Jeg velger meg april! ODER Frühlingsgrüße aus Oslo…

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Jeg velger meg april
I den det gamle faller,
i den det ny får feste;
det volder litt rabalder,-
dog fred er ei det beste,
men at man noe vil.

Jeg velger meg april,
fordi den stormer, feier,
fordi den smiler, smelter,
fordi den evner eier,
fordi den krefter velter,-
i den blir somren til!

Hallo, meine lieben Leser, wie schön, dass wir uns hier wieder treffen! Der Frühling kommt mit Riesenschritten und auch wenn meine Nachbarn das Haus mit Skiern über der Schulter verlassen, auch wenn jetzt am Wochenende Biathlon World Cup am Holmenkollen ist – ich bin in Frühlingsstimmung. Und zwar ganz genau so, wie Bjørnson das in seinem Gedicht beschreibt. Für mich stürmt und fegt, lächelt und schmeckt, umstürzt und lärmt nicht nur der April sondern der ganze Frühling.

Geht Euch das auch so?

Alles fängt von vorne an und ich bin voller Energie! Habe Lust auf Abenteuer, unzählige Ideen für neue Theaterprojekte, will reisen und lachen und einfach auf und los und weg…oder hin…wie man es eben nimmt! Und da mich bisher immer noch niemand anstellen will (echt deren Verlust, seien wir mal ehrlich ;)…) habe ich auch alle Zeit der Welt, um meine Ideen in die Tat umzusetzen. Das Tolle an Oslo ist für mich: Ich habe hier in den letzten fünf Jahren so viele Projekte starten und Ideen umsetzen können. Niemand hält mich ab, im Gegenteil, es finden sich lauter gutgelaunte Menschen, die sich beteiligen.

Und während also die Norweger glücklich ihr ute-pils genießen, das Straßenleben erwacht und die Sonne vom Himmel strahlt, tüftle ich über meinen Kulturideen. Das ist echter  Luxus, glaubt mir, das weiß ich! Das Neue (also auch eine neue Idee) wird gefeiert, schreibt Bjørnson und recht hat er. Ich bin ja nicht gerade als Lyrik-Fan unterwegs, aber manchmal treffen Gedichte ein Gefühl so genau, dass es mich fast umhaut. Rilke kann das bei mir, Mascha Kaléko oder die wunderbare Dorothy Parker. Rilkes Satz “In meinen Armen schlafen Wälder ein” gibt mir jedes Mal eine Gänsehaut. Ha, und schon habe ich ein neues Projekt für mich selbst: Mehr Gedichte lesen, wer weiß, was an Gänsehaut da draußen auf mich wartet! Hm… und dann vielleicht eine Fotoausstellung mit Gedichten!

Ob Bjørnson auch zum Frühjahrsputz motiviert? Es gibt Menschen, die putzen gerne – mir muss man eine große Belohnung versprechen oder mich währenddessen mit Gummibärchen bei Laune halten. Aber vielleicht schafft der norwegische Nationaldichter ja das Wunder und ich rücke frühlingsenthusiastisch mit Lappen und Eimer dem Winterschmutz zu Leibe. Denn schließlich soll auch hier drinnen Frühling sein. Nille und Clas Ohlson überbieten sich mit gut in Sichthöhe platzierten Putzartikeln, deren Verpackungen frühlingshaft rosa und lindgrün sind und fast Lust auf Putzen machen. (Naja, eine Tüte Gummibärchen daneben würde noch besser wirken!)

Und so schwelge ich also durch diesen frühlingshaften Freitagmorgen und schicke Euch allen, egal wo Ihr seid, die wunderbarste norwegische Frühlingssonne.

Jeg velger meg april,
fordi den stormer, feier,
fordi den smiler, smelter,
fordi den evner eier,
fordi den krefter velter,-
i den blir somren til!

***

Das war es für heute, meine lieben Leser. Ich wünsche uns allen eine wunderbare Woche und schicke beste Wünsche an alle, die selbst der Frühling im Moment nicht trösten kann.

In der Kleinen Deutschen Szene Oslo steigt die Aufregung, denn in knapp zwei Wochen ist Premiere und nach einer sehr geglückten musikalischen Probe gestern freue ich mich noch mehr auf unsere Aufführungen am 1. und 2. April. In der Rasselbande, der Kindergruppe in der Deutschen Gemeinde, haben wir den Frühling schon gefeiert und ich freue mich auf viele weitere Treffen mit diesem lustigen, lauten, bunten Haufen. Hier Zuhause freue ich mich auf unsere Fahrt mit der Color Line, auf lange Touren in Wald und Feld und über ein quasseliges, wirbelwindiges Wunder, dessen Lieblingswort im Moment “Puuups!” ist.

Ob ich das irgendwie auf “Frühling” ändern kann? – Nee, oder? Langweilig!!! Und Langeweile wollen wir im Frühling nicht!

In diesem Sinne: Seid stürmisch und mutig, verliebt und vergnügt, kreativ und neugierig. Es ist Frühling!

Ha det,

Jeg velger meg

Ulrike (und ab geht es nach draußen!)

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König Harald wird 80! ODER Wer wird sich denn da vordrängeln?

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Brauner Mantel mit unechtem Pelzbesatz, schwarze Lederpumps, ein schiefsitzender, kleiner brauner Filzhut. Am rechten Handgelenk schwingt eine Michael Kors-Handtasche. Eine Brille mit starken Gläsern und Hornrand. Und dann kommt ein Lächeln. Ich weiche einen Schritt zurück. Es ist ein Lächeln wie bei Joey, der Gruselpuppe. Ok, ich lasse sie vor. Dann komme ich eben einen Moment später dazu, König Harald zu gratulieren.

Hallo, meine lieben Leser, wie schön, dass wir uns hier wieder treffen! Das norwegische Königspaar Harald und Sonja feiert 80. Geburtstag dieses Jahr. Er am 21. Februar, sie am 4. Juli. Der Gerechtigkeit wegen gibt es ein großes Fest am 10. Mai, quasi in der Mitte. Und während der König, fit wie ein Turnschuh, seinen runden Geburtstag in Südafrika verbringt, ist das Volk geladen, seinem royalen Staatsoberhaupt zu gratulieren. Aber nicht nur per Post oder email von der heimatlichen Couch – neihein, direkt im Schloss!

