Skillingsboller in Oslo ODER Eine kulinarische Herausforderung!

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Ha!  Na, das wollen wir doch mal sehen, das wäre doch gelacht, da gebe ich jetzt alles und dann wird sich zeigen – ob man skillingsboller NUR in Bergen hinbekommt!

Hallo, meine lieben Leser, schön, dass wir uns hier wieder treffen. Heute nehme ich Euch mit in meine Küche – das hatte ich schon vor zwei Wochen geplant, es dann aber vergessen – herregud, ich werde 45, das kann ja mal passieren.

Was passieren?

Tja und wir kochen auch nichts aus dem Wikingerbuch, was daran liegt, dass ich heute zum Essen eingeladen bin und am Wochenende meine Mutter kocht, lange Rede, kurzer Sinn: Wir backen.

Also ich.

“Gnade uns Gott.”

Hallo, Gewissen! Backst du mit?

“Nee, lass mich da raus. Ich hab jetzt Wochenende! murmelt: Backen will sie, klar, wir haben ja auch alle das Kransekake-Desaster vergessen….”

Ey, du bist mein Gewissen, du bist auf meiner Seite. – Oder? – Oder??

“Ja, merkst du selber, ne?”

Ich backe jetzt. Punktum.

“Siehe oben.”

Omm.

So, bei den Wikingern habe ich irgendwie nichts gefunden, ich habe dann in meinem Lieblingsbuch “Norwegische Nationalgerichte” geblättert und…BINGO: skillingsbolle.

Die habe ich in Bergen probiert und fand sie megalecker und sie zählen ganz eindeutig zu den norwegischen Nationalgerichten, wenigstens an der Westküste. Die Bergenser kennen die skillingsbolle seit der Hansezeit und den Namen bekam das Nationalbackwerk wegen seines Preises: Eine Zimtbolle kostete damals ….einen Schilling. In ganz Norwegen sind kanelboller beliebt, aber skillingsboller, die gibt es anscheinend echt nur in Bergen!

Das Rezept  liest sich einfach und dann kommt der herausfordernde Satz:

Men de må være bakt i Bergen, for en østlandsk etterligning kan ikke måle seg – det mener nå i hvert fall bergenserne selv!

Habt Ihr verstanden, ja? Skillingsboller müssen in Bergen gebacken werden, Nachahmungen aus dem Osten des Landes können sich damit nicht messen. Das meinen zumindestens die Bergenser selbst.

Na, das wollen wir ja mal sehen!

“Räusper.”

Ja?

“Du, also ausgerechnet Miss Kransekake 2013, will sich dieser Herausforderung stellen?”

Ja, klar! Ich bin in den letzten Jahren viel besser geworden im Backen.

“Klar.”

Bin ich.

“Sicher.”

Du hast irgendwie deine Jobbeschreibung falsch verstanden.

“Ok. räusper-räusper: Du schaffst das.”

Danke.

“Tschakka.”

Egal, dann motiviere ich mich eben selbst. Und los geht es: Ab in die Küche!!! Damit ich nicht ganz vernorwegere, läuft Radio ffn im Hintergrund. Gerade singt Herbert Grönemeyer. Der Meister, oder? Im Moment setzt sich so ein komischer Seelen-Sprechgesang im Radio durch, gefühlsüberladene Männer singen in Trauerstimme und irgendwie ohne Melodie von Liebe und Ewigkeit, da stellen sich meine Nackenhaare hoch, das hat schon bei Xavier Naidoo angefangen…uihuihui….aber Herbert geht immer. Immer. Immer.

So.

Milch, Trockenhefe, Butter, Zucker, Mehl, Zimt – es geht kaum einfacher. Schüssel, Messlöffel, los. Erstmal die Milch auf 37 Grad erwärmen.

Hm.

Woher weiß ich denn, wieviel 37 Grad ist? Ich kann ja schlecht Gesas Fieberthermometer da rein halten. Vor allem, wo das so vorher war….

“Mahlzeit.”

Jaaa, ist ja gut. Also dann google ich das halt. – Aha, looogisch, einfach Finger reinhalten und wenn es weder warm noch kalt ist, schreibt Backkönigin85, dann ist es zwischen 35 und 37 Grad.

Aua.

Meine Milch ist eindeutig heißer. Also pusten.  So, dann den Rest der Dinge dazu und alles gut durchkneten. Es ist ja toll, dass man beim Backen oder Kochen so nebenbei neue norwegische Vokabeln lernt. Hier eine kleine Vokabelliste für Euch:

  • gjæren – die Hefe
  • heving – heben/aufgehen (Teig)
  • kjevler – ausrollen
  • leiv – großes Stück
  • smuldre – abbröckeln/auflösen
  • drysse – streuen

So, der Teig fühlt sich ölig und richtig an. Dann ab in den Ofen zum Aufgehen. Dass ich heute so in Ruhe backen kann (mal abgesehen von meinem nervigen Gewissen) liegt daran, dass Oma Tutta in town ist. Gesas Kindergarten ist heute und am Montag geschlossen und die beiden sind jetzt mit der Straßenbahn unterwegs nach Grünerløkka zum Eis essen. Was auch sonst bei 1 Grad und Nieselregen? Meine Mutter kommt so alle zwei Monate nach Oslo und das ist wirklich eine schöne Sache, für alle Beteiligten und auch eine tolle Hilfe an Tagen wie heute. Also hier mal ein großes Hipphipphurra auf alle Omas und Opas in Fern und Nah: Ihr seid toll! Ob nun Krippe bauen oder Lichterpyramide anzünden, unterm Regenschirm sitzen und Eis essen, bei Oma und Opa ist immer was los.

PING!

Ein Blick in den Ofen und jawoll, der Teig hat sich mehr als verdoppelt. Ich bin so backunerfahren, dass mir das jedes Mal wie ein Wunder vorkommt. Nun Teig ausrollen in ein “leiv” – tja, was bitte ist denn nun ein großes Stück? Definiere “groß”!!! Och, ich mach einfach mal, rolle, rolle, passt schon. Nun den ausgerollten Fladen mit Zimt und Zucker bestreuen – Norweger liiiiiieben Zimt! Also rauf, da. So, nun eine Wurst rollen und in gleichgroße 2cm dicke Scheiben schneiden.

Klappt auch.

Ich sollte eine Bäckerei eröffnen!

“Hüstel.”

Du wieder, dir zeige ich es schon noch.

So, jetzt mit der Schnittfläche auf das Blech setzen. Da steht, dass das Blech eingebuttert sein soll. Ich nehme Backpapier, daran wird es schon nicht scheitern. So, nun noch fünf Minuten gehen lassen. Uihhh, das riecht schon toll! Nun jedes Stück mit Ei bepinseln und ab in den Ofen. 220 Grad für 15 Minuten.

Und ab jetzt sitze ich mit großen Augen vor der Backofentür.

Oh, wow!!!

Gewissen, guck!!!!

“Ja, ja.”

Die werden ganz groß und schön und bollerig!!!!

“Ja, die sehen ganz ok aus.”

Cooooool!!!!!

“Sag mal, wie alt bist du eigentlich!?”

Ich bin gerade 5 und das hier ist der Hit!!!

“Wenn du mich nicht hättest, würdest du im Einhornkleid auf Bäume klettern!”

Uh. Gute Idee! Das machen wir morgen.

Jetzt guck doch mal diese wunderschönen Kunstwerke an.

PING!

Und schon ist es Zeit, die Osloer skillingsboller aus dem Ofen zu holen.

Tataratarata!!!!!!

Schnell den Zucker auf die wunderschönen Backwerke streuen und…fertig!!! Eine erste Geschmacksprobe verrät: LECKER! Zugegeben, sie schmecken anders als in der Bäckerei in Bergen, aber sie schmecken.

“Aha. Also, Experiment gescheitert. Du kannst keine Bergenser skillingsboller backen.”

Hm. Vielleicht nicht. Aber ich kann ganz tolle Osloer skillingsboller backen!

***

So, meine lieben Leser, das war es für heute. Spaß hat es mir gemacht und ich hoffe, wir treffen uns bald wieder in meiner Küche. Uns allen wünsche ich eine tolle Woche mit viel Gemütlichkeit, Lachen und lieben Menschen. Meine wöchentlichen Grüße gehen heute an meinen Lieblingsgaukler: Alles Gute zum Geburtstag!

Für alle, die auch mal wieder Zimtrollen backen wollen, hier das Rezept der Bergenser skillingsboller:

4 dl Milch, 1,5 Tüten Trockenhefe, 100g Butter, 1 dl Zucker, 12 dl Mehl, Zimt, Zucker und ein Ei zum Bepinseln. Milch auf 37 Grad erwärmen, Hefe hinein und auflösen lassen. Butter, Zucker und Mehl hineinmischen und alles gut vermengen. Teig an einen warmen Ort stellen und gehen lassen, bis er sich in der Größe verdoppelt hat. Teig ausrollen, mit Wasser bestreichen und mit Zucker und Zimt bestreuen (großzügig!).  Den Fladen zusammenrollen und 2cm dicke Stücke abschneiden. Mit der Schnittfläche auf ein Backblech legen. Noch einmal gehen lassen. Mit Ei bepinseln und für 10 Minuten bei 220 Grad ab in den Ofen. Staunen! Staunen! Backkunstwerke rausholen, gleich mit Zucker bestreuen, abkühlen lassen und….GENIESSEN!!!!

Ha det,

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Ulrike

Die „Backstube“ in Oslo ODER Laugenstangen, jippie!!!!

***ACHTUNG: Dieser Artikel enthält Spuren von Schleichwerbung. Fette, riesige Schleichwerbung. Und das ist Absicht. Ist mein Blog. Ich darf das.***

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@beanforest

Ich stehe sprachlos vor dem Holzregal. Greife dann zur Zange, öffne die Tüte und beginne einzupacken. Zwei reichen für den Anfang…nein, drei…na gut, vier…ok, fünf…aber nun ist Schluss! Ohhh, das da hinten sieht aber auch lecker aus…und da vorne…sind das etwa Kirschtaschen?????

