Mein kunterbunter Norwegen-Mix ODER “Hodet, skulder, kne og tå, kne og tå!”

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Ich habe Muskelkater. Aber wie. Jetzt könnte ich behaupten (und dabei ganz bescheiden gucken), es käme vom letzten 15-Kilometer-Lauf. Natürlich bergauf. Oder vom letzten Quadrathlon. Vom Karate. Vom Gewichtheben.

Kommt es aber nicht.

Ich habe Muskelkater vom Singen.

Hallo, meine lieben Leser, wie schön, dass wir uns hier wieder treffen. Heute zu meinem kunterbunten Norwegen-Mix, meinem norwegischen Studentenfutter. Seit Montag letzter Woche hat Gesa ein neues Lieblingslied. Das ist prima, das unterstützen wir, da singen wir mit. Mit dem Singen ist es bei “Hodet, skulder, kne og tå” aber nicht getan, oh nein! Die angesprochenen Körperteile (Kopf, Schulter, Knie und Zeh) müssen natürlich auch berührt werden – und zwar immer schneller und schneller und schneller bis der Mittvierzigerrücken knackt und sich der Rest der Körpers fragt, was der Mist eigentlich soll. Waren wir nicht durch mit Sport?

Für alle, die mitsingen möchten, tobt Euch gerne hier aus.

Ausgetobt hätte sich auch Therese Johaug gern. Und zwar am liebsten ihrem Teamarzt gegenüber. Die norwegische Star-Athletin überraschte/schockierte die Norweger nämlich letzte Woche mit einem positiven Doping-Test. Eine verbrannte Lippe forderte im italienischen Trainingslager medizinische Behandlung und Teamarzt (nein, EX-Teamarzt) Fredrik Bendiksen kaufte ein rezeptfreies Medikament in der örtlichen Apotheke. War es auch frei käuflich, enthielt es doch trotzdem den verbotenen Wirkstoff Clostebol. Weder Arzt noch Sportlerin hatten anscheinend den Beipackzettel gelesen. * Es ist alles etwas verwirrend, es gibt viele Fragen, vielen erscheint die von Johaug gegebene Erklärung, wie der Stoff in ihren Körper gekommen sei, zu unglaubwürdig. Fredrik Bendiksen ist mittlerweile zurückgetreten, Johaug für zwei Monate gesperrt und es gibt Stimmen, die fragen: Was, wenn das alles nur ein Ablenkungsmanöver war, um bewusstes Doping zu vertuschen? Besonders, nachdem vor wenigen Monaten auch der Langlaufstar Martin Johnsrud Sundby nach einer extrem erfolgreichen Saison Dopingprobleme hatte, aber immer wieder seine Unschuld beteuerte. Man möchte ihnen wirklich gerne glauben: Aber ein schaler Beigeschmack bleibt.

Ganz schal wird mir auch beim Gedanken an meine Norwegischprüfung. Die soll Ende November stattfinden. Hilfe! Gleich am ersten möglichen Anmeldetag, Punkt 9 Uhr, saß ich am Computer. Nur zweimal im Jahr finden diese Prüfungen statt, anmelden kann man sich genau eine Woche lang, danach: Pech gehabt. 1870,- Kronen kostet mich der Spaß und jetzt sitze also am Schreibtisch und lerne und lerne und lerne. Rede mit jedem, der nicht schnell genug auf dem Baum ist und quäle Freunde mit meinen norwegischen Texten, die die Armen dann Korrektur lesen müssen. * Es gibt im Internet einige sehr gute Übungsseiten, für norsklab muss man 90,- NOK bezahlen, sie ist aber jede Krone wert, beim Cappelen Verlag sind die Arbeitsaufgaben umsonst (allerdings richten sie sich nach den jeweiligen Arbeitsbüchern, wenn man die nicht hat, ist es etwass komplizierter zu folgen, klappt aber auch, finde ich). Möglichkeiten zum Sprachtraining finden sich im Goethe-Institut, bei den Jungen Erwachsenen der Deutsch-Norwegischen Gesellschaft und natürlich überall im Alltag. Und nachdem Gesa jetzt schon zwei norwegische Wörter spricht und, zu unserer Überraschung, SEHR viel mehr versteht, wird es auch Zeit, dass ich loslege: Nicht, dass sie bald besser Norwegisch spricht als ich!

Zum Abschluss dieses Norwegen-Mixes noch ein Buchtipp: “Kon-Tiki. Ein Floß treibt über den Pazifik” von Thor Heyerdahl. Ich bin kein Fan von testosterongetränkten Abenteuergeschichten, aber diese hier hat mich gepackt. Die Geschichte der unglaublichen Fahrt auf einem selbstgebauten Floß, die Heyerdahl 1947 unternimmt, um zu beweisen, dass es den Ureinwohnern Südamerikas technisch möglich gewesen wäre, Polynesien zu besiedeln, ist spannend und lustig und dramatisch und menschlich. Und dabei bin ich erst auf Seite 47! * Besucht hier in Oslo unbedingt das Kon-Tiki Museum, in dem das Floß ausgestellt ist. Viel erfährt man in diesem interessanten Museum auch über die polynesische Geografie und Kultur. (Blogleserin Andrea Fuchs, die seit Jahren samt Segelboot und Mann über die Weltmeere fährt, war übrigens gerade auf den Osterinseln und hat mir eine Postkarte von dort versprochen! Toll, oder?)

So, meine Lieben, das war ein kunterbunter Mix aus….hodet, skulder….pscht…Mix aus interessanten und vielleicht nicht interessanten….kne og….AUF JEDEN FALL WAR ES EINE GUTE ABLENKUNG GEGEN…Hodet, skulder, kne og tå, kne og tå, hodet skulder, kne og tå, kne og tå….das verfluchte schöne Lied sitzt mir im Ohr!!!! Da hilft nur ein Kaffee und ein Keks und dann weiter Norwegisch lernen!

***

Das war es für heute, meine lieben Leser! Gestern habe ich im Radio noch einen Beitrag über “typisch norwegische” Begriffe gehört. Und habe mal ein paar für Euch ausgesucht. Vielleicht habt Ihr ja Lust ein bisschen zu raten, was sie bedeuten könnten. Klar könntet Ihr das auch googeln, aber erstmal raten!!!! Hier kommen also: Utepils, matpakke, dugnad, harry, bunad, russebuss, koselig, skibinding und oppholdsvær. (Ein paar kennt Ihr bestimmt schon Dank des Blogs, naja und für Leser hier in Norwegen oder Ex-Norwegen-Bewohner ist es einfach. IHR könntet ja vielleicht die Liste ergänzen!!)

Uns allen wünsche ich eine tolle Woche, bleibt oder werdet gesund, lacht viel und macht Euch das Leben kunterbunt! Die Tage werden kürzer, drinnen ist es warm und gemütlich, wir kuscheln uns aufs Sofa und gucken die Sendung mit der Maus! An das tolle Team des WDR gehen heute auch meine wöchentlichen Grüße: Ihr seid die Besten und ohne Armin, Christoph, die Maus und den Elefanten wäre unser Sonntag nicht komplett!

Macht es gut, liebe Leser und bis nächsten Freitag,

Ha det,

mausgesaich

Ulrike

Knockout nach 35 Jahren! ODER Die First Lady kommt nach Hause.

0404453001461689287_filepicker“Ach echt, die amtierende Boxweltmeisterin kommt aus Norwegen?” Ich gucke meinen Gesprächspartner bei der Weihnachtsfeier in der Deutschen Gemeinde 2013 interessiert an. “Hast du sie schon mal hier in Norwegen boxen sehen?” – “Nein, natürlich nicht!” lautet seine Antwort. “Da würden wir uns ja alle strafbar machen.”

Hallo, meine lieben Leser, wie schön, dass wir uns hier wieder treffen. Profiboxen war tatsächlich in Norwegen verboten. “Unakzeptabel” erschien in den 80er Jahren der Gedanke, dass Sportveranstalter mit einem lebensgefährdenen Sport Geld machen könnten. 1981 stimmte das Parlament für ein Verbot des Profi-Boxsports in Norwegen. Im selben Jahr entstand auch das sogenannte “Knockout-Gesetz”: Organisierte Wettbewerbe oder Trainingskämpfe von Sportarten wie Boxen oder Taekwondo, in denen ein Knockout den Kampf entscheiden kann, wurden vom Parlament in Oslo verboten.

