Ausstellung im Nobelpreiszentrum: Hva spiser verden? ODER Ej, wieso gibt es nur drei Sorten Joghurt im Supermarkt?

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Es gibt so Tage, da stehe ich im Supermarkt um die Ecke und denke: „Maaaaaaannn, warum gibt es denn IMMER dieselben Sorten Joghurt und Käse? – Wo ist denn hier die Abwechslung?“ oder ich klicke ungeduldig mit dem Kuli vor der Einkaufsliste, weil mir partout nicht einfallen will, was denn heute gekocht wird. Nervig finde ich diese Situationen, eingeschränkt die Auswahl an Lebensmitteln hier in Norwegen und überhaupt…dann gibt es heute eben Nudeln.

Ich bin so verwöhnt, dass die Frage gerechtfertigt ist: „Hast du sie noch alle?“

Hallo, meine lieben Leser, schön, dass wir uns hier wieder treffen. Am letzten Donnerstag waren wonderful Ines und ich im Friedensnobelpreiszentrum (tolles Wort für Galgenraten), um die Ausstellung Hva spiser verden?/Was isst die Welt? zu besuchen. Ein Tipp an alle: Hingehen und zwar geschwind!!

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Seit dem Jahr 2000 reisten Fotograf Peter Menzel und Autorin Faith D’Aluisio durch die Welt mit nur einer Frage im Gepäck: Was habt Ihr in dieser Woche gegessen? Familien von Kalifornien bis Japan, von Grönland bis Mali öffneten ihre Küchen und präsentierten ihre Lebensmittel. Und eines kann ich Euch sagen: Da musste ich teilweise tief durchatmen. Wann habt Ihr das letzte Mal über Euer Essen nachgedacht? Was Ihr esst? Wo die Nahrung herkommt? Wie gesund das ist, was Ihr zu Euch nehmt? Was bedeutet es für die Umwelt, dass wir hier in Norwegen auch Mangos im tiefsten Dezember haben? Wie esse ich? Was esse ich? Und eine ganz spannende Frage: Wie sehr repräsentiert mein Essen mich, meine Herkunft, meine Weltanschauung und mein Verhältnis zu meinem Planeten?

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Schnell könnte man die Ausstellung  auf nur einen einzigen Aspekt schmälern: Manche haben zu viel und manche haben zu wenig. Leicht fällt das, betrachtet man eine US-Familie aus North Carolina, deren Küchenanrichte unter dem Gewicht von Chipstüten, Hamburgern, Milchflachen und Tiefkühlprodukten zusammenzubrechen droht und im Vergleich dazu eine sechsköpfige Flüchtlingsfamilie im Tschad, die vor drei Säcken Mehl und Körnern und einigen Schälchen mit Gemüse sitzt. Das wird einem flau im Magen, da will man helfen, da weiß man nicht wie. Aber die Ausstellung ist viel mehr: Sie zeigt ebenso viel über den Platz in dem wir leben, als auch davon, wie wir leben. Sie zeigt, welche Lebensmittel wo vorhanden sind und welche Essrituale in den einzelnen Ländern existieren. Wo wird viel Kaffee getrunken, wo mehr Tee? In welchem Land wird wie gefrühstückt? Welche Familien investieren Zeit und Liebe ins Essen, welche tauen nur Tiefkühlgerichte auf?

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Es ist eine Reise um die Welt, die Peter Menzel und Faith d’Aluisio uns erlauben und wir sind gerne mit ihnen unterwegs. Wir kriechen fast in die Bilder, um genauer zu erkennen, welche Lebensmittel konsumiert werden, oder um bestimmte Gemüsesorten zu bestimmen. Wir lachen über die schiere Lebensfreude einer 100jährigen Japanerin, die im Rollstuhl in der Küche ihrer Tochter neben einem Haufen Essen sitzt. Ich bekomme es bei einer australischen Familie mit der Angst zu tun: Nach der Masse von Fleisch auf ihrem Tisch zu urteilen, scheinen sie allein verantwortlich zu sein für das Aussterben bestimmter Tierarten. Und die Frage, die wir uns immer wieder stellen, ist: Essen WIR auch so viel? Wie viel essen wir eigentlich in einer Woche? Denn das war die Vorgabe: Jede Familie präsentiert die Nahrung einer Woche. Ist es möglich, dass eine norwegische Familie mit fünf Personen 21 Liter Milch pro Woche verbraucht? Eine deutsche Familie 18 Liter Saft? Und die Masse an fester Nahrung – essen wir etwa auch so viel?

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Wisst Ihr, welche Mengen Ihr pro Woche esst? Und was Ihr so esst? Ich glaube, ich esse zu ungesund. Zucker, Kohlenhydrate und unzählige Zusatzstoffe vergiften meinen Speiseplan. In der ersten Januarwoche werde ich also jeden Einkaufszettel sammeln, um Euch am Ende meine Nahrungswoche zeigen zu können. Nicht nur Euch – vor allem mir! (Die Weihnachtszeit eignet sich wirklich nicht dafür, finde ich. Gibt ja ein vöööööllig falsches Bild! Stimmt’s?) Und dann werde ich mir ein Kochbuch aus Guatemala kaufen, denn dort saß meine Lieblingsfamilie der Ausstellung. Bei Familie Mendoza wäre ich gern mal zum Essen eingeladen!

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Nach dem vielen Herumlaufen mussten wir uns mal setzen. Wie nett, dass das Nobelzentrum eine Unterhaltungsecke geplant hatte. Die fanden wir nicht nur zum Sitzen hervorragend! Holzwürfel mit Tastfächern ließen uns verschiedene Gemüse- und Obstsorten raten – unsere Favoriten waren aber die Geruchswürfel, in denen man – Nase voraus – Gewürze erkennen sollte. Ein großer Spaß! Abschließend erfuhren wir die Lieblingsgerichte verschiedener Nobelpreisträger und ich bin nun im Besitz der Rezepte von Jimmy und Rosalynn Carters Auberginenkasserollen, Shirin Ebadis Bohneneintopf und Barack Obamas Familienchili.

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„Hva spiser verden? Was isst die Welt?“ macht nachdenklich. Viele Herausforderungen, die unsere Erde heute zu stemmen hat, resultieren aus unserem Bedürfnis nach Nahrung. Nach zuviel Nahrung. Nach Nahrung, die Weltreisen unternehmen muss, um mir und meinem Körper etwas Energie zu geben. Wahnwitzige Energie wird verbraucht, um meinen 60-Kilo-Motor anzutreiben. Da sollten wir alle wirklich mal genauer drüber nachdenken.

Finde ich.

