Sommer, nee Herbst, nee Sommer in Oslo….

@radiokiepenkerl

So, gleich geht es los. Habe ich alles eingepackt für einen Nachmittag im Park? Kurz nochmal checken: Picknickdecke, Ball, Sonnencreme, Gummistiefel, Schirm, Schneeanzug, Handschuhe. Ja, alles da, auf geht’s!

Hallo, meine lieben Leser, wie schön, dass wir uns hier wieder treffen. Das Wetter in Oslo spielt 2016 echt verrückt. Verlässt man das Haus morgens in sommerlicher Stimmung, kehrt man spätestens mittags frierend zurück. Oder umgekehrt. Ein heilloses Durcheinader! Mehrfach haben wir schon gedacht: “So, das war es mit dem Sommer!”, nur damit er dann am nächsten Tag wieder da war. Das ist verwirrend! Wie soll man sich denn darauf einstellen?

Ich meine, mal ehrlich: Make up your mind, Sommer! Sein oder nicht sein? Strand oder Pfütze? Das würde mir auf jeden Fall den Tagesablauf sehr erleichtern.

Allerdings bemerke ich, dass viele Norweger (und bald auch ich) dieses Hin und Her einfach ignorieren und sagen: “Es ist Sommer. Basta!” Da hüpfen die Kinder im Regen barfuß auf dem Spielplatz, da geht die Familie bei Herbstwetter ins Freibad und Eis schmeckt überhaupt schon mal IMMER. Dazu tragen wir Birkies und Shorts, Blumenkleider und Bikinis und wer im Sommer Socken anzieht ist ein Loser! Sommer ist, weil wir das sagen.

Ein sehr unterhaltsame und positive Einstellung, die Gesa und ich gern übernehmen. Wir sind allerdings noch blutige Anfänger, deshalb quillt der Kinderwagen über von Gegenständen für alle vier Jahreszeiten. Naja, das wird schon! Bis Montag dauert der Zauber noch, dann geht hier in Oslo der Alltag wieder los: Schulstart. Ende des Sommers. Ende der lockeren Tage, des Pokemon-gefüllten Frognerparks und langsamer Anfang vom Herbst.

Schade. Je länger ich in Norwegen lebe, umso mehr mag ich den Sommer. Besonders den norwegischen Sommer: Am See liegen, leichter Wind in den Birken, Sommergeruch in der Nase. Schön ist das. Nur irgendwie zu kurz.

Also, Sommer, falls du noch ein paar Tage bleiben willst, von mir aus gerne. Aber dann entscheid’ dich: Do you wanna stay or wanna go? Weil, ehrlich, ich habe keine Lust mehr, den ganzen Mist immer mitzuschleppen!!!!

***

So, meine lieben Leser, das war es für heute! Meine wöchentlichen Grüße gehen diesmal an meinen Partner in Crime und Love. Ich wette, du hast beim Lesen die Augen verdreht, den Kopf geschüttelt und hast “Ich will Herbst!” gemurmelt. – Und dann schicke ich ein paar Grüße an den kleinen Sonnenschein, der nebenan seinen Mittagsschlaf hält: Heute, meine kleine Motte, war unser letzter “normaler” Tag. Nur wir beide vormittags mit unserem normalen Alltag. Ab morgen ist Oma zu Besuch, jippie!!! und ab Dienstag, deinem 2. Geburtstag, bist du ein Kindergartenkind!!!

Was hatten wir für zwei tolle Jahre, mein kleiner Lieblingsmensch! Jetzt kommt dein erster Schritt raus aus dem Nest und ich frage mich, wer tapferer sein muss… Als du gerade ein paar Tage alt warst, habe ich geschrieben: “Gesa füllt einen Platz in unseren Herzen, von dem wir gar nicht wussten, dass er so schmerzhaft leer war.” Wahnsinn, wie lange das schon her ist. Ich hab dich trillionenfach mehr lieb als damals, meine kleine Entdeckerin. Und jetzt, los, husch, raus aus dem Nest!

Ha det bra,

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Ulrike

„Karius und Baktus“ im Frognerpark ODER Ab in das blaue Zelt!

 

Sirup

Ich will sofort eine rote Zahnbürste! Eine rote Zahnbürste mit roter Badekappe!! Und diese rote Superbürste soll dann in meinem Mund herumtanzen und alle Bakterien vernichten! HA!!! – Ich war Freitag im Kindertheater. Es hat mich sehr mitgenommen.

Hallo, meine lieben Leser, wie schön, dass wir uns hier wieder treffen. Kürzlich fragte mich Freundin Britta am Telefon: “Kann ich mir mal dein Kind ausleihen?” Nun hänge ich prinzipiell sehr an meiner Tochter und hätte als treusorgende Mutter ja erst einmal nachfragen können: “Hm. Wofür denn?” Schließlich verleiht man nicht einfach so sein Kind.

Nun befindet sich Gesa aber gerade in der Trotzphase.

Ohne weiteren Kommentar rief ich deshalb froh aus: “Klar!! Gerne!! Leih‘ sie dir aus! Ich gehe Kaffee trinken!”-“Super, aber du kannst auch gerne mitkommen.” Schon wollte ich ablehnen, dankbar für einen freien, TROTZfreien, Nachmittag, da hörte ich: “ Im blauen Zelt im Frognerpark spielen sie Kindertheater: Karius und Baktus.

Ahsooooooooooooo…..

In jeder Stadt gibt es alljährlich wiederkehrende Dinge. In Oslo, zum Beispiel, beginnt für mich seit vier Jahren der Sommer dann, wenn im Frognerpark das blaue Theaterzelt aufgebaut wird.

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Immer am selben Platz und immer zur selben Zeit. Dort spielen dann im Sommer verschiedene Theatergruppen Stücke für Kinder. Den Anfang macht immer der zweite Jahrgang der norwegischen Theaterhochschule. Seit drei Jahren frage ich mich, warum die armen Studenten nun ausgerechnet vor dem schwierigsten Publikum der Welt – Kindern – spielen müssen. Und seit drei Jahren hatte ich mir auch vorgenommen, einmal im Theaterzelt eine Vorstellung zu sehen.

Bei diesem Plan war es aber auch geblieben.

Doch nun kam der Anschub dank Britta und wir entschieden uns, am folgenden Donnerstag eine Vorstellung zu besuchen. Nun hatte aber noch jemand anders am Donnerstag den Plan, den Frognerpark zu besuchen: Bruce Springsteen. Das war uns irgendwie entgangen. Als wir also frohgemut in den Park schlenderten, begrüßte uns die tiefe Rockstimme vom “Boss”, der gerade Soundcheck machte. Der Parkrasen dröhnte. Wir blickten zweifelnd von der riesigen Bühne auf das winzig wirkende Theaterzelt, das in unmittelbarer Nähe der Konzertarena lag. Hm. Die Entscheidung, für oder gegen Theater mussten wir nicht treffen: Beide Tagesvorstellungen waren ausverkauft. Na, gut. Hörten wir also weiterhin dem Boss zu (der später noch Oslo überraschte), genossen die Sonne und verabredeten uns für den nächsten Tag.

Nun gebe ich zu, dass ich Kindertheater immer sehr kritisch gegenüber stehe. Kinder sind ein sehr anspruchsvolles Publikum, das aber nicht unbedingt die (uns Erwachsenen so wichtige) Qualität einer Aufführung beurteilt. Sie wollen vor allem unterhalten werden. Und das geht auch schon mal mit dem größten, dusseligsten und niveaulosesten Quatsch. Ich saß bereits mit offenem Mund fassungslos in Kindertheaterstücken, während sich die Kinder neben mir lachend vom Stuhl warfen. Und ein Stück, das von zwei Zahnbakterien handelt….ich ahnte Böses.

Nee, nix da. Erstmal fand die Aufführung vom Teater Syklus im blauen Theaterzelt statt. DAS allein war schon ein Erlebnis! Endlich war ich drinnen und thronte mit Gesa und Britta hochoben am äußeren Rand des enormen Publikumsraums. Und außerdem ist das Teater Syklus nicht nur eine wunderbar engagierte, enthusiastische und talentierte Gruppe, die schon seit über 15 Jahren diesen Kinderklassiker im Programm haben – sondern sie spielen eben eine Geschichte von Thorbjørn Egner.