Im selben Jahr, 1981, kommt in Kolumbien ein Mädchen zur Welt. Sie verbringt die ersten zwei Jahre ihres Lebens in einem Waisenhaus, bevor ein Sozialarbeiter und seine Frau das kleine Mädchen adoptieren. Ab da heißt die Kleine Cecilia Brækhus, wächst in Bergen auf und wird eines Tages von ihren Eltern beim Boxtraining erwischt. Trotz Verbots hatte sich die mittlerweile 13jährige aus dem Fenster und in den Ring des Trainingszentrums darunter geschlichen. Die Eltern geben nach. Die talentierte Jungboxerin gewinnt in den nächsten Jahren 75 ihrer 80 Amateurkämpfe, wird 2005 Europameisterin und will, logisch, professionelle Boxerin werden. Doch Brækhus hat ein Problem: In Norwegen ist nur Amateurboxen erlaubt. Ein deutscher Boxpromoter wird schließlich auf Cecilia aufmerksam und nimmt sie unter Vertrag. Er verspricht, seine “First Lady” zur ersten norwegischen Boxweltmeisterin zu machen.

In Norwegen hat man sich in der Zwischenzeit irgendwie mit dem Knockoutgesetz und dem professionellen Boxverbot arrangiert. Immerhin ist das Amateurboxen erlaubt, allerdings agieren die Boxer hier mit Helm, besser gepolsterten Handschuhen und die Kämpfe sind auf drei Runden begrenzt. Das norwegische Gesundheitsministerium unterstützt weiterhin das Verbot und argumentiert, dass im Fussball beispielsweise Fouls geahndet würden, während das Verletzen des Gegners beim Boxen belohnt würde. Die Gesundheit zu schützen sei aber das oberste Ziel und Boxen damit, in meinem O-Ton, “raus”.

2013 wählt Norwegen sich dann eine neue Regierung. Da ist Cecilia schon seit 4 Jahren Weltmeisterin. Ihre Landleute konnten die sportliche Karriere entweder nur durch Reisen ins Ausland oder am heimatlichen Fernseher verfolgen (ja, Kämpfe werden im norwegischen TV übertragen, etwas unlogisch, oder?). Auf norwegischem Boden konnte die “First Lady” ihr Können aber nicht zeigen. Doch Erna Solberg, neue Staatsministerin Norwegens, hat sich das Wort Freiheit auf ihre politische Flagge geschrieben und zu dieser geplanten Befreiung des norwegischen Volks von konservativen Fesseln gehört für sie, das über 30 Jahre alte Profi-Box-Verbot aufzuheben.

Am 16. Dezember 2014, knapp ein Jahr nach Regierungsübernahme, ist es soweit: Mit 54 zu 48 Stimmen hebt die blau-blaue Regierung, mithilfe einiger Oppositionsstimmen, das Gesetz auf. Und diese historische Entscheidung der schwergewichtigen Regierung soll gebührend gefeiert werden: Am 1. Oktober 2016 findet in Oslo der Boxkampf zwischen Cecilia Brækhus und der Französin Anne Sophie Mathis statt. 10.000 Zuschauer vor Ort und knapp eine Million vor den Fernsehschirmen feiern das “Homecoming” der “First Lady”. (Ich frage mich: Wäre das Gesetz aufgehoben worden, wenn eine Französin/Amerikanerin/Deutsche/etc Weltmeisterin gewesen wäre?)

Während der norwegische Rapper OnkLP das eh schon angeheizte Publikum noch mehr anheizt, macht sich eine hochkonzentrierte Brækhus auf den Weg zum Ring. Boxen ist ein Show-Sport, lerne ich, bei dem Auftritt, Musik, Bodyguards, langbeinige Schönheiten und stimmgewaltige Ansager wie Michael Buffer wichtige Elemente sind. In der ersten Reihe ist ein Großteil der norwegischen Regierung vertreten: Staatsministerin Erna Solberg und Kultusministerin Linda Hofstad Helleland, die den Abend, der mit einer bewusstlosen Französin endet, später auf Facebook kommentiert als: “Det er helt magisk!”

Wahre Magie sei das Ganze. Naja.

Helleland musste natürlich vor Ort sein, denn Boxen unterliegt dem Kultusministerium (genauso wie die restlichen Sportarten, Glücksspiel und Religion). Die Stimmung war, wie gesagt, gut, Erna Solberg entließ zur Begrüßung die aufmunternden Worte: “Take it away!” und hätte bestimmt selber im Ring keine schlechte Figur gemacht.

Am 1. Oktober 2016 um 22 Uhr startete der erste Profiboxkampf auf norwegischem Boden nach 35 Jahren.

Er dauerte genau 3 Minuten und fünf Sekunden. Dann hing die Französin bewusstlos in den Seilen und eine jubelnde Norwegerin hüpfte Adrenalin-geladen durch den Ring. Unter dem Jubel auch von Vladimir Klitschko erhielt die “First Lady” ihre Trophäe aus den Händen Erna Solbergs, die den Kampf kommentierte mit: “Jeg synes egentlig det gikk litt for fort!“ Zu schnell sei es vorüber gewesen, fände sie.

Norwegen feierte. Ganz Norwegen? Nein. Schnell wird Kritik laut. Kritik an der Anwesenheit der Regierungsmitglieder, Kritik an der Aufhebung des Verbotes überhaupt, Kritik daran, dass während des Kampfes Alkohol verkauft wurde, Kritik daran, dass Kinder im Publikum waren. “Peinlich und tragisch” nennt Per Sigurd Sørensen, der frühere Bürgermeister von Stavanger, den Auftritt Erna Solbergs im Oslo Spektrum. Dass die Staatsministerin jubelt, wenn eine Sportlerin durch einen Schlag bewusstlos wird, sei einfach nur peinlich. Und in der Satiresendung “Nytt på nytt” fragt man sich: Für den Fall, dass diese Regierung nach Profiboxen nun Prostitution legalisiere – säße Erna Solberg dann auch in der ersten Reihe im Bordell und würde rufen: “Take it away!”?

Ich kann mir zu der ganzen Sache irgendwie keine rechte Meinung bilden. Den tatsächlichen dreiminütigen Boxkampf habe ich nicht geguckt, weil ich Blut nicht gut sehen kann. Die Faszination vieler für den Boxsport ist mir auch fremd. Dabei sind viele meiner Lieblingsautoren große Boxfans: Ernest Hemingway bespielsweise oder Bertolt Brecht. Und auch im Familienkreis war Boxen ein Thema:  Meine Oma Hertha, eine kleine Dame mit schönen Händen, stellte sich nachts den Wecker, um im Fernsehen Mohammed Ali live in den USA boxen zu sehen. Diese Gene habe ich wohl nicht geerbt. Naja, dafür gucke ich Tennis. Die Faszination verstehen viele auch nicht.

Was ich aber spannend finde, sind die Geschichten und Geschehnisse vor und nach diesem Kampf. Profi-Boxen ist seit 2014 übrigens nur noch in einem Land  der Erde verboten: In Nord-Korea. Macht mit dieser Info, die als letztes auf meinem Recherchezettel stand, was Ihr wollt. Ich gehe jetzt mal einen Tee kochen. Und lasse ihn 3 Minuten und 5 Sekunden ziehen. Und bin danach hoffentlich noch bei vollem Bewusstsein.

***

So, das war es für heute, meine lieben Leser! Meiner Oma hätte dieses Thema bestimmt gut gefallen und deswegen schicke ich heute Grüße und Küsse nach oben und stelle mir vor, wie meine Oma neben Max Schmeling und Muhammed Ali auf einer Wolke sitzt. Uns allen wünsche ich eine tolle Woche, kämpft für das, was Euch wichtig ist und lasst Euch weder von Eltern noch von Traditionen aufhalten. Hier in Oslo wird es kalt, aber auch gemütlich: Die Zeit ist da für Mariusgenser, farikål und warme Schokolade. Ich büffele weiterhin für mein Norwegisch-Examen und schreibe an der Reformations-Revue unserer Theatergruppe, die im nächsten Jahr sogar auf Tournee nach Göteborg gehen wird! Lasst es Euch gut gehen und kuschelt Euch warm ein!

Ha det,

omaundich

(Meine Oma Hertha und ich)

Ulrike

Ein Abend bei der Biathlon-WM oder Wie geht nochmal die Marseillaise?

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Foto: Christian Erhard

Hallo, meine lieben Leser, schön, dass wir uns hier wieder treffen. Noch bis morgen hat die Biathlon-WM Oslo in der Hand. Statt norwegischen Jubels schallt aber die französische Nationalhymne durch die Stadt, denn der französische Biathlet Martin Fourcade ist der bisher ungeschlagene Held dieser WM. Am Sonntag, dem Tag seines dritten WM-Goldes, verabredete er sich schon einmal lachend für die nächsten drei Wettbewerbe mit König Harald. Da dürfte dem norwegischen Team, trotz lachender Gesichter, der Atem gestockt haben.

