze Zeit später auf zwei Kinder mit selbstgebastelten Drachen treffen. Um 14.10 verlässt die Königin Verdens Ende wieder mit dem Boot.

Ja, und so ist es dann passiert. Und alles lief gut: Ich schloss mich einfach „den Kollegen“, unter Führung des königlichen Hoffotografen, an, der ein untrügliches Gespür für das richtige Timing hatte und uns immer früh genug entweder irgendwo weg oder irgendwo hin lotste.

@UlrikeNiemann

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Und die Königin? Perfekt. Freundlich. Interessiert. Professionell. Und irgendwie doch ganz normal. Eine sommerlich gestimmte Menschenmasse aus Einheimischen und Touristen hatte sich an Verdens Ende versammelt, manche kamen per Boot, andere mit dem Klappstuhl unter dem Arm. Hier sang ein Chor, dort wurden Drachen gebastelt, ein Wikingerboot mit entsprechend gekleideter Besatzung lag am Kai. Als die Königin ankam, gab es ein großes Hallo und die Freude schien auf beiden Seiten gleich groß zu sein.

(Jaja, ich weiß schon, für die eine war es wahrscheinlich nur ein weiterer Termin, für die anderen eine willkommene Abwechslung des Alltags – aber die Königin wirkte, als gefalle es ihr gerade jetzt, gerade hier zu sein.)

Während wir den Berg Richtung Presseterrasse hinaufhechteten, spazierte die Königin, im Gespräch mit Bürgermeister John Martinussen, an den winkenden Besuchern vorbei.

Und kam immer näher.

Und immer näher.

Und dann war sie fast genau vor meiner Linse.

Coooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooooool!

Versteht mich nicht falsch: Ich bin ganz professionell geblieben. Habe weder gewunken noch „Hipp hipp hurrah!“ geschrieen. Bin stehen geblieben, solange die Königin stand (obwohl die Gartenmöbel auf der Terrasse sehr gemütlich aussahen und die Rede des Bürgermeisters durch einen technischen Defekt für längere Zeit unterbrochen war), bin aus dem Weg gegangen, wenn die Profis Fotos gemacht haben und wirkte bestimmt total lässig.

Aber innendrin.

Innendrin ging es immer nur: „ Coool, da ist die Königin, die Königin, die Königin. Die KÖNIGIN!!!! Cooooooooooooooooooooooooooool!“

Ja. Ich bin so. Peinlich. Ein hoffnungsloser Fall. Ich sollte Tabletten nehmen.

DIE KÖNIGIN!!!!!!!!

Aber das eben nur innendrin.

Das Programm spulte sich weiterhin so ab, wie oben berichtet. Und die in Weiß-Pink gekleidete Monarchin zeigte sich interessiert und ignorierte die Presse. Auch das gehört wohl dazu. Nach dem Besuch des Zentrums machte sich die Pressegruppe auf dem Weg zum Aussichtspunkt.

Oh weh.

Dass Norweger ein anderes Verhältnis zum Wandern und dem Leben in der Natur hatten, war mir bereits bewusst. Aber wie anders es tatsächlich war, wird mir erst klar, als sich der gesamte Pressetrupp ohne zu zögern über Felsen und Findlinge und durch Gebüsche und Pfützen kämpfte, um zum vereinbarten Aussichtspunkt zu kommen. „Kämpfen“ trifft hier allerdings mehr auf mich zu, die stumm beobachtete, wie sich die Kommunikationschefin der Vestfold Kommune ohne zu zögern ihre Sandalen auszog und barfuß über die Felsen kletterte. Selbst der korpulente Hoffotograf schwitzte und kletterte ohne Kommentar.

Was die können, kann ich auch, nehme ich mir vor und schweige zu unserer Kletterpartie. Kein Wort wird dazu über meine Lippen kommen, beschließe ich, als ich keuchend, aber mit heilen Knochen, auf einer Riesenschäre ankomme.

Dann drehe ich mich um.

Und erblicke die Königin, die sich gerade auf den selben Weg macht.

In Ballerinas.

Da ist es mit meiner Beherrschung vorbei: „Die Königin geht den Weg, den WIR gerade gegangen sind??????? Das glaube ich nicht!!!!!“

(Jetzt mal im Ernst, sie ist 78 und in Ballerinas. – Da ist die Frage jawohl erlaubt.)

