Wir gehen auf trilletur ODER Ein ökonomisches Pony begeistert Gesa!

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Wir trillen lustig durch den Wald, die Sonne scheint. So muss es bei einer trilletur sein, ikke sant? Trillen kann man zu zweit, aber auch gern in großen Gruppen. Alleine wäre es hingegen komisch. Trilletur ist eines dieser norwegischen Wörter, die ich erst kenne, seit Gesa auf der Welt ist. So wie helsestasjon, bleier, barselgruppe oder åpen barnehage. Trilletur…Na? Naaa? Naaaaaaa?

Genau, eine trilletur ist eine Wanderung oder ein Spaziergang mit dem Kinderwagen.

Hallo, meine lieben Leser, schön, dass wir uns hier wieder treffen! Früher haben Martin und ich unseren Rucksack geschnürt, haben uns ein Ziel ausgesucht und sind losgewandert. Bergauf und bergab, durch Wälder, über Wiesen, auf Wanderwegen oder Trampelpfaden.

Dann kam Gesa und plötzlich stellte sich die Frage: Auf Tour – ja gern – aber geht das mit Kinderwagen?

(“Hä?? Nehmt doch eine Trage!”, höre ich Euch rufen. Zu faul, entgegne ich da. Zu schwer und überhaupt schleppe ich dann nicht nur das Kind, sondern wir müssen auch ihre ganze Ausstattung mitschleppen…nee, nee, nee. Barnevogn it is.)

Wir machten uns also auf die Suche nach Tips für Wanderungen mit Kinderwagen: “Tur med barnevogn nordmarka” fragte ich. “Trilleturer“ von Gry Støyvind Hoell, antwortete Google. Irritiert versuchte ich trilletur zu übersetzen und war bald sicher, den richtigen Begriff gefunden zu haben. Das Buch zu kaufen ging fix.

Und dann passierte erstmal gar nichts.

Ich blätterte ein paar Mal begeistert hin und her, schrieb Touren auf, die wir UNBEDINGT machen sollten…

…und dann passierte wieder gar nichts.

(Ich weiß ja nicht, wie es Euch so geht: Ich bin ganz groß im Plan schreiben, Plan aufhängen und Plan angucken. Ich liebe Pläne. Und manchmal habe ich dann das Gefühl, genug getan zu haben. Mein Küchenorganisationsplan, beispielsweise. Großartig ist der! Und wie er da hängt! Super! – Meine Küche hingegen…)

Am letzten Wochenende hatten wir dann Familienwochenende und wollten wandern. Raus aus der Stadt, ab in den Wald, eine tolle Tour – aber bitte irgendwohin, wo ich auch Waffeln essen kann.

(Ich weiß ja nicht, wie es Euch so geht: Eine Wanderung ohne irgendwo einzukehren, finde ich doof. Ich brauche immer ein Ziel und zwar eines mit Verköstigung!)

In unserer Zeit vor Gesa waren wir immer gern zum Ullevålseter gewandert – vom Sognsvann aus, eine Strecke, die mit Kinderwagen aber nicht möglich ist. “Ohhhh!”, schwärmte ich, “Ullevålseter…da gibt es soooo leckere Waffeln!” Ein Blick ins Trilleturbuch und bald stand fest: Jawoll, Ullevålseter, das geht auch mit Kinderwagen! Hurra!

Am Samstagmorgen ging es los und ich erlebte wieder einen Aspekt, den ich an Oslo ganz besonders schätze: Man steigt in die öffentlichen Verkehrsmittel (in diesem Fall die Busse 25 und 51) und nach knapp 30 Minuten standen wir mitten auf dem Land. Rote Bauernhäuser, Felder, Seen – Idylle pur. Die Haltestelle hieß “Hammeren” und lag genau gegenüber des Wanderwegs, der uns zum Ullevålseter (lies: zu den Waffeln) führen sollte. Ich stand erstmal wieder staunend in der ganzen Natur. Das ist das Tolle, wohnt man, wie wir, mitten in der Stadt: Das Staunen, sobald man draußen ist, ist so groß ;)!

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Frohgemut wanderten wir also los, Gesa entdeckte moosige Bäume, schlammige Pfützen, grüßte Hunde und Libellen, wir bestaunten den Wasserfall des Skjersjøflusses, pflückten Löwenzahn und mussten auf der Hälfte des Weges erstmal anhalten und nach Luft schnappen. Atemlos blickte ich in mein Tourbuch. Da stand eindeutig: “Die Berge sind am Anfang der Tour.”