Gestern holte sich der bärtige Franzose dann die vierte Goldmedaille.

Aber das sind alles Sportnachrichten, die Ihr auf jeder Nachrichtenseite nachlesen könnt.

Ich wollte auch irgendeinen Teil dieser WM erleben. Zum Wettbewerb selber wollte ich mit einer wirbeligen 1,5jährigen nicht gehen. Gesa wäre mir noch auf die Loipe gehüpft! Was dann?

Beim Stöbern auf der WM-Website dann die Lösung: Jeden Abend findet nach dem Wettbewerb die Medaillenverleihung statt. Aber nicht oben am Holmenkollen – nein, mitten in der Stadt!

Na, da wollte ich hin!

Freund Christian praktischerweise auch.

Wir verabredeten uns für Mittwochabend. Der Wettbewerb des Tages waren Einzelrennen der Frauen und wir hofften auf einen deutschen Sieg. Wäre doch toll, eine Landsfrau anzujubeln!

“LOS, LAURA!!!!” feuerte ich also die deutsche Biathletin Laura Dahlmeier mittags am Fernseher an, “Go for GOOOOOLD!!!”

Aber wer – natürlich – musste sich mit fantastischen Zeiten vor unsere deutsche Goldhoffnung drängeln?

Bien sûr – die Franzosen! Wollten die jetzt wirklich ALLE Medaillen gewinnen? Gold und Silber also an Frankreich, aber, immerhin, Bronze für Deutschland! Und da ich die Dinge immer positive sehe, dachte ich in diesem Fall: Prima, dann kann ich endlich mal wieder die französische Nationalhymne singen.

(Die finde ich nämlich, trotz ihres blutrünstigen Textes, fabelhaft. Eines meiner Highlights unserer Jahre in Frankreich war es, im vollbesetzten Stade de France die Marseillaise zu singen.)

Kurz nach 19 Uhr kamen Christian und ich am Universitätsplatz an, wo Kurt Nilsen gerade sein Minikonzert begonnen hatte. Franzosen und Deutsche wippten im Takt, die Franzosen in glückseliger “Wir gewinnen AAAALLLES!”-Stimmung. Im NRK-Studio neben der Bühne bereitete sich Anne Rimmen auf die Live-Show vor.

 

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Foto: Christian Erhard

 

Cool!

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Wir knipsten alles und nichts, genossen die Stimmung und besonders den Blick durch die Bühne zum erleuchteten Schloss. Der Anblick hatte mich schon bei der Eröffnungsshow begeistert– live war es aber noch besser! Tja und dann war das Musikprogramm beendet und der Höhepunkt des Abends kam – die Medaillenverleihung! Unter Jubel der Fans war das französische Team in den Innenraum der Bühne eingeladen wurden und wir erhaschten Blicke auf das deutsche Team mit ihren grünen Teamjacken.

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Großartiges Foto: Christian Erhard :)))))

Kurze Zeit später erschienen die Sportlerinnen auf dem Bühnensteg. Vorne weg junge Norwegerinnen in bunad, die die Medaillen trugen, dann kam Laura (“LAAAAURA!!!!”) Dahlmeier, gefolgt von Anaïs Bescond und Marie Dorin Habert. Ich bin ja so fürchterlich sentimental – keine Tierdoku läuft bei mir ohne Tränen ab – und hatte schon Wasser in den Augen, bevor Laura Dahlmeier das Siegertreppchen betrat. Was hat sie sich aber auch gefreut!

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Foto: Christian Erhard

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Foto: Christian Erhard

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Foto: Christian Erhard

Toll war es auch, live zu erleben, was ich sonst nur im Fernsehen sah – altbekannte Bilder aus ganz neuer Perspektive. Die Riesenleinwand vor unserer Nase übertrug die Liveshow und wir konnten uns und unsere einzelne deutsche Flagge gut sehen….naja….

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So, nun hatten auch die beiden Französinnen ihre Medaillen. Zu den Klängen der Marseillaise wanderten die Nationalflaggen an den Mästen empor.

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Die französischen Fans gaben stimmlich alles, unterstützt von einer Deutschen, die sich versuchte, an den Text zu erinnern. Falls Ihr jemals in diese Situation kommen sollte (…ich wette, Martin Fourcade holt noch zwei Medaillen…) – hier ist er:

 

Allons enfants de la Patrie,

Le jour de gloire est arrivé!

Contre nous de la tyrannie,

L’étendard sanglant est levé. (2×)

Entendez-vous dans les campagnes

Mugir ces féroces soldats?

Ils viennent jusque dans vos bras

Égorger vos fils, vos compagnes.

Auf, Kinder des Vaterlands,

Der Tag des Ruhmes ist gekommen!

Gegen uns Tyrannei,

Das blutige Banner ist erhoben. (2×)

Hört ihr auf den Feldern

Diese wilden Soldaten brüllen?

Sie kommen bis in eure Arme,

Um euren Söhnen, euren Gefährten die Kehlen durchzuschneiden.

Refrain:

Aux armes, citoyens,

Formez vos bataillons,

Marchons, marchons!

Qu’un sang impur

Abreuve nos sillons!

(2×)

Refrain:

Zu den Waffen, Bürger,

Formt eure Truppen,

Marschieren wir, marschieren wir!

Unreines Blut

Tränke unsere Furchen!

(2×)

 

Sollten die Norweger gewinnen, singen wir alle:

Ja vi elsker dette landet

Melodie: Richard Nordraak
Text: Bjørnstjerne Bjørnson

Ja, vi elsker dette landet
som det stiger frem,
furet, værbitt over vannet
med de tusen hjem, –
elsker, elsker det og tenker
på vår far og mor
og den saganatt som senker
drømme på vår jord.

Norske mann i hus og hytte,
takk din store Gud!
Landet ville han beskytte,
skjønt det mørkt så ud.
Alt hva fedrene har kjempet,
mødrene har grett,
har den Herre stille lempet,
så vi vant vår rett.

Ja, vi elsker dette landet
som det stiger frem,
furet, værbitt over vannet
med de tusen hjem.
Og som fedres kamp har hevet
det av nød til seir,
også vi, når det blir krevet,
for dets fred slår leir.

  • Ja wir lieben dieses Land

Ja, wir lieben dieses Land,
wie es zerfurcht und vom Wetter gegerbt
aus dem Wasser emporsteigt,
mit den tausend Heimen.
Lieben es und denken
an unseren Vater und Mutter
und an die Nacht der Sage,
die Träume auf unsere Erde niedersenkt.

Norweger in Haus und Hütte,
danke deinem großen Gott,
das Land wollte er beschützen,
auch wenn es dunkel aussah,
alles wofür die Väter gekämpft haben,
die Mütter geweint,
hat der Herr still gemäßigt,
so das wir unsere Recht bekamen.

Ja, wir lieben dieses Land,
wie es zerfurcht und vom Wetter gegerbt
aus dem Wasser emporsteigt,
mit den tausend Heimen.
Und wie der Kampf unserer Väter
es aus der Not zum Sieg gehoben hat,
so werden auch wir, wenn es nötig ist,
das Lager für den Frieden aufschlagen.

Ich wünsche den Norwegern eine weitere Goldmedaille. Heute haben die norwegischen Frauen Gold in der Staffel geholt – die Freude war groß. Richtige Befriedigung gäbe aber, vermute ich, erst ein Sieg gegen den WM-König Martin Fourcade. Auch wenn der sich schon mit König Harald in der Königsloge verabredet hat.

***

So, das war es für heute, meine lieben Leser. Wir sind begeistert vom Universitätsplatz nach Hause gewandert, vorbei an jubelnden Franzosen und gutgelaunten Deutschen. Ab Montag kehrt in Oslo wieder Ruhe ein, aber bis dahin genießt die Stadt es noch, Gastgeber zu sein. Meine Grüße der Woche gehen diesmal nach Hildesheim: Lislbee Lisa :), noch ganz viel Spaß beim Biathlon gucken! Uns allen wünsche ich eine tolle Woche, schaltet mal die WM an und drückt die Daumen für das deutsche Team.

Ha det,

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(Laura Dahlmeier in grün und ich…ein Meilenstein in der Geschichte der Selfie-Fotografie…)

Ulrike

 

 

Ein Abend im Sportstudio in Oslo ODER Schweinehund ade!!

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Aua.