***

Das war es für heute, meine lieben Leser! Allen in Oslo und Umgebung lege ich die Ausstellung ans Herz – im Moment ist der Eintritt sogar kostenlos. Am 10.12. wird der Friedensnobelpreis an die OPCW verliehen, gefolgt von einem abendlichen Fackelzug von Oslo S zum Grand Hotel an der Karl-Johans-Gate und einem Konzert am 11.12., dieses Jahr moderiert von Claire Danes. Teilnehmende Musiker sind unter anderem Mary J. Blige, James Blunt, Morrissey und der syrische Sänger Omar Souleyman. Eine ganz besondere Woche wird das hier in Oslo.

Ich werde auch eine ganz besonders schöne Woche haben –  in Hildesheim 🙂 Von Mittwoch zu Mittwoch fliege ich in die Heimat. Nächste Woche wird es also keinen Blog geben und wir lesen uns wieder am 13.12. Irgendwer hier abergläubisch?? 🙂 Meine wöchentlichen Grüße gehen in dieser Woche an Euch alle meine lieben Leser, danke, dass Ihr da seid. Ich wünsche Euch einen wunderschönen ersten Advent, genießt die Zeit, vergesst den Stress und guckt häufiger mal auf Euren Teller oder in Euren Kühlschrank und realisiert, wie gut es uns allen geht.Und dann teilt mit denen, die nichts haben.

Und wenn Ihr jetzt denkt: „Ich hab nichts.“ – dann denkt nochmal.

Ha det bra,

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Ulrike

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Norwegen meldet: Lieferschwierigkeiten!

@dpa

Meine lieben Leser aus Nah und Fern, schön, dass wir uns hier wieder treffen! Besonders begrüße ich alle neuen Leser und die, die meinen Blog seit kurzem abonnieren. Schön, dass Ihr alle da seid.

Ich bin es heute nicht.

Also, ich schon, physisch bin ich vorhanden, aber mein Hirn hat Lieferschwierigkeiten und mein Terminplan Koordinationsstörungen. Nun wollte ich aber nicht ohne ein nettes Wort ins Wochenende entlassen und hoffe, Ihr verzeiht mir meine Verspätung und freut Euch auch morgen noch über den Blog.

Wir sehen uns also morgen nachmittag in alter Frische, vergnügt und in Weihnachtsstimmung und ich werde Euch von einer fantastischen Ausstellung im Friedensnobelzentrum berichten.

Bis dahin,

ha det,

Ulrike 🙂

Ich will keinen Winter!! ODER Norwegen, das ist für mich….

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Ja, ja, ja, es hat geschneit. Ich hab‘s gelesen. Ja, alle holen ihre Skier heraus, entstauben die Pudelmützen, wienern die Winterstiefel und sind in Habachtstellung. Wann fällt die erste Flocke in Oslo? – Ich? Ich nicht. Wer hätte das jemals gedacht, aber mein erster Winter in Norwegen hat mich zum Sommerfan mutieren lassen. Winter ist schön? Pff.

Hallo, meine lieben schneebegeisterten Leser, schön, dass wir uns hier wiedertreffen. Da ist man sein Leben lang ein begeisterter Fan der weißen, kalten Masse und plötzlich hört das auf. Ein neues Land verändert, erweitert den Horizont, schränkt ihn manchmal auch ein. Erinnert Ihr Euch an meine Liste der Dinge, die für mich Deutschland sind? Heute, ohne besonderen Grund, einfach, weil ich Lust darauf habe, beginne ich eine Liste aller Dinge, die für mich Norwegen sind. Völlig wertungsfrei und offen für Eure Ergänzungen oder Fragen. Ihr müsst gaaaaaanz langsam lesen, damit jeder Begriff die Chance hat, ein Bild in Eurem Kopf entstehen zu lassen! (Und auch, weil der Artikel heute sehr kurz ist und Ihr es dann nicht so merkt…)

Los geht’s…..

Norwegen, das ist/sind für mich:

Winter, Schnee, Skilaufen, hinfallen, Waffeln, heiße Schokolade am Frognerseteren, wunderschöne Ausblicke, Natur, Natur, Natur, im Sommer am See liegen, Paradiesbukta, Birken, Picknick, 17. Mai, Nationalstolz, Ibsen, Nationaltheater, Oslo, Trondheim, Stavanger, Bergen, Tromsø, Touristen-Idylle, Blockhaus, Fjord, Murmeltiere, König Harald, Königin Sonja, Mette Marit, Haakon, NRK, Aftenposten, Kiwi, Meny, Rema1000, Deutsche Gemeinde, Frogner, Majorstuen, 22. Juli, Spitzbergen, Lofoten, Bergenbahn, Rentiere, Wölfe, Lumpen, Türen werden nicht aufgehalten, Englisch, Lutefisk, Jo Nesbo, Katzenjammer, Norwegian Wood, Frognerpark, 100km/h auf der Autobahn, Entfernungen, Freunde, Offenheit und Toleranz, Skiwachs, Gespräche über Skiwachs, T-Bane, „Dørene lukkes“, Vorspiel und Nachspiel, Russ, betrunkene Teenager am Freitagabend, Slow-TV, Stricken, Arne und Carlos, Akerselva, hohe Preise (kommt erst jetzt, ich scheine mich echt dran gewöhnt zu haben), Lässigkeit, Traditionen, Klassenbewusstsein, Demokratie, Monarchie, Kälte, handgestrickte Handschuhe, Sami, Lachs, Kaviar aus der Tube, Grandiosa, Kaffeebrenneriet, Waynes Coffee, Tim Wendelboe, Platz, Ruhe, entspannte Mitmenschen, finanzielle Sicherheit, Polarlicht, Eisbären, Hurtigrute, Hüttentour, Außenklos, Holzhäuser, Segelboote, Color Line, Norwegian, Schach, Skisprung, Biathlon, Moods of Norway, Merinounterwäsche, Wollsocken, sportfanatisch, Ehrgeiz, Valerenga, Dromedar in Trondheim, Sommernächte, Winterabende, Gløgg, Pepperkakehus, lila Adventskerzen, Rømme, NOK, Sirup, bokmål und nynorsk, Det Norske Teater, bamsemums, Monolith, Freia, NACHBARN MIT SCHLECHTEM MUSIKGESCHMACK…..RUUUUUHE!!!!!, viele Deutsche, Trolle, Walfang, Mangel an Vegetariern, 5 Millionen Einwohner, Einwanderungsland, EU-skeptisch, freundlich…..

Eine sehr persönliche Liste, in der bestimmt soviel fehlt, wie überflüssig ist. – Nun bin ich gespannt auf Eure eigenen Eindrücke! Was ist für Euch, als Besucher oder Bewohner, Norwegen?