Hallo, meine lieben Leser, Oslo ist seit letzter Woche ein ganzes Stück besser geworden: Es gibt eine deutsche Bäckerei!! Am Freitag um 7 Uhr hat am Frognerveien 1b die “Backstube” ihre Türen geöffnet – und die Osloaner kamen! Ich natürlich auch. Am Abend vorher las ich von diesem achten Weltwunder auf Facebook in der Gruppe “Tysker i Oslo”, also Deutsche in Oslo. Diese und andere Gruppen sind eine wahre Fundgrube an guten Tipps und Infos rund um die Stadt.

Randnotiz: Sehr zu empfehlen auch “Where in Oslo” oder “New to Oslo” oder für junge Eltern “Imobago”, die internationale Mutter und Babygruppe in Oslo und “Deutsche Krabbelgruppe”. Ich bin ja sowieso ein Fan von Facebook und diese Gruppen haben mein Leben hier in Oslo echt vereinfacht.

Ich lese also völlig begeistert, dass eine deutsche Bäckerei in Oslo eröffnet. Sehr nett schreibt Chef Felix Heinrich über sein Geschäft und lädt herzlich zum Probieren ein. Na, das musste er nicht zweimal sagen. Gleich am nächsten Tag stürmen Christian, Gesa und ich die Bäckerei in der Nähe vom Solliplatz.

“Rieeeech mal, wie das hier duftet!!!!” schwärme ich sofort. Ist die Nase schon begeistert, zieht das Auge bald nach. Da liegen echte….wunderbar braune…LAUGENSTANGEN!!! Die werden hier in Norwegen von verzweifelten Deutschen schon selber gebacken, sind bei den Norwegern völlig unbekannt und ich stürze mich sofort auf das Regal und packe gleich fünf ein – man weiß ja nie. Neben mir beäugt ein Norweger interessiert die Laugenbrezeln und lässt sich dann über diese deutsche Spezialität aufklären. Na gut, er könne das ja mal probieren, beschließt er zum Beifall der umstehenden Deutschen und packt eine Brezel ein.

Das Laugengebäck ist für mich das Highlight im Angebot der Backstube. Gern hätte ich Schwarzbrot gesehen oder Streuselkuchen, aber vielleicht kommt das noch. Auch, dass die Backstube ihre Waren nicht selber herstellt sondern von, laut Internetseite, „ausgezeichneten Bäckereien aus ganz Europa“ beliefert wird und vor Ort backt, trübte ein bisschen meine erste Begeisterung.

Aber schmecken tut es prima 🙂 Das Angebot bedient, ganz klar, die internationale Szene in Frogner – es gibt neben dem deutschen Klassiker auch französische Croissants und italienisches Foccachio. Das Publikum am Eröffnungstag war entsprechend international, eine glücklich, mehlproduktbegeisterte Menge.

Ich werde auf jeden Fall regelmäßig in der “Backstube” einkaufen, denn die Laugenstangen sahen nicht nur köstlich aus, sondern schmeckten auch so. Und selbst mein fränkischer Freund Christian war begeistert! Nächsten Samstag probiere ich dann die Laugenbrezeln…nee, das Kräuterbrot…nee, die Croissants…oder die Apfeltaschen…oder….

***

So, das war es für heute, meine lieben Leser! Geht bitte morgen trotzdem arbeiten oder an die Uni oder zur Schule, denn obacht oder OBS, wie man in Norwegen warnt: Heute ist nicht Freitag!!! Neeein, tut mir leid, heute ist erst Dienstag! Aber der Sommer hat Oslo erreicht und mein Leben findet momentan irgendwie nur draußen statt und letzten Freitag kam ich einfach nicht zum Blog schreiben. Dafür gibt es diese Woche dann gleich zwei Artikel, bevor ich mich in die Somemrpause verabschiede.

Ich wünsche uns allen eine schöne Restwoche, wir lesen uns am Freitag oder Samstag, genießt den Sommer und lobt mal wieder Euren deutschen Bäcker um die Ecke. Meine Grüße gehen in dieser Woche an Nicht-Fußballfans, die den ganzen Zirkus nicht verstehen und an alle Fußballfans, die sich durch etwas schlappe erste Begegnungen kämpfen mussten. Ich habe es dieses Mal einfach: Norwegen ist nicht bei der EM und ich kann ganz entspannt für Deutschland jubeln! Go Schweini!

Und darauf noch eine Laugenstange!

Ha det,

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Ulrike

 

Wir gehen auf trilletur ODER Ein ökonomisches Pony begeistert Gesa!

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Wir trillen lustig durch den Wald, die Sonne scheint. So muss es bei einer trilletur sein, ikke sant? Trillen kann man zu zweit, aber auch gern in großen Gruppen. Alleine wäre es hingegen komisch. Trilletur ist eines dieser norwegischen Wörter, die ich erst kenne, seit Gesa auf der Welt ist. So wie helsestasjon, bleier, barselgruppe oder åpen barnehage. Trilletur…Na? Naaa? Naaaaaaa?

Genau, eine trilletur ist eine Wanderung oder ein Spaziergang mit dem Kinderwagen.

Hallo, meine lieben Leser, schön, dass wir uns hier wieder treffen! Früher haben Martin und ich unseren Rucksack geschnürt, haben uns ein Ziel ausgesucht und sind losgewandert. Bergauf und bergab, durch Wälder, über Wiesen, auf Wanderwegen oder Trampelpfaden.

Dann kam Gesa und plötzlich stellte sich die Frage: Auf Tour – ja gern – aber geht das mit Kinderwagen?

(“Hä?? Nehmt doch eine Trage!”, höre ich Euch rufen. Zu faul, entgegne ich da. Zu schwer und überhaupt schleppe ich dann nicht nur das Kind, sondern wir müssen auch ihre ganze Ausstattung mitschleppen…nee, nee, nee. Barnevogn it is.)

Wir machten uns also auf die Suche nach Tips für Wanderungen mit Kinderwagen: “Tur med barnevogn nordmarka” fragte ich. “Trilleturer“ von Gry Støyvind Hoell, antwortete Google. Irritiert versuchte ich trilletur zu übersetzen und war bald sicher, den richtigen Begriff gefunden zu haben. Das Buch zu kaufen ging fix.

Und dann passierte erstmal gar nichts.

Ich blätterte ein paar Mal begeistert hin und her, schrieb Touren auf, die wir UNBEDINGT machen sollten…

…und dann passierte wieder gar nichts.

(Ich weiß ja nicht, wie es Euch so geht: Ich bin ganz groß im Plan schreiben, Plan aufhängen und Plan angucken. Ich liebe Pläne. Und manchmal habe ich dann das Gefühl, genug getan zu haben. Mein Küchenorganisationsplan, beispielsweise. Großartig ist der! Und wie er da hängt! Super! – Meine Küche hingegen…)

Am letzten Wochenende hatten wir dann Familienwochenende und wollten wandern. Raus aus der Stadt, ab in den Wald, eine tolle Tour – aber bitte irgendwohin, wo ich auch Waffeln essen kann.

(Ich weiß ja nicht, wie es Euch so geht: Eine Wanderung ohne irgendwo einzukehren, finde ich doof. Ich brauche immer ein Ziel und zwar eines mit Verköstigung!)

In unserer Zeit vor Gesa waren wir immer gern zum Ullevålseter gewandert – vom Sognsvann aus, eine Strecke, die mit Kinderwagen aber nicht möglich ist. “Ohhhh!”, schwärmte ich, “Ullevålseter…da gibt es soooo leckere Waffeln!” Ein Blick ins Trilleturbuch und bald stand fest: Jawoll, Ullevålseter, das geht auch mit Kinderwagen! Hurra!

Am Samstagmorgen ging es los und ich erlebte wieder einen Aspekt, den ich an Oslo ganz besonders schätze: Man steigt in die öffentlichen Verkehrsmittel (in diesem Fall die Busse 25 und 51) und nach knapp 30 Minuten standen wir mitten auf dem Land. Rote Bauernhäuser, Felder, Seen – Idylle pur. Die Haltestelle hieß “Hammeren” und lag genau gegenüber des Wanderwegs, der uns zum Ullevålseter (lies: zu den Waffeln) führen sollte. Ich stand erstmal wieder staunend in der ganzen Natur. Das ist das Tolle, wohnt man, wie wir, mitten in der Stadt: Das Staunen, sobald man draußen ist, ist so groß ;)!

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Frohgemut wanderten wir also los, Gesa entdeckte moosige Bäume, schlammige Pfützen, grüßte Hunde und Libellen, wir bestaunten den Wasserfall des Skjersjøflusses, pflückten Löwenzahn und mussten auf der Hälfte des Weges erstmal anhalten und nach Luft schnappen. Atemlos blickte ich in mein Tourbuch. Da stand eindeutig: “Die Berge sind am Anfang der Tour.”

Nun weiß ich dank meines Geologen-Ehemannes, dass es Millionen von Jahren dauert, bis Berge entstehen. Das Buch war von 2009. Es war also relativ unwahrscheinlich, dass diese Berge vor uns in den letzten sieben Jahre entstanden waren. Aber dass sie DA waren, daran bestand kein Zweifel. Und zwar nicht nur am Beginn der Tour. Nein, auch in der Mitte und am Ende. Eigentlich war die ganze Tour eine Berganfahrt mit Ruhemomenten.

Norweger haben einfach andere Maßstäbe. Wir schoben also einfach weiter, genossen die Natur und entdeckten bald ein rotes Holzhaus – unser Ziel!

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Ullevålseter. Es war viel los an diesem sonnigen Samstag, aber wir sicherten uns noch einen Tisch und kurze Zeit später biss ich in eine Waffel und in ein Stück Apfelkuchen.

(Na, was denn? Ich war ja schließlich bergauf gewandert – das musste belohnt werden.)

