Skillingsboller in Oslo ODER Eine kulinarische Herausforderung!

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Ha!  Na, das wollen wir doch mal sehen, das wäre doch gelacht, da gebe ich jetzt alles und dann wird sich zeigen – ob man skillingsboller NUR in Bergen hinbekommt!

Hallo, meine lieben Leser, schön, dass wir uns hier wieder treffen. Heute nehme ich Euch mit in meine Küche – das hatte ich schon vor zwei Wochen geplant, es dann aber vergessen – herregud, ich werde 45, das kann ja mal passieren.

Was passieren?

Tja und wir kochen auch nichts aus dem Wikingerbuch, was daran liegt, dass ich heute zum Essen eingeladen bin und am Wochenende meine Mutter kocht, lange Rede, kurzer Sinn: Wir backen.

Also ich.

“Gnade uns Gott.”

Hallo, Gewissen! Backst du mit?

“Nee, lass mich da raus. Ich hab jetzt Wochenende! murmelt: Backen will sie, klar, wir haben ja auch alle das Kransekake-Desaster vergessen….”

Ey, du bist mein Gewissen, du bist auf meiner Seite. – Oder? – Oder??

“Ja, merkst du selber, ne?”

Ich backe jetzt. Punktum.

“Siehe oben.”

Omm.

So, bei den Wikingern habe ich irgendwie nichts gefunden, ich habe dann in meinem Lieblingsbuch “Norwegische Nationalgerichte” geblättert und…BINGO: skillingsbolle.

Die habe ich in Bergen probiert und fand sie megalecker und sie zählen ganz eindeutig zu den norwegischen Nationalgerichten, wenigstens an der Westküste. Die Bergenser kennen die skillingsbolle seit der Hansezeit und den Namen bekam das Nationalbackwerk wegen seines Preises: Eine Zimtbolle kostete damals ….einen Schilling. In ganz Norwegen sind kanelboller beliebt, aber skillingsboller, die gibt es anscheinend echt nur in Bergen!

Das Rezept  liest sich einfach und dann kommt der herausfordernde Satz:

Men de må være bakt i Bergen, for en østlandsk etterligning kan ikke måle seg – det mener nå i hvert fall bergenserne selv!

Habt Ihr verstanden, ja? Skillingsboller müssen in Bergen gebacken werden, Nachahmungen aus dem Osten des Landes können sich damit nicht messen. Das meinen zumindestens die Bergenser selbst.

Na, das wollen wir ja mal sehen!

“Räusper.”

Ja?

“Du, also ausgerechnet Miss Kransekake 2013, will sich dieser Herausforderung stellen?”

Ja, klar! Ich bin in den letzten Jahren viel besser geworden im Backen.

“Klar.”

Bin ich.

“Sicher.”

Du hast irgendwie deine Jobbeschreibung falsch verstanden.

“Ok. räusper-räusper: Du schaffst das.”

Danke.

“Tschakka.”

Egal, dann motiviere ich mich eben selbst. Und los geht es: Ab in die Küche!!! Damit ich nicht ganz vernorwegere, läuft Radio ffn im Hintergrund. Gerade singt Herbert Grönemeyer. Der Meister, oder? Im Moment setzt sich so ein komischer Seelen-Sprechgesang im Radio durch, gefühlsüberladene Männer singen in Trauerstimme und irgendwie ohne Melodie von Liebe und Ewigkeit, da stellen sich meine Nackenhaare hoch, das hat schon bei Xavier Naidoo angefangen…uihuihui….aber Herbert geht immer. Immer. Immer.

So.

Milch, Trockenhefe, Butter, Zucker, Mehl, Zimt – es geht kaum einfacher. Schüssel, Messlöffel, los. Erstmal die Milch auf 37 Grad erwärmen.

Hm.

Woher weiß ich denn, wieviel 37 Grad ist? Ich kann ja schlecht Gesas Fieberthermometer da rein halten. Vor allem, wo das so vorher war….

“Mahlzeit.”

Jaaa, ist ja gut. Also dann google ich das halt. – Aha, looogisch, einfach Finger reinhalten und wenn es weder warm noch kalt ist, schreibt Backkönigin85, dann ist es zwischen 35 und 37 Grad.

Aua.