Meine wöchentlichen Grüße gehen diese Woche nach Hamburg und an wonderful Ines, die nächste Woche nach Oslo kommt! Wir freuen uns auf dich!!! Ich wünsche Euch allen eine tolle Woche, sucht nach etwas Besonderem im Alltäglichen, freut Euch auf den Winter (ich arbeite noch daran) und plant ein Winterprojekt! Wir haben heute Nachmittag die zweite Probe fürs Krippenspiel an der deutschen Schule – noch immer mit drei Marien und zu wenig Hirten. Am Wochenende ist Christkindlesmarkt in der Kirche und damit die Weihnachtsstimmung in voller Fahrt! Ich werde einen Gløgg auf Euch trinken, meine lieben Leser!

Ha det bra,

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(Kritischer Blick aus der Vergangenheit in die weiße Zukunft………)

Ulrike

Fotosafari Oslo Teil 4: Vålerenga ODER Fußball, Dialekt und Anti-Frogner-Zone

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Irgendwie bin ich fast nie im Osten der Stadt. Das hat gar keinen besonderen Grund, das ergibt sich einfach nicht. Wir kaufen hier im Westteil der Stadt ein, die meisten unserer Freunde leben hier, die deutsche Gemeinde ist hier, und und und. Der Osten ließ mich bisher immer eher kalt. Bis heute! Für diesen Blog habe ich die unsichtbare Grenze der Stadt überschritten und bin nach Vålerenga, oder, wie die Kenner sagen,  Vål’enga,  gefahren. Und Auslöser dafür war ein Theaterbesuch….

Hallo, meine lieben Leser aus Ost und West, Norden und Süden, wie schön, dass wir uns hier wieder treffen. Heute nehme ich Euch mal wieder mit auf eine Reise durch Oslo – auch wenn das Wetter im Gegensatz zu den letzten Tagen novemberschmuddelig ist. Gut, dass der Stadtteil, den ich Euch vorstellen will, so viele bunte Häuser hat.

Alles begann Ende Oktober: Martin rief an und erklärte begeistert, er hätte über seine Firma Theaterkarten gewonnen. „Prima!“, rief ich. „Für welches Stück denn??“ Ja, und da lag der Hase im Pfeffer oder der Elch im Zimt. Die Karten waren für eine musikalische Revue mit dem rebellischen Titel „Neste Kamp“ (Nächster Kampf), produziert zum 100jährigen Jubiläum des Fußballclubs Vålerenga.

Oh.

Genau.

Aber wir sind ja neugierige Menschen und da wir weder das Oslo Nye Theater noch das Stück kannten oder besonders viel über den Fußballverein wussten, machten wir uns also auf den Weg – und erlebten einen Theaterabend, den ich so schnell nicht vergessen werde.

Zum näheren Verständnis einige Punkte vorweg:

  • Vålerenga ist nicht nur ein Fußballverein, sondern eben auch ein Stadtteil von Oslo. Früher selbständig, heute Teil von Gamle Oslo. Der Stadtteil gehörte früher zu den ärmsten der Stadt und vielleicht trug die geteilte Armut dazu bei, dass der Zusammenhalt zwischen Hedmarksgata und Enebakkveien schon immer besonders groß war.
  • Der 1913 gegründete Fußballverein des VIF (Vålerenga Idrettsforening) ist ein Heiligtum und auch wenn die Karriere des Vereins eine Berg- und Talbahn war (und ist), verbindet er die Herzen der Menschen. „Stell dir vor, du sitzt in einem Theaterstück über Schalke“, hatte Martin mir erklärt, bevor die Show begann. Ok. ??
  • Der Osten von Oslo war früher, und ist teilweise auch heute noch, das Arbeiterviertel. Der lokale Patriotismus ist hoch und man ist stolz auf seine Herkunft. Größte Abneigung: Fuzzies aus dem Westen der Stadt, speziell aus Frogner. Ups.
  • Der Dialekt in Vålerenga ist ganz und gar anders als im Westen und beide Stadtteile ziehen gern die Aussprache des jeweils anderen ins Lächerliche. „Vindretningen skapte språkskillene i byen“, heißt es: Die Windrichtung hätte den Sprachstil der Stadt geschaffen. Seit dem 19. Jahrhundert standen die qualmenden Fabriken im Osten, dort lebten die Arbeiter und ihre Familien. Die Wohlhabenden verzogen sich in den Westen der Stadt – weit weg vom stinkenden Wind und Qualm des Arbeitermilieus. Die Sprache ist Osten ist deftiger und führt im Westen angeblich zu gerümpften Nasen. Beispiel gefällig? Wie wäre es mit einem der Schlachtrufe von Vålerenga? „Enga er tilbake, jævla bondesvin.“ Grob übersetzt: Vålerenga ist zurück, du verdammter Schweinehalter!
  • Fußball und Dialekt sind die beiden verbindenden Elemente in Vålerenga.

Nun saßen also wir beiden zugezogenen West-Städter im Oslo Nye Theater und die Show begann. Der Plot ist einfach zu erzählen: Becky, eine Journalistin aus Bestum (West-Oslo) wird nach Vålerenga geschickt, um den 100jährigen Henry Abelsen (geboren am Gründungstag des Sportvereins) zu interviewen. Von Anfang an ist der Klassenkampf deutlich: Becky redet „falsch“, ist komisch angezogen, trinkt Mineralwasser aus der Flasche und hat, das wohl das allerschlimmste, keine Ahnung von Fußball. Nach jedem Klischeewitz dröhnt der Saal vor Lachen – ich hätte so gerne mitgelacht, aber vieles ging absolut an mir vorbei. Das Happy End bekam ich aber mit: Am Ende sind die beiden Stadtteile, aka Henry und Becky, Freunde und man feiert gemeinsam 100jährigen Geburtstag! Auch das Publikum ist in Feierlaune. Und was für ein Publikum das ist! Vergesst das Bildungsbürgerpublikum oder die Bohemiens mit zerrissenen Boss-Jeans – hier sitzen Vålerenga-Fans, hier sitzen die Klanen ! Vereinsfahnen in der Hand, Vereinsschals um den Hals, viele im Trikot ihrer Lieblingsspieler und alle stolz auf ihren Verein. Es wird laut gejubelt und noch lauter mitgesungen, als von der Bühne das Lied ihres Vereins ertönt.  Am Ende der Vorstellung stehen wir alle, schwenken mit den Armen (ich völlig ahnungslos, warum eigentlich) und jubeln im Chor. Zuschauer, Darsteller und Musiker sind voneinander begeistert. Nach knapp zwei Stunden ist der Spuk vorbei. Im Hinausgehen erklärt Martin mir die Erfolge und Misserfolge des Vereins genauer, während hinter uns ein älterer Herr zu seiner Frau sagt: „Ja, das war das Vereinslied, das singen sie dann auch im Fußballstadion.“

Muss ich erwähnen, dass wir vier später gemeinsam in der U-Bahn Richtung Westen saßen?

