Mein kunterbunter Norwegen-Mix ODER “Hodet, skulder, kne og tå, kne og tå!”

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Ich habe Muskelkater. Aber wie. Jetzt könnte ich behaupten (und dabei ganz bescheiden gucken), es käme vom letzten 15-Kilometer-Lauf. Natürlich bergauf. Oder vom letzten Quadrathlon. Vom Karate. Vom Gewichtheben.

Kommt es aber nicht.

Ich habe Muskelkater vom Singen.

Hallo, meine lieben Leser, wie schön, dass wir uns hier wieder treffen. Heute zu meinem kunterbunten Norwegen-Mix, meinem norwegischen Studentenfutter. Seit Montag letzter Woche hat Gesa ein neues Lieblingslied. Das ist prima, das unterstützen wir, da singen wir mit. Mit dem Singen ist es bei “Hodet, skulder, kne og tå” aber nicht getan, oh nein! Die angesprochenen Körperteile (Kopf, Schulter, Knie und Zeh) müssen natürlich auch berührt werden – und zwar immer schneller und schneller und schneller bis der Mittvierzigerrücken knackt und sich der Rest der Körpers fragt, was der Mist eigentlich soll. Waren wir nicht durch mit Sport?

Für alle, die mitsingen möchten, tobt Euch gerne hier aus.

Ausgetobt hätte sich auch Therese Johaug gern. Und zwar am liebsten ihrem Teamarzt gegenüber. Die norwegische Star-Athletin überraschte/schockierte die Norweger nämlich letzte Woche mit einem positiven Doping-Test. Eine verbrannte Lippe forderte im italienischen Trainingslager medizinische Behandlung und Teamarzt (nein, EX-Teamarzt) Fredrik Bendiksen kaufte ein rezeptfreies Medikament in der örtlichen Apotheke. War es auch frei käuflich, enthielt es doch trotzdem den verbotenen Wirkstoff Clostebol. Weder Arzt noch Sportlerin hatten anscheinend den Beipackzettel gelesen. * Es ist alles etwas verwirrend, es gibt viele Fragen, vielen erscheint die von Johaug gegebene Erklärung, wie der Stoff in ihren Körper gekommen sei, zu unglaubwürdig. Fredrik Bendiksen ist mittlerweile zurückgetreten, Johaug für zwei Monate gesperrt und es gibt Stimmen, die fragen: Was, wenn das alles nur ein Ablenkungsmanöver war, um bewusstes Doping zu vertuschen? Besonders, nachdem vor wenigen Monaten auch der Langlaufstar Martin Johnsrud Sundby nach einer extrem erfolgreichen Saison Dopingprobleme hatte, aber immer wieder seine Unschuld beteuerte. Man möchte ihnen wirklich gerne glauben: Aber ein schaler Beigeschmack bleibt.

Ganz schal wird mir auch beim Gedanken an meine Norwegischprüfung. Die soll Ende November stattfinden. Hilfe! Gleich am ersten möglichen Anmeldetag, Punkt 9 Uhr, saß ich am Computer. Nur zweimal im Jahr finden diese Prüfungen statt, anmelden kann man sich genau eine Woche lang, danach: Pech gehabt. 1870,- Kronen kostet mich der Spaß und jetzt sitze also am Schreibtisch und lerne und lerne und lerne. Rede mit jedem, der nicht schnell genug auf dem Baum ist und quäle Freunde mit meinen norwegischen Texten, die die Armen dann Korrektur lesen müssen. * Es gibt im Internet einige sehr gute Übungsseiten, für norsklab muss man 90,- NOK bezahlen, sie ist aber jede Krone wert, beim Cappelen Verlag sind die Arbeitsaufgaben umsonst (allerdings richten sie sich nach den jeweiligen Arbeitsbüchern, wenn man die nicht hat, ist es etwass komplizierter zu folgen, klappt aber auch, finde ich). Möglichkeiten zum Sprachtraining finden sich im Goethe-Institut, bei den Jungen Erwachsenen der Deutsch-Norwegischen Gesellschaft und natürlich überall im Alltag. Und nachdem Gesa jetzt schon zwei norwegische Wörter spricht und, zu unserer Überraschung, SEHR viel mehr versteht, wird es auch Zeit, dass ich loslege: Nicht, dass sie bald besser Norwegisch spricht als ich!

Zum Abschluss dieses Norwegen-Mixes noch ein Buchtipp: “Kon-Tiki. Ein Floß treibt über den Pazifik” von Thor Heyerdahl. Ich bin kein Fan von testosterongetränkten Abenteuergeschichten, aber diese hier hat mich gepackt. Die Geschichte der unglaublichen Fahrt auf einem selbstgebauten Floß, die Heyerdahl 1947 unternimmt, um zu beweisen, dass es den Ureinwohnern Südamerikas technisch möglich gewesen wäre, Polynesien zu besiedeln, ist spannend und lustig und dramatisch und menschlich. Und dabei bin ich erst auf Seite 47! * Besucht hier in Oslo unbedingt das Kon-Tiki Museum, in dem das Floß ausgestellt ist. Viel erfährt man in diesem interessanten Museum auch über die polynesische Geografie und Kultur. (Blogleserin Andrea Fuchs, die seit Jahren samt Segelboot und Mann über die Weltmeere fährt, war übrigens gerade auf den Osterinseln und hat mir eine Postkarte von dort versprochen! Toll, oder?)

So, meine Lieben, das war ein kunterbunter Mix aus….hodet, skulder….pscht…Mix aus interessanten und vielleicht nicht interessanten….kne og….AUF JEDEN FALL WAR ES EINE GUTE ABLENKUNG GEGEN…Hodet, skulder, kne og tå, kne og tå, hodet skulder, kne og tå, kne og tå….das verfluchte schöne Lied sitzt mir im Ohr!!!! Da hilft nur ein Kaffee und ein Keks und dann weiter Norwegisch lernen!

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Das war es für heute, meine lieben Leser! Gestern habe ich im Radio noch einen Beitrag über “typisch norwegische” Begriffe gehört. Und habe mal ein paar für Euch ausgesucht. Vielleicht habt Ihr ja Lust ein bisschen zu raten, was sie bedeuten könnten. Klar könntet Ihr das auch googeln, aber erstmal raten!!!! Hier kommen also: Utepils, matpakke, dugnad, harry, bunad, russebuss, koselig, skibinding und oppholdsvær. (Ein paar kennt Ihr bestimmt schon Dank des Blogs, naja und für Leser hier in Norwegen oder Ex-Norwegen-Bewohner ist es einfach. IHR könntet ja vielleicht die Liste ergänzen!!)

Uns allen wünsche ich eine tolle Woche, bleibt oder werdet gesund, lacht viel und macht Euch das Leben kunterbunt! Die Tage werden kürzer, drinnen ist es warm und gemütlich, wir kuscheln uns aufs Sofa und gucken die Sendung mit der Maus! An das tolle Team des WDR gehen heute auch meine wöchentlichen Grüße: Ihr seid die Besten und ohne Armin, Christoph, die Maus und den Elefanten wäre unser Sonntag nicht komplett!

Macht es gut, liebe Leser und bis nächsten Freitag,

Ha det,

mausgesaich

Ulrike

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Knockout nach 35 Jahren! ODER Die First Lady kommt nach Hause.

0404453001461689287_filepicker“Ach echt, die amtierende Boxweltmeisterin kommt aus Norwegen?” Ich gucke meinen Gesprächspartner bei der Weihnachtsfeier in der Deutschen Gemeinde 2013 interessiert an. “Hast du sie schon mal hier in Norwegen boxen sehen?” – “Nein, natürlich nicht!” lautet seine Antwort. “Da würden wir uns ja alle strafbar machen.”

Hallo, meine lieben Leser, wie schön, dass wir uns hier wieder treffen. Profiboxen war tatsächlich in Norwegen verboten. “Unakzeptabel” erschien in den 80er Jahren der Gedanke, dass Sportveranstalter mit einem lebensgefährdenen Sport Geld machen könnten. 1981 stimmte das Parlament für ein Verbot des Profi-Boxsports in Norwegen. Im selben Jahr entstand auch das sogenannte “Knockout-Gesetz”: Organisierte Wettbewerbe oder Trainingskämpfe von Sportarten wie Boxen oder Taekwondo, in denen ein Knockout den Kampf entscheiden kann, wurden vom Parlament in Oslo verboten.

Im selben Jahr, 1981, kommt in Kolumbien ein Mädchen zur Welt. Sie verbringt die ersten zwei Jahre ihres Lebens in einem Waisenhaus, bevor ein Sozialarbeiter und seine Frau das kleine Mädchen adoptieren. Ab da heißt die Kleine Cecilia Brækhus, wächst in Bergen auf und wird eines Tages von ihren Eltern beim Boxtraining erwischt. Trotz Verbots hatte sich die mittlerweile 13jährige aus dem Fenster und in den Ring des Trainingszentrums darunter geschlichen. Die Eltern geben nach. Die talentierte Jungboxerin gewinnt in den nächsten Jahren 75 ihrer 80 Amateurkämpfe, wird 2005 Europameisterin und will, logisch, professionelle Boxerin werden. Doch Brækhus hat ein Problem: In Norwegen ist nur Amateurboxen erlaubt. Ein deutscher Boxpromoter wird schließlich auf Cecilia aufmerksam und nimmt sie unter Vertrag. Er verspricht, seine “First Lady” zur ersten norwegischen Boxweltmeisterin zu machen.