Meine Milch ist eindeutig heißer. Also pusten.  So, dann den Rest der Dinge dazu und alles gut durchkneten. Es ist ja toll, dass man beim Backen oder Kochen so nebenbei neue norwegische Vokabeln lernt. Hier eine kleine Vokabelliste für Euch:

  • gjæren – die Hefe
  • heving – heben/aufgehen (Teig)
  • kjevler – ausrollen
  • leiv – großes Stück
  • smuldre – abbröckeln/auflösen
  • drysse – streuen

So, der Teig fühlt sich ölig und richtig an. Dann ab in den Ofen zum Aufgehen. Dass ich heute so in Ruhe backen kann (mal abgesehen von meinem nervigen Gewissen) liegt daran, dass Oma Tutta in town ist. Gesas Kindergarten ist heute und am Montag geschlossen und die beiden sind jetzt mit der Straßenbahn unterwegs nach Grünerløkka zum Eis essen. Was auch sonst bei 1 Grad und Nieselregen? Meine Mutter kommt so alle zwei Monate nach Oslo und das ist wirklich eine schöne Sache, für alle Beteiligten und auch eine tolle Hilfe an Tagen wie heute. Also hier mal ein großes Hipphipphurra auf alle Omas und Opas in Fern und Nah: Ihr seid toll! Ob nun Krippe bauen oder Lichterpyramide anzünden, unterm Regenschirm sitzen und Eis essen, bei Oma und Opa ist immer was los.

PING!

Ein Blick in den Ofen und jawoll, der Teig hat sich mehr als verdoppelt. Ich bin so backunerfahren, dass mir das jedes Mal wie ein Wunder vorkommt. Nun Teig ausrollen in ein “leiv” – tja, was bitte ist denn nun ein großes Stück? Definiere “groß”!!! Och, ich mach einfach mal, rolle, rolle, passt schon. Nun den ausgerollten Fladen mit Zimt und Zucker bestreuen – Norweger liiiiiieben Zimt! Also rauf, da. So, nun eine Wurst rollen und in gleichgroße 2cm dicke Scheiben schneiden.

Klappt auch.

Ich sollte eine Bäckerei eröffnen!

“Hüstel.”

Du wieder, dir zeige ich es schon noch.

So, jetzt mit der Schnittfläche auf das Blech setzen. Da steht, dass das Blech eingebuttert sein soll. Ich nehme Backpapier, daran wird es schon nicht scheitern. So, nun noch fünf Minuten gehen lassen. Uihhh, das riecht schon toll! Nun jedes Stück mit Ei bepinseln und ab in den Ofen. 220 Grad für 15 Minuten.

Und ab jetzt sitze ich mit großen Augen vor der Backofentür.

Oh, wow!!!

Gewissen, guck!!!!

“Ja, ja.”

Die werden ganz groß und schön und bollerig!!!!

“Ja, die sehen ganz ok aus.”

Cooooool!!!!!

“Sag mal, wie alt bist du eigentlich!?”

Ich bin gerade 5 und das hier ist der Hit!!!

“Wenn du mich nicht hättest, würdest du im Einhornkleid auf Bäume klettern!”

Uh. Gute Idee! Das machen wir morgen.

Jetzt guck doch mal diese wunderschönen Kunstwerke an.

PING!

Und schon ist es Zeit, die Osloer skillingsboller aus dem Ofen zu holen.

Tataratarata!!!!!!

Schnell den Zucker auf die wunderschönen Backwerke streuen und…fertig!!! Eine erste Geschmacksprobe verrät: LECKER! Zugegeben, sie schmecken anders als in der Bäckerei in Bergen, aber sie schmecken.

“Aha. Also, Experiment gescheitert. Du kannst keine Bergenser skillingsboller backen.”

Hm. Vielleicht nicht. Aber ich kann ganz tolle Osloer skillingsboller backen!

***

So, meine lieben Leser, das war es für heute. Spaß hat es mir gemacht und ich hoffe, wir treffen uns bald wieder in meiner Küche. Uns allen wünsche ich eine tolle Woche mit viel Gemütlichkeit, Lachen und lieben Menschen. Meine wöchentlichen Grüße gehen heute an meinen Lieblingsgaukler: Alles Gute zum Geburtstag!

