Mein kunterbunter Norwegen-Mix ODER “Hodet, skulder, kne og tå, kne og tå!”

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Ich habe Muskelkater. Aber wie. Jetzt könnte ich behaupten (und dabei ganz bescheiden gucken), es käme vom letzten 15-Kilometer-Lauf. Natürlich bergauf. Oder vom letzten Quadrathlon. Vom Karate. Vom Gewichtheben.

Kommt es aber nicht.

Ich habe Muskelkater vom Singen.

Hallo, meine lieben Leser, wie schön, dass wir uns hier wieder treffen. Heute zu meinem kunterbunten Norwegen-Mix, meinem norwegischen Studentenfutter. Seit Montag letzter Woche hat Gesa ein neues Lieblingslied. Das ist prima, das unterstützen wir, da singen wir mit. Mit dem Singen ist es bei “Hodet, skulder, kne og tå” aber nicht getan, oh nein! Die angesprochenen Körperteile (Kopf, Schulter, Knie und Zeh) müssen natürlich auch berührt werden – und zwar immer schneller und schneller und schneller bis der Mittvierzigerrücken knackt und sich der Rest der Körpers fragt, was der Mist eigentlich soll. Waren wir nicht durch mit Sport?

Für alle, die mitsingen möchten, tobt Euch gerne hier aus.

Ausgetobt hätte sich auch Therese Johaug gern. Und zwar am liebsten ihrem Teamarzt gegenüber. Die norwegische Star-Athletin überraschte/schockierte die Norweger nämlich letzte Woche mit einem positiven Doping-Test. Eine verbrannte Lippe forderte im italienischen Trainingslager medizinische Behandlung und Teamarzt (nein, EX-Teamarzt) Fredrik Bendiksen kaufte ein rezeptfreies Medikament in der örtlichen Apotheke. War es auch frei käuflich, enthielt es doch trotzdem den verbotenen Wirkstoff Clostebol. Weder Arzt noch Sportlerin hatten anscheinend den Beipackzettel gelesen. * Es ist alles etwas verwirrend, es gibt viele Fragen, vielen erscheint die von Johaug gegebene Erklärung, wie der Stoff in ihren Körper gekommen sei, zu unglaubwürdig. Fredrik Bendiksen ist mittlerweile zurückgetreten, Johaug für zwei Monate gesperrt und es gibt Stimmen, die fragen: Was, wenn das alles nur ein Ablenkungsmanöver war, um bewusstes Doping zu vertuschen? Besonders, nachdem vor wenigen Monaten auch der Langlaufstar Martin Johnsrud Sundby nach einer extrem erfolgreichen Saison Dopingprobleme hatte, aber immer wieder seine Unschuld beteuerte. Man möchte ihnen wirklich gerne glauben: Aber ein schaler Beigeschmack bleibt.

Ganz schal wird mir auch beim Gedanken an meine Norwegischprüfung. Die soll Ende November stattfinden. Hilfe! Gleich am ersten möglichen Anmeldetag, Punkt 9 Uhr, saß ich am Computer. Nur zweimal im Jahr finden diese Prüfungen statt, anmelden kann man sich genau eine Woche lang, danach: Pech gehabt. 1870,- Kronen kostet mich der Spaß und jetzt sitze also am Schreibtisch und lerne und lerne und lerne. Rede mit jedem, der nicht schnell genug auf dem Baum ist und quäle Freunde mit meinen norwegischen Texten, die die Armen dann Korrektur lesen müssen. * Es gibt im Internet einige sehr gute Übungsseiten, für norsklab muss man 90,- NOK bezahlen, sie ist aber jede Krone wert, beim Cappelen Verlag sind die Arbeitsaufgaben umsonst (allerdings richten sie sich nach den jeweiligen Arbeitsbüchern, wenn man die nicht hat, ist es etwass komplizierter zu folgen, klappt aber auch, finde ich). Möglichkeiten zum Sprachtraining finden sich im Goethe-Institut, bei den Jungen Erwachsenen der Deutsch-Norwegischen Gesellschaft und natürlich überall im Alltag. Und nachdem Gesa jetzt schon zwei norwegische Wörter spricht und, zu unserer Überraschung, SEHR viel mehr versteht, wird es auch Zeit, dass ich loslege: Nicht, dass sie bald besser Norwegisch spricht als ich!

