Von tropfenden Sommergefühlen, spanischen Tennisschocks und innovativen Sprachattacken

Junigrüße aus Oslo, meine lieben Leser!

Der Sommer ist da!

Es regnet weniger.

SUPER!!!!!

Von mir aus kann der Sommer ab dem 23. Juli auch nur nachmittags stattfinden, denn…

…ich habe mich endlich zum Sprachkurs angemeldet. Hallelujah! 4x wöchentlich von 8.45 bis 12h!

Seit drei Monaten bin ich am Überlegen, wo und wann die norwegische Sprache und ich aufeinander prallen sollten, und immer wieder hielten mich gute Gründe vom Treffen ab:

  • Ein Sprachkurs ist teuer.

Keine große Überraschung, dass der Geldfaktor an erster Stelle auftaucht. 5800,- NOK sind eine stattliche Summe: 170 Tafeln Freia „Walters Mandel“-Schokolade könnte ich davon kaufen! 170 Tafeln!!!! 170 TAFELN!!!!! Stattdessen bekomme ich 48 Stunden Norwegisch-Unterricht.

Mal ehrlich……

  • Im Kurs werden nur drei Kapitel aus dem Lehrbuch „På vei“ unterrichtet.

Wie kann man in drei Wochen nur drei Kapitel unterrichten? Was genau machen wir mit dem Rest der Zeit? Trolle jagen? Waffeln backen?

Mal ehrlich….

  • Ich besitze einen Selbstlern-Kurs mit CD, der mich bis auf Niveau B2 bringen soll.

Das ist ein ganz toller Kurs. Sue, eine Engländerin, reist nach Norwegen mit ihrem Freund Arne. In Oslo kommt es zum Streit zwischen den beiden Liebenden und Sue macht sich aus dem Staub mit Jan und dann….Keine Ahnung, was dann. Es mangelt mir an Selbstdisziplin und obwohl ich die fast shakespearischen Geschehnisse äußerst spannend fand, habe ich nach Kapitel 6 immer wieder bessere Dinge zu tun gehabt: Fenster putzen, Bügeln, Müll sortieren.

Mal ehrlich…

  •  Das alles andere schlagende Argument ist aber: Alle Norweger sprechen Englisch.

OK, zugegeben, ich übertreibe. Sagen wir so:

Alle Norweger, DIE ICH GETROFFEN HABE, sprechen Englisch.

Nicht, dass sie es unbedingt gerne sprechen. Ich wende mittlerweile drei Offensiven an, abhängig von der lokalen Situation:

  • An von Touristen häufig frequentierten Orten starte ich den direkten Angriff. Ohne größere Entschuldigung oder Erklärung beginne ich die Konversation in Englisch. Reaktion vom norwegischen Gegenüber: Keine, professionell wird auf Englisch geantwortet.
  • In Geschäften, beim Friseur, am Blumenstand erfolgt die abgemilderte Englisch-Version. Mit einem entschuldigenden Lächeln wende ich mich an Verkäufer/Friseuse/Blumenhändlerin und erkläre auf Englisch, dass ich leider noch kein Norwegisch könne. Reaktion vom norwegischen Gegenüber: Mildes Lächeln und schnelle, seltenst zögernde, Antwort in der von mir vorgeschlagenen Sprache.
  • Bei staatlichen Institutionen, Finanzamt, Post: Hier verwende ich immer noch meine älteste Sprachattacke, die sich allerdings im alltäglichen Leben in Norwegen als nicht sehr brauchbar herausgestellt hat. Mit einem freundlichen Lächeln (das nach 2 Stunden Wartezeit auch mal verrutschen kann) trete ich dem Sachbearbeiter/Postangestellten gegenüber und erkläre: „Jeg snakker ikke norsk. Kan vi snakke engelsk?“ Reaktion vom norwegischen Gegenüber: Variierend. Im schlimmsten Fall verschwindet das professionelle Lächeln nach meinem ersten Satz und wird von einem etwas eisigen Lächeln, begleitet von hochgezogener Augenbraue begleitet. Dann wird, sehr gnädig, auf Englisch geantwortet.

Diese Reaktion verblüfft mich immer wieder, ja sie irritiert mich geradezu. In Frankreich wurde jeder Versuch Französisch zu sprechen, mit teilweise überwältigender Begeisterung begrüßt. Tennisfans erinnern sich nur an die diesjährigen French Open, als eine erstaunliche Anzahl ausländischer Tennisprofis plötzlich begann, die Sprache der Grande Nation zu benutzen. Jedes „Bonjour“ aus dem Mund von Djokovic, Sharapova oder Nadal wurde mit ekstaseartigem Applaus belohnt! (Ich stoppe an dieser Stelle. Tennis ist momentan ein wunder Punkt. Rafa hat gestern in Wimbledon v e r l o r e n…. Ich bin in Trauer. Wtf is Lukas Rosol?)

Zurück zum Thema…

…völlig unbekannter tschechischer Tennisspieler.

ZURÜCK ZUM THEMA.

…No. 100 auf der Weltrangliste!! 1 0 0 !!!!!

Pscht…

…Noch nie in Wimbledon gespielt. Ausgeschieden bei allen großen Turnieren!!!

PSCHT!!!

…Verdammtes schieres Glück hat er gehabt, wird gegen den Deutschen in der nächsten Runde 6:0 in drei Sätzen verlieren!!! Ehrlich!

RUHE, SCHLUSS, AUS!!

*******

Wo war ich? Sprache, genau. In der Landessprache sprechen, auch wenn man sie nicht beherrscht, um höflich zu sein. In Norwegen klappt das nicht. Niemand ist von meinem kläglichen Versuch Norwegisch zu sprechen auch nur ansatzweise angetan. Glücklicherweise sind Termine bei Behörden o.ä. rar. Ich überlebe also fein mit Versionen 1 und 2 bisher, doch ich sehe ein: Das ist auf Dauer keine Lösung und deshalb besuche ich also ab dem 23. Juli für drei Wochen die „Folkeuniversitet“, um wenigstens einen Einstieg zu bekommen. Ich freu mich drauf. Und Ihr, meine lieben in 7er Gruppen versammelten Leser, könnt Euch auch freuen. Das werden lustige Blogs!

Das war es schon wieder fast für heute.

Jetzt kommt was Wichtiges!

Ich möchte Euch allen an dieser Stelle ganz herzlich danken, dass Ihr seit drei Monaten diesen Blog lest und kommentiert. Das ist mir eine große Freude. Ohne Euch säße ich hier ganz allein und so gern ich auch über mich selber lache, wäre es doch sehr langweilig.

DANKE! YOU ROCK!!

Ganz liebe Grüße sende ich an dieser Stelle an Julia, die unverschämter Weise gestern mit Christoph und Jonathan auf die Fähre nach Kiel gestiegen ist. Du wirst mir fehlen, jawoll. (Übrigens habe ich die bunten Kissen wirklich iiirgendwo verloren *lach*)

Für alle, die noch Kraft zum Weiterlesen haben: Ich hänge Fotos vom St. Hans-Fest an, das wir gemeinsam mit Catharina und Steffen im Norwegischen Volksmuseum gefeiert haben.

Bei teilweise strömendem Regen.

Ist ja schließlich Sommer.

Hier schließt sich der Kreis des heutigen Blogs. Ich kann noch nicht versprechen, mich nächsten Freitag zu melden. Meine wunderbare Mutter kommt Mittwoch zu Besuch (mit Gummistiefeln!) und wahrscheinlich sind wir viel zu beschäftigt mit Klönen, Wandern, Shoppen und Lachen. Aber wer weiß….

Ich wünsche Euch ein schönes Wochenende meine lieben Leser, sprecht hin und wieder eine neue Sprache, lasst Euch nicht von tschechischen Tennisspielern unterkriegen und sagt Euren Freunden mal wieder, wie toll sie sind.

Ha det bra,

Ulrike

*********ANHANG***********

St. Hans-Fest oder auch Fest zur Sommersonnenwende

(Danke an Catharina für die tollen Fotos!)

Sonne gab es nicht, aber…

…dramatische Maibäume…

…Räucherung am Gemeinschaftsgrill….(das sind NICHT meine Würstchen!)

…eine Kollektion hübscher Schirme, Regenkleidung und lecker Essen…

Nicht unterkriegen lassen :)

…und Tanz um den Maibaum. Norwegen aus dem Bilderbuch!

Bis bald!

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Von strickenden Norwegern, exklusiven Balkonkonzerten und einem neuerdings alleinstehenden Piraten

Ich beginne diesen Blog am 22. Juni 2012, meinem 17. Hochzeitstag, mit einem Geständnis:

Ich habe mich verliebt.

In einen Norweger namens Arne und einen Brasilianer namens Carlos.

Ich konnte nichts dagegen tun.

Die beiden sind einfach die genialsten, witzigsten und kreativsten Künstler, die mir hier in Norwegen bisher begegnet sind!!! Es war am Montag letzter Woche und ich hatte gerade meine Begegnung mit Sting beim fantastischen Norwegian Wood-Festival verdaut. Julia und ich beschlossen, noch mehr Kultur zu erleben und besuchten das DogA, das norwegische Zentrum für Design und Architektur, das außer interessanten Ausstellungen zwei unschlagbare Vorteile bot: Es ist eines der wenigen Osloer Museen, das montags offen ist und der Eintritt ist frei!

Nichts wie hinein.

Und da, auf einem Buchcover, waren sie: Arne und Carlos. Zwei grauhaarige Männer mit schwarzen Hornbrillen, die auf einem Sofa saßen und…

….strickten.

Beide.

Norwegerpullover mit Marsmännchen-Muster.

Es war um mich geschehen.

Die beiden Designer sind durch ihr erstes Buch „Julekuler“ zu Kultautoren geworden und so manchen skandinavischen oder deutschen Weihnachtsbaum zieren die nach ihren Vorlagen gestrickten Weihnachtskugeln. Sie schaffen es, norwegische Tradition und Popkultur des 21. Jahrhunderts auf eine kreativ-witzige Art zu verbinden, die mich begeistert und von den selbstgestrickten Socken gehauen hat. Seht selbst:

@ Arne&Carlos

Die königliche Familie in glatt rechts.

@Arne&Carlos

Julekuler: Gestrickte Weihnachtskugeln…kommen definitiv an unseren 2012er Weihnachtsbaum!

@Arne&Carlos

Erkennt Ihr es? Traditionsstrick mit Marsmännchen.

