Auf die Weide, fertig, los!!! ODER Kuslipp auf Bygdøy

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NRK.no

So, jetzt ist es soweit: Ich jubele einer Kuh zu. Alta Falta, bin ich peinlich oder was? Gut, warum nicht, ist ja auch eine schöne Kuh. Und wie sie da so über die Wiese hüpft, das ist schon einen Jubler wert. Findet das Kind neben mir irgendwie nicht – es guckt mich an, als hätte ich einen an der Waffel. Dumme Göre. Ich jubele gleich nochmal. Die Kuh freut sich bestimmt!

Hallo, meine lieben Leser, wie schön, dass wir uns hier wiedertreffen. Am vorletzten Sonntag waren wir mit Freundin Kathrin und Gesas Kumpel Niklas auf dem königlichen Bauernhof auf Bygdøy. Nur eine halbe Stunde Fußweg und schon ist man dem Stadtleben entfleucht und findet sich mitten auf dem Land wieder – wir lieben es! Neben dem Landleben findet sich auf der Halbinsel aber auch viel Kultur, beispielsweise das Kontiki-Museum oder das norwegische Freiluftmuseum, dessen jährlicher Weihnachtsmarkt ein absoluter Hit ist.

Diesmal aber auf zum königlichen Bauernhof. Seit 1905 liegt die königliche Sommerresidenz auf Bygdøy und das heute zum Bauernhof gehörende Land gehörte zu eben dieser Residenz, die sich heute nur noch auf der rechten Seite der Straße befindet.

(Ok, das war jetzt ein wirklich merkwürdiger Satz. Entschuldigt, ich nehme gerne Korrekturen an.)

So, also Kühe.

Bygdø Kongsgard ist heute der größte ökologische Milchproduzent in Oslo (ich bin nicht sicher, wieviel Konkurrenz sie haben, aber gut…) und zur Milchproduktion braucht man….

…jawoll, Kühe.

Und die haben lange, lange, lange Monate im Stall verbracht, hatten es da zwar schön kuschelig, aber irgendwan ist es ja auch mal gut, da will auch die geduldigste Kuh mal wieder an die Luft und damit sie das nicht ganz alleine machen muss, luden die Verantwortlichen die Osloer Bevölkerung ein und wir folgten der Einladung und gingen zum…

KUSLIPP!

Was sich anhört wie gemusterte Unterwäsche ist der Begriff für den Moment, wenn die Kühe das erste Mal auf die Sommerwiese hinauskommen. „Es ist wunderbar zu sehen, wie glücklich die Kühe sind,“ schreibt der Bauernhof und wir seien herzlich eingeladen, das mitzuerleben.

Sie haben nicht gelogen: Es WAR wunderbar. Die Sommerwiese war noch etwas verwintert, als sich am 7. Mai 2017 um 12.30 die Stalltore öffneten, aber das war den Tieren erstmal egal.  Die massigen Milchkühe galoppierten auf die Weide, vollführten Bocksprünge wie kleine Zicklein, kämpften mit gesenkten Häuptern um die besten Plätze, drehten sich um die eigene Achse, schlugen mit den Hinterbeinen aus und wenn sie hätten jubeln können, dann hätte es sich so angehört:

WUUUUUUHUUUUUUUUUMUUUUUUHUUUUUUUUWUUUUUUUUUUMUUUUUHUUUUUU!!!

Toll war es.

***

Nach fünf Minuten Party wollten sie wieder rein.

Es war nämlich empfindlich kalt und über den Köpfen der geschlossen gen Stall marschierenden Herde war zu lesen:

„War nett. Gerne morgen wieder. Tschüß!“

Ich bin vor Lachen fast in den Elektrozaun gekippt. Die resolut blickenden Bauern bildeten aber eine undurchdringliche Mauer und nach kurzem Überlegen drehten die kompromissbereiten Vierhüfer um und verteilten sich auf der Wiese. Langsam legte sich die Aufregung, die Umgebung wurde in Ruhe betrachtet und Gemütlichkeit machte sich breit. Es wurde ein bisschen hier geknabbert und da geschubbert und die eine ließ sich in eine Schlammpfütze fallen, zwei andere guckten die Menschen am Zaun an und es fehlte nur noch Beethovens Pastorale und das Landleben wäre perfekt gewesen.

Haaaaach.

Und dann joggten plötzlich zwei Bauern über die Weide. Kühe und Menschen blickten gleichermaßen irritiert. Was war denn nun???

Tja, da hatten zwei ganz schlaue Kühe ein Loch im Zaun entdeckt und standen plötzlich direkt neben den irritiert blickenden Zuschauern: „Huhu. Muh.“

Wir malten uns schon die schlimmsten Situationen aus: ALLE Kühe ab durchs Loch und dann auf die Autobahn Richtung Innenstadt…..oder ab zur königlichen Sommerresidenz…oder alle an den Strand und ab ins Wasser. Die beiden Ausreißer ließen sich aber schnell überzeugen, auf die Weide zurückzukehren – aber ich wette, sie sind die absoluten Helden der Herde für den Rest des Sommers:

„Weißt du noch, als Hellwine im Mai ausgebüxt ist?“

„Die verrückte Kuh, die – wieder typisch!“

„Ist ja auch immer die Erste, die mit der Massagebürste kämpft.“

„Du sagst es. Draufgängerin, die.“

Naja, oder so ähnlich.

Tja und irgendwann standen alle achtundvierzig Milchkühe samt Teenager-Nachwuchs auf der Weide, freuten sich an Gras und Luft und wir haben uns gutgelaunt auf den Heimweg gemacht.

Nächstes Jahr wieder. Und dann jubele ich NOCH lauter!

Ha det,

(vor dem großen Moment)

Ulrike

Buddhistischer Bergführer gesucht! ODER Planänderung

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Schnee im August, geführte Tour über Gletscher, kalte Winde….hm.

Hallo, meine lieben Leser, wie schön, dass wir uns hier wieder treffen. Seit wir in Norwegen leben, habe ich viele Dinge getan, die ich schon immer mal machen wollte: Theatergruppe gründen – check. Blog schreiben – check. Kind bekommen – check. Heute Abend lese ich dann noch beim Offenen Bühnenabend in der Gemeinde „Der Walzer“ von Dorothy Parker – ein weiterer Haken auf meiner Liste von Dingen, die ich immer mal machen wollte.

Dann aber gibt es auch Dinge, von denen ich gesagt habe, dass ich sie tun werde und was ist passiert?

NIX!

Im Jahr 2014 beispielsweise habt Ihr mich per demokratischer Abstimmung auf den höchsten Berg Norwegens geschickt – aber war ich seitdem dort?

NOPE!

Im Jahr 2012 (!!!) habe ich angekündigt, eine norwegische Molkerei zu besuchen, um mehr über Brunost zu lernen.

NICHTS IST PASSIERT!

Da hättet Ihr mich aber auch mal in den Hintern treten müssen, mal ehrlich, alles muss man selber machen. Nun habe ich mich also heute bei strahlendem Frühlingssonnenschein sehr kräftig in den Allerwertesten getreten und kann folgendes berichten:

Ich klettere erstmal nicht auf den Galdhøpiggen – AUSSER, es findet sich ein buddhistisch geduldiger Mensch mit Bergerfahrung, der mich bergunerfahrene Stadtpflanze behutsam an die Hand nimmt und auf den Gipfel führt. Freiwillige vor! Bis dahin biete ich Euch eine Alternative: Ich klettere nicht auf den höchsten Berg Norwegens (2469 Meter) aber bezwinge stattdessen den höchsten Berg Oslos!!

Na, wie wäre das???

Super wäre das, genau!

Nun muss ich erstmal herausfinden, wo der liegt und wie der heißt und wie hoch der ist! Aber das Internet ist und bleibt unschlagbar…schwupps habe ich eine Liste mit den höchsten Bergen (naja, oder Hügeln) jeder norwegischen fylke (Landesteil). AHA!!! Der höchste Berg Oslo ist….

..der Kirchenberg (kjerkeberget)! Der hat immerhin stolze und imponierende…2070…

…Fuß….also…

631 Meter!

IMMERHIN!

