Sommer, nee Herbst, nee Sommer in Oslo….

@radiokiepenkerl

So, gleich geht es los. Habe ich alles eingepackt für einen Nachmittag im Park? Kurz nochmal checken: Picknickdecke, Ball, Sonnencreme, Gummistiefel, Schirm, Schneeanzug, Handschuhe. Ja, alles da, auf geht’s!

Hallo, meine lieben Leser, wie schön, dass wir uns hier wieder treffen. Das Wetter in Oslo spielt 2016 echt verrückt. Verlässt man das Haus morgens in sommerlicher Stimmung, kehrt man spätestens mittags frierend zurück. Oder umgekehrt. Ein heilloses Durcheinader! Mehrfach haben wir schon gedacht: “So, das war es mit dem Sommer!”, nur damit er dann am nächsten Tag wieder da war. Das ist verwirrend! Wie soll man sich denn darauf einstellen?

Ich meine, mal ehrlich: Make up your mind, Sommer! Sein oder nicht sein? Strand oder Pfütze? Das würde mir auf jeden Fall den Tagesablauf sehr erleichtern.

Allerdings bemerke ich, dass viele Norweger (und bald auch ich) dieses Hin und Her einfach ignorieren und sagen: “Es ist Sommer. Basta!” Da hüpfen die Kinder im Regen barfuß auf dem Spielplatz, da geht die Familie bei Herbstwetter ins Freibad und Eis schmeckt überhaupt schon mal IMMER. Dazu tragen wir Birkies und Shorts, Blumenkleider und Bikinis und wer im Sommer Socken anzieht ist ein Loser! Sommer ist, weil wir das sagen.

Ein sehr unterhaltsame und positive Einstellung, die Gesa und ich gern übernehmen. Wir sind allerdings noch blutige Anfänger, deshalb quillt der Kinderwagen über von Gegenständen für alle vier Jahreszeiten. Naja, das wird schon! Bis Montag dauert der Zauber noch, dann geht hier in Oslo der Alltag wieder los: Schulstart. Ende des Sommers. Ende der lockeren Tage, des Pokemon-gefüllten Frognerparks und langsamer Anfang vom Herbst.

Schade. Je länger ich in Norwegen lebe, umso mehr mag ich den Sommer. Besonders den norwegischen Sommer: Am See liegen, leichter Wind in den Birken, Sommergeruch in der Nase. Schön ist das. Nur irgendwie zu kurz.

Also, Sommer, falls du noch ein paar Tage bleiben willst, von mir aus gerne. Aber dann entscheid’ dich: Do you wanna stay or wanna go? Weil, ehrlich, ich habe keine Lust mehr, den ganzen Mist immer mitzuschleppen!!!!

***

So, meine lieben Leser, das war es für heute! Meine wöchentlichen Grüße gehen diesmal an meinen Partner in Crime und Love. Ich wette, du hast beim Lesen die Augen verdreht, den Kopf geschüttelt und hast “Ich will Herbst!” gemurmelt. – Und dann schicke ich ein paar Grüße an den kleinen Sonnenschein, der nebenan seinen Mittagsschlaf hält: Heute, meine kleine Motte, war unser letzter “normaler” Tag. Nur wir beide vormittags mit unserem normalen Alltag. Ab morgen ist Oma zu Besuch, jippie!!! und ab Dienstag, deinem 2. Geburtstag, bist du ein Kindergartenkind!!!

Was hatten wir für zwei tolle Jahre, mein kleiner Lieblingsmensch! Jetzt kommt dein erster Schritt raus aus dem Nest und ich frage mich, wer tapferer sein muss… Als du gerade ein paar Tage alt warst, habe ich geschrieben: “Gesa füllt einen Platz in unseren Herzen, von dem wir gar nicht wussten, dass er so schmerzhaft leer war.” Wahnsinn, wie lange das schon her ist. Ich hab dich trillionenfach mehr lieb als damals, meine kleine Entdeckerin. Und jetzt, los, husch, raus aus dem Nest!

Ha det bra,

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Ulrike

„Karius und Baktus“ im Frognerpark ODER Ab in das blaue Zelt!

 

Sirup

Ich will sofort eine rote Zahnbürste! Eine rote Zahnbürste mit roter Badekappe!! Und diese rote Superbürste soll dann in meinem Mund herumtanzen und alle Bakterien vernichten! HA!!! – Ich war Freitag im Kindertheater. Es hat mich sehr mitgenommen.

Hallo, meine lieben Leser, wie schön, dass wir uns hier wieder treffen. Kürzlich fragte mich Freundin Britta am Telefon: “Kann ich mir mal dein Kind ausleihen?” Nun hänge ich prinzipiell sehr an meiner Tochter und hätte als treusorgende Mutter ja erst einmal nachfragen können: “Hm. Wofür denn?” Schließlich verleiht man nicht einfach so sein Kind.

Nun befindet sich Gesa aber gerade in der Trotzphase.

Ohne weiteren Kommentar rief ich deshalb froh aus: “Klar!! Gerne!! Leih‘ sie dir aus! Ich gehe Kaffee trinken!”-“Super, aber du kannst auch gerne mitkommen.” Schon wollte ich ablehnen, dankbar für einen freien, TROTZfreien, Nachmittag, da hörte ich: “ Im blauen Zelt im Frognerpark spielen sie Kindertheater: Karius und Baktus.