Für alle, die auch mal wieder Zimtrollen backen wollen, hier das Rezept der Bergenser skillingsboller:

4 dl Milch, 1,5 Tüten Trockenhefe, 100g Butter, 1 dl Zucker, 12 dl Mehl, Zimt, Zucker und ein Ei zum Bepinseln. Milch auf 37 Grad erwärmen, Hefe hinein und auflösen lassen. Butter, Zucker und Mehl hineinmischen und alles gut vermengen. Teig an einen warmen Ort stellen und gehen lassen, bis er sich in der Größe verdoppelt hat. Teig ausrollen, mit Wasser bestreichen und mit Zucker und Zimt bestreuen (großzügig!).  Den Fladen zusammenrollen und 2cm dicke Stücke abschneiden. Mit der Schnittfläche auf ein Backblech legen. Noch einmal gehen lassen. Mit Ei bepinseln und für 10 Minuten bei 220 Grad ab in den Ofen. Staunen! Staunen! Backkunstwerke rausholen, gleich mit Zucker bestreuen, abkühlen lassen und….GENIESSEN!!!!

Ha det,

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Ulrike

Ikke, ikke, ikke ODER Was es hier so alles nicht gibt!

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“Ikke schuh!” – “Mamma ikke!” – “Ikke kindergarten!” – Das norwegische ikke hören wir von Gesa oft, immer dann, wenn etwas nicht da ist, oder jemand etwas nicht tun oder eben immer dann, wenn ikke, also “kein” oder “nicht”, im Alltag unseres kleinen Wirbelwindes so passt. Und da ich das Wort im Moment so oft höre, handelt der Blog heute mal von Sachen, die es in Norwegen NICHT gibt. Oder in Oslo im Moment nicht gibt. Da sind mir in der letzten Woche drei Dinge aufgefallen und von denen erzähle ich Euch jetzt! Bereit? Oder ikke???

Hallo meine lieben Leser, schön, dass wir uns hier wieder treffen. Schon seit Anfang Oktober ärgere ich mich mit dem ersten ikke herum – es gibt nämlich gerade keine funktionierende Müllabfuhr in Oslo. Da die Stadt sparen wollte, hat sie sich bei der Vergabe des Müllentsorgungsauftrags für einen der günstigen Anbieter entschieden. Keine gute Idee. Seitdem bliebt vor allem das Altpapier länger bei uns und will sich so gar nicht trennen. Neben der, für ein 10-Parteien-Haus eh kleinen, Altpapiertonne stapelt es sich: Pizzakartons, IKEA-Verpackungen, Zeitungen, Saftkartons….Einmal pro Woche kommt unser Altpapierheld und Hausmeister Stian und übernimmt den Job der Müllabfuhr. “Ihr habt noch Glück,” erklärt er mir eines Morgens. In anderen Stadtteilen  würde sich, zur Freude von Oslos Ratten,  auch der restliche Hausmüll stapeln.  Da hätten die Müllwerker mal den Schlüssel vergessen, mal hätte das Computersystem versagt, mal standen zu wenig Müllwagen zur Verfügung …dabei arbeiten die Angestellten von veireno schon bis zu 16 Stunden pro Tag. Irgendetwas scheint da nicht zu stimmen. 81 Millionen Kronen spart die Stadt Oslo durch den neuen Vertrag mit der privaten Müllfirma – und das merken wir jeden Tag. Daumen drücken, dass der Leiter des Stadtrats, Raymond Johansen, dem Chaos ein Ende bereitet.

Chaos herrscht momentan auch auf Oslos Bürgersteigen – an die spiegelglatten Rutschbahnen werde ich mich wohl nie gewöhnen. Und verstehen werde ich das erst recht nicht. Der Winter kommt doch nicht unerwartet, warum hat Oslo kein vernünftiges Streusystem? Wir Anwohner rutschen und fallen durch die Stadt und das, was die Norweger mit Humor sehen, finde ich nur nervig. Bei NRK findet man das alles auch lustig und da erklärt mal der norwegische Ringer und Sportler des Jahres Stig Andre Berge wie man am besten auf Eis fällt, ohne sich zu verletzen. Dann testet ein Praktikant, welche Schuhsohlen am besten auf Eis halten oder wie man mit Spikes an den Schuhen steppt.

Naja, das ist schon sehr witzig :)))))))!!

Aber trotzdem: sollte es jemals eine Petition geben, dass ALLE Bürgersteige Oslo mit Wärmekabeln unterlegt werden sollen, würde ich, rutschend oder nicht, dafür in der ganzen Stadt Unterschriften sammeln! Über dieses Thema rege ich mich jeden Winter auf – ist doch schön, sich auf etwas verlassen zu können. “Mensch, sie hat noch gar nichts über den Winter und die glatten Bürgerstiege geschrieben!” – “Waaaaaas? – Erst Trump und nun das??? Die Welt nähert sich ihrem Ende!”

