Gesas Bibliothek ODER Auf der Suche nach norwegischen Kinderbüchern…..

Gesa liebt Bücher. Jeden Morgen kuscheln wir uns auf den Korbsessel in ihrem Zimmer und begrüßen ihre neuen Freunde:  Findus, Mamma Muh, König Elch oder die glücklichen Fische von Mies van Hout. Wir gucken die bunten Bilder an und folgen den Geschichten. Nachmittags liest Martin Winnie Puuh vor, während wir zu dritt auf dem Sofa liegen. Und bei jeder Lesestunde freue ich mich auf die riesige Geschichtenwelt, die Gesa noch entdecken wird. Aus dieser Freude heraus entstand die Idee zu Gesas Bibliothek. Und dafür brauche ich Eure Hilfe.

Hallo, meine lieben Leser, wie schön, dass wir uns hier wieder treffen. Gesas Bibliothek also. Eine Sammlung von Büchern, ohne die es nicht geht. Die man kennen MUSS. Weil sie dazu gehören, weil wir damit aufgewachsen sind und weil man ohne sie einfach ärmer wäre. Glücklicherweise gibt es aber nicht die EINE Liste von solchen Büchern – jeder und jede hat eine eigene Liste. Letzte Woche habe ich bei Facebook nach den beliebtesten Büchern gefragt und schon eine ganze Menge toller Vorschläge bekommen. Aus Deutschland. Nun wollte ich aber auch wissen, mit welchen Büchern und Figuren norwegische Kinder aufwachsen (oder aufgewachsen sind). Welches Buch kennt hier also wirklich „jedes Kind“?

In manchen Punkten unterschieden sich die Antworten nicht von denen aus Deutschland: Astrid Lindgren war dabei, die Abenteuer von Petterson und Findus und die Märchen der Gebrüder Grimm. Dann aber kamen die norwegischen Autoren und damit Neuland für uns. Mit der Liste in der Hand sind Gesa und ich zur Bücherei unseres Vertrauens gegangen und kamen mit folgenden Büchern zurück:

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Hakkebakkeskogen og andre fortellinger (Der Hackebackewald und andere Geschichten)

Thorbjørn Egner ist der anscheinend bekannteste und beliebteste norwegische Kinderautor und die Geschichten Folk og røvere i kardemomme by (Die Räuber von Kardemomme) haben Kultstatus in Norwegen. Viele Textstellen, sowie die Moral hinter Kardemomme sind in das norwegische Bewusstsein eingedrungen und von dort nicht mehr wegzudenken. Schreibt Anders Heger, norwegischer Schriftsteller, im Vorwort zu der Egner-Sammlung, die wir ausgeliehen haben. Polizeimeister Bastian und Tante Sofie aus Kardemomme kennen wir schon und freuen uns jetzt auf Karius und Baktus, Klaus Klettermaus und die Abenteuer von Per, der eines Tages zur Kuh wurde.

Den store boken med eventyr (Das große Märchenbuch)

Was den Deutschen die Gebrüder Grimm sind, sind den Norwegen Asbjørnsen und Moe. Peter Christen Asbjørnsen und Jørgen Moe reisten Mitte des 19. Jahrhunderts durch ihr Heimatland Norwegen und sammelten Geschichten, die ihnen in allen Ecken des Landes erzählt wurden. Wir sind gespannt auf die Abenteuer vom Askeladden, einer der Hauptfiguren. Trolle sollen auch vorkommen, dazu Eisbärkönige, Haus –und Bergmäuse. Hört sich gut an!