Thorbjørn Egner ist ein norwegisches Heiligtum und Verfasser nicht nur von “Karius und Baktus” sondern er schrieb und zeichnete auch “Die Räuber von Kardamomme” und “Klaus Klettermaus”. Und so, wie ich bereits die beiden letzten Bücher mochte, gefielen mir auch die nervigen Zahnmonster Karius und Baktus ausgesprochen gut. Und den Kindern gefielen die strubbelhaarigen Biester in gestreiften Kostümen noch besser. Beklommen fragte ich mich, ob nun die im Zelt anwesenden Kinder abends im hohen Bogen ihre Zahnbürsten aus dem Fenster werfen würden und dabei riefen: “Wir wollen Karius und Baktus im Mund!!!”

So kann Thorbjørn es nicht gemeint haben.

Auftritt: Die rote Zahnbürste. Mein Held! Meine Angst vor dem dramatischen Anstieg kindlicher Zahnfäule in Oslo legte sich, sobald ein Schauspieler in rotem Overall plus roter Badekappe als rote Zahnbürste über die Bühne fegte.

RoteZahnbürste

Schon waren die Guten und die Schlechten auf der Bühne wieder klargestellt und laut beklatschten Groß und Klein den finalen Abzug der beiden Zahnzerstörer. 35 Minuten hatte der Kampf gedauert, es gab viel zu lachen und am Ende durften wir nicht nur das Bühnenbild aus der Nähe betrachten sondern auch die beiden Hauptdarstellerinnen kennenlernen.

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(Gesa hat es, trotz ihres Gesichtsausdrucks, sehr gut gefallen. Hoffe ich. Auf jeden Fall war sie extremst beeindruckt. Und ja: Britta und Gesa gehen immer im Partnerlook ins Theater ;))))…)

Ich kann wieder einen Punkt auf meiner “Oslo-to-do”-Liste abhaken.

Und morgen kaufe ich mir eine knallrote Zahnbürste!

***

So, meine lieben Leser, das war es für heute. Ich hoffe, Ihr hattet oder habt einen tollen Sommer mit vielen schönen Erlebnissen. Wir waren drei Wochen in Deutschland und haben Freunde und Familie besucht. Es war lecker und lustig, windig und sonnig, aufregend und schön – wir standen einmal im Stau und zigmal beim Bäcker, haben im Supermarkt gestaunt und im Restaurant jubiliert, sind mit vier Sternen zurück nach Oslo geschippert und hatten eine tolle Zeit.

Hier in Norwegen fängt ab morgen teilweise wieder der Alltag an. Die Schulferien gehen allerdings noch bis zum 19.8. und bei uns beginnt am 23.8. eine neue Etappe im Elternleben: Gesa kommt in den Kindergarten. Bis dahin genießen wir aber noch den Sommer!

Meine wöchentlichen Grüße gehen heute nach Bern, wo Freundin Claudia ihren ersten Abend im neuen Übergangszuhause verbringt. Du fehlst uns! Alles Gute für morgen!!! Kick ass!

Uns allen wünsche ich eine tolle Woche, wir lesen uns dann wieder am Freitag.

Ha det,

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Ulrike

 

 

Ein Wochenende in Bergen ODER Sonne??? In Bergen?

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27. Mai 2016. Es muss ein Traum sein: Riesige Schneefelder vor dem Fenster, Schneeflocken fliegen gegen die Fenster und eine Gruppe Skifahrer schnallt sich das Gepäck auf den Rücken. Ich reibe mir die Augen, aber alles bleibt wie es ist. Willkommen auf der Hardangervidda – willkommen in der Bergenbahn!

Hallo, meine lieben Leser, wie schön, dass wir uns hier wieder treffen. Zum Geburtstag hatte ich ein tolles Geschenk bekommen: Ein Wochenende in Bergen. Unglaublich, aber wahr – in der berühmten Stadt an der Westküste war ich in den vier Jahren Norwegen noch nie gewesen. Nun aber sollte es sein! Von vielen Seiten hatte ich gehört und gelesen, dass der schönste Weg nach Bergen der Weg mit dem Zug sei. Knapp sieben Stunden quer durch Norwegen – das wollte ich unbedingt machen!

Heute kann ich sagen: Einmal ist genug. Versteht mich nicht falsch: Es ist super, plötzlich auf Gletscherhöhe zu sein und in eine bizarre Eis- und Schneelandschaft zu gucken. Auch reißende Ströme und Wasserfälle sind spannend – außerdem lernt man nette Leute kennen (ich in diesem Fall ein Amerikanerin auf Nordeuropatour) und hat Geschichten zu erzählen. Aber sieben Stunden sind sieben Stunden und die können echt lang sein.

Der Flug nach Bergen dauert 45 Minuten.

Nur so als Vergleich.

Im Zug hörte ich – bis auf die Durchsagen – kein Wort Norwegisch. Mein Waggon wurde von einem älteren Amerikaner dominiert, der gutgelaunt und mit viel Volumen alle und alles kommentierte, erzählte, wohin er und seine Frau reisen würden und sich auch sehr für das  Leben seiner Mitreisenden zeigte. Ob die das nun mit ihm teilen wollten oder nicht.

Meine Sitznachbarin entschuldigte sich bei mir ständig für ihren polternden Landsmann.

“He is from Florida, you know. – He means well.” (Er ist aus Florida, du verstehst schon. Er meint es nur gut.)

Andere Waggons waren komplett in deutscher Hand – das Schwabenland schien geschlossen auf Hurtigruten-Tour zu gehen. Von Kopf bis Fuß in Jack Wolfskin gekleidet, schwäbelte sich Waggon 6 Richtung Bergen. Ich hatte viel zu lachen und viel zu lauschen und kam äußerst amüsiert in Bergen an.

Dort regnete es.

Logisch.

Über das Wetter in Bergen gibt es viele Witze, wie zum Beispiel den hier: Ein Tourist fragt einen Bergenser Jungen auf der Straße: “Sag mal, regnet es hier eigentlich immer?” Darauf der Junge: “Woher soll ich das wissen? Ich bin erst 13 Jahre alt.”

Ich war auf Regen vorbereitet. Nach einem kurzen Weg durch die Innenstadt erreichte ich mein Hotel in Nähe der Tyskebryggen, einem UNESCO-geschützen Holzhausviertel und einer DER Sehenswürdigkeiten der Stadt. Es war mittlerweile kurz vor 16 Uhr – aber vor Mitternacht sollte es eh nicht dämmerig werden, ich hatte also noch genug Zeit zum Sightseeing. Und die nahm ich mir dann auch. Mit der Floibahn rauf auf den Berg zur spektakulären Aussicht über die Stadt und die naheliegenden Inseln und Fjorde; über den Fischmarkt und am Hafen entlang; durch die übersichtliche Innenstadt rauf zur Johanniskirche; an die Tyskebryggen und wandern durch die engstehenden Holzhäuser mit ihren Werkstätten und Restaurants. Die Zeit flog dahin.

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Und ich war einfach so mit mir unterwegs. Das war toll! Ich liebe meine Familie und verbringe gerne viel Zeit mit ihnen oder mit Freunden – aber es war einfach mal toll, ganz allein bestimmen zu können, was ich wann, wo und wie mache. Und da mir mit mir selten langweilig ist, genoss ich diese Zeit ganz enorm.

Zurück im wunderschön restaurierten Det hanseatiske Hotel stand abends nur noch Lesen und Fernsehen auf dem Programm. (An dieser Stelle zwei Empfehlungen: Laut gelacht habe ich über die Komikerin und Musikerin Ingrid Bjørnov und ihr Programm “2012 Ouverturen” und unglaublich gerührt war ich von dem Film “Mannen fra Snåsa”, einem Dokumentarfilm über den norwegischen Heiler Joralf Gjerstad.)

Mein Zug ging am Sonntagmorgen bereits um 11.30, entsprechend früh stand ich auf, um noch die Bergen Festung zu besichtigen. Beim Frühstück traute ich meinen Augen nicht: Sonnenlicht flutete durch das Restaurant.

Sonne!

In Bergen!

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Die eng zwischen bewandeten Hügeln und Meer liegende ehemalige Hansestadt zeigte sich von ihrer Schokoladenseite – ich zückte ungläubig meine Sonnenbrille und lief am Hafen entlang Richtung Festung. Viel Spannendes gab es hier nicht zu sehen, aber ich erfuhr, dass es im Jahre 1665 “Der Kampf um Bergen” sozusagen vor meinen Füßen stattfand.