Zum Abschluss dieses Norwegen-Mixes noch ein Buchtipp: “Kon-Tiki. Ein Floß treibt über den Pazifik” von Thor Heyerdahl. Ich bin kein Fan von testosterongetränkten Abenteuergeschichten, aber diese hier hat mich gepackt. Die Geschichte der unglaublichen Fahrt auf einem selbstgebauten Floß, die Heyerdahl 1947 unternimmt, um zu beweisen, dass es den Ureinwohnern Südamerikas technisch möglich gewesen wäre, Polynesien zu besiedeln, ist spannend und lustig und dramatisch und menschlich. Und dabei bin ich erst auf Seite 47! * Besucht hier in Oslo unbedingt das Kon-Tiki Museum, in dem das Floß ausgestellt ist. Viel erfährt man in diesem interessanten Museum auch über die polynesische Geografie und Kultur. (Blogleserin Andrea Fuchs, die seit Jahren samt Segelboot und Mann über die Weltmeere fährt, war übrigens gerade auf den Osterinseln und hat mir eine Postkarte von dort versprochen! Toll, oder?)

So, meine Lieben, das war ein kunterbunter Mix aus….hodet, skulder….pscht…Mix aus interessanten und vielleicht nicht interessanten….kne og….AUF JEDEN FALL WAR ES EINE GUTE ABLENKUNG GEGEN…Hodet, skulder, kne og tå, kne og tå, hodet skulder, kne og tå, kne og tå….das verfluchte schöne Lied sitzt mir im Ohr!!!! Da hilft nur ein Kaffee und ein Keks und dann weiter Norwegisch lernen!

***

Das war es für heute, meine lieben Leser! Gestern habe ich im Radio noch einen Beitrag über “typisch norwegische” Begriffe gehört. Und habe mal ein paar für Euch ausgesucht. Vielleicht habt Ihr ja Lust ein bisschen zu raten, was sie bedeuten könnten. Klar könntet Ihr das auch googeln, aber erstmal raten!!!! Hier kommen also: Utepils, matpakke, dugnad, harry, bunad, russebuss, koselig, skibinding und oppholdsvær. (Ein paar kennt Ihr bestimmt schon Dank des Blogs, naja und für Leser hier in Norwegen oder Ex-Norwegen-Bewohner ist es einfach. IHR könntet ja vielleicht die Liste ergänzen!!)

Uns allen wünsche ich eine tolle Woche, bleibt oder werdet gesund, lacht viel und macht Euch das Leben kunterbunt! Die Tage werden kürzer, drinnen ist es warm und gemütlich, wir kuscheln uns aufs Sofa und gucken die Sendung mit der Maus! An das tolle Team des WDR gehen heute auch meine wöchentlichen Grüße: Ihr seid die Besten und ohne Armin, Christoph, die Maus und den Elefanten wäre unser Sonntag nicht komplett!

Macht es gut, liebe Leser und bis nächsten Freitag,

Ha det,

mausgesaich

Ulrike

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Ein Abend bei der Biathlon-WM oder Wie geht nochmal die Marseillaise?

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Foto: Christian Erhard

Hallo, meine lieben Leser, schön, dass wir uns hier wieder treffen. Noch bis morgen hat die Biathlon-WM Oslo in der Hand. Statt norwegischen Jubels schallt aber die französische Nationalhymne durch die Stadt, denn der französische Biathlet Martin Fourcade ist der bisher ungeschlagene Held dieser WM. Am Sonntag, dem Tag seines dritten WM-Goldes, verabredete er sich schon einmal lachend für die nächsten drei Wettbewerbe mit König Harald. Da dürfte dem norwegischen Team, trotz lachender Gesichter, der Atem gestockt haben.

Gestern holte sich der bärtige Franzose dann die vierte Goldmedaille.

Aber das sind alles Sportnachrichten, die Ihr auf jeder Nachrichtenseite nachlesen könnt.

Ich wollte auch irgendeinen Teil dieser WM erleben. Zum Wettbewerb selber wollte ich mit einer wirbeligen 1,5jährigen nicht gehen. Gesa wäre mir noch auf die Loipe gehüpft! Was dann?

Beim Stöbern auf der WM-Website dann die Lösung: Jeden Abend findet nach dem Wettbewerb die Medaillenverleihung statt. Aber nicht oben am Holmenkollen – nein, mitten in der Stadt!

Na, da wollte ich hin!

Freund Christian praktischerweise auch.