Hier nun die beiden live und in Farbe:

http://www.youtube.com/watch?v=FoDghBI3F34

Wunderbar schräg, komisch und hinreißend charmant. I am in love.

Und als wären die beiden strickenden Männer nicht genug, habe ich Sonntag einen Schweden kennengelernt, der mich nicht durch Nadelklappern, sondern Stimmbänder-Akrobatik begeistert hat.

Martin glücklicherweise auch.

Schon seit drei Abenden hatten wir, gemeinsam mit Gisela und Volker, die Konzerte beim Norwegian Wood-Festival verfolgt. Brian Ferry hat uns gefallen, Tom Petty und Lenny Kravitz haben uns gespalten (ich fand Lenny Kravitz GENIAL, stand aber relativ allein da) und Kaizers Orchestra hat uns erschreckt und an sofortigen Umzug denken lassen. (An dieser Stelle Grüße an Christian! :)..) Am Sonntag wurde es Zeit, persönlich beim Festival vorbeizuschauen: Sting stand auf dem Programm!

Der Auftritt um 18.30 interessierte uns nicht wahnsinnig, aber wir vier hatten einen tollen Platz in Nähe der Bühne und den wollten wir bis zum Auftritt von Sting verteidigen. Mit Rotwein, Bier und Erdnüssen ausgestattet, harrten wir der Dinge die da kommen sollten.

Und dann kam er.

Lars Winnerbäck.

Die Musikfans unter meinen Lesern mögen verzeihen, aber ich hatte von dem Schweden mit dem Schirm noch nie gehört. Anders als das im Freibad versammelte Publikum, das ihm ein gewaltiges Willkommen entgegenschrie.

Und dann fing er an und Martin sagte nach zwei Liedern: „Die CD müssen wir haben.“

Haben wir jetzt auch.

Wir haben gejubelt und getanzt und waren fast schon heiser bevor Sting auch nur einen Fuß auf die Bühne gesetzt hatte.

Musik ist immer Geschmackssache, aber ich gebe Euch trotzdem ein Hörbeispiel. Das ist  unter Garantie nicht erlaubt und ich hoffe, dass nicht gleich die WordPress-Blog-Polizei an den Bildschirm klopft. Viel Spaß mit Lars:

http://www.youtube.com/watch?v=EOBOOjQIlvk

Zu Sting kann ich nur sagen: Er kam, sah und siegte.

Toll, ihn mal wieder live zu sehen.

Nun denkt Ihr, meine lieben in 7er-Gruppen versammelten Leser vielleicht, es sei Schluss mit fremden Männern, aber weit gefehlt. Noch einige sorgten für Schlagzeilen diese Woche. Entweder in meinem eigenen Umkreis oder in der achso bunten Welt der Klatschpresse: (Ich rate allen Yellowpress-Gegnern den folgenden Absatz zu überspringen!)

Johnny Depp hat sich getrennt!

Ja gibt es denn das?? Seit 14 Jahren ein Traumpaar, zwei tolle Kinder, ein idyllisches Leben in der französischen Einöde und kaum ziehen sie nach L.A.: zack, bumm, aus. Ein Schocker. Nun zieht er angeblich von Party zu Party mit Marilyn Manson, während Vanessa sich fragt, warum sie nicht in Plan-de-la-Tour geblieben sind.

Sacha Baron Cohen in „The Dictator“. Ich muss zugeben: Ich habe gelacht. Mehrmals. Lauthals. Glücklicherweise hat Mr. Cohen mich in meinen Vorurteilen bestätigt und einige völlig geschmacklose Szenen in seinen Film aufgenommen. Ansonsten wäre ich noch zum Fan mutiert. Aber soweit kam es nicht. Puuh. Trotz allem ein sehr witziger Abend, der darin gipfelte, dass Deutschland das erste Tor gegen Holland schoss, als Catharina und ich die Kneipe betraten, in der unsere Männer den Ball verfolgten. Wie schön, mit einem derartigen Jubel begrüßt zu werden.

Jaaaa, das galt nicht uns, ist ja gut.

Trotzdem nett. *lach*

Die früheste Begegnung mit einem Mann hatte ich in dieser Woche mit unserem, während des Aufenthalts in Oslo zum Wikinger mutierten, Freund Volker: Um 6.30 Uhr trafen wir im Wohnzimmer aufeinander und begannen unseren Freitag auf wunderbare Weise. Wir suchten gemeinsam einen Parkplatz. Das schweißt zusammen. Ein toller Besuch war es und ich hoffe, dass Gisela und Volker genauso viel Spaß hatten wie wir. Beim nächsten Mal pusten wir auch die Wolken am Holmenkollen weg, versprochen!

Eine unerwartet tolle Begegnung hatte ich mit einem Mann namens Bileam, dessen Geschichte Pastor Friedbert Baur und ich im Gottesdienst der deutschen Gemeinde in Oslo theatralisch in Szene gesetzt haben. Bereits zweimal hat die Geschichte der armen Eselin und des geldgierigen Sehers, der am Ende doch das Richtige tut, Kirchenbesucher zum Lachen und Mitmachen animiert und hoffentlich auch ein bisschen zum Nachdenken. Für mich war es eine superhyperfantastischtolle Erfahrung!