Ahsooooooooooooo…..

In jeder Stadt gibt es alljährlich wiederkehrende Dinge. In Oslo, zum Beispiel, beginnt für mich seit vier Jahren der Sommer dann, wenn im Frognerpark das blaue Theaterzelt aufgebaut wird.

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Immer am selben Platz und immer zur selben Zeit. Dort spielen dann im Sommer verschiedene Theatergruppen Stücke für Kinder. Den Anfang macht immer der zweite Jahrgang der norwegischen Theaterhochschule. Seit drei Jahren frage ich mich, warum die armen Studenten nun ausgerechnet vor dem schwierigsten Publikum der Welt – Kindern – spielen müssen. Und seit drei Jahren hatte ich mir auch vorgenommen, einmal im Theaterzelt eine Vorstellung zu sehen.

Bei diesem Plan war es aber auch geblieben.

Doch nun kam der Anschub dank Britta und wir entschieden uns, am folgenden Donnerstag eine Vorstellung zu besuchen. Nun hatte aber noch jemand anders am Donnerstag den Plan, den Frognerpark zu besuchen: Bruce Springsteen. Das war uns irgendwie entgangen. Als wir also frohgemut in den Park schlenderten, begrüßte uns die tiefe Rockstimme vom “Boss”, der gerade Soundcheck machte. Der Parkrasen dröhnte. Wir blickten zweifelnd von der riesigen Bühne auf das winzig wirkende Theaterzelt, das in unmittelbarer Nähe der Konzertarena lag. Hm. Die Entscheidung, für oder gegen Theater mussten wir nicht treffen: Beide Tagesvorstellungen waren ausverkauft. Na, gut. Hörten wir also weiterhin dem Boss zu (der später noch Oslo überraschte), genossen die Sonne und verabredeten uns für den nächsten Tag.

Nun gebe ich zu, dass ich Kindertheater immer sehr kritisch gegenüber stehe. Kinder sind ein sehr anspruchsvolles Publikum, das aber nicht unbedingt die (uns Erwachsenen so wichtige) Qualität einer Aufführung beurteilt. Sie wollen vor allem unterhalten werden. Und das geht auch schon mal mit dem größten, dusseligsten und niveaulosesten Quatsch. Ich saß bereits mit offenem Mund fassungslos in Kindertheaterstücken, während sich die Kinder neben mir lachend vom Stuhl warfen. Und ein Stück, das von zwei Zahnbakterien handelt….ich ahnte Böses.

Nee, nix da. Erstmal fand die Aufführung vom Teater Syklus im blauen Theaterzelt statt. DAS allein war schon ein Erlebnis! Endlich war ich drinnen und thronte mit Gesa und Britta hochoben am äußeren Rand des enormen Publikumsraums. Und außerdem ist das Teater Syklus nicht nur eine wunderbar engagierte, enthusiastische und talentierte Gruppe, die schon seit über 15 Jahren diesen Kinderklassiker im Programm haben – sondern sie spielen eben eine Geschichte von Thorbjørn Egner.

Thorbjørn Egner ist ein norwegisches Heiligtum und Verfasser nicht nur von “Karius und Baktus” sondern er schrieb und zeichnete auch “Die Räuber von Kardamomme” und “Klaus Klettermaus”. Und so, wie ich bereits die beiden letzten Bücher mochte, gefielen mir auch die nervigen Zahnmonster Karius und Baktus ausgesprochen gut. Und den Kindern gefielen die strubbelhaarigen Biester in gestreiften Kostümen noch besser. Beklommen fragte ich mich, ob nun die im Zelt anwesenden Kinder abends im hohen Bogen ihre Zahnbürsten aus dem Fenster werfen würden und dabei riefen: “Wir wollen Karius und Baktus im Mund!!!”

So kann Thorbjørn es nicht gemeint haben.

Auftritt: Die rote Zahnbürste. Mein Held! Meine Angst vor dem dramatischen Anstieg kindlicher Zahnfäule in Oslo legte sich, sobald ein Schauspieler in rotem Overall plus roter Badekappe als rote Zahnbürste über die Bühne fegte.

RoteZahnbürste

Schon waren die Guten und die Schlechten auf der Bühne wieder klargestellt und laut beklatschten Groß und Klein den finalen Abzug der beiden Zahnzerstörer. 35 Minuten hatte der Kampf gedauert, es gab viel zu lachen und am Ende durften wir nicht nur das Bühnenbild aus der Nähe betrachten sondern auch die beiden Hauptdarstellerinnen kennenlernen.

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(Gesa hat es, trotz ihres Gesichtsausdrucks, sehr gut gefallen. Hoffe ich. Auf jeden Fall war sie extremst beeindruckt. Und ja: Britta und Gesa gehen immer im Partnerlook ins Theater ;))))…)

Ich kann wieder einen Punkt auf meiner “Oslo-to-do”-Liste abhaken.

Und morgen kaufe ich mir eine knallrote Zahnbürste!