Was war geschehen?

Salopp gesagt war es ein Kommunikationsproblem: Eine Übereinkunft zwischen dem dänisch-norwegischen König Frederik III. und dem englischen König Charles II. hatte die neutrale Stadt Bergen nicht erreicht. Als eine Flotte holländischer Schiffe also Schutz im neutralen Hafen von Bergen suchte, gaben die Bergenser nicht, wie abgesprochen zwischen den Adligen, eines der Schiffe zum Überfall frei, sondern verteidigten ihre Neutralität gegen den vermeintlichen englischen Angreifer. Die englische Flotte gab sich, nach schweren Verlusten, geschlagen und Bergen verteidigte erfolgreich seine Neutralität und schützte das holländische Schiff.

Wie der König in Kopenhagen getobt hat, erfahre ich leider nicht.

Ähnlich der englischen Flotte machte ich mich nun, viel zu früh, auf den Heimweg. Mein siebenstündiger Rückweg wurde nicht nur durch eine Bergenser Skillingsbolle versüßt…

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…sondern auch durch Freundin Kerstin verkürzt, die witzigerweise im gleichen Zug saß.

Am Abend kam ich glücklich wieder in Oslo an. Denn, so schön es war alleine unterwegs zu sein, so schön war es auch, wieder nach Hause zu kommen.

Mein Fazit: Bergen ist absolut eine Reise wert – und zwar eine lange. Das nächste Mal will ich auf den Berg Ulrik klettern, eine Fjordtour machen, das Umland erkunden, ins Theater gehen und und und.

Dann werde ich aber unter Garantie das Flugzeug nehmen!

***

So, das war es für heute, meine lieben Leser! Der Sommer ist da, vielleicht nicht meteorologisch, aber dafür emotional. Zahlreiche Sommerfeste und Abschiede machen den Juni immer zu einem aufregenden Monat. Meine wöchentlichen Grüße gehen daher an alle, die in diesem Sommer Oslo verlassen – unter anderem Nina, David und Amelie, Sabine und Marie mit Kai und Julian, Sabine mit Lukas und Stefan! Schön, dass wir uns hier getroffen haben und alles Gute für Euch zurück in Deutschland. Ha det bra!

Der Blog und ich gehen jetzt für vier Wochen in Sommerpause. Meine lieben Leser, danke für Euer Lesen und Kommentieren – was wäre Neues aus Norwegen ohne Euch? Habt einen tollen Sommer mit vielen schönen Erlebnissen, mit viel Sonne und mit ganz viel Lachen!

Ha det bra og God sommer,

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Ulrike

Die „Backstube“ in Oslo ODER Laugenstangen, jippie!!!!

***ACHTUNG: Dieser Artikel enthält Spuren von Schleichwerbung. Fette, riesige Schleichwerbung. Und das ist Absicht. Ist mein Blog. Ich darf das.***

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@beanforest

Ich stehe sprachlos vor dem Holzregal. Greife dann zur Zange, öffne die Tüte und beginne einzupacken. Zwei reichen für den Anfang…nein, drei…na gut, vier…ok, fünf…aber nun ist Schluss! Ohhh, das da hinten sieht aber auch lecker aus…und da vorne…sind das etwa Kirschtaschen?????

Hallo, meine lieben Leser, Oslo ist seit letzter Woche ein ganzes Stück besser geworden: Es gibt eine deutsche Bäckerei!! Am Freitag um 7 Uhr hat am Frognerveien 1b die “Backstube” ihre Türen geöffnet – und die Osloaner kamen! Ich natürlich auch. Am Abend vorher las ich von diesem achten Weltwunder auf Facebook in der Gruppe “Tysker i Oslo”, also Deutsche in Oslo. Diese und andere Gruppen sind eine wahre Fundgrube an guten Tipps und Infos rund um die Stadt.

Randnotiz: Sehr zu empfehlen auch “Where in Oslo” oder “New to Oslo” oder für junge Eltern “Imobago”, die internationale Mutter und Babygruppe in Oslo und “Deutsche Krabbelgruppe”. Ich bin ja sowieso ein Fan von Facebook und diese Gruppen haben mein Leben hier in Oslo echt vereinfacht.

Ich lese also völlig begeistert, dass eine deutsche Bäckerei in Oslo eröffnet. Sehr nett schreibt Chef Felix Heinrich über sein Geschäft und lädt herzlich zum Probieren ein. Na, das musste er nicht zweimal sagen. Gleich am nächsten Tag stürmen Christian, Gesa und ich die Bäckerei in der Nähe vom Solliplatz.

“Rieeeech mal, wie das hier duftet!!!!” schwärme ich sofort. Ist die Nase schon begeistert, zieht das Auge bald nach. Da liegen echte….wunderbar braune…LAUGENSTANGEN!!! Die werden hier in Norwegen von verzweifelten Deutschen schon selber gebacken, sind bei den Norwegern völlig unbekannt und ich stürze mich sofort auf das Regal und packe gleich fünf ein – man weiß ja nie. Neben mir beäugt ein Norweger interessiert die Laugenbrezeln und lässt sich dann über diese deutsche Spezialität aufklären. Na gut, er könne das ja mal probieren, beschließt er zum Beifall der umstehenden Deutschen und packt eine Brezel ein.

Das Laugengebäck ist für mich das Highlight im Angebot der Backstube. Gern hätte ich Schwarzbrot gesehen oder Streuselkuchen, aber vielleicht kommt das noch. Auch, dass die Backstube ihre Waren nicht selber herstellt sondern von, laut Internetseite, „ausgezeichneten Bäckereien aus ganz Europa“ beliefert wird und vor Ort backt, trübte ein bisschen meine erste Begeisterung.

Aber schmecken tut es prima 🙂 Das Angebot bedient, ganz klar, die internationale Szene in Frogner – es gibt neben dem deutschen Klassiker auch französische Croissants und italienisches Foccachio. Das Publikum am Eröffnungstag war entsprechend international, eine glücklich, mehlproduktbegeisterte Menge.

Ich werde auf jeden Fall regelmäßig in der “Backstube” einkaufen, denn die Laugenstangen sahen nicht nur köstlich aus, sondern schmeckten auch so. Und selbst mein fränkischer Freund Christian war begeistert! Nächsten Samstag probiere ich dann die Laugenbrezeln…nee, das Kräuterbrot…nee, die Croissants…oder die Apfeltaschen…oder….

***

So, das war es für heute, meine lieben Leser! Geht bitte morgen trotzdem arbeiten oder an die Uni oder zur Schule, denn obacht oder OBS, wie man in Norwegen warnt: Heute ist nicht Freitag!!! Neeein, tut mir leid, heute ist erst Dienstag! Aber der Sommer hat Oslo erreicht und mein Leben findet momentan irgendwie nur draußen statt und letzten Freitag kam ich einfach nicht zum Blog schreiben. Dafür gibt es diese Woche dann gleich zwei Artikel, bevor ich mich in die Somemrpause verabschiede.

Ich wünsche uns allen eine schöne Restwoche, wir lesen uns am Freitag oder Samstag, genießt den Sommer und lobt mal wieder Euren deutschen Bäcker um die Ecke. Meine Grüße gehen in dieser Woche an Nicht-Fußballfans, die den ganzen Zirkus nicht verstehen und an alle Fußballfans, die sich durch etwas schlappe erste Begegnungen kämpfen mussten. Ich habe es dieses Mal einfach: Norwegen ist nicht bei der EM und ich kann ganz entspannt für Deutschland jubeln! Go Schweini!

Und darauf noch eine Laugenstange!

Ha det,

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Ulrike

 

Wir gehen auf trilletur ODER Ein ökonomisches Pony begeistert Gesa!

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Wir trillen lustig durch den Wald, die Sonne scheint. So muss es bei einer trilletur sein, ikke sant? Trillen kann man zu zweit, aber auch gern in großen Gruppen. Alleine wäre es hingegen komisch. Trilletur ist eines dieser norwegischen Wörter, die ich erst kenne, seit Gesa auf der Welt ist. So wie helsestasjon, bleier, barselgruppe oder åpen barnehage. Trilletur…Na? Naaa? Naaaaaaa?