Na, da muss ich hin!

Ab 14 Uhr, lese ich auf der königlichen Internetseite, könne man sich im Schloss in ein Gratulationsbuch eintragen.  Prima, das passt mir gut, kurz hin, Glückwünsche eintragen, Selfie für den Blog und rechtzeitig wieder Zuhause sein, um mit Gesa die Mumins zu gucken.

Guter Plan.

Und ich bin auch noch ganz optimistisch, als ich am Schloss ankomme, denn da stehen nur ein paar verstreute Menschen vor dem Haupteingang. Kjell Arne Totland, der TV-Experte in Sachen Königshaus, der norwegische Rolf Seelmann-Eggebert sozusagen (der übrigens dieses Jahr auch 80 wird), Kjell Arne Totland steht also auch vor dem Schloss und lässt sich für seinen Heimatsender TV2 interviewen. Sehr lustig finde ich das, habe ich ihn doch eine Stunde vorher noch im Fernsehen gesehen. VIP-begeistert stelle ich mich also in die kleine Schlange vor dem Schloss.

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Hm.

Bei genauerem Hinsehen fällt mir auf, dass sich die Schlange durch den gesamten unteren Eingangsbereich zieht.

Naja, das wird schon schnell gehen, rein, ein paar Zeilen schreiben und wieder raus in die Sonne. Wie lange kann das dauern?

In den nächsten 15 Minuten bewege ich mich nicht einen Schritt.

Und werde unruhig.

Ich hasse es zu warten. Nicht ein “Oh man, Warten ist doof”-Ding, sondern ein komplett physischer Allkörperhass. Endlich, ein paar Schritte vorwärts. Ich kann zum ersten Mal ins Schloss gucken. Vor mir: Menschen, Menschen, Menschen. Alte und Junge, Männer und Frauen, Familien und Einzelgratulanten aus allen Schichten und Ländern. Rechts eine Treppe, die zur königlichen Bibliothek führt, in der die Gratulationsbücher ausliegen. Die Türen stehen weit auf und dort oben auch Menschen, Menschen, Menschen. Zwei livrierte Schlossangestellte regeln den Verkehr und scherzen mit Besuchern. Ein Fernsehteam vom NRK wartet auf willige Interview-Opfer.

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Ich zähle ca. 50 Leute vor mir. Alle zehn Minuten werden ca. 10 Leute nach oben auf die Treppe und in den nächsten Raum gewunken.

Das wird heute nichts mit den Mumins.

Schade. Mir ist öde. Ich merke, wie ich kindernörgelig werden.

Nörgel, nörgel, ich hab Hunger, ich muss Pipi, ich will Eis.

Und dann kommt sie.

Ich spüre  eine Berührung an meinem linken Ellenbogen und wie aus dem Nichts steht diese alte Dame vor mir. Wo kam die denn so plötzlich her, denke ich? Ganz selbstverständlich stellt sie sich zu der Familie vor mir. Na gut, gebe ich nach, da musste die Dame vielleicht mal die Füße vertreten und kommt eben jetzt zurück zu ihrer Familie. Das ist ja ok.

Aber plötzlich schwenkt sie nach rechts und macht sich auf den Weg zur Treppe. Der livrierte Schlossangestellte stoppt die Dränglerin auf der ersten Stufe. Sie wolle dem König gratulieren, erklärt sie lächelnd. (Mit diesem Lächeln!) Das sei sehr schön, erklärt der livrierte Held, das werde den König freuen, aber da müsse sie sich wie alle anderen auch anstellen. Die Vordränglerin guckt ihn lächelnd und verständnislos an. Er lächelt zurück. Alle halten den Atem an. Schließlich dreht sie um und kommt zurück in die Reihe. Lächelnd. Ihre angebliche Familie hat mittlerweile die Schlange verlassen, die Kinder hatten keinen Bock mehr zu warten.

Sie gehörte also gar nicht dazu!!!

Ab jetzt habe ich die Frau im Blick.

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Ihre Taktik ist professionell: Sie nähert sich der Person vor ihr und rückt ihr unangenehm nah auf den Pelz. Dazu tippeln die kleinen Füße in den schwarzen Lederpumps ungeduldig. So bleibt sie eine Weile stehen. Dann: Attacke! Ein kleiner Huster, ein Schwenk mit der Handtasche und schwupps, steht sie neben der Person und beginnt ein Gespräch. Das Touristenpaar, das sie eben überholt hat, verlässt ebenfalls die Schlange. Nächstes Opfer: Eine Frau in den 60ern, die nett und sympathisch aussieht. Plötzlich steht die Vordränglerin neben ihr. Die sympathische Dame, Line heißt sie, lerne ich später, Line also dreht sich mit hochgezogenen Augenbrauen um zu mir. “Unglaublich!”, flüstert sie. Ich schüttele lachend den Kopf. “Soll ich etwas sagen?” fragt mich Line. “Wir sagen etwas zusammen!” bestimme ich. Also sagen wir der Vordränglerin unsere Meinung und fordern sie auf, in ihrem Platz in der Reihe zu bleiben. Und der ist hinter mir! Das Lächeln wird breiter, aber bevor Worte kommen, stehen Line und ich wie die Chinesische Mauer vor ihr.

So, jetzt ist Ruhe.

Die nächsten 30 Minuten verbringen Line und ich im netten Gespräch. Sie ist Opernsängerin, erfahre ich, das ist natürlich super spannend und wir erzählen uns Anekdoten aus der Theaterwelt, bis wir endlich, endlich, die Treppe hinauf zur Bibliothek dürfen. Oben angekommen werden wir gebeten uns kurz zu halten bei unseren Glückwünschen, der Hof habe bereits zwei Gratulationsbücher ausgelegt, aber nicht mit so viel Andrang gerechnet. Es sei zwar wunderbar, dass so viele Menschen kommen, korrigiert sich die livrierte Angestellte schnell, sprenge aber etwas den Zeitrahmen.