In Norwegen hat man sich in der Zwischenzeit irgendwie mit dem Knockoutgesetz und dem professionellen Boxverbot arrangiert. Immerhin ist das Amateurboxen erlaubt, allerdings agieren die Boxer hier mit Helm, besser gepolsterten Handschuhen und die Kämpfe sind auf drei Runden begrenzt. Das norwegische Gesundheitsministerium unterstützt weiterhin das Verbot und argumentiert, dass im Fussball beispielsweise Fouls geahndet würden, während das Verletzen des Gegners beim Boxen belohnt würde. Die Gesundheit zu schützen sei aber das oberste Ziel und Boxen damit, in meinem O-Ton, “raus”.

2013 wählt Norwegen sich dann eine neue Regierung. Da ist Cecilia schon seit 4 Jahren Weltmeisterin. Ihre Landleute konnten die sportliche Karriere entweder nur durch Reisen ins Ausland oder am heimatlichen Fernseher verfolgen (ja, Kämpfe werden im norwegischen TV übertragen, etwas unlogisch, oder?). Auf norwegischem Boden konnte die “First Lady” ihr Können aber nicht zeigen. Doch Erna Solberg, neue Staatsministerin Norwegens, hat sich das Wort Freiheit auf ihre politische Flagge geschrieben und zu dieser geplanten Befreiung des norwegischen Volks von konservativen Fesseln gehört für sie, das über 30 Jahre alte Profi-Box-Verbot aufzuheben.

Am 16. Dezember 2014, knapp ein Jahr nach Regierungsübernahme, ist es soweit: Mit 54 zu 48 Stimmen hebt die blau-blaue Regierung, mithilfe einiger Oppositionsstimmen, das Gesetz auf. Und diese historische Entscheidung der schwergewichtigen Regierung soll gebührend gefeiert werden: Am 1. Oktober 2016 findet in Oslo der Boxkampf zwischen Cecilia Brækhus und der Französin Anne Sophie Mathis statt. 10.000 Zuschauer vor Ort und knapp eine Million vor den Fernsehschirmen feiern das “Homecoming” der “First Lady”. (Ich frage mich: Wäre das Gesetz aufgehoben worden, wenn eine Französin/Amerikanerin/Deutsche/etc Weltmeisterin gewesen wäre?)

Während der norwegische Rapper OnkLP das eh schon angeheizte Publikum noch mehr anheizt, macht sich eine hochkonzentrierte Brækhus auf den Weg zum Ring. Boxen ist ein Show-Sport, lerne ich, bei dem Auftritt, Musik, Bodyguards, langbeinige Schönheiten und stimmgewaltige Ansager wie Michael Buffer wichtige Elemente sind. In der ersten Reihe ist ein Großteil der norwegischen Regierung vertreten: Staatsministerin Erna Solberg und Kultusministerin Linda Hofstad Helleland, die den Abend, der mit einer bewusstlosen Französin endet, später auf Facebook kommentiert als: “Det er helt magisk!”

Wahre Magie sei das Ganze. Naja.

Helleland musste natürlich vor Ort sein, denn Boxen unterliegt dem Kultusministerium (genauso wie die restlichen Sportarten, Glücksspiel und Religion). Die Stimmung war, wie gesagt, gut, Erna Solberg entließ zur Begrüßung die aufmunternden Worte: “Take it away!” und hätte bestimmt selber im Ring keine schlechte Figur gemacht.

Am 1. Oktober 2016 um 22 Uhr startete der erste Profiboxkampf auf norwegischem Boden nach 35 Jahren.

Er dauerte genau 3 Minuten und fünf Sekunden. Dann hing die Französin bewusstlos in den Seilen und eine jubelnde Norwegerin hüpfte Adrenalin-geladen durch den Ring. Unter dem Jubel auch von Vladimir Klitschko erhielt die “First Lady” ihre Trophäe aus den Händen Erna Solbergs, die den Kampf kommentierte mit: “Jeg synes egentlig det gikk litt for fort!“ Zu schnell sei es vorüber gewesen, fände sie.