Warum kann ich meinem Computer keine Texte diktieren?

Aua.

Warum strapaziert Tippen die Oberarmmuskeln?

Aua.

Und warum, Frage aller Fragen, habe ich mich gestern freiwillig derartig quälen lassen, dass mein Körper heute lautstark protestiert???

AUA!

Hallo, meine hoffentlich muskelungeschädigten Leser, schön, dass wir uns hier wieder treffen. Als allererstes wünsche ich Euch ein wunderbares neues Jahr, mit vielen schönen Erlebnissen, positiven Begegnungen und erfüllten Wünschen und Plänen. – Ich habe einen meiner Pläne für 2014 gestern Abend in die Tat umgesetzt: Ich war im Fitnessstudio.

HA! Wie harmlos das klingt – Fitnessstudio. Dabei sollte man den drei „s“ Beachtung schenken, die heimtückisch wie ein gefährliches Reptil zischen und von der Gefahr künden, die harmlose, unsportliche Debütanten in ihren Hallen erwartet.

Seit längerer Zeit bin ich bereits Mitglied im SATS Sportstudio, dessen oranges Logo den positiven Ausschlag für meine Wahl gegeben hatte. Ja, ich bin eine Frau, ich darf das – auch bei Autos und Fußballteams zählen bei mir rein farboptische Gründe – was denn sonst? SATS also. Allein die Vorstellung, dass ich Mitglied in einem Sportstudio werde, wäre vor unserer Zeit in Oslo noch absolut lächerlich gewesen, aber wie ich bereits erwähnte, ist Oslo das Mekka der norwegischen Sportbewegung und irgendwann packt es jeden. So auch mich. Außerdem zeigt meine Waage seit einigen Monaten ein paar Kilo an, die definitiv überflüssig sind und denen wurde nun der Kampf angesagt.

Aua.

Oslo hat verschiedene Sportstudios: SATS, Elixia, Fresh Fitness, fitnessexpress, um nur einige zu nennen. Die Auswahl ist groß, die Nachfrage auch und Neulinge werden herzlich begrüßt. Totale Neulinge, wie ich, sind dabei aber anscheinend die Ausnahme.

„Du warst noch nie in einem Fitnessstudio?“

„Äh, nein.“

„Also, noch nie, in deinem ganzen Leben?“

„Ja, also nein. Nein, nie.“

(Um meine Ehre zu retten, die sich unter dem Tisch verstecken wollte, fügte ich hinzu:)

„Aber JETZT bin ich ja da!“

„Aber vorher…NOCH NIE??“

„Nope.“

„Du bist 41!“

„Ja, ich bin 41, war noch nie an irgendwelchen Geräten und wenn du hier so weiter fragst, bezweifle ich, dass sich das jemals ändern wird!!!“

Die ersten fünf Minuten meiner Gratis-Trainerstunde hatten, ohne sportliche Betätigung, meinen Blutdruck bereits in die Höhe getrieben. Während mein irritierter Trainer mein Sportprogramm am Computer zusammenstellte, blickte ich mich um.

Wow, sahen die alle sportlich aus. Durchtrainierte, schweißschimmernde junge Norweger trabten auf Laufbändern lachend vor sich hin, hingen athletisch konsequent an Sprossenwänden und stemmten Eisengewichte so lässig wie ich meine Kaffeetasse. Wo war denn hier die Anfängergruppe? Beim Skilaufen gibt es doch auch den Idiotenhügel, hier muss es doch auch so eine Art abgesperrten Bezirk…für Leute wie mich….oder….?

Nein, immer rein ins Vergnügen. Kurze Zeit später saß ich an Foltermaschine 1 zur Stärkung meiner Beinmuskeln. Vor mir ein rotgesichtiger Norweger, der bei den letzten beiden Hebungen fast in Tränen ausbrach. Kein Wunder, der stemmte 75 Kilo!!!

Ich 10.

Bildete ich mir das ein, oder sahen die Stecklöcher bei den Gewichten unter 20 Kilo jungfräulich aus? Gerade wechselte O., mein Trainer, den Stecker auf 15 Kilo, weil „es aussieht, als seien 10 Kilo zu leicht für dich.“

BOAH!!! STEEEMMM!

„Da habe ich mich wohl getäuscht.“

Ich konnte nur nicken.

Von Gerät zu Gerät arbeiteten wir uns und nach und nach nahm meine Unsicherheit ab. Niemand der anderen Besucher schien sich auch nur einen Deut für die Verrenkungen zu interessieren, die ich da vollführte. Selbst als ich im Pumpraum vor dem Spiegel zwischen lauter ernstzunehmenden Gewichtehebern meine 5 Kilo stemmte und mich weit weg wünschte – nichts, kein Blick, kein Grinsen. Toll. Nur O. schenkte mir Aufmerksamkeit und erzählte mir von irgendwelchen Muskeln, die parallel zu anderen Körperteilen liegen sollten, von Sehnen, die es zu schützen und Füßen, die es zu strecken galt. Ich nickte brav und wollte nach Hause.

O. muss das geahnt haben und strafte mich für meine fehlende Begeisterung mit Sit ups.

Ich HASSE Sit ups. Kennt Ihr die? Gemütlich liegt man auf dem Rücken und soll dann den Oberkörper heben – ohne sich abzustützen. Wozu habe ich denn zwei Arme an mir rumhängen? Die wollen auch mitspielen. Nee, dürfen sie nicht. Sagte ich schon? Ich hasse Sit ups! Oder sagen wir besser: Ich hasse es, mir selber Schmerzen zuzufügen. Mal ganz ehrlich, wer macht das gerne? Ich warte auf den Tag, wo man überflüssige Pfunde mit ganz viel Spaß und ohne jegliche Anstrengung verlieren kann (und ohne Fettabsaugen!). Einfach so beim Spazierengehen beispielsweise – das wäre doch toll. Noch besser wäre es natürlich auf dem Sofa, aber ich will mal nicht nach den Sternen greifen. Den Gedanken, sich selber quälen zu müssen, sich gar quälen zu WOLLEN, finde ich absurd.

Und verzog mein Gesicht bei der Ankündigung von Sit ups.

Nun wäre so ein persönlicher Trainer natürlich unnütz, hätte er nicht die richtige Medizin für störrische Kunden auf Lager. O., dem ich vorher mein halbes Leben erzählen musste, begann also plötzlich von Paris zu schwärmen…

„Paris!“, keuchte ich, „Ich liebe Paris!“

Sit up.

„Parles-tu français aussi? “ – „Mais oui!“

Sit up.

So sit upten und parlaverten wir uns auf Französisch durch die kommenden 15 Sit ups und am Ende war ich gutgelaunt und schon viel durchtrainierter. Fand ich. Überhaupt begann es Spaß zu machen, nachdem mein Körper langsam verstanden hatte, was ich von ihm wollte. Und er das gar nicht so übel fand.

Nach 45 Minuten fiel ich völlig unelegant auf den nächstbesten Stuhl, griff in eine der zahlreichen Obstkisten, die strategisch über das Studio verteilt standen und war ganz unglaublich stolz auf mich. O. werkelte noch an meinem Trainingsplan herum, verordnete mir 2x wöchentlich Training plus einmal „Spinning“, Indoor-Radfahren in der Gruppe.

BRÜLL!!!!!!

HAHA!!!!

INDOOR-RADFAHREN!!!!!!!!!!!!!!!!

IN!

DER!

GRUPPE!!!!!!

BRÜLL!!!

Nee, mach ich, klar.

Dienstag, 7.1. 11.15 Uhr – ich bin schon angemeldet.

Ich schleppte mich und meinen Rucksack (nächstes Mal: Schloss für die Schränke mitbringen!) zurück in den Umkleideraum, setzte mich auf eine der gepolsterten Bänke und sah mich um. Vor lauter Aufregung war vorher dafür keine Zeit gewesen. Folgende Dinge fielen mir auf:

1. Kontakt scheint unerwünscht. Im Umkleidebereich waren mindestens 15 Frauen – aber niemand unterhielt sich miteinander. Das werde ich ändern. Falls ich hinterher noch sprechen kann.

2. Manche meiner Sportkolleginnen verbringen ungefähr dieselbe Zeit an Geräten wie vorher vor dem Spiegel. Unglaublich, wie viele Arten es gibt, einen Pferdeschwanz zu binden. Zu flechten. Nein, doch lieber hochzustecken. Ich werde mir eine Perücke anschaffen müssen, um hier mithalten zu können. Nee, will ich gar nicht. Zugucken ist viel besser.