Genau, eine trilletur ist eine Wanderung oder ein Spaziergang mit dem Kinderwagen.

Hallo, meine lieben Leser, schön, dass wir uns hier wieder treffen! Früher haben Martin und ich unseren Rucksack geschnürt, haben uns ein Ziel ausgesucht und sind losgewandert. Bergauf und bergab, durch Wälder, über Wiesen, auf Wanderwegen oder Trampelpfaden.

Dann kam Gesa und plötzlich stellte sich die Frage: Auf Tour – ja gern – aber geht das mit Kinderwagen?

(“Hä?? Nehmt doch eine Trage!”, höre ich Euch rufen. Zu faul, entgegne ich da. Zu schwer und überhaupt schleppe ich dann nicht nur das Kind, sondern wir müssen auch ihre ganze Ausstattung mitschleppen…nee, nee, nee. Barnevogn it is.)

Wir machten uns also auf die Suche nach Tips für Wanderungen mit Kinderwagen: “Tur med barnevogn nordmarka” fragte ich. “Trilleturer“ von Gry Støyvind Hoell, antwortete Google. Irritiert versuchte ich trilletur zu übersetzen und war bald sicher, den richtigen Begriff gefunden zu haben. Das Buch zu kaufen ging fix.

Und dann passierte erstmal gar nichts.

Ich blätterte ein paar Mal begeistert hin und her, schrieb Touren auf, die wir UNBEDINGT machen sollten…

…und dann passierte wieder gar nichts.

(Ich weiß ja nicht, wie es Euch so geht: Ich bin ganz groß im Plan schreiben, Plan aufhängen und Plan angucken. Ich liebe Pläne. Und manchmal habe ich dann das Gefühl, genug getan zu haben. Mein Küchenorganisationsplan, beispielsweise. Großartig ist der! Und wie er da hängt! Super! – Meine Küche hingegen…)

Am letzten Wochenende hatten wir dann Familienwochenende und wollten wandern. Raus aus der Stadt, ab in den Wald, eine tolle Tour – aber bitte irgendwohin, wo ich auch Waffeln essen kann.

(Ich weiß ja nicht, wie es Euch so geht: Eine Wanderung ohne irgendwo einzukehren, finde ich doof. Ich brauche immer ein Ziel und zwar eines mit Verköstigung!)

In unserer Zeit vor Gesa waren wir immer gern zum Ullevålseter gewandert – vom Sognsvann aus, eine Strecke, die mit Kinderwagen aber nicht möglich ist. “Ohhhh!”, schwärmte ich, “Ullevålseter…da gibt es soooo leckere Waffeln!” Ein Blick ins Trilleturbuch und bald stand fest: Jawoll, Ullevålseter, das geht auch mit Kinderwagen! Hurra!

Am Samstagmorgen ging es los und ich erlebte wieder einen Aspekt, den ich an Oslo ganz besonders schätze: Man steigt in die öffentlichen Verkehrsmittel (in diesem Fall die Busse 25 und 51) und nach knapp 30 Minuten standen wir mitten auf dem Land. Rote Bauernhäuser, Felder, Seen – Idylle pur. Die Haltestelle hieß “Hammeren” und lag genau gegenüber des Wanderwegs, der uns zum Ullevålseter (lies: zu den Waffeln) führen sollte. Ich stand erstmal wieder staunend in der ganzen Natur. Das ist das Tolle, wohnt man, wie wir, mitten in der Stadt: Das Staunen, sobald man draußen ist, ist so groß ;)!

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Frohgemut wanderten wir also los, Gesa entdeckte moosige Bäume, schlammige Pfützen, grüßte Hunde und Libellen, wir bestaunten den Wasserfall des Skjersjøflusses, pflückten Löwenzahn und mussten auf der Hälfte des Weges erstmal anhalten und nach Luft schnappen. Atemlos blickte ich in mein Tourbuch. Da stand eindeutig: “Die Berge sind am Anfang der Tour.”

Nun weiß ich dank meines Geologen-Ehemannes, dass es Millionen von Jahren dauert, bis Berge entstehen. Das Buch war von 2009. Es war also relativ unwahrscheinlich, dass diese Berge vor uns in den letzten sieben Jahre entstanden waren. Aber dass sie DA waren, daran bestand kein Zweifel. Und zwar nicht nur am Beginn der Tour. Nein, auch in der Mitte und am Ende. Eigentlich war die ganze Tour eine Berganfahrt mit Ruhemomenten.

Norweger haben einfach andere Maßstäbe. Wir schoben also einfach weiter, genossen die Natur und entdeckten bald ein rotes Holzhaus – unser Ziel!

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Ullevålseter. Es war viel los an diesem sonnigen Samstag, aber wir sicherten uns noch einen Tisch und kurze Zeit später biss ich in eine Waffel und in ein Stück Apfelkuchen.

(Na, was denn? Ich war ja schließlich bergauf gewandert – das musste belohnt werden.)

Im warmen Sonnenschein saß ich zufrieden auf meiner Bank, die Kaffeetasse in der Hand …und verschluckte mich fast, als ich am Ufer des kleinen Tümpels gegenüber ein Pony liegen sah. Ein Pony!! Lag da, einfach so, ohne Zaun drumrum. Ein Pony!!! Gesa, die gerade friedlich Kiesel in einem Eimer sammelte, fühlte sich aprupt in die Luft gehoben und galoppierte unerwartet auf Mutters Arm Richtung Huftier.

Dessen Gedanken, als es uns kommen sah, müssen gewesen sein:

“Oh neeeeeeeeeeeeeeeee!”

So guckte es wenigstens. Und dann tat es so, als würde es schlafen. Na, da hatte das Huftier seine Rechnung aber ohne Gesa gemacht. Nicht, dass sie es streichelte. Nein.

Sie schrie es an.

“Da!! Da!!! Daaaaaaaaaaaa!!!! Daaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaa!”

Ihre Begeisterung war grenzenlos. Die des Ponies nicht. Es hob den Kopf und blinzelte gelangweilt.

Gesa wurde vor Ehrfurcht stumm und musste sich setzen.

Das Pony, zufrieden mit seiner ökonomischen Wirkung (minimaler Einsatz für maximalen Ertrag) schüttelte das weiße Haupt und schlief ein.

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Nach einigen Minuten brachte ich mein immer noch überwältigtes Kind zurück zum Tisch, wo es das Pony imitierte und einschlief.

Unsere trilletur kam nun in die ruhige Phase. Vom Ullevålseter wanderten Martin und ich (mit der schlafenden Gesa im Kinderwagen) bergab Richtung Sognsvann (ja, es gab doch einen Kinderwagentüchtigen Weg!) und stiegen dort in die t-bane Richtung Zivilisation.

Schön war es und wir freuen uns auf’s nächste Mal!

***

So, das war es für heute, meine lieben Leser! Genießt das schöne Wetter, schwingt Euch vom Sofa in den Wald und tut was für die Laune und die Gesundheit. Ich wünsche uns allen eine gute Woche. Morgen früh klettere ich auf den Zug nach Bergen und lerne nicht nur endlich die Stadt kennen, sondern sehe auf der siebenstündigen Zugfahrt auch ganz viel Norwegen. Darüber, natürlich, mehr am nächsten Freitag. Ganz liebe Grüße gehen heute nach Lillehammer zu Anne und ihrer Familie.

Hilsen,

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Ulrike

Das Strandbad Sørenga in Bjørvika ODER Diesmal bade ich nur meine Füße drin…..

@playmobil.de

@playmobil.de

In meinem ersten Sommer in Oslo wollte ich unbedingt ins Freibad. Gegenüber unserer Wohnung lag das Frognerbadet, DAS Osloer Freibad. Nichts wie hin da, jubelte ich und wurde dann von der Preistafel am Eingang gestoppt. 90 norwegische Kronen sollte ich bezahlen…mal ausgeschrieben NEUNZIG…das waren über 10 Euro. Für’s Freibad! Ich konnte es nicht glauben, packte meine Gummiente und meine Badelatschen und ging wieder nach Hause. Aber seitdem habe ich viel gelernt. In Oslo, da muss nämlich keiner ins Freibad. In Oslo, da geht man entweder in den See oder ins sjøbad – ins Strandbad. Davon gibt es einige in der Stadt. Kostenlos. Und seit Juni gibt es ein neues Strandbad. Das Sørengabad – ein echtes Juwel. Packt die Badehose ein und kommt mit mir mit!