Wir werden in die Bibliothek gebeten. Ich bin neugierig, was der König so liest. Eine riesige Sammlung mit norwegischen Gesetzen sehe ich, dazu die Geschichte der Ski-Nation Norwegen. Die massiven,  deckenhohen Regale sind offen, aber natürlich lassen wir die Bücher am Platz. (Obwohl es mir schon in den Fingern juckt!) Line freut sich über ein Buch aus ihrer Heimatregion, ich entdecke eine Märchensammlung, die so ähnlich bei uns im Regal steht.

Und dann ist es soweit! Wir sind dran!

In beiden Zimmern der Bibliothek steht ein Schreibtisch. Darauf liegt das schlichte Gratulationsbuch direkt neben einem gerahmten Portrait des Königspaares und einer norwegischen Flagge. Leider dürfen im Schloss keine Fotos gemacht werden, ich hätte sooooo gerne eins von mir am Schreibtisch gehabt.

Da sitze ich nun also. Mit Blick auf den Schlossplatz, mit Harald und Sonja rechts neben mir und mit einem Stift in der Hand. Ich schreibe…nein, das sage ich nicht…ich schreibe meinen Gruß, nicke dem König im Rahmen zu und gehe die Treppe hinunter. Auch Line hat ihren Gruß geschrieben und verabschiedet sich von mir. Das war eine nette Bekanntschaft. Ich trete hinaus in die Sonne und betrachte die lange Schlange, die sich mittlerweile auf dem Schlossplatz gebildet hat.

Vor mir geht plötzlich die Drängelerin. Ich frage mich, wie sie nun plötzlich schon wieder vor mir sein kann, aber dann gebe ich es auf und genieße die Sonne.

Gratulerer med dagen, Kong Harald!

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***

So, das war es für heute, meine lieben Leser. Falls Ihr am norwegischen Königshaus interessiert seid, die Internetseite ist sehr informativ und auch bei Facebook gibt es eine eigene Seite. Das Königspaar ist beliebt in Norwegen: 80 Prozent unterstützen, nach einer aktuellen Umfrage von TV2, das Königshaus. Was für ein schönes Geschenk zum 80. Geburtstag. Ich habe zu meinem Geburtstag (NICHT 80!!!) letzte Woche ein tolles Buch über das Königspaar bekommen – herausgegeben zu ihrem 25jährigen Thronjubiläum im letzten Jahr. “Alt for Norge” ist der Titel. Das Buch erzählt von den Reisen und Begegnungen in Norwegen und lässt Norweger mit ihren ganz persönlichen Geschichten zu Wort kommen. Von Kirkenes bis nach Kragerø. Danke, Kerstin!

Uns allen wünsche ich eine tolle Woche. Hier in Oslo strahlt die Sonne vom Himmel, passend zum Holmenkollen Skifestival. Genießt die Sonne, gönnt Euch etwas Königliches und seid nett zueinander!

Hilsen,

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Ulrike

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Ja, ist denn schon wieder Freitag? ODER Zeitverschiebung, sorry!

Hallo, meine lieben Leser, wie schön, dass wir uns hier wieder treffen! Der Blog erscheint gerade wieder unregelmäßig und das ist irgendwie gar nicht so geplant, aber diesen Freitag zum Beispiel, war Gesa nicht im Kindergarten und wenn ich versuche, trotzdem einen Blog zu schreiben, liest sich das hinterher ungefähr so:

Hallo, meine lieben…

– Gesa, nein, komm vom Stuhl runter.

…Leser, wie schön, dass…

– Gesa, lass die Hose bitte an….

…wir uns hier wieder….

– ..weil es kalt ist und da muss man eine Hose anziehen.

…treffen. Heute geht es…

– Nein, du kannst jetzt gerade nicht auf Mamas Schoß.

…heute geht es im Blog…

– Gesa, komm, gib mir 5 Minuten…

…um norwegische…

– Ok,dann komm auf den Schoß aber nicht auf die Tastatur…

..bhsdmgpo mcvien d sheiutnaüpoki ,cmnvuiow mxtfcvghokplafmfvpqnmväAK*RR?)1!

Naja, so ungefähr. *LACHT* Es gibt immer und überall etwas mit ihr zu lachen.

Deswegen gibt es also in dieser Woche keinen Blog, weil heute ist Sonntag und wir lümmeln uns gerade gemütlich auf dem Sofa. Und am nächsten Freitag fällt der Blog aus, weil wir in Deutschland sind! Hipp hipp hurra. Aber dann, in zwei Wochen also, sind wir wieder da! Ich wünsche Euch allen eine schöne Zeit, feiert, lacht und tanzt!

Ha det,

Bild könnte enthalten: Personen, die sitzen, Laptop und Bildschirm

Ulrike

 

Schweine im Wald! ODER Ulrikes Wochenmix

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“Und Ihre positiven Eigenschaften?” – Tja, was würde ich da sagen beim Bewerbungsgespräch? …Hm… Ich habe gerade viel Zeit nachzudenken.  Es ist Freitagmorgen, 8.50 Uhr und Gesa und ich sitzen seit einer gefühlten Ewigkeit im Flur. Eigentlich müssen wir los zum Kindergarten. Das wunderbarste Kind der Welt will sich aber selber anziehen. Toll, ehrlich!! Nur: das kann dauern. Gerade zieht Gesa den pinken Winterstiefel, den sie endlich, endlich am richtigen Fuß hatte, wieder aus. “Schuh dumm.” Stellt ihn weg und greift zu den Turnschuhen. Es schneit seit Stunden. “Mamma, Gesa Tuschuh!”(Warum, warum habe ich die Turnschuhe gestern Abend nicht versteckt?) – “Schatz, das geht nicht, es liegt Schnee.” Gedankenpause beim Kind. “Mamma, Gesa TUUUUSCHUHHH!”  21, 22…

”Und Ihre positiven Eigenschaften?”

“Ich bin sehr geduldig!”