Ans Ende der Welt sind Freunde Jeanette und Stephan geflogen: Nach Svalbard oder, wie es in Deutschland heißt, Spitzbergen. Diese Inselgruppe im  Nordpolarmeer war früher für ihr Kohlevorkommen berühmt und ist seit einigen Jahrzehnten ein riesiges Labor für Arktisforschung. Und diese Forschung findet meist im dunkeln statt: In Svalbard geht die Sonne im Oktober unter. Der nächste Sonnenaufgang und damit das Ende der Polarnacht ist im Februar. Mit einem großen Fest feiern die 2000 Einwohner in Longyearbyen dann die Rückkehr der Sonne. In diese abenteuerliche Dunkelheit verschlug es also unsere Freunde und sie durften dann gleich etwas länger bleiben: Ein Schneesturm brachte den Flugverkehr zum Erliegen. Könnten Piloten in anderen Teilen der Welt noch starten und landen, geht das auf Svalbard nicht: Es gibt kein Radar auf Spitzbergen, denn nach dem zweiten Weltkrieg wurde die Inselgruppe zur entmilitarisierten Zone. Piloten fliegen also auf “Sicht” (wenn ich das richtig verstanden habe) und bekommen keinerlei Unterstützung vom Flughafen in Longyearbyen. Wer diesen abenteuerlichen Ort, an dem es kein Radar aber Eisbären gibt, erleben möchte: Von Oslo aus ist man in drei Stunden am Ende der Welt. Klingt spannend, ikke sant?

***

Das war es für heute, meine lieben Leser. Schreibt gerne in den Kommentaren, welche “ikke” Ihr in Norwegen erlebt habt, das würde mich sehr freuen! Uns allen wünsche ich eine tolle Woche, vergeßt nicht zu lachen und selbst wenn es im Moment nicht rosig aussieht und Euch irgendwer oder irgendwas ärgert: Immer positiv bleiben!

Ha det,

(In Oslo haben wir natürlich auch Eisbären!)

Ulrike

 

 

 

 

Das Wikingerschiffmuseum in Oslo ODER Häkeln wie Hägar!

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King Features sync.

“Häh?” Ich starre verwirrt auf das Maschenchaos in meiner Hand. Um meinen linken Daumen hängt eine wollene Schlinge, in der rechten Hand halte ich die dicke Nadel. So weit, so gut. Aber dazwischen herrscht Chaos. Hilfesuchender Blick in das Anleitungsbuch: “Nicht aufgeben. Es sieht chaotisch aus? Dann ist es wahrscheinlich richtig.” Ah, prima. Dann werde ich also doch bald eine Meisterin im nålebindning, dem Wikinger-Häkeln. Und das alles wegen Bassi!

Vikingskipshuset. Foto: Kulturhistorisk museum,UiO/ Eirik Irgens Johnsen .

Hallo, meine Leser, wie schön, dass wir uns hier wieder treffen! Es gibt Museen in Oslo, da reicht mir ein Besuch. Nicht so beim Wikingerschiffmuseum auf Bygdøy! Dorthin verschlägt es mich immer wieder gerne. Am Mittwoch habe ich es zusammen mit Neffen Bassi besucht, der tollerweise für ein paar Tage in Oslo war. Diesmal erlebte ich am Eingang eine Überraschung: Ein Mitarbeiter der Uni Oslo fragte uns, ob wir eine kostenlose Tour durch das Museum haben wollten. Kostenlos? IMMER! Und dafür sollten wir nur eine Museums-App testen. Er stattete uns mit Handy und Kopfhörern aus und los ging es.

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Ich mag die Schlichtheit im Museum. Drei Wikingerschiffe sind hier ausgestellt, jedes in einem eigenen Gebäudeflügel. Ein ganzer Gebäudeflügel und darin: Ein gewaltiges, schwarzes Holzschiff, meterhoch und unverziert. Dieses Schiff (oder Teile davon, natürlich ist einiges restauriert) ist vor ca. 1300 Jahren über das Meer gefahren. Dann wurde es als Grabschiff für einen Wikingerkönig oder zwei reiche, wichtige Frauen eines Wikingerdorfes genutzt und verschwand. Tausend Jahre später, im Falle des Gokstadschiffes, buddeln zwei gelangweilte Bauernsöhne auf dem Grund ihres Vaters und entdecken die Überreste. Eine langjährige Ausgrabung und Restauration erfolgt. Und nun steht das best-restaurierte Wikingerschiff der Welt so gewaltig vor mir und ich bin wieder begeistert. Komisch, dabei habe ich es sonst gar nicht so mit Schiffen oder Wikingern oder uralten Zeiten. Wer weiß, vielleicht war ich in einem anderen Leben….