Aurora i blokk Z/ Knerten Detektiv og handelsreisende Lillebror (Aurora aus Block Z)/ (Lillebror und der Knorzel)

Beide Bücher sind erst für ältere Kinder, aber ihre Autorin, Anne Cath. Vestly wurde mir ans Herz gelegt. Die Kabarettistin und Schauspielerin begann in den 1950ern Hörspiele für den NRK zu schreiben, die dann zu beliebten Kinderbüchern wurden. Das Familienbild in der Auroraserie war für die damalige Zeit sehr modern: Auroras Vater bleibt zuhause und kümmert sich um die Familie, während die Mutter arbeiten geht. Lillebror und Knorzel beschreibt die Abenteuer von Lillebror, der mit der Familie aufs Land zieht. Dort gibt es für ihn aber keine anderen Kinder zum Spielen. Bis eines Tages Knorzel, ein sprechender Ast, auftaucht.

Heksene (Hexen hexen)

Als auf meine Frage nach norwegischen Autoren der Name Roald Dahl auftauchte, guckte ich verwirrt. Roald Dahl? Der Autor von Charlie und die Schokoladenfabrik und Matilda war doch Brite. Stimmt, geboren ist der Meister des schwarzen Humors in Cardiff, Wales – aber seine Eltern waren Norweger. Dahl erhielt seinen Vornamen nach Roald Amundsen und wuchs zweisprachig auf. Das gilt ja irgendwie schon und dementsprechend viele seiner Bücher finden Gesa und ich in der Bibliothek. Auf unserer Liste steht: Hexen hexen. Es erzählt die Geschichte eines Jungen, der bei seiner Großmutter in Norwegen lebt und von ihr alles über „echte“ Hexen erfährt. So der Klappentext. Wir sind gespannt!!! Die ersten Sätze klingen vielversprechend (wohl eher für mich als für Gesa): „Dieses Buch handelt von echten Hexen. Echte Hexen tragen ganz normale Kleidung und sehen aus wie die meisten Frauen. Sie wohnen in normalen Häusern und haben normale Jobs. Deswegen ist es so schwierig sie zu erwischen.“ Uih!

Auf unserer Liste stand noch ein Name: Alf Prøysen. Seine bekanntesten Bücher handeln von Frau Pepperpot, einer kleinen Frau, die nie genau weiß, WANN sie auf die Größe eines Teelöffels schrumpfen wird. Aber irgendwie habe ich das Buch in der Bibliothek vergessen. Naja, nächstes Mal. Für den Moment sind wir ja gut ausgelastet.

Und Ihr? Welches war oder ist Euer Lieblingskinderbuch? Welches Buch muss unbedingt auch in Gesas Bibliothek? Ich freue mich auf Eure Kommentare und darauf, viele neue Geschichten zu entdecken. Oder alte wiederzuentdecken. Das ist genauso schön!

***

Das war es schon für heute, meine lieben Leser! Wir werden uns jetzt auf unsere Bücher stürzen, das Wetter lädt direkt dazu ein. Ich wünsche Euch allen eine ganz tolle Woche mit Abenteuern, Lachen, neuen Freunden und – viel Schokolade.

Ha det,

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Ulrike

Fußball Olé! ODER Ein 16-jähriger Norweger in Spanien…

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Über Fußball als strategische Sportart weiß ich absolut nichts. Spielzüge, Aufstellungen und Positionen sind mir fremd und ich verlasse mich voll auf Martins Kommentare, wenn wir samstags Bundesliga gucken. Ich weiß aber: Deutschland ist amtierender Weltmeister, der BVB erlebt den Bundesliga-Horror und Cristiano Ronaldo ist wieder Weltfußballer. Außerdem kann ich die Abseitsregel erklären und kenne die meisten Spieler von Bayern München. Das ist doch nicht schlecht! Auf jeden Fall gut genug, um heute über Fußball zu schreiben. – Und über DEN Senkrechtstarter aus Norwegen: Martin Ødegaard.

Hallo, meine lieben Leser, wie schön, dass wir uns hier wieder treffen! Gestern um 14.45 öffnet sich die graue Tür im Pressezentrum und der Star des Tages kommt: Martin Ødegaard, Norweger, Mittelfeldspieler. Verein: Real Madrid. Alter: 16. Die Fotografen springen wie aufgeregte Hühner vor den Pressetisch und verewigen diesen unglaublichen Moment einer jungen Fußballerkarriere.

ran.de

ran.de

„Stop, Moment, was?“ höre ich die meine fußballgehemmten Leser fragen, während die Fußballexperten unter Euch wahrscheinlich schon Ødegaards Wahl zum mehrfachen spanischen Meister analysieren.