Was ist mit Martin? fragt Ihr Euch vielleicht, meine treuen Leser. Da schreibt sie an ihrem Hochzeitstag 800 Wörter über fremde Männer und kaum ein Wort über ihren eigenen.

Mach ich auch nicht.

Das geht Euch nämlich gar nichts an, jawoll! *lach*

Ein ungewöhnlicher Blog ist es heute geworden, der irgendwie ein Eigenleben entwickelt hat. Heute habt Ihr nicht viel über Norwegen erfahren. Da Liebe und Kennenlernen ein zentrales Thema waren, beende ich den Blog mit einigen norwegischen Redewendungen, die immer zu Herzen gehen:

Jeg elsker deg! – Ich liebe dich.

Du har øyne som stjerner! – Du hast Augen wie Sterne.

Und wer sich gar nicht beherrschen kann:

Lille bamsen – Bärchen

Sussebass – Schnuckibär

Ob die Norweger diese Begriffe gern und häufig benutzen kann ich noch nicht sagen. Ich werde morgen mal die Ohren offen halten, wenn wir im Norwegischen Freilichtmuseum die verspätete Sommersonnenwende, das St. Hans-Fest, feiern. Davon nächste Woche mehr!

Meine lieben in 7er-Gruppen versammelten Leser, ich wünsche Euch allen ein sonniges, fröhliches, ruhiges und schönes Wochenende. Verliert nie den Mut, lasst neue Begegnungen zu und sagt mal wieder „Ich liebe dich!“, egal in welcher Sprache!

Ha det bra,

Ulrike

Nachrichten-Express auf Wunsch eines einzelnen Herrn

Nachrichten-Express++++Nachrichten-Express++++Nachrichten-Express++++Nachrichten-Express+++

Meine lieben in 7er Gruppen versammelten Leser, eigentlich sollte dieser Block ja heute ausfallen.

EIGENTLICH.

Aber auf Wunsch eines einzelnen, mir gerade gegenübersitzenden Herren, strampele ich mich um 23.14 an den Laptop, um noch pünktlich am Freitag („Wo ist denn dein Blog heute? Ich lese immer freitags deinen Blog!“) etwas zu veröffentlichen.

IRGENDETWAS.

Ich bin ganz schön nett! (Volker, ich erwarte einen sehr, sehr positiven Kommentar!!)

Nicht, dass heute nichts passiert wäre. Wir sind von einem Highlight zum anderen gejagt.

Der Morgen begann mit einem wahnsinnig spannenden, echt osloanischen, nervenaufreibenden, freundschaftsverbindenden Ritual:

Volker und ich trafen uns gutgelaunt um 6.40 zur……

Parkplatzsuche.

Nein, meine lieben sieben Leser, ich bin weder betrunken noch unter Drogen.

Die Stadt Oslo hat eindeutig etwas gegen Autofahrer und zwar ganz besonders an diesem Wochenende, wo das Rockfestival Norwegian Wood im Freibad am Frognerpark vor sich hin ballert:

Alle großen Parkplätze um den Park sind gesperrt.

Damit bleibt nur noch das Parkhaus.

30,- Euro für 24 Stunden.

Geht ja so gaaaar nicht.

Also um 6.45 raus aus dem teuren Parkhaus und hinein ins Vergnügen. Unser Gespräch verlief ungefähr so:

„DA!!!“

„Ausfahrt.“

„Da!!!!!“

„Nee, 5m Abstand zur Kurve.“

„Dahaa!“

„Passt nicht!“

Nach 15 Minuten Gegurke der Jackpot in der Nähe der griechischen Botschaft. Und da steht es nun. Ganz für umsonst. Toll.

So ein Erfolgserlebnis am frühen Morgen belebt ungemein.

Wer das auch einmal erleben möchte, sollte mal mit dem Auto nach Oslo kommen.

Und das Auto ist nur 20 Minuten Gehweg entfernt. Ist doch prima.

Nun haben wir im Moment zwar wegen des Norwegian Wood Festivals keine Parkplätze, aber dafür hat gerade Tom Petty sein Konzert beendet, nachdem vor ihm Lenny Kravitz über die Bühne gefegt war. Wir saßen dick eingepackt bei Pastis und Schokolade auf dem Balkon und haben mitgefetet. GENIAL!!!!!

Ich wünsche Euch allen eine Gute Nacht, meine lieben Leser, wickelt Euch warm ein, hört tolle Musik und jagt mal wieder einen Parkplatz.

Ha det bra,

Ulrike

Viele Grüße auch von Wicki!

Von einem verpatzten Rendezvous, einer tollen Aussicht und der heilenden Kraft von Kaffee.

Hallo meine lieben Leser und Segel los!

Wie versprochen, habe ich mich heute Morgen auf den Weg zur Aker Brygge gemacht, um den Start der größten norwegischen Regatta zu beobachten. Bei meiner Ankunft begann eine Musikkapelle schwungvoll zu spielen, was ich nicht nur ungemein nett mir gegenüber fand, sondern irgendwie auch passend. Immerhin: Die größte Regatta. 1000 Boote und Segelschiffe!

Nach ca. 10 Minuten guter Musik begann ich mich zu fragen, warum die am Steg versammelten Ehrengäste immer in Richtung des kleinen, geschmückten Schiffs der Rettungswacht blickten, das am Kai vor sich hin dümpelte.