***

So, meine lieben Leser, das war es für heute. Ich hoffe, Ihr hattet oder habt einen tollen Sommer mit vielen schönen Erlebnissen. Wir waren drei Wochen in Deutschland und haben Freunde und Familie besucht. Es war lecker und lustig, windig und sonnig, aufregend und schön – wir standen einmal im Stau und zigmal beim Bäcker, haben im Supermarkt gestaunt und im Restaurant jubiliert, sind mit vier Sternen zurück nach Oslo geschippert und hatten eine tolle Zeit.

Hier in Norwegen fängt ab morgen teilweise wieder der Alltag an. Die Schulferien gehen allerdings noch bis zum 19.8. und bei uns beginnt am 23.8. eine neue Etappe im Elternleben: Gesa kommt in den Kindergarten. Bis dahin genießen wir aber noch den Sommer!

Meine wöchentlichen Grüße gehen heute nach Bern, wo Freundin Claudia ihren ersten Abend im neuen Übergangszuhause verbringt. Du fehlst uns! Alles Gute für morgen!!! Kick ass!

Uns allen wünsche ich eine tolle Woche, wir lesen uns dann wieder am Freitag.

Ha det,

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Ulrike

 

 

Ein Wochenende in Bergen ODER Sonne??? In Bergen?

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27. Mai 2016. Es muss ein Traum sein: Riesige Schneefelder vor dem Fenster, Schneeflocken fliegen gegen die Fenster und eine Gruppe Skifahrer schnallt sich das Gepäck auf den Rücken. Ich reibe mir die Augen, aber alles bleibt wie es ist. Willkommen auf der Hardangervidda – willkommen in der Bergenbahn!

Hallo, meine lieben Leser, wie schön, dass wir uns hier wieder treffen. Zum Geburtstag hatte ich ein tolles Geschenk bekommen: Ein Wochenende in Bergen. Unglaublich, aber wahr – in der berühmten Stadt an der Westküste war ich in den vier Jahren Norwegen noch nie gewesen. Nun aber sollte es sein! Von vielen Seiten hatte ich gehört und gelesen, dass der schönste Weg nach Bergen der Weg mit dem Zug sei. Knapp sieben Stunden quer durch Norwegen – das wollte ich unbedingt machen!

Heute kann ich sagen: Einmal ist genug. Versteht mich nicht falsch: Es ist super, plötzlich auf Gletscherhöhe zu sein und in eine bizarre Eis- und Schneelandschaft zu gucken. Auch reißende Ströme und Wasserfälle sind spannend – außerdem lernt man nette Leute kennen (ich in diesem Fall ein Amerikanerin auf Nordeuropatour) und hat Geschichten zu erzählen. Aber sieben Stunden sind sieben Stunden und die können echt lang sein.

Der Flug nach Bergen dauert 45 Minuten.

Nur so als Vergleich.

Im Zug hörte ich – bis auf die Durchsagen – kein Wort Norwegisch. Mein Waggon wurde von einem älteren Amerikaner dominiert, der gutgelaunt und mit viel Volumen alle und alles kommentierte, erzählte, wohin er und seine Frau reisen würden und sich auch sehr für das  Leben seiner Mitreisenden zeigte. Ob die das nun mit ihm teilen wollten oder nicht.

Meine Sitznachbarin entschuldigte sich bei mir ständig für ihren polternden Landsmann.

“He is from Florida, you know. – He means well.” (Er ist aus Florida, du verstehst schon. Er meint es nur gut.)

Andere Waggons waren komplett in deutscher Hand – das Schwabenland schien geschlossen auf Hurtigruten-Tour zu gehen. Von Kopf bis Fuß in Jack Wolfskin gekleidet, schwäbelte sich Waggon 6 Richtung Bergen. Ich hatte viel zu lachen und viel zu lauschen und kam äußerst amüsiert in Bergen an.

Dort regnete es.

Logisch.

Über das Wetter in Bergen gibt es viele Witze, wie zum Beispiel den hier: Ein Tourist fragt einen Bergenser Jungen auf der Straße: “Sag mal, regnet es hier eigentlich immer?” Darauf der Junge: “Woher soll ich das wissen? Ich bin erst 13 Jahre alt.”

Ich war auf Regen vorbereitet. Nach einem kurzen Weg durch die Innenstadt erreichte ich mein Hotel in Nähe der Tyskebryggen, einem UNESCO-geschützen Holzhausviertel und einer DER Sehenswürdigkeiten der Stadt. Es war mittlerweile kurz vor 16 Uhr – aber vor Mitternacht sollte es eh nicht dämmerig werden, ich hatte also noch genug Zeit zum Sightseeing. Und die nahm ich mir dann auch. Mit der Floibahn rauf auf den Berg zur spektakulären Aussicht über die Stadt und die naheliegenden Inseln und Fjorde; über den Fischmarkt und am Hafen entlang; durch die übersichtliche Innenstadt rauf zur Johanniskirche; an die Tyskebryggen und wandern durch die engstehenden Holzhäuser mit ihren Werkstätten und Restaurants. Die Zeit flog dahin.

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Und ich war einfach so mit mir unterwegs. Das war toll! Ich liebe meine Familie und verbringe gerne viel Zeit mit ihnen oder mit Freunden – aber es war einfach mal toll, ganz allein bestimmen zu können, was ich wann, wo und wie mache. Und da mir mit mir selten langweilig ist, genoss ich diese Zeit ganz enorm.