Ich habe schon fleißig gegoogelt und Fahrstrecken rausgesucht, habe eine erfahrene Wanderfreundin als Begleitung ergattert (Hallo, Christine!) und sobald wir einen Termin gefunden haben, geht es los. Wahrscheinlich von der Bahnstation Stryken in ca. drei Stunden auf das Dach Oslos. Falls jemand dort schon einmal war, schreibt gerne Eure Erfahrungen als Kommentar!

Ok, der Berg ist einigermaßen abgehakt. Jetzt der Brunost. TINE hat seit 2012 die Internetseite verbessert und ich finde sechs Molkereien in Norwegen, die Brunost herstellen. Die eine liegt in der Nähe von Tromsø, zwei weitere westlich von Jotunheimen, aha, aber hier ist eine, in Tretten, das liegt nördlich von Lillehammer, das wäre ein guter Tagestrip! Geschmückt mit meinem besten Norwegisch setze ich mich also hin und schreibe eine, wie ich finde, sehr sympathische Email an den ebenfalls sympathisch aussehenden Chef der Molkerei und bitte um einen Besuch. Erkläre ihm, dass ich einen wöchentlichen Blog schreibe in dem der braune Käse immer wieder vorkommt (verschweige allerdings meine persönliche Haltung dazu und nein, Sebastian, du darfst jetzt NICHT erzählen, dass ich bei Katharinas Party Waffeln mit brunost gegessen habe…pscht!)

Auf eine Antwort aus Tretten bin ich auf jeden Fall sehr gespannt!

Ihr seht also, ich habe meine Versprechen nicht ganz vergessen und freue mich auf die Tour zum kjerkeberget (oder/und auf galdhøppigen falls mich jemand führt) und in die Molkerei nach Tretten!

***

So, das war es schon für heute, meine lieben Leser! Meine wöchentlichen Grüße gehen dieses Mal nach Berlin an Levin: Willkommen auf der Welt, kleiner Mann, wie schön, dass du da bist!

Uns allen wünsche ich eine tolle Woche, nächsten Dienstag gehen Gesa und ich dem Königspaar ein Ständchen singen, am 9. und 10. Mai feiern Sonja und Harald ihren 80. Geburtstag mit vielen royalen und noch mehr bürgerlichen Gästen auf den Straßen Oslos, in der Oper und an der Festung. Ich werde berichten!

Für heute Tschüß,

ha det,

Schönstes Frühlingswetter an der Bucht in Fornebu

Ulrike

Jeg velger meg april! ODER Frühlingsgrüße aus Oslo…

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Jeg velger meg april
I den det gamle faller,
i den det ny får feste;
det volder litt rabalder,-
dog fred er ei det beste,
men at man noe vil.

Jeg velger meg april,
fordi den stormer, feier,
fordi den smiler, smelter,
fordi den evner eier,
fordi den krefter velter,-
i den blir somren til!

Hallo, meine lieben Leser, wie schön, dass wir uns hier wieder treffen! Der Frühling kommt mit Riesenschritten und auch wenn meine Nachbarn das Haus mit Skiern über der Schulter verlassen, auch wenn jetzt am Wochenende Biathlon World Cup am Holmenkollen ist – ich bin in Frühlingsstimmung. Und zwar ganz genau so, wie Bjørnson das in seinem Gedicht beschreibt. Für mich stürmt und fegt, lächelt und schmeckt, umstürzt und lärmt nicht nur der April sondern der ganze Frühling.

Geht Euch das auch so?

Alles fängt von vorne an und ich bin voller Energie! Habe Lust auf Abenteuer, unzählige Ideen für neue Theaterprojekte, will reisen und lachen und einfach auf und los und weg…oder hin…wie man es eben nimmt! Und da mich bisher immer noch niemand anstellen will (echt deren Verlust, seien wir mal ehrlich ;)…) habe ich auch alle Zeit der Welt, um meine Ideen in die Tat umzusetzen. Das Tolle an Oslo ist für mich: Ich habe hier in den letzten fünf Jahren so viele Projekte starten und Ideen umsetzen können. Niemand hält mich ab, im Gegenteil, es finden sich lauter gutgelaunte Menschen, die sich beteiligen.

Und während also die Norweger glücklich ihr ute-pils genießen, das Straßenleben erwacht und die Sonne vom Himmel strahlt, tüftle ich über meinen Kulturideen. Das ist echter  Luxus, glaubt mir, das weiß ich! Das Neue (also auch eine neue Idee) wird gefeiert, schreibt Bjørnson und recht hat er. Ich bin ja nicht gerade als Lyrik-Fan unterwegs, aber manchmal treffen Gedichte ein Gefühl so genau, dass es mich fast umhaut. Rilke kann das bei mir, Mascha Kaléko oder die wunderbare Dorothy Parker. Rilkes Satz “In meinen Armen schlafen Wälder ein” gibt mir jedes Mal eine Gänsehaut. Ha, und schon habe ich ein neues Projekt für mich selbst: Mehr Gedichte lesen, wer weiß, was an Gänsehaut da draußen auf mich wartet! Hm… und dann vielleicht eine Fotoausstellung mit Gedichten!

Ob Bjørnson auch zum Frühjahrsputz motiviert? Es gibt Menschen, die putzen gerne – mir muss man eine große Belohnung versprechen oder mich währenddessen mit Gummibärchen bei Laune halten. Aber vielleicht schafft der norwegische Nationaldichter ja das Wunder und ich rücke frühlingsenthusiastisch mit Lappen und Eimer dem Winterschmutz zu Leibe. Denn schließlich soll auch hier drinnen Frühling sein. Nille und Clas Ohlson überbieten sich mit gut in Sichthöhe platzierten Putzartikeln, deren Verpackungen frühlingshaft rosa und lindgrün sind und fast Lust auf Putzen machen. (Naja, eine Tüte Gummibärchen daneben würde noch besser wirken!)

Und so schwelge ich also durch diesen frühlingshaften Freitagmorgen und schicke Euch allen, egal wo Ihr seid, die wunderbarste norwegische Frühlingssonne.

Jeg velger meg april,
fordi den stormer, feier,
fordi den smiler, smelter,
fordi den evner eier,
fordi den krefter velter,-
i den blir somren til!

***

Das war es für heute, meine lieben Leser. Ich wünsche uns allen eine wunderbare Woche und schicke beste Wünsche an alle, die selbst der Frühling im Moment nicht trösten kann.

In der Kleinen Deutschen Szene Oslo steigt die Aufregung, denn in knapp zwei Wochen ist Premiere und nach einer sehr geglückten musikalischen Probe gestern freue ich mich noch mehr auf unsere Aufführungen am 1. und 2. April. In der Rasselbande, der Kindergruppe in der Deutschen Gemeinde, haben wir den Frühling schon gefeiert und ich freue mich auf viele weitere Treffen mit diesem lustigen, lauten, bunten Haufen. Hier Zuhause freue ich mich auf unsere Fahrt mit der Color Line, auf lange Touren in Wald und Feld und über ein quasseliges, wirbelwindiges Wunder, dessen Lieblingswort im Moment “Puuups!” ist.

Ob ich das irgendwie auf “Frühling” ändern kann? – Nee, oder? Langweilig!!! Und Langeweile wollen wir im Frühling nicht!

In diesem Sinne: Seid stürmisch und mutig, verliebt und vergnügt, kreativ und neugierig. Es ist Frühling!

Ha det,

Jeg velger meg

Ulrike (und ab geht es nach draußen!)

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Ein Wochenende in Bergen ODER Sonne??? In Bergen?

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27. Mai 2016. Es muss ein Traum sein: Riesige Schneefelder vor dem Fenster, Schneeflocken fliegen gegen die Fenster und eine Gruppe Skifahrer schnallt sich das Gepäck auf den Rücken. Ich reibe mir die Augen, aber alles bleibt wie es ist. Willkommen auf der Hardangervidda – willkommen in der Bergenbahn!

Hallo, meine lieben Leser, wie schön, dass wir uns hier wieder treffen. Zum Geburtstag hatte ich ein tolles Geschenk bekommen: Ein Wochenende in Bergen. Unglaublich, aber wahr – in der berühmten Stadt an der Westküste war ich in den vier Jahren Norwegen noch nie gewesen. Nun aber sollte es sein! Von vielen Seiten hatte ich gehört und gelesen, dass der schönste Weg nach Bergen der Weg mit dem Zug sei. Knapp sieben Stunden quer durch Norwegen – das wollte ich unbedingt machen!