Noch bevor ich weiterdenken kann, piepst die App. Ach ja, wir haben ja hier eine Aufgabe! Irgendwie erkennt das Handy, wo genau ich mich im Museum befinde und schickt mir die passenden Infos. Das ist spannend! Bassi und ich klettern auf eine der zwei Aussichtsemporen und begucken die Schiffe aus der Höhe. Auch spannend. Wie immer!

bassi

Als wir durch die Abteilung mit Alltagsgegenständen bummeln, erzählt die App von den bunten Farben, die damals beispielsweise den Schlitten, vor dem ich stehe, verziert haben. Keine Ahnung, wie es Euch geht – ich habe immer Schwierigkeiten, mir die Vergangenheit “bunt” vorzustellen. Die Wikingerzeit präsentiert sich hier im Museum in schwarz, braun und bronze und ich wünschte, ich könnte die Originalfarben auf Holz oder Stoff sehen.

Wir drehen noch eine letzte Runde an allen Schiffen vorbei. Bei der Handyrückgabe stellt uns der freundliche Uni-Mitarbeiter noch einige Fragen zu den Schiffen, puuh, ist ja wie im Examen hier. Na, aber wir wissen fast alles und er zieht zufrieden von dannen. Was machen wir denn nun mit den gesparten 100 Kronen pro Person? Ha, nichts leichter als das: ich gehe entschlossen in den Museumshop auf der Suche nach einem interessanten Souvenir.

Ich liiiiiiiebe Museumshops. Manchmal würde ich am liebsten NUR in den Shop gehen und das Museum links liegen lassen. Der Shop im Zoologischen Museum beispielsweise ist toll oder der in der Nationalgalerie. Der hier im Wikingermuseum ist klein, aber interessant. Wir staunen über ein gläserner Wikingerschiff für unglaubliche 47.000 Kronen, probieren Helme und Mützen auf, greifen zu Holzschwertern. Beim letzten Besuch habe ich das “Viking Cookbook” gekauft, tja und diesmal….hm…

Oh, was ist das denn?

Ein Buch mit dem Titel “Nålbindning” lacht mir entgegen – auf den ersten Blick scheint das Häkeln zu sein, oder was? Zwei Hände halten eine Nadel und einen Faden. Ich trete näher. Hm, so eine Art Wikingerhäkeln oder –stricken. Die passende Nadel gibt es gleich dazu, sehe ich, und mit den Worten “Das ist doch was für meinen Blog!” verschwinde ich zur Kasse.

Tja, und nun sitze ich hier. Und schaffe Chaos. Immerhin habe ich gelernt, dass nålbindning Schwedisch ist, auf Norwegisch heißt es “nålebindning”. Dann lerne ich, dass nålebindning (im Deutschen „Nadelbinden“) eine Urahnin vom Häkeln und Stricken ist. Die Kunst hat aber, dank der Wärme und Strapazierfähigkeit ihrer Produkte, überlebt.

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Sieht das schön kuschelig aus!!!

In ganz Skandinavien fanden sich bei Ausgrabungen Kleidungsstücke, die in dieser Technik hergestellt wurden. Heute geht man davon aus, dass schon in der Bronzezeit „gebunden“ wurde.

Schnell lerne ich auch, dass es ganz schön kompliziert ist, wie alles, was man sich versucht, selber anhand von Bildern und Büchern beizubringen. Bisher ist mir unklar, ob ich einzelne Bänder “binde” und die dann zusammensetze und daraus eine Mütze, Jacke oder Windel mache, oder ob das anders geht. Ich sitze noch an den ersten Maschen, den sogenannten “Oslo-Maschen”, so genannt, weil hier in der Gegend ein Textilstück entdeckt wurde, das aus einer bestimmten Art Maschen gebunden wurde. Ist ja passend, was?

Im Internet gibt es ja alles – natürlich auch Videos zu “nålebindning”. Unter anderen eines, dass mir die Oslo-Masche auf Englisch und FINNISCH erklärt. Sehr unterhaltsam!

Ich binde mal weiter. Ziel: Eine Mütze. Ich gucke mir das Wollgewusel in meiner Hand an und denke: Naja, der Winter 2020 wird bestimmt auch kalt…..