Im warmen Sonnenschein saß ich zufrieden auf meiner Bank, die Kaffeetasse in der Hand …und verschluckte mich fast, als ich am Ufer des kleinen Tümpels gegenüber ein Pony liegen sah. Ein Pony!! Lag da, einfach so, ohne Zaun drumrum. Ein Pony!!! Gesa, die gerade friedlich Kiesel in einem Eimer sammelte, fühlte sich aprupt in die Luft gehoben und galoppierte unerwartet auf Mutters Arm Richtung Huftier.

Dessen Gedanken, als es uns kommen sah, müssen gewesen sein:

“Oh neeeeeeeeeeeeeeeee!”

So guckte es wenigstens. Und dann tat es so, als würde es schlafen. Na, da hatte das Huftier seine Rechnung aber ohne Gesa gemacht. Nicht, dass sie es streichelte. Nein.

Sie schrie es an.

“Da!! Da!!! Daaaaaaaaaaaa!!!! Daaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaa!”

Ihre Begeisterung war grenzenlos. Die des Ponies nicht. Es hob den Kopf und blinzelte gelangweilt.

Gesa wurde vor Ehrfurcht stumm und musste sich setzen.

Das Pony, zufrieden mit seiner ökonomischen Wirkung (minimaler Einsatz für maximalen Ertrag) schüttelte das weiße Haupt und schlief ein.

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Nach einigen Minuten brachte ich mein immer noch überwältigtes Kind zurück zum Tisch, wo es das Pony imitierte und einschlief.

Unsere trilletur kam nun in die ruhige Phase. Vom Ullevålseter wanderten Martin und ich (mit der schlafenden Gesa im Kinderwagen) bergab Richtung Sognsvann (ja, es gab doch einen Kinderwagentüchtigen Weg!) und stiegen dort in die t-bane Richtung Zivilisation.

Schön war es und wir freuen uns auf’s nächste Mal!

***

So, das war es für heute, meine lieben Leser! Genießt das schöne Wetter, schwingt Euch vom Sofa in den Wald und tut was für die Laune und die Gesundheit. Ich wünsche uns allen eine gute Woche. Morgen früh klettere ich auf den Zug nach Bergen und lerne nicht nur endlich die Stadt kennen, sondern sehe auf der siebenstündigen Zugfahrt auch ganz viel Norwegen. Darüber, natürlich, mehr am nächsten Freitag. Ganz liebe Grüße gehen heute nach Lillehammer zu Anne und ihrer Familie.

Hilsen,

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Ulrike

Überraschung beim Einkaufen ODER Wieso hat die meine Jacke an??

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@antenne.de

Oho, eine neue Käsesorte im Sortiment meines Supermarkts. *Freude!* Dann stutze ich: Wieso fällt mir das eigentlich auf? Willkommen in Norwegen – dem Land der (manchmal) begrenzten Möglichkeiten.

Hallo, liebe Leser, schön, dass wir uns hier heute wieder treffen. Natürlich bieten sich in Norwegen unendlich viele Möglichkeiten – nur was das Einkaufssortiment angeht, leben wir hier etwas hinter dem Mond. Geringe Auswahl hat natürlich seine Vorteile, z.B. geht das Einkaufen schneller: Anstatt unentschlossen vor 37 Nudelsorten zu stehen, packe ich die Sorte in den Korb, die ich immer kaufe. Gleiches gilt für andere Warengruppen.

Bei Bekleidung hat das eingeschränkte Warenangebot beispielsweise zur Folge, dass (gefühlt) jedes zweite Kind mit der gleichen Wintermütze wie Gesa herumläuft oder jede (gefühlte) dritte Frau mit meiner Winterjacke durch den Winter kommt. Anfangs dachte ich noch: “Was für Nachmacher – einer kauft es und alle kaufen hinterher!!” aber nein, es gab einfach nicht so viele Modelle zur Auswahl.

Norwegen beschützt seinen Markt und seine eigenen Marken durch teilweise horrende Einfuhrzölle sehr gut vor zuviel Produkten aus dem Ausland. Und die norwegischen oder skandinavischen Produkte sind hier, wenn nicht günstiger, so doch wenigstens genauso teuer wie beispielsweise in Deutschland. Dafür schaffen es aber manche Marken oder Produktsorten gar nicht erst auf den norwegischen Markt. Unvergessen die absurde Erhöhung des Einfuhrzolls auf Käse: Erbost darüber, seinen Kunden keinen französischen Köse anbieten zu können, verwies ein Osloer Käsehändler den für Zölle zuständigen Minister kurzerhand aus seinem Laden.

Richtig bewusst wird mir das kleinere Angebot immer erst wieder in Deutschland oder auf einer harry tur nach Schweden. Da stehe ich dann mit großen Augen vor Kühlregalen voller Joghurt, Joghurt und nochmals Joghurt; packe (gefühlte) 100 Schokoladentafeln ein – in 100 VERSCHIEDENEN Geschmacksrichtungen; kann mich beim Duschgel ebensowenig entscheiden wie beim Tee und lande schließlich in der Käseabteilung und bin erledigt. – Naja, so ungefähr, aber alle Osloaner mit Einwanderungshintergrund werden mich verstehen.

Aber nun wollen wir mal nicht übertreiben: Alles, was man zum Leben braucht, gibt es hier in Oslo. Und viel mehr. Es ist eben nur etwas übersichtlicher im Angebot. Aber dafür fällt mir eben SOFORT auf, wenn es im Supermarkt eine neue Käsesorte gibt.

Und die wandert dann auch umgehend in meinen Korb!

***

So, meine lieben Leser, das war es für heute. Wir haben nach vielen Besuchen und Beratungen unsere Kindergartenwunschliste an die Stadt Oslo geschickt. Nun hoffen wir, dass Gesa einen Platz in einem der vier Kindergärten bekommt. Danke an dieser Stelle an alle Lieben, die uns bei der Suche geholfen haben – in Nah und Fern!

Ich wünsche uns allen eine schöne Woche mit viel Spaß und netten Begegnungen, Sonne und guter Laune. Öffnet in Eurem Supermarkt mal wieder die Augen – toll, was es alles zu kaufen gibt!

Ha det bra,

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Ulrike

 

Norwegische Nationalgerichte aus Ulrikes Küche ODER Warum ist der Kuchen blöd?

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Falsche Freunde sind verstörend. Das gilt für zwischenmenschliche Beziehungen ebenso wie für interlinguale, wo sie neudeutsch false friends genannt werden. Ein schönes Beispiel: Gift. Englisch sprechende Empfänger reagieren auf ein gift mit Freude, Deutschsprechende hingegen mit ihrem letzten Atemzug.

In Norwegen ist mir ein besonders schöner „falscher Freund“ begegnet.

Der bløtkake.

Hallo, meine lieben Leser, schön, dass wir uns hier wieder treffen. Erneut in meiner Küche, wo ich heute DEN norwegischen Feiertagskuchen zaubern werde. Letztes Mal haben wir gemeinsam das Lied Hurrah for deg gelernt und zusammen mit dem heutigen Blog seid Ihr in der Lage, einen echten norwegischen Geburtstag zu feiern. Toll, oder??

Bløtkake also.

„Blööööödkuchen????“ war meine erste Reaktion, begleitet von hysterischem Gelächter.

Ja, ich bin leicht zu unterhalten.

Aber wer leicht zu unterhalten ist, der hat immer was zu lachen!

Wollt Ihr meinen Lieblingswitz lesen???

Ja???

Wie, nee???

Klar!

Also los:

Treffen sich ein Rührei und ein Spiegelei. Sagt das Rührei: „Ich bin heute ganz durcheinander…“

Pruuuuuust!!!

Aber zurück zum bløt

*kicher*

…zurück zum…

*kicher*

…zum bløtka

*pruuuust*

Nun reiß dich zusammen, Niemann!

Also zurück zum…bløtkake.

Der darf bei keiner norwegischen Feier fehlen, versüßt Geburtstage, Hochzeiten, Weihnachten und natürlich den Nationalfeiertag. Und das allerbeste an ihm ist die einfache Zubereitung. Ein unschätzbarer Vorteil für Backdilettanten wie mich. Nun gibt es unzählige Rezepte für bløtkake, der natürlich nicht blöd sondern bløt (weich) ist. Die Zutaten sind simpel: Kuchenboden, Sahne, Früchte.

„Das kann ich auch!“, dachte ich mir und beschließe, für Martins Geburtstag aktiv zu werden. Mein Rezept muss diesmal aus dem Internet kommen – keine Angst, ich werde meinem Lieblingskochbuch Norsk mat og kultur nicht untreu. Ich habe einfach keine Zeit, in die Bibliothek zu gehen. Also ab ins Netz…..

Meine Güte, gibt es viele Rezepte! Wonach soll ich mich entscheiden, ich will einfach, schnell und möglichst unkompliziert einen tollen Kuchen herstellen. Vielleicht dieses hier mit dem hübschen Bild??? Und das hier von dem lustigen Blog der Amerikanerin, die in Nordnorwegen wohnt? Oder das hier von den Sons of Norway in den USA?

Oho, ich bemerke Unterschiede. Backt die Kuchenenthusiastin den dreiteiligen Biskuitboden selber, schlägt mir der anscheinend ähnlich backgehemmte Blog einer Australierin vor, den Boden im Supermarkt zu kaufen.

DAS ist mein Rezept!!!

Die Bilder sind auch ganz hübsch, damit ist der Fall klar, ich kopiere sofort die Einkaufsliste und stürme mit Gesa in den Supermarkt gegenüber und kaufe:

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1 (bereits vorgeschnittenen, Super!) dreiteiligen Biskuitboden

300ml laktosefreie Sahne (die bleibt länger stabil)

1 Beutel gefrorene Himbeeren

Puddingcreme

etwas Orangensaft oder Milch

Früchte nach Wahl (hier: Mango und frische Himbeeren)

***

Ich liebe norwegische Rezepte. Ganz oft sind sie simpel, ohne viel Firlefanz und was hinterher dabei rauskommt, ist lecker.

Hoffentlich auch diesmal.