3. Kleidungsmäßig war ich auf einer Linie mit meinen Muskelfreundinnen. Die schwarze Laufhose trug ich schon beim Ankommen, lässig ergänzt von Gummistiefeln und Daunenwinterjacke. Typischer Oslo-West-Aufzug. Nur die Haare eben….

4. Die meisten hatten ihr smartphone oder den ipod dabei und Kopfhörer hingen entweder um den Hals oder waren im Ohr verstaut. Hm. Ich bin kein Fan von Music-on-the-go, besitze keinen ipod und habe ihn auch nie vermisst. Kopfhörer finde ich unkomfortabel und außerdem höre ich ja gar nicht, was andere Leute sagen, wenn ich die Dinger im Ohr habe. Hm. Och, macht nix. Zuviel Konformität ist ja auch schädlich. Wer immer wie alle anderen sein will und Angst davor hat, aufzufallen, der vergisst irgendwann, wer er selber ist und wird zu einer inhaltslosen, unauffälligen Kopie. Schade drum, denn, wie schon Monty Python wusste: „Wir sind alle Individuen!“ – „Ich nicht!“ (Kleines Triviaquiz: Aus welchem Film stammt das wunderbare Zitat?)

Mehr fiel mir auf die Schnelle nicht ein, als ich mich umsah, aber ich bin auf die nächsten Besuche gespannt. Diesmal war ich mit der Abendcrew unterwegs, ab kommender Woche werde ich aber immer vormittags sportlich sein. Erstens kann ich mir das glücklicherweise so einrichten und außerdem gefällt es mir auch besser. Mal sehen, was dann für Leute diese heiligen Hallen bevölkern werden. Für heute verabschiedete ich mich: Ich zog die blauen Schuhtüten über meine Gummistiefel, stieg, leise stöhnend, die Stufen zum Eingangsbereich hoch, entsorgte die Schuhsäcke und humpelte zum Ausgang. Der Regen hatte zugenommen. Und mit den Worten von Theaterkritiker Friedrich Luft, nachdem er aus einer Berliner Premiere kam,  klagte ich: „Auch das noch.“ Und wanderte langsam nach Hause.

So, meine lieben, hoffentlich unversehrten Leser, das war es für heute. Mein Muskelkater und ich werden aufs Sofa gehen und uns pflegen. Was hat der ganze Blog heute denn überhaupt mit Norwegen zu tun? höre ich die Kritiker fragen.

Tja.

Nicht so viel.

Obwohl: Ich war in einem norwegischen Fitnessstudio in Oslo, mit meiner norwegischen Sporthose und in Norwegen gekauften Sportschuhen und habe an norwegischen Weintrauben geknabbert.

Immerhin! Und wann immer Ihr nach Oslo kommt, oder schon hier seid und ein Fitnessstudio sucht, habt Ihr jetzt ein paar Infos dazu.

Das ist doch toll.

Das muss doch reichen!

Nächsten Montag sehen mich die Folterhallen wieder, diesmal bin ich dann auf mich allein gestellt und erinnere hoffentlich alles, was O., mein Parisliebhaber, mir erklärt hat. Ansonsten frage ich einfach einen fast platzenden Superstemmer vor mir und freue mich auf seinen Blick, wenn er meine 10-Kilo-Gewichte sieht.

Euch allen, meine lieben Leser, wünsche ich eine tolle Woche, probiert mal wieder etwas Neues aus, setzt Eure guten Vorsätze in die Tat um und kämpft gegen Euren inneren Schweinehund. Es lohnt sich! Danke an alle, die sich am Jahresrückblicks-Quiz beteiligt haben, ich war total baff, wie fix die ersten drei richtigen Einsendungen kamen. Ein großes Hipphipphurrah an Yasmin, Ute und Imke aber auch an alle anderen, die Lösungen geschickt haben. Nachdem ich das Limit auf zehn Karten hochgesetzt habe, ist jetzt noch ein Platz frei, also schickt mir Eure Lösungen!

Jeg ønsker dere et riktig godt nytt år!

Ha det bra,

Danach.

Danach. Live-Fotos wollte ich Euch ersparen. Und mir.

Ulrike

Verrücktes aus der norwegischen Fernsehwelt ODER Was bitte ist Slow TV???

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Wehe, es meldet sich morgen jemand zwischen 10.15 und 15.00 bei mir. Da kann ich nicht, da gucke ich Fernsehen. Das Highlight des Jahres bei NRK 1: Die Schach-WM. Live.

Hallo, meine lieben verwirrten Leser, schön, dass wir uns hier wieder treffen. Heute geht es einmal mehr um mein Lieblingsmedium und dessen Auswüchse hier im Norden. Begleitet mich also auf eine kurzweilige Reise in die Höhen (oder Tiefen?) der norwegischen Alltagskultur.

Bergensbanen, Hurtigrute und Nationale Stricknacht – Das Slow TV begeistert Norwegen

Vor einigen Tagen erreichte mich die Nachricht, dass der norwegische Sender NRK 1, vergleichbar mit ARD, beschlossen hat, die Schach-WM live zu übertragen. „Es ist vielleicht ein bisschen verrückt“, bewertete Programmchef Rune Haug die Idee. Ein BISSCHEN verrückt? Nein, Herr Haug, ein bisschen verrückt ist es, sich die Haare lila zu färben, Trolle zu jonglieren oder in der U-Bahn zu jodeln. Die Schach-WM zu übertragen ist VÖLLIG verrückt. – So verrückt, dass es schon fast wieder kultig ist. NRK hat Erfahrung mit ungewöhnlichen Sendeformaten: In 2009 lief auf NRK 2 die erste Folge der „minutt for minutt“ – Serie, bei der Zuschauer die populäre Bergensbanen auf ihrer Fahrt von Bergen nach Oslo begleiten konnten. Anlass für diese „verrückte Idee“ (NRK) war das 100jährige Jubiläum der beliebten Bahnstrecke. Das wirklich Verrückte war aber das Interesse der Zuschauer: Insgesamt 1,2 Millionen im In- und Ausland verfolgten die Übertragung, die von Samstag 19:55 bis Sonntag morgen 3:15 dauerte. Während dieser Zeit wurden Interviews mit dem Zugführer und mit Passagieren geführt, Bahnexperten kamen zu Wort und Zuschauer hingen fasziniert vor ihren Fernsehern, um ja keinen Moment der Reise zu verpassen.

(Erinnert Euch das an irgendwas? Genau, in Deutschland läuft so ein Programm nachts – es heißt „Die schönsten Bahnstrecken Deutschlands“ und wird als Füllmaterial genutzt. Ich stelle mir gerade vor, der NDR würde Samstagabends statt eines Krimis mit der Übertragung einer siebenstündigen Zugfahrt beginnen – was würde wohl passieren?)

Die Norweger liebten das Programm so sehr, dass im kommenden Jahr ein anderes Transportmittel verfolgt wurde: Die Hurtigrute. Diese traditionsreiche und bei Einheimischen wie Touristen beliebte Fährlinie wurde auf ihrer 134-stündigen Reise von Bergen nach Kirkenes LIVE begleitet. NRK 2 war erneut der ausführende Sender, und die Übertragung konnte am TV-Bildschirm oder per Livestream im Internet verfolgt werden – komplett mit englischen und norwegischen Kommentaren. Über 2,5 Millionen Zuschauer begaben sich per NRK mit auf die Reise und an den Häfen, entlang der Küste und auf Brücken sammelten sich Norweger und Urlauber mit Bannern und Blumen, Grüßen an die Familie und der Hoffnung, für einen kurzen Moment im Fernsehen zu erscheinen. Und selbst die königliche Familie konnte sich der Begeisterung nicht entziehen: Als die Nord-Norge nach 134 Stunden den Hafen von Kirkenes erreichte, winkte Königin Sonja zur Begrüßung von der königlichen Yacht.

Warum Slow TV?

Vielleicht gibt es in Deutschland ja ähnliche Sendungen, von denen ich einfach nichts weiß? Wie hier in Norwegen, wo ich vor einer Woche ein erneutes Highlight des sogenannten „Slow-TVs“ verpasst habe: Nasjonale Strikkenatt. Ja, Ihr übersetzt das schon richtig. Die Nationale Stricknacht. 10 Stunden lang konnten interessierte Wollfanatiker alles über Strickmuster, Schafscheren, Spinngeräte und die Geschichte des gestrickten Sockens im Allgemeinen erfahren. Ihr glaubt mir nicht? Hier ist der Beweis: Nasjonale Strikkenatt. (Internationale Leser haben wahrscheinlich keinen Zugang. Sorry. Nicht meine Schuld!) Ich danke an dieser Stelle Jeanette dafür, dass sie mich auf dieses Schmankerl hingewiesen hat. – Fernsehen der Langsamkeit ist also das Wort der Woche. Nach Slow Cinema, Slow Food und Slow Sex nun Slow TV. Die Idee ist nicht neu: Schon 1966 filmte Andy Warhol den Dichter John Giorno sieben Stunden lang beim Schlafen und in den 1980er Jahren startete im britischen Fernseher Video125, bei der Züge auf ihrer Fahrt durch England begleitet wurden (eine Idee, die dann von der Deutschen Bahn übernommen wurde). Das Konzept der Norweger ist aber so erfolgreich, dass es bereits in die USA verkauft wurde und da stellt sich doch die Frage: Warum?