Oh. Oh.

Ich treffe auf peinlich berührte Ignoranz.

Nee, nichts da, Kollegen.

Ich wiederhole meine Frage.

Endlich erbarmt sich die Dame neben mir und sagt freundlich, dass, nun ja, die Königin eben eine sehr sportliche Frau sei, begeisterte Orientierungsläuferin und bekannt für ihre Mobilität.

78!

BALLERINAS!

Niemand versteht meine Irritation. Aber manche Blicke sind eindeutig: Spricht Englisch, schreibt für einen deutschen Blog und hat eine Kinderkamera. Sowas musste ja von ihr kommen.

HEY!

Ohne einen Schweißtropfen auf der Stirn kommt Königin Sonja samt Assistentin (heißen die Hofdamen oder Zofen oder….???), politischem Begleitgefolge und Parkführer auf dem Felsen an. Sie scherzt mit den beiden blumenkranzgeschmückten Mädchen, lauscht interessiert den Ausführungen über die Geologie der Schären und wendet sich schließlich für einige Minuten uns, dem Presseteam, zu.

Während die anderen schlaue Fragen stelle, konzentriere ich mich auf das Wesentliche: Ein halb-echtes Selfie mit der Königin zu ergattern.

HA!!

Tja und dann ist alles vorbei. Gemeinsam klettern wir alle den Weg zurück Richtung Nationalparkzentrum. Die Königin erhält ein Abschiedsgeschenk, lässt sich Blumen und Handtasche zurückgeben und begibt sich Richtung Hafen. Um 14.30 (20 Minuten zu spät!) verlässt das königliche Boot den Hafen von Verdens Ende.

Was für ein Tag!

Kurze Zeit später öffnet das Færder Nationalparkzentrum seine Türen für die Öffentlichkeit. Ich werfe einen letzten Blick über diesen wunderbaren Flecken Natur und nehme mir vor, bald wieder zu kommen.  – Auch ganz ohne königlichen Besuch.

***

So, das war es für heute, meine lieben Leser. Egal, ob Ihr auf Urlaub in Norwegen seid oder hier lebt: Lasst Euch den Nationalpark und die wunderschöne Schärenlandschaft am Ende der Welt nicht entgehen. Ich bin froh und dankbar, dass mir dieser tolle Samstag nicht entgangen ist und dass ich so nah am Geschehen sein konnte.

Wie soll ich das bloß toppen???

Ich wünsche Euch allen eine tolle Woche, genießt den Sommer und falls der sich gerade versteckt: Eis schmeckt immer! Wir lesen uns wieder am Freitag, bis dahin,

ha det godt,

2015-06-28 22.00.07

Ulrike

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Morgen werde ich….

…einen kurzen Spaziergang unternehmen.

Mit Königin Sonja von Norwegen.

HA!!!!!!!!

Tatsächlich habe ich die Presseerlaubnis erhalten, fahre morgen früh mit Martin und Gesa ans Ende der Welt und treffe (naja, beobachte aus der Nähe) die Königin beim Banddurchschneiden des neuen Nationalparkzentrums in Tjøme.

In der Kürze liegt die Würze, hier das Programm (Übersetzung folgt am Sonntag ;)…)

„Presseprogram

Åpning av Færder nasjonalparksenter
lørdag 27. juni på Verdens ende, Tjøme

Kl. 12.30 Frammøte
Akkreditert presse møter på framsiden av restauranten for orientering.

Kl. 13.00 Ankomst
Hennes Majestet Dronning Sonja ankommer i båthavna.

Dronningen blir ønsket velkommen av kommunalsjef/havneansvarlig Gunnar Rougnø, fylkesmann Erling Lae, ordfører John Marthiniussen og politimester Christine Fossen.
Blomsterbarn: Henrik Norheim Wrige (6 år) og Johanne Nordheim Wrige (4 år).
Følget spaserer opp til nasjonalparksenteret.

Pressen er tilstede i båthavna ved ankomsten og spaserer etter dronningen m/følge.

Kl. 13.10 Åpning av Færder nasjonalparksenter (ute foran restauranten)
Ordfører John Marthiniussen ønsker velkommen
Rådmann Christine Norum informerer om nasjonalparksenteret.
Åpningsseremoni
Fanfare v/ Kurt Evje
Dronningen gir sin signatur til bautasteinen
Hanne Krogh synger

Kl. 13.20 Omvisning i nasjonalparksenteret
Dronningen vises rundt i senteret av ordføreren, arkitektene Ola Roald og Guilio Torracchi.
I senteret vises utstillingen «Melankoli – et hav av plast». Kunstnerne Kari Prestgaard og Astor Andersen orientert om utstillingen.

Pressen er tilstede ved den første delen av omvisningen.

13.40 Spasertur i nasjonalparken
Dronningen og følget går en kort spasertur ut til et utsiktspunkt.

(Pressen går på forhånd, og er på plass når Dronningen ankommer utsiktspunktet. NB – ulendt terreng, gode sko er en fordel)

På utsiktspunktet møter Dronningen Anna Almquist og Neele Putz, begge er elever ved 5. trinn på Lindhøy skole.

Kl. 14.10 Avreise fra båthavna“

Sonntag berichte ich hier darüber.

Bis dahin, lasst es Euch gut gehen, ich übe mal knicksen.

Ha det,

Ulrike

Emails vom Königshaus ODER Ich weiß jetzt Bescheid!

@https://redders.files.wordpress.com

@https://redders.files.wordpress.com

So, wo bekomme ich denn jetzt einen Presseausweis her? Das kann doch nicht so schwierig sein: Immerhin ist mein Blog eine wöchentliche Berichterstattung aus Norwegen – da darf ich mich doch wohl mit ein paar journalistischen Federn schmücken. BRAUCHE ich überhaupt einen Presseausweis? Hm. Ich schreibe einfach mal ans Schloss.

Hallo, meine lieben Leser, schön, dass wir uns hier wieder treffen. Seit kurzem werde ich wöchentlich darüber informiert, was die norwegische Königsfamilie so unternimmt. Normalerweise hat das meine Mutter erledigt, die im fernen Deutschland erstaunlicherweise besser über Mette Marits Indienreise oder das Osterglocke-goes-wild-Kleid der Königin auf der Hochzeit von Carl Philip von Schweden informiert war. Nun hat mir aber Freundin Susanne erzählt, dass man sich direkt vom norwegischen Königshaus informieren lassen kann.

ECHT?

Toll, das wollte ich auch – nichts für ungut, Mama. Nach ein paar Klicks auf der Website des Königshaus war ich registriert. Und wartete.

Nachts träumte ich von einem uniformierten Herald, der auf einem Schimmel den Bogstadveien hinaufgaloppiert, das edle Tier dann vor der Sorgenfrigata 10a zum Stehen bringt, und mir – sich auf den Balkon schwingend selbstverständlich – eine Pergamentrolle mit königlichem Siegel überreicht, während das Ross unten auf der Straße das norwegische Königslied wiehert.

Stattdessen bekam ich eine email.

Auch schön.

Und eine unpersönliche noch dazu. Seufz. Unter der originellen Unterschrift „Neuigkeiten“ erfuhr ich also folgendes:

– In Schweden heiratet Carl Philip seine Sofia Hellquist in der Schlosskirche des Königlichen Schlosses in Stockholm (…wusste ich schon dank Mama.)

– Königin Sonja und Dänemarks Königin Margrethe eröffnen in Hardanger ihre erste gemeinsame Kunstausstellung. (Aha!)

– Kronprinz Haakon nimmt an der Verleihung des Europa Nostra Preises teil, da zwei Preise an norwegische Projekte gehen. (Ok.)

– und damit dem Kronprinz nicht langweilig wird, nimmt er am selben Tag an der Wiedereröffnung des Oslo Governance Centers teil. (Ok.)

Dann folgten die Termine für die Presse:

– am 17.6. eröffnet Kronprinz Haakon eine neue Ausstellung im Bergmuseum in Lom. (Da bin ich mit Gesa beim Kindersingen – das passt also nicht. Die könnten ihre Termine ja auch mal mit mir absprechen. Aber das kennen wir ja schon.)

– am Samstag, den 27. Juni, eröffnet die Königin um 13 Uhr offiziell das Færder Nationalparkzentrum in Tjøme.

Oha!

Das passt! Nachmittags habe ich Zeit!