Heute kann ich sagen: Einmal ist genug. Versteht mich nicht falsch: Es ist super, plötzlich auf Gletscherhöhe zu sein und in eine bizarre Eis- und Schneelandschaft zu gucken. Auch reißende Ströme und Wasserfälle sind spannend – außerdem lernt man nette Leute kennen (ich in diesem Fall ein Amerikanerin auf Nordeuropatour) und hat Geschichten zu erzählen. Aber sieben Stunden sind sieben Stunden und die können echt lang sein.

Der Flug nach Bergen dauert 45 Minuten.

Nur so als Vergleich.

Im Zug hörte ich – bis auf die Durchsagen – kein Wort Norwegisch. Mein Waggon wurde von einem älteren Amerikaner dominiert, der gutgelaunt und mit viel Volumen alle und alles kommentierte, erzählte, wohin er und seine Frau reisen würden und sich auch sehr für das  Leben seiner Mitreisenden zeigte. Ob die das nun mit ihm teilen wollten oder nicht.

Meine Sitznachbarin entschuldigte sich bei mir ständig für ihren polternden Landsmann.

“He is from Florida, you know. – He means well.” (Er ist aus Florida, du verstehst schon. Er meint es nur gut.)

Andere Waggons waren komplett in deutscher Hand – das Schwabenland schien geschlossen auf Hurtigruten-Tour zu gehen. Von Kopf bis Fuß in Jack Wolfskin gekleidet, schwäbelte sich Waggon 6 Richtung Bergen. Ich hatte viel zu lachen und viel zu lauschen und kam äußerst amüsiert in Bergen an.

Dort regnete es.

Logisch.

Über das Wetter in Bergen gibt es viele Witze, wie zum Beispiel den hier: Ein Tourist fragt einen Bergenser Jungen auf der Straße: “Sag mal, regnet es hier eigentlich immer?” Darauf der Junge: “Woher soll ich das wissen? Ich bin erst 13 Jahre alt.”

Ich war auf Regen vorbereitet. Nach einem kurzen Weg durch die Innenstadt erreichte ich mein Hotel in Nähe der Tyskebryggen, einem UNESCO-geschützen Holzhausviertel und einer DER Sehenswürdigkeiten der Stadt. Es war mittlerweile kurz vor 16 Uhr – aber vor Mitternacht sollte es eh nicht dämmerig werden, ich hatte also noch genug Zeit zum Sightseeing. Und die nahm ich mir dann auch. Mit der Floibahn rauf auf den Berg zur spektakulären Aussicht über die Stadt und die naheliegenden Inseln und Fjorde; über den Fischmarkt und am Hafen entlang; durch die übersichtliche Innenstadt rauf zur Johanniskirche; an die Tyskebryggen und wandern durch die engstehenden Holzhäuser mit ihren Werkstätten und Restaurants. Die Zeit flog dahin.

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Und ich war einfach so mit mir unterwegs. Das war toll! Ich liebe meine Familie und verbringe gerne viel Zeit mit ihnen oder mit Freunden – aber es war einfach mal toll, ganz allein bestimmen zu können, was ich wann, wo und wie mache. Und da mir mit mir selten langweilig ist, genoss ich diese Zeit ganz enorm.

Zurück im wunderschön restaurierten Det hanseatiske Hotel stand abends nur noch Lesen und Fernsehen auf dem Programm. (An dieser Stelle zwei Empfehlungen: Laut gelacht habe ich über die Komikerin und Musikerin Ingrid Bjørnov und ihr Programm “2012 Ouverturen” und unglaublich gerührt war ich von dem Film “Mannen fra Snåsa”, einem Dokumentarfilm über den norwegischen Heiler Joralf Gjerstad.)

Mein Zug ging am Sonntagmorgen bereits um 11.30, entsprechend früh stand ich auf, um noch die Bergen Festung zu besichtigen. Beim Frühstück traute ich meinen Augen nicht: Sonnenlicht flutete durch das Restaurant.

Sonne!

In Bergen!

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Die eng zwischen bewandeten Hügeln und Meer liegende ehemalige Hansestadt zeigte sich von ihrer Schokoladenseite – ich zückte ungläubig meine Sonnenbrille und lief am Hafen entlang Richtung Festung. Viel Spannendes gab es hier nicht zu sehen, aber ich erfuhr, dass es im Jahre 1665 “Der Kampf um Bergen” sozusagen vor meinen Füßen stattfand.

Was war geschehen?

Salopp gesagt war es ein Kommunikationsproblem: Eine Übereinkunft zwischen dem dänisch-norwegischen König Frederik III. und dem englischen König Charles II. hatte die neutrale Stadt Bergen nicht erreicht. Als eine Flotte holländischer Schiffe also Schutz im neutralen Hafen von Bergen suchte, gaben die Bergenser nicht, wie abgesprochen zwischen den Adligen, eines der Schiffe zum Überfall frei, sondern verteidigten ihre Neutralität gegen den vermeintlichen englischen Angreifer. Die englische Flotte gab sich, nach schweren Verlusten, geschlagen und Bergen verteidigte erfolgreich seine Neutralität und schützte das holländische Schiff.

Wie der König in Kopenhagen getobt hat, erfahre ich leider nicht.

Ähnlich der englischen Flotte machte ich mich nun, viel zu früh, auf den Heimweg. Mein siebenstündiger Rückweg wurde nicht nur durch eine Bergenser Skillingsbolle versüßt…

@www.seriouseats.com

…sondern auch durch Freundin Kerstin verkürzt, die witzigerweise im gleichen Zug saß.

Am Abend kam ich glücklich wieder in Oslo an. Denn, so schön es war alleine unterwegs zu sein, so schön war es auch, wieder nach Hause zu kommen.

Mein Fazit: Bergen ist absolut eine Reise wert – und zwar eine lange. Das nächste Mal will ich auf den Berg Ulrik klettern, eine Fjordtour machen, das Umland erkunden, ins Theater gehen und und und.

Dann werde ich aber unter Garantie das Flugzeug nehmen!

***

So, das war es für heute, meine lieben Leser! Der Sommer ist da, vielleicht nicht meteorologisch, aber dafür emotional. Zahlreiche Sommerfeste und Abschiede machen den Juni immer zu einem aufregenden Monat. Meine wöchentlichen Grüße gehen daher an alle, die in diesem Sommer Oslo verlassen – unter anderem Nina, David und Amelie, Sabine und Marie mit Kai und Julian, Sabine mit Lukas und Stefan! Schön, dass wir uns hier getroffen haben und alles Gute für Euch zurück in Deutschland. Ha det bra!

Der Blog und ich gehen jetzt für vier Wochen in Sommerpause. Meine lieben Leser, danke für Euer Lesen und Kommentieren – was wäre Neues aus Norwegen ohne Euch? Habt einen tollen Sommer mit vielen schönen Erlebnissen, mit viel Sonne und mit ganz viel Lachen!

Ha det bra og God sommer,

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Ulrike

Wir gehen auf trilletur ODER Ein ökonomisches Pony begeistert Gesa!

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Wir trillen lustig durch den Wald, die Sonne scheint. So muss es bei einer trilletur sein, ikke sant? Trillen kann man zu zweit, aber auch gern in großen Gruppen. Alleine wäre es hingegen komisch. Trilletur ist eines dieser norwegischen Wörter, die ich erst kenne, seit Gesa auf der Welt ist. So wie helsestasjon, bleier, barselgruppe oder åpen barnehage. Trilletur…Na? Naaa? Naaaaaaa?

Genau, eine trilletur ist eine Wanderung oder ein Spaziergang mit dem Kinderwagen.

Hallo, meine lieben Leser, schön, dass wir uns hier wieder treffen! Früher haben Martin und ich unseren Rucksack geschnürt, haben uns ein Ziel ausgesucht und sind losgewandert. Bergauf und bergab, durch Wälder, über Wiesen, auf Wanderwegen oder Trampelpfaden.

Dann kam Gesa und plötzlich stellte sich die Frage: Auf Tour – ja gern – aber geht das mit Kinderwagen?

(“Hä?? Nehmt doch eine Trage!”, höre ich Euch rufen. Zu faul, entgegne ich da. Zu schwer und überhaupt schleppe ich dann nicht nur das Kind, sondern wir müssen auch ihre ganze Ausstattung mitschleppen…nee, nee, nee. Barnevogn it is.)