Hallo, meine lieben Leser, wie schön, dass wir uns hier wieder treffen. Diesmal zu einem meiner beliebten Mix-Artikel. Was war also los in der letzten Woche?

Ich schreibe Bewerbungen. Das wird ja auch mal Zeit, denkt sich so mancher. Na, eben! Und deswegen geht das jetzt auch los. Mein Plan ist ja, mich als Quereinsteiger in einem Kindergarten zu bewerben und die dann mit meinem theaterpädagogischen Konzept so vom IKEA-Kinderstuhl zu hauen, dass sie mich sofort einstellen. Ich finde, das ist ein prima Plan! Von nav.no, dem norwegischen Arbeitsamt, bekomme ich fast täglich Stellenausschreibungen von Kindergärten zugeschickt und, so toll ich das finde, irritiert es mich irgendwie: Gibt es so viele Kindergärten oder ist die Fluktuation so hoch oder was? Irgendwie finde ich jeden Tag mehrere Stellenanzeigen erstaunlich. Oder?

Nun bin ich aber nicht die einzige, die als Quereinsteigerin versucht, in den Arbeitsmarkt zu kommen und deshalb verlangen die meisten Kindergärten seit einiger Zeit auch für Assistentenstellen “vorherige Erfahrung im Kindergarten”. Nun glaube ich nicht, dass die meine eigene Kindergartenzeit meinen und ich zweifle, ob ich mich auf diese Stellen überhaupt bewerben sollte. Naja, denk denk. Vielleicht finden die ja den Rest von mir so spannend, dass sie denken….Auf jeden Fall surfe ich seit Tagen durchs norwegische Netz und suche mir die besten Tipps, wie man einen norwegischen CV schreibt. Da gibt es beispielsweise cvnerden.no, die fand ich nicht schlecht.

So quasi nebenbei verbessere ich dabei mein Norwegisch und habe mir auch ein Buch ausgeliehen mit dem spannenden Titel: På Jobb. Yrkesrettet norsk for minoritetsspråklige voksne. Nun fühle ich mich nicht als sprachliche Minorität (ich höre manchmal unterwegs in Oslo mehr Leute Deutsch reden als Norwegisch), aber das Buch erfüllt seinen Zweck. Außerdem habe ich bei Facebook die Videos von norsklærer Karense gefunden, die gutgelaunt und interessant über norwegische Grammatik videobloggt. In einigen Episoden erklärt Karense norwegische Sprichwörter und Ausdrücke und betont, wie wichtig es ist, diese in den täglichen Sprachgebrauch einzufügen. Ich habe mal mitgeschrieben für Euch – einige haben wir im Deutschen auch, andere musste ich mir erst erklären lassen:

å brenne alle broer – Alle Brücken hinter sich abbrechen

å ha det sånn midt på treet – mittelprächtig (wem fällt ein deutsches Sprichwort ein?)

å slå to fluer i en smekk – Zwei Fliegen mit einer Klatsche

å henge i stroppen – In den Seilen hängen

å være sulten som en ulv – Hungrig wie ein Wolf sein

å gå på skinnerwörtlich: Es läuft wie auf Schienen, also: Es läuft wie geschmiert

å ta en spansk en – Den einfachen (nicht immer erlaubten) Weg wählen

å ha svin på skogen – Etwas vertuschen

Die beiden letzten finde ich spannend, weil Karense auch die Herkunft des Ausdrucks erzählt: spansk nannte man (oder nennt man) eines des Seile, mit dem das Hauptsegel auf einem Segelboot eingeholt werden kann. Es gibt verschiedene dieser Hilfsseile, das spansk soll aber das sein, mit dem es am einfachsten geht. Es gibt noch eine Herkunftsgeschichte aus dem Prostituiertenmilieu, aber die ist nicht blogg-geeignet…

(Na, wer googelt es schon??? Erwischt!!! :=)..)

Å ha en svin på skogen heißt wortwörtlich „Ein Schwein im Wald haben“ und kommt aus der Zeit, als Bauern Steuern auf die Anzahl und die Art ihrer Tiere zahlen mussten. Kündigte sich also ein Steuereintreiber an, versteckten die Bauern (meistens) Schweine im Wald, um weniger Steuern zahlen zu müssen.

Spannend, oder? Ich werde versuchen, die Begriffe ab jetzt zu benutzen, das wird bestimmt interessant!

Interessant ist auch, was vor kurzem in den russischen Medien kam: Kanal 1, der größte russische Fernsehkanal, berichtete, dass Norwegen unter Gemüseknappheit leide! Das reichste Land der Welt und ohne Grünzeug!!!  Diese Krise auf dem Nahrungsmarkt führe dazu, dass norwegische Verbraucher nur eine begrenzte Anzahl an Salatköpfen oder Broccoli pro Person kaufen dürften!! Oi!

Hm.

Nun will ich es nicht drauf ankommen lassen, aber ich bin mir sicher, dass mich mein KIWI gegenüber widerstandslos mit 20 Broccoli und 15 Salatköpfen abziehen lassen würde. Auch der Chef des größten Gemüsevertreibers BAMA zeigte sich überrascht von den russischen Nachrichten und meinte, sollte es diese Knappheit geben, hätte man ihn sicher darüber informiert.

Hello, fake news!

Vielleicht ist der Artikel über die fake news aus Russland ja auch fake news??? Und vielleicht ist mein Artikel mit den fake news über die fake news AUCH fake news!!

Mir dreht sich alles!

Bevor Ihr nun aber beginnt, Salat-Care-Pakete zu schicken, Selleriebriefe zu schreiben oder Euch mit Körben voller Mohrrüben auf den Weg macht: STOPP! Alles gut, uns geht es prima!!!

Aber danke.

***

So, meine lieben Leser, das war es für heute! Ich kehre zurück zu meinen Bewerbungen. Falls irgendwer irgendwen kennt, der jemanden kennt, der jemanden kennt, der mich in Lohn und Brot nehmen würde – ich bin eine sehr geduldige, sprachbewusste, vitamingenährte Theaterpädagogin, die weder en svin på skogen hat noch in den Seilen hängt. Und da die virtuelle Welt ja groß ist, wer weiß….

