Oslo Ghost Walk ODER Ich weiß jetzt, wo die leichten Mädchen stehen

Am Mittwochabend waren wir unglaublich mutig. Wir haben im Kafe Celsius am Christianiatorv gegessen. Und das war nicht deshalb mutig, weil das Essen dort von zweifelhafter Qualität wäre oder die Bedienung miserabel – oh nein. Das war unglaublich mutig, weil…es dort spukt!

Ein schauriges Hallo meine lieben Leser, wie schön, dass wir uns hier wieder treffen! Heute wird es gruselig im Blog, denn ich habe am Mittwoch mit Martin, Eva und Stephan am Oslo Ghost Walk teilgenommen und kann nun nicht nur berichten, in welchem Haus in Oslo es spukt. Oh nein.

Ich weiß auch, wo die Nutten stehen.

Jaha. Das sind doch mal Infos, das muss man doch wissen, das lohnt sich bestimmt nochmal.

Zurück zum Ghost Walk.

In den letzten Wochen habe ich die Krimistadtführung von Freund Ben ins Englische übersetzt und war neugierig, ob es eine derartige Führung auch in Oslo gibt. Krimi gab’s nicht – aber Geister gibt es. Nun ist das strahlende Sommerwetter nicht ideal für eine Gruseltour („Hier in diesem Teil des Gartens – wo gerade Blumen blühen und Vögel zwitschern – hier spuuukt es gaaaanz gewaltig!“ – „Tirilii, tirilliiiii!“), aber anscheinend werden die Touren auf Englisch nur im Sommer angeboten, also hin da.

Bei 22° und strahlendem Sonnenschein treffen wir am Christianiatorv, einem Platz in der Nähe von Aker Brygge, auf Karianne, unseren Guide. Trotz ihres schwarzen Samtumhangs sieht sie wenig gruselig aus, aber wehe, wenn sie losgelassen! Aus der sympathischen blonden Frau strömen Schreckensgeschichten von Exekutionen, Galgen und einem Henker, der nach seinem Tod sein altes Terrain nicht verlassen wollte und dort nun weiterhin wohnt. In transparenter Rauchform. Direkt am Christianiatorv, im heutigen Kafe Celsius. Mitleidig betrachte ich die Gäste auf der Terrasse, die sich völlig ahnungslos der Gefahr aussetzen und vielleicht statt des Nachtischs eine paranormale Erscheinung haben werden. Aber bitte mit Sahne!

Wie die Menschen heutzutage am Christianiatorv in den Restaurants und Biergärten säßen, erzählt Karianne gutgelaunt, so wären sie vor vielen hundert Jahren auf den Platz geströmt, um zu picknicken und die gebotene Unterhaltung zu genießen: Exekutionen. Ja, damals wusste man noch zu feiern.

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Mit gemischten Gefühlen wandere ich über den Platz und folge der Gruppe zum alten Rathaus, dem Gamle Radhus, in dessen Keller früher Kerker waren. Deren unglückliche Bewohner rächen sich bis heute an allen, die ihre Gemächer betreten. Och schade, in dem heutigen Restaurant hätte ich gern mal gegessen. Aber wenn einem dann ein Geist die eiskalte Hand auf die Schulter legt? Dann doch lieber drüben im Irish Pub Dubliner in der Küche arbeiten: Dort lebt anscheinend ein wahrer Don Juan unter den Geistern, der weiblichen Angestellten in der Küche gerne mal an ihr Hinterteil fasst. Ob man einem Geist eine Ohrfeige geben kann?

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Karianne erzählt wunderbar witzig, ihre Augen rollen und der lange Vorhang fliegt nur so bei der einen oder anderen Geschichte. Auf dem Weg zum Bankplatz wundern wir uns über die Frauen, die verteilt am Bürgersteig stehen. Aber meine Aufmerksamkeit ist zu sehr von Geistern gefesselt, um wirklich darauf zu achten. In schönstem Sonnenschein erreichen wir Akershus Festung und nach Kariannes Aussagen spukt es hier an jeder Ecke. Wir sollten uns aber nicht sorgen, denn seit der Brücke, die wir überquert hätten, wären wir in Begleitung unseres Schutzgeistes.

Ach, guck.

Wie nett.