Hallo, meine lieben Leser, schön, dass wir uns hier wieder treffen. Spontanität ist angesagt, will man 2015 den norwegischen Sommer erwischen. Da ist genaues Beobachten von Wettervorhersage und Wolkenbewegung angesagt, damit man im entscheidenden Moment die (natürlich schon gepackte) Badetasche an sich reißen und an den Strand flitzen kann. So wie wir am vergangenen Sonntag. Freund Christian hatte uns das neue Strandbad als Ziel vorgeschlagen. Ich war völlig ahnungslos, wo genau das sein sollte. Am Wasser, ja, danke, sooooviel wusste ich auch. Allen suchenden Osloanern oder Oslobesuchern sei also der Weg erklärt: Ab zur Oper (die findet jeder) und dann rechts an der Oper vorbei. Die neu angelegte Hafenpromenade entlang…

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…über eine schaukelnde Fjordbrücke…

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…und dann den Massen hinterher bis zum Wasser…

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@ChristianErhard

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@ChristianErhard

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@ChristianErhard

Es lohnt sich auf jeden Fall. Neben einer Liegewiese und Liegeflächen auf den Holzbohlen bietet Sørenga ein Babybecken, abgetrennte Schwimmbahnen für die „sportlichen“ Schwimmer, einen Sprungturm mit Blick auf die Fjordinseln und genug Schiffe und Baukräne zur optischen Unterhaltung.  Seit Februar 2014 wurde das aus drei Teilen bestehende Strandbad im südlich von Oslo gelegenen Fredrikstad gebaut. Rund 16 Monate später erreichte das insgesamt 190 Meter lange und 4650 Tonnen schwere Konstrukt das Osloer Ziel am Neubaugebiet Bjørvika.

Die baulichen Fakten haben uns an diesem sonnengefüllten Sonntag wenig interessiert. Wir sind raus aus den Hosen und rein ins Wasser und sofort erkannte ich, warum das Frognerbad unglaubliche 10 Euro Eintritt verlangen darf: Die haben dort warmes Wasser. Statt der koseligen 25 Grad begegnete mir das Fjordwasser mit…keine Ahnung…bibber, schnatter… auf jeden Fall sehr viel weniger. Um also das norwegische Strandbad richtig genießen zu können, müssen schon tropische Temperaturen herrschen, dachte ich. Aber nach ein paar Minuten hatten sich meine Füße an die Kälte gewöhnt und ich…

Ja, meine Füße.

NATÜRLICH war ich nicht komplett drin!

Seid Ihr verrückt?

Also der Sommer 2014, der hatte es in sich mit 33 Grad, da, ja da hätte ich mich in die Fluten gestürzt.

Dieses Jahr kommt das Thermometer, wenn überhaupt, auf knappe 23 Grad – nicht warm genug für mich und den Fjord.

Gesa war drin. Mit Schwimmwindel und viel Gejuchze.

Hinterher haben wir uns auf der Liegewiese von der schüchternen Sonne trocknen lassen, Leute beobachtet, Kekse gegessen und es uns in Sørenga gut gehen lassen. Wir kommen wieder, soviel ist klar. Also Osloaner und Besucher: Lasst die Oper links liegen und kommt in das wohl schönste Strandbad, das Oslo momentan zu bieten hat.

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Und das für umsonst!

***

So, das war es schon für heute, meine lieben sonnigen Leser. Ich hoffe, Ihr lest den Blog irgendwo ganz entspannt im Urlaub unter Palmen oder auf Bergen, unter dem Sonnenschirm auf dem Balkon oder im Flugzeug auf dem Weg in die Ferien. Habt eine tolle Zeit, tankt viel Sonne und lasst es Euch gut gehen!

Ha det bra,

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Ulrike

Hallo Sommerloch! ODER Worüber schreibe ich bloß????

Hm. Okay, ich könnte…nee, langweilig. Okay. Vielleicht über…neeiiiiinnnn….öde. Hm. Naja, du verbringst viel Zeit mit…och neeeee, das interessiert doch wirklich keinen.

Ohje.

Es ist passiert.

Ich habe kein Blogthema.

Hallo, meine lieben Leser, schön, dass wir uns hier wieder treffen. Seit vier Tagen zerbreche ich mir den Kopf, über was ich heute schreiben könnte. Und mir ist nichts wirklich Gutes eingefallen. Seht Ihr, es ist so: Oslo ist in Sommer-modus verfallen. Außer Touristen und ein paar Späturlaubern wie uns ist die Stadt leer. Restaurants und Hotels sind geschlossen, Freunde und Kollegen verreist, Geschäfte haben Sommeröffnungszeiten und es gibt in unserer Straße so viele freie Parkplätze wie sonst nie im Jahr. Und diese ganze Ferienstimmung ist ansteckend. Nun will ich aber den Blog nicht für die nächsten acht Wochen ruhen lassen – dachte ich ganz streberisch und brav.

Tja und dann ging die Themenauswahl los. Ein paar Gedankenblitze hier, ein paar halbgare Ideen dort, aber nicht DIE zündende Idee.

Zum Verrücktwerden!

Da ich aber keine Lust hatte, verrückt zu werden, sind Gesa und ich stattdessen zu unserem Superspielplatz im Frognerpark gegangen, sind gerutscht und geklettert. Davon hatte ich am Ende des Tages zwar auch kein Blogthema – aber eine Menge Spaß! Die Frognerborg ist der wohl coolste Spielplatz in Oslo, ein Kletterparadies mit Rutschen und Sandkasten und anderen lustigen Kindern und netten Eltern. Hier treffen sich der portugiesische Vater auf pappaperm mit der norwegischen mormor, britische Urlaubskinder auf philippinische Au pairs und alle werden beobachtet von einem deutschen Krabbelkind, das einfach nur glücklich ist dort zu sein.

Echt toll dort, aber für den Blog auch nicht sehr hilfreich.

Am dritten Spielplatztag hatten sich mehrere Ideen auf meinem Notizzettel angefunden, aber bevor ich die recherchieren und ausarbeiten konnte, musste ich erstmal ein Eis essen und die Küche re-organisieren und mich mit Freunden treffen und….

@OliverWeiss

@OliverWeiss

„Du hattest doch nicht eine gute Idee.“

Oh nein.

Du schon wieder.

„Hallo.“

Mein Gewissen.

„Wir haben uns lange nicht gehört.“

Uh-hu.

„Und da bin ich wieder.“

Super.

„Wie gesagt: Du hattest nicht eine gute Idee.“

Stimmt, ich hatte MEHRERE gute Ideen. Und wisst Ihr was? Ich werde sie Euch ALLE präsentieren, jawohl, komplett unrecherchiert, mehr so ein…

…ein…

..ein norwegisches Kaleidoskop!

„Interessante Wortwahl.“

Pscht.

„Wer soll dir das denn abkaufen?“

Du fliegst hier gleich raus.

„Wa…?“

Ich schmeiß dich raus.

*schweigt*

Geht doch. Also: Starten wir mit anscheinend alten Neuigkeiten, die ich aber erst Mittwoch gelesen habe. Was die Spice Girls können, können wir schon lange, dachten sich…naaa, wer??? DIE norwegische Band schlechthin, die 1985 für 32 Wochen die US-Popcharts anführte. Und zum 30jährigen Jubiläum entschloss sich die eigentlich 2010 aufgelöste Gruppe, es noch einmal zu versuchen.

@wikia.com

@wikia.com

A-HA_TourAdmat_F.indd

@a-ha.com

Jawohl, a-ha is back!

Ein bisschen Überzeugungsarbeit mussten Morten und Paul wohl üben, bevor sich der zum erfolgreichen Bildhauer gewandelte Ex-Keyboarder Magne „Mags“ entschied mitzumachen, aber nun sind Tourneedaten und neue CD auf dem Weg. Von den angekündigten Konzerten finden 13 in Deutschland statt und keines in Norwegen. Hier hätten sie schon überall gespielt, so die Aussage der drei, aber sie seien natürlich offen für Angebote. Schließlich, so Paul, sei Norwegen ihr Heimatland.