Begeistert und mit ungewohnter Backlust starte ich am nächsten Morgen. Ja, okay, okay, ich BACKE natürlich nicht wirklich, aber Kuchen backen hört sich besser an als Kuchen zusammenkleistern oder Kuchen bauen. Eigentlich hatte ich geplant, den Kuchen am Abend vorher zu bac….zu MACHEN…aber es war spät geworden und ich müde und Gesa wollte nicht schlafen und irgendwie…kam es dazu, dass ich nun um 7 Uhr morgens im Pyjama in der Küche stehe und Sahne schlage.

Habt Ihr schon mal Kuchen gebacken (jaja!) vor dem Frühstück? Sehr ungewöhnlich, aber auch lustig. Mein Geburtstagsmann schläft noch selig neben seiner ebenfalls schlummernden Tochter, während ich gut gelaunt Sahne durch die Küche spritzte. Was für ein Tagesanfang! Die Sahne ist geschlagen und ich widme mich erneut dem unerhört komplizierten Rezept.

Ja, ein Scherz. Seien wir ehrlich: Kauft man den Boden fertig im Supermarkt, macht sich der restliche Kuchen fast von selbst:

– 300ml Sahne schlagen

– 2/3 zur Seite stellen für später

– die Hälfte der aufgetauten Himbeeren in die restliche Sahne (das wären dann..naaa???? 1/3! Genau! BRAVO!!!) mixen

– Puddingcreme unter die Sahne heben (Menge hängt von Eurem Geschmack ab)

– einen Kuchenboden auf einen großen Kuchenteller legen und mit Orangensaft oder Milch beträufeln

– Himbeer-Puddingcreme-Sahne auf dem Boden verstreichen, aufgetaute Himbeeren darauf verteilen

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– zweiten Kuchenboden aufsetzen, mit Saft/Milch beträufeln

– Himbeer-Puddingcreme-Sahne auch auf diesem Boden verstreichen, aufgetaute Himbeeren darauf verteilen

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– dritten Kuchenboden aufsetzen, mit Saft/Milch beträufeln

(es lebe „Copy and Paste“)

– dann den kompletten Kuchen mit der restlichen Sahne bedecken.

Das ganze Gebilde in den Kühlschrank balancieren und für mindestens sechs Stunden kühlen. Kurz vor dem Servieren mit Obst dekorieren. Hier sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt, sehr beliebt ist hier in Norwegen natürlich eine Dekoration aus Erdbeeren und Blaubeeren, die zusammen mit der Sahne die Nationalfarben darstellt. Blaubeeren hatte ich nicht gekauft, und außerdem feiern wir ja nicht Norwegen sondern Martin und der mag besonders gern Mango und deswegen sah der Kuchen am Ende so aus:

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…und so von innen…und zu später Stunde…

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Der mit Saft getränkte und von Sahne und Himbeeren durchgeweichte Kuchenboden schmeckt köstlich und ich kann verstehen, warum Norweger den bløtkake so sehr lieben. Und ich schließe mich der Begeisterung an: Aus dem falschen Freund bløtkake und mir sind bereits nach dem ersten Bissen ECHTE Freunde geworden!

***

So, das war es schon für heute, meine lieben Leser! Ich hoffe, der Besuch in meiner Küche hat Euch gefallen und freue mich auf Fotos von Euren bløtkaker – das wäre super! Ich stelle die Fotos dann auch in den Blog! Vielleicht gibt es Leser, die eine deutsche Dekoration hinbekommen??

Euch allen wünsche ich auf jeden Fall ein schönes Herbstwochenende und eine erfolgreiche und schöne erste Novemberwoche. Und schon wieder ist es soweit, das Gutelaunebild gegen den tristen November herauszuholen. Sagt auch „Ja“ zum November, vergesst nicht zu lachen und genießt Kuchen und Sahne, so oft Ihr könnt!

Ha det bra,

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Ulrike

 

 

 

Lørdagsgodt ODER Am Samstag wird in Norwegen genascht!

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Schickt die Kinder aus dem Raum für die folgende gruselige Aussage und setzt Euch selber ganz schnell hin.

Bereit?

Sicher?

Besonders alle mit einem sogenannten sweet tooth, also einer Schwäche für Süßigkeiten, möchte ich jetzt vorwarnen. Ok. Here it comes. Mich gruselt es schon fast selbst….also, tief einatmen…und…

In Norwegen bekommen Kinder nur am Samstag Süßigkeiten.

!!!

Hallo, meine lieben Leser, wie schön, dass wir uns hier wieder treffen. Ja, da guckt Ihr…Süßigkeiten nur am Samstag. Das muss man erst mal verdauen, begreifen und sich vorstellen können. Lørdagsgodt nennt sich diese norwegische Tradition und sie funktioniert wie folgt: Die ganze Woche werden Kinder von allem Zuckerzeug ferngehalten und am Samstag dürfen sie dann zuschlagen. In manchen Familien gibt es einen Schokoriegel, süße Brötchen oder Kekse, in anderen eine 300g-Packung Weingummi.

Entstanden ist diese norwegische Tradition in Schweden. Wir schreiben das Jahr 1942. Bei fast allen schwedischen Wehrpflichtigen werden bei der Eingangsuntersuchung Löcher in den Zähnen festgestellt. Große Löcher. Ärzte und Gesundheitsministerium beschließen, dass etwas geschehen muss. Zucker wird als Verursacher der löcherigen Zähne vermutet, der Beweis dafür steht allerdings noch aus. Um diesen Beweis zu erbringen, startet in einem Sanatorium in Lund ein bis heute hart kritisiertes Experiment: 600 (ahnungslose und nie um Zustimmung gebetene) geistig behinderte Testpersonen werden fast genötigt, süße und klebrige Karamellbonbons zu essen. Und zu essen. Und zu essen. Nach einigen Jahren ist der Beweis erbracht: Übermäßiger Zuckergenuss führt zu Löchern in den Zähnen. Das schwedische Gesundheitsministerium schlägt daraufhin 1957 vor, Süßigkeiten nur noch am Samstag zu genießen. Der Begriff lördagsgodis (Samstagssüßigkeiten) entsteht und wird bald in Norwegen als lørdagsgodt übernommen.

Und gilt bis heute. Wie mit allen Traditionen ist es auch mit lørdagsgodt so: Nicht alle machen es. Aber erstaunlich viele. So wenigstens mein Eindruck, als ich im Bekanntenkreis und über Facebook nachgefragt habe. Und am Thema scheiden sich die Geister. Manche Eltern sind dafür, weil damit Diskussionen und Bettelaktionen der Kinder im Supermarkt vor dem Schokoladenregal ausfallen. Die Kinder akzeptieren, dass es Süßigkeiten eben nur am Samstag gibt. Unterstützt werden die Eltern dabei von den Kindergärten/Schulen, die anscheinend auch ein striktes Anti-Zucker-Regime führen.

Nein, das stimmt nicht.

Sagen wir ein Anti-Süßigkeiten-Regime.

Kindergärten, die Brot mit Kaviar-aus-der-Tube an Kinder verfüttern, sollten sich mal nicht so weit aus dem Fenster lehnen.

Finde ich :).

So, die einen finden lørdagsgodt also ganz prima, eine tolle norwegische Tradition, jawohl, auch sie sind so aufgewachsen, alles prima, alle machen das so, punktum. Toll.

Dann kommen die anderen, denen diese Gleichmacherei in Norwegen auf die Nerven geht. Ja, Ihr habt es Euch gedacht, das sind meistens ausländische Stimmen. Viele von ihnen finden das Prinzip lørdagsgodt völlig daneben, wollen sich nicht vorschreiben lassen, WANN sie ihrem Kind und OB Süßigkeiten geben. Außerdem, so feixen sie, solle man mal genau hingucken, wie viel Süßigkeiten norwegische Kinder am Samstag so bekämen. Das wäre eine wahre Zuckerschlacht und völlig übertrieben.

Im häuslichen Alltag ist das vermutlich gar nicht so leicht umzusetzen. Soll das Kind nur am Samstag Süßigkeiten bekommen, dürfen an den anderen sechs Tagen in der Woche keine Zuckersünden auf den Tisch. Nicht nur für das bemitleidenswerte Kind gilt das dann – nein, auch für die Eltern! Wie sonst soll ich meinem Kind lørdagsgodt beibringen? Aber wird das auch immer durchgehalten? Oder schleichen sich zuckerabhängige Eltern abends heimlich in den Keller, wo sich hinter den Langlaufskiern das geheime Zuckerversteck befindet? Und wie schrecklich, dann von den Kindern dabei erwischt zu werden. Gegenseitig schieben sich die beschämten Eltern die Schuld zu. Doch es hilft nichts. Die Katze ist aus dem Sack, der Zucker aus dem Keller. Ende mit dem lørdagsgodt.

Na gut, das ist vielleicht etwas übertrieben.

Aber lustig.

Eltern abends im Keller am Naschen…heimlich…wer weiß, das heizt vielleicht eingeschlafene Beziehungen wieder an…

An mir wird diese norwegische Absurdität sang- und klanglos vorübergehen. Der bloße Gedanke, nur einmal in der Woche Süßes zu essen, ist so erschreckend, dass ich zur Beruhigung erst mal ein Snickers essen muss.

Besser, danke.

Aber im Ernst: Das Prinzip ist nicht schlecht. Der Samstag wird dadurch zu einem besonderen Tag, an dem die ganze Familie sich etwas Süßes gönnt. Es müssen ja nicht gleich 300g-Tüten auf den Tisch kommen.

***

Absurd, oder? Aber norwegischer Alltag und ein wirklich nettes Blogthema, fand ich. Aber das war es schon wieder für heute. Obwohl es eigentlich gestern ist, nämlich genauer gesagt, die Nacht auf Freitag kurz vor 1 Uhr. Irgendwie habe ich das Blogschreiben noch nicht in Gesas und meinen Alltag einbauen können, aber das kommt sicherlich noch. Nun schläft sie aber selig und ich habe Zeit zu schreiben. Obwohl ich zugeben muss, dass meine Kreativität nach Mitternacht auch nicht mehr das ist, was sie mal war.

Ich arbeite dran!