Zurück im wunderschön restaurierten Det hanseatiske Hotel stand abends nur noch Lesen und Fernsehen auf dem Programm. (An dieser Stelle zwei Empfehlungen: Laut gelacht habe ich über die Komikerin und Musikerin Ingrid Bjørnov und ihr Programm “2012 Ouverturen” und unglaublich gerührt war ich von dem Film “Mannen fra Snåsa”, einem Dokumentarfilm über den norwegischen Heiler Joralf Gjerstad.)

Mein Zug ging am Sonntagmorgen bereits um 11.30, entsprechend früh stand ich auf, um noch die Bergen Festung zu besichtigen. Beim Frühstück traute ich meinen Augen nicht: Sonnenlicht flutete durch das Restaurant.

Sonne!

In Bergen!

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Die eng zwischen bewandeten Hügeln und Meer liegende ehemalige Hansestadt zeigte sich von ihrer Schokoladenseite – ich zückte ungläubig meine Sonnenbrille und lief am Hafen entlang Richtung Festung. Viel Spannendes gab es hier nicht zu sehen, aber ich erfuhr, dass es im Jahre 1665 “Der Kampf um Bergen” sozusagen vor meinen Füßen stattfand.

Was war geschehen?

Salopp gesagt war es ein Kommunikationsproblem: Eine Übereinkunft zwischen dem dänisch-norwegischen König Frederik III. und dem englischen König Charles II. hatte die neutrale Stadt Bergen nicht erreicht. Als eine Flotte holländischer Schiffe also Schutz im neutralen Hafen von Bergen suchte, gaben die Bergenser nicht, wie abgesprochen zwischen den Adligen, eines der Schiffe zum Überfall frei, sondern verteidigten ihre Neutralität gegen den vermeintlichen englischen Angreifer. Die englische Flotte gab sich, nach schweren Verlusten, geschlagen und Bergen verteidigte erfolgreich seine Neutralität und schützte das holländische Schiff.

Wie der König in Kopenhagen getobt hat, erfahre ich leider nicht.

Ähnlich der englischen Flotte machte ich mich nun, viel zu früh, auf den Heimweg. Mein siebenstündiger Rückweg wurde nicht nur durch eine Bergenser Skillingsbolle versüßt…

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…sondern auch durch Freundin Kerstin verkürzt, die witzigerweise im gleichen Zug saß.

Am Abend kam ich glücklich wieder in Oslo an. Denn, so schön es war alleine unterwegs zu sein, so schön war es auch, wieder nach Hause zu kommen.

Mein Fazit: Bergen ist absolut eine Reise wert – und zwar eine lange. Das nächste Mal will ich auf den Berg Ulrik klettern, eine Fjordtour machen, das Umland erkunden, ins Theater gehen und und und.

Dann werde ich aber unter Garantie das Flugzeug nehmen!

***

So, das war es für heute, meine lieben Leser! Der Sommer ist da, vielleicht nicht meteorologisch, aber dafür emotional. Zahlreiche Sommerfeste und Abschiede machen den Juni immer zu einem aufregenden Monat. Meine wöchentlichen Grüße gehen daher an alle, die in diesem Sommer Oslo verlassen – unter anderem Nina, David und Amelie, Sabine und Marie mit Kai und Julian, Sabine mit Lukas und Stefan! Schön, dass wir uns hier getroffen haben und alles Gute für Euch zurück in Deutschland. Ha det bra!

Der Blog und ich gehen jetzt für vier Wochen in Sommerpause. Meine lieben Leser, danke für Euer Lesen und Kommentieren – was wäre Neues aus Norwegen ohne Euch? Habt einen tollen Sommer mit vielen schönen Erlebnissen, mit viel Sonne und mit ganz viel Lachen!

Ha det bra og God sommer,

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Ulrike

Die „Backstube“ in Oslo ODER Laugenstangen, jippie!!!!

***ACHTUNG: Dieser Artikel enthält Spuren von Schleichwerbung. Fette, riesige Schleichwerbung. Und das ist Absicht. Ist mein Blog. Ich darf das.***

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@beanforest

Ich stehe sprachlos vor dem Holzregal. Greife dann zur Zange, öffne die Tüte und beginne einzupacken. Zwei reichen für den Anfang…nein, drei…na gut, vier…ok, fünf…aber nun ist Schluss! Ohhh, das da hinten sieht aber auch lecker aus…und da vorne…sind das etwa Kirschtaschen?????

Hallo, meine lieben Leser, Oslo ist seit letzter Woche ein ganzes Stück besser geworden: Es gibt eine deutsche Bäckerei!! Am Freitag um 7 Uhr hat am Frognerveien 1b die “Backstube” ihre Türen geöffnet – und die Osloaner kamen! Ich natürlich auch. Am Abend vorher las ich von diesem achten Weltwunder auf Facebook in der Gruppe “Tysker i Oslo”, also Deutsche in Oslo. Diese und andere Gruppen sind eine wahre Fundgrube an guten Tipps und Infos rund um die Stadt.

Randnotiz: Sehr zu empfehlen auch “Where in Oslo” oder “New to Oslo” oder für junge Eltern “Imobago”, die internationale Mutter und Babygruppe in Oslo und “Deutsche Krabbelgruppe”. Ich bin ja sowieso ein Fan von Facebook und diese Gruppen haben mein Leben hier in Oslo echt vereinfacht.