Wir verabredeten uns für Mittwochabend. Der Wettbewerb des Tages waren Einzelrennen der Frauen und wir hofften auf einen deutschen Sieg. Wäre doch toll, eine Landsfrau anzujubeln!

“LOS, LAURA!!!!” feuerte ich also die deutsche Biathletin Laura Dahlmeier mittags am Fernseher an, “Go for GOOOOOLD!!!”

Aber wer – natürlich – musste sich mit fantastischen Zeiten vor unsere deutsche Goldhoffnung drängeln?

Bien sûr – die Franzosen! Wollten die jetzt wirklich ALLE Medaillen gewinnen? Gold und Silber also an Frankreich, aber, immerhin, Bronze für Deutschland! Und da ich die Dinge immer positive sehe, dachte ich in diesem Fall: Prima, dann kann ich endlich mal wieder die französische Nationalhymne singen.

(Die finde ich nämlich, trotz ihres blutrünstigen Textes, fabelhaft. Eines meiner Highlights unserer Jahre in Frankreich war es, im vollbesetzten Stade de France die Marseillaise zu singen.)

Kurz nach 19 Uhr kamen Christian und ich am Universitätsplatz an, wo Kurt Nilsen gerade sein Minikonzert begonnen hatte. Franzosen und Deutsche wippten im Takt, die Franzosen in glückseliger “Wir gewinnen AAAALLLES!”-Stimmung. Im NRK-Studio neben der Bühne bereitete sich Anne Rimmen auf die Live-Show vor.

 

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Foto: Christian Erhard

 

Cool!

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Wir knipsten alles und nichts, genossen die Stimmung und besonders den Blick durch die Bühne zum erleuchteten Schloss. Der Anblick hatte mich schon bei der Eröffnungsshow begeistert– live war es aber noch besser! Tja und dann war das Musikprogramm beendet und der Höhepunkt des Abends kam – die Medaillenverleihung! Unter Jubel der Fans war das französische Team in den Innenraum der Bühne eingeladen wurden und wir erhaschten Blicke auf das deutsche Team mit ihren grünen Teamjacken.

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Großartiges Foto: Christian Erhard :)))))

Kurze Zeit später erschienen die Sportlerinnen auf dem Bühnensteg. Vorne weg junge Norwegerinnen in bunad, die die Medaillen trugen, dann kam Laura (“LAAAAURA!!!!”) Dahlmeier, gefolgt von Anaïs Bescond und Marie Dorin Habert. Ich bin ja so fürchterlich sentimental – keine Tierdoku läuft bei mir ohne Tränen ab – und hatte schon Wasser in den Augen, bevor Laura Dahlmeier das Siegertreppchen betrat. Was hat sie sich aber auch gefreut!

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Foto: Christian Erhard

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Foto: Christian Erhard

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Foto: Christian Erhard

Toll war es auch, live zu erleben, was ich sonst nur im Fernsehen sah – altbekannte Bilder aus ganz neuer Perspektive. Die Riesenleinwand vor unserer Nase übertrug die Liveshow und wir konnten uns und unsere einzelne deutsche Flagge gut sehen….naja….

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So, nun hatten auch die beiden Französinnen ihre Medaillen. Zu den Klängen der Marseillaise wanderten die Nationalflaggen an den Mästen empor.

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Die französischen Fans gaben stimmlich alles, unterstützt von einer Deutschen, die sich versuchte, an den Text zu erinnern. Falls Ihr jemals in diese Situation kommen sollte (…ich wette, Martin Fourcade holt noch zwei Medaillen…) – hier ist er:

 

Allons enfants de la Patrie,

Le jour de gloire est arrivé!

Contre nous de la tyrannie,

L’étendard sanglant est levé. (2×)

Entendez-vous dans les campagnes

Mugir ces féroces soldats?

Ils viennent jusque dans vos bras

Égorger vos fils, vos compagnes.

Auf, Kinder des Vaterlands,

Der Tag des Ruhmes ist gekommen!

Gegen uns Tyrannei,

Das blutige Banner ist erhoben. (2×)

Hört ihr auf den Feldern

Diese wilden Soldaten brüllen?

Sie kommen bis in eure Arme,

Um euren Söhnen, euren Gefährten die Kehlen durchzuschneiden.

Refrain:

Aux armes, citoyens,

Formez vos bataillons,

Marchons, marchons!

Qu’un sang impur

Abreuve nos sillons!

(2×)

Refrain:

Zu den Waffen, Bürger,

Formt eure Truppen,

Marschieren wir, marschieren wir!