Euch allen wünsche ich eine tolle Woche, wir haben die bestimmt, denn im Abstand von ein paar Tagen kommen uns Gesas Paten aus Deutschland besuchen. Meine wöchentlichen Grüße also diese Woche an Sabine, Imke und Kai – wir freuen uns auf Euch!!!

Genießt den restlichen Herbst, versüßt ihn Euch (und zwar nicht nur am Samstag) und vergesst nicht zu lachen!

Ha det bra,

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Ulrike

 

Norwegische Nationalgerichte aus Ulrikes Küche ODER Heute gibt es Fårikål!

Am letzten Donnerstag im September feiert Norwegen Fårikålens Festdag. Ganz Norwegen? Nein! Eine von unbeugsamen Deutschen bevölkerte Wohnung in der Sorgenfrigata 10A leistete bislang Widerstand gegen das norwegische Nationalgericht.

Bis heute.

Hallo, meine lieben Leser, wie schön, dass wir uns hier wieder treffen. Heute wird gekocht! Und zwar stürze ich mich auf DAS norwegische Nationalgericht, das im Herbst alle Küchen, Restaurantmenüs und Supermarktregale bestimmt: Fårikål. Der Name sieht lustig aus und heißt übersetzt Schaf im Kohl.

Und mehr ist es auch nicht.

Schaf und Kohl.

Da nächste Woche der alljährliche Fårikål -Festtag ist und ich ja versprochen hatte, etwas typisch Norwegisches zu beschreiben, bot sich Fårikål an. Mein erster Gang beim Kochen von norwegischen Nationalrezepten führt, wie immer, in die Deichmanske Bibliothek hier in Majorstuen, um meine beiden Lieblingskochbücher auszuleihen.

Doch, oh Graus!!!!

Irgendein unverschämter Mensch war mir zuvorkommen und statt der breiten Buchrücken springen mir an gewohnter Stelle nur zwei Lücken im Regal entgegen. Also, das ist doch…das ist doch…HALLO!? So geht das nicht! Ich werde mir die Bücher kaufen. Beide. Morgen. Und dann kann mich die Bücherei mal. Oh, Verzeihung, das war nicht hübsch gesagt. Dabei muss ich doch auf meine Sprache jetzt achten. Egal. Desperate times call for desperate measures. In der allergrößten Not….naja und so weiter…wo war ich?

In der Majorstuen Bibliothek, genau. OHNE Buch.

Aber in der Internetwelt von heute dauert es natürlich keine Minute, bis ich unzählige Fårikål-Rezepte online gefunden habe. Ich entscheide mich für das von Wenche (oder eingedeutscht: Wencke) und versuche, mir die unglaublich umfangreiche Zutatenliste zu merken:

1 kg Lammfleisch oder Fårikålfleisch

1 kg Weißkohl

Ganze Pfefferkörner

***

Ja, das war es schon. Dann noch Kartoffeln als Beilage und fertig ist das Nationalgericht. Bin jetzt schon gespannt auf das Rezept. Ist bestimmt wahnsinnig kompliziert!!!

Statt wie üblich zu KIWI gehe ich diesmal zu REMA1000 einkaufen und frage mich, warum ich das nicht öfter mache. Vom Stil her wie das gute alte ALDI: Kultige Billigmarken bestimmen das Angebot. Die Gemüseabteilung ist ordentlich und ohne jeglichen Schimmel – eine Sache, die mich beim KIWI gegenüber immer in den Wahnsinn treibt.

Dass Fårikål Saison hat, erkenne ich auf den ersten Blick (ich Fuchs!) an den Kisten voller Weißkohl. Ein Kohlkopf mittlerer Größe wandert in meinen Einkaufskorb. So, nun Fleisch. Hm. Ich stehe vor einem Regal mit Lammbraten und Lammfilet…das kann es nicht sein. Eine norwegische Hausfrau geht an mir vorbei und legt dabei eine Packung „Fårikålkjott“ in ihren Korb. OHO! Wo hat sie das her? Ich wandele auf ihren Spuren und stehe bald vor dem richtigen Kühlregal.

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Pfefferkörner sind auch noch schnell gefunden, ab geht es zur Kasse, 140 NOK für alles zusammen, das ist günstig! Zuhause angekommen, wird das unglaublich komplizierte Rezept konsultiert. Achtung an alle zum Mitschreiben:

  1. Kohl schneiden.
  2. Fleisch und Kohl in Topf stapeln, jede Lage mit Pfefferkörnern bestücken und gut salzen.
  3. 3 dl kochendes Wasser dazu.
  4. Alles aufkochen.
  5. Auf kleiner Flamme 1,5 bis 2 Stunden köcheln lassen.

Fertig.

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Ich bin irritiert, als ich lese, dass der Kohl in „båter“ geschnitten werden soll. In BOOTE? Schon sehe ich mich fluchend filigrane Wikingerschiffe aus Weißkohl schnitzen und verstehe voller Schrecken, warum das Rezept ansonsten so einfach ist.

Klar, wenn ich stundenlang an norwegischer Kohlkunst verzweifele!

Aber da ich eher grobmotorig veranlagt bin, fabriziere ich kurzerhand Kohl-Boote im Bauhausstil. Funktional. Schlicht. Rein in den Topf.

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Eines der Boote legt sich mit der Schwerkraft an, verliert, ich entdecke beim Aufheben, dass der Küchenschrank mal wieder geputzt werden sollte, erledige das schnell, entsorge den Kohl, stelle den Herd auf 3 und bin mal wieder ein Fan des Multitaskings.

Der Topf ist bis oben hin gefüllt mit Lamm und Kohl. Fertig. Herd auf Stufe 3. Küchenreh auf eine Stunde stellen. Fertig.

Von dieser unglaublichen Arbeit ganz geschafft, gönne ich mir ein zweites Frühstück. Dabei lerne ich, dass Fårikål im Juni 2014 in einer Umfrage von Landwirtschaftsministerium und IPSOS von 45% aller Befragten zu DEM norwegischen Nationalgericht erklärt wurde. So wie schon 1972 als die Radiosendung Nitimen vom NRK dieselbe Frage stellte und dabei ebenfalls die beliebte Kohlkasserolle gewann. Wann genau Fårikål zum ersten Mal auf norwegischen Tellern zu finden war, ist unbekannt. Aber dass es noch für viele Jahre zu finden sein wird, das ist sicher. Und wer nicht nur lecker essen sondern seinen Gästen auch ein bisschen passendes Programm bieten möchte, der ist auf der Fårikål-Website bestens aufgehoben. Hier finden sich neben interessanten Tischsets zum Selberausdrucken auch launige Limericks. Achtung. Hier kommt das Original:

En utgammel vær i fra Kvam

Ble solgt som det møreste lam,

Det kokte en uke,

Men smakte som ruke

Og lukten var minst like stram.

Der alte Widder verdient unser Mitleid, mein Norwegisch auch, denn es reicht nicht für eine komplette Übersetzung. Hier verlasse ich mich auf meine Leser und einen entsprechenden Kommentar.

Ein köstlicher Geruch füllt die Küche. Schnell noch Kartoffeln gekocht und schon bald sitzen wir am Tisch und probieren unseren ersten Fårikål.

SO LECKER! Und so einfach….

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***

So, das war es schon für heute aus meiner Küche. Nächste Woche beantworte ich eine Frage, die mir wiederholt gestellt wurde: „Wie ist das, in Norwegen ein Kind zu bekommen?“ In den Grundzügen so wie in jedem anderen Land, vermute ich :). Aber ein paar Unterschiede in Bezug auf Hebammen, Krankenhaus etc. gibt es natürlich. Und nach vier Wochen habe ich jetzt wahrscheinlich auch eine ganz gute Distanz zu Schwangerschaft und Geburt und kann wirklich Tipps und Infos geben. Und wenn ich schon mal dabei bin, werde ich auch gleich mit Klischees und gut gemeinten, aber falschen, Ratschlägen aufräumen. Und das heilige Thema „Stillen“ angreifen. Natürlich, wie immer, alles rein subjektiv, aber damit nicht weniger wahr ;).

Nächste Woche kommt meine Mutter zu Besuch, was nicht nur klasse ist, sondern auch den Vorteil hat, dass ich den Blog wieder in Ruhe schreiben kann. (Das ist auf alle Fälle mein Plan :)….) So wie heute, wo sich Martin gerade mit seiner quietschenden Tochter beschäftigt.

Euch allen wünsche ich eine tolle Woche, kocht was Schönes und erzählt mir davon, genießt den Herbst und überlegt mal, wofür Ihr dankbar seid im Leben.

Ha det bra,

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(Fårikål, Ulrike und Gesa….Foto by Martin)

 

Ulrike

 

Das Gold der Arktis ist reif! ODER Auf Moltebeerjagd in Oslo…

„Willst du gelten, mach dich selten!“, lautet ein Mantra in unzähligen Liebesratgebern. Und nicht nur in der Liebe gilt dieser Grundsatz: Diamanten, intelligente Reality-Shows, Gold, sichere Arbeitsplätze, Trüffel, unkomplizierte Teenager, Sternschnuppen – sie alle sind kostbar, weil sie sich rar machen. Eine norwegische Kostbarkeit hat jetzt wieder Saison: Die Moltebeere.

Hallo, meine lieben Leser, schön, dass wir uns hier wieder treffen. Eine kleine, orange Beere steht heute im Mittelpunkt des Blogs. Bis ich hier nach Oslo kam, hatte ich von der himbeerähnlichen Frucht noch nie gehört und blickte beim Restaurantbesuch verwirrt auf Dessertangebote mit multer. Vor einigen Wochen begegnete mir die Beere dann in den norwegischen Nachrichten: Auf einer Wiese in der Finnmark berichtete eine ältere Norwegerin, dass die multer in diesem Jahr wirklich spät kämen, letztes Jahr um diese Zeit hätte sie schon alle abgeerntet.

Nun begann ich, die Beeren ernst zu nehmen. Sie mussten in den Blog, wenn ihr unpünktliches Erscheinen es schon in die Hauptnachrichten schaffte! (Obwohl das hier in Norwegen nichts bedeutet: Letztes Jahr begannen die 21h-Nachrichten mit einem Bericht über Justin Bieber...)