Ich meine, mal ehrlich, wie spannend ist es, einen Zug oder ein Schiff zu beobachten?

Überhaupt nicht, und das scheint der Punkt zu sein. Keine Angst, ich verfalle nicht in abgenutztes Gejammer über unsere schnelllebige Zeit, blablabla. Denn würden wir nicht so schnell leben, wie groß wäre dann die Chance das Slow Food oder Slow TV Erfolg hätten? Na, eben. Auf die Kontraste kommt es an. Auf einmal hat unser Hirn nichts anderes zu tun, als aufs Wasser zu starren, oder auf die vorbeifahrende Natur. Eine Erholung! Und wir gucken sieben Stunden lang einem Zug zu, oder 134 Stunden einem Schiff und werden gaaaaanz ruhig. Ommmmmmmm. Oder beschäftigen uns 10 Stunden lang nur mit Stricken und Wolle. Oder 5 Stunden lang mit Schach.

Abschließende Gedanken zur Schach-WM und virtuelle Diskussion

Nun werden alle Schachfans wahrscheinlich seit Beginn dieses Textes ärgerlich mit den Füßen zucken, denn für sie ist Schach bestimmt eine unglaublich spannende Sportart, die ihren Platz im nationalen Fernsehen mehr als verdient hat. Mal ehrlich, schließlich wird ja auch Fußball übertragen oder…TENNIS!! Und das ist jawohl mindestens so langweilig wie….

Bitte?

…unglaublich öde und…

BITTE?

…pock pock….gäähn….

HALLO??? Das ist mein Blog und bisher habe ich hier keine fremden Stimmen erlaubt und wenn ich das eines Tages zulassen würde, wären es UNTER GARANTIE keine Anti-Tennis-Stimmen. IST DAS KLAR?

…pock…

RAAAAUS!!!!!

*schnauf*

Wo war ich? Nun also kommt die Schach-WM und ich bin gespannt. Der Grund, warum NRK sich zu dieser radikalen Programmgestaltung entschloss, hat den selben Grund, wie die plötzliche Übertragung der Frauen-Fußball-WM im französischen Fernsehen: Nationalstolz. So, wie die französischen Damen unerwartet erfolgreich am Ball waren, schiebt seit einiger Zeit Magnus Carlsen mit Geschick Figuren übers Brett. Der 22jährige Norweger ist die momentane Nr. 1 der Schachweltrangliste FIDE und seine Wertungszahl überstieg im Februar 2013 die von Schachlegende Garri Kasparow. Sein Jahreseinkommen liegt bei geschätzten 1,2 Millionen US-Dollar und dank ihm wächst das Interesse in Schach hier im Land. Mein Interesse an Schach ist gering, was auch daran liegen könnte, dass ich die Regeln nie vollständig begriffen habe. Um mal ehrlich zu sein: Ich spiele derartig schlecht Schach, dass es Partien gab, in denen sich mein König aus purer Verlegenheit ergeben hat.

Aber das wird sich ab morgen alles ändern: 10.15 NRK1. Was nehme ich denn am besten mit vor den Fernseher? Popcorn? Zu gewöhnlich. Chips? Irgendwie die falsche Uhrzeit für Junkfood. Vielleicht brunchen wir einfach gemütlich vorm Fernseher und nicken bedächtig, wenn Magnus eine Figur bewegt. Wie lange dauern denn eigentlich Schachspiele? Die Live-Übertragung endet nach 4 Stunden, was, wenn das Spiel dann gerade so spannend ist und einer kurz davor ist „Uno“ zu rufen?

Nee, Moment.

„Hochzeit“ zu rufen und die Füchse fängt!!

Nee, wartet mal, Schach, das ist das mit den Figuren und den unterdrückten Bauern und da sagt man….

„Remis!“

Jawoll.

Oder so.

Ich habe ja noch ein bisschen Zeit zum Lernen.

Die wöchentlichen Grüße an….

Das war es für heute, meine lieben Leser, für mich war dieser Ausflug ein großer Spaß und ich werde Euch auf dem Laufenden halten über die Ereignisse der Schach-WM, die Ihr in Deutschland ja leider nicht live verfolgen könnt. Tut mir leid! Ansonsten ist hier alles prima, wir erwarten gespannt den ersten Haushaltsplan der neuen norwegischen Regierung und noch gespannter die ersten Schneeflocken. Meine wöchentlichen Grüße gehen in dieser Woche an alle, die, wie ich, keine große Lust auf Schnee haben. Seid Ihr da irgendwo???

Euch allen wünsche ich eine tolle Woche, haltet die Augen offen für Neuigkeiten, wechselt immer mal wieder das Tempo und vergesst nicht zu lachen.

Ha det bra,

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Ulrike

Flieg, Severin, flieg ODER Ein Sonntag am Holmenkollen

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Ich hasse es, wenn ich verliere. Wer verliert schon gern? Sicher, es gibt diese charakterlichen Überflieger, die aufgrund jahrelanger Sonnenmeditationsgrüße und vierfarbiger Mandelas behaupten, es mache ihnen nichts aus zu verlieren.

Zu denen gehöre ich nicht.

Aber so überhaupt nicht.

Als Kind wurde ich wegen exzessiven Mensch-ärgere-dich-nicht-Brett-Werfens von selbigem Spiel ausgeschlossen und ereiferte mich in lautstarken Streits aufgrund verlorener Kartenspiele. Beim Minigolf laufe ich Gefahr, wegen Sachbeschädigung der Bahn vom Platz verwiesen zu werden und eine Partie Schach mit mir treibt den charakterstärksten Pfeifenraucher in schiere Verzweiflung. Noch schlimmer als das eigene Verlieren ist aber das Mit-Verlieren, das Co-Verlieren, das „Mein-Gott-wie schwierig-kann-es-sein-gib-den-Ball-ab!“-Verlieren, das gerne im Wohnzimmer, auf einem Barstuhl oder auch live im Stadion passieren kann. Wie beispielsweise letzten Sonntag. Am Holmenkollen. Beim Hopp, wie das Skispringen hier genannt wird. Hopp! schrie ich den deutschen Springern entgegen. Stop! müssen sie verstanden haben.

„Dabei sein ist alles!“ lautet das sportliche Motto von Pierre de Coubertin, Vater der Olympischen Spiele der Moderne.

Bullshit.

Hallo meine lieben Leser, wie schön, dass wir uns hier wiedertreffen. Die Sonne scheint, die Ostertage stehen vor der Tür und die Laune ist gut. Bei mir wenigstens und ich hoffe, dass es Euch auch gut geht. Wie ich gehört habe, läutet mein Blog für manche von Euch das Wochenende ein. Das ist eine Ehre für den Blog und mich und wir starten sofort und nehmen Euch mit auf eine Zeitreise zum letzten Wochenende. Zieht Euch warm an!

Es ist Sonntag, 17. März 2013. Ich stehe ratlos vor einem Berg Anziehsachen und versuche ein vernünftiges Zwiebelsystem zu organisieren. Wollunterhose, Laufhose, Socken, Jeans? Oder lieber Laufhose, Wollunterhose, Socken, Jeans? Merinounterhemd oder nur langärmeliges Laufshirt? Sind die Wollsocken zu dick für die Stiefel? Wo ist meine Mütze eigentlich und warum, warum, WARUM laufen immer alle Wollsachen ein? Ich gebe mir den Titel „schlechteste Wollwäscherin der Welt“ und ziehe mich an. Wollunterhose zuerst. Was für ein Unterfangen und das alles, um zum Skispringen zu gehen. Ich versuche, kurz ärgerlich zu werden, aber ohne Erfolg.

WIR GEHEN ZUM SKISPRUNG! !! Hipphipphurrah!

Cool, wollte ich schon immer mal.