Es war ein toller Abend und ich wollte nur noch eines: Ab in den Osten, ab nach Vålerenga.

Zwei Wochen später geht es endlich los: In der Stadtteilbibliothek Majorstuen versorge ich mich mit Lesematerial und finde ein hervorragendes Buch: Vålerenga – en bydel med sjel. In einen Stadtteil mit Seele fahre ich also. Hinein in die U-Bahn Richtung Mortensrud. Nur sechs Stationen trennen den Westen vom Osten, ich verlasse die U-Bahn in Ensjø und stehe kurz Zeit später an der Etterstadgata. Velkommen in Vålerenga, ruft mir niemand entgegen – wer denn auch? Die Straßen sind menschenleer. Nun würde ich das an einem Samstagnachmittag verstehen, wenn die gesamte Nachbarschaft im Ullevålstadion Schweinehalter verflucht, aber heute ist Donnerstag. Trotzdem keiner da. Vielleicht sitzen alle beim Mittagessen, es ist 11.30, da gibt es lunsj in Norwegen.

Egal, dann mache ich mich allein auf den Weg. Es ist schwer zu beschreiben, aber das Viertel strahlt ein Gefühl aus, das ich in anderen Teilen der Stadt vermisse. Vielleicht liegt es an den Geschichten, die ich bisher schon gehört und gelesen habe oder an den gemütlichen bunten Holzhäusern, die die Straßen säumen – irgendetwas ist hier anders. Ich wandere die Vålerengagata herunter, biege in die Ingeborgsgata ab und vor mir, erhöht auf einem Hügel, liegt die Kirche des Viertels. Es gibt kaum Geschäfte hier, und meine Suche nach einem Wayne’s Coffee gebe ich bald auf. Anscheinend bin ich schon völlig verwestlicht und erwarte Kaffeeläden an jeder Ecke. Bin ich etwa schon Becky aus Bestum? Ich laufe hier rum mit meiner Kamera und fotografiere Holzhäuser, während die Bewohner mich durch die kleinen Fensterscheiben beobachten und sich über mich lustig machen? Gerade als ich eine Runde verlegen sein will,  fällt mein Blick auf einen BMW, hinter dem ein Mercedes geparkt ist und bei genauerer Untersuchung finde ich weitere Premiumwagen in den Gassen. Aha! Der erste Waynes Coffee-Shop ist nicht mehr weit, ich ahne es! 😉

Die bunten Häuser heben meine Laune und ich mache mich auf die Suche nach Vålerenga-Fahnen. Aus irgendeinem Grund hatte ich mir die ganze Nachbarschaft mit Fahnen dekoriert vorgestellt. Aber nichts. Das ist ja nun schade. Vorbei an der Kirche und einem einsamen Mann auf einer Bank wandere ich gen Opplandsgata, als mir plötzlich eine Frau in einem Vålerenga-Sweatshirt samt Hund entgegen kommt! Cool, das wird ein passendes Foto, denke ich und frage freundlich (und auf Norwegisch), ob ich ein Foto machen dürfte, ich würde einen Blog schreiben über Oslo und in dieser Woche über Vålerenga. – Nun weiß ich nicht, was sie mehr verwirrt hat: Mein Norwegisch, meine Frage, mein Plan über Vålerenga zu schreiben oder meine rote Kamera, die ich schussbereit hielt. Nach einem irritierten Blick ließ sie mich auf jeden Fall stehen. Na, dann eben nicht!

Weiter ging es durch die leeren Straßen, vorbei an geschlossenen Restaurants und geöffneten Kiwi-Supermärkten, an Kindergärten in kleinen, bunten Holzhäusern und weiter zur Hauptstraße. Man merkt sofort, wenn das Viertel vorbei ist. Die Straße wird breiter, die Aussicht offener und die Holzhäuser weichen hässlichen Betonklötzen. Ich wandere den Akebergveien hinauf, stelle fest, dass ich nicht mehr weiß, wo ich bin und kehre zurück nach Vålerenga und mache mich auf den Weg nach Hause.

Viel könnte ich bestimmt noch schreiben über diesen spannenden Stadtteil, der mich an meinen Moritzberg zuhause erinnert, auch voll von Geschichte, Geschichten und stolzen Bewohnern, die sich nur „aufm Berge“ wohl fühlen. Ich werde das Buch des Geschichtsvereins Vålerenga weiter lesen und bestimmt noch mehr als einmal in den Osten zurückkehren und Euch mehr berichten. Als nächstes steht ein Eishockeyspiel auf meinem Kalender, vielleicht Vålerenga gegen Stavanger Oilers…..Ihr lest dann davon!

Zum Abschluss ein Gedicht von Kyter’n alias Wilhelm Holteberg Hansen, dem Hausdichter von Vålerenga, der sein Leben lang in der Islandsgata lebte.

Islandsgata – av Kyter‘n

Den gata jeg bor i er stille og rolig

I hele mitt liv har jeg her hatt min bolig.

(Die Straße, in der ich lebe, ist still und ruhig

Mein ganzes Leben lang hatte ich hier mein Domizil.)

Her vokste jeg opp blant et mylder av unger

Og utslitte mødre med angrepne lunger.

(Hier wuchs ich auf unter vielen Kindern

Und erschöpften Müttern mit angegriffenen Lungen.)

Og fedrene drakk for å prøve å glemme

Den bunnløse armod som rådde i hjemmet.

(Und Vätern, die tranken, um zu vergessen

Die bodenlose Armut, die zuhause herrschte.)

Ja, tidlig jeg stiftet bekjentskap med nøden

Som hjerteløs dømte så mange til døden.

(Ja, früh schon machte ich Bekanntschaft mit der Not

Die herzlos so viele in den Tod trieb.)

For mange var de som i kampen gikk under

Heroiske sjeler som levde som hunder.

(Für viele waren die, die im Kampf untergingen,

heroische Seelen, die wie Hunde lebten.)

I tankene ser jeg dem slite og streve

De ofret seg selv for at vi skulle leve!

(In Gedanken sehe ich sie kämpfen und ackern,

sie opferten sich selbst, damit wir leben können.)

Og ungene fødes og oldinger dør.

Og gata? Den ligger der stille som før.

(Und Junge werden geboren und Alte sterben.