Voller Interesse für die orange Beere setzte ich mich also heute Morgen an den Computer. Bald war klar, dass ich auf eine echte norwegische Spezialität gestoßen war. Die nur in wenigen nördlichen Ländern auftauchende Beere wird auch „Gold der Arktis“ genannt. Sie wächst in Moorgebieten, aber auch da nur spärlich. Durch mir unverständliche Zicken der Natur kann die Moltebeere nicht kommerziell angebaut werden, und mehrere Versuche skandinavischer Wissenschaftler schlugen fehl. Ein Moltebeerfeld zu finden, es sogar auf dem eigenen Grundstück zu besitzen, gilt in Norwegen wie das Auffinden einer Ölquelle (auch wenn der finanzielle Wert sich nicht gleicht…aber immerhin). Das Wissen um öffentlich zugängliche Moltebeerpflückstellen wird als Familiengeheimnis von Generation zu Generation weiter gegeben. Aufgrund ihrer Bedeutung für die lokale Wirtschaft ist das Pflücken von Moltebeeren sogar gesetzlich geregelt.

Ehrlich!

Kein Scherz!

Paragraf 5 des friluftsloven (Freiluftgesetz) beschäftigt sich mit dem Ernten in freier Natur. Im zweiten Absatz heißt es: „For multer på multebærland i Nordland, Troms og Finnmark gjelder første ledd bare når eier eller bruker ikke har nedlagt uttrykkelig forbud mot plukking. Uavhengig av et slikt uttrykkelig forbud kan allmennheten alltid plukke multer som spises på stedet.“  Der erste Absatz, der erlaubt, dass jedermann Früchte, Blumen, Nüsse oder Beeren wild ernten darf, gilt also NICHT für bestimmte Moltebeerplätze in den Regionen Nordland, Troms und Finnmark. Hier haben die Eigentümer das Recht, ein Pflückverbot auszusprechen. Genauer gesagt ein Mitnahmeverbot, denn vor Ort dürfen die Beeren immer gepflückt und verspeist werden. Hintergrund ist wahrscheinlich der hohe kommerzielle Wert der seltenen Beere, die in den nördlichen Regionen Norwegens häufiger auftauchen als im warmen Süden.

Naja, wärmer auf jeden Fall.

So, die Beere ist gesetzlich geregelt und schafft es in die Nachrichten. Aber wie bekomme ich sie in die Finger???

Eine kurze Recherche zeigt, dass es auch in den Wäldern rund um Oslo vielversprechende Moltebeerstellen gibt. Hm. Ich bezweifle, dass eine möglicherweise erfolglose Beerensuche im Wald die beste Unternehmung für mich und meinen Kugelbauch ist. Wie aber dann kommen eine Hochschwangere und eine Moltebeere zusammen?

Auf die Art und Weise, wie wir in der Großstadt uns meistens Obst und Gemüse beschaffen.

Wir gehen in den Supermarkt.

Aber auch das ist bei Moltebeeren nicht einfach. Mein Kiwi gegenüber hat weder frische noch gefrorene Moltebeeren im Angebot und auch im Meny bleibt meine Jagd erfolglos. Nun werde ich irritiert. Okay, her mit der allmächtigen Waffe: Dem Ultra-Supermarkt.

Dort: Nichts, nada, nothing.

Na, sag mal….

Gut, ich wende eine neue Taktik an und poste mein Begehren in einer der hilfreichsten Gruppen bei Facebook:  „Where in Oslo“. Und tatsächlich: Nach nur wenigen Minuten der Tipp, ich solle es beim Supermarkt Rimi versuchen.

Beim RIMI???? Da gehe ich ja sonst nie hin. Na gut, wir haben einen gleich um die Ecke, dann gehe ich halt mal gucken und….

EUREKA!!!!!!!!

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Dort, neben gefrorenen Brombeeren und anderen Vitaminbomben lachen mir multer entgegen. 300 Gramm des arktischen Goldes, wahrscheinlich importiert aus Finnland (in Norwegen ist die Nachfrage viel höher als das Angebot), aber egal, her damit, achja, ich wurde gewarnt, sie seien unverschämt teuer, aber was können so ein paar Beeren schon kosten und…..

IST DAS DER PREIS??????

Ich blicke entsetzt auf die plötzlich winzig erscheinende Packung in meinen Händen.

Checke nochmal das Preisschild.

110 KRONEN?????

13 EURO????

FÜR OBST?????

Und dazu noch gefrorenes, wahrscheinlich ausländisches Obst, während ich bei ambitionierter Suche in den Wäldern dieselbe Menge für umsonst haben könnte??? Und auch noch echt norwegisch???

In meinem Kugelbauch zappelt es, als wollte das Baby kurz deutlich machen: „Jawoll, los, wir beide, auf in den Wald, immer schön bücken…wirst schon sehen, was du davon hast….hihihiihihi….!“

Seufzend packe ich das gefrorene Gold in den Einkaufskorb. Wehe, die schmecken nicht!!!

Zuhause angekommen bilde ich mich weiter. Mein schon bekanntes Lieblingskochbuch „Norges Nasjonalretter“ bietet mir zwei unglaublich komplizierte Rezepte für „Multekrem“ an. Ich entscheide mich für das aus dem südlichen Trøndelag (das Bild ist hübscher) und beginne mit den unerhört schwierigen Vorbereitungen:

1. Moltebeeren auftauen.

2. Sahne schlagen.

Puuh. Eine kulinarische Höchstleistung. Kransekake zu backen war ein Witz dagegen.

Aufgetaute Beeren sind grundsätzlich nicht der Hit und ich versuche, ein paar hübsche Exemplare zu finden in der matschigen Masse. (13,- Euro…………) Eine wandert direkt in meinen Mund. Uih, sauer. Puristen lehnen das Zuckern der seltenen Beeren ab, ich finde allerdings, dass die bitter-säuerlichen Beeren ein paar Krümel Zucker gut vertragen könnten. Norweger frieren die Beeren für den Winter ein, um in den kalten Monaten eine wertvolle Vitamin-C-Quelle zu haben und früher wurde die Moltebeere wegen ihres hohen Vitamingehalts von Seeleuten als Mittel gegen Skorbut eingesetzt.

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Nach einer gewissen Auftauzeit bringe ich mein äußerst aufwändiges Rezept zum Abschluss und bald steht eine sommerlich duftende multekrem vor mir.  Traditionell wird sie gemeinsam mit krumkaker (eine Art Crepewaffel) zu Weihnachten serviert, aber mir schmeckt sie heute auf einem dünnen Pfannkuchen auch sehr gut. Die süße Sahne mit den säuerlichen Beeren auf dem Teigfladen – ganz köstlich!

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Aber – und das sehe ich ganz deutlich – der eigentliche Spaß ging hier verloren. Nämlich rauszugehen in die Natur, hoch oben in den Moorgebieten im Norden des Landes, bewaffnet mit Eimer, Gummistiefeln und einem Netz gegen die Mücken. Dann zu den bekannten und von Urgroßvater entdeckten Stellen zu wandern und die in Bodennähe orange leuchtenden Beeren zu erspähen und vorsichtig zu pflücken. Immer nach dem Prinzip: Eine in den Eimer, eine in den Mund. Nach einem sonnenreichen Tag mit der Familie die wertvolle Ernte nach Hause zu bringen und dort zu Moltebeersuppe, Moltebeermarmelade oder Moltebeerkuchen verarbeiten und einen Teil für den Winter einfrieren. Und sich im Winter an der leuchtenden Farbe und der Erinnerung an den Sommer zu erfreuen.

Das alles bieten gefrorene (und wahrscheinlich finnische) Moltebeeren nicht.

Aber immerhin hatte ich so eine erste Begegnung mit dem arktischen Gold.

Die Jagd in der freien Natur folgt dann nächstes Jahr!

***

Das war es für heute, meine lieben Leser. Gibt es Moltebeeren in Deutschland? Niedersachsen soll einige streng geschützte Gebiete besitzen, ob man Produkte aus Moltebeeren in den Supermärkten oder Reformhäusern findet – sagt Ihr es mir!!!!

Ich wünsche Euch allen eine tolle Woche, entdeckt etwas Kostbares oder macht Euch auf die Suche danach! Denen, die den Urlaub noch vor sich haben: Viel Spaß und erholt Euch gut! Und denen, die schon wieder im Alltag sind: Viel Erfolg und der nächste Urlaub kommt bestimmt!

Ha det bra,

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Ulrike

(Großstadtjagd. Man beachte: Moltebeeren und Blaubeeren entdeckt!)

 

 

 

 

Sommer in Oslo ODER Ich buddel‘ mir ein Loch und warte auf Besserung

 

Die Thermometer in Oslo zeigen gerade sportliche 26 bis 31 Grad an. Das ist fein, besonders für Menschen, die die Hitze lieben. Ich allerdings überlege, mir im Frognerpark ein Loch zu buddeln, mich hineinzulegen und auf bessere Zeiten zu warten.

Hallo, liebe Leser, schön, dass wir uns hier wieder treffen. Der Sommer ist also da und zwar mit Karacho. Nun haben er und ich schon immer ein gestörtes Verhältnis und seine hohen Temperaturen (alles ab 24 Grad) kann er von mir aus für sich behalten. Hier in Norwegen hatten Sommer und ich bisher eine Art Waffenstillstand gelebt: Er bot mir max. 24 Grad, ich lobte seine Vorzüge.

Ohne große Vorwarnung hat der norwegische Sommer nun aber über die Stränge geschlagen. Und das gerade jetzt, wo ich schon bei frühlingshaften 20 Grad keuche wie ein Nilpferd nach dem Baden. Und nicht nur, dass der Sommer über die Stränge schlägt: Die Menschen ziehen mit. Gestern jubelte es in den sozialen Medien ob meiner Aussage, dass Oslo sich in Madrid oder Athen verwandelt hatte und wahnwitzige 31 Grad bot: „Toll! Super! Prima! Ich komme! Warum jetzt, ich bin gerade nicht da! Endlich Sommer! Ich liebe Hitze!“ schlug es mir entgegen und ich fühlte mich augenblicklich unverstanden und ungeliebt.