Nun weiß ich dank meines Geologen-Ehemannes, dass es Millionen von Jahren dauert, bis Berge entstehen. Das Buch war von 2009. Es war also relativ unwahrscheinlich, dass diese Berge vor uns in den letzten sieben Jahre entstanden waren. Aber dass sie DA waren, daran bestand kein Zweifel. Und zwar nicht nur am Beginn der Tour. Nein, auch in der Mitte und am Ende. Eigentlich war die ganze Tour eine Berganfahrt mit Ruhemomenten.

Norweger haben einfach andere Maßstäbe. Wir schoben also einfach weiter, genossen die Natur und entdeckten bald ein rotes Holzhaus – unser Ziel!

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Ullevålseter. Es war viel los an diesem sonnigen Samstag, aber wir sicherten uns noch einen Tisch und kurze Zeit später biss ich in eine Waffel und in ein Stück Apfelkuchen.

(Na, was denn? Ich war ja schließlich bergauf gewandert – das musste belohnt werden.)

Im warmen Sonnenschein saß ich zufrieden auf meiner Bank, die Kaffeetasse in der Hand …und verschluckte mich fast, als ich am Ufer des kleinen Tümpels gegenüber ein Pony liegen sah. Ein Pony!! Lag da, einfach so, ohne Zaun drumrum. Ein Pony!!! Gesa, die gerade friedlich Kiesel in einem Eimer sammelte, fühlte sich aprupt in die Luft gehoben und galoppierte unerwartet auf Mutters Arm Richtung Huftier.

Dessen Gedanken, als es uns kommen sah, müssen gewesen sein:

“Oh neeeeeeeeeeeeeeeee!”

So guckte es wenigstens. Und dann tat es so, als würde es schlafen. Na, da hatte das Huftier seine Rechnung aber ohne Gesa gemacht. Nicht, dass sie es streichelte. Nein.

Sie schrie es an.

“Da!! Da!!! Daaaaaaaaaaaa!!!! Daaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaa!”

Ihre Begeisterung war grenzenlos. Die des Ponies nicht. Es hob den Kopf und blinzelte gelangweilt.

Gesa wurde vor Ehrfurcht stumm und musste sich setzen.

Das Pony, zufrieden mit seiner ökonomischen Wirkung (minimaler Einsatz für maximalen Ertrag) schüttelte das weiße Haupt und schlief ein.

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Nach einigen Minuten brachte ich mein immer noch überwältigtes Kind zurück zum Tisch, wo es das Pony imitierte und einschlief.

Unsere trilletur kam nun in die ruhige Phase. Vom Ullevålseter wanderten Martin und ich (mit der schlafenden Gesa im Kinderwagen) bergab Richtung Sognsvann (ja, es gab doch einen Kinderwagentüchtigen Weg!) und stiegen dort in die t-bane Richtung Zivilisation.

Schön war es und wir freuen uns auf’s nächste Mal!

***

So, das war es für heute, meine lieben Leser! Genießt das schöne Wetter, schwingt Euch vom Sofa in den Wald und tut was für die Laune und die Gesundheit. Ich wünsche uns allen eine gute Woche. Morgen früh klettere ich auf den Zug nach Bergen und lerne nicht nur endlich die Stadt kennen, sondern sehe auf der siebenstündigen Zugfahrt auch ganz viel Norwegen. Darüber, natürlich, mehr am nächsten Freitag. Ganz liebe Grüße gehen heute nach Lillehammer zu Anne und ihrer Familie.

Hilsen,

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Ulrike

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Rückkehrgedanken ODER In die unbekannte Heimat?

uni.de

Vor kurzem wollte ich zurück nach Deutschland. Nach Berlin oder Hannover oder ganz egal, auf jeden Fall zurück in die Heimat. Nur, weil ich eine Norwegerin mit breitem Westdialekt nicht verstanden hatte. Es genügte: Ich wollte nach Hause. Aber dann habe ich mich gefragt: Ist Deutschland denn noch das bekannte Land?

Hallo, meine lieben Leser, schön, dass wir uns hier wieder treffen! Statt über den norwegischen Nationalfeiertag zu berichten, schreibe ich heute mal wieder über eine Frage, die bestimmt viele Auswanderer beschäftigt: Gehen wir irgendwann zurück in die Heimat?

Ich stelle mir die Frage gerne immer mal wieder. Manchmal, um einfach meine Gemütslage zu checken: „So, wie sieht es aus? Wie geht es dir? Willst du zurück nach Deutschland?“ Meistens lautet die Antwort: „Nein.“ Klar und überzeugt. Aber dann…dann stehe ich mal wieder vor einem sprachlichen, kulturellen oder intellektuellen Verständigungsproblem. Beispielsweise wusste ich nicht, was „Hotel Caesar“ war – und das ist anscheinend, als würde jemand in Deutschland die „Lindenstraße“ nicht kennen. Ich outete mich also erneut als entweder namentanzende TV-Verweigerin oder Ausländerin.