Und die Straße? Die liegt dort so still wie zuvor.)

Meine lieben Leser aus Ost und West, aus Norden und Süden, ich höre Euch mit den Füßen scharren und sehe fast die Frage, die über Eurem Kopf steht: Fotosafari?? WO SIND DIE FOTOS????

Hier!

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Sotahjörnet (rechts Emblem vom Sportverein)

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Endlich eine Fahne!!! Ganz am Schluss entdeckt!

So, das war meine erste Tour nach Vålerenga….

Gratulation, Ihr habt das Ende der Fotosafari erreicht! Ich hoffe, sie hat Euch Spaß gemacht und Ihr begleitet mich nächste Woche wieder. Meine wöchentlichen Grüße gehen diese Woche an alle Moritzberger in meiner Heimatstadt Hildesheim: In der Bergstraße und am Krehlaberg, der Zierenbergstraße und der Elzer Straße, an der Gelben Schule und dem Entenbrunnen, der Christuskirche und Räder Emmel und und und – man ist nie wirklich weg von Zuhause, richtig?

Euch allen wünsche ich eine tolle Woche, seid mal wieder patriotisch, viel Glück bei neuen Jobs und alltäglichen Aufgaben, vergesst nicht zu lachen und ta det med ro!

Ha det bra,

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Ulrike

Verrücktes aus der norwegischen Fernsehwelt ODER Was bitte ist Slow TV???

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Wehe, es meldet sich morgen jemand zwischen 10.15 und 15.00 bei mir. Da kann ich nicht, da gucke ich Fernsehen. Das Highlight des Jahres bei NRK 1: Die Schach-WM. Live.

Hallo, meine lieben verwirrten Leser, schön, dass wir uns hier wieder treffen. Heute geht es einmal mehr um mein Lieblingsmedium und dessen Auswüchse hier im Norden. Begleitet mich also auf eine kurzweilige Reise in die Höhen (oder Tiefen?) der norwegischen Alltagskultur.

Bergensbanen, Hurtigrute und Nationale Stricknacht – Das Slow TV begeistert Norwegen

Vor einigen Tagen erreichte mich die Nachricht, dass der norwegische Sender NRK 1, vergleichbar mit ARD, beschlossen hat, die Schach-WM live zu übertragen. „Es ist vielleicht ein bisschen verrückt“, bewertete Programmchef Rune Haug die Idee. Ein BISSCHEN verrückt? Nein, Herr Haug, ein bisschen verrückt ist es, sich die Haare lila zu färben, Trolle zu jonglieren oder in der U-Bahn zu jodeln. Die Schach-WM zu übertragen ist VÖLLIG verrückt. – So verrückt, dass es schon fast wieder kultig ist. NRK hat Erfahrung mit ungewöhnlichen Sendeformaten: In 2009 lief auf NRK 2 die erste Folge der „minutt for minutt“ – Serie, bei der Zuschauer die populäre Bergensbanen auf ihrer Fahrt von Bergen nach Oslo begleiten konnten. Anlass für diese „verrückte Idee“ (NRK) war das 100jährige Jubiläum der beliebten Bahnstrecke. Das wirklich Verrückte war aber das Interesse der Zuschauer: Insgesamt 1,2 Millionen im In- und Ausland verfolgten die Übertragung, die von Samstag 19:55 bis Sonntag morgen 3:15 dauerte. Während dieser Zeit wurden Interviews mit dem Zugführer und mit Passagieren geführt, Bahnexperten kamen zu Wort und Zuschauer hingen fasziniert vor ihren Fernsehern, um ja keinen Moment der Reise zu verpassen.

(Erinnert Euch das an irgendwas? Genau, in Deutschland läuft so ein Programm nachts – es heißt „Die schönsten Bahnstrecken Deutschlands“ und wird als Füllmaterial genutzt. Ich stelle mir gerade vor, der NDR würde Samstagabends statt eines Krimis mit der Übertragung einer siebenstündigen Zugfahrt beginnen – was würde wohl passieren?)

Die Norweger liebten das Programm so sehr, dass im kommenden Jahr ein anderes Transportmittel verfolgt wurde: Die Hurtigrute. Diese traditionsreiche und bei Einheimischen wie Touristen beliebte Fährlinie wurde auf ihrer 134-stündigen Reise von Bergen nach Kirkenes LIVE begleitet. NRK 2 war erneut der ausführende Sender, und die Übertragung konnte am TV-Bildschirm oder per Livestream im Internet verfolgt werden – komplett mit englischen und norwegischen Kommentaren. Über 2,5 Millionen Zuschauer begaben sich per NRK mit auf die Reise und an den Häfen, entlang der Küste und auf Brücken sammelten sich Norweger und Urlauber mit Bannern und Blumen, Grüßen an die Familie und der Hoffnung, für einen kurzen Moment im Fernsehen zu erscheinen. Und selbst die königliche Familie konnte sich der Begeisterung nicht entziehen: Als die Nord-Norge nach 134 Stunden den Hafen von Kirkenes erreichte, winkte Königin Sonja zur Begrüßung von der königlichen Yacht.

Warum Slow TV?

Vielleicht gibt es in Deutschland ja ähnliche Sendungen, von denen ich einfach nichts weiß? Wie hier in Norwegen, wo ich vor einer Woche ein erneutes Highlight des sogenannten „Slow-TVs“ verpasst habe: Nasjonale Strikkenatt. Ja, Ihr übersetzt das schon richtig. Die Nationale Stricknacht. 10 Stunden lang konnten interessierte Wollfanatiker alles über Strickmuster, Schafscheren, Spinngeräte und die Geschichte des gestrickten Sockens im Allgemeinen erfahren. Ihr glaubt mir nicht? Hier ist der Beweis: Nasjonale Strikkenatt. (Internationale Leser haben wahrscheinlich keinen Zugang. Sorry. Nicht meine Schuld!) Ich danke an dieser Stelle Jeanette dafür, dass sie mich auf dieses Schmankerl hingewiesen hat. – Fernsehen der Langsamkeit ist also das Wort der Woche. Nach Slow Cinema, Slow Food und Slow Sex nun Slow TV. Die Idee ist nicht neu: Schon 1966 filmte Andy Warhol den Dichter John Giorno sieben Stunden lang beim Schlafen und in den 1980er Jahren startete im britischen Fernseher Video125, bei der Züge auf ihrer Fahrt durch England begleitet wurden (eine Idee, die dann von der Deutschen Bahn übernommen wurde). Das Konzept der Norweger ist aber so erfolgreich, dass es bereits in die USA verkauft wurde und da stellt sich doch die Frage: Warum?