Ich lese also völlig begeistert, dass eine deutsche Bäckerei in Oslo eröffnet. Sehr nett schreibt Chef Felix Heinrich über sein Geschäft und lädt herzlich zum Probieren ein. Na, das musste er nicht zweimal sagen. Gleich am nächsten Tag stürmen Christian, Gesa und ich die Bäckerei in der Nähe vom Solliplatz.

“Rieeeech mal, wie das hier duftet!!!!” schwärme ich sofort. Ist die Nase schon begeistert, zieht das Auge bald nach. Da liegen echte….wunderbar braune…LAUGENSTANGEN!!! Die werden hier in Norwegen von verzweifelten Deutschen schon selber gebacken, sind bei den Norwegern völlig unbekannt und ich stürze mich sofort auf das Regal und packe gleich fünf ein – man weiß ja nie. Neben mir beäugt ein Norweger interessiert die Laugenbrezeln und lässt sich dann über diese deutsche Spezialität aufklären. Na gut, er könne das ja mal probieren, beschließt er zum Beifall der umstehenden Deutschen und packt eine Brezel ein.

Das Laugengebäck ist für mich das Highlight im Angebot der Backstube. Gern hätte ich Schwarzbrot gesehen oder Streuselkuchen, aber vielleicht kommt das noch. Auch, dass die Backstube ihre Waren nicht selber herstellt sondern von, laut Internetseite, „ausgezeichneten Bäckereien aus ganz Europa“ beliefert wird und vor Ort backt, trübte ein bisschen meine erste Begeisterung.

Aber schmecken tut es prima🙂 Das Angebot bedient, ganz klar, die internationale Szene in Frogner – es gibt neben dem deutschen Klassiker auch französische Croissants und italienisches Foccachio. Das Publikum am Eröffnungstag war entsprechend international, eine glücklich, mehlproduktbegeisterte Menge.

Ich werde auf jeden Fall regelmäßig in der “Backstube” einkaufen, denn die Laugenstangen sahen nicht nur köstlich aus, sondern schmeckten auch so. Und selbst mein fränkischer Freund Christian war begeistert! Nächsten Samstag probiere ich dann die Laugenbrezeln…nee, das Kräuterbrot…nee, die Croissants…oder die Apfeltaschen…oder….

***

So, das war es für heute, meine lieben Leser! Geht bitte morgen trotzdem arbeiten oder an die Uni oder zur Schule, denn obacht oder OBS, wie man in Norwegen warnt: Heute ist nicht Freitag!!! Neeein, tut mir leid, heute ist erst Dienstag! Aber der Sommer hat Oslo erreicht und mein Leben findet momentan irgendwie nur draußen statt und letzten Freitag kam ich einfach nicht zum Blog schreiben. Dafür gibt es diese Woche dann gleich zwei Artikel, bevor ich mich in die Somemrpause verabschiede.

Ich wünsche uns allen eine schöne Restwoche, wir lesen uns am Freitag oder Samstag, genießt den Sommer und lobt mal wieder Euren deutschen Bäcker um die Ecke. Meine Grüße gehen in dieser Woche an Nicht-Fußballfans, die den ganzen Zirkus nicht verstehen und an alle Fußballfans, die sich durch etwas schlappe erste Begegnungen kämpfen mussten. Ich habe es dieses Mal einfach: Norwegen ist nicht bei der EM und ich kann ganz entspannt für Deutschland jubeln! Go Schweini!

Und darauf noch eine Laugenstange!

Ha det,

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Ulrike

 

Geburtstagsparty für alle! ODER Herzlichen Glückwunsch, ich mag dich nicht…

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Es ist 1983. Ich bin 11 Jahre alt. Während der Stern, etwas voreilig, mit dem Fund der Hitlertagebücher prahlt und die Uferschwalbe der Vogel des Jahres ist, bin ich am Boden zerstört. Nelly (Name von der Autorin geändert), das coolste Mädchen der Klasse, feiert nämlich ihren Geburtstag ohne mich. So etwas kann eine Kinderseele ganz schön treffen. – Hier in Norwegen wäre mir das wohl nicht passiert.

Hallo, meine lieben Leser, schön, dass wir uns hier wieder treffen. Gestern hatte ich auf der Rückfahrt vom Kinderkirchenteamtreffen (Hallo, Galgenraten!) ein interessantes Gespräch. Während Gesa selig schlief, erzählte mir Annette vom norwegischen Schulsystem. Ihre beiden Kinder gehen auf norwegische Schulen. “Gleich beim ersten Elternabend, zum Beispiel,” sagt Annette, als es um Unterschiede zu deutschen Schulen geht,”…gleich beim ersten Elternabend wurde uns erklärt, dass bei Geburtstagen entweder alle Mitschüler eingeladen werden oder alle Jungen oder alle Mädchen.”

“Finde ich unmöglich”, rege ich mich auf. “Da müssen die Kinder also Mitschüler einladen, die sie nicht mögen! Wie blöd!! Geburtstagskommunismus!”

“Naja”, meinte Annette. „Dafür lernen sie, dass selbst die, die sie nicht mögen, mit Respekt zu behandeln sind.”

Und darüber denke ich seitdem nach. Ich hatte von diesem “Einladungszwang” in norwegischen Schulen schon gehört und mich immer (siehe oben) darüber aufgeregt: Die armen Kinder, die nicht bestimmen dürfen, wen sie einladen. Die armen Eltern, die plötzlich ganze Schulklassen unterhalten müssen – das geht ins Geld! – das geht an die Nerven! – was ist, wenn man nicht genug Platz hat? Und bis zu welcher Klasse geht das denn so???

Aber dann fielen mir Nelly und 1983 ein. Wie hatte ich mich geschämt, dass ich nicht eingeladen war.

War also etwas dran am norwegischen System? Den finanziellen Aufwand umgeht man beispielsweise, in dem Kinder zusammen feiern und die Eltern die Kosten teilen. Das Platzproblem umgeht man mit einer Tour und Grillparty.

Dafür wird aber kein Kind ausgeschlossen.

Stellen wir uns das einfach mal vor: Jeder erinnert sich bestimmt an das eine Außenseiterkind, mit dem niemand spielen und das erst recht niemand zum Geburtstag einladen wollte.

Habt Ihr das?

Nun stellt Euch vor, er oder sie wäre zu Eurer Geburtstagsfeier gekommen .

OH HILFE!

Ja, aber vielleicht hätte man auch plötzlich etwas Nettes entdeckt, eine Gemeinsamkeit, den Grund für das unerträgliche Verhalten.

Hm.

Ich finde das ganz schwer zu entscheiden. Auf der einen Seite ist es doch wichtig, entscheiden zu dürfen, wen oder was man mag – ein Schritt auf dem Weg zur eigenen Persönlichkeit. Dazu gehört für mich auch entscheiden zu dürfen, wer meinen Geburtstagskuchen isst und wer nicht.

Aber andererseits….tja, andererseits…..

Was meint Ihr?

***

So, das war es für heute, meine lieben Leser. Der Sommer ist da und während Unwetter in Deutschland und Frankreich herrschen, schwitzen wir hier bei 27˚ Grad. Ich hoffe, Ihr seid alle sicher und im Trockenen, wo immer Ihr auch seid. Meine wöchentlichen Grüße gehen in dieser Woche an Stephan – danke, dass du mich morgen zu deiner Geburtstagsparty auf Hovedøya eingeladen hast. Oder…musstest du????  :))))) Meine lieben Leser: Habt ein gutes Wochenende, genießt den Sommer und schreibt mir Eure Meinung zum Thema von heute. Gern auch eigene Erlebnisse, mehr Infos oder oder oder…

Hilsen,

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Ulrike

(mein Wochenende in Bergen war übrigens toll, darüber mehr nächste Woche!)

Wir gehen auf trilletur ODER Ein ökonomisches Pony begeistert Gesa!

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Wir trillen lustig durch den Wald, die Sonne scheint. So muss es bei einer trilletur sein, ikke sant? Trillen kann man zu zweit, aber auch gern in großen Gruppen. Alleine wäre es hingegen komisch. Trilletur ist eines dieser norwegischen Wörter, die ich erst kenne, seit Gesa auf der Welt ist. So wie helsestasjon, bleier, barselgruppe oder åpen barnehage. Trilletur…Na? Naaa? Naaaaaaa?

Genau, eine trilletur ist eine Wanderung oder ein Spaziergang mit dem Kinderwagen.

Hallo, meine lieben Leser, schön, dass wir uns hier wieder treffen! Früher haben Martin und ich unseren Rucksack geschnürt, haben uns ein Ziel ausgesucht und sind losgewandert. Bergauf und bergab, durch Wälder, über Wiesen, auf Wanderwegen oder Trampelpfaden.

Dann kam Gesa und plötzlich stellte sich die Frage: Auf Tour – ja gern – aber geht das mit Kinderwagen?

(“Hä?? Nehmt doch eine Trage!”, höre ich Euch rufen. Zu faul, entgegne ich da. Zu schwer und überhaupt schleppe ich dann nicht nur das Kind, sondern wir müssen auch ihre ganze Ausstattung mitschleppen…nee, nee, nee. Barnevogn it is.)

Wir machten uns also auf die Suche nach Tips für Wanderungen mit Kinderwagen: “Tur med barnevogn nordmarka” fragte ich. “Trilleturer“ von Gry Støyvind Hoell, antwortete Google. Irritiert versuchte ich trilletur zu übersetzen und war bald sicher, den richtigen Begriff gefunden zu haben. Das Buch zu kaufen ging fix.

Und dann passierte erstmal gar nichts.

Ich blätterte ein paar Mal begeistert hin und her, schrieb Touren auf, die wir UNBEDINGT machen sollten…

…und dann passierte wieder gar nichts.

(Ich weiß ja nicht, wie es Euch so geht: Ich bin ganz groß im Plan schreiben, Plan aufhängen und Plan angucken. Ich liebe Pläne. Und manchmal habe ich dann das Gefühl, genug getan zu haben. Mein Küchenorganisationsplan, beispielsweise. Großartig ist der! Und wie er da hängt! Super! – Meine Küche hingegen…)

Am letzten Wochenende hatten wir dann Familienwochenende und wollten wandern. Raus aus der Stadt, ab in den Wald, eine tolle Tour – aber bitte irgendwohin, wo ich auch Waffeln essen kann.