Und wo waren überhaupt die wettbewerbsbereiten Segelboote?

Und was reden die hübsch angezogenen Menschen auf der kleinen Bühne?

In dem Moment, als eine der hübschen Mädchen eine Sektflasche in die Hand nahm und auf das Schiff zielte, wurde mir klar:

Hier bist du falsch.

Der Meinung war mittlerweile auch Julia, die ich mit der Ankündigung „Das ist die größte und tollste Regatta im ganzen Land!“ an die Aker Brygge gelockt hatte. Nachfragen bei umliegenden Kiosken und Reiseveranstaltern erhellten die Situation nicht wirklich. HAAALLLOOO??? Wo bitte ist diese tolle, bekannte Regatta, die der König um 12h eröffnen soll?

Es war fünf vor 12.

Wir wanderten also Aker Brygge entlang und näherten uns dem bescheidenen Yachthafen. Und, oho, Lautsprecherdurchsagen waren zu vernehmen. Ganz entfernt, doch klar und deutlich. Noch immer keine Boote in Sicht.

Ok, ok, KEINE ist übertrieben.

Aber wo waren die anderen 997?

Fast am Ende der Aker Brygge fanden wir die Quelle der Lautsprecherdurchsagen, die Streifen am Horizont, unsere Führer im Nebel, die Orakel der Regatta. Zwei ältere Herren saßen, windgeschützt, in einem Zelt und hörten sich geduldig meine Fragen an. Doch, doch, die Regatta würde in 20 Minuten starten. Ja, ja, der König würde auch teilnehmen. Die königliche Yacht würde in der 10. Gruppe starten.

Um 15.15.

UM 15.15???????

Majestät Harald, nun mal bei allem Respekt: Ich winke und singe und lobe die Monarchie seit ich in Ihrem Herrschaftsgebiet angekommen bin und nun werde ich VERSETZT???? Sie sitzen eventuell noch beim Frokost-Kaffee, während ich hier am Wasser warte?

Ich bin enttäuscht.

Catharina, auch sie war meinem Ruf gefolgt, und Julia nahmen mich behutsam in die Mitte und führten mich in eine koffeinversprechende, schwimmende Bar am Wasser und peppelten mich mit braunem Lebenselixier wieder auf. Dort genossen wir den Anblick der um 12.30 Uhr startenden Segelboote, die langsam durch die Bucht Richtung Süden zogen. Ein wirklich toller Anblick!

Die Sonne schien, wir hatten Spaß und irgendwie war es nicht so schlimm, dass ich die beiden rund 3 Stunden zu früh zur tollen Regatta bestellt hatte. Hoffe ich.

Um 15.15h hätten wir sowieso alle keine Zeit gehabt.

Eure Majestät: In Zukunft sprechen Sie doch bitte Ihre Termine etwas besser mit uns ab! Wirklich! Wir haben ja schließlich auch noch andere Dinge zu tun! Trotz allem wünschen wir Ihnen Schiff ahoi und allzeit eine steife Brise! Mast- und Schotbruch!

Das war es schon, meine lieben, in 7er-Knoten segelnden Leser. Ich hatte Spaß und die ganze Bucht voller Schiffe zu sehen, war eine tolle Sache!

Nächste Woche entfällt der Blog, da einer der „Originalen 7 Leser“ mitsamt Gattin nach Oslo kommt und ich vermutlich aufgrund exzessiver Besichtigungen und Verköstigungen keine Zeit zum Bloggen haben werde.

Ich wünsche Euch ein tolles Wochenende, segelt gut durch steife Brisen und lasst Euch nicht versetzen.

Ha det bra,

Ulrike

Von Promis, Einweggrillen und der besten Zeit, die Müllabfuhr zu treffen

Hallo und Willkommen meine lieben Leser! Heute erscheint der Blog mal am Donnerstag…Surprise!! Zusätzlich erscheint er am Freitag, dann mit Liveberichterstattung von der größten Regatta Norwegens, der Færer Regatta, die aus über 1000 Segelbooten besteht.

Heute dreht sich alles um das Leben in der Großstadt und Promis, denn Oslo ist hip…anscheinend. Für Osloaner gilt diesen Sommer: Zückt Eure Autogrammkarten, putzt die Objektive oder verlasst die Stadt!

Wie ich reagiere?

Nun ja,….

Es hat ja bekanntlich immer alles zwei Seiten. Der Stau, in dem man endlich Zeit findet, in Ruhe mit der besten Freundin zu telefonieren. Der nervige Nachbar, der ohne zu zögern beim Umzug mit anpackt. Der witzige Kinobesuch, der durch Popcorn-schmatzende Nachbarn zum Alptraum wird. Hier in Oslo habe ich in den letzten Wochen auch einige, zweiseitige, Erfahrungen gemacht.

Nummer 1: Wohnen in der Nähe einer Sehenswürdigkeit.

Wie ich bestimmt schon erwähnt habe, wohnen wir im Stadtteil Majorstuen, direkt am Frognerpark. Super Lage, alles prima, alles grün, wir lieben es. Nun gibt es ein Problem: Der Frognerpark (oder Vigelandpark) ist DIE Sehenswürdigkeit der Stadt. Das hat mich im ersten Monat gar nicht groß gekümmert. Das Wetter war noch kühl, der Park relativ leer, problemlos konnten wir unsere Lieblingsecken durchwandern und die langsam erwachende Natur bewundern. Schön! So ein Park, fast für uns, wie ist das nett. Abends hieß es: „Wollen wir nochmal in den Park? Bisschen rumwandern?“

Seit Mai ist damit Schluss.