Ich meine, mal ehrlich, wie spannend ist es, einen Zug oder ein Schiff zu beobachten?

Überhaupt nicht, und das scheint der Punkt zu sein. Keine Angst, ich verfalle nicht in abgenutztes Gejammer über unsere schnelllebige Zeit, blablabla. Denn würden wir nicht so schnell leben, wie groß wäre dann die Chance das Slow Food oder Slow TV Erfolg hätten? Na, eben. Auf die Kontraste kommt es an. Auf einmal hat unser Hirn nichts anderes zu tun, als aufs Wasser zu starren, oder auf die vorbeifahrende Natur. Eine Erholung! Und wir gucken sieben Stunden lang einem Zug zu, oder 134 Stunden einem Schiff und werden gaaaaanz ruhig. Ommmmmmmm. Oder beschäftigen uns 10 Stunden lang nur mit Stricken und Wolle. Oder 5 Stunden lang mit Schach.

Abschließende Gedanken zur Schach-WM und virtuelle Diskussion

Nun werden alle Schachfans wahrscheinlich seit Beginn dieses Textes ärgerlich mit den Füßen zucken, denn für sie ist Schach bestimmt eine unglaublich spannende Sportart, die ihren Platz im nationalen Fernsehen mehr als verdient hat. Mal ehrlich, schließlich wird ja auch Fußball übertragen oder…TENNIS!! Und das ist jawohl mindestens so langweilig wie….

Bitte?

…unglaublich öde und…

BITTE?

…pock pock….gäähn….

HALLO??? Das ist mein Blog und bisher habe ich hier keine fremden Stimmen erlaubt und wenn ich das eines Tages zulassen würde, wären es UNTER GARANTIE keine Anti-Tennis-Stimmen. IST DAS KLAR?

…pock…

RAAAAUS!!!!!

*schnauf*

Wo war ich? Nun also kommt die Schach-WM und ich bin gespannt. Der Grund, warum NRK sich zu dieser radikalen Programmgestaltung entschloss, hat den selben Grund, wie die plötzliche Übertragung der Frauen-Fußball-WM im französischen Fernsehen: Nationalstolz. So, wie die französischen Damen unerwartet erfolgreich am Ball waren, schiebt seit einiger Zeit Magnus Carlsen mit Geschick Figuren übers Brett. Der 22jährige Norweger ist die momentane Nr. 1 der Schachweltrangliste FIDE und seine Wertungszahl überstieg im Februar 2013 die von Schachlegende Garri Kasparow. Sein Jahreseinkommen liegt bei geschätzten 1,2 Millionen US-Dollar und dank ihm wächst das Interesse in Schach hier im Land. Mein Interesse an Schach ist gering, was auch daran liegen könnte, dass ich die Regeln nie vollständig begriffen habe. Um mal ehrlich zu sein: Ich spiele derartig schlecht Schach, dass es Partien gab, in denen sich mein König aus purer Verlegenheit ergeben hat.

Aber das wird sich ab morgen alles ändern: 10.15 NRK1. Was nehme ich denn am besten mit vor den Fernseher? Popcorn? Zu gewöhnlich. Chips? Irgendwie die falsche Uhrzeit für Junkfood. Vielleicht brunchen wir einfach gemütlich vorm Fernseher und nicken bedächtig, wenn Magnus eine Figur bewegt. Wie lange dauern denn eigentlich Schachspiele? Die Live-Übertragung endet nach 4 Stunden, was, wenn das Spiel dann gerade so spannend ist und einer kurz davor ist „Uno“ zu rufen?

Nee, Moment.

„Hochzeit“ zu rufen und die Füchse fängt!!

Nee, wartet mal, Schach, das ist das mit den Figuren und den unterdrückten Bauern und da sagt man….

„Remis!“

Jawoll.

Oder so.

Ich habe ja noch ein bisschen Zeit zum Lernen.

Die wöchentlichen Grüße an….

Das war es für heute, meine lieben Leser, für mich war dieser Ausflug ein großer Spaß und ich werde Euch auf dem Laufenden halten über die Ereignisse der Schach-WM, die Ihr in Deutschland ja leider nicht live verfolgen könnt. Tut mir leid! Ansonsten ist hier alles prima, wir erwarten gespannt den ersten Haushaltsplan der neuen norwegischen Regierung und noch gespannter die ersten Schneeflocken. Meine wöchentlichen Grüße gehen in dieser Woche an alle, die, wie ich, keine große Lust auf Schnee haben. Seid Ihr da irgendwo???

Euch allen wünsche ich eine tolle Woche, haltet die Augen offen für Neuigkeiten, wechselt immer mal wieder das Tempo und vergesst nicht zu lachen.

Ha det bra,

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Ulrike

London und Oslo – Ein (nicht ganz gerechter) Vergleich

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London ist eine der tollsten Städte, die ich kenne. Ich meine, Halloo?, London hat so viele Theater, dass ich mindestens vier Monate lang jeden Abend ein anderes besuchen könnte, ohne mich zu wiederholen. Naja, falls ich Tickets bekäme, denn DAS ist nicht immer leicht. Da ähneln sich London und Oslo – ausverkaufte Vorstellungen sind keine Seltenheit.

Hallo, meine lieben internationalen Leser, schön, dass wir uns hier wieder treffen. Vier Tage London – in Kurzfassung: Grandios! Aber es war auch schön, wieder zurück nach Oslo zu kommen. Die Unterschiede zwischen den beiden Städten könnten größer nicht sein, doch Obacht, es gibt auch Gemeinsamkeiten und wer glaubt, dass London im Vergleich immer die Nase vorn hat, der sollte sich an selbige fassen und erneut nachdenken. Es folgt also, ein (möglichst gerechter) Vergleich. In zehn Kategorien werde ich meine ganz persönlichen Erfahrungen gegenüberstellen, das kann totaler Nonsens sein, aber das ist ja nun mal mein Blog und ich darf das! Und natürlich ist es fast unmöglich, eine 600.000-Einwohner-Stadt mit einer 8-Millionen-Einwohner-Metropole zu vergleichen, aber ich mache es trotzdem. Jawoll! Für empörte Proteste oder begeisterten Zuspruch steht Euch das Kommentarfeld zur Verfügung! 🙂 Los geht’s also – Oslo vs. London!