Ich fand „Take on me“ damals toll und auch die anderen Lieder, bin aber kein Fan dieser Rückkehr-Welle. Aber noch schlimmer als eine Band, die zurückkehrt, immerhin mit neuen Songs, sind die „Künstler“, die seit den 80er von einer Nostalgiewelle auf die nächste springen. Ende Juli findet in Kragerø, DEM Urlaubsgebiet für Norweger in Norwegen, das Retro Live Festival statt. Haltet Eure Hüte fest, es treten auf:

UB40, Alphaville, Samantha Fox, The Hooters, Opus, Inner Circle, Katrina and the Waves und…und…und….THOMAS ANDERS!

Ich bekomme eine Gänsehaut beim puren Gedanken, während Martin am liebsten gleich losfahren würde. Nein, nie im Leben, um so ein Festival zu überstehen, müsste ich bösartig betrunken sein.

Was ja hier in Norwegen ein Vermögen kostet. Irgendwann zu Zeiten der Prohibition hat Norwegen beschlossen, den Alkoholgenuss seiner Einwohner staatlich zu regulieren und hat das sogenannte vinmonopolet gegründet, das Wein-Monopol. Nur hier darf Alkohol mit mehr als 4,75% verkauft werden. Bier findet sich auch im lokalen Supermarkt. Die Preise sind in beiden Geschäften absolut absurd – dank sehr hoher Steuern ist Alkohol in Norwegen ein wahres Luxusgut. Wie die Norweger damit umgehen? Tja, entweder wird es achselzuckend ins monatliche Budget eingeplant oder man fährt auf Harrytur nach Schweden oder, noch besser, mit der Colorline-Fähre nach Kiel.

Die staatliche Regulierung ist meiner Meinung nach komplett nach hinten losgegangen: Ich habe in keinem unserer anderen Ländern eine derartig extremes Trinkverhalten gesehen. Und ich habe in Schottland gelebt! In Norwegen trinkt man nicht einfach. Hier wird gesoffen und zwar schon früh. Übelst betrunkene Jugendliche sind an Wochenenden ein normales Bild, bei Weihnachtsfeiern, dem julebord mit kostenlosem Alkohol, sind viele Teilnehmer schon nach der Vorspeise am Boden und angeblich werden junge Norweger nur locker mit genügend Promille im Blut. Damit die auch am besten nur Zuhause trinken, gibt es in norwegischen Bars eine Altersbeschränkung: Unter 21, teilweise auch 23, kommt hier keiner rein. Aber irgendwie hilft das auch nicht.

Norwegischen Modebloggern hat es übrigens nicht geholfen, versteckte Werbung auf ihren sehr populären Blogs zu platzieren. Immerhin haben sie so hochoffizielle Post bekommen – nämlich einen Brief vom forbrukerombudet, einem Verbraucherrat, der die meist weiblichen Bloggerinnen von ihrem (eventuell) illegalen Tun informiert hat. Die Begeisterung über die Post hielt sich in Grenzen, Aftenposten sprach sogar von einer „Hetzjagd“ (jaja, das Sommerloch!). Gelernt habe ich dabei, dass viele dieser Bloggerinnen von ihrem Blog leben – und zwar nicht schlecht. Irgendwie muss ich mal mein Konzept überdenken.

Und wenn ich schon mal am Überdenken bin, fällt mir hoffentlich auch für nächsten Freitag ein tolles Blogthema ein. Das wär doch gelacht!!! Bis dahin danke ich für Eure Geduld, wünsche uns allen eine tolle Woche mit viel Sonne, guten Ideen und ganz viel Spaß.

Ha det bra,

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Ulrike

Winke winke! ODER Sommer ist die Zeit der Abschiede…

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Hier in Norwegen habe ich gelernt, Abschied zu nehmen. Das hört sich jetzt dramatischer an, als es ist. Aber nach drei Jahren, in denen immer wieder liebgewordene Menschen die Stadt verlassen, kann ich sagen: Ich bin ein Abschiedsprofi.

Hallo, meine lieben Leser, schön, dass wir uns hier wieder treffen. Der Beginn des Sommers ist immer auch ein Ende hier in Norwegen. Nicht einer unserer drei Sommer hat hier ohne Abschiede gestartet.

„Wie denn, was denn, es ist doch so toll in Norwegen, wo wollen die denn alle hin?“ höre ich Euch fragen.

Hier in Oslo, gerade in der deutschen, aber ich vermute auch in anderen ausländischen Gemeinden, ist der Wechsel hoch. Es gibt Menschen, die von vornherein nur für eine bestimmte Zeit in der Stadt sind. Dazu gehören deutsche Au Pairs, die nach ihrem Abitur in Deutschland Lust aufs Ausland hatten. Oder Praktikanten an deutschen Institutionen wie der Deutschen Schule oder der Deutschen Botschaft. Einige absolvieren ein soziales Jahr hier über die Organisation Aktion Sühnezeichen Friedensdienste. Sie alle bleiben meistens für ein Jahr in Oslo.

Dann gibt es sogenannte „Expats“, Arbeitnehmer, die von ihrer z.B. deutschen Firma für eine gewisse Zeit in eine Auslandsfiliale versetzt werden. Nach meistens vier Jahren ist auch hier ein Wechsel angesagt und die Familien kehren entweder nach Deutschland zurück oder ziehen in das nächste Land. Ähnliches gilt für die Mitarbeiter der deutschen Botschaften. Oder, wie dieses Jahr, für die Pfarrerfamilie der Deutschen Gemeinde. Nach neun Jahren gab es keine Verlängerungsmöglichkeit mehr und Familie Baur ist letzte Woche nach Stuttgart zurückgekehrt.

Dann gibt es natürlich rein persönliche Entscheidungen: Jemand hatte schon immer den Traum, nach Norwegen zu ziehen. Aber irgendwie, irgendwas und überhaupt passt es nicht. Das Heimweh ist groß, die Familie fehlt zu sehr, die Arbeitswirklichkeit hier in Norwegen gefällt nicht. Der oder die Liebste in Deutschland will vielleicht doch nicht nach Oslo nachkommen, der Katze gefällt es hier auch nicht und überhaupt ist alles komisch.

Tja und dann heißt es irgendwann, meistens eben zum Sommer: Tschüß, Oslo.

In den ersten drei Monaten musste ich mich schon von zwei sehr netten Menschen verabschieden und fand das blöd. Danach habe ich ernsthaft überlegt, neue Bekanntschaften als erstes zu fragen: „Wie lange bleibst du hier?“ um dann, bei falscher Antwort, das Weite zu suchen.

Das klappte nicht.

Irgendwann habe ich es dann akzeptiert. Das ist nun einmal so, habe ich gelernt, vor allem, wenn man sich in einer Auslandsgemeinde bewegt, wie wir eben in der deutschen Gemeinde hier in Oslo. Aber statt jetzt jedes Jahr in Tränen auszubrechen, sage ich mir: Toll, dass ich so viele verschiedene Menschen kennenlerne. OK, vielleicht verbringen wir nur ein paar Monate zusammen, aber das ist doch besser, als hätten wir uns nie getroffen.

Das hat natürlich auch Nachteile. Je öfter man sich verabschiedet, umso mehr gewöhnt man sich daran und denkt irgendwann: Ach ja, jetzt kommt diese Zeit wieder. Was nicht heißt, dass der Abschied weniger schwer fällt. Aber man ist…oder ich bin…von vorne herein distanzierter in diese neue Bekanntschaft gegangen. Und dann fällt das Abschied nehmen weniger schwer. Das ist schade – aber ich kann doch nicht jedes Jahr den Sommer mit Tränenströmen begrüßen!!!!!

Wirklich nicht!

Wie sähe man denn dann aus nach ein paar Wochen?

So aufgequollen und überhaupt!

Das ist doch nicht hübsch!

Auf jeden Fall ist das Abschied nehmen ein Teil meines Lebens hier in Norwegen geworden und ich bin froh für alle, die dieses Jahr hiergeblieben sind. Froh bin ich aber auch für die, die ich kennenlernen durfte und die nun wieder zurück in der Heimat sind.

Warten wir auf die, die jetzt kommen und alle meine Freunde hier in Oslo warne ich: Bleibt bloß hier!!!

So gut bin ich dann im Abschied nehmen doch noch nicht!