Unreines Blut

Tränke unsere Furchen!

(2×)

 

Sollten die Norweger gewinnen, singen wir alle:

Ja vi elsker dette landet

Melodie: Richard Nordraak
Text: Bjørnstjerne Bjørnson

Ja, vi elsker dette landet
som det stiger frem,
furet, værbitt over vannet
med de tusen hjem, –
elsker, elsker det og tenker
på vår far og mor
og den saganatt som senker
drømme på vår jord.

Norske mann i hus og hytte,
takk din store Gud!
Landet ville han beskytte,
skjønt det mørkt så ud.
Alt hva fedrene har kjempet,
mødrene har grett,
har den Herre stille lempet,
så vi vant vår rett.

Ja, vi elsker dette landet
som det stiger frem,
furet, værbitt over vannet
med de tusen hjem.
Og som fedres kamp har hevet
det av nød til seir,
også vi, når det blir krevet,
for dets fred slår leir.

  • Ja wir lieben dieses Land

Ja, wir lieben dieses Land,
wie es zerfurcht und vom Wetter gegerbt
aus dem Wasser emporsteigt,
mit den tausend Heimen.
Lieben es und denken
an unseren Vater und Mutter
und an die Nacht der Sage,
die Träume auf unsere Erde niedersenkt.

Norweger in Haus und Hütte,
danke deinem großen Gott,
das Land wollte er beschützen,
auch wenn es dunkel aussah,
alles wofür die Väter gekämpft haben,
die Mütter geweint,
hat der Herr still gemäßigt,
so das wir unsere Recht bekamen.

Ja, wir lieben dieses Land,
wie es zerfurcht und vom Wetter gegerbt
aus dem Wasser emporsteigt,
mit den tausend Heimen.
Und wie der Kampf unserer Väter
es aus der Not zum Sieg gehoben hat,
so werden auch wir, wenn es nötig ist,
das Lager für den Frieden aufschlagen.

Ich wünsche den Norwegern eine weitere Goldmedaille. Heute haben die norwegischen Frauen Gold in der Staffel geholt – die Freude war groß. Richtige Befriedigung gäbe aber, vermute ich, erst ein Sieg gegen den WM-König Martin Fourcade. Auch wenn der sich schon mit König Harald in der Königsloge verabredet hat.

***

So, das war es für heute, meine lieben Leser. Wir sind begeistert vom Universitätsplatz nach Hause gewandert, vorbei an jubelnden Franzosen und gutgelaunten Deutschen. Ab Montag kehrt in Oslo wieder Ruhe ein, aber bis dahin genießt die Stadt es noch, Gastgeber zu sein. Meine Grüße der Woche gehen diesmal nach Hildesheim: Lislbee Lisa :), noch ganz viel Spaß beim Biathlon gucken! Uns allen wünsche ich eine tolle Woche, schaltet mal die WM an und drückt die Daumen für das deutsche Team.

Ha det,

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(Laura Dahlmeier in grün und ich…ein Meilenstein in der Geschichte der Selfie-Fotografie…)

Ulrike

 

 

Auf den Spuren von Langlaufstar Bjørn Dæhlie oder Warum ist die Erdanziehungskraft so sauer auf mich?

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Der Schrecken des Anfängerhügels @MartinNiemann

Vorsicht.

Vooorsicht.

Voooooooors……

Plumps.

Skifahren macht so viel Spaß.

Besonders den Leuten, die gerade um mich herumstehen und grinsen.

Na und, grinst doch, ich stehe flink wieder auf und dann geht es weiter wie der Blitz.

Es ist nur….wie mache ich denn….wieso ist denn das so schwierig….ARGH!!!!!!!!

PLUMPS.

Hallo meine lieben Leser, wie schön, dass wir uns hier wieder treffen! Wie Ihr bestimmt bereits gemerkt habt, geht es im Blog heute um Wintersport. Ich werde Euch die schonungslose Wahrheit über meinen ersten Langlaufausflug erzählen.

Seid Ihr bereit? Hüllt Euch in dicke Mützen und Handschuhe und schnallt Euch an!

SCHNEE, WIR KOMMEN!