1. Königshaus: Queen Elisabeth vs. König Harald

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Selbstverständlich ganz oben auf meiner Liste (Therapieerfolge im Kampf gegen ausgeprägte Klatsch- und Tratschsucht und Gefallen an Königshäusern sind bei mir bisher nicht zu vermelden). Beginnen wir beim Schloss: So hübsch das norwegische Schloss auch inmitten von Bäumen gelegen ist; auch wenn es gerade einen funkelnagelneuen Vorhof bekommen hat; auch wenn man als Besucher fast an die Tür klopfen kann, bevor ein freundlicher Soldat sich nähert – alles nichts gegen Buckingham Palace. Hier, wo die ganze Welt live dabei ist, wenn sich auf dem königlichen Balkon geküsst wird oder wenn Blumenmeere vor den Toren liegen – hier weht ein royaler Wind. Als ich mit vielen anderen Touristen vor dem haushohen schwarzen Metallzaun stehe, frage ich mich für einen Moment, ob ich noch alle Tassen im Schrank habe, aber der Moment geht so fix wie er gekommen ist.

So beeindruckend der Palast ist, so unnahbar wirken seine Bewohner. Die norwegische Königsfamilie hingegen gilt als volksnah, was allerdings auch daran liegen kann, dass sie vom Volk eingesetzt und daher auch vom selbigen abgesetzt werden könnte. Da stellt man sich besser gut…. Klatsch und Tratsch bieten beide Häuser, ich gehe jetzt nicht ins Detail, keine Sorge. Der Vergleich der beiden Regenten fällt leicht: Elisabeth ist eine toughe Lady, die sich seit 60 Jahren von nichts unterkriegen lässt und Corgies liebt. Harald fläzt sich schon mal auf dem Stuhl bei der Verleihung des Friedensnobelpreises und segelt gern. (Was heißt hier, das sind komische Kriterien??????)

Meine Stimme geht an Elisabeth und insgesamt die britische Monarchie und deren Zentralvertretung in London. Das war einfach.

London – Oslo 1:0

2. Transport: Tube vs. T-Bane

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Auch wenn in London vieles zu Fuß gemacht werden kann, kommt der Besucher doch nicht daran vorbei, die Tube (sprich: tjuub), die Londoner U-Bahn, zu benutzen. Und DAS ist ein Abenteuer. Das System an sich ist simpel genug und ähnelt dem in allen anderen Städten: Es gibt verschiedene Linien, hier in Oslo haben sie Nummern, in London heißen sie u.a. Central Line oder District Line, Hammersmith&City oder Piccadilly. Unser Hotel lag in der Nähe von gleich zwei Stationen: Bayswater und Queensway. Die letztere ist Teil der Central Line und brachte uns in nur wenigen Minuten in die Innenstadt. In London wie in Oslo gibt es aufladbare Plastikkarten, die das Papierticket ersetzen und sehr praktisch sind. Die Londoner Oyster-Card liegt nun also hier in Oslo und wartet auf ihren nächsten Einsatz. So weit, so gut und so ähnlich sind sich die beiden Städte. Aber dann kommt der riesige Unterschied: Die T-Bane ist eine angenehme, saubere Transportmöglichkeit mit Sitzplätzen. Die Londoner Tube ist ein Stresscontainer. Eine Sardinenbüchse auf Schienen. Eine Zumutung! Zu viele Passagiere wollen in zu wenig Waggons transportiert werden, es wird geschubst und gedrängelt und geschubst und gedrängelt. Und das bei den höflichen Briten! Der Punkt geht in diesem Fall ganz eindeutig nach Oslo!

London – Oslo 1:1

3. Vegetarisches Essen

Heaven is a place on earth, war unser erster Gedanke im Manna, einem wunderbaren Restaurant im Londoner Stadtteil Primrose Hill. Da gab es vegetarische Würstchen mit Fenchelkartoffelmus, Kroketten aus Peperoni-Cashew-Käse oder Artischockenherzen gefüllt mit Ricotta. Eine ganze Speisekarte voller vegetarischer Köstlichkeiten – und das war nur eines der zahlreichen rein vegetarischen Restaurants in der Stadt. Anstatt wie immer zum Inder zu gehen oder zu Khrishnas Cuisine hatten wir in London eine Auswahl von mindestens zehn Restaurants. Da fühlt man sich doch gleich als normaler Mensch und nicht als Aussatz der fleischessenden Gesellschaft. UND geschmeckt hat es auch noch im Manna! Empfehlung an alle, die in London abends nett essen gehen wollen: Fahrt in den Norden und genießt die nette Atmosphäre.

London – Oslo 2:1

4. Kultur: National Gallery vs. Nationalgaleriet

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Muss ich natürlich aufführen, obwohl der Vergleich hier schon fast ungerecht ist. Aber dann auch wieder nicht, schließlich brüstet sich Oslo an mehr als einer Gelegenheit damit, das neue New York oder London zu sein. Im Kulturbereich kann ich dem ein entschiedenes „Nein!“ entgegensetzen. Die Anzahl und Qualität der Theater allein reicht dafür schon aus. Die norwegische Nationalgaleriet würde auf eine Etage der National Gallery passen, von den architektonischen Highlights der britischen Hauptstadt ganz abgesehen. Wo in London die Luft kreativ vibriert, weht in Oslo ein kreativer, aber provinzieller Frühlingshauch.

London – Oslo 3:1

5. Preise

Ich habe Hunter Gummistiefel gekauft für 500 NOK!!!! In London! 500!!!! Das verstehen jetzt nur die Leser aus Oslo, wo diese beliebten Plastikschuhe für sagenhafte 1500 bis 1700 NOK über den Ladentisch gehen. Und das ist nur ein Beispiel für das Ungleichgewicht zwischen Preisen in Norwegen und …. naja, allen anderen Ländern eigentlich. Oslo wurde erneut zur teuersten Stadt der Welt gekürt. In London einkaufen zu gehen, das war schon ein Urlaub an sich. Auf einmal haben Dinge wieder angemessene Preise. Es geht gar nicht so sehr darum, dass wir in Norwegen sehr viel mehr verdienen als in anderen Ländern. Es geht darum, dass die Flasche Mineralwasser in Oslo 2,- Euro kostet und die Salatgurke auch. Mit einem norwegischen Gehalt im Ausland zu leben, das wäre klasse!