Und dann auch noch in Tjøme am „Ende der Welt“ – dort ist es so schön. Die Presse ist aufgefordert, sich bis zum 24. Juni um 15 Uhr unter einer bestimmten Emailadresse zu akkreditieren.

Das mach ich! Da will ich hin! Das wäre doch mal ein Blog!

Ich klicke auf einen weiterführenden Link und erfahre, dass die Königin gegen 13 Uhr am Nationalparkzentrum ankommen wird, einen Spaziergang über das Gelände unternimmt und dabei, unter anderem, ein paar Kinder trifft, die vormittags Drachen gebastelt haben.

Das Königshaus empfiehlt der teilnehmenden Presse „godt fottøy“, also gutes Schuhwerk, wenn sie die Königin auf dem Spaziergang begleiten wollen.

Hm. Ob meine Wanderschuhe gut genug für einen Termin mit der Königin sind? Vielleicht sollte ich besser neue kaufen.

Ein Termin mit der Königin UND neue Schuhe kaufen??

Super!!!

Bis um 12.30 soll die teilnehmende Presse vor Ort sein und sich dafür vorher beim fylkesmann (Google übersetzt: Bezirksgouverneur) im Vesthold anmelden.

Das mache ich doch glatt, da melde ich mich als internationale Presse an, das wird doch super! Ich werde Euch nächste Woche informieren, ob es geklappt hat, oder ob Bezirksgouverneur Reidun Mangrud vor Lachen vom Stuhl gefallen ist.

***

So, das war es schon für heute, meine lieben Leser. Genug vom Königshaus, rufen die einen. MEHR vom Königshaus, fordern die anderen. Na, mal sehen, nächste Woche berichte ich entweder über den norwegischen Fußball oder koche mal wieder etwas typisch Norwegisches.

Meine wöchentlichen Grüße gehen dieses Mal an alle Au pairs hier in Oslo (besonders an Jana, Maria und Nora) , die sich langsam auf den gedanklichen und bald auch realen Rückweg nach Deutschland machen. Genießt die letzten Tage!!

Mit königlichen Grüßen verabschiede ich mich ins Wochenende, wünsche uns allen ein paar schöne Tage mit Sonne, netter Gesellschaft, gutem Essen und viel Lachen.

Ha det,

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(…ich schicke einfach Gesa vor, dann fragen die nicht mehr nach einem Presseausweis ;)….)

Ulrike

Konsumentennähe ist wichtig ODER Meine Kuh heißt Beyoncé!

mit-der-kuh-kuscheln

Ein Liter Vollmilch, ein Liter Leichtmilch, ein Liter extraleichte Milch, ein halber Liter Vollmilch und ein halber Liter leichte Milch. Der Kassierer im Supermarkt blickt etwas irritiert auf meinen laktosehaltigen Einkauf, wirft dann einen Blick in den Kinderwagen und zieht seine eigenen Schlüsse. Dabei kaufe ich die Milch nicht wegen der Milch. Ich kaufe sie wegen der Bilder!

Hallo, meine lieben Leser, wie schön, dass wir uns hier wieder treffen. Ich bin jemand, für den es sich lohnt, Produktpackungsschreiber zu sein – falls es diesen Beruf gibt. Ihr wisst schon, diese werbeähnlichen Texte, die auf die Verpackungen gedruckt werden. Ich lese die, jawohl! Beispielsweise auf dem Klo. Dort kann einem manchmal langweilig sein. In diesen Fällen schnappe ich mir die erste verfügbare Verpackung und beginne, mich zu informieren. Ob Kontaktlinsenmittel, Zahnpasta oder Bodylotion – ich lese alles.

Jeder hat seine Abgründe.

Gestern Morgen war mir beim Frühstück langweilig. Die Zeitung hatte ich gelesen, mit dem Essen war ich fertig – nur Gesa kaute noch voller Hingabe an ihrem Brot. Ich beschloss noch einen Kaffee zu trinken, griff zur Milchpackung und erblickte Beyoncé.