Sowas würde mir in Deutschland nicht passieren. Da sagt einer „Sendung mit der Maus“ und ich sage: „Blauer Elefant!“, einer sagt „ZDF Werbung“ – ich entgegne: „Mainzelmännchen!“, da ruft einer „Wum“ und ich rufe „Wendelin“ und schon während ich das hier schreibe fällt mir auf, dass mein deutsches TV-Wissen ungefähr von 2003 ist.

Oder noch älter.

Mein Wissen über Deutschland überhaupt. Bin ich mal ehrlich, weiß ich das meiste über meine Heimat seit 2003 nur über das Internet und jährliche Besuche, Erzählungen von Familie und Freunden, Nachrichten. Seit über 10 Jahren lebe ich nicht mehr in Deutschland, ich wähle nicht mehr, ich verliere immer mehr Verbindungspunkte in die Heimat. Und zwischen meinem Deutschland von 2003 und dem von 2016 liegen mehr als nur 13 Jahre.

Warum also trotzdem der Gedanke: „Ich will zurück.“??

Keine Ahnung!

Ehrlich, was weiß ich???

Ich kann nur Spekulationen bieten – seid Ihr bereit? Ok, here it goes:

Manchmal betrachte ich eine schlappe norwegische Wurst auf dem Grill und träume von deutschen Riesenknackern. Kulinarische Heimat.

Manchmal, wenn ich darüber nachdenke, wie schwierig es sein wird, hier in Norwegen Arbeit zu bekommen, leuchtet…sagen wir mal ganz bodenständig…aus der Ferne das Licht. „Hach, in Deutschland, mit all seinen Theatern und Kultureinrichtungen wäre es soooviel einfacher für mich Arbeit zu finden.“ Heimat als Hoffnungsträger.

Manchmal, wenn ich mich mal wieder zu sehr als Ausländer fühle, ist der Gedanke an die Heimat beruhigend. Da, wo mich alle verstehen, dort, wo ich herkomme, wo ich hingehöre, wo meine Wurzeln sind. Heimat als Trostgedanke.

Aber seien wir mal ehrlich: So ein Quatsch. Wo lebe ich denn? In einem nostalgischen Deutschlandbild von 2003 – das nicht mehr der Wahrheit entspricht. Wahrscheinlich würde ich in Deutschland auch nicht mehr richtig hineinpassen, weil ich so lange im Ausland gelebt habe. Aber es passiert eben, wenn man auswandert – man verliert diese Alternative nicht aus dem Kopf – dieses „Ich könnte ja auch wieder zurück.“ Dieses „Ich habe einen Ort, zu dem ich zurückkehren könnte.“ Und das tröstet manchmal.

Was, wenn dieser Trost unmöglich ist?  Wenn es den Ort nicht mehr gibt, zu dem man zurückkehren könnte?  Wie fürchterlich herzzerreißend muss das sein.

***

So, meine lieben Leser, das war es für heute aus „Einsichten in das Auswandererleben“. Nicht gerade ein schenkelklopfender Wochenendspaß, was fällt mir eigentlich ein, so geht das nicht, nächste Woche wird an dieser Stelle wieder gelacht, das wäre ja gelacht, wenn es hier nichts zu lachen gäbe!

Ich wünsche uns allen eine schöne Woche, egal ob Ihr in Deutschland, Norwegen oder einem ganz anderen Fleck der Erde seid! Wir haben gerade gestern unseren Deutschland-Urlaub gebucht und ich entschuldige mich jetzt schon bei allen, die wir, mal wieder, nicht sehen werden. Kommt und besucht uns in Oslo!

Hilsen,

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Ulrike

 

Schönen St. Hallvard-Tag! ODER Ein Abbild auf dem Gullideckel…

„Frohe Pfingsten“ wünscht man sich heute in der christlichen Welt. Heute am 15. Mai 2016 feiern wir hier in Oslo nicht nur Pfingsten. Es ist auch St. Hallvard Tag!