Fangen wir also vorne an: Am 17.12.1998 begrüßen Lene und Hans-Erik Ødegaard in Drammen, 40km südwestlich von Oslo, ihren Sohn Martin. Vater Hans-Erik ist Fußballer und spielt seit 1993 für Strømsgodset, der es 1998 auf Platz 10 der norwegischen Tippeligaen, der höchsten Spielklasse des Landes, geschafft hat. Schon früh zeigt Ødegaard jr. Talent, wird von Vater Hans-Erik entsprechend gefördert und bekommt 2014, mit 15 Jahren, einen Amateur-Vertrag bei der U-19-Mannschaft von Strømsgodset.

Das ist ja schon nicht schlecht, vermute ich, aber es wird noch besser.

Kurze Zeit später wird er in die norwegische Nationalmannschaft berufen. Als jüngster Spieler aller Zeiten in Norwegen. Und ab da wird es irgendwie wild. Vereine in ganz Europa werden auf den jungen Spieler aufmerksam und bald kursieren Begriffe wie „Neuer Superstar“ oder „Der neue Messi“ durch die Presse. Talent-Coaches von großen europäischen Vereinen finden sich plötzlich im Marienlyst Stadion von Drammen wieder.

Es kommen Anfragen und Angebote von mehreren dieser Vereine, unter anderem vom FC Bayern München und von Real Madrid. Vater und Sohn fliegen von Oslo aus zu mehreren Testtrainings. Die ersten Gerüchte kursieren, doch erst am 22. Januar kurz nach Mitternacht ist es offiziell: Martin Ødegaard wechselt zu Real Madrid. Der erste Norweger beim spanischen Verein.

„Ich hatte Spanisch in der Schule, spreche es aber nicht gut.“, antwortet der blonde Neuzugang gestern auf eine entsprechende Frage eines spanischen Journalisten. Nett wirkt er, wie er da so in Jeans und schwarz-weiß gestreiftem Shirt sitzt. Irgendwie auch gelassen. Martin Ødegaard lächelt viel, besonders als er bekannte Gesichter im Publikum sieht. Die Fragen sind 08/15: Warum er sich für Madrid entschieden habe? – „Sie haben hier die besten Möglichkeiten für mich.“ – Wer sei sein Lieblingsfußballer? – „Cristiano Ronaldo. Zur Zeit.“

Der junge Norweger wird zuerst in der zweiten Mannschaft von Real Madrid spielen, trainiert von niemand Geringerem als Zinedine Zidane, dem französischen Weltstar, dessen Abschied von der Fußballbühne unschön war. Nun trainiert er die Jugend von Real Madrid. Und damit auch Martin Ødegaard. Der soll aber auch mit der ersten Mannschaft trainieren, in der sein Idol Cristiano Ronaldo ebenfalls spielt. „Es fühlt sich unwirklich an. Ein Traum wird wahr, “ antwortet Ødegaard auf die Frage, wie er sich fühle. In der ersten Reihe sitzen seine Eltern. Vater Hans-Erik wird als Jugendtrainer bei Real Madrid arbeiten, der Rest der sechsköpfigen Familie bleibt, glaubt man den norwegischen Zeitungen, anscheinend in Norwegen.

Noch nie ist ein Spieler der zweiten Real-Mannschaft offiziell präsentiert worden, lese ich und Sportjournalisten fragen sich, wie ein so junger Spieler diesem Druck gewachsen sein soll. DASS er aber präsentiert wurde ist ja irgendwie ein Zeichen. (Ja, soviel verstehe sogar ich! :)….) 4 Millionen Euro war die Ablösesumme, die Real an Stromgodset gezahlt hat und das jährliche Gehalt von Martin Ødegaard soll, laut spiegel.de, bei zwei Millionen Euro liegen.