Nein, nicht die:

http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/1/11/Beyonce_-_Montreal_2013_(3)_crop.jpg

Die:

20150605_113647

Also, eine Kuh namens Beyoncé MUSS man interessant finden, deshalb las ich weiter: „Das ist Beyoncé – einer der vierbeinigen Superstars auf dem Øvre Stengelsen Bauernhof. Hier können die Milchkühe im Sommer und Winter nach draußen gehen und die beste Nahrung genießen, die die Natur zu bieten hat. Das Resultat ist berühmt: Frische Milch direkt aus Alta.“

Meine Langeweile war wie weggemuht. Ich suchte nach weiteren Infos über meine Kuh, fand auf der anderen Seite des Literpacks aber stattdessen ein Bild der Bauernfamilie. Noch besser! Die Milchbauern Sigurd und Ingrid, so lernte ich, betreiben den Øvre Stengelsen Bauernhof mit ihren Töchtern. Wie schön! Da scheint Beyoncé in guten Händen zu sein. Sogar Besuch bekämen die Kühe, lese ich, von Schul- und Kindergartenkindern.

Ich will auch!

Am Mittag im Supermarkt entdeckte ich, dass die große norwegische Milchfirma (die ich jetzt nicht nenne, weil alle sonst denken, ich bekäme Werbegelder) – diese Milchfirma also bietet verschiedene Milchsorten an.  Vollmilch, Leichtmilch, extra leichte Milch…

(Mir fällt ums Verrecken der richtige deutsche Begriff nicht ein. „Leichtmilch“?? Hört sich falsch an. Im Norwegischen heißt es zwar auch lettmelk, aber wie heißt es im Deutschen???….Tja….es fällt mir nicht ein und Google lässt mich im Stich…es bleibt also bei Leichtmilch…albern….LEICHTMILCH…dusselig….pff….weiter im Text…)

Leichtmilch, Vollmilch, extra leichte Milch werden also in Literpackungen angeboten; lettmelk und Vollmilch auch in Halbliterpackungen.

Ob wohl auf allen Packungen Beyoncé zu finden ist?

Oh nein!

Zu meiner großen Freude entdeckte ich, dass jede Milchart andere Bilder und Texte hat!

Super!!!!

(An diesem Punkt stockte ich und nahm mir vor, mehr raus zu gehen. Ich brauche anscheinend Abwechslung. Und zwar schnell!)

Ich packte also von jeder Milchart eine Packung in den Korb, verwirrte den Kassierer und lernte Zuhause kennen:

– Jakob und seinen Großvater Per Arne vom Opsahl-Hof in Roa, den die Kühe besonders gern mögen (fast so gerne wie den Klee und die Wiesengräser),

– Kari Sofie vom Hof in Tingelstad, die gern mit Kühen schmust,

– den von Holunderbüschen umrahmten Hof in Nordre Bjørge, auf dem die braune Kuh Lotta aufwächst,

– und Bjørg Irene, die sich beim Sommerjob in Alsetaunet nicht nur in die Natur sondern auch in den Bauern verliebte – und blieb.

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Begeistert saß vor meinen vier Litern Milch. Und fragte mich dann:

Was mache ich bloß damit?

Leider gibt es in Norwegen keine H-Milch.

Egal, es hat sich gelohnt, um einige der hochsubventionierten norwegischen Milchbauernhöfe kennenzulernen. Ich danke Beyoncé, Hjertros, Lotta, Stina, Svartlin und allen anderen Kühen für die Milch – und Euch, meine lieben Leser, naja… für’s Lesen eben!

***

Das war es schon für heute. In einem Land, wo Kühe auf Matratzen schlafen, beschmust werden und auf unendlich wirkenden Weiden grasen können, muss die Milch ja gleich viel besser schmecken! Meine veganen Leser bitte ich das Thema übrigens zu entschuldigen – ja, ich weiß, warum Kühe immer Milch geben und nein, das finde ich bei näherem Nachdenken nicht in Ordnung. Aber die Verpackungen waren trotzdem ein Spaß zu lesen!

Ich wünsche uns allen eine tolle Woche – der Sommer hat es nach Oslo geschafft, mal sehen, wie lange er bleibt. Hier sind alle in sommer avsluttning-Stimmung, eine Abschieds- und Abschlussparty jagt die nächste. Kein Wunder, dass alles etwas größer gefeiert wird: Die Sommerpause geht von Ende Juni bis Ende August.

Ob die Kühe wohl auch Sommerferien bekommen?

Hier in Norwegen würde es mich nicht wundern.

Ha det bra,

2015-06-11 21.05.58

Ulrike