Wir machten uns also auf die Suche nach Tips für Wanderungen mit Kinderwagen: “Tur med barnevogn nordmarka” fragte ich. “Trilleturer“ von Gry Støyvind Hoell, antwortete Google. Irritiert versuchte ich trilletur zu übersetzen und war bald sicher, den richtigen Begriff gefunden zu haben. Das Buch zu kaufen ging fix.

Und dann passierte erstmal gar nichts.

Ich blätterte ein paar Mal begeistert hin und her, schrieb Touren auf, die wir UNBEDINGT machen sollten…

…und dann passierte wieder gar nichts.

(Ich weiß ja nicht, wie es Euch so geht: Ich bin ganz groß im Plan schreiben, Plan aufhängen und Plan angucken. Ich liebe Pläne. Und manchmal habe ich dann das Gefühl, genug getan zu haben. Mein Küchenorganisationsplan, beispielsweise. Großartig ist der! Und wie er da hängt! Super! – Meine Küche hingegen…)

Am letzten Wochenende hatten wir dann Familienwochenende und wollten wandern. Raus aus der Stadt, ab in den Wald, eine tolle Tour – aber bitte irgendwohin, wo ich auch Waffeln essen kann.

(Ich weiß ja nicht, wie es Euch so geht: Eine Wanderung ohne irgendwo einzukehren, finde ich doof. Ich brauche immer ein Ziel und zwar eines mit Verköstigung!)

In unserer Zeit vor Gesa waren wir immer gern zum Ullevålseter gewandert – vom Sognsvann aus, eine Strecke, die mit Kinderwagen aber nicht möglich ist. “Ohhhh!”, schwärmte ich, “Ullevålseter…da gibt es soooo leckere Waffeln!” Ein Blick ins Trilleturbuch und bald stand fest: Jawoll, Ullevålseter, das geht auch mit Kinderwagen! Hurra!

Am Samstagmorgen ging es los und ich erlebte wieder einen Aspekt, den ich an Oslo ganz besonders schätze: Man steigt in die öffentlichen Verkehrsmittel (in diesem Fall die Busse 25 und 51) und nach knapp 30 Minuten standen wir mitten auf dem Land. Rote Bauernhäuser, Felder, Seen – Idylle pur. Die Haltestelle hieß “Hammeren” und lag genau gegenüber des Wanderwegs, der uns zum Ullevålseter (lies: zu den Waffeln) führen sollte. Ich stand erstmal wieder staunend in der ganzen Natur. Das ist das Tolle, wohnt man, wie wir, mitten in der Stadt: Das Staunen, sobald man draußen ist, ist so groß ;)!

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Frohgemut wanderten wir also los, Gesa entdeckte moosige Bäume, schlammige Pfützen, grüßte Hunde und Libellen, wir bestaunten den Wasserfall des Skjersjøflusses, pflückten Löwenzahn und mussten auf der Hälfte des Weges erstmal anhalten und nach Luft schnappen. Atemlos blickte ich in mein Tourbuch. Da stand eindeutig: “Die Berge sind am Anfang der Tour.”

Nun weiß ich dank meines Geologen-Ehemannes, dass es Millionen von Jahren dauert, bis Berge entstehen. Das Buch war von 2009. Es war also relativ unwahrscheinlich, dass diese Berge vor uns in den letzten sieben Jahre entstanden waren. Aber dass sie DA waren, daran bestand kein Zweifel. Und zwar nicht nur am Beginn der Tour. Nein, auch in der Mitte und am Ende. Eigentlich war die ganze Tour eine Berganfahrt mit Ruhemomenten.

Norweger haben einfach andere Maßstäbe. Wir schoben also einfach weiter, genossen die Natur und entdeckten bald ein rotes Holzhaus – unser Ziel!

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Ullevålseter. Es war viel los an diesem sonnigen Samstag, aber wir sicherten uns noch einen Tisch und kurze Zeit später biss ich in eine Waffel und in ein Stück Apfelkuchen.

(Na, was denn? Ich war ja schließlich bergauf gewandert – das musste belohnt werden.)

Im warmen Sonnenschein saß ich zufrieden auf meiner Bank, die Kaffeetasse in der Hand …und verschluckte mich fast, als ich am Ufer des kleinen Tümpels gegenüber ein Pony liegen sah. Ein Pony!! Lag da, einfach so, ohne Zaun drumrum. Ein Pony!!! Gesa, die gerade friedlich Kiesel in einem Eimer sammelte, fühlte sich aprupt in die Luft gehoben und galoppierte unerwartet auf Mutters Arm Richtung Huftier.

Dessen Gedanken, als es uns kommen sah, müssen gewesen sein:

“Oh neeeeeeeeeeeeeeeee!”

So guckte es wenigstens. Und dann tat es so, als würde es schlafen. Na, da hatte das Huftier seine Rechnung aber ohne Gesa gemacht. Nicht, dass sie es streichelte. Nein.

Sie schrie es an.

“Da!! Da!!! Daaaaaaaaaaaa!!!! Daaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaa!”

Ihre Begeisterung war grenzenlos. Die des Ponies nicht. Es hob den Kopf und blinzelte gelangweilt.

Gesa wurde vor Ehrfurcht stumm und musste sich setzen.

Das Pony, zufrieden mit seiner ökonomischen Wirkung (minimaler Einsatz für maximalen Ertrag) schüttelte das weiße Haupt und schlief ein.

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Nach einigen Minuten brachte ich mein immer noch überwältigtes Kind zurück zum Tisch, wo es das Pony imitierte und einschlief.

Unsere trilletur kam nun in die ruhige Phase. Vom Ullevålseter wanderten Martin und ich (mit der schlafenden Gesa im Kinderwagen) bergab Richtung Sognsvann (ja, es gab doch einen Kinderwagentüchtigen Weg!) und stiegen dort in die t-bane Richtung Zivilisation.

Schön war es und wir freuen uns auf’s nächste Mal!

***

So, das war es für heute, meine lieben Leser! Genießt das schöne Wetter, schwingt Euch vom Sofa in den Wald und tut was für die Laune und die Gesundheit. Ich wünsche uns allen eine gute Woche. Morgen früh klettere ich auf den Zug nach Bergen und lerne nicht nur endlich die Stadt kennen, sondern sehe auf der siebenstündigen Zugfahrt auch ganz viel Norwegen. Darüber, natürlich, mehr am nächsten Freitag. Ganz liebe Grüße gehen heute nach Lillehammer zu Anne und ihrer Familie.

Hilsen,

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Ulrike

Ein Morgen im Postamt… ODER Was ist ein fossekall?

Ich kann mich nicht genau erinnern, wie es in Deutschland ist – in Norwegen ist ein Postamt auf jeden Fall eine Mischung aus Schreibwarenladen, Buchgeschäft und Dienstleistungsunternehmen. Was praktisch ist. Geht man blöderweise, so wie ich, an einem Montagmorgen zur Post, kann man die lange Wartezeit mit Lesen verbringen. Und kauft am Ende ein Buch, das endlich alle Geheimnisse lüftet…

Hallo, meine lieben Leser, wie schön, dass wir uns hier wieder treffen. Da stehe ich also letzten Montag in einem Pulk briefsendungswilliger Menschen und langweile mich ein bisschen. Bedient wird gerade die Nummer 37. Puuh, ich habe 48. (In Norwegen muss man ja fast überall Nummern ziehen. Eine feine Sache, erspart es doch unsoziales und blaue Flecke verursachendes Rempeln.)

Ich blicke mich im Postamt um, bewundere erneut die Kämmfrisur des einen Angestellten, dem es mit ein paar strategisch gutgelegten Strähnen gelingt, seine kleine Glatze zu kaschieren. – Ein Stand mit Büchern sieht interessant aus. Hin da! Hm. Ein Strickbuch für Wischlappen. Eines für Socken. Ein Aufklappbuch über Dinosaurier. Ein Kinderbuch über Norwegen…

Oho.

“Norwegen – lustige und nützliche Fakten über unser Land!” prangt mir entgegen.

Meine Neugierde ist geweckt.

Anne B. Bull-Gundersen (was für ein Name) und Carina Ståhlberg zeigen, so der Klappentext, in einfachen Sätzen und Bildern ihr Norwegen. Einfache Sätze und Bilder – mein Buch, ganz klar. Mal sehen, was ich alles schon weiß über Norwegen.