Wow.

Tja, da sitzt er also. Der 16-jährige, wegen dessen Fußballtalent sich Journalisten auf der ganzen Welt den Buchstaben „Ø“ auf ihre Tastatur wünschen. Ein 16jähriger, der vielleicht bald in der ersten Mannschaft von Real Madrid, wo er dann neben Christian Ronaldo, Sergio Ramos und Toni Kroos auflaufen würde. Dessen Talent auf Youtube zu bewundern ist.

Nicht, dass ich das beurteilen könnte.

Wollen wir es mal nicht übertreiben – ich habe mich hier schon mit dem Thema weeeit aus dem Fenster gelehnt – seid Ihr überhaupt noch da???

Haaaalllllooooo???

Fußball ist jetzt vorbei, mehr habe ich nicht! Versprochen!! Obwohl: Ganz so schlimm war es nicht, ich bin ein bisschen stolz auf mich!

Und schließlich will ich Euch ja Neues aus Norwegen erzählen und Martin Ødegaards Wechsel zu Real Madrid war dem NRK gestern eine Liveschaltung zur Pressekonferenz wert, von der Berichterstattung in den Zeitungen und im Internet mal ganz zu schweigen. Und solltet Ihr irgendwann in die Verlegenheit kommen, über Fußball reden zu müssen, beeindruckt Ihr mit Wissen über einen jungen Norweger bestimmt!

Hm, also ich hatte Spaß beim Schreiben. Vielleicht sollte ich eine regelmäßige Sportartikelreihe einführen. Es gibt doch zahlreiche Sportarten. Was denkt Ihr: Soll ich????

***

Das war es schon für diese Woche. Der Winter bestimmt hier in Oslo momentan das Leben, im Frognerpark kann ich täglich juchzende Kinder (und Erwachsene) beim Rodeln beobachten, während Gesa und ich über die verschneiten Wege schieben. Seit letzter Woche sind die brodder meine wertvollen Begleiter geworden! Danke für alle Eure Tipps, was ich tun soll, um sie NICHT immer auf dem Schuhschrank zu vergessen. Euch allen wünsche ich eine tolle Woche, unternehmt etwas Schönes und lacht viel!

Ha det,

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Ulrike

Praktische Tipps für den Winter in Oslo – Teil 1 ODER Walk like a penguin!

achimkirchmeier.de

achimkirchmeier.de

Der eine will stark sein wie ein Bär. Die andere gern listig wie ein Fuchs. Mancher wünscht sich Adleraugen. Mir sind Bär, Fuchs und Adler gerade völlig schnurz. Ich möchte ein Pinguin sein.

Hallo, meine lieben Leser, wie schön, dass wir uns hier wieder treffen. Der Winter hat Oslo voll im Griff, aber es ist ein launischer Winter, den wir bisher erleben: Schneefall, Tauen, Schneefall, Tauen, Schneefall, RICHTIG KALT, Tauen….so geht das bereits seit ein paar Wochen. Ist ja nicht schlimm.

Wenn man plant, bis Mai im Haus zu bleiben.

Das will ich nicht und darum ärgere ich mich jeden Tag über das größte Winterproblem in Oslo: Eis. Kaum ein Bürgersteig, der nicht mit einer dicken Eisschicht überzogen ist. Obwohl die städtischen Streufahrzeuge unermüdlich im Einsatz sind, rutschen wir Osloaner täglich von A nach B. Die kleinen schwarzen Kiesel, mit der die Kommune versucht, dem Eis Herr zu werden, sind vor allem eines: Echt niedlich. Aber fast komplett wirkungslos. Warum nicht alle Hausbesitzer und Geschäftsleute verpflichtet sind, den Bürgersteig vor ihrem Haus/Geschäft eisfrei zu halten ist eine Frage, die mir hier niemand beantworten will. Ich vermute, dass sich einfach alle ans Rutschen und Fallen gewöhnt haben.