***

Das war es für heute, meine lieben Leser. Ich wünsche uns allen eine sonnige Woche mit angenehmen Temperaturen, viel Lachen, wenigen Abschieden und all den Sachen, die man im Sommer so machen will. Meine speziellen Grüße gehen diese Woche an meine Blog-Kollegin Corinna vom Italien-Blog Mein Apulien mit ganz herzlichen Glückwünschen zur Geburt des kleinen Davides.

Macht es gut, bis nächste Woche,

ha det bra,

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Ulrike

Sommer in Oslo ODER Ich buddel‘ mir ein Loch und warte auf Besserung

 

Die Thermometer in Oslo zeigen gerade sportliche 26 bis 31 Grad an. Das ist fein, besonders für Menschen, die die Hitze lieben. Ich allerdings überlege, mir im Frognerpark ein Loch zu buddeln, mich hineinzulegen und auf bessere Zeiten zu warten.

Hallo, liebe Leser, schön, dass wir uns hier wieder treffen. Der Sommer ist also da und zwar mit Karacho. Nun haben er und ich schon immer ein gestörtes Verhältnis und seine hohen Temperaturen (alles ab 24 Grad) kann er von mir aus für sich behalten. Hier in Norwegen hatten Sommer und ich bisher eine Art Waffenstillstand gelebt: Er bot mir max. 24 Grad, ich lobte seine Vorzüge.

Ohne große Vorwarnung hat der norwegische Sommer nun aber über die Stränge geschlagen. Und das gerade jetzt, wo ich schon bei frühlingshaften 20 Grad keuche wie ein Nilpferd nach dem Baden. Und nicht nur, dass der Sommer über die Stränge schlägt: Die Menschen ziehen mit. Gestern jubelte es in den sozialen Medien ob meiner Aussage, dass Oslo sich in Madrid oder Athen verwandelt hatte und wahnwitzige 31 Grad bot: „Toll! Super! Prima! Ich komme! Warum jetzt, ich bin gerade nicht da! Endlich Sommer! Ich liebe Hitze!“ schlug es mir entgegen und ich fühlte mich augenblicklich unverstanden und ungeliebt.

Nun, es ist heiß, da tendiert frau zu übertriebenen emotionalen Momenten. Und nicht nur frau, oder? Nach der brutalen Heimsuchung in Belo Horizonte durch die deutsche Elf kühlten sich die geschockten Brasilianer mit ihren eigenen Tränen, Torkeeper Julio Cesar riss es fast wieder beim anschließenden TV-Interview und das lautstarke Heulen der entsetzten Fans erstickte den deutschen Jubel. Auch das Spiel Ecuador-Kolumbien erinnerte mehr an eine schlechte Seifenoper als an gestandenen Männersport. Aber vielleicht wurde bei dieser so unerwartet unerwarteten WM das Ausschütten von Tränenflüssigkeit wirklich zum Kühlen benutzt und sollte das so sein, dann kann ich das verstehen, ich könnte bei den tropischen Verhältnissen hier in Norwegen auch heulen.

Was aber tun in Oslo an Tagen wie diesen, wo die Nächte keine Abkühlung bringen und jede Busfahrt zum Höllentrip wird? In den Norden wandern, solange bis es kühler wird? Laut Wetterdienst müsste ich bis zu den Lofoten wandern, wo mich wunderbare 15 Grad erwarten. Das schon angekündigte Loch im Park buddeln oder in den Keller ziehen? Die kühlenden Angebote der Stadt nutzen?

Der letzte Gedanke hört sich vernünftig an. Wie kann sich der hitzegestresste Mensch in der norwegischen Hauptstadt das Leben also erträglicher gestalten?

1. Kühlendes Nass (extern): Oslo besitzt ein Freibad am Frognerpark, das außer zwei Becken und einem Sprungturm nicht viel bietet, dafür aber 90 NOK/100 NOK (Wochenende) Eintritt kostet (ja, das sind grob 12,- Euro…). Wer das Geld sparen will, springt an einem der vielen öffentlichen Strände in den Fjord oder in einen der zahlreichen Seen. Ganz neu und chic ist der Badeplatz am Astrup Fearnley Museum in Tjuvholmen, fast direkt in der Innenstadt. Mit Blick auf Bygdøy, das Rathaus und die Festung kann man sich hier in die Fluten stürzen. Mehr Natur bieten die Badeplätze am Songsvann (super mit der T-bane Linie 6 erreichbar) oder am Bogstadvannet. Mit den Fähren 92, 93 und 94 lassen sich unter anderem die Fjordinseln und Strände Hovedøya, Langøyene oder Gressholmen anfahren. Einfach am Hauptbahnhof, gegenüber des Ruter-Turms, den Bus 60 nach Vippetangen nehmen und dort angekommen auf eine der Fähren springen. Bus Nr. 30 oder die eigenen Füße bringen erhitzte Körper nach Bygdøy, wo man sich entweder am Strand von Huk oder an Paradisbukta (der Paradiesbucht) abkühlen kann. Und wenn das alles zu weit erscheint: Einfach die Füße in den Springbrunnen im Frognerpark stecken. Das ist nicht gern gesehen, kühlt aber herrlich ab!

2. Kühlendes Nass (intern): In Oslo gibt es, trotz des normalerweise kurzen Sommers, viele Lokale mit Patios, wo sich die Hitze mit einem kühlenden Getränk ertragen lässt. Norweger tendieren schon die ersten Sonnenstrahlen im Februar mit einem Ute-Pils zu feiern, dem ersten Bier (Pils), das draußen (ute) genossen wird. So betrachtet, lohnt sich die Anschaffung einer Außenterrasse für jeden Wirt und ich mag drei hier in Oslo besonders gern:

– Lekter’n an Aker Brygge: Riesige Sitzkissen oder gemütliche Sitzoasen erwarten Besucher hier direkt am Wasser, wo immer eine nette Brise weht. Ja, das Publikum ist manchmal etwas snobby, aber die Yachtbesitzer und Yuppies können meine Begeisterung nicht trüben. Mit Blick auf die Festung und den Fjord sitzt man mit den Füßen fast im Wasser und findet den Sommer plötzlich viel schöner.

– Frognerseteren: Zugegeben, die Anreise mit der T-bane ist lang und der steinige Abstieg zum Lokal bei 30 Grad kein Zuckerschlecken. Aber dafür wird man mit der wohl schönsten Terrasse und dem wunderbarsten Ausblick über Oslo belohnt, den die Stadt zu bieten hat. Dazu noch ein Stück Apfelkuchen aus der hervorragenden Küche und alles ist perfekt.

– Lorry: Am Ende des Bogstadveien, direkt neben dem Literaturhaus, liegt der französisch wirkende Biergarten des britischen Lokals mit der größten Bierauswahl in Oslo. Rotkarierte Tischdecken und bunte Lichter in den Bäumen wirken wie aus Frankreich entführt und selbst die gestresste Bedienung kann mich nicht ärgern. Hier im Schatten unter einem der großen Bäume zu sitzen – das ist Sommer pur.

3. Eisdielen: Umsonst sucht der verwöhnte deutsche Gaumen in Oslo nach einem Spaghettieis oder einem Bananenflip. Die hohe italienische Gelatokunst hat es noch nicht bis nach hier oben geschafft, was wirklich ein Jammer ist! (Hier also mein Aufruf an Eisdielenbesitzer in Deutschland: Kommt nach Oslo! Wir brauchen Euch!!!) Stattdessen bieten Läden wie Seven Eleven, Deli de Luca oder Narvesen Eis am Stiel oder Softeis. Das ist bei den Norwegern sehr beliebt, aber so richtig nach Sommer schmeckt es nicht. An Aker Brygge finden sich drei verschiedene Eisstände, die Kugeln im Becher oder in der Waffel anbieten. Zwei wirklich lohnende Ausnahmen sind die Eisdiele Paradis kurz vor dem Astrup Fearnley Museum und die italienische Eisdiele Dolce Vita hinter dem Parlamentsgebäude. Kippen hier die Kunden zwar vor Begeisterung aus den Latschen, vermissen Deutsche aber die richtigen Eisbecher, die beim Besuch der Eisdiele einfach dazu gehören.