Ich gucke mich vorsichtig um, aber…

…da unten stehen auch so viele Frauen. HIER stehen die Nutten von Oslo? Ich würde gern Karianne befragen, die aber nicht wirkt, als könne sie auf eine derartige Frage Auskunft erteilen. Eva kommentiert trocken, das wäre wie in Nürnberg, da ständen die Damen auch an der Burg.

Ist das nicht toll, was Ihr hier lernt?

WIR lernen auf dem weiteren Weg, dass es in einer der wunderschönsten Ecke auf der Festung von Akershus ganz fürchterlich spukt. Nämlich hier:

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Habt Ihr schon Angst? Jaja, Ihr denkt bestimmt, wie hübsch es hier ist und kuschelig. Denkt nochmal: Hier geht „malus canis“ um – der böse Hund. (Ich hoffe, das stimmt jetzt so, Lateiner vor!) Irgendwann im Mittelalter sollten irgendwelche Götter gebauchpinselt werden, um Oslo vor dem Angriff der Schweden zu schützen. Ein Opfer musste her und da menschliche Freiwillige nicht Schlange standen, griff man sich einen ahnungslosen Hund und mauerte ihn lebendig ein.

Das fand der nun nicht so toll. Nachdem alles Kratzen und Jaulen vergeblich war, hauchte das arme Tier seinen letzten Atem und verstarb. Und dann ging es los. Als rotäugiger Riesenhund mit langen Krallen jagt er seitdem durch die Festung auf der Suche nach Rache. Wer von dem Monster gebissen wird, stirbt innerhalb von drei Monaten an einem schrecklichen Unfall. Ich bin dann mal schnell weiter, drei Monate wäre jetzt doof, wir haben gerade unseren Oktobertrip nach London gebucht.

Noch weitere Schauergeschichten strömen aus Karianne, die mittlerweile zum begehrten Fotoobjekt japanischer Touristen mutiert ist. Ich beschließe, die Festung in den Abend- und Nachtstunden von jetzt ab zu meiden und sehe Blut, Galgen und Geister an jeder Ecke des gewaltigen Mauerwerks. Gut, dass die Sonne scheint. Auf dem Weg zu unserem finalen Besichtigungspunkt klärt sich die Frage nach den Damen am Rinnstein auf: Die dünnste und blondeste der anwesenden Frauen steigt nach kurzer Diskussion und einigen Augenaufschläge in den VW eines älteren Herren, dem wohl nicht nur die Vorfreude im Gesicht steht. Auf einer Bank am Platz sitzt eine dunkelhaarige Schönheit erschöpft nach getaner Arbeit und wir diskutieren kurz die Anforderungen des Gewerbes.

Also nicht sie und ich.

Eva und ich.

Wissen wir das nun also auch und hören uns die letzte Geschichte von Karianne an, die mich für einige Zeit davon abhalten wird, Tiefgaragen zu betreten. Sogar die Ghostbuster hätten sich dort nicht hineingetraut! Ich sage nur so viel: Kommt nach Oslo, aber übernachtet nicht im First Hotel Grims. Hui-Buh!!!!!!

Nach knapp zwei Stunden ist unsere Tour zu Ende, ein toller Spaß war es! Nun haben wir vor allem eines: Hunger und Durst. Wohin, wohin? Wir wandern zurück Richtung Christianiatorv, als unser Blick auf das gelbe Haus an der Ecke fällt. Das Henkerhaus. Das Haus, in dem Lichter wie von Geisterhand an- und ausgehen, Kassen durch die Luft fliegen und Kellnerinnen erschreckt werden.

Oh lecker, die haben hier Fischsuppe!

Entschlossen blicken wir vier uns an. Who ya gonna call?

Und gehen hinein.

Auf dem Innenhof findet sich noch ein Tisch, nahe am Eingang und so werden wir unmittelbar Zeuge, wie eine Kellnerin stolpert und ihr Messer auf den Boden fällt!!!

Hui-buh!!!!!!

Ja, mehr ist dann nicht passiert. Das Essen war lecker (leider nicht für Martin, denn unser Bruscetta schwamm in Balsamico-Essig 😦 ), der Abend mild und kein Geist wagt sich in unsere Nähe. Gut, das nächste Mal gehen wir im Gamle Radhus essen, vielleicht passiert da was. Wer zweifelt, dem erscheinen sie, meinte Karianne. Warten wir es ab!

Das war es für heute meine lieben Leser. Ich hoffe, Ihr hattet schaurigen Spaß an unserer Tour, guckt doch mal, ob es so eine Führung in Eurer Stadt nicht auch gibt. Plötzlich sieht man Häuser, an denen man immer achtlos vorbeiging, in ganz neuem Licht! Ich werde diesen Text jetzt gleich ins Englische übersetzten, denn eine meiner kanadischen Freundinnen und ich haben uns bei facebook wieder getroffen. Sharon ist ein Fan von Spukgeschichten und hat bestimmt viel Spaß an diesem Artikel. Damit gehen meine wöchentlichen Grüße auch nach Victoria, BC, Kanada zu Sharon: Schön, dass wir wieder Kontakt haben!

Euch allen wünsche ich eine tolle Woche, genießt die Ferien, kommt gut ans Ziel und erzählt mir, ob Ihr an Geister glaubt oder vielleicht schon mal welche gesehen habt???

Ha det bra,

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„Who ya gonna call?“

Ulrike

Ich bin keine nationale Bedrohung, ehrlich! ODER Ein Besuch im Storting

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Hallo meine lieben Leser, wie schön, dass wir uns hier treffen. Fast wäre daraus nichts geworden. Fast hätte ich den Nachmittag im Sicherheitsbereich des norwegischen Parlaments verbracht, wo man mich, meine politische Einstellung und meine generelle psychologische Verfassung getestet hätte.

Warum?

Aus kompletter Schusseligkeit bin ich zur Besichtigung des norwegischen Parlaments mit einem Taschenmesser in der Handtasche gegangen. Das fanden die beiden Wachmänner bei der Sicherheitskontrolle…sagen wir…ungewöhnlich.

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Aber beginnen wir am Anfang. – Es gibt Donnerstagabende, an denen ich keine Idee für den Blog am Freitag habe. Manche Wochen sind spannend, andere sind auch schön, aber eher…normal. Diese Woche beispielsweise: Wochenende in Hamburg (gehört nicht in Blog über Norwegen), ab Dienstag gearbeitet und Artikel geschrieben über Paris, sehr netten Kaffeebesuch gehabt, Essen gegangen und gestern mit meiner jüngsten Freundin rosafarbene Lilifee-Muffins gebacken.

Schön, aber nichts davon war wirklich für den Blog zu verwenden.

Ratlos saß ich also gestern Abend am Laptop. Ein Blick auf die Internetseite von VisitOslo brachte die Lösung für mein Themen-Dilemma:

Freitag, 10 Uhr, englische Führung durch das norwegische Parlament.

Bingo!!!

Reservierung war nicht möglich, Interessierten wurde geraten, sich 15 Minuten vorher am Eingang an der Akersgata einzufinden. Maximale Gruppengröße: 30. Nun ist Oslo im Juli überrannt von Touristen, die Kreuzfahrtschiffe geben sich die Anker in die Hand, die Reisebusse verstopfen die Straßen und so beschloss ich,  schon 30 Minuten früher am Parlament zu sein, um mir einen Führungsplatz (Wortspiel!) zu sichern.

Als ich um Punkt 9.30 siegessicher um die Ecke biege, stehen dort bereits 10 Leute.

Ist doch nicht wahr, wann waren die denn hier? Streber!!!

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Ich lasse meinen Blick schweifen und meine Ohren kreisen, um die Nationalität meiner Führungskollegen zu erraten: Die beiden Frauen mit Kameras vor der Brust, Turnschuhen an den Füßen und ziemlich viel Masse dazwischen – eindeutig US-Amerikanerinnen.  Die jüngere, dunkelhaarige Frau dahinter, die sich abseits der Gruppe hält…hm…groß, dunkler Teint, europäische Kleidung…Spanien? Frankreich? Europa auf jeden Fall.

Der junge Typ, der neben mir an einem Baum lehnt ist eindeutig Deutscher. Außerdem Akademiker; hat wahrscheinlich Philosophie studiert. Der blondierte Feger mit Kurzärmelhemdmann im Schlepptau: Osteuropa. Die beiden Herren mit Basecap, Wanderschuhen und Costa-Reiserucksack: Amerikaner. Das junge Paar bestehend aus rothaarigem Er und kleiner, dunkelhaariger Sie…..hm….Iren? Italiener (sie sieht italienisch aus…)? NEE! Auch Amerikaner, gerade fangen sie an zu reden und zwar in breitestem Texas-Akzent. Witzig. Mal sehen, ob ich die Nationalität von allen herausfinde. Bei dem Deutschen bin ich mir sicher. Hundert Prozent. Fehlt nur noch die Jack-Wolfskin-Hose.

