Das (fast) glücklichste Land der Welt ODER Willst du glücklich sein im Leben….

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„Willst du glücklich sein im Leben, trage bei zu andrer Glück. Denn die Freude, die wir geben, kehrt ins eigene Herz zurück.“ So steht es wahrscheinlich nicht nur in meinem Poesiealbum. Willst du glücklich sein im Leben – na, wer will das nicht? Nun ist das mit dem Glück aber so eine Sache, es ist schrecklich subjektiv und was für den einen Glück bedeutet, das hält der nächste für nicht erstrebenswert.

Hallo, meine lieben Leser, wie schön, dass wir uns hier wiedersehen. Seht Ihr mich?? Ich bin die hier oben – im Schneesturm. Ja, es schneit immer noch. – Ich gewöhne mich langsam dran.

Aber zurück zum Thema. Der (über-)menschliche Drang, mit allen Mitteln glücklich zu werden, hat sich mittlerweile in ein rentables Megamillionengeschäft entwickelt: Unzählige Selbsthilfebücher mit vielversprechenden Titeln wie „Die Glückskatzen-Philosophie: Wink dem Glück und es winkt dir zurück“ oder „Wir sind alle kleine Funktürme – Ein Inspirationsