„Hammermäßig“ hat Premiere ODER Deutsches Theater in Oslo

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Hallo, meine lieben Leser, wie schön, dass wir uns hier wieder treffen! Wer von Euch diesen Blog schon länger verfolgt, weiß, dass ich im April schlumperig werde mit den Artikeln. Seit vier Jahren ist nämlich im April Premiere unserer Theatergruppe! Und ganz ehrlich – da schaffe ich es nicht, einen Artikel für den Blog zu schreiben….SHAME ON ME!!!!!

Aber so ganz ohne Grüße wollte ich Euch für zwei Wochen auch nicht lassen – hinterher kündigt Ihr mir die Freundschaft und dann sitze ich hier allein. Das wäre doof!!!

Wir sind also in der heißen Endprobenphase, heute Abend ist Generalprobe und es ist, klar, alles extrem spannend!!! Vor allem, da wir dieses Jahr unser Stück selber geschrieben haben. DAS ist für mich dieses Jahr der Hammer, die Entwicklung von „Hm, wir sollten was zum Luther-Jahr machen…..“ hin zu „Hammermäßig – Eine Revue durch Luthers Zeiten“ mit zwei Vorstellungen in Oslo und einem Gastspiel in Göteborg. Irre, plötzlich nehmen Gestalten und Texte Leben an und bewegen sich bunt, laut und witzig über die Bühne.

Tja und irgendwann waren die Szenen fertig. Ihr wollt wissen, worum es geht? Hier unsere Ankündigung:

„Ein kurfürstlicher Ausrufer mit mütterlichem Schutz, ein eitler Ablasshändler mit schlaffen Waden und ein gestresster Reformator, der eigentlich lieber kochen will: Willkommen im Wittenberg des 16. Jahrhunderts!
Natürlich müsse man etwas zum Lutherjahr machen, hatten die Mitglieder der Theatergruppe im letzten Jahr entschieden. Nur was? Es fand sich kein Stück, das zu der ironisch-unterhaltsamen Art der Kleinen Deutschen Szene passte.
“Dann schreiben wir eben selbst ein Stück!”
Gesagt, getan. Es folgten viele Treffen, in denen die Köpfe rauchten und das Zwerchfell vibrierte. Vieles wurde geschrieben, vieles wieder gestrichen, aber irgendwann – endlich!!! – war das Stück fertig.
“Hammermäßig! – Eine Reise-Revue durch Luthers Zeiten!” lautet das Ergebnis und nimmt die Zuschauer mit in den Alltag des 16. Jahrhunderts – und der ist amüsanter, als man denkt! Zusammen mit der Musik von Erik Gøthesen erwartet Euch ein bunter, witziger und manchmal nicht ganz jugendfreier Abend. Mit viel Humor – und und noch mehr Fantasie – erzählen die Darsteller Geschichten rund um den Thesenanschlag, die so garantiert nicht stattgefunden haben.
Oder vielleicht doch?“

Also, ich würde hingehen 🙂

Wer Sonntag noch nichts vorhat (die Vorstellung am Samstag ist ausverkauft) kommt gerne um 19 Uhr in die Deutsche Gemeinde!

Und nächste Woche gibt es wieder einen richtigen Artikel – versprochen!

Ha det, Ulrike 🙂

LutherGöteborgSchwarzWeiss300dpi

(Die (leider auf dem Foto nicht komplette) Kleine Deutsche Szene Oslo)

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„Karius und Baktus“ im Frognerpark ODER Ab in das blaue Zelt!

 

Sirup

Ich will sofort eine rote Zahnbürste! Eine rote Zahnbürste mit roter Badekappe!! Und diese rote Superbürste soll dann in meinem Mund herumtanzen und alle Bakterien vernichten! HA!!! – Ich war Freitag im Kindertheater. Es hat mich sehr mitgenommen.

Hallo, meine lieben Leser, wie schön, dass wir uns hier wieder treffen. Kürzlich fragte mich Freundin Britta am Telefon: “Kann ich mir mal dein Kind ausleihen?” Nun hänge ich prinzipiell sehr an meiner Tochter und hätte als treusorgende Mutter ja erst einmal nachfragen können: “Hm. Wofür denn?” Schließlich verleiht man nicht einfach so sein Kind.

Nun befindet sich Gesa aber gerade in der Trotzphase.

Ohne weiteren Kommentar rief ich deshalb froh aus: “Klar!! Gerne!! Leih‘ sie dir aus! Ich gehe Kaffee trinken!”-“Super, aber du kannst auch gerne mitkommen.” Schon wollte ich ablehnen, dankbar für einen freien, TROTZfreien, Nachmittag, da hörte ich: “ Im blauen Zelt im Frognerpark spielen sie Kindertheater: Karius und Baktus.

Ahsooooooooooooo…..

In jeder Stadt gibt es alljährlich wiederkehrende Dinge. In Oslo, zum Beispiel, beginnt für mich seit vier Jahren der Sommer dann, wenn im Frognerpark das blaue Theaterzelt aufgebaut wird.

blauZelt

Immer am selben Platz und immer zur selben Zeit. Dort spielen dann im Sommer verschiedene Theatergruppen Stücke für Kinder. Den Anfang macht immer der zweite Jahrgang der norwegischen Theaterhochschule. Seit drei Jahren frage ich mich, warum die armen Studenten nun ausgerechnet vor dem schwierigsten Publikum der Welt – Kindern – spielen müssen. Und seit drei Jahren hatte ich mir auch vorgenommen, einmal im Theaterzelt eine Vorstellung zu sehen.

Bei diesem Plan war es aber auch geblieben.

Doch nun kam der Anschub dank Britta und wir entschieden uns, am folgenden Donnerstag eine Vorstellung zu besuchen. Nun hatte aber noch jemand anders am Donnerstag den Plan, den Frognerpark zu besuchen: Bruce Springsteen. Das war uns irgendwie entgangen. Als wir also frohgemut in den Park schlenderten, begrüßte uns die tiefe Rockstimme vom “Boss”, der gerade Soundcheck machte. Der Parkrasen dröhnte. Wir blickten zweifelnd von der riesigen Bühne auf das winzig wirkende Theaterzelt, das in unmittelbarer Nähe der Konzertarena lag. Hm. Die Entscheidung, für oder gegen Theater mussten wir nicht treffen: Beide Tagesvorstellungen waren ausverkauft. Na, gut. Hörten wir also weiterhin dem Boss zu (der später noch Oslo überraschte), genossen die Sonne und verabredeten uns für den nächsten Tag.

Nun gebe ich zu, dass ich Kindertheater immer sehr kritisch gegenüber stehe. Kinder sind ein sehr anspruchsvolles Publikum, das aber nicht unbedingt die (uns Erwachsenen so wichtige) Qualität einer Aufführung beurteilt. Sie wollen vor allem unterhalten werden. Und das geht auch schon mal mit dem größten, dusseligsten und niveaulosesten Quatsch. Ich saß bereits mit offenem Mund fassungslos in Kindertheaterstücken, während sich die Kinder neben mir lachend vom Stuhl warfen. Und ein Stück, das von zwei Zahnbakterien handelt….ich ahnte Böses.

Nee, nix da. Erstmal fand die Aufführung vom Teater Syklus im blauen Theaterzelt statt. DAS allein war schon ein Erlebnis! Endlich war ich drinnen und thronte mit Gesa und Britta hochoben am äußeren Rand des enormen Publikumsraums. Und außerdem ist das Teater Syklus nicht nur eine wunderbar engagierte, enthusiastische und talentierte Gruppe, die schon seit über 15 Jahren diesen Kinderklassiker im Programm haben – sondern sie spielen eben eine Geschichte von Thorbjørn Egner.

Thorbjørn Egner ist ein norwegisches Heiligtum und Verfasser nicht nur von “Karius und Baktus” sondern er schrieb und zeichnete auch “Die Räuber von Kardamomme” und “Klaus Klettermaus”. Und so, wie ich bereits die beiden letzten Bücher mochte, gefielen mir auch die nervigen Zahnmonster Karius und Baktus ausgesprochen gut. Und den Kindern gefielen die strubbelhaarigen Biester in gestreiften Kostümen noch besser. Beklommen fragte ich mich, ob nun die im Zelt anwesenden Kinder abends im hohen Bogen ihre Zahnbürsten aus dem Fenster werfen würden und dabei riefen: “Wir wollen Karius und Baktus im Mund!!!”

So kann Thorbjørn es nicht gemeint haben.

Auftritt: Die rote Zahnbürste. Mein Held! Meine Angst vor dem dramatischen Anstieg kindlicher Zahnfäule in Oslo legte sich, sobald ein Schauspieler in rotem Overall plus roter Badekappe als rote Zahnbürste über die Bühne fegte.

RoteZahnbürste

Schon waren die Guten und die Schlechten auf der Bühne wieder klargestellt und laut beklatschten Groß und Klein den finalen Abzug der beiden Zahnzerstörer. 35 Minuten hatte der Kampf gedauert, es gab viel zu lachen und am Ende durften wir nicht nur das Bühnenbild aus der Nähe betrachten sondern auch die beiden Hauptdarstellerinnen kennenlernen.

BrittaGesaKarius

(Gesa hat es, trotz ihres Gesichtsausdrucks, sehr gut gefallen. Hoffe ich. Auf jeden Fall war sie extremst beeindruckt. Und ja: Britta und Gesa gehen immer im Partnerlook ins Theater ;))))…)

Ich kann wieder einen Punkt auf meiner “Oslo-to-do”-Liste abhaken.

Und morgen kaufe ich mir eine knallrote Zahnbürste!

***

So, meine lieben Leser, das war es für heute. Ich hoffe, Ihr hattet oder habt einen tollen Sommer mit vielen schönen Erlebnissen. Wir waren drei Wochen in Deutschland und haben Freunde und Familie besucht. Es war lecker und lustig, windig und sonnig, aufregend und schön – wir standen einmal im Stau und zigmal beim Bäcker, haben im Supermarkt gestaunt und im Restaurant jubiliert, sind mit vier Sternen zurück nach Oslo geschippert und hatten eine tolle Zeit.

Hier in Norwegen fängt ab morgen teilweise wieder der Alltag an. Die Schulferien gehen allerdings noch bis zum 19.8. und bei uns beginnt am 23.8. eine neue Etappe im Elternleben: Gesa kommt in den Kindergarten. Bis dahin genießen wir aber noch den Sommer!

Meine wöchentlichen Grüße gehen heute nach Bern, wo Freundin Claudia ihren ersten Abend im neuen Übergangszuhause verbringt. Du fehlst uns! Alles Gute für morgen!!! Kick ass!

Uns allen wünsche ich eine tolle Woche, wir lesen uns dann wieder am Freitag.

Ha det,

GesaichBühne

 

Ulrike