Nun, es ist heiß, da tendiert frau zu übertriebenen emotionalen Momenten. Und nicht nur frau, oder? Nach der brutalen Heimsuchung in Belo Horizonte durch die deutsche Elf kühlten sich die geschockten Brasilianer mit ihren eigenen Tränen, Torkeeper Julio Cesar riss es fast wieder beim anschließenden TV-Interview und das lautstarke Heulen der entsetzten Fans erstickte den deutschen Jubel. Auch das Spiel Ecuador-Kolumbien erinnerte mehr an eine schlechte Seifenoper als an gestandenen Männersport. Aber vielleicht wurde bei dieser so unerwartet unerwarteten WM das Ausschütten von Tränenflüssigkeit wirklich zum Kühlen benutzt und sollte das so sein, dann kann ich das verstehen, ich könnte bei den tropischen Verhältnissen hier in Norwegen auch heulen.

Was aber tun in Oslo an Tagen wie diesen, wo die Nächte keine Abkühlung bringen und jede Busfahrt zum Höllentrip wird? In den Norden wandern, solange bis es kühler wird? Laut Wetterdienst müsste ich bis zu den Lofoten wandern, wo mich wunderbare 15 Grad erwarten. Das schon angekündigte Loch im Park buddeln oder in den Keller ziehen? Die kühlenden Angebote der Stadt nutzen?

Der letzte Gedanke hört sich vernünftig an. Wie kann sich der hitzegestresste Mensch in der norwegischen Hauptstadt das Leben also erträglicher gestalten?

1. Kühlendes Nass (extern): Oslo besitzt ein Freibad am Frognerpark, das außer zwei Becken und einem Sprungturm nicht viel bietet, dafür aber 90 NOK/100 NOK (Wochenende) Eintritt kostet (ja, das sind grob 12,- Euro…). Wer das Geld sparen will, springt an einem der vielen öffentlichen Strände in den Fjord oder in einen der zahlreichen Seen. Ganz neu und chic ist der Badeplatz am Astrup Fearnley Museum in Tjuvholmen, fast direkt in der Innenstadt. Mit Blick auf Bygdøy, das Rathaus und die Festung kann man sich hier in die Fluten stürzen. Mehr Natur bieten die Badeplätze am Songsvann (super mit der T-bane Linie 6 erreichbar) oder am Bogstadvannet. Mit den Fähren 92, 93 und 94 lassen sich unter anderem die Fjordinseln und Strände Hovedøya, Langøyene oder Gressholmen anfahren. Einfach am Hauptbahnhof, gegenüber des Ruter-Turms, den Bus 60 nach Vippetangen nehmen und dort angekommen auf eine der Fähren springen. Bus Nr. 30 oder die eigenen Füße bringen erhitzte Körper nach Bygdøy, wo man sich entweder am Strand von Huk oder an Paradisbukta (der Paradiesbucht) abkühlen kann. Und wenn das alles zu weit erscheint: Einfach die Füße in den Springbrunnen im Frognerpark stecken. Das ist nicht gern gesehen, kühlt aber herrlich ab!

2. Kühlendes Nass (intern): In Oslo gibt es, trotz des normalerweise kurzen Sommers, viele Lokale mit Patios, wo sich die Hitze mit einem kühlenden Getränk ertragen lässt. Norweger tendieren schon die ersten Sonnenstrahlen im Februar mit einem Ute-Pils zu feiern, dem ersten Bier (Pils), das draußen (ute) genossen wird. So betrachtet, lohnt sich die Anschaffung einer Außenterrasse für jeden Wirt und ich mag drei hier in Oslo besonders gern:

– Lekter’n an Aker Brygge: Riesige Sitzkissen oder gemütliche Sitzoasen erwarten Besucher hier direkt am Wasser, wo immer eine nette Brise weht. Ja, das Publikum ist manchmal etwas snobby, aber die Yachtbesitzer und Yuppies können meine Begeisterung nicht trüben. Mit Blick auf die Festung und den Fjord sitzt man mit den Füßen fast im Wasser und findet den Sommer plötzlich viel schöner.

– Frognerseteren: Zugegeben, die Anreise mit der T-bane ist lang und der steinige Abstieg zum Lokal bei 30 Grad kein Zuckerschlecken. Aber dafür wird man mit der wohl schönsten Terrasse und dem wunderbarsten Ausblick über Oslo belohnt, den die Stadt zu bieten hat. Dazu noch ein Stück Apfelkuchen aus der hervorragenden Küche und alles ist perfekt.

– Lorry: Am Ende des Bogstadveien, direkt neben dem Literaturhaus, liegt der französisch wirkende Biergarten des britischen Lokals mit der größten Bierauswahl in Oslo. Rotkarierte Tischdecken und bunte Lichter in den Bäumen wirken wie aus Frankreich entführt und selbst die gestresste Bedienung kann mich nicht ärgern. Hier im Schatten unter einem der großen Bäume zu sitzen – das ist Sommer pur.

3. Eisdielen: Umsonst sucht der verwöhnte deutsche Gaumen in Oslo nach einem Spaghettieis oder einem Bananenflip. Die hohe italienische Gelatokunst hat es noch nicht bis nach hier oben geschafft, was wirklich ein Jammer ist! (Hier also mein Aufruf an Eisdielenbesitzer in Deutschland: Kommt nach Oslo! Wir brauchen Euch!!!) Stattdessen bieten Läden wie Seven Eleven, Deli de Luca oder Narvesen Eis am Stiel oder Softeis. Das ist bei den Norwegern sehr beliebt, aber so richtig nach Sommer schmeckt es nicht. An Aker Brygge finden sich drei verschiedene Eisstände, die Kugeln im Becher oder in der Waffel anbieten. Zwei wirklich lohnende Ausnahmen sind die Eisdiele Paradis kurz vor dem Astrup Fearnley Museum und die italienische Eisdiele Dolce Vita hinter dem Parlamentsgebäude. Kippen hier die Kunden zwar vor Begeisterung aus den Latschen, vermissen Deutsche aber die richtigen Eisbecher, die beim Besuch der Eisdiele einfach dazu gehören.

Kühlen, kühlen, kühlen lautet also die Devise und weiter auf Besserung hoffen. Liebe Osloaner, schickt mir doch Eure Lieblingsplätze der Stadt im Sommer und Tipps, wie Ihr die Hitze hier bewältigt. Ihr lieben Leser aus anderen Orten: Hat bei Euch der Sommer schon zugeschlagen und was sind Eure Tipps bei tropischen Temperaturen?

Kühlen Kopf bewahren heißt es auch am Sonntag für das deutsche Team im Finale gegen Argentinien im Maracana. Was für eine Kulisse für ein Finale!! Ich hoffe auf ein spannendes, faires und unterhaltsames Spiel, das Deutschland am Ende gewinnt. Gerne im Elfmeterschießen! Allen Fußballfans wünsche ich also einen spannenden Sonntag, allen Nicht-Fußballfans rufe ich zu: „Es ist fast geschafft!“

Euch allen wünsche ich eine tolle Woche, einen schönen Urlaub oder eine wunderbare Zeit auf der heimatlichen Terrasse. Genießt den Sommer, denn ehrlich gesagt: Der Herbst kommt schneller als man denkt!

Ha det bra,

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(geht schon….)

 

Ulrike

 

 

Norwegische Nationalgerichte aus Ulrikes Küche ODER Heute gibt es Rømmegrøt!

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Schweigen am anderen Ende der Leitung. Dann folgt ein bestimmtes: „Gut, dann esse ich Brot heute oder hol‘ mir eine Pizza.“ Martin, mein unerschrockener Partner in allen kulinarischen Lebenslagen, lässt mich im Stich. Und das nur, weil ich angekündigt hatte, ein neues Rezept auszuprobieren.

Hallo, meine lieben hungrigen Leser und willkommen in meiner Küche! Schön, dass wir uns hier wieder treffen. Der Blog geriet ein bisschen sehr persönlich in den letzten Wochen und da ich vermute, dass sich viele nicht unbedingt für Neues vom Mammayoga sondern für Neues aus Norwegen interessieren, musste mal wieder ein typisch norwegisches Thema her. Dachte ich so. Nur was? Die Auswahl ist so groß! Wie immer, wenn ich mich nicht entscheiden kann, esse ich eine Kleinigkeit, das hilft ungemein beim Denken und so komme ich nach nur drei Erdbeeren auf die Idee, mal wieder ein norwegisches Nationalgericht zu kochen.

Gesagt, getan. Mein erster Weg führt mich also in die Majorstuen-Filiale der Deichmanske Bibliothek auf der Suche nach meinem Lieblingsbuch…

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…das ich mir aus unerfindlichen Gründen immer noch nicht gekauft habe. Ich blättere also durch die bekannten Seiten auf der Suche nach einem unbekannten Gericht. Auf Seite 90 werde ich fündig:

Rømmegrøt!!!

Ich habe immer nur davon gehört, es aber weder selbst gegessen noch gekocht, aber es scheint das zu sein, was ich suche, denn mein Buch schreibt: „Rømmegrøt hører til blant de norske nasjonalretter.“ Die weiße Masse gehört also zu den Nationalgerichten des Landes. Zwei Rezepte werden angeboten: Eines aus dem südlichen Trøndelag, wo meine Lieblingsstadt Trondheim liegt…

und eines aus dem südlicher gelegenen Sogn und Fjordane…

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…an der Westküste mit dem Namen Rømmegrøt aus Sogn und Fjordane.

Der Unterschied zwischen den beiden Rezepten besteht darin, dass im Trøndelag nur Rømme, Milch und Mehl verwendet werden, an der Westküste werden noch gryn (Hartweizengrieß) und Ei zugegeben. Hm. Hört sich vielversprechender an, finde ich und entscheide mich für das zweite Rezept. Guter Dinge verabschiede ich mich aus der Bibliothek und mache mich auf den Weg zum Supermarkt. Meine Einkaufsliste ist kurz, aber ungewöhnlich:

Hartweizengrieß

Eier

Milch

Rosinen

Schinken

Zimt

und natürlich Rømme.