***

So, meine lieben Leser, das war es schon für heute! Guckt doch mal im Internet und greift auch zur Nadel. Eine dickere Stopfnadel reicht dafür auch. Das Wikingerschiffmuseum lohnt sich wirklich und wer ab April in Oslo ist, sollte sich einen Bescuh erst recht nicht entgehen lassen: Ein 3D-Film bringt ab April die Wikingerschiffe an der Decke des Museums zum Leben! Das klingt spannend – ich bin auf jeden Fall dabei!

Meine wöchentlichen Grüße gehen dieses Mal an Imke, Mia und Bianca, die mir in der letzten Woche fix wie der Wind in den Wikingersegeln die Antworten zum Jahresquiz geschickt haben. Wer noch Lust hat: Unter ulrike_niemann@yahoo.no freue ich mich auch diese Woche noch über Antworten. Und Ihr Euch dann über Post aus Oslo – schickt also Eure Adressen mit!

Und noch eine ganz andere Sache: Gestern piepste mein Handy und ich bekam die Noten meiner Norwegischprüfung! Schriftlich/Hören/Lesen B2 und mündlich B1 – ich bin mehr als zufrieden!!

Euch allen wünsche ich eine schöne Woche, lernt mal wieder was Neues, vergesst nicht zu lachen und jemanden in den Arm zu nehmen. Nächste Woche nehme ich Euch mit in meine Küche und wir backen Nuss-Honig-Kuchen – so wie die Wikinger!

Ha det bra,

Ulrike (na, man erkennt doch was!!!)

Das Jahresquiz 2016 ODER Wer will Post aus Oslo?

https://i0.wp.com/www.globalskolen.no/web/NettskoleRessurs.axd

globalskolen.no

Weißt du noch, wie wir im März…? War das nicht toll im September…? Haha, was habe ich gelacht im Juuuli!!!! – Wisst Ihr das noch? Dass es viel Schönes gab im Jahr 2016? Und den ganz normalen Alltag? Ich zeige es Euch! Willkommen zum Jahresrückblickquiz!

Hallo, meine lieben Leser, wie schön, dass wir uns hier wieder treffen! Zuerst wünsche ich Euch allen in Nah und Fern ein mutiges, gemeinsames 2017 – wir lassen uns nichts unterkriegen! Und damit das neue Jahr gleich gut startet, kommt hier das Blogquiz 2016. Wer mir die richtigen Antworten schickt, dem schicke ich einen kleinen Gruß aus Oslo!

  1. Für den Speisesaal welcher Firma hat Edvard Munch 12 große Gemälde gemalt?
  2. Bei welchem sportlichen Event (bzw. Siegerehrung) hier in Oslo konnte ich die “Marseillaise” singen?
  3. Welchen Sport habe ich in einer Halle ausprobiert?
  4. Womit habe ich Euch am 1. April veräppelt?
  5. Was ist trilletur?
  6. Wohin bin ich mit der Bahn und gefühlten 10000 Hurtigruten-Touristen gefahren?
  7. Was passierte im blauen Zelt im Frognerpark?
  8. Welches großes Ereignis gab es für Gesa im August?
  9. Welches Zitat von wem hat mich im September begeistert?
  10. Welches sportliche Ereignis in Oslo sorgte für Schlagzeilen im Oktober?
  11. Was habe ich endlich im November abgelegt?
  12. Was war das Besondere an unserem Adventskalender 2016?

Das war für mich jetzt auch lustig, noch einmal durch die Artikel des vergangenen Jahres zu stöbern. Ich danke Euch, den allerbesten Bloglesern überhaupt, fürs Lesen aber auch fürs Kommentieren, Email und Karten schreiben, für Kommentare in den sozialen Medien und dafür, dass Ihr mich auf der Straße hier in Oslo ansprecht. So wie Gesa und Raphael. Das war eine tolle Überraschung, als die kleine Gesa und ich auf dem Weg von der Color Line nach Hause den Bogstadveien hochschoben und plötzlich angesprochen wurden.

Seit ich den Blog schreibe, durfte ich viele von Euch und Eure Geschichten kennenlernen und das ist eine ganz große Freude für mich. Ganz besonders toll ist es auch, über den Blog mit alten Freunden und nicht zuletzt meiner Familie Kontakt zu halten. Danke dafür!

So und bevor wir nun alle zum Taschentuch greifen: ran an die Fragen vom Quiz 2016! Ich drücke Euch alle aus der Ferne – auf ein gutes, neues Jahr!

Ha det,

kellenhusen2016

(Grüße von der ganzen Familie vom Strandspielplatz in Kellenhusen)

Ulrike