ICH MICH ABER NICHT!

Mir fehlt das norwegische Gleichgewicht-halten-oder-Lachen-trotz-Fallen-Gen und deshalb tue ich, was die meisten Nicht-Norweger auf Eis tun werden: Ich rutsche. Ich falle. Ich drehe Pirouetten, die mir beim Eiskunstlauf Punktabzug einbrächten. Und – ich fluche. Auf Englisch. Warum, das weiß ich selber nicht so genau, aber ein gut platziertes „F..k!“ schlägt ein deutsches „S…..e“ um Längen. Probiert es aus!

Nach zwei Wintern Fluchen und Rutschen suchte ich im Winter 2014 endlich nach Hilfsmitteln. Die erste Waffe gegen rutschigen Untergrund: Brodder. Das klingt doch gut, fand ich. Irgendwie stabil, sicher und verlässlich. Im Deutschen werden daraus neudeutsch Spikes, also kleine Spitzen, die unter den Schuhsohlen für Halt im Eis sorgen. Brodder gibt es in vielen Formen, meine sind aus elastischem Material und werden einfach über die Schuhsohle gezogen. Das Problem: Ich vergesse sie ständig mitzunehmen. Meistens geht das so: Nach zwei Gängen aus dem dritten Stock sind Baby, Wickeltasche, Windelmülltüte, Arbeitstasche, Handtasche und ich endlich alle zusammen am Kinderwagen – bereit loszugehen. Und dann: „Mist, die brodder sind noch oben! – Och nöööööö! – Wird schon nicht soo glatt sein!“

Also schieben wir los.

NaTÜRlich ist es glatt.

Wusste ich vorher.

NaTÜRlich nehme ich mir vor, die brodder beim nächsten Mal UNBEDINGT mitzunehmen. Am besten lege ich sie nach der Rückkehr SOFORT in den Kinderwagen. Jawoll, so mache ich das!

Klar. Klappt super.

Außerdem sind brodder uncool, habe ich gelernt. Die würden doch nur alte Leute überziehen, lachen mich gleichaltrige Freunde aus. Das geht doch auch ohne. Stell dich nicht so an!

Aber wie soll es denn ohne gehen, frage ich mich beim Rutschen über den Bürgersteig? Gibt es etwa eine Anleitung zum „Gehen auf Eis“?

Nein, natürlich nicht. – Es gibt ZAHLREICHE Anleitungen. Ich stoße im Internet auf Artikel verschiedenster Webseiten. Von senioryears.com über zeit.de bis hin zur US-Universität von Illinios bekomme ich praktische Tipps geliefert:

„Geben Sie sich ausreichend Zeit, um an Ihr Ziel zu gelangen.“

„Gehen Sie langsam.“

„Strecken Sie Ihre Arme aus, um das Gleichgewicht zu behalten.“

„Blicken Sie nach unten beim Gehen.“

Hm. Ich neige dazu, die Hände in die Manteltaschen zu stecken, während ich, himmelwärtsblickend, über vereiste Wege galoppiere. Danke für die guten Tipps. Als ich noch vor mich hin meckere, lese ich den Satz: „Gehen Sie wie ein Pinguin.“

Wie bitte?

Um mir das Leben einfacher zu machen, fügt die Autorin von today.com die folgende Zeichnung hinzu:

Das leuchtet mir irgendwie ein: Pinguine können sich schließlich perfekt auf Eis fortbewegen. Im Internet finde ich Webseiten und Videos (Ich lache immer noch!) zum Pinguin-Stil und gebe hier gerne das In-sechs-Stufen-zum-Pinguin-Programm weiter, mit dem ich mich zur Zeit auf meinen ersten Auftritt vorbereite:

  1. Aufrecht und entspannt stehen.
  2. Arme eng an die Seiten pressen.
  3. Handflächen hochklappen, bis sie parallel zum Boden sind.
  4. Brust raus, Schultern zurück.
  5. Gleichgewicht auf das vordere Bein legen.
  6. Loswatscheln.