Norwegen feierte. Ganz Norwegen? Nein. Schnell wird Kritik laut. Kritik an der Anwesenheit der Regierungsmitglieder, Kritik an der Aufhebung des Verbotes überhaupt, Kritik daran, dass während des Kampfes Alkohol verkauft wurde, Kritik daran, dass Kinder im Publikum waren. “Peinlich und tragisch” nennt Per Sigurd Sørensen, der frühere Bürgermeister von Stavanger, den Auftritt Erna Solbergs im Oslo Spektrum. Dass die Staatsministerin jubelt, wenn eine Sportlerin durch einen Schlag bewusstlos wird, sei einfach nur peinlich. Und in der Satiresendung “Nytt på nytt” fragt man sich: Für den Fall, dass diese Regierung nach Profiboxen nun Prostitution legalisiere – säße Erna Solberg dann auch in der ersten Reihe im Bordell und würde rufen: “Take it away!”?

Ich kann mir zu der ganzen Sache irgendwie keine rechte Meinung bilden. Den tatsächlichen dreiminütigen Boxkampf habe ich nicht geguckt, weil ich Blut nicht gut sehen kann. Die Faszination vieler für den Boxsport ist mir auch fremd. Dabei sind viele meiner Lieblingsautoren große Boxfans: Ernest Hemingway bespielsweise oder Bertolt Brecht. Und auch im Familienkreis war Boxen ein Thema:  Meine Oma Hertha, eine kleine Dame mit schönen Händen, stellte sich nachts den Wecker, um im Fernsehen Mohammed Ali live in den USA boxen zu sehen. Diese Gene habe ich wohl nicht geerbt. Naja, dafür gucke ich Tennis. Die Faszination verstehen viele auch nicht.

Was ich aber spannend finde, sind die Geschichten und Geschehnisse vor und nach diesem Kampf. Profi-Boxen ist seit 2014 übrigens nur noch in einem Land  der Erde verboten: In Nord-Korea. Macht mit dieser Info, die als letztes auf meinem Recherchezettel stand, was Ihr wollt. Ich gehe jetzt mal einen Tee kochen. Und lasse ihn 3 Minuten und 5 Sekunden ziehen. Und bin danach hoffentlich noch bei vollem Bewusstsein.

***

So, das war es für heute, meine lieben Leser! Meiner Oma hätte dieses Thema bestimmt gut gefallen und deswegen schicke ich heute Grüße und Küsse nach oben und stelle mir vor, wie meine Oma neben Max Schmeling und Muhammed Ali auf einer Wolke sitzt. Uns allen wünsche ich eine tolle Woche, kämpft für das, was Euch wichtig ist und lasst Euch weder von Eltern noch von Traditionen aufhalten. Hier in Oslo wird es kalt, aber auch gemütlich: Die Zeit ist da für Mariusgenser, farikål und warme Schokolade. Ich büffele weiterhin für mein Norwegisch-Examen und schreibe an der Reformations-Revue unserer Theatergruppe, die im nächsten Jahr sogar auf Tournee nach Göteborg gehen wird! Lasst es Euch gut gehen und kuschelt Euch warm ein!

Ha det,

omaundich

(Meine Oma Hertha und ich)

Ulrike

BESUCH!!!

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Hallo, meine lieben Leser, wie schön, dass wir uns hier wieder treffen. Nachdem ich Euch letzte Woche einfach so ohne Gruß gelassen habe, heute wenigstens ein kurzer Gruß und Euch allen ein tolles Wochenende. Aus dem heimatlichen Hildesheim hat sich heute morgen mein Patensohn auf den Weg nach Oslo gemacht – zum ersten Mal kommt er nach Oslo und ich freue mich riesig!

Besuch aus Deutschland ist immer schön, denn plötzlich kommen Menschen nach Oslo die mich „von früher“ kennen. Die mich „Ulli“ nennen, was hier niemand tut (was auch okay ist :)…) und die mir auf einen ganz anderen Ebene vertrauter sind, als alle tollen Freunde hier. Naja, ist ja auch klar, ob man sich nun 18 Jahre kennt oder 4….das kann einen großen Unterschied machen. Ist ja logisch!

(Uihuihui, jetzt ist er gerade losgeflogen!)

Das große Sightseeing-Programm steht, der Apfelkuchen duftet, das Wetter scheint zu halten. Mir bleibt also nur noch, uns allen ein tolles Wochenende zu wünschen! Mein spezieller Wochengruß geht also heute an Jan-Niklas, hoch in der Luft via Oslo und an den lieben Rest der Familie in Hildesheim- wir machen viele Fotos, versprochen!

Nächste Woche geht es hier im Blog ums Boxen und warum Erna Solberg in den Ring gestiegen ist.

Ha det,

 

Ulrike

(Foto kommt später!)