Ich weiß nicht, wo all diese Touristen, Schulklassen, Familien, Jogger, Hundebesitzer, Bettler, Hare-Krishna-Jünger, Kunsterzieher, Rugbymannschaften, Schauspieler, Waffelbäcker, Frisbeewerfer, Würstchengriller, Müllwerker, Kindergärten, Yogamattenträger, Portraitfotografen und Bikinischönheiten herkommen, aber sie sind da.

Der Park ist dicht.

NICHT FAIR!

WAS WOLLEN DIE DENN DA??

Ja, ja, ja, tolle Statuen, wichtiger norwegisches Künstler, schöne Parkanlage, einziger großer Stadtpark…JA JA JA!

Gut, dachte ich, dann brauche ich eben einen Zeitplan. Es muss doch eine gute Zeit geben, um in den Park zu gehen.

Hier meine Ergebnisse:

7.00: Verschlafene Jogger, gähnende Hundebesitzer, schnarchende Bettler. Fazit: Müde.

8.30: Die Müllabfuhr fährt ein. Die Grillmülleimer werden geleert. Ein schwarzer Nebel wabert darum über den Park. Fazit: Atemlos und dreckig.

10.00: Die ersten Reisebusse kommen. Vereinzelte Touristen, die amüsiert, irritiert oder, im Fall einer japanischen Schülerin beim Anblick einer Statue mit einem mächtigen Gemächt, schockiert, durch den Park wandern. Wenig Jogger. Fazit: Erträglich.

12.00: Die Touristen-Apokalypse gemischt mit dem Aufmarsch der Kindergärten. Von beiden Seiten wird der Park nun von fotowütigen Reisenden eingenommen. Der besseren Koordinierung halber in Gruppen eingeteilt, schieben die Massen durch den Park und kämpfen um die schönsten Ecken und Fotomotive. Die gewaltigen Reisebusse verstopfen die Haupteingänge und ein gebrülltes Sprachgewirr rauscht durch die Bäume. Zwischen die Touristenmassen schieben sich die rotgelben Kinderwägen mit ihren jungen Passagieren, die quengelnd und quäkend zur Park-Kakophonie beitragen. Fazit: HILFE! WEG HIER!

14.00: s. 12.00 nur ohne Kinder. Fazit: HILFE!

16.00: Immer noch Touristen, nun vermehrt unterstützt von Roma, die harmlose Ziehharmonikas quälen und dadurch Geld machen, dass Leute sagen: „Hier sind 50 Kroner. Hör auf zu spielen!“ Die Schule ist aus und der Park wird von lümmelnden Jugendlichen eingenommen und die Wiesen verwandeln sich in Frisbee-/Volleyball-/Fußballplätze. Fazit: NEIN, ICH GEH HIER NICHT WEG. DAS IST MEINE WIESE.

17.30: Zeit zum Abendessen. Raus mit den Einweggrills. Die gefährlichste Zeit im Park, ohne Atemgerät schwer zu überstehen. So müssen sich Touristen auf Mallorca am Ballermann fühlen. Choreographie des Parks: Handtuch, Grill, Handtuch, Grill, Handtuch, Grill. Fazit: *Hust*

22.00: Ruhe kehrt ein. (Wochentags) An den Mülleimern stapeln sich die ökologisch wertvollen Einweggrills. Die Romas igeln sich ein und verbringen eine weitere Nacht auf der Wiese. Die Fontäne beendet ihr Treiben und der Park kommt zur Ruhe. Fazit: Nee, NUN hab ich auch keine Lust mehr zum Spazierengehen.

Ach, meine lieben in 7er-Gruppen versammelten Leser, nehmt mich nicht Ernst: Es ist schon genial, am Park zu wohnen. Irgendwann wird’s ja auch wieder leerer sein.

Nummer 2: Promis in der Stadt

Wie jede Hauptstadt wird Oslo gern und häufig im Sommer von Hauptdarstellern der Yellowpress und tatsächlichen Prominenten besucht. In Paris oder Berlin wird davon zwar Notiz genommen, aber irgendwie verläuft es sich in solchen Millionenstädten auch wieder schnell.

Oslo hat 560.000 Einwohner.

Hier verläuft sich nichts.

Hier stockt alles.

Mir beispielsweise der Atem, als ich letzte Woche die Hauptnachrichten auf NRK 1 einschalte und mir ein nett lächelndes Mädchen entgegenblickt. Ihrem Akzent nach Kanadierin. Sie sitzt in einem Hotelraum und gibt ein Live-Interview, steht dann lachend auf, öffnet das Fenster und blickt nach draußen: „JUSTIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIN!“ brüllt es aus Hunderten von Mädchenkehlen, deren Besitzerinnen sich auf der Straße versammelt haben. Justin Bieber ist in der Stadt. Keiner weiß genau warum, keiner weiß genau wo, es gibt Gerüchte um ein Konzert auf dem Dach der Oper, die Presse goes crazy, die Mädchen erst recht, im Endeffekt 40 Verletzte bei chaotischen Bedingungen vor der Oper.  Dass Hillary Clinton zeitgleich den amerikanischen Botschafter besucht hat, erfuhr ich am nächsten Tag über facebook.