Normalerweise, so die Autorin von today.com, läge das Gleichgewichtszentrum in der Mitte unseres Körpers. Die Beine seien so gezwungen, das Körpergewicht in einem bestimmten Winkel zu unterstützen, der für eisige Böden nicht geeignet ist. Man fällt. Legt man das Gleichgewicht nun immer auf das vordere Bein, fällt man nicht. Ganz einfach!

Um die kommenden Spaziergänge hier in Oslo mit heilen Knochen zu überleben, möchte ich also ein Pinguin sein. Aber nur bis zum Frühling. Dann träume ich wieder vom Fliegen.

***

Das war es schon wieder für heute, meine lieben rutschfesten Leser! Ich wünsche uns allen eine schöne Woche. Habt Spaß, genießt jeden Tag und sagt den Menschen und Pinguinen in Eurem Leben, wie wichtig sie Euch sind. Man weiß nie, wie lange wir alle zusammen sein werden.

Ich watschele also ab jetzt pinguingleich über die Bürgersteige und hoffe nur, dass mich niemand dabei sieht! Falls doch habe ich aber einen Weg gefunden, von meinem Gang abzulenken.

Ha det bra,

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Ulrike

Ich bin eine Trantüte! ODER Norwegische Ernährung der besonderen Art…

nrk.no September 2014: Ich will das nicht schlucken. Wirklich nicht. Noch nicht einmal warmer Milchreis mit Zimt und Zucker löst einen derartigen Widerwillen in mir aus. Und das will was heißen, denn ich HASSE warmen Milchreis. Vor mir sitzt Gesa und guckt mich interessiert an. In Ordnung, here goes nothing. Mein erster Löffel Tran. Hallo, meine lieben Leser und ein Frohes neues Jahr! Schön, dass wir uns auch in 2015 hier wieder treffen. Tran also. Ja. Was tun wir nicht alles für unser Kind. Bei ihrem ersten Besuch betonte die helsesøster der kommunalen Gesundheitsstation wie wichtig es sei, dass Kinder Tran zu sich nähmen. TRAN? Nicht im Ernst, oder? Für mich gehörte diese ölige Nahrungsergänzung wenn nicht ins tiefste Mittelalter, dann doch wenigstens in die Kindheit meiner Eltern. „Vielleicht ist das in Deutschland so“, antwortete die Kinderkrankenschwester auf Hausbesuch. „Hier in Norwegen gehört Tran zum alltäglichen Leben.“ Ich fragte herum. Ungläubig. Klar hatte ich im Supermarkt die Regale voller Tranflaschen gesehen, aber meiner Meinung nach staubten die da trantütig vor sich hin – ignoriert von den modernen Großstadtnorwegern. Weit gefehlt. Sowohl in meinem norwegischen als auch deutschen Umfeld fanden sich viele, die die Omega-3-Quelle Tran täglich zu sich nahmen. „Aber nimm es bloß als Kapsel, das Originalzeug schmeckt widerlich.“ – „Nimm es bloß nicht als Kapsel!“ Äh ja, danke. Nun sollte es aber nicht vorsätzlich MEINER Gesundheit dienen sondern Gesas und damit schieden Kapseln schon mal aus. Also ab in den Supermarkt und eine Flasche Möller’s Tran gekauft. Ich fühlte mich unglaublich norwegisch! Vitamin A, E und D (Mangelware in den dunklen norwegischen Wintern) versprach mir der Tran. Ein Esslöffel für mich und 2,5 ml für Gesa sollte unseren täglichen Bedarf decken. Hm. Ich stelle fest, dass Mengenangaben identisch sein können, aber absolut nicht identisch empfunden werden müssen. Ein Löffel Apfelmus – ganz köstlich. Ebenso wie ein Löffel voll französischer Zwiebelsuppe. Und ganz wunderbar: Ein Löffel mit Nutella. Aber