Ich wünsche uns allen eine tolle Woche und bei denen von Euch, bei denen es gerade nicht gut aussieht, warum auch immer: Kopf hoch! Ich schicke Euch ganz besonders liebe Grüße!

Ha det,

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(die köstlichste Schokolade EVER – getrunken in Kristines franske fristelser in Marienlyst. Geht und genießt!)

Ulrike

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Skillingsboller in Oslo ODER Eine kulinarische Herausforderung!

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Ha!  Na, das wollen wir doch mal sehen, das wäre doch gelacht, da gebe ich jetzt alles und dann wird sich zeigen – ob man skillingsboller NUR in Bergen hinbekommt!

Hallo, meine lieben Leser, schön, dass wir uns hier wieder treffen. Heute nehme ich Euch mit in meine Küche – das hatte ich schon vor zwei Wochen geplant, es dann aber vergessen – herregud, ich werde 45, das kann ja mal passieren.

Was passieren?

Tja und wir kochen auch nichts aus dem Wikingerbuch, was daran liegt, dass ich heute zum Essen eingeladen bin und am Wochenende meine Mutter kocht, lange Rede, kurzer Sinn: Wir backen.

Also ich.

“Gnade uns Gott.”

Hallo, Gewissen! Backst du mit?

“Nee, lass mich da raus. Ich hab jetzt Wochenende! murmelt: Backen will sie, klar, wir haben ja auch alle das Kransekake-Desaster vergessen….”

Ey, du bist mein Gewissen, du bist auf meiner Seite. – Oder? – Oder??

“Ja, merkst du selber, ne?”

Ich backe jetzt. Punktum.

“Siehe oben.”

Omm.

So, bei den Wikingern habe ich irgendwie nichts gefunden, ich habe dann in meinem Lieblingsbuch “Norwegische Nationalgerichte” geblättert und…BINGO: skillingsbolle.

Die habe ich in Bergen probiert und fand sie megalecker und sie zählen ganz eindeutig zu den norwegischen Nationalgerichten, wenigstens an der Westküste. Die Bergenser kennen die skillingsbolle seit der Hansezeit und den Namen bekam das Nationalbackwerk wegen seines Preises: Eine Zimtbolle kostete damals ….einen Schilling. In ganz Norwegen sind kanelboller beliebt, aber skillingsboller, die gibt es anscheinend echt nur in Bergen!

Das Rezept  liest sich einfach und dann kommt der herausfordernde Satz:

Men de må være bakt i Bergen, for en østlandsk etterligning kan ikke måle seg – det mener nå i hvert fall bergenserne selv!

Habt Ihr verstanden, ja? Skillingsboller müssen in Bergen gebacken werden, Nachahmungen aus dem Osten des Landes können sich damit nicht messen. Das meinen zumindestens die Bergenser selbst.

Na, das wollen wir ja mal sehen!

“Räusper.”

Ja?

“Du, also ausgerechnet Miss Kransekake 2013, will sich dieser Herausforderung stellen?”

Ja, klar! Ich bin in den letzten Jahren viel besser geworden im Backen.

“Klar.”

Bin ich.

“Sicher.”

Du hast irgendwie deine Jobbeschreibung falsch verstanden.

“Ok. räusper-räusper: Du schaffst das.”

Danke.

“Tschakka.”

Egal, dann motiviere ich mich eben selbst. Und los geht es: Ab in die Küche!!! Damit ich nicht ganz vernorwegere, läuft Radio ffn im Hintergrund. Gerade singt Herbert Grönemeyer. Der Meister, oder? Im Moment setzt sich so ein komischer Seelen-Sprechgesang im Radio durch, gefühlsüberladene Männer singen in Trauerstimme und irgendwie ohne Melodie von Liebe und Ewigkeit, da stellen sich meine Nackenhaare hoch, das hat schon bei Xavier Naidoo angefangen…uihuihui….aber Herbert geht immer. Immer. Immer.

So.

Milch, Trockenhefe, Butter, Zucker, Mehl, Zimt – es geht kaum einfacher. Schüssel, Messlöffel, los. Erstmal die Milch auf 37 Grad erwärmen.

Hm.

Woher weiß ich denn, wieviel 37 Grad ist? Ich kann ja schlecht Gesas Fieberthermometer da rein halten. Vor allem, wo das so vorher war….

“Mahlzeit.”

Jaaa, ist ja gut. Also dann google ich das halt. – Aha, looogisch, einfach Finger reinhalten und wenn es weder warm noch kalt ist, schreibt Backkönigin85, dann ist es zwischen 35 und 37 Grad.

Aua.

Meine Milch ist eindeutig heißer. Also pusten.  So, dann den Rest der Dinge dazu und alles gut durchkneten. Es ist ja toll, dass man beim Backen oder Kochen so nebenbei neue norwegische Vokabeln lernt. Hier eine kleine Vokabelliste für Euch:

  • gjæren – die Hefe
  • heving – heben/aufgehen (Teig)
  • kjevler – ausrollen
  • leiv – großes Stück
  • smuldre – abbröckeln/auflösen
  • drysse – streuen

So, der Teig fühlt sich ölig und richtig an. Dann ab in den Ofen zum Aufgehen. Dass ich heute so in Ruhe backen kann (mal abgesehen von meinem nervigen Gewissen) liegt daran, dass Oma Tutta in town ist. Gesas Kindergarten ist heute und am Montag geschlossen und die beiden sind jetzt mit der Straßenbahn unterwegs nach Grünerløkka zum Eis essen. Was auch sonst bei 1 Grad und Nieselregen? Meine Mutter kommt so alle zwei Monate nach Oslo und das ist wirklich eine schöne Sache, für alle Beteiligten und auch eine tolle Hilfe an Tagen wie heute. Also hier mal ein großes Hipphipphurra auf alle Omas und Opas in Fern und Nah: Ihr seid toll! Ob nun Krippe bauen oder Lichterpyramide anzünden, unterm Regenschirm sitzen und Eis essen, bei Oma und Opa ist immer was los.