Hallo, meine lieben Leser, habt Ihr jemals das Stadtwappen von Oslo gesehen? Oder: bewusst an-gesehen? Mir ist es in den letzten vier Jahren häufig untergekommen – von Gullideckeln bis zum Kindergeldbescheid. Für alle, die es nicht kennen oder sich nicht erinnern können, hier ist es:

Man sieht darauf einen Mann mit Heiligenschein, der in der einen Hand drei Pfeile und in der anderen – nein, keine CD – einen Mühlstein hält. Unter ihm liegt eine nackte Frau. Das, in wenigen Symbolen, ist die Geschichte von Hallvard Vebjørnsson. Und bevor Ihr rätselt und versucht, Symbole zu verbinden, erzähle ich, so gut ich kann, seine unglaubliche Geschichte:

Hallvard lebte im Oslo des 11. Jahrhunderts, einziger Sohn eines Großbauerns. Eines Tages im Mai entschied er sich, eine Bootstour auf dem Fjord zu unternehmen. Während er das Boot startklar machte, kam eine junge Frau auf den Steg. Sie rannte um ihr Leben. Die junge Magd wurde von drei Männern verfolgt, die sie als Diebin verhaften wollten.

Hallvard, von edler Gesinnung, ließ die junge Frau auf sein Boot, löste die Seile und das Boot segelte hinaus auf den Fjord. Die drei Verfolger waren wenig begeistert, schnappten sich das nächstbeste Boot und begannen die Verfolgung. Sie beschuldigten Hallvard lautstark, einer Diebin zu helfen und beschossen ihn und die Frau mit Pfeilen. Beide starben auf See. Die Mörder nahmen die Leiche der Frau mit an Land. Hallvards toter Körper aber wurde auf einen Mühlstein gebunden und im Fjord versenkt.

„Fall erledigt“, dachten die Mörder.

Doch zur allgemeinen Überraschung versank Hallvards Körper nicht, sondern trieb mitsamt dem Mühlstein an Land, wo der edle Mann ordnungsgemäß begraben werden konnte. Das Volk begann ihn als Märtyrer zu verehren: Hallvard, der eine Unschuldige verteidigte und dabei sein Leben verlor. Im Jahr 1053 siedelte König Harald Sigurdssønn das Grab in die Marienkirche um und Hallvards sterbliche Überreste zogen um in einen Schrein mit Silberverzierung. Knapp 80 Jahre später fand Hallvard seine letzte Ruhe in der 1130 fertiggestellten St. Hallvardskirche.

Am 15. Mai feiert Norwegen seitdem den Heiligen Hallvard, der auch ab dem 14. Jahrhundert das Stadtwappen Oslos ziert. Wer dem Stadtheiligen heute etwas nahe sein möchte, kann die Ruinen der alten Hallvardkirche in der Altstadt von Oslo besichtigen – und vergesst nicht, nach den Gullideckeln zu gucken!

***

So, das war es für heute, meine lieben Leser. Diese Geschichte ist mir heute ganz unerwartet beim Konfirmationsgottesdienst in der Deutschen Gemeinde begegnet. Danke, Georg, fürs Erzählen! Uns allen wünsche ich ein schönes Pfingstfest und allen hier in Norwegen einen wunderbaren 17. Mai! Viel Spaß bei der Parade, beim Eisessen, beim Picknicken, bei Feiern in Familie und Schulen, beim Fahnenschwenken und und und… Es ist nicht alles perfekt hier, aber ich stimme am Nationalfeiertag gerne ein in: „Ja, vi elsker dette landet!“

Hilsen,

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(Wie die Zeit vergeht: 17. Mai 2013 – und diesmal stehen wir bestimmt wieder am selben Platz zur Parade)

Ulrike

 

Blaubeeren, Russ und Einweggrills ODER Der Wonnemonat Mai in Oslo

„Ach guck, da sind sie ja wieder!“ – „Ach guck, da blüht es ja wieder!“ – „Ach guck, da schwanken sie ja wieder!“ – Ach guck, ach guck, ach guck. Im Mai müsste ich den Blog eigentlich umnennen. Nicht Neues aus Norwegen – nein, Altbekanntes aus Norwegen müsste er jetzt heißen.

Hallo, meine lieben Leser, wie schön, dass wir uns hier wieder treffen. Zum vierten Mal erleben wir den Mai in Oslo und ich bemerke, wie lieb mir diese jährlichen Traditionen schon werden. So gierig wir doch heute danach sind, immer alles neu und anders und besser und ungewöhnlicher zu haben, so sehr liegt uns doch an Altbekanntem. Kotzende Abiturienten zum Beispiel. Die sind doch jedes Jahr wieder ein Schauspiel!