ein Löffel mit Tran? Jeder zehnte Norweger nimmt angeblich täglich Tran zu sich. Viele davon in der flüssigen Form, die Herr Möller mir nun auch anbietet. Was 500.000 Norweger können, das kann ich jawohl auch. Ist ja schließlich für Gesa. Unsere Idee ist: Wenn WIR es schlucken und dabei Spaß machen, findet sie es auch ganz klasse. „Ich bin Christ, Leiden ist mein Los“, zitiere ich La Cage aux Folles und führe den Löffel zum Mund. Nun bin ich nicht nur Christin sondern auch begeisterte Schauspielerin mit Clown-Ausbildung. Das mit dem Lachen bekomme ich schon hin, selbst wenn der Tran jetzt nicht so toll…. Oh Hilfe. Igitt. Die ölige Höllenflüssigkeit mit Fischgeschmack macht sich in meiner hilflosen Mundhöhle breit und wandert Richtung Hals. Ich rieche, schmecke, denke nur eines: FISCH. Bääääääääh. Würg. Lächel, lächel. Hilfe, es ist im Hals gelandet, automatisch schlucke ich. Igitt. Das wird immer schlimmer. „Oh Gesa, Tran schmeckt so prima!“ Darf eine Mutter schon so früh ihr Kind anlügen? Ruhe, keine Zeit für moralische Selbstdiskussion, weil…. Der Nachgeschmack kommt!!!! Ich schließe erschüttert die Augen und fühle mich wie Jona, der im Walbauch sitzt und dessen Magenwände ableckt. Gesa gluckst. Martin feixt. Ich öffne die Augen, reibe mir mit der Hand den Bauch und behaupte strahlend: „Geeesa, soooo lecker!“ Sie guckt zweifelnd auf mich und den kleinen Löffel, der sich nun ihrem Mund nähert. Man wird ja nicht gerne ausgespielt von jüngeren Konkurrenten, aber Gesas Minenspiel schlägt meines um Längen. Im Gegensatz zu mir, die tapfer geschluckt hat, schiebt das schlaue Baby die ölige Masse in die entgegengesetzte Richtung. Ein kleiner Löffel Tran fließt also an ihrem Kinn herunter und sorgt dafür, dass unsere wunderbare Tochter noch stundenlang wie ein französischer Fischhändler riecht. Später erfahre ich, dass es in der Apotheke Vitamin-D-Ersatz-Tran-Tropfen gibt, die, völlig geruchs- und geschmacklos in die Babymilch gegeben werden können. Ist ja mal wieder typisch, dass ich das HINTERHER erfahre. Naja, aber ansonsten hätte ich keine Geschichte erzählen können. So hat immer alles seine zwei Seiten. Die norwegische Gesundheitspropaganda ist aber nicht spurlos an uns vorübergegangen: Martin und ich nehmen jetzt täglich zwei Fischtran-Kapseln Möller’s Dobbel. Und Gesa bekommt täglich 5 Tropfen D-vitamin dråper. Die Flasche Tran steht seitdem unberührt in unserem Kühlschrank. In einem Monat muss sie weg. Falls also jemand sie will, einfach melden! Wirklich lecker!!!!! Und falls mir jemand die für deutsche Augen falsche Schreibweise von Möller’s erklären könnte, wäre ich auch dankbar. *** Das war es schon für heute, meine lieben Leser. Angeblich soll in Deutschland der Tran ein Comeback gefeiert haben, stimmt das? Und Ihr hier in Norwegen, seid Ihr auch Trantüten oder Totalverweigerer? Was immer Ihr seid, ich wünsche Euch und uns allen eine tolle Woche mit lauter köstlichen Dingen. Mir wünsche ich im Moment ein starkes Paar Ohrenschützer – Gesa hat gestern die hohen Stimmoktaven entdeckt und quietscht sich begeistert und lautstark durch den Tag. Ob ich etwas Tran……..? Ha det bra, 20150109_130249 (Ein Hoch auf die Kapseln!) Ulrike