Schon bevor unser erster Norwegenwinter seine Flocken nach Oslo geblasen hatte, stand unser Entschluss fest: Wir wollen auf die Skier! Nun ist aber das Anschaffen von Skiern nicht gerade eine finanzielle Kleinigkeit und wollte gut überlegt sein. Woher also Skier leihen? Noch bevor ich die Skileihsituation in Oslo recherchieren konnte, kam Rettung von unvermuteter Stelle. Die Langlaufskihochburg Lehrte in Niedersachsen meldete sich: Schwager und Schwägerin boten an, ihre alten Skier beim nächsten Besuch mitzubringen. Na super! Gesagt, getan. Danke nochmal dafür!!

Die erste Hürde war also gemeistert.

Wir hatten einen fahrbaren Untersatz.

Die Skier gehörten zwar fast ins Osloer Skimuseum, wo sie bei alten Skilaufhasen Tränen der Nostalgie hervorlocken würden – ABER: Es waren Ski! Dazu natürlich auch Stöcke und Schuhe. Das sportliche Ensemble war komplett, die erste Ski-Verabredung stand, es konnte also losgehen. Martin beschloss, aus Sicherheitsgründen nicht mitzulaufen und schob seiner sehr unkooperativen Schulter die Schuld zu, aber die Wahrheit sah anders aus: Statt mit Skiern bewaffnete er sich mit der Kamera, um auch wirklich keine der vielen peinlichen Situationen zu verpassen, in die ich mich mutig stürzen würde. Schulter! PAH! Ich durchschaue das!!!

Bepackt wie alpine Rettungshunde oder nordspanische Lastenesel machten wir uns am letzten Sonntag auf den Weg.

Mit dem Stadtbus.

Das ist in Oslo einfach wunderbar: Mit Skiausrüstung beladen, stehen die Menschen an Bus oder T-Bane-Station und fahren in den Schnee. Mit ihrer regulären Monatskarte einfach mal kurz ins Skiresort. Super finde ich das. Und sehr absurd.

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Mit dem Stadtbus auf die Loipe @MartinNiemann

Uns brachte die Linie 45 von Majorstuen Richtung Røa, wo der Bogstadvannet ein für Anfänger wie mich ideales Terrain böte, meinte Freund Christian. Nun ist „Vannet“ das norwegische Wort für „See“…

Ist irgendwer schon irritiert?

Also ich war es und fragte mich insgeheim, ob das wirklich eine gute Idee war. Ein See? Ich soll auf einem See fahren? Ok, es ist kalt, ok, das Eis ist bestimmt dick. Aber was, wenn gerade auf dem Stück, wo ich wie der Blitz dahingleite, ein winziger Riss ist und dann kracht es und dann liege ich da und dann…

Oh, da war schon unsere Haltestelle.

Mein erstes Trainingsgelände befand sich nicht weit von der Haltestelle entfernt. Ich warf alle Sorgen über Eisdicke und Ertrinken über Bord, zog meine Skischuhe an und nach wenigen Augenblicken und hilfreichen Tipps zur Fahrtrichtung war es soweit: Ich stieg auf meine Skier, zog die Handschuhe über, gab mir selbst einen kleinen Schwung und fuhr los!

Sofort riss der enorme Fahrtwind an meinen Haaren, rötete die eisige Kälte meine Wangen, stoben die nostalgischen Skier mit mir obendrauf durch den lockeren Ski und ich, ich wollte nur jubeln: FREEEEIIIHEIIIIT!!!! Jodeldihu!!!!

Naja.

Also so ähnlich.

Um ehrlich zu sein, rutschte ich mit wackeligen Knien einen winzigen Hügel hinunter und versuchte Skier, Stöcke, Füße und den Rest meines Körpers davon zu überzeugen, in dieselbe Richtung zu fahren. Bis dahin wusste ich noch nichts von der grundsätzlichen Abneigung meiner beiden Füße gegeneinander. Der linke Fuß wollte absolut nicht dorthin wo der rechte war und umgekehrt. Ein Problem, dessen Lösung bald in Form einer Loipe kam, in die die beiden Streithähne fluchtunfähig gesteckt wurden. HAH! Und nun vorwärts! Wie der Sturm.

Hauch. Leichte Brise. Lüftchen. Anders kann man mein Tempo nicht beschreiben, aber immerhin fuhren jetzt alle Teile von mir vorwärts und fingen an, Spaß zu haben. Bald hatte ich einen Rhythmus gefunden und wagte mich an ein gehobenes Tempo. Doch dann erhielt ich die zweite anatomische Lehrstunde des Tages: Verliert der Körper unten seine Balance, versucht der Oberkörper dies auszugleichen und mitten in den Balancestreit der beiden Körperhälften mischt sich dann der Hintern, der einfach keine Lust mehr hat und sich fallen lässt.

Mit dem Rest des Körpers hinterher.

PLUMPS.

Da saßen also mein angekratztes Ego und ich gemeinsam auf der Loipe und wurden zur menschlichen Hürde für alle, die nach uns kamen.

Ich schwöre, dass ich aufstellen wollte. EHRLICH!

Aber die Erdanziehung hat mich nicht gelassen!

Nun weiß ich nicht, was ich getan habe, um die Erdanziehungskraft derartig zu verärgern, aber nach einigen sehr uneleganten Aufstehversuchen gab ich einfach auf. Sollten doch die anderen über mich drüber fahren.

Schnief.

(An dieser Stelle sei vermerkt, dass Martin Fotos schoss und Christian mitsamt Felix auch irgendwie verschwunden war. Da zieht frau mit 3 Männern in den Schnee und wird dann in der Not allein gelassen.)

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Erdanziehung – Ulrike 1:0 @MartinNiemann

Schnief.

Plötzlich streckte sich ein kleiner Skistock von links vor mein Auge und eine Mädchenstimme fragte, ob ich Hilfe bräuchte. Ich blickte das blonde Kind dankbar an, verglich aber kurz ihr Gewicht mit meinen 60+ Kilo und hielt ihr Angebot, rein physikalisch gesehen, für keine gute Idee. Lächelnd schüttelte ich den Kopf und erhielt ein mitleidiges Lächeln zurück. Wir wirkten beide hilflos. Ratlos. Rettungslos.

Doch Rettung kommt immer in den Momenten, in denen man sie am wenigsten erwartet.

So auch bei mir.

Noch ehe ich wusste wie mir geschah, schoben sich zwei gewichtsmäßig starke Arme unter meine Achseln und ein anonymer Ritter liftete mich hoch in die Luft und setzte mich, nun wieder in gewohnter Höhe, auf der Loipe ab.

„Huch!“ war mein ganzer Text in dieser Szene und als ich mich, vorsichtig, umdrehte, blickte ich in das freundliche Gesicht meines Mittvierziger-Norweger-Langlaufski-an-den-Füßen-habenden-Retters, der anscheinend der Vater meiner ersten Samariterin war und nach seiner Rettungsaktion ohne weiteren Kommentar davonfuhr.

Mein Held!

Naja, vielleicht wollte er auch einfach die menschliche Barriere von der Loipe haben.

Danke trotzdem!

Als hätte mein Körper am Hinfallen Gefallen gefunden, stürzte ich noch drei weitere Male im Verlauf des Nachmittags, aber man gewöhnt sich ja an alles. Viel wichtiger war: Ich hatte Spaß! Und zwar riesigen Spaß. Was für ein toller Moment auf dem dick zugefrorenen See anzukommen und über die im Sommer zum Baden einladende Wasserfläche zu rutschen. Wie super, sich anstrengen zu müssen, aber gleichzeitig die wunderschöne Landschaft genießen zu können! Wie lustig, von Martin über den See gezogen zu werden und im Licht der untergehenden Sonne Kokoskekse zu knuspern.

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Auf dem Bogstadvannet @MartinNiemann

Ich fand tatsächlich eine Art Laufrhythmus und kam vorwärts. Nicht sehr schnell, aber stetig. Nach zwei Stunden war uns allen kalt, ich war nicht die Einzige, die kaputt war und der Himmel wurde langsam dunkel und beendete mein erstes Langlauferlebnis. Schön wars. Ich habe mich mit Ober- und Unterkörper, meinen Füßen und der Erdanziehungskraft geeinigt: Das machen wir wieder. Mit neuer Ausrüstung und neuem Spaß geht es diesen Sonntag wieder los. Ich hoffe, dass Kathrin und Maik nach Lesen dieses Blogs nicht plötzlich ihre Pläne mit uns ändern! Ich freue mich auf jeden Fall. Und fühle mich auch gleich ein bisschen mehr norwegisch.

Das war es für heute meine lieben in 7er-Gruppen-langlaufenden Leser! Ich hoffe, wir sehen uns nächste Woche wieder, wenn ich Euch über brennenden Geitost erzählen werde: Ein unbekannter LKW-Fahrer scheint sich nämlich meiner Anti-Geitost-Kampagne angeschlossen zu haben und hat seine ganz eigene Vernichtungsaktion gestartet!