(Ich weiß ja nicht, wie es Euch so geht: Eine Wanderung ohne irgendwo einzukehren, finde ich doof. Ich brauche immer ein Ziel und zwar eines mit Verköstigung!)

In unserer Zeit vor Gesa waren wir immer gern zum Ullevålseter gewandert – vom Sognsvann aus, eine Strecke, die mit Kinderwagen aber nicht möglich ist. “Ohhhh!”, schwärmte ich, “Ullevålseter…da gibt es soooo leckere Waffeln!” Ein Blick ins Trilleturbuch und bald stand fest: Jawoll, Ullevålseter, das geht auch mit Kinderwagen! Hurra!

Am Samstagmorgen ging es los und ich erlebte wieder einen Aspekt, den ich an Oslo ganz besonders schätze: Man steigt in die öffentlichen Verkehrsmittel (in diesem Fall die Busse 25 und 51) und nach knapp 30 Minuten standen wir mitten auf dem Land. Rote Bauernhäuser, Felder, Seen – Idylle pur. Die Haltestelle hieß “Hammeren” und lag genau gegenüber des Wanderwegs, der uns zum Ullevålseter (lies: zu den Waffeln) führen sollte. Ich stand erstmal wieder staunend in der ganzen Natur. Das ist das Tolle, wohnt man, wie wir, mitten in der Stadt: Das Staunen, sobald man draußen ist, ist so groß ;)!

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Frohgemut wanderten wir also los, Gesa entdeckte moosige Bäume, schlammige Pfützen, grüßte Hunde und Libellen, wir bestaunten den Wasserfall des Skjersjøflusses, pflückten Löwenzahn und mussten auf der Hälfte des Weges erstmal anhalten und nach Luft schnappen. Atemlos blickte ich in mein Tourbuch. Da stand eindeutig: “Die Berge sind am Anfang der Tour.”

Nun weiß ich dank meines Geologen-Ehemannes, dass es Millionen von Jahren dauert, bis Berge entstehen. Das Buch war von 2009. Es war also relativ unwahrscheinlich, dass diese Berge vor uns in den letzten sieben Jahre entstanden waren. Aber dass sie DA waren, daran bestand kein Zweifel. Und zwar nicht nur am Beginn der Tour. Nein, auch in der Mitte und am Ende. Eigentlich war die ganze Tour eine Berganfahrt mit Ruhemomenten.

Norweger haben einfach andere Maßstäbe. Wir schoben also einfach weiter, genossen die Natur und entdeckten bald ein rotes Holzhaus – unser Ziel!

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Ullevålseter. Es war viel los an diesem sonnigen Samstag, aber wir sicherten uns noch einen Tisch und kurze Zeit später biss ich in eine Waffel und in ein Stück Apfelkuchen.

(Na, was denn? Ich war ja schließlich bergauf gewandert – das musste belohnt werden.)

Im warmen Sonnenschein saß ich zufrieden auf meiner Bank, die Kaffeetasse in der Hand …und verschluckte mich fast, als ich am Ufer des kleinen Tümpels gegenüber ein Pony liegen sah. Ein Pony!! Lag da, einfach so, ohne Zaun drumrum. Ein Pony!!! Gesa, die gerade friedlich Kiesel in einem Eimer sammelte, fühlte sich aprupt in die Luft gehoben und galoppierte unerwartet auf Mutters Arm Richtung Huftier.

Dessen Gedanken, als es uns kommen sah, müssen gewesen sein:

“Oh neeeeeeeeeeeeeeeee!”

So guckte es wenigstens. Und dann tat es so, als würde es schlafen. Na, da hatte das Huftier seine Rechnung aber ohne Gesa gemacht. Nicht, dass sie es streichelte. Nein.

Sie schrie es an.

“Da!! Da!!! Daaaaaaaaaaaa!!!! Daaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaa!”

Ihre Begeisterung war grenzenlos. Die des Ponies nicht. Es hob den Kopf und blinzelte gelangweilt.

Gesa wurde vor Ehrfurcht stumm und musste sich setzen.

Das Pony, zufrieden mit seiner ökonomischen Wirkung (minimaler Einsatz für maximalen Ertrag) schüttelte das weiße Haupt und schlief ein.

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Nach einigen Minuten brachte ich mein immer noch überwältigtes Kind zurück zum Tisch, wo es das Pony imitierte und einschlief.

Unsere trilletur kam nun in die ruhige Phase. Vom Ullevålseter wanderten Martin und ich (mit der schlafenden Gesa im Kinderwagen) bergab Richtung Sognsvann (ja, es gab doch einen Kinderwagentüchtigen Weg!) und stiegen dort in die t-bane Richtung Zivilisation.

Schön war es und wir freuen uns auf’s nächste Mal!

***

So, das war es für heute, meine lieben Leser! Genießt das schöne Wetter, schwingt Euch vom Sofa in den Wald und tut was für die Laune und die Gesundheit. Ich wünsche uns allen eine gute Woche. Morgen früh klettere ich auf den Zug nach Bergen und lerne nicht nur endlich die Stadt kennen, sondern sehe auf der siebenstündigen Zugfahrt auch ganz viel Norwegen. Darüber, natürlich, mehr am nächsten Freitag. Ganz liebe Grüße gehen heute nach Lillehammer zu Anne und ihrer Familie.