Justin Bieber ist der Pionier der diesjährigen Promi-Riege, die sich in der norwegischen Hauptstadt ein Stelldichein gibt. Kiss und Rihanna singen am Holmenkollen, obwohl ich es unterhaltsamer fände sie würden springen statt singen. Bryan Ferry, Kaizers Orchestra und Sting treffen sich zum Bahnenziehen im Frognerbad, was genial weil gleich bei uns gegenüber ist. Auch George Clooney hat seine Liebe zu Norwegen entdeckt und überrascht die norwegischen Fernsehzuschauer im DNB-Bankcommercial.

WOW, oder? Dabei wussten die meisten von denen bestimmt nicht einmal, wo Oslo genau liegt. Ist ja auch nicht so einfach. Und man hat so viel Wichtigeres zu tun als Promi. Fazit: Zieh dich warm an, Berlin, Oslo zieht hinterher und wird bald einen regelmäßigen Platz in der Yellowpress bekommen. Dann wird die Stadt vielleicht auch etwas cooler mit kreischenden Mädchen, halbseidenen Stars und dem Niveau der 20h-Nachrichten umgehen. Ich bin gespannt.

So, meine lieben Leser, für morgen heißt es: Backbord voraus, Land in Sicht, Leinen los und Anker frei. Ich freu mich und hoffe, dass das Wetter mitspielt.

Bis dahin wünsche ich Euch einen tollen Nachmittag, betrachtet immer alles von zwei Seiten, findet die beste Tageszeit und zieht Euch warm an!

Ha det bra,

Ulrike

Vor dem Nationalmuseum

Von moderner Kunst, Zitronenpressen und einem ganzen Haufen Niveau

Ich bin das Opfer einer ganz besonders gemeinen, hinterhältig agierenden und in der Gesellschaft noch nicht genügend bekannten Erscheinung geworden.

Der Museumsschatten hat mich erwischt.

Eiskalt.

Am Dienstagmorgen beschloss ich, mein Versprechen einzulösen und endlich mal mehr Niveau in diesen Blog zu bringen. Nach stundenlangem Durchwälzen diverser Touristenbroschüren entschied ich mich, das Niveau im Astrup Fearnley Museum für moderne Kunst zu suchen. Ich machte mich auf den Weg.

„Ohhhhhh!“ höre ich euch beeindruckt raunen.

Das Museum ist geschlossen. Bis Herbst 2012.

Toll, dachte ich, während ich den untreuen Stadtführer Oslo in die nächste Abfalltonne pfefferte und mich ratlos umsah. Und nun? Mein neuer Wohnort ließ mich nicht im Stich und schon an der nächsten Ecke fand ich ein anderes Gebäude, das meinen und den Niveau-Wünschen meiner lieben sieben Leser entsprach: Das Museet for Samtidskunst. Nicht um die Kunst der Samen, der norwegischen Urbevölkerung, ginge es hier aber, wurde ich von der freundlichen Kassiererin aufgeklärt. In diesem Kulturtempel gehe es um zeitgenössische Kunst.

BRING IT ON!

Ich liiiiebe zeitgenössische Kunst!

Selten so gut gelacht wie auf der Documenta in Kassel oder im Centre Pompidou in Paris. Bitte nicht falsch verstehen, meine lieben Leser: Ich respektiere die Arbeit eines jeden Künstlers aber manchmal…manchmal….manchmal da schmeiße ich mich brüllend vor Lachen auf den Boden. Ja, Banause, Banause, aber ich empfinde einfach größtes Vergnügen bei Menschen, die vor einer rein blauen Leinwand stehen und sagen: „Dieses Gefühl von Unendlichkeit spricht mich unendlich an.“

Köstlich.

An manchen modernen Kunstwerken begeistert mich die Idee, die Machweise, die Frechheit, das Neue, das Humorvolle und im Großen und Ganzen verbinde ich ein positives Gefühl mit einem Besuch im Museum für moderne Kunst.

Das sollte sich ändern.

Niveauvoll stieg ich die ausladene Treppe des alten Bankgebäudes in die erste Etage empor und betrat die Ausstellung „Prism.“ Um Zeichnungen ginge es, so der Katalog. „Prism“ untersuche zeitgenössische Zeichnungen als ein autonomes und wachsendes Feld im Kunstbetrieb.

Mein erster Blick fiel auf ein Naziflugzeug.

Mein zweiter Blick auf eine am Boden kriechende US-Soldatenpuppe.

Mein dritter, schon etwas panischer, Blick auf eine sechsarmige Figur mit riesigem Penis, die  vom Künstler „Vision der Freiheit“ betitelt wurde.

Das wird ein kurzer Besuch. Drei Bilder, immer noch nicht gelacht.

Vorbei an der „Vision der Freiheit“ schlenderte ich also und blickte suchend um mich, als eine in der Ecke hängende Zeichnung mein Interesse weckte. Komischer Platz für ein Ausstellungsstück. Ich näherte mich der graublauen Zeichnung und stockte.