Bis dahin wünsche ich Euch eine schöne Woche, probiert mal wieder was Neues aus, seid, meinem neuen Lieblingszitat folgend „wagemutig, frech und einfach wunderbar“ und genießt den Winter in vollen Zügen!

Ha det bra,

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@MartinNiemann

Ulrike

Von olympischen Neuheiten, norwegischen Straßenverhältnissen und der Macht des Slaloms

Eine neue Sportart wird bei den kommenden Olympischen Spielen im russischen Sotchi alle Rekorde brechen: FGS. Fußgängerslalom. Im Schatten von Skilanglauf und Eisskaten entwickelte sich diese urbane Hate-Sportart im Herzen von Oslo. Auf der Karl Johans Gate. Ich bin Anwärterin auf die Goldmedaille.

Hallo Ihr lieben in 7er-Gruppen versammelten Leser, wie schön, dass wir uns hier wieder treffen. Heute sollte es eigentlich um die Inhalte der norwegischen Tageszeitung „Aftenposten“ gehen, doch aktuelle Ereignisse fordern ihren Tribut.

Ich habe eine neue Sportart erfunden. JAWOHL! Eine derartig bahnbrechende Neuigkeit muss natürlich gewürdigt werden und die Aftenposten läuft uns ja nicht weg. Nächsten Freitag gibt es bestimmt auch Nachrichten und dann kümmern wir uns darum. Nun aber zu meiner Erfindung oder vielleicht „Verbesserung“. Irgendwo hat irgendwer bestimmt die gleiche Idee gehabt. Seid Ihr bereit? Los geht’s!

FGS: Fußgängerslalom!!

Fußgängerslalom erfordert mentale Fitness, Reaktionsschnelle und die Schauspielkunst einer Meryl Streep. (Das allerdings nur im Anfangsstadium). Sie ist aus einem alltäglichen Bedürfnis heraus entstanden:

ICH MÖCHTE IN DER STADT BUMMELN UND ZWAR IN RUHE!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

Aber der Reihe nach:

Wie viele von Euch wissen, zieht sich die Prachtstraße der norwegischen Hauptstadt, die Karl Johans Gate, auf gut zwei Kilometern vom königlichen Schloss bis zum Hauptbahnhof Oslo S. Vom Schloss herab führt sie vorbei am Nationaltheater, Grand Hotel, Stortinget, H&M, Cubus, Domkirche, Subway bis sie an der Tigerfigur kurz vor der Bahnhofshalle endet. Im oberen Teil ist sie mit Bäumen gesäumt, im unteren mit…..

LAUTER LEUTEN, DIE WERBUNG MACHEN ODER BETTELN ODER SINGEN ODER SCHLIMMERES!!!!!

Entschuldigung.

Contenance.

ARRRRRRRRRRRRRGHHHHHHHHHHHHHHHH!

Es nimmt mich ein bisschen mit.

Einatmen.

Ausatmen.

Einatmen.

Ausatmen.

Ich bin ein Baum.

Besser.

Es ist nun seit einiger Zeit so, dass es unmöglich geworden ist, die Prachtstraße ungehindert entlang zu flanieren. Artgenossen in verschiedenen Alters- und Geschlechtsklassen haben es sich zum Ziel gemacht, mich über ihre Weltanschauung, ihre Fähigkeiten, ihre Zeitschrift zu informieren. Ein ehrenvoller Gedanke, der nur ein winziges Problem mit sich bringt:

ES KÜMMERT MICH NICHT! NICHT DIE BOHNE!! NADA! NIX! NOTHING!

Ich will weder Greenpeace beitreten, noch UNICEF-Unterstützer werden. Eine Mitgliedschaft bei Elixia-Sport ist genauso uninteressant für mich wie nepalesisches Yoga. Die Zeitschrift Folk er folk der folkloristischen Nomaden aus Rumänien kümmert mich nicht und, NEIN DANKE, ich will auch keine Aftenposten abonnieren. Operations Dagværk ist eine tolle Sache, aber ich spende NICHT 10 MAL!!!! Schön, dass der Bokhandel 50% Ermäßigung bietet und endlich, endlich, ENDLICH ein neuer Kaffeeladen in Oslo eröffnet. Alles toll, wirklich. LASST MICH IN RUHE!

Ich musste eine Lösung finden.

Erst habe ich versucht, die Karl Johans Gate zu umgehen. Dann dachte ich mir: PAH! Warum soll ich Platz machen?