PING!

Ein Blick in den Ofen und jawoll, der Teig hat sich mehr als verdoppelt. Ich bin so backunerfahren, dass mir das jedes Mal wie ein Wunder vorkommt. Nun Teig ausrollen in ein “leiv” – tja, was bitte ist denn nun ein großes Stück? Definiere “groß”!!! Och, ich mach einfach mal, rolle, rolle, passt schon. Nun den ausgerollten Fladen mit Zimt und Zucker bestreuen – Norweger liiiiiieben Zimt! Also rauf, da. So, nun eine Wurst rollen und in gleichgroße 2cm dicke Scheiben schneiden.

Klappt auch.

Ich sollte eine Bäckerei eröffnen!

“Hüstel.”

Du wieder, dir zeige ich es schon noch.

So, jetzt mit der Schnittfläche auf das Blech setzen. Da steht, dass das Blech eingebuttert sein soll. Ich nehme Backpapier, daran wird es schon nicht scheitern. So, nun noch fünf Minuten gehen lassen. Uihhh, das riecht schon toll! Nun jedes Stück mit Ei bepinseln und ab in den Ofen. 220 Grad für 15 Minuten.

Und ab jetzt sitze ich mit großen Augen vor der Backofentür.

Oh, wow!!!

Gewissen, guck!!!!

“Ja, ja.”

Die werden ganz groß und schön und bollerig!!!!

“Ja, die sehen ganz ok aus.”

Cooooool!!!!!

“Sag mal, wie alt bist du eigentlich!?”

Ich bin gerade 5 und das hier ist der Hit!!!

“Wenn du mich nicht hättest, würdest du im Einhornkleid auf Bäume klettern!”

Uh. Gute Idee! Das machen wir morgen.

Jetzt guck doch mal diese wunderschönen Kunstwerke an.

PING!

Und schon ist es Zeit, die Osloer skillingsboller aus dem Ofen zu holen.

Tataratarata!!!!!!

Schnell den Zucker auf die wunderschönen Backwerke streuen und…fertig!!! Eine erste Geschmacksprobe verrät: LECKER! Zugegeben, sie schmecken anders als in der Bäckerei in Bergen, aber sie schmecken.

“Aha. Also, Experiment gescheitert. Du kannst keine Bergenser skillingsboller backen.”

Hm. Vielleicht nicht. Aber ich kann ganz tolle Osloer skillingsboller backen!

***

So, meine lieben Leser, das war es für heute. Spaß hat es mir gemacht und ich hoffe, wir treffen uns bald wieder in meiner Küche. Uns allen wünsche ich eine tolle Woche mit viel Gemütlichkeit, Lachen und lieben Menschen. Meine wöchentlichen Grüße gehen heute an meinen Lieblingsgaukler: Alles Gute zum Geburtstag!

Für alle, die auch mal wieder Zimtrollen backen wollen, hier das Rezept der Bergenser skillingsboller:

4 dl Milch, 1,5 Tüten Trockenhefe, 100g Butter, 1 dl Zucker, 12 dl Mehl, Zimt, Zucker und ein Ei zum Bepinseln. Milch auf 37 Grad erwärmen, Hefe hinein und auflösen lassen. Butter, Zucker und Mehl hineinmischen und alles gut vermengen. Teig an einen warmen Ort stellen und gehen lassen, bis er sich in der Größe verdoppelt hat. Teig ausrollen, mit Wasser bestreichen und mit Zucker und Zimt bestreuen (großzügig!).  Den Fladen zusammenrollen und 2cm dicke Stücke abschneiden. Mit der Schnittfläche auf ein Backblech legen. Noch einmal gehen lassen. Mit Ei bepinseln und für 10 Minuten bei 220 Grad ab in den Ofen. Staunen! Staunen! Backkunstwerke rausholen, gleich mit Zucker bestreuen, abkühlen lassen und….GENIESSEN!!!!

Ha det,

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Ulrike

Ikke, ikke, ikke ODER Was es hier so alles nicht gibt!

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“Ikke schuh!” – “Mamma ikke!” – “Ikke kindergarten!” – Das norwegische ikke hören wir von Gesa oft, immer dann, wenn etwas nicht da ist, oder jemand etwas nicht tun oder eben immer dann, wenn ikke, also “kein” oder “nicht”, im Alltag unseres kleinen Wirbelwindes so passt. Und da ich das Wort im Moment so oft höre, handelt der Blog heute mal von Sachen, die es in Norwegen NICHT gibt. Oder in Oslo im Moment nicht gibt. Da sind mir in der letzten Woche drei Dinge aufgefallen und von denen erzähle ich Euch jetzt! Bereit? Oder ikke???

Hallo meine lieben Leser, schön, dass wir uns hier wieder treffen. Schon seit Anfang Oktober ärgere ich mich mit dem ersten ikke herum – es gibt nämlich gerade keine funktionierende Müllabfuhr in Oslo. Da die Stadt sparen wollte, hat sie sich bei der Vergabe des Müllentsorgungsauftrags für einen der günstigen Anbieter entschieden. Keine gute Idee. Seitdem bliebt vor allem das Altpapier länger bei uns und will sich so gar nicht trennen. Neben der, für ein 10-Parteien-Haus eh kleinen, Altpapiertonne stapelt es sich: Pizzakartons, IKEA-Verpackungen, Zeitungen, Saftkartons….Einmal pro Woche kommt unser Altpapierheld und Hausmeister Stian und übernimmt den Job der Müllabfuhr. “Ihr habt noch Glück,” erklärt er mir eines Morgens. In anderen Stadtteilen  würde sich, zur Freude von Oslos Ratten,  auch der restliche Hausmüll stapeln.  Da hätten die Müllwerker mal den Schlüssel vergessen, mal hätte das Computersystem versagt, mal standen zu wenig Müllwagen zur Verfügung …dabei arbeiten die Angestellten von veireno schon bis zu 16 Stunden pro Tag. Irgendetwas scheint da nicht zu stimmen. 81 Millionen Kronen spart die Stadt Oslo durch den neuen Vertrag mit der privaten Müllfirma – und das merken wir jeden Tag. Daumen drücken, dass der Leiter des Stadtrats, Raymond Johansen, dem Chaos ein Ende bereitet.

Chaos herrscht momentan auch auf Oslos Bürgersteigen – an die spiegelglatten Rutschbahnen werde ich mich wohl nie gewöhnen. Und verstehen werde ich das erst recht nicht. Der Winter kommt doch nicht unerwartet, warum hat Oslo kein vernünftiges Streusystem? Wir Anwohner rutschen und fallen durch die Stadt und das, was die Norweger mit Humor sehen, finde ich nur nervig. Bei NRK findet man das alles auch lustig und da erklärt mal der norwegische Ringer und Sportler des Jahres Stig Andre Berge wie man am besten auf Eis fällt, ohne sich zu verletzen. Dann testet ein Praktikant, welche Schuhsohlen am besten auf Eis halten oder wie man mit Spikes an den Schuhen steppt.

Naja, das ist schon sehr witzig :)))))))!!

Aber trotzdem: sollte es jemals eine Petition geben, dass ALLE Bürgersteige Oslo mit Wärmekabeln unterlegt werden sollen, würde ich, rutschend oder nicht, dafür in der ganzen Stadt Unterschriften sammeln! Über dieses Thema rege ich mich jeden Winter auf – ist doch schön, sich auf etwas verlassen zu können. “Mensch, sie hat noch gar nichts über den Winter und die glatten Bürgerstiege geschrieben!” – “Waaaaaas? – Erst Trump und nun das??? Die Welt nähert sich ihrem Ende!”

Ans Ende der Welt sind Freunde Jeanette und Stephan geflogen: Nach Svalbard oder, wie es in Deutschland heißt, Spitzbergen. Diese Inselgruppe im  Nordpolarmeer war früher für ihr Kohlevorkommen berühmt und ist seit einigen Jahrzehnten ein riesiges Labor für Arktisforschung. Und diese Forschung findet meist im dunkeln statt: In Svalbard geht die Sonne im Oktober unter. Der nächste Sonnenaufgang und damit das Ende der Polarnacht ist im Februar. Mit einem großen Fest feiern die 2000 Einwohner in Longyearbyen dann die Rückkehr der Sonne. In diese abenteuerliche Dunkelheit verschlug es also unsere Freunde und sie durften dann gleich etwas länger bleiben: Ein Schneesturm brachte den Flugverkehr zum Erliegen. Könnten Piloten in anderen Teilen der Welt noch starten und landen, geht das auf Svalbard nicht: Es gibt kein Radar auf Spitzbergen, denn nach dem zweiten Weltkrieg wurde die Inselgruppe zur entmilitarisierten Zone. Piloten fliegen also auf “Sicht” (wenn ich das richtig verstanden habe) und bekommen keinerlei Unterstützung vom Flughafen in Longyearbyen. Wer diesen abenteuerlichen Ort, an dem es kein Radar aber Eisbären gibt, erleben möchte: Von Oslo aus ist man in drei Stunden am Ende der Welt. Klingt spannend, ikke sant?

***

Das war es für heute, meine lieben Leser. Schreibt gerne in den Kommentaren, welche “ikke” Ihr in Norwegen erlebt habt, das würde mich sehr freuen! Uns allen wünsche ich eine tolle Woche, vergeßt nicht zu lachen und selbst wenn es im Moment nicht rosig aussieht und Euch irgendwer oder irgendwas ärgert: Immer positiv bleiben!

Ha det,

(In Oslo haben wir natürlich auch Eisbären!)

Ulrike

 

 

 

 

Das Wikingerschiffmuseum in Oslo ODER Häkeln wie Hägar!

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King Features sync.

“Häh?” Ich starre verwirrt auf das Maschenchaos in meiner Hand. Um meinen linken Daumen hängt eine wollene Schlinge, in der rechten Hand halte ich die dicke Nadel. So weit, so gut. Aber dazwischen herrscht Chaos. Hilfesuchender Blick in das Anleitungsbuch: “Nicht aufgeben. Es sieht chaotisch aus? Dann ist es wahrscheinlich richtig.” Ah, prima. Dann werde ich also doch bald eine Meisterin im nålebindning, dem Wikinger-Häkeln. Und das alles wegen Bassi!

Vikingskipshuset. Foto: Kulturhistorisk museum,UiO/ Eirik Irgens Johnsen .

Hallo, meine Leser, wie schön, dass wir uns hier wieder treffen! Es gibt Museen in Oslo, da reicht mir ein Besuch. Nicht so beim Wikingerschiffmuseum auf Bygdøy! Dorthin verschlägt es mich immer wieder gerne. Am Mittwoch habe ich es zusammen mit Neffen Bassi besucht, der tollerweise für ein paar Tage in Oslo war. Diesmal erlebte ich am Eingang eine Überraschung: Ein Mitarbeiter der Uni Oslo fragte uns, ob wir eine kostenlose Tour durch das Museum haben wollten. Kostenlos? IMMER! Und dafür sollten wir nur eine Museums-App testen. Er stattete uns mit Handy und Kopfhörern aus und los ging es.

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Ich mag die Schlichtheit im Museum. Drei Wikingerschiffe sind hier ausgestellt, jedes in einem eigenen Gebäudeflügel. Ein ganzer Gebäudeflügel und darin: Ein gewaltiges, schwarzes Holzschiff, meterhoch und unverziert. Dieses Schiff (oder Teile davon, natürlich ist einiges restauriert) ist vor ca. 1300 Jahren über das Meer gefahren. Dann wurde es als Grabschiff für einen Wikingerkönig oder zwei reiche, wichtige Frauen eines Wikingerdorfes genutzt und verschwand. Tausend Jahre später, im Falle des Gokstadschiffes, buddeln zwei gelangweilte Bauernsöhne auf dem Grund ihres Vaters und entdecken die Überreste. Eine langjährige Ausgrabung und Restauration erfolgt. Und nun steht das best-restaurierte Wikingerschiff der Welt so gewaltig vor mir und ich bin wieder begeistert. Komisch, dabei habe ich es sonst gar nicht so mit Schiffen oder Wikingern oder uralten Zeiten. Wer weiß, vielleicht war ich in einem anderen Leben….