Auf einem umgestürzten Eimer in der Nähe eines Bauernhauses saß eine Frau mit hochgezogenen Röcken und quetschte sich ihre Vagina aus.

Mir fiel nichts mehr ein und ich verharrte ratlos vor dem….Kunstwerk.

„Wonderful, isn’t it?“ ertönte es plötzlich neben mir. Versunken in den Anblick der Frau und ihrer Tätigkeit und eindeutig nicht in der Lage die Quetschtätigkeit in irgendeiner Form mit dem Begriff „wonderful“ in Verbindung zu setzen, blieb ich stumm.

Ich werde nie wieder eine Zitrone auspressen können, dachte ich gerade.

„It is beautiful, eh?“ ertönte es erneut neben mir.

Oder Orangen. Dabei liebe ich frischen Orangensaft.

„Eh?“

Entnervt blickte ich mich um und sah mich Auge in Auge mit einem jungen Mann, dessen schwarze Haare wirr über seiner viel zu hohen Stirn wirbelten und sich im Kampf mit einem grauen Hut befanden, der keck und schräg auf der schwarze Masse hockten. Strahlend blickte er von mir zur Vaginafrau und wiederholte: „Wonderful, right?“

Nein, wollte ich schreien, du blinde Ausgeburt eines angeblichen Kunstverständigen, das ist absolut nicht wundervoll, das ist abstoßend und widerlich und ich will weder dieses noch irgendein anderes Bild dieses Künstlers jemals angucken und am allerwenigsten will ich mit dir darüber diskutieren, wie wundervoll eine offenbar geschändete Frau ist oder nicht!!!!

„Uh-hu.“ Ich nickte und beschloss zu gehen. Idiot. Bloss weg hier.

„There is another wonderful drawing I wanna show you.“, erklang die Stimme wieder neben mir und eine Hand legte sich vertraulich an meinen Ellenbogen. Wie, er will mir etwas zeigen? Ich bemühte mich eine Verbindung zwischen unserer bisherigen Unterhaltung und seiner, eine gewisse Zutraulichkeit ausstrahlenden, Geste zu finden.

Vergeblich. Es blieb nur eine Möglichkeit.

Er.

Ist.

Ein.

Museumsschatten!!

HIIIIIILFFFE!!!

Ähnlich wie Kurschatten suchen sich Museumsschatten in meist leeren Museen ihre Opfer und zwingen sie in dem begrenzten Raum eine Verbindung einzugehen.

ICH WILL NICHT!

Wohin? Wohin? Wohin flüchte ich?

Nach rechts in den Ausstellungsraum der willkürlich gestapelten Papierhaufen unter Stühlen? Nach links zum am Boden kriechenden US-Soldaten? Nach vorne, in die Arme der gelangweilt aussehenden Wachmänner, die meine verzweifelten Blinkerversuche anscheinend als schnöde Anmache bewerteten und sich kopfschüttelnd abwendeten.

WOHIN?

Mein neuer Bekannter steuerte mich mittlerweile entschlossen in einen entfernt liegenden Ausstellungsraum, während er gleichzeitig einen Schwall kunstwissenschaftlichen Blablas von sich gab, der mich weder interessierte noch ganz erreichte. Schließlich war ich dabei meine Flucht zu planen. Zur Toilette würde er mich nicht doch wohl nicht begleiten, dachte ich gerade, als mein unfreiwilliger Begleiter stoppte und mit der strahlenden Sicherheit eines stolzen Vaters die Arme ausbreitete.

„Look at THAT!“

Ohja. Unglaublich. Anscheinend ist die Putzfrau im Streik, dachte ich und blickte auf die schmutzbespritzen Wände. Ist ja auch eine Unverschämtheit hier so eine Sauerei zu veranstalten und dann….Komisches Schild an der Wand.

„Isn’t that amazing?“ Mein stolzgeschwellter Museumsschatten blickte mich beifallheischend an.

„EARTH 2012“ las ich. Hergestellt aus Schlamm des Flusses Avon.

Ich nickte zustimmend und benötigte meine ganze Energie um das aufsteigende Lachen niederzudrücken.

Banause, ich.

Gerade strich mein Schatten zärtlich die Konturen des Schlammwerks und ich war glücklich, dass wenigstens einer von uns beiden Spaß hatte. Im günstigen Moment trat ich den Rückzug an, galoppierte die Treppen des Museums herunter, blickte mich immer wieder um und rettete mich schließlich nach draußen. FREIHEIT!

Was für ein schönes Gefühl.

Schade, dass ich wohl nie wieder in dieses Museum gehen werde. Mein Schatten wohnt dort bestimmt. Seit Jahrhunderten wahrscheinlich, immer auf der Suche nach neuen Opfern. Und heute kam ich auf die Liste seiner Errungenschaften. Trotzallem habe ich bekommen, was ich wollte: Niveau, Niveau, Niveau.

Irgendwie jedenfalls.

Der Versuch zählt!

Mit diesem Riesenschuss Niveau lasse ich Euch nun allein, meine lieben Leser und freue mich schon auf nächste Woche, wenn ich von öffentlichen Geburtstagsständchen, schlafstörender Helligkeit und Justin Bieber erzählen werde.

Habt bis dahin eine sonnige, niveauvolle Woche, lasst Euch nicht beschatten und genießt das Gefühl von Freiheit!

Ha det bra,

Ulrike