Hilsen,

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Ulrike

Rückkehrgedanken ODER In die unbekannte Heimat?

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Vor kurzem wollte ich zurück nach Deutschland. Nach Berlin oder Hannover oder ganz egal, auf jeden Fall zurück in die Heimat. Nur, weil ich eine Norwegerin mit breitem Westdialekt nicht verstanden hatte. Es genügte: Ich wollte nach Hause. Aber dann habe ich mich gefragt: Ist Deutschland denn noch das bekannte Land?

Hallo, meine lieben Leser, schön, dass wir uns hier wieder treffen! Statt über den norwegischen Nationalfeiertag zu berichten, schreibe ich heute mal wieder über eine Frage, die bestimmt viele Auswanderer beschäftigt: Gehen wir irgendwann zurück in die Heimat?

Ich stelle mir die Frage gerne immer mal wieder. Manchmal, um einfach meine Gemütslage zu checken: „So, wie sieht es aus? Wie geht es dir? Willst du zurück nach Deutschland?“ Meistens lautet die Antwort: „Nein.“ Klar und überzeugt. Aber dann…dann stehe ich mal wieder vor einem sprachlichen, kulturellen oder intellektuellen Verständigungsproblem. Beispielsweise wusste ich nicht, was „Hotel Caesar“ war – und das ist anscheinend, als würde jemand in Deutschland die „Lindenstraße“ nicht kennen. Ich outete mich also erneut als entweder namentanzende TV-Verweigerin oder Ausländerin.

Sowas würde mir in Deutschland nicht passieren. Da sagt einer „Sendung mit der Maus“ und ich sage: „Blauer Elefant!“, einer sagt „ZDF Werbung“ – ich entgegne: „Mainzelmännchen!“, da ruft einer „Wum“ und ich rufe „Wendelin“ und schon während ich das hier schreibe fällt mir auf, dass mein deutsches TV-Wissen ungefähr von 2003 ist.

Oder noch älter.

Mein Wissen über Deutschland überhaupt. Bin ich mal ehrlich, weiß ich das meiste über meine Heimat seit 2003 nur über das Internet und jährliche Besuche, Erzählungen von Familie und Freunden, Nachrichten. Seit über 10 Jahren lebe ich nicht mehr in Deutschland, ich wähle nicht mehr, ich verliere immer mehr Verbindungspunkte in die Heimat. Und zwischen meinem Deutschland von 2003 und dem von 2016 liegen mehr als nur 13 Jahre.

Warum also trotzdem der Gedanke: „Ich will zurück.“??

Keine Ahnung!

Ehrlich, was weiß ich???

Ich kann nur Spekulationen bieten – seid Ihr bereit? Ok, here it goes:

Manchmal betrachte ich eine schlappe norwegische Wurst auf dem Grill und träume von deutschen Riesenknackern. Kulinarische Heimat.

Manchmal, wenn ich darüber nachdenke, wie schwierig es sein wird, hier in Norwegen Arbeit zu bekommen, leuchtet…sagen wir mal ganz bodenständig…aus der Ferne das Licht. „Hach, in Deutschland, mit all seinen Theatern und Kultureinrichtungen wäre es soooviel einfacher für mich Arbeit zu finden.“ Heimat als Hoffnungsträger.

Manchmal, wenn ich mich mal wieder zu sehr als Ausländer fühle, ist der Gedanke an die Heimat beruhigend. Da, wo mich alle verstehen, dort, wo ich herkomme, wo ich hingehöre, wo meine Wurzeln sind. Heimat als Trostgedanke.

Aber seien wir mal ehrlich: So ein Quatsch. Wo lebe ich denn? In einem nostalgischen Deutschlandbild von 2003 – das nicht mehr der Wahrheit entspricht. Wahrscheinlich würde ich in Deutschland auch nicht mehr richtig hineinpassen, weil ich so lange im Ausland gelebt habe. Aber es passiert eben, wenn man auswandert – man verliert diese Alternative nicht aus dem Kopf – dieses „Ich könnte ja auch wieder zurück.“ Dieses „Ich habe einen Ort, zu dem ich zurückkehren könnte.“ Und das tröstet manchmal.

Was, wenn dieser Trost unmöglich ist?  Wenn es den Ort nicht mehr gibt, zu dem man zurückkehren könnte?  Wie fürchterlich herzzerreißend muss das sein.

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So, meine lieben Leser, das war es für heute aus „Einsichten in das Auswandererleben“. Nicht gerade ein schenkelklopfender Wochenendspaß, was fällt mir eigentlich ein, so geht das nicht, nächste Woche wird an dieser Stelle wieder gelacht, das wäre ja gelacht, wenn es hier nichts zu lachen gäbe!

Ich wünsche uns allen eine schöne Woche, egal ob Ihr in Deutschland, Norwegen oder einem ganz anderen Fleck der Erde seid! Wir haben gerade gestern unseren Deutschland-Urlaub gebucht und ich entschuldige mich jetzt schon bei allen, die wir, mal wieder, nicht sehen werden. Kommt und besucht uns in Oslo!

Hilsen,

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Ulrike