Gleich auf der ersten Seite eine Wissenslücke. Ein dreifarbiger Vogel mit norwegischer Flagge im Mund ist abgebildet. „Norges nasjonalfugl“ steht unter der Zeichnung. Mehr nicht. Tja, was ist denn der norwegische Nationalvogel???? Ich blättere nach einer Lösung, aber das Buch lässt mich im Stich. Ich google “norsk nationalfugl”.

Aha! Der 1963 durch Abstimmung bei NRK gewählte norwegische Nationalvogel ist der fossekall.

Der was?

Jetzt google ich also “norwegischer Nationalvogel” und endlich weiß ich: Es ist die Wasseramsel.

Warum, wieso, weshalb werde ich später klären. Ich bin gerade mal auf Seite 1 des Buches und habe bereits Probleme, na prima! Weiter geht es durch die Seiten. Norwegische Geografie wird erklärt (wow, die insgesamte Küstenlänge samt Fjorden und Buchten beträgt….na, was denkt Ihr?….25.000 Kilometer!), Fischfang, Ölproduktion. Ich erfahre, dass in Norwegen über vier Millionen Hühner leben und der älteste Baum eine Tanne im Buskerud ist. Sie ist 485 Jahre alt. Wow, oder?

Weiter geht es mit Wasserkraft und einer unauffälligen Werbung für kvikk lunsj, die jeder Norweger ut på tur dabei hat. Norwegen hat fünf Millionen Einwohner (und vier Millionen Hühner…) und der Lieblingsmädchenname in 2008 war Linnea. Schöner Name!

Es gibt viel zu lesen in dem kleinen Buch, viele lustige Zeichnungen und unterhaltsame Fakten der Kategorie “Dinge, die man nicht wissen muss, die ich mir aber bestimmt merken werde!“ Vieles weiß ich schon, vieles noch nicht – wusstet Ihr beispielsweise, dass die Sprayflasche und der Tripp-trapp-Stuhl norwegische Erfindungen sind?

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Jaha!

Mein Auge fällt auf einen Text über Karamellkäse und ich fühle mich verstanden: “Siden brunost ikke ligner på andre oster, er det mange utlendinger som ikke forstår hva det er.” Genau, Ausländer gucken Brunost an und denken: “Häh?” In diesem Moment entscheide ich mich, das Buch zu kaufen. Befriedigt mit meinem Fund drehe ich mich zum Schalter. Bald müsste ich mit Nummer 48 an der Reihe sein. Bedient wird gerade….

Nummer 52!!!

Naja, ziehe ich eben einen neuen Zettel und lese weiter im Buch. Da stand, das Norwegen Kamele exportiert??!!

***

So, das war es für heute, meine lieben Leser. Nein, ich bekomme keine Werbegelder norwegischer Buchverlage, aber manchmal empfehle ich Euch gerne Bücher, die ich hier in Oslo finde. Und nicht nur Bücher: Wer gerne auf unterhaltsame Art mehr über norwegische Geografie lernen möchte, für den ist vielleicht das Spiel “Norge rundt” eine gute Idee. So eine Art Deutschlandreise – nur in Norwegen.

Ich wünsche uns allen eine schöne Woche, entdeckt ein neues Buch, genießt ein altes und habt viel Spaß. Allen, denen es nicht gut geht, schicke ich ein Lachen hier aus Norwegen, haltet die Ohren steif! – Welche Bücher über oder aus Norwegen könnt Ihr empfehlen? Ich freue mich auf Eure Kommentare!

Ha det bra,

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Ulrike

Das Strandbad Sørenga in Bjørvika ODER Diesmal bade ich nur meine Füße drin…..

@playmobil.de

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In meinem ersten Sommer in Oslo wollte ich unbedingt ins Freibad. Gegenüber unserer Wohnung lag das Frognerbadet, DAS Osloer Freibad. Nichts wie hin da, jubelte ich und wurde dann von der Preistafel am Eingang gestoppt. 90 norwegische Kronen sollte ich bezahlen…mal ausgeschrieben NEUNZIG…das waren über 10 Euro. Für’s Freibad! Ich konnte es nicht glauben, packte meine Gummiente und meine Badelatschen und ging wieder nach Hause. Aber seitdem habe ich viel gelernt. In Oslo, da muss nämlich keiner ins Freibad. In Oslo, da geht man entweder in den See oder ins sjøbad – ins Strandbad. Davon gibt es einige in der Stadt. Kostenlos. Und seit Juni gibt es ein neues Strandbad. Das Sørengabad – ein echtes Juwel. Packt die Badehose ein und kommt mit mir mit!

Hallo, meine lieben Leser, schön, dass wir uns hier wieder treffen. Spontanität ist angesagt, will man 2015 den norwegischen Sommer erwischen. Da ist genaues Beobachten von Wettervorhersage und Wolkenbewegung angesagt, damit man im entscheidenden Moment die (natürlich schon gepackte) Badetasche an sich reißen und an den Strand flitzen kann. So wie wir am vergangenen Sonntag. Freund Christian hatte uns das neue Strandbad als Ziel vorgeschlagen. Ich war völlig ahnungslos, wo genau das sein sollte. Am Wasser, ja, danke, sooooviel wusste ich auch. Allen suchenden Osloanern oder Oslobesuchern sei also der Weg erklärt: Ab zur Oper (die findet jeder) und dann rechts an der Oper vorbei. Die neu angelegte Hafenpromenade entlang…

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…über eine schaukelnde Fjordbrücke…

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…und dann den Massen hinterher bis zum Wasser…

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@ChristianErhard

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@ChristianErhard

Es lohnt sich auf jeden Fall. Neben einer Liegewiese und Liegeflächen auf den Holzbohlen bietet Sørenga ein Babybecken, abgetrennte Schwimmbahnen für die „sportlichen“ Schwimmer, einen Sprungturm mit Blick auf die Fjordinseln und genug Schiffe und Baukräne zur optischen Unterhaltung.  Seit Februar 2014 wurde das aus drei Teilen bestehende Strandbad im südlich von Oslo gelegenen Fredrikstad gebaut. Rund 16 Monate später erreichte das insgesamt 190 Meter lange und 4650 Tonnen schwere Konstrukt das Osloer Ziel am Neubaugebiet Bjørvika.

Die baulichen Fakten haben uns an diesem sonnengefüllten Sonntag wenig interessiert. Wir sind raus aus den Hosen und rein ins Wasser und sofort erkannte ich, warum das Frognerbad unglaubliche 10 Euro Eintritt verlangen darf: Die haben dort warmes Wasser. Statt der koseligen 25 Grad begegnete mir das Fjordwasser mit…keine Ahnung…bibber, schnatter… auf jeden Fall sehr viel weniger. Um also das norwegische Strandbad richtig genießen zu können, müssen schon tropische Temperaturen herrschen, dachte ich. Aber nach ein paar Minuten hatten sich meine Füße an die Kälte gewöhnt und ich…

Ja, meine Füße.

NATÜRLICH war ich nicht komplett drin!

Seid Ihr verrückt?

Also der Sommer 2014, der hatte es in sich mit 33 Grad, da, ja da hätte ich mich in die Fluten gestürzt.

Dieses Jahr kommt das Thermometer, wenn überhaupt, auf knappe 23 Grad – nicht warm genug für mich und den Fjord.

Gesa war drin. Mit Schwimmwindel und viel Gejuchze.

Hinterher haben wir uns auf der Liegewiese von der schüchternen Sonne trocknen lassen, Leute beobachtet, Kekse gegessen und es uns in Sørenga gut gehen lassen. Wir kommen wieder, soviel ist klar. Also Osloaner und Besucher: Lasst die Oper links liegen und kommt in das wohl schönste Strandbad, das Oslo momentan zu bieten hat.

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Und das für umsonst!

***

So, das war es schon für heute, meine lieben sonnigen Leser. Ich hoffe, Ihr lest den Blog irgendwo ganz entspannt im Urlaub unter Palmen oder auf Bergen, unter dem Sonnenschirm auf dem Balkon oder im Flugzeug auf dem Weg in die Ferien. Habt eine tolle Zeit, tankt viel Sonne und lasst es Euch gut gehen!

Ha det bra,

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Ulrike

Das Gold der Arktis ist reif! ODER Auf Moltebeerjagd in Oslo…

„Willst du gelten, mach dich selten!“, lautet ein Mantra in unzähligen Liebesratgebern. Und nicht nur in der Liebe gilt dieser Grundsatz: Diamanten, intelligente Reality-Shows, Gold, sichere Arbeitsplätze, Trüffel, unkomplizierte Teenager, Sternschnuppen – sie alle sind kostbar, weil sie sich rar machen. Eine norwegische Kostbarkeit hat jetzt wieder Saison: Die Moltebeere.

Hallo, meine lieben Leser, schön, dass wir uns hier wieder treffen. Eine kleine, orange Beere steht heute im Mittelpunkt des Blogs. Bis ich hier nach Oslo kam, hatte ich von der himbeerähnlichen Frucht noch nie gehört und blickte beim Restaurantbesuch verwirrt auf Dessertangebote mit multer. Vor einigen Wochen begegnete mir die Beere dann in den norwegischen Nachrichten: Auf einer Wiese in der Finnmark berichtete eine ältere Norwegerin, dass die multer in diesem Jahr wirklich spät kämen, letztes Jahr um diese Zeit hätte sie schon alle abgeerntet.

Nun begann ich, die Beeren ernst zu nehmen. Sie mussten in den Blog, wenn ihr unpünktliches Erscheinen es schon in die Hauptnachrichten schaffte! (Obwohl das hier in Norwegen nichts bedeutet: Letztes Jahr begannen die 21h-Nachrichten mit einem Bericht über Justin Bieber...)

Voller Interesse für die orange Beere setzte ich mich also heute Morgen an den Computer. Bald war klar, dass ich auf eine echte norwegische Spezialität gestoßen war. Die nur in wenigen nördlichen Ländern auftauchende Beere wird auch „Gold der Arktis“ genannt. Sie wächst in Moorgebieten, aber auch da nur spärlich. Durch mir unverständliche Zicken der Natur kann die Moltebeere nicht kommerziell angebaut werden, und mehrere Versuche skandinavischer Wissenschaftler schlugen fehl. Ein Moltebeerfeld zu finden, es sogar auf dem eigenen Grundstück zu besitzen, gilt in Norwegen wie das Auffinden einer Ölquelle (auch wenn der finanzielle Wert sich nicht gleicht…aber immerhin). Das Wissen um öffentlich zugängliche Moltebeerpflückstellen wird als Familiengeheimnis von Generation zu Generation weiter gegeben. Aufgrund ihrer Bedeutung für die lokale Wirtschaft ist das Pflücken von Moltebeeren sogar gesetzlich geregelt.

Ehrlich!

Kein Scherz!

Paragraf 5 des friluftsloven (Freiluftgesetz) beschäftigt sich mit dem Ernten in freier Natur. Im zweiten Absatz heißt es: „For multer på multebærland i Nordland, Troms og Finnmark gjelder første ledd bare når eier eller bruker ikke har nedlagt uttrykkelig forbud mot plukking. Uavhengig av et slikt uttrykkelig forbud kan allmennheten alltid plukke multer som spises på stedet.“  Der erste Absatz, der erlaubt, dass jedermann Früchte, Blumen, Nüsse oder Beeren wild ernten darf, gilt also NICHT für bestimmte Moltebeerplätze in den Regionen Nordland, Troms und Finnmark. Hier haben die Eigentümer das Recht, ein Pflückverbot auszusprechen. Genauer gesagt ein Mitnahmeverbot, denn vor Ort dürfen die Beeren immer gepflückt und verspeist werden. Hintergrund ist wahrscheinlich der hohe kommerzielle Wert der seltenen Beere, die in den nördlichen Regionen Norwegens häufiger auftauchen als im warmen Süden.

Naja, wärmer auf jeden Fall.

So, die Beere ist gesetzlich geregelt und schafft es in die Nachrichten. Aber wie bekomme ich sie in die Finger???

Eine kurze Recherche zeigt, dass es auch in den Wäldern rund um Oslo vielversprechende Moltebeerstellen gibt. Hm. Ich bezweifle, dass eine möglicherweise erfolglose Beerensuche im Wald die beste Unternehmung für mich und meinen Kugelbauch ist. Wie aber dann kommen eine Hochschwangere und eine Moltebeere zusammen?

Auf die Art und Weise, wie wir in der Großstadt uns meistens Obst und Gemüse beschaffen.

Wir gehen in den Supermarkt.

Aber auch das ist bei Moltebeeren nicht einfach. Mein Kiwi gegenüber hat weder frische noch gefrorene Moltebeeren im Angebot und auch im Meny bleibt meine Jagd erfolglos. Nun werde ich irritiert. Okay, her mit der allmächtigen Waffe: Dem Ultra-Supermarkt.

Dort: Nichts, nada, nothing.

Na, sag mal….

Gut, ich wende eine neue Taktik an und poste mein Begehren in einer der hilfreichsten Gruppen bei Facebook:  „Where in Oslo“. Und tatsächlich: Nach nur wenigen Minuten der Tipp, ich solle es beim Supermarkt Rimi versuchen.

Beim RIMI???? Da gehe ich ja sonst nie hin. Na gut, wir haben einen gleich um die Ecke, dann gehe ich halt mal gucken und….

EUREKA!!!!!!!!

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Dort, neben gefrorenen Brombeeren und anderen Vitaminbomben lachen mir multer entgegen. 300 Gramm des arktischen Goldes, wahrscheinlich importiert aus Finnland (in Norwegen ist die Nachfrage viel höher als das Angebot), aber egal, her damit, achja, ich wurde gewarnt, sie seien unverschämt teuer, aber was können so ein paar Beeren schon kosten und…..

IST DAS DER PREIS??????

Ich blicke entsetzt auf die plötzlich winzig erscheinende Packung in meinen Händen.

Checke nochmal das Preisschild.

110 KRONEN?????

13 EURO????

FÜR OBST?????

Und dazu noch gefrorenes, wahrscheinlich ausländisches Obst, während ich bei ambitionierter Suche in den Wäldern dieselbe Menge für umsonst haben könnte??? Und auch noch echt norwegisch???

In meinem Kugelbauch zappelt es, als wollte das Baby kurz deutlich machen: „Jawoll, los, wir beide, auf in den Wald, immer schön bücken…wirst schon sehen, was du davon hast….hihihiihihi….!“

Seufzend packe ich das gefrorene Gold in den Einkaufskorb. Wehe, die schmecken nicht!!!

Zuhause angekommen bilde ich mich weiter. Mein schon bekanntes Lieblingskochbuch „Norges Nasjonalretter“ bietet mir zwei unglaublich komplizierte Rezepte für „Multekrem“ an. Ich entscheide mich für das aus dem südlichen Trøndelag (das Bild ist hübscher) und beginne mit den unerhört schwierigen Vorbereitungen:

1. Moltebeeren auftauen.

2. Sahne schlagen.

Puuh. Eine kulinarische Höchstleistung. Kransekake zu backen war ein Witz dagegen.

Aufgetaute Beeren sind grundsätzlich nicht der Hit und ich versuche, ein paar hübsche Exemplare zu finden in der matschigen Masse. (13,- Euro…………) Eine wandert direkt in meinen Mund. Uih, sauer. Puristen lehnen das Zuckern der seltenen Beeren ab, ich finde allerdings, dass die bitter-säuerlichen Beeren ein paar Krümel Zucker gut vertragen könnten. Norweger frieren die Beeren für den Winter ein, um in den kalten Monaten eine wertvolle Vitamin-C-Quelle zu haben und früher wurde die Moltebeere wegen ihres hohen Vitamingehalts von Seeleuten als Mittel gegen Skorbut eingesetzt.

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Nach einer gewissen Auftauzeit bringe ich mein äußerst aufwändiges Rezept zum Abschluss und bald steht eine sommerlich duftende multekrem vor mir.  Traditionell wird sie gemeinsam mit krumkaker (eine Art Crepewaffel) zu Weihnachten serviert, aber mir schmeckt sie heute auf einem dünnen Pfannkuchen auch sehr gut. Die süße Sahne mit den säuerlichen Beeren auf dem Teigfladen – ganz köstlich!

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Aber – und das sehe ich ganz deutlich – der eigentliche Spaß ging hier verloren. Nämlich rauszugehen in die Natur, hoch oben in den Moorgebieten im Norden des Landes, bewaffnet mit Eimer, Gummistiefeln und einem Netz gegen die Mücken. Dann zu den bekannten und von Urgroßvater entdeckten Stellen zu wandern und die in Bodennähe orange leuchtenden Beeren zu erspähen und vorsichtig zu pflücken. Immer nach dem Prinzip: Eine in den Eimer, eine in den Mund. Nach einem sonnenreichen Tag mit der Familie die wertvolle Ernte nach Hause zu bringen und dort zu Moltebeersuppe, Moltebeermarmelade oder Moltebeerkuchen verarbeiten und einen Teil für den Winter einfrieren. Und sich im Winter an der leuchtenden Farbe und der Erinnerung an den Sommer zu erfreuen.

Das alles bieten gefrorene (und wahrscheinlich finnische) Moltebeeren nicht.

Aber immerhin hatte ich so eine erste Begegnung mit dem arktischen Gold.

Die Jagd in der freien Natur folgt dann nächstes Jahr!

***

Das war es für heute, meine lieben Leser. Gibt es Moltebeeren in Deutschland? Niedersachsen soll einige streng geschützte Gebiete besitzen, ob man Produkte aus Moltebeeren in den Supermärkten oder Reformhäusern findet – sagt Ihr es mir!!!!

Ich wünsche Euch allen eine tolle Woche, entdeckt etwas Kostbares oder macht Euch auf die Suche danach! Denen, die den Urlaub noch vor sich haben: Viel Spaß und erholt Euch gut! Und denen, die schon wieder im Alltag sind: Viel Erfolg und der nächste Urlaub kommt bestimmt!

Ha det bra,

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Ulrike

(Großstadtjagd. Man beachte: Moltebeeren und Blaubeeren entdeckt!)

 

 

 

 

Fotosafari Norwegen: Verdens Ende ODER Das Ende der Welt ist näher als man denkt!

„Ich geh‘ mit dir wohin du willst – auch bis ans Ende dieser Welt…“ sang Nena, meine Jugendheldin und BRAVO-Starschnittkönigin, schon 1983. Auch Leinwandlegende Johnny Depp befasst sich als Captain Jack Sparrow im dritten Teil der erfolgreichen Fluch der Karibik-Serie mit dem Ende der Welt. Viele Kulturen haben eine Vorstellung dieses geografischen Punktes, an dem die bewohnbare und bekannte Welt endet. An dem das Mysterium beginnt. Das Abenteuer wartet.

Auch in Norwegen kann man an das Ende der Welt reisen.

Dort gibt es dann Würstchen.

Und Kaffee.

Und gute Angelplätze.

Hallo, meine lieben Leser, schön, dass wir uns hier wieder treffen. Letztes Wochenende sind wir „på hytta“ gegangen – auf die Hütte – eine für Norwegen typische Wochenendaktivität. Viele Norweger besitzen ein eigenes Ferienhaus in den Bergen oder am Meer und verbringen einen großen Teil ihrer Wochenenden oder Ferien dort. Selbst in die Musikbranche hat es das Hüttenleben schon geschafft und zwar mit dem wunderbar schrägen Song The Cabin der norwegischen Band Ylvis.

http://www.youtube.com/watch?v=ua1FAlHt_Ys

Nun verfügen wir (noch?) nicht über eine eigene Hütte, aber mieten geht ja auch. Am Samstagmorgen machten wir uns also auf Richtung Ende der Welt.

In Norwegen liegt das Ende der Welt am südlichen Teil des Oslofjords und kann innerhalb von zwei Stunden bequem mit dem Auto erreicht werden. Leider waren alle Campingplätze, Ferienhäuser und ähnliche Unterkünfte dort bereits ausgebucht. Eva fand aber einen wunderbaren Hof in Tjøme, nur wenige Kilometer entfernt. Die Dokkestua auf dem Holmehof wurde also für eine Nacht unser Domizil.

Nach einem ausgedehnten Angel-Wander-Grill-Fußballabend und einer ungestörten Nacht hieß es am nächsten Morgen: „Auf zum Ende der Welt!“ Auf dem Weg dorthin entdeckten wir noch die Halbinsel Hvasser, die erste Begeisterungsstürme auslöste.

@EvaWenzel

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@EvaWenzel

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Und was finden wir in einer schnuckeligen Bäckerei mit lecker Backwaren?

 @EvaWenzel

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GEITOST!!! Nichts wie weg hier!

Zwanzig Minuten später war dann das Ende der Welt ausgeschildert – und einen Parkplatz gab es auch! Leider gab es aber nur einen Parkautomaten, was bei dem sonntäglichen Ansturm zu einer langen Schlange führte. Und für alle, die es noch nicht wissen: Ich HASSE Anstehen. Nicht im Sinne von: „Och, wie doof, jetzt stehen da 10 Leute vor mir…“

Nein, nein.

Ich bekomme Mordgedanken.

Zuerst gerichtet gegen die zehn bekloppten Leute vor mir, die ja UNBEDINGT auch jetzt hierher kommen mussten, obwohl die genauso gut gestern oder morgen hätten kommen können. Oder von mir aus auch heute, aber dann eben früher. Oder später. AUF JEDEN FALL NICHT JETZT!

Die nächste Wutwelle richtet sich gegen die Betreiber des Parkplatzes. ERSTENS: Wie dusselig muss man sein, um an einer derartigen Touristenattraktion nur einen Parkautomaten aufzustellen? Wo haben die denn ihr Parkplatz-Planungs-Zeugnis gewonnen? Beim Lotto? UND ÜBERHAUPT: Wieso muss man hier bezahlen? Unverschämtheit! Das wird superteuer sein, da bin ich mir sicher, sehen kann ich die Preise noch nicht, weil JA IMMER NOCH 4 LEUTE VOR MIR STEHEN.

Um mir die Zeit noch besser zu vertreiben, hatte jetzt der Typ in der selbstabgeschnittenen Jeans vorne am Automaten seine Geldbörse im Auto liegen lassen. Statt aber einfach zur Seite zu gehen und Platz für den Nächsten in der Reihe zu machen, entschied er sich dafür, die Aufmerksamkeit seiner Frau zu erhaschen. „Hanne! HANNE! HAAAAAANNEEEEE!!!!!“, brüllte die Fransenhose also ohne Erfolg über den Platz. Hanne stand am Kiosk und kaufte gerade ein Eis. Wahrscheinlich mit seinem Portemonnaie. „H A N N E!!!!!!“ schrie die Franse nochmal, gab dann genervt dem Automaten, der ja nun wirklich nichts dafür konnte, einen Schlag und verschwand Richtung Kiosk.

Mir kam fast der Dampf aus den Ohren. Die drei nächsten Kunden erledigten ihr Parkgeschäft aber effizient und endlich, ENDLICH, durfte ich auch. Triumphierend spazierte ich mit dem Parkschein an der mittlerweile unendlich wirkenden Schlange vorbei, platzierte das Stück Papier an seinem Platz im Auto und war endlich bereit für das Ende der Welt.

Ganz schön voll hier.

Mehrere Wege führten ans Ziel, die Sonne kam zwischen den dramatischen Wolken hervor und bald tauchte eine wunderbare Szenerie vor uns auf. (Ich lasse an dieser Stelle gern die Bilder sprechen. Ist ja schließlich eine Fotosafari!)

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(Ein Wippfeuer, die frühere Form des Leuchtturms)

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(Tja…???)

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Und auch für Verliebte ist Platz am Ende der Welt:

@EvaWenzel

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„Die öffentliche Kussbank“ der Gemeinde Tjome. Ob man sich an anderen Plätzen in der Gemeinde NICHT küssen darf, konnte uns allerdings niemand sagen.

Nach stundenlangem Klettern und aufs Meer gucken, Angeln und Kaffee trinken haben wir dem Ende der Welt den Rücken zugekehrt und uns auf den Heimweg nach Oslo gemacht. Ein tolles Wochenende war es! Danke an Eva und Stephan für die Idee – und Euch allen fürs Lesen! Fahrt unbedingt mal ans Ende der Welt, wenn Ihr in der Nähe seid! Und zum Schluss noch mein Lieblingsfoto mit meinem Lieblingsbesucher (links im Bild):

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***

Das war es schon für heute, meine lieben Leser, ich hoffe, Ihr hattet Spaß an unserem Ausflug. Auch in den kommenden Tagen wird es einige Ausflüge geben: Meine Mutter ist zu Besuch und wir wollen hier in der Umgebung noch einiges erkunden. Ausflüge auf die Fjordinseln und in den Ekebergpark, Kaffee trinken in Grünerlokka und und und…

Ich wünsche Euch allen eine tolle Woche, betrachtet das Ende auch mal als Anfang, lasst es Euch gut gehen und vergesst nicht zu lachen!

Ha det bra,

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Ulrike

Ein typisches Picknick im Park ODER Wer hat die Lumpen mitgebracht?

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Die Sonne hat es bis nach Oslo geschafft – Hipphipphurrah! Kaum sind die ersten Sonnenstrahlen zu entdecken, passiert, was jedes Jahr passiert: Das Outdoor-Leben beginnt. Biergärten und Restaurantterrassen, Wiesen und Strände, Balkone und Veranden sind plötzlich so bevölkert, als gäbe es kein Morgen mehr (und bei dem norwegischen Wetter ist das auch gar nicht verkehrt). Das rasige Grün im Frognerpark verschwand letzten Sonntag unter sonnenhungrigen Körpern.

Doch was braucht ein echter Norweger für den perfekten Sonntag im Park?

Hallo, meine lieben sonnigen Leser, der schönste Monat des Jahres hat begonnen und sehr vielversprechend dazu. Bis auf 22°C ist das Thermometer schon geklettert – Hochsommer in Oslo. Packt also Eure Fahrradtaschen oder ähnliches und macht Euch auf in den Park. Unbedingt dabei sein müssen:

1. Engangsgrill

Ökologisch fragwürdig, gehört dieser plastikfolienverpackte Einmalgrill doch zur Standardausrüstung für einen Nachmittag im Park. Die schwarze, rechteckige Packung ist in verschiedenen Größen in jedem Supermarkt für wenig Geld zu erstehen. Folie ab, Drahtgestell ausklappen, die Kohlen in der Aluschale anfeuern und los geht der Grillspaß. Effizient gepackt, passen 10 bis 12 kleine Würstchen auf die Grillfläche, an den beißenden Geruch der vorbehandelten Kohlen gewöhnt man sich auch irgendwann. Am nächsten Morgen begrüßen gebrauchte, ordentlich gestapelte Aluschalen die Parkbesucher neben den riesigen Mülleimern. Auf den Rasenflächen zeugen braune Brandstellen von Grillunfällen. Aber trotz aller Kritik: Ohne Engangsgrill fehlt was beim Picknick im Park.

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2. Pølser und Lumpen

Bei meinem ersten Picknick im Park in 2012 antwortete mir meine Freundin Daria auf die Frage, wo denn Christian, ihr Mann, sei: „Der holt noch schnell Lumpen.“ Ich war unglaublich irritiert, traute mich aber nicht zu fragen, wofür er Altkleider zum Grillen brauchte, und schwieg stille. Kurze Zeit später lernte ich, dass „Lumpen“ kleine Teigfladen sind, in die die Pølser (Würstchen) gewickelt werden. Dieses Outdoor-Nationalgericht, garniert mit getrockneten Zwiebeln und Ketchup, darf auf keinem Picknick fehlen. (Natürlich gibt es vegetarische Würstchen zu kaufen. Macht aber kaum jemand.) Das Essen ist nicht nur entsetzlich nährstoffarm, sondern auch äußerst günstig. Und das ist in Norwegen wirklich selten.

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3. Beste Freunde, Partner, Kommilitonen, Familie, Kindergartenbuddies, Schulfreunde…

Niemand geht allein zum Grillen in den Park. Logisch! Von der romantischen Zweierverbindung am Plastikgrill bis zum ausufernden Familienfest das zwei Wiesen einnimmt, ist im Park alles vertreten. Schnell lassen sich die Touristen (auf Bänken mit Fotoapparat) von den Einheimischen (auf Rasen mit Würstchen) unterscheiden. Was aber tun gerade oder auf längere Zeit sozial alleinstehende Menschen mit Wunsch nach Grillgut? Die „wedding crasher“-Methode könnte angewendet werden: Scheinbar selbstverständlich packt man die eigene Decke samt Engangsgrill an den äußeren Rand eines großen Familienpicknicks und robbt langsam näher. Strahlendes Winken über die Menge, familiäres Nicken nach allen Seiten und schon ist man mittendrin in der ahnunglosen Familiengruppe. Bei romantischen Zweiergrillgruppen ist von dieser Methode abzuraten.

4. Wikingerschach

Hier in Norwegen als „Kubb“ bekannt. An mir geht die Faszination für dieses Rasenspiel komplett vorbei, was vielleicht auch daran liegt, dass ich grottenschlecht im Stöckchenwerfen bin. Zwei Mannschaften treten gegeneinander an und versuchen durch gezielte Würfe, stehende Holzstäbe in ca. fünf Meter Entfernung umzuwerfen. Sind alle Holzstäbe am Boden muss der große Holzblock in der Mitte erlegt werden. Die Mannschaft, die das als erster schafft, ist Sieger. Kein sonniger Sonntag ohne Wikingerschach im Park! Und besonders viel Spaß macht es, wenn man die vermaledeiten Stäbe auch trifft anstatt nach dem Wurf suchend im Gebüsch herumzukrabbeln.

5. Bikinioberteil, rote Latzhosen

Die Norweger sind, dessen bin ich mir mittlerweile sicher, von der Natur anders thermatisch ausgestattet als der Rest der Welt. Wo ich, bekanntermaßen kein Frösteköttel (für alle Nicht-Norddeutschen: Ein Mensch, der leicht friert), noch in Jacke und langer Hose rumlaufe, entblättern sich die Norweger bereits. Ein schüchterner Sonnenstrahl und weg mit Pullovern, langen Hosen, hin zur Freikörperkultur. Noch nie habe ich im April so viele freie Oberkörper gesehen wie im Frognerpark. Und: Nicht immer war das ein schöner Anblick! Norwegische Mädchen werfen sich in Bikinis und Shorts, während mir schon vom Hingucken Kälteschauer über den Rücken laufen. Von Mitte April bis zum 17. Mai heißt eine weitere Kleidungsalternative: Latzhose. Meistens rot, aber auch schwarz oder blau. Jawoll, die „Russ 2014“ sind da. Der diesjährige Abiturjahrgang zeigt sich noch harmlos, aber warten wir mal ab. Große Gruppe bevölkern den Park und erheben das Picknick zur neuen Lebensform.

6. Regensachen

Gut, das ist vielleicht meine pessimistische Ader, aber das Wetter in Oslo kann sich fix ändern und wer sitzt schon gern im Nassen? Andererseits habe ich im Wald auch schon Norweger beim Regenpicknick beobachtet, immer getreu dem Motto: Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung. Im Park habe ich bei Nieselwetter allerdings noch keine standhaften Picknicker zu Gesicht bekommen. Stadtschinken, Weicheier! Ich bin trotz allem lieber vorbereitet und trage eben Regenjacke und Regenhose mit zum Grillplatz. Auch Schirme tun hier ihren Dienst.

So ausgerüstet seid Ihr bestens gewappnet für ein typisches Frognerpark-Picknick an einem gewöhnlichen Tag. Für besondere Anlässe sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt und von Picknickmöbeln, über Salate, Bowlen, Lichterketten, Kerzen, Silberbesteck, Champagnerkühlern bis hin zu Strandstühlen kann alles in den Park gebracht werden.

Nur typisch, das ist es dann eben nicht mehr!

Das war es schon für heute, meine lieben Leser. Das Schreiben über Picknicks hat mich hungrig gemacht, Euch auch? Okay, dann alles raus jetzt und losgepicknickt. Und macht Fotos und schickt sie mir! Das beste Picknickfoto gewinnt ein Wikingerschachspiel!! Jaha! Schickt also Eure Foto bis nächsten Freitag an ulrike_niemann@yahoo.no

Meine wöchentlichen Grüße gehen an meine Schwiegermutter Helga mit lieben Grüßen und weiterhin Gute Besserung!!!

Genießt den Mai in vollen Zügen,

Ha det,

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(Regenpicknick 2012 im Folkemuseum mit Catharina und Steffen)

 

Ulrike