London – Oslo 4:1

6. Bevölkerung

Zurück in Oslo hatte ich nach vier Tagen zum ersten Mal wieder das Gefühl durchatmen zu können. Platz um mich herum zu haben. In London ist immer irgendwo irgendwer. Ich finde das am ersten Tag absolut wunderbar, lasse mich gern mitreißen im Menschenstrom und habe das Gefühl, meinen Energiespeicher aufzutanken in dieser sich bewegenden Menschenmasse. Danach beginnt es mich zu stören. Am liebsten hätte ich immer, ganz in Dirty Dancing-Manier, gerufen: „Das hier ist mein Tanzbereich und das ist deiner, du kommst nicht in meinen und ich nicht in deinen.“ Oxford Street in London war eines unserer ersten Ziele – ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal so viele Menschen auf einem Haufen gesehen hatte. Und alle sind in Bewegung und alle haben es eilig. Hier in Oslo „ta vi det med ro“, wir lassen es ruhig angehen. (Obwohl viele Norweger nichts von ihrer hektischen Großstadt halten, es kommt eben immer auf die Perspektive an.) Hier bleibt man mal auf der Straße stehen, um sich zu unterhalten, hier kann man über die Karl Johan bummeln, ohne dauernd angerempelt zu werden und selbst in der täglichen Rush Hour sind die T-Bane-Eingänge passierbar. Allerdings ist die Bevölkerung in London auch unterschiedlicher als in Oslo. Gerade hier im Westen der Stadt herrscht Konformität, aber auch beim Besuch der Innenstadt ähneln sich die Menschen. In London ist alles durcheinander: Punker, Rentnerin mit rosa Haaren, Geschäftsmann im teuren Anzug, ein Priester und eine junge Mutter sitzen mir gegenüber in der U-Bahn und diese Vielfältigkeit macht die Stadt spannend. Aber sie ist einfach zu voll. Deswegen ein klarer Punkt für Oslo!

London – Oslo 4:2

7. Umgangsformen

In der vollen Londoner U-Bahn tritt mir ein Mann auf den Fuß, dreht sich sofort um und entschuldigt sich. Ich gucke ihn mit großen Augen an. Im Hotel öffnet man mir die Tür ins Restaurant und im Britischen Museum kommt ein junger Mann zurück, der mir die Tür vor der Nase hat zufallen lassen, öffnet sie und lächelt entschuldigend. Ich bekomme es bei so viel gutem Benehmen fast mit der Angst zu tun. Hier in Oslo ist das anders. Immer noch habe ich nicht genau verstanden, warum, Janteloven hin oder her. Für mich ist und bleibt es unhöflich, eine Tür zufallen zu lassen oder seinen Sitzplatz nicht anzubieten, obwohl eine ältere Dame neben mir steht. Vielen Norwegern fällt das gar nicht auf, oder sie empfinden höfliche Gesten als aufdringlich. In London hatte ich endlich wieder das Gefühl, in der, für mich, normalen Welt zu sein.

London – Oslo 5:2

8. Lebensgefühl

Der elektrische Schock in London hat zwei Tage angehalten, danach habe ich die Stadt als anstrengend empfunden. Klar, wir waren auch fast 14 Stunden täglich unterwegs sind von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit gewandert und von Café zu Café. Im Hyde Park konnten wir Luft schnappen und den Trubel vergessen und vor Picassos Sonnenblumen zu stehen war genauso ein wunderbarer Moment, wie den Gottesdienst in der St. Paul’s Cathedrale mitzuerleben. Aber hier in Oslo fühle ich mich besser, gesünder irgendwie, auch wenn das eine komische Beschreibung ist – vielleicht versteht es ja irgendwer? Es ist immer ein Unterschied, Tourist oder Einwohner zu sein, klar, aber ich denke, ich würde in London länger brauchen, um mich einzugewöhnen als hier in der gemütlichen Stadt am Fjord.

London – Oslo 5:3

9. Sport

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Ich sage nur: Wimbledon. WIMBLEDON! W I M B L E D O N !!!!!!! Würden wir in London wohnen, könnte ich mein alljährliches Sport-Highlight live sehen! In Oslo finden die norwegischen Tennismeisterschaften jährlich auf einer Anlage am Frognerpark statt. London bietet außerdem Premier League Football mit Chelsea und Arsenal UND, für Martin besonders wichtig, die NFL (National Football League, USA), veranstaltet immer mal wieder Spiele in der britischen Hauptstadt. Ob die Londoner selber viel Sport machen, weiß ich nicht, ich habe kaum wen gesehen. Ganz im Gegensatz zu Oslo, wo man geradezu überrannt wird von Joggern, Skiläufern oder Radfahrern. In Oslo wird sich gerne und viel bewegt und bald überträgt sich der Sportwahn auch auf die unsportlichsten Kreaturen wie mich zum Beispiel. In dieser Kategorie bin ich unentschieden und gebe beiden Städten einen Punkt. Tollen Sport zu gucken oder selber machen – da fällt die Wahl schwer.

London – Oslo 6:4

10. Natur

Der Hyde Park als Londons grüne Lunge ist eine schöne Abwechslung im Betongrau der Stadt. Kew Gardens und Hampstead Heath sind schöne Ausflugsziele und die englische countryside ist eine Reise wert. Es gibt viele Möglichkeiten, sich in der Natur zu erholen…aber…es kommt nicht an Oslo ran. Gelegen zwischen Fjord und schier unendlichen Waldgebieten, mit klaren Seen und kilometerlangen Wanderwegen ist Oslo einfach unschlagbar. Da gibt es nichts zu wollen, da gewinnt Oslo kilometerweit und wenn ich könnte, würde ich Oslo dafür glatt zwei Punkte geben.

Moment, ist doch mein Blog hier, oder?

Da kann ich machen, was ich will!!!

FREIHEIT!!!

2 Punkte für Oslos Natur. Oslo: Deux points!

Damit sieht das Endergebnis nach diesem mehr als subjektiven Vergleich wie folgt aus:

London – Oslo 6:6

Na toll, wie soll ich mich denn da entscheiden?

Muss ich ja gar nicht im Moment.

Aber vielleicht bald, denn London steht weiterhin auf der Liste unserer Wunschwohnziele. Warten wir ab, was passiert.

Das war es für heute, meine lieben internationalen Leser. Heute Abend ist Teestube und morgen Theatertag. Unser Theater-Projekt wächst und gedeiht und wird bestimmt fantastisch und deswegen schicke ich heute mal meine wöchentlichen Grüßen an eine super Gruppe, die sich voller Ideen und Spaß auf Shakespeare gestürzt hat: Astrid, Lina, Friedbert, Mandy, Erik, Christine, Christina, Isa, Birgit und Claudia. Mitte November starten wir außerdem ein Theaterprojekt an der deutschen Schule und werden mit hoffentlich lauter begeisterten Drittklässlern das diesjährige Krippenspiel einstudieren. Ich bin also mittendrin in der Kulturpädagogik – schön ist es.

Euch allen wünsche ich eine tolle Woche, fahrt oder geht mal wieder an einen neuen Ort, begegnet Euren Ängsten (wie ich auf dem Dach von St. Paul’s) und begrüßt den tristen NOvember mit einem strahlenden Lachen: „YESvember!“

Ha det bra

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Ulrike