Mit klaren Daumendrück – Anweisungen aus mütterlicher Hand, machen wir uns auf den Weg zur T-Bane, die uns fast direkt zum Holmenkollen im Norden von Oslo bringen wird, dessen angrenzender Sportpark schon das ganze Wochenende Ziel von Sportfans verschiedenster Nationalitäten ist. Auf dem Bahnsteig in Majorstuen flattern an Rucksäcken oder in Händen norwegische, polnische, italienische und österreichische Flaggen. Wir sind bi-national mit deutscher und norwegischer Fahne ausgestattet. Kurze Zeit hatten wir überlegt, unsere komplette Fahnensammlung mitzunehmen, uns aber dann dagegen entschieden.

Nächstes Mal machen wir das, denn dann wären wir auf jeden Fall ins Fernsehen gekommen!

Aber das nur nebenbei.

Nicht, dass das irgendwie wichtig wäre.

Wer will schon ins Fernsehen? Oder sich selber auf dem riesigen Bildschirm im Stadion sehen?

Pff, also WIR nicht!

Wir haben auch nur so enthusiastisch in Richtung der Kameras gewunken, um uns gegen die Horden der polnischen Fans durchzusetzen.

Aus patriotischen Gründen sozusagen. Für Deutschland!

SCHLAND!!!

Wo war ich?

Ruter, der Nahverkehrsbetrieb hier in Oslo, hat Extrazüge eingesetzt, die ohne Halt von Majorstuen zum Holmenkollen fahren. Oben angekommen, begrüßt uns das Läuten von großen und kleinen Kuhglocken, die an einem neuaufgebauten Souvenirkiosk für Aufmerksamkeit sorgen.

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Schals, Flaggen in allen Größen, Kuhglocken mit norwegischer Flagge, Narrenkappen und warme Würstchen werden angeboten und das Geschäft boomt. Die Traube von gutgelaunten Skispringfans stoppt kurz, versorgt sich mit dem Nötigsten und weiter geht der Weg entlang der abgesperrten Straße hinauf zur Schanze. Es ist 12 Uhr, das Langlaufrennen der Frauen ist in vollem Gang, dementsprechend leer sind die Tribünen um die Holmenkollenschanze.

Gut für uns.

Die wichtige Frage lautet: Wo wollen wir hin? Nahe zum Auslauf, das heißt weiter unten auf den Stehplätzen mit der eventuellen Gefahr den Absprung nicht zu sehen? Oder weiter entfernt vom Auslaufbereich der Springer, dafür aber mit vollem Blick auf das Geschehen? Rechts von der Schanze oder links? In der Nähe der Toiletten oder lieber in der Nähe des Kiosks?

Fragen über Fragen. Macht ja nichts. Wir haben ja Zeit.

Nach mehreren unbefriedigenden Versuchen einigen wir uns auf einen Platz rechts von der Schanze mit Blick auf Auslauf und Absprung und beginnen Schnee und Eis von der Tribüne zu entfernen. Hier ist nichts geräumt. Eigentlich sieht die ganze Stehtribüne aus, als hätte sie keine Lust auf Zuschauer, als wollte sie uns sagen: „Tja, das habt Ihr davon, wenn Ihr günstige Tickets kauft!“

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Wir kratzen also Eis und bauen uns einen Sitz. Installieren unsere Flaggen, holen die Thermosflasche aus dem Rucksack und gucken uns um.

Meine Güte, ist das hoch.

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Mal ehrlich, wie verrückt muss man sein, von einer steilen Schanze abzuspringen, um dann so spät wie möglich wieder festen Boden unter den Füßen zu haben? Irre. Aber wie gut, dass es Verrückte gibt, sonst hätten wir ja heute niemanden zum Anjubeln. Ich rekapituliere die Namen, die Skisprungfan Nr. 1 in unserer Familie, aka „Mutta“, per sms durchgegeben hat: Severin Freund, Andreas Wank, Michael Neumayer und Richard Freitag. Check. Die haben in Lahti das Teamspringen gewonnen und werden sich nun hoffentlich hier nicht gerade ausruhen. Obwohl der Gesamtsieger schon klar steht: Schlierenzauer ist Nr.1. Gut für ihn.

Ok, soweit all mein gesammeltes Wissen über Skispringen. Meine folgende Verwirrung wäre auch um einiges geringer gewesen, hätte ich mehr nützliches Skispringwissen gehabt. Ich sah mich nämlich auf der Tribüne um und stellte erstaunt fest, dass wir anscheinend nicht mehr in Norwegen waren. Sondern in Polen. Rotweiße Fahnen überall, „Polska“, „Krakow“, „Gdaǹsk“ in großen Buchstaben, neben mir rauchende polnische Männer mit ihren blondgefärbten Frauen in Feiertagsstimmung.

Hallo? Ist ja komisch.

Stellt sich heraus: Polen geht mit den erfolgreichen Skispringer, Kamil Stoch und Piotr Zyla, an den Start. UND: es leben viele Polen in Oslo. Ergo: Rotweißes Fahnenmeer.

Wieder was gelernt.

Langsam füllen sich die Ränge. Die pølser werden ausgepackt und auch die Sonne kommt langsam raus. Der Stadionsprecher übt schon mal das Anfeuern und begrüßt die internationalen Zuschauer in fünf verschiedenen Sprachen. Die Polen jubeln am lautesten; wir geben, was wir können.

Wo sind die anderen Deutschen? Verstreut ein paar Flaggen, aber verschwindend im Vergleich.

Nun wird es ernst. Die Kapelle der Königlichen Garde marschiert auf.

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Über die riesige Leinwand sehen wir die Ankunft von König Harald und Königin Sonja, die in der königlichen Kabine Platz nehmen. Der Kongsangen, das Königslied, ertönt, das dieselbe Melodie wie die englische Nationalhymne hat – irritierend. Die Köpfe der Zuschauer schnellen in den Himmel, wo Fallschirmspringer mit norwegischen Flaggen langsam gen Boden gleiten. Ein tolles Schauspiel. Der Stadionsprecher kündigt die norwegische Nationalhymne an, und angeführt vom Gardekorps, verfällt das ganze Stadion in  Ja, vi elsker dette landet.

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Naja, sagen wir das halbe Stadion.

Die internationalen Fans halten sich zurück und ich bin auch nicht textsicher.

Nun ist der Stadionsprecher wieder am Zug und kündigt die teilnehmenden Nationen an. Junge Skifahrer, ausgestattet mit den Fahnen der jeweiligen Nation, schießen, zum Jubel der Zuschauer, den Abhang hinunter. Krönender Höhepunkt: Eine junge Norwegerin in Tracht, die stolz die rotweißblaue Fahne schwingt und samt Bunad und Skiern am Ziel ankommt.

Und dann startet der Wettbewerb!

Davon brauche ich Euch nicht viel zu erzählen, denn den habt Ihr vielleicht live gesehen oder davon gelesen. Die weiblichen Skispringer haben uns am meisten begeistert, es war ihr erstes Springen auf der großen Schanze – ein historischer Augenblick und ein wahres Vergnügen. Wir jubelten uns für Melanie und Katharina die Seele aus dem Leib, aber es war die US-Springerin Sarah Hendrickson, die schließlich gewann.

Dann kamen die Männer und der Jubel stieg. Die deutschen Springer wurden von uns frenetisch angefeuert aber irgendwie sollte es nicht sein.

„FLIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIEG SEVERIN (oder Richard, Michael, Andreas, Karl) , FLIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIEG!

Nix.

Macht ja nichts.

Nicht schlimm.

Nee, ehrlich, verlieren ist ja nicht so schlimm.

*räusper*

WOZU WEDELE UND SCHREI ICH EIGENTLICH, WENN IHR KEINEN BOCK HABT ZU SPRINGEN?

WIE SCHWIERIG KANN ES DENN SEIN????

LOSFAHREN – ABSPRINGEN – FLIIIIIIIEGEN – SIEG!

Mal ehrlich.

Nächstes Mal, das sage ich Euch, da komme ich da hoch und dann feuer ich Euch da mal an und dann wollen wir doch mal sehen.

Ich bin erschöpft.

Am Ende gibt es einen Doppelsieg: Punktgleich teilten sich Schlierenzauer und Zyla den ersten Platz, bester Deutscher wurde Michael Neumayer auf Platz 10.

Noch vor der Siegerehrung machen wir uns auf den Rückweg, denn so toll die Livestimmung auch ist: In der eigenen Wohnung hat man weder kalte Füße noch stehen Schlangen vor der Toilette an. Also hinunter zur T-Bane und ab nach Hause.

Oder auch nicht.