Seit einigen Wochen beleben die roten, blauen oder schwarzen Latzhosen wieder die Straßen von Oslo. Der diesjährige Abiturjahrgang sieht noch jünger aus als der im Jahr davor. Ansonsten ist alles wie immer: Der Springbrunnen vor dem Nationaltheater schäumt dank Russ-Seife, gefrustete Lehrer posten Bilder leerer Klassenzimmer und am Tryvann treffen sich Russe aus ganz Norwegen zur potentiell größten Russfeier des Jahres – diesmal mit echtem Schnee dank eines unverschämt späten Wintereinbruchs.

Aber es gibt auch Neuheiten von der Partyfront: Immer mehr Abiturienten verweigern sich dem Russritual. Wurden sie früher noch als Partypupser ausgelacht, scheinen sie heute immer größeren Anklang zu finden. Naja…bei Eltern und Lehrern wahrscheinlich. Ich finde es schon mutig und auch – darf man das sagen?- unnorwegisch, sich dem Gruppenzwang zu entziehen. Hut ab also an alle Russverweigerer!

Noch bis zum 17. Mai geht die Feierei, die Parade am Nationalfeiertag beendet die Partyzeit und schickt die Schulkinder zurück in die höheren Lehranstalten. Über „alkoholische Gärung“ wissen sie dann bestimmt genug.

haz.de

haz.de

Der 17. Mai, Norwegens Nationalfeiertag, wirft seine blau-weiß-roten Schatten schon seit mehreren Wochen durch die Stadt. Im Supermarkt bedeutet das, zu Gesas großer Freude, dass gewaltige Becher mit noch gewaltigeren Blaubeeren die Obstabteilung füllen.

Erdbeeren und Blaubeeren sind die populärste Dekoration für Kuchen oder Desserts zum syttende mai  und werden tonnenweise gekauft – selbst wenn sie so gespritzt und unnatürlich erscheinen wie die Lippen von Kim Kardashian. Schmecken tun sie trotzdem irgendwie. Also die Beeren. Die Lippen kann ich nicht beurteilen!

Dank zahlreicher Feiertage ist der Mai hier in Norwegen wirklich ein Wonnemonat. Leider hat sich der 1. Mai 2016 auf einen Sonntag verirrt, aber dafür liegen Pfingsten und der Nationalfeiertag diesmal genau hintereinander und ich frage mich, ob irgendwer im Mai überhaupt noch arbeiten geht. Wozu eigentlich – sind doch sowieso bald Sommerferien!

Der Sommer – wie freue ich mich auf ihn! Langjährige Blogleser werden meinen Weg von Sommerhasserin zu Sommerliebhaberin verfolgt haben. Norwegen hat mir zwar beigebracht: Det er ikke dårlig vær, bare dårlig klær – es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung – und so versuche ich, jeder Jahreszeit ihre schönen Seiten abzugewinnen. Aber der Sommer ist mir doch mehr ans Herz gewachsen hier oben im Norden.

(„Haha!“, lachen jetzt alle nördlich von Oslo…)

Draußen sein ohne drei Lagen Kleidung, laufen können ohne hinzufallen, im Sognsvann schwimmen und auf Hovedøya grillen gehen, Blaubeeren pflücken, Eis essen, am Bogstadvann unter rauschen Birken zu liegen… und und und….ich mag den norwegischen Sommer!

Was ich nicht mag sind Einweggrills. Die finden sich ab jetzt auch überall, ob verschweißt im Supermarkt oder stinkend und vor sich hin kokelnd im Frognerpark – sie sind und bleiben eine ökologische Unart. Und die Würstchen werden darauf auch nicht gegrillt, eher warm gemacht. Danke an alle Freunde mit großen Reserven an Nürnberger Rostbratwürstchen oder Thüringern und ordentlichen Grills!

Toll, jetzt habe ich Hunger.

Alles kehrt wieder. Klar, das ist in jeder Jahreszeit so, aber der Mai lockt uns alle raus aus unseren Stadtwohnungen und bringt uns in Feierlaune und ist dadurch irgendwie besonders. Für mich auf jeden Fall.

Same procedure as last year? – Same procedure as every year!

***

So, das war es für heute meine lieben Leser! Den gestrigen Himmelfahrtstag haben Gesa und ich mit der Theatergruppe verbracht – wir sind um den Bogstadvann gewandert bei herrlichstem Sonnenschein und haben anschließend Pizza gemacht. Ein sonniger, wunderbarer, lustiger, lauter Tag – der vielleicht auch zur Tradition wird.

Uns allen wünsche ich einen wirklich wonnigen Mai mit Sonne am Himmel und im Herzen, mit Lust auf Feiern und Zeit zum Genießen. Macht das Beste draus!

Ha det bra,

Theaterdamen unterwegs :)

Theaterdamen unterwegs 🙂

 Ulrike