Kühlen, kühlen, kühlen lautet also die Devise und weiter auf Besserung hoffen. Liebe Osloaner, schickt mir doch Eure Lieblingsplätze der Stadt im Sommer und Tipps, wie Ihr die Hitze hier bewältigt. Ihr lieben Leser aus anderen Orten: Hat bei Euch der Sommer schon zugeschlagen und was sind Eure Tipps bei tropischen Temperaturen?

Kühlen Kopf bewahren heißt es auch am Sonntag für das deutsche Team im Finale gegen Argentinien im Maracana. Was für eine Kulisse für ein Finale!! Ich hoffe auf ein spannendes, faires und unterhaltsames Spiel, das Deutschland am Ende gewinnt. Gerne im Elfmeterschießen! Allen Fußballfans wünsche ich also einen spannenden Sonntag, allen Nicht-Fußballfans rufe ich zu: „Es ist fast geschafft!“

Euch allen wünsche ich eine tolle Woche, einen schönen Urlaub oder eine wunderbare Zeit auf der heimatlichen Terrasse. Genießt den Sommer, denn ehrlich gesagt: Der Herbst kommt schneller als man denkt!

Ha det bra,

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(geht schon….)

 

Ulrike

 

 

Fotosafari Norwegen: Verdens Ende ODER Das Ende der Welt ist näher als man denkt!

„Ich geh‘ mit dir wohin du willst – auch bis ans Ende dieser Welt…“ sang Nena, meine Jugendheldin und BRAVO-Starschnittkönigin, schon 1983. Auch Leinwandlegende Johnny Depp befasst sich als Captain Jack Sparrow im dritten Teil der erfolgreichen Fluch der Karibik-Serie mit dem Ende der Welt. Viele Kulturen haben eine Vorstellung dieses geografischen Punktes, an dem die bewohnbare und bekannte Welt endet. An dem das Mysterium beginnt. Das Abenteuer wartet.

Auch in Norwegen kann man an das Ende der Welt reisen.

Dort gibt es dann Würstchen.

Und Kaffee.

Und gute Angelplätze.

Hallo, meine lieben Leser, schön, dass wir uns hier wieder treffen. Letztes Wochenende sind wir „på hytta“ gegangen – auf die Hütte – eine für Norwegen typische Wochenendaktivität. Viele Norweger besitzen ein eigenes Ferienhaus in den Bergen oder am Meer und verbringen einen großen Teil ihrer Wochenenden oder Ferien dort. Selbst in die Musikbranche hat es das Hüttenleben schon geschafft und zwar mit dem wunderbar schrägen Song The Cabin der norwegischen Band Ylvis.

http://www.youtube.com/watch?v=ua1FAlHt_Ys

Nun verfügen wir (noch?) nicht über eine eigene Hütte, aber mieten geht ja auch. Am Samstagmorgen machten wir uns also auf Richtung Ende der Welt.

In Norwegen liegt das Ende der Welt am südlichen Teil des Oslofjords und kann innerhalb von zwei Stunden bequem mit dem Auto erreicht werden. Leider waren alle Campingplätze, Ferienhäuser und ähnliche Unterkünfte dort bereits ausgebucht. Eva fand aber einen wunderbaren Hof in Tjøme, nur wenige Kilometer entfernt. Die Dokkestua auf dem Holmehof wurde also für eine Nacht unser Domizil.

Nach einem ausgedehnten Angel-Wander-Grill-Fußballabend und einer ungestörten Nacht hieß es am nächsten Morgen: „Auf zum Ende der Welt!“ Auf dem Weg dorthin entdeckten wir noch die Halbinsel Hvasser, die erste Begeisterungsstürme auslöste.

@EvaWenzel

@EvaWenzel

 

 

 

@EvaWenzel

@EvaWenzel

Und was finden wir in einer schnuckeligen Bäckerei mit lecker Backwaren?

 @EvaWenzel

@EvaWenzel

GEITOST!!! Nichts wie weg hier!

Zwanzig Minuten später war dann das Ende der Welt ausgeschildert – und einen Parkplatz gab es auch! Leider gab es aber nur einen Parkautomaten, was bei dem sonntäglichen Ansturm zu einer langen Schlange führte. Und für alle, die es noch nicht wissen: Ich HASSE Anstehen. Nicht im Sinne von: „Och, wie doof, jetzt stehen da 10 Leute vor mir…“

Nein, nein.

Ich bekomme Mordgedanken.

Zuerst gerichtet gegen die zehn bekloppten Leute vor mir, die ja UNBEDINGT auch jetzt hierher kommen mussten, obwohl die genauso gut gestern oder morgen hätten kommen können. Oder von mir aus auch heute, aber dann eben früher. Oder später. AUF JEDEN FALL NICHT JETZT!

Die nächste Wutwelle richtet sich gegen die Betreiber des Parkplatzes. ERSTENS: Wie dusselig muss man sein, um an einer derartigen Touristenattraktion nur einen Parkautomaten aufzustellen? Wo haben die denn ihr Parkplatz-Planungs-Zeugnis gewonnen? Beim Lotto? UND ÜBERHAUPT: Wieso muss man hier bezahlen? Unverschämtheit! Das wird superteuer sein, da bin ich mir sicher, sehen kann ich die Preise noch nicht, weil JA IMMER NOCH 4 LEUTE VOR MIR STEHEN.

Um mir die Zeit noch besser zu vertreiben, hatte jetzt der Typ in der selbstabgeschnittenen Jeans vorne am Automaten seine Geldbörse im Auto liegen lassen. Statt aber einfach zur Seite zu gehen und Platz für den Nächsten in der Reihe zu machen, entschied er sich dafür, die Aufmerksamkeit seiner Frau zu erhaschen. „Hanne! HANNE! HAAAAAANNEEEEE!!!!!“, brüllte die Fransenhose also ohne Erfolg über den Platz. Hanne stand am Kiosk und kaufte gerade ein Eis. Wahrscheinlich mit seinem Portemonnaie. „H A N N E!!!!!!“ schrie die Franse nochmal, gab dann genervt dem Automaten, der ja nun wirklich nichts dafür konnte, einen Schlag und verschwand Richtung Kiosk.

Mir kam fast der Dampf aus den Ohren. Die drei nächsten Kunden erledigten ihr Parkgeschäft aber effizient und endlich, ENDLICH, durfte ich auch. Triumphierend spazierte ich mit dem Parkschein an der mittlerweile unendlich wirkenden Schlange vorbei, platzierte das Stück Papier an seinem Platz im Auto und war endlich bereit für das Ende der Welt.

Ganz schön voll hier.

Mehrere Wege führten ans Ziel, die Sonne kam zwischen den dramatischen Wolken hervor und bald tauchte eine wunderbare Szenerie vor uns auf. (Ich lasse an dieser Stelle gern die Bilder sprechen. Ist ja schließlich eine Fotosafari!)

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(Ein Wippfeuer, die frühere Form des Leuchtturms)

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(Tja…???)

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Und auch für Verliebte ist Platz am Ende der Welt:

@EvaWenzel

@EvaWenzel

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„Die öffentliche Kussbank“ der Gemeinde Tjome. Ob man sich an anderen Plätzen in der Gemeinde NICHT küssen darf, konnte uns allerdings niemand sagen.

Nach stundenlangem Klettern und aufs Meer gucken, Angeln und Kaffee trinken haben wir dem Ende der Welt den Rücken zugekehrt und uns auf den Heimweg nach Oslo gemacht. Ein tolles Wochenende war es! Danke an Eva und Stephan für die Idee – und Euch allen fürs Lesen! Fahrt unbedingt mal ans Ende der Welt, wenn Ihr in der Nähe seid! Und zum Schluss noch mein Lieblingsfoto mit meinem Lieblingsbesucher (links im Bild):

2014-06-29 19.22.24

***

Das war es schon für heute, meine lieben Leser, ich hoffe, Ihr hattet Spaß an unserem Ausflug. Auch in den kommenden Tagen wird es einige Ausflüge geben: Meine Mutter ist zu Besuch und wir wollen hier in der Umgebung noch einiges erkunden. Ausflüge auf die Fjordinseln und in den Ekebergpark, Kaffee trinken in Grünerlokka und und und…

Ich wünsche Euch allen eine tolle Woche, betrachtet das Ende auch mal als Anfang, lasst es Euch gut gehen und vergesst nicht zu lachen!

Ha det bra,

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Ulrike