Also habe ich begonnen, die aufdringlichen Artgenossen zu ignorieren. Das brachte Spannung ins Spiel. Ich ging hocherhobenen Kopfes in der Mitte der Fußgängerzone. Aus den Augenwinkeln nahm ich die feindlichen Stellungen wahr: Ein Zeitungsstand von Aftenposten. Ich legte ein mit Weltproblemen beschäftigtes Denkergesicht auf und setzte alle Zeichen auf Ignoranz. Niemand würde mich ansprechen. Ich kam den feindlichen Lagern immer näher. Würde die Maske halten? Der Wall brechen? Meryl Streep, steh mir bei……

„Hei hei, willst du eine Zeitung haben? Umsonst!“

NEIN!

Ich versuchte Ignoranz mit gesenktem Kopf, intensiv das Straßenpflaster studierend. Kurz danach kroch ich auf dem Boden herum und half der sichtlich geschockten UNICEF-Mitarbeiterin, in die ich frontal gerannt war, ihre Unterlagen vom Boden aufzusammeln.

UNNSKYLD!

Angriff ist die beste Verteidigung, beschloss ich. Mit offenem Lächeln flanierte ich die Straße entlang und wartete auf den ersten Artgenossen. AHA! GREENPEACE kam. Noch während der einführenden Worten nickte ich ihn begeistert an und erklärte, ich sei bereits Mitglied und dankbar für seine Arbeit. Das zog! Ich behauptete in den folgenenden Tagen auch Mitglied von AMNESTY, Abonnentin von K&K und Aftenposten und Unterstützerin der französischen Kultur in Norwegen zu sein.  Wirkte immer und brachte mir ein strahlendes Lächeln ein. Auf die Dauer ist diese Tour aber sehr zeitaufwändig. Von der sündigen Verlogenheit und meinem schlechten Gewissen mal ganz abgesehen.

ARGH!

Und dann entwickelte ich einen Weg, die störenden Artgenossen mit Spaß und Spannung zu umgehen: Der Fußgängerslalom war geboren!

Die Idee dahinter ist simpel, aber wie so oft: Die simplen Dinge im Leben machen am meisten Spaß!

Ich stellte mich also an den Beginn der Karl Johans Gate, auf Höhe des Nationaltheaters und scannte die Strecke: Operations Dagvaerk vorne rechts auf Höhe des Brunnens, Roma links vor Buchhandlung Tanum, Unicef-Leute zwischen dem Grand Hotel und Magazin Dressmann, Aftenposten-Stand links vor der BOK- Buchhandlung. Mein Ziel: Ungehindert von der Karl Johan links in die Akersgata einzubiegen. Ich ließ die Schultern und den Kopf kreisen, atmete tief ein und ging los. Meinen Blick immer auf die Hindernisse gerichtet. Gerade, gerade, gerade, links vorbei, gerade, gerade, gerade, scharf rechts vorbei, Schussabfahrt, knallhart rechts, leichter Streifzug („Hei, hei, vil du….“), gerade, gerade, Ziel vor Augen, links einordnen, gerade, scharf links und…..ZIIIIIIIEEEEELLLLL!!!!!!!!!!!!!

Ja und so mache ich das seitdem. Ich plane Jacques Rogge von meiner Erfindung zu informieren und bin sicher, dass Fußgängerslalom eine olympische Zukunft hat. Spaß macht es auf alle Fälle, ist sowohl im Sommer als auch im Winter spielbar und eignet sich für jede Fußgängerzone weltweit. Manchmal kann man eben Dinge nicht ändern, aber die eigene Einstellung dazu.

Probiert es aus!

Das war es schon wieder meine lieben Leser, ich hoffe, Euch angesteckt zu haben und bald im ständig wachsenden FGS-Club begrüßen zu können! Ein turbulenter Monat steht bevor mit Christkindlsmarkt, Wohnungssuche, Theatergruppe, Kinderkirche und vielem mehr. Ich freu mich darauf, wünsche uns allen eine schöne Woche, lasst Euch vom November nicht unterkriegen und trainiert FGS – es ist den Spaß wert!

Die wöchentlichen Grüße gehen heute an meine Freundin Sabine, die heute Geburtstag hat! Hipp Hipp Hurrah Bine!!!

Ha det bra,

(Tatsächliches Mitglied bei NOAH und SOS Kinderdorf)

Ulrike