(An dieser Stelle ein dickes Danke an meine Freundin Eva, die mir gestern dern Trick verraten hat, wie ich auf einer deutschen Tastatur das norwegische „ø“ tippe. Alt plus 155. Genial. Gerade heute, wo ich gefühlte 1000 Mal Rømmegrøt schreibe. DANKE!!!)

Rømme also.

„Himmel, was ist denn dieses Zeug, von dem sie die ganze Zeit schreibt??????“, höre ich Euch Nicht-Norweger genervt rufen.

‚Tschuldigung.

Da muss man ja nicht gleich so laut werden.

Ich bin sensibel.

*schmollt*

HätteschonnocherklärtwasRømmeististjawohlklaraberesgehtjnichtimmeralles-

sofortsoeinArtikelfolgtjaaucheinemrotenFadendenmussmanbeachtenmenno.

*schmollt*

Ok, fertig geschmollt!

Rømme gibt es nur in Norwegen und kann am ehesten mit Creme fraîche verglichen werden, aber das trifft es genauso wenig wie das norwegische Kesam und deutscher Quark dasselbe sind. Die weiße Masse wird aus Sahne oder einer Mischung aus Vollmilch und Sahne hergestellt, die dann mithilfe von Baktierenkulturen angesäuert wird. Normale Rømme hat einen Fettgehalt von 18-20%, die sogenannte Seterrømme liegt bei hüftfreundlichen 35%.

Ratet, welche ich verwenden werde?

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Was sonst?

Rømme hat eine dicke Konsistenz und riecht säuerlich-frisch. Ähnlich wie Creme fraîche wird es in unterschiedlichen Rezepten verwendet, aber gern auch als Dip oder auf Waffeln. Anders als Creme fraîche dient es in Norwegen aber auch als Grundlage für eine komplette Mahlzeit. Als ich das erste Mal davon hörte, stellten sich meine Nackenhaare auf. Warme „Creme fraîche“ mit Mehl und Milch???

Nein, danke.

Aaaaber, Ansichten ändern sich ja und nun stehe ich also in meiner Küche und breite meine Schätze vor mir aus.

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Das Rezept ist mehr als einfach. Seterrømme in den Topf, drei Minuten kochen lassen, Hälfte des Mehls dazu, kräftig rühren. Fünf bis zehn Minuten weiter kochen lassen, bis sich eine Schicht flüssiges Fett absondert. Die abschöpfen und warm stellen. Ei und Milch verrühren. Zusammen mit dem Hartweißengrieß und dem restlichen Mehl in den Topf und auf schwacher Hitze für eine Stunde köcheln lassen. Mit Rosinen, Zucker, Zimt, gehacktem Ei, Schinken und flatbrød (superdünnes Knäckebrot) servieren.

Es schüttelt mich ein bisschen.

Aber wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Zaudern ist der Dieb der Zeit und überhaupt…los jetzt!

Nach einigen Minuten blubbert die Rømme fröhlich im Topf und ich füge „1 dl Mehl“ hinzu. Witzig, oder? Die Skandinavier messen Mehl in Deziliter und um das auch abmessen zu können, gibt es ein Set von kleinen Löffeln. Hatte ich mir vor Monaten gekauft, aber noch nie benutzt. Nun ist es dran. Ab mit dem Mehl in die Blubbermasse und aufs Fett warten.

Kennt Ihr das? Man wartet darauf, dass Wasser kocht oder Nudeln gar werden oder die Pizza schön golden braun und je länger man zuguckt, umso langsamer scheint es zu gehen. So auch diesmal. Die Masse blieb weiß. Deckel drauf, mein Reh auf 7 Minuten gestellt und stattdessen Ei gepellt. Nun ein guter Tipp von mir: Habt Ihr jemals Rømme und Mehl zusammen in einem Topf lasst es nicht – ich wiederhole: NICHT! – für mehrere Minuten unbeaufsichtigt.

Interessanter- und unerwarterterweise brennt das verfluchte Zeug nämlich an.

Fluchend wechsle ich Töpfe und lasse die Blubbermasse nicht mehr aus den Augen.

Aber dann ein Erfolg: Ein kleines Fettrinnsal zeigt sich am Blubbermassenrand. Eureka!!!! Ich warte noch einen Moment und schöpfe den Fettfluss dann mit einem Löffel ab. Das heben wir auf für später! Der Geruch aus dem Topf ist….sagen wir es höflich….ungewöhnlich. Aber ich mache weiter. Die restlichen Zutaten in den Topf und schwach köcheln lassen für eine Stunde.

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Eine Stunde? Pffffff….was mache ich denn eine Stunde lang?

Zuerst die Küche aufräumen. Ich hasse unordentliche Küchen oder Arbeitsflächen. Im Harbour House Restaurant in Kanada und in einem meiner Lieblingsanimationsfilme Ratatouille habe ich gelernt: „Always keep your work station clean!“ Es gibt Leute, die kochen und schaffen es hinterher zu essen, obwohl die Küche aussieht wie nach einem Wirbelsturm. Kann ich nicht. Putz, putz. Widerstrebend entsorge ich den Milchkarton in der Altpapiertasche. Daran werde ich mich hier in Norwegen nie gewöhnen: Getränkekartons sollen ins Altpapier! Aber der Deckel, der kommt in den gelben – hier in Norwegen blauen – Sack. Unsinnig.

Ich rühre um und etwas Erstaunliches passiert: Ich bekomme Appetit, die Blubbermasse zu probieren. Hilfe! Schnell wieder Deckel drauf. Noch 45 Minuten.

Mein Magen gluckert. Um mich abzulenken, greife ich zum Strickzeug – auch hier bin ich gerade ganz norwegisch und stricke aus dem Buch meiner Lieblingsstricknorweger Arne und Carlos Strikk fra Setesdal. Himmel, bin ich heute häuslich – das scheint die Nestphase zu sein! Ran an die Nadeln und weiter am Bein gestrickt:

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Plötzlich klingelt mein Reh.

Ich gucke verwirrt.

Meine Reh-Küchenuhr scheint ins Wochenende zu wollen, denn es können unmöglich schon 60 Minuten vergangen sein. Doch, laut Reh schon. Ich werde misstrauisch und stelle das Reh auf 15 Minuten.

5 Minuten später klingelt es mir freundlich entgegen.

Hilfe, mein Reh ist kaputt!!! Das war eine Tchibo-Sonderedition, das bekomme ich nie mehr, das geht doch nicht!!! Ich stelle es in eine dunkle Ecke zum Beruhigen und hoffe auf ein Wunder. Die Blubbermasse sieht nicht viel anders aus als zu Beginn. Ok, noch 30 Minuten, entscheide ich. Whatever. Rühr, rühr, Magen knurr.

30 Minuten später hat der Strickbär ein zweites Bein und ich habe richtig Hunger. Das Rømmegrøt-Zubehör steht bereit…

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und ich werfe einen letzten Blick auf das Foto im Rezeptbuch.

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Blubbermasse auf den Teller, warmgestelltes Fett an den Rand, gehacktes Ei darüber, Rosinen verteilen und abschließen mit Zucker und Zimt. Auf einem extra Teller: Schinken und flatbrød.

Mein Magen schweigt plötzlich stille und skeptisch sitzen wir gemeinsam vor unserer Kreation. Immerhin sieht es aus wie auf dem Foto. Schluck.

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Here goes nothing, denke ich. Und: Geronimo!

Ich greife entschlossen nach dem Löffel und beginne zu essen. Meine Geschmacksnerven reagieren verwirrt auf die ungewohnte Mischung, trauen sich aber weiter raus, werden mutiger, beginnen zu entdecken und dann:

LECKER!!!!!!

Der säuerliche Geschmack der Rømme zusammen mit dem Ei und den Rosinen ist köstlich! Mit einem Stück Schinken wird es sogar noch besser. Und das flatbrød nimmt den Fettgeschmack ein bisschen weg! Das gibt es doch nicht, das ist richtig, richtig, richtig lecker!!

Für ungefähr 6 bis 8 Löffel voll. Dann schlägt das Fett zu und mein Magen sendet Bitte um Nothalt. Ich bin schon satt. Aber ganz glücklich. Was für eine Entdeckung. Nächstes Mal koche ich eben die nur die Hälfte. Ich stelle den Rest vom Rømmegrøt später in den Kühlschrank – neben die Fischbuletten, die Martin heute Abend bekommt.

Ich bin ja kein Unmensch 🙂

Vielleicht habt Ihr Lust bekommen, das norwegische Nationalgericht nachzukochen. Hier das Rezept:

1 l seterrømme

2 dl Mehl

5 Esslöffel Hartweizengrieß (gryn)

1 Ei

½ l Milch

Beilage: Rosinen, gehacktes Ei, geräucherter Schinken, Zimt und Zucker, flatbrød.

Zubereitung: Seterrømme in den Topf, Deckel schließen, drei Minuten bei kochen lassen, Hälfte des Mehls dazu, kräftig rühren. Fünf bis zehn Minuten weiter kochen lassen (Deckel drauf!), bis sich eine Schicht flüssiges Fett absondert. Die abschöpfen und warm stellen. Ei und Milch verrühren. Zusammen mit dem Hartweißengrieß und dem restlichen Mehl in den Topf und auf schwacher Hitze für eine Stunde köcheln lassen. Mit Rosinen, Zucker, Zimt, gehacktem Ei, Schinken und flatbrød (superdünnes Knäckebrot) servieren. Vel bekomme!

***

Das war es für heute, meine lieben Leser! Ich wünsche Euch allen eine tolle Woche mit viel Sonne, neuen Eindrücken und ganz viel Lachen. Und immer daran denken: Nach dem Motto „Was der Bauer nicht kennt, das frißt er nicht“ zu leben, verhindert vielleicht die leckersten Überraschungen.

Ha det bra,

Rommegrot

Ulrike