Noch gefühlte 10.000 andere Zuschauer haben denselben Wunsch nach Hause zu kommen. Die Straße ist gerammelt voll, wir drängeln uns Richtung T-Bane-Station, die aber gar nicht zu erreichen ist. Nicht ums Verrecken stelle ich mich hier an oder steige mit all diesen Menschen in eine Bahn.

Never, ever.

Laufen wir also weiter die Straße hinunter. Und wir sind nicht allein dabei. Einziger Nachteil: Wir wissen nicht so ganz genau, wo wir hinlaufen und meine Blase spricht leise, aber energische Warnungen aus. Aber die anderen Leute gehen ganz zielstrebig, gehen wir also hinterher.

Ich erkenne plötzlich ein Schild wieder, das zum Zeltplatz Bogstad führt. Hier waren wir doch schon mal. Zum Skilaufen! Hier verkehrt ein Bus nach Majorstuen!! Freude!Und tatsächlich taucht vor uns die Bushaltestelle auf und die Wartezeit für den Bus sind schlappe 10 Minuten. Eine halbe Stunde später landen wir in Majorstuen und joggen Richtung Wohnung. Ich pelle mich aus meinem Zwiebellook und werfe mich durch die rettende Badezimmertür.

Was für ein Tag!

Das machen wir nächstes Jahr wieder.

Habt Ihr gehört, Severin, Richard, Karl, Michael, und wie Ihr alle heißt: Ich komme wieder. Und ich werde auch dann nicht gut verlieren können. Also….ÜBT!!!!!

Wie schwierig kann es denn sein?????

HOPP!

Das war es schon wieder für heute, meine lieben Leser! Gerade rief Martin an und, juchhee, wir fahren Anfang April für zwei Tage nach Trondheim. Mal gucken, was dort Spannendes auf mich wartet! Ansonsten freuen wir uns auf die Osterwoche und ein paar frei Tage. Die Kälte hat Oslo immer noch in ihren Krallen, aber die Sonne arbeitet dagegen und ich hoffe, der Frühling macht sich endlich auf den Weg! Nächste Woche haben wir einjähriges Jubiläum hier in Oslo, freut Euch also auf den 1-Jahres-Blog am kommenden Donnerstag!

Habt bis dahin eine schöne Zeit, macht Sachen, die Euch gut tun, setzt auch mal Zeichen und Grenzen und bekennt Euch zu Euren Schwächen!

Ha det bra

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Ulrike

Von olympischen Medaillen, skurrilen Sportarten und norwegischen Handballfrauen

JAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAA!

Norwegen hat Gold!!!

Einik Verås Larsen heißt der norwegische Goldmann und hat sich in der fantastischen Zeit von 3:26 Minuten in den Olympischen Medaillenhimmel gekajakt. (Das ist wahrscheinlich kein weltweit akzeptiertes Verb, aber man möge mir meine grammatikalischen Patzer entschuldigen. Ich bin mit Jubeln beschäftigt!)

GOLD!!!!!

Das wurde ja auch Zeit.

Hallo, meine lieben, in 7er Gruppen kajakenden, Leser! Das Olympiafieber hat seinen Höhepunkt erreicht und es bis in diesen Blog geschafft. Ich hätte auch über nichts anderes schreiben können, da ich seit Tagen am TV klebe wie die Bärenzunge am Honigtopf. Es ist aber auch zu spannend, was in London passiert. Nach der etwas enttäuschenden Eröffnungsfeier hatte ich zugegebenermaßen so meine Zweifel, aber alles wurde gut. Ich frage mich jetzt schon, was ich nach Ende der Olympischen Spiele tun soll. Ob es Wiederholungen gibt? Ich bin wirklich ein Sport-Junkie geworden, aber ich bin nicht allein: Hier im Appartmentkomplex jubelte und schrie es gestern abend aus allen Richtungen, als Norwegen im Handball gegen Süd-Korea gewann. Im Norwegischkurs nutzen wir unser beschränktes Vokabular, um die Silbermedaille von Bartosz Piasecki zu feiern. Olympia ist überall!

Es gibt ja auch soviel zu entdecken bei Olympischen Spielen. Irrwitzige Athleten, deren Ego größer ist als das gesamte britische Königreich. Ehrgeizgetriebene Regierungen, die ihre Sportler als politisches Machtmittel missbrauchen. Echte Olympia-Momente mit überwältigten Sportlern und jubelndem Publikum. Es gibt auch neue Sportarten zu entdecken. Keirin zum Beispiel. Habt Ihr davon schon gehört? Im Alltagsleben würden wir es „100jähriger auf Klapprad hält Berufsverkehr auf“ nennen. Im Radsport ist es eine faszinierend skurile Disziplin, bei der ein Fahrer auf einem motorbetriebenen Rad vor den Radathleten herfährt. Nach einigen Runden verlässt er die Bahn und die Radler geben Gas – der Schnellste gewinnt.

Nein, es hört sich nicht nur komisch an.

Ein bisschen schwieriger ist es, norwegische Athleten bei diesen Olympischen Spielen zu entdecken. Zugegeben, Norwegen gehört zu den kleineren Ländern und reiste mit gerade einmal 64 Athleten nach London. Bei der überwältigenden Masse von chinesischen und US-amerikanischen Sportlern haben es die kleinen Länder auch wirklich nicht leicht. Der Vorteil ist: JEDE Medaille wird wie eine Goldmedaille gefeiert! Jawohl. Bisher konnten wir hier im Land dreimal jubeln. Bronze für Alexander Kristoff im Straßenrennen, Silber für Bartosz Piasecki im Fechten und schließlich Gold für Einir Larsen im Kajaksprinten.

BRAVO!!! VELDIG BRA!! KJEMPEFINT!!

Nun könntet Ihr, meine lieben Leser, aufhorchen und bemerken: Das sind ja alles Männer! Gewinnen in Norwegen nur Männer Gold??

Die Rettung naht in Gestalt der norwegischen Handballfrauen.

Die Frauen um Mannschaftskapitän Marit Fram Malfjord stehen morgen Abend im Finale gegen Montenegro und wollen ihr Olympiagold von Peking verteidigen! Notiert Euch: Morgen abend 21.30 (20.30 Londonzeit!). Wehe, Ihr guckt nicht! Bisher fand ich Handball ja immer zum Sterben langweilig, aber ich bin ja lernfähig. Irgendwie ist es ja ein ganz nettes Spiel. Der Torwart ist zwar überflüssig. Ansonsten: Doch, nett, irgendwie. GOOOOO NOOORWAYYYYY!!!

In den anderen Disziplinen sind die Norweger leider nicht so weit gekommen. Im Bogenschießen gab es ein frühes Aus, ebenso im Badminton, Volleyball, Ringen, oder in der Leichtathletik. Im Schwimmsport verarbeitet das Team, zusammen mit dem Rest Norwegens, den tragischen Tod von Alexander Dale Oen. Dieser Mannschaft hätte ich eine Medaille von ganzem Herzen gegönnt. Im 1500-Meter-Lauf hat Henrik Ingebrigtsen den norwegischen Rekord eingestellt, ist dann aber auf dem 5. Rang gelandet. Die Segler Eivind Melleby und Petter Mørland Pedersen segelten auf Rang 4 im Starbootrennen. Dabei sein ist alles, das ist natürlich wahr. Aber die eine oder andere Medaille mehr wäre doch ganz nett gewesen.

Es ist aber auch kein Wunder, dass Norwegen nicht zu den erfolgreichsten Nationen dieser Olympischen Spiele gehört. Das sind schließlich die SOMMER-Spiele. Gibt es hier Sommer? Nein, es gibt keinen Sommer, nur einen etwas erschöpften Winter. Kein Wunder also, das Norwegens Sternstunde eher in den Winterspielen liegt. 23 Medaillen waren es 2010 in Vancouver. 3 bisher in London.

Aber morgen spielen ja die Handballerinnen………..

Das war es schon wieder für heute, meine lieben Leser! Ich wünsche Euch eine tolle Woche und dann noch eine tolle Woche und dann noch eine tolle Woche….ich gehe nämlich in Urlaub! Am 31. August melde ich mich wieder bei Euch.

Bis dahin lasst es Euch gut gehen, nutzt die letzten Sommertage, habt Spaß an allen skurillen Dingen im Leben und drückt morgen Abend die Daumen für Norwegen!

Ha det bra,

Ulrike

P.S.: Habt Ihr schon meinen neuen Blog entdeckt? Ein Fotoblog mit wechselnden Aufgaben. Guckt doch mal vorbei oder noch besser: Macht mit! http://ulrikeniemann3.wordpress.com/