Noch bevor ich weiterdenken kann, piepst die App. Ach ja, wir haben ja hier eine Aufgabe! Irgendwie erkennt das Handy, wo genau ich mich im Museum befinde und schickt mir die passenden Infos. Das ist spannend! Bassi und ich klettern auf eine der zwei Aussichtsemporen und begucken die Schiffe aus der Höhe. Auch spannend. Wie immer!

bassi

Als wir durch die Abteilung mit Alltagsgegenständen bummeln, erzählt die App von den bunten Farben, die damals beispielsweise den Schlitten, vor dem ich stehe, verziert haben. Keine Ahnung, wie es Euch geht – ich habe immer Schwierigkeiten, mir die Vergangenheit “bunt” vorzustellen. Die Wikingerzeit präsentiert sich hier im Museum in schwarz, braun und bronze und ich wünschte, ich könnte die Originalfarben auf Holz oder Stoff sehen.

Wir drehen noch eine letzte Runde an allen Schiffen vorbei. Bei der Handyrückgabe stellt uns der freundliche Uni-Mitarbeiter noch einige Fragen zu den Schiffen, puuh, ist ja wie im Examen hier. Na, aber wir wissen fast alles und er zieht zufrieden von dannen. Was machen wir denn nun mit den gesparten 100 Kronen pro Person? Ha, nichts leichter als das: ich gehe entschlossen in den Museumshop auf der Suche nach einem interessanten Souvenir.

Ich liiiiiiiebe Museumshops. Manchmal würde ich am liebsten NUR in den Shop gehen und das Museum links liegen lassen. Der Shop im Zoologischen Museum beispielsweise ist toll oder der in der Nationalgalerie. Der hier im Wikingermuseum ist klein, aber interessant. Wir staunen über ein gläserner Wikingerschiff für unglaubliche 47.000 Kronen, probieren Helme und Mützen auf, greifen zu Holzschwertern. Beim letzten Besuch habe ich das “Viking Cookbook” gekauft, tja und diesmal….hm…

Oh, was ist das denn?

Ein Buch mit dem Titel “Nålbindning” lacht mir entgegen – auf den ersten Blick scheint das Häkeln zu sein, oder was? Zwei Hände halten eine Nadel und einen Faden. Ich trete näher. Hm, so eine Art Wikingerhäkeln oder –stricken. Die passende Nadel gibt es gleich dazu, sehe ich, und mit den Worten “Das ist doch was für meinen Blog!” verschwinde ich zur Kasse.

Tja, und nun sitze ich hier. Und schaffe Chaos. Immerhin habe ich gelernt, dass nålbindning Schwedisch ist, auf Norwegisch heißt es “nålebindning”. Dann lerne ich, dass nålebindning (im Deutschen „Nadelbinden“) eine Urahnin vom Häkeln und Stricken ist. Die Kunst hat aber, dank der Wärme und Strapazierfähigkeit ihrer Produkte, überlebt.

Relatert bilde

Sieht das schön kuschelig aus!!!

In ganz Skandinavien fanden sich bei Ausgrabungen Kleidungsstücke, die in dieser Technik hergestellt wurden. Heute geht man davon aus, dass schon in der Bronzezeit „gebunden“ wurde.

Schnell lerne ich auch, dass es ganz schön kompliziert ist, wie alles, was man sich versucht, selber anhand von Bildern und Büchern beizubringen. Bisher ist mir unklar, ob ich einzelne Bänder “binde” und die dann zusammensetze und daraus eine Mütze, Jacke oder Windel mache, oder ob das anders geht. Ich sitze noch an den ersten Maschen, den sogenannten “Oslo-Maschen”, so genannt, weil hier in der Gegend ein Textilstück entdeckt wurde, das aus einer bestimmten Art Maschen gebunden wurde. Ist ja passend, was?

Im Internet gibt es ja alles – natürlich auch Videos zu “nålebindning”. Unter anderen eines, dass mir die Oslo-Masche auf Englisch und FINNISCH erklärt. Sehr unterhaltsam!

Ich binde mal weiter. Ziel: Eine Mütze. Ich gucke mir das Wollgewusel in meiner Hand an und denke: Naja, der Winter 2020 wird bestimmt auch kalt…..

***

So, meine lieben Leser, das war es schon für heute! Guckt doch mal im Internet und greift auch zur Nadel. Eine dickere Stopfnadel reicht dafür auch. Das Wikingerschiffmuseum lohnt sich wirklich und wer ab April in Oslo ist, sollte sich einen Bescuh erst recht nicht entgehen lassen: Ein 3D-Film bringt ab April die Wikingerschiffe an der Decke des Museums zum Leben! Das klingt spannend – ich bin auf jeden Fall dabei!

Meine wöchentlichen Grüße gehen dieses Mal an Imke, Mia und Bianca, die mir in der letzten Woche fix wie der Wind in den Wikingersegeln die Antworten zum Jahresquiz geschickt haben. Wer noch Lust hat: Unter ulrike_niemann@yahoo.no freue ich mich auch diese Woche noch über Antworten. Und Ihr Euch dann über Post aus Oslo – schickt also Eure Adressen mit!

Und noch eine ganz andere Sache: Gestern piepste mein Handy und ich bekam die Noten meiner Norwegischprüfung! Schriftlich/Hören/Lesen B2 und mündlich B1 – ich bin mehr als zufrieden!!

Euch allen wünsche ich eine schöne Woche, lernt mal wieder was Neues, vergesst nicht zu lachen und jemanden in den Arm zu nehmen. Nächste Woche nehme ich Euch mit in meine Küche und wir backen Nuss-Honig-Kuchen – so wie die Wikinger!

Ha det bra,

Ulrike (na, man erkennt doch was!!!)