Die Tür des Parlaments öffnet sich und ein Sicherheitsbeamter bittet uns herein. Holla, macht der auch die Führung?

Nein, antwortet er, die mache sein Kollege. Mit schwindendem Interesse blicke ich auf den geschniegelten Abiturienten in zu großer Jacke, der an der Wand lehnt. Nun aber erstmal durch die Sicherheitskontrolle. Sieht aus wie beim Flughafen, funktioniert genauso und auf Waffenfunde in Damenhandtaschen wird hier ebenso reagiert wie am Flughafen: Mit Interesse. Und fragend hochgezogenen Augenbrauen. Bevor sie auch nur ein Wort sagen können, legte ich los: Ehrlich, es ist ein Versehen. Ich habe immer ein Taschenmesser dabei, man weiß ja nie was so kommt und diese Handtasche habe ich seit ein paar Tagen auch immer dabei, die passt farblich so gut zu meiner…ist egal… irgendwie habe ich es eben vergessen und wirklich, glaub mir, es steckt nichts dahinter,  ich würde doch niemals…ich bin ganz harmlos und darf ich zum Schluss noch sagen….Ja, jeg elsker dette landet!

Das hat dann auch die norwegischen Sicherheitskräfte überzeugt, die mit immer größer werdenden Augen meiner gestammelten Entschuldigung zuhören und sich wahrscheinlich die Frage stellen, ob mein Mundwerk nicht die viel größere Waffe ist und weggesperrt werden sollte. Ich schweig stille und gehe zur Garderobe. Tasche und Jacke werden unter den kritischen Blicken meiner Führungskollegen verstaut. Auweia, die lassen mich nicht mitspielen. Ich werfe ein Lächeln in die Runde und zucke entschuldigend mit den Achseln. Der gutaussehende Wachmann gesellt sich zu uns.

Und bleibt in meiner Nähe, während der gesamten Führung.

Das macht der bestimmt immer.

Doch, doch.

Ich ignoriere ihn und konzentriere mich stattdessen auf den bebrillten Abiturienten, der, als warm geworden, richtig witzig ist: Um den ersten norwegischen König zu finden, erzählt er, sei eine Gesandtschaft nach Schweden gereist „on the search of some unemployed princes who wanted to be king of Norway“. Brüller! Offensichtlich gab es keinen arbeitslosen Prinz in Schweden, erst in Dänemark fand sich einer, der Zeit und Lust hatte und 1905 König Haakon wurde. Heute heißt das Landesoberhaupt König Harald, das wissen wir alle, was aber vielleicht nicht alle wissen:  Er ist der erste König, der tatsächlich in Norwegen geboren wurde. Sein Vater, König Olav, erblickte 1903 als dänischer Prinz das Licht der Welt in England. Jawoll. Habe ich so aufgeschrieben, muss stimmen.

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Weiter geht es durch die Backsteinflure des Parlaments, das mich in seiner Schlichtheit und Größe an die Stadtverwaltung in Castrop-Brauxel erinnert. Es hätte damals kein Geld zum Bauen gegeben, antwortet unser namenloser Führer auf meine Frage. Ja, im Vergleich zu anderen Parlamenten wäre das Storting eher klein.  Wie es denn in unseren Heimatländern so aussähe, fragt er in die Runde.

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Ja, der Reichstag in Berlin ist schon viel größer, antwortet der Philosoph ohne Jack Wolfskin-Hose. HA! Hab ich doch gesagt, dass der Deutscher ist! 1:0 für Ulrike! Das Weiße Haus sei auch größer, nicken die beiden Damen mit den Kameras vor der Brust und werden von ihren Landsleuten für den politischen faux pas getadelt.  Bis auf das irisch-italienische Paar hatte ich die Amerikaner also richtig einsortiert. 5:2. Die Dunkelhaarige schweigt und der blonde Feger hat die Frage anscheinend verpasst, während ihr Kurzärmelmann sie fotografierte. Euch kriege ich auch noch. Ich könnte ja einfach fragen, aber das finde ich langweilig.

Über einen weiteren Flur erreichen wir den Plenarsaal – kein Wunder, dass sie kein Geld hatten, das Gebäude größer zu bauen, denke ich, als ich die Goldverzierungen and roten Lederstühle sehe. Wer kann denn hier politisch diskutieren?

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Die Norweger anscheinend und zwar in einer weltweit fast einzigartigen Konstellation: Die Mitglieder des Parlaments sitzen nicht in Fraktionen zusammen, sondern nach Heimatprovinzen geordnet.  Alle Sitzungen sind offen für Publikum, nur einer darf nie anwesend sein: Der König. Die norwegische Verfassung verbietet dem Staatsoberhaupt den Zugang ausdrücklich. Entstanden ist diese harsche Regel in 1814, als Norwegen vom schwedischen König regiert wurde; das Verbot der Teilnahme an parlamentarischen Sitzungen sollte eine gewisse Eigenständigkeit Norwegens bewirken. Bis heute ist es übrigens auch üblich, dass die norwegische Königsfamilie bei den Regierungswahlen nicht wählt.  Es wäre der Verfassung nach erlaubt, aber sie machen es trotzdem nicht.

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Sitz des Abgeordneten aus der Provinz Nord-Trondelag

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Noch ein Foto im rotgoldenen Sitzungssaal und aus dem Fenster über die Karl Johans Gate und weiter geht es. Während ich überlege, ob ich die dunkelhaarige Frau anspreche und einfach frage, woher sie kommt, verpasse ich fast den feministischen Teil der Führung. Wir stoppen vor dem Gemälde einer Frau, die Professor McGonagall aus der Harry Potter-Serie wie eine liebliche Babysitterin erscheinen lässt.

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Obwohl das offizielle Frauenwahlrecht erst 1913 in Norwegen eingeführt wurde, durften ab 1907 bereits Norwegerinnen wählen,  die über ausreichend Grundvermögen verfügten und Steuern zahlten. Anna Rogstad, Pädagogin, Frauenrechtsaktivistin und Mitglied der Frisinnende Venstre, einer linksliberalen Partei, erregte 1911 großes Aufsehen als erstes weibliches Mitglied des Parlaments. Auf der Besuchergalerie war bei ihrer ersten Teilnahme im Parlament kein einziger Platz mehr zu finden und die Menschen drängten sich vor dem Parlamentsgebäude. Zwei Jahre später erhielten alle Norwegerinnen volles Wahlrecht. Heute sind 40% der Mitglieder des Parlaments weiblich.

Knips. (Ich überlege kurz, DOCH bei der Bundestagswahl zu wählen.)

Nach einem kurzen Besuch in der ehemaligen „zweiten Kammer“ des Parlaments (das Einkammersystem wurde 2009 eingeführt) wandern wir über die gewaltige Treppe wieder zurück in den Eingangsbereich des Gebäudes.

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Es kommt zur Wiedervereinigung von Garderobe und Besitzern, ich nehme meine taschenmesserverseuchte Handtasche an mich und sehe im Rausgehen noch, wie sich die Dunkelhaarige den Prospekt über das Parlament in Französisch nimmt. Ha! FAST richtig. Dafür gibt es trotzdem einen Punkt. Wo sind denn der blonde Feger und Kurzärmel so schnell hin? Von denen weiß ich noch gar nicht, ob sie wirklich aus Osteuropa kommen! Ich hechte zur Ausgangstür, errege wahrscheinlich erneut die Aufmerksamkeit der Wachleute, blicke nach rechts und links und sehe, wie die beiden in ein Taxi verschwinden. Ob ich…..?

Nein, die Sicherheitsleute wären bestimmt sofort hinter mir her. Und mit denen hatte ich heute wirklich schon genug Kontakt. Bleibe ich also dabei, dass es Osteuropäer waren und gebe mir noch einen Punkt.  8:2 steht es für mich. Ich kaufe mir zur Belohnung einen Kaffee und schlendere mit dem Messer in der Tasche wohlgemut und sicherheitsbewusst nach Hause.

Wo ich nun sitze und diesen Blog für Euch schreibe, meine lieben Leser. Ich hoffe, Ihr hattet Spaß an unserer Besichtigung und damit einen guten Start ins Wochenende. Meine Grüße gehen diese Woche an meine Schwägerin Gitti mit ganz, ganz lieben Wünschen..aber OHNE „Knuddeln“ :).

Euch allen wünsche ich eine tolle Woche, lasst es Euch gut gehen, genießt die Ferien und den Urlaub, schreibt mir eine Postkarte und kontrolliert immer, was Ihr so in den Taschen habt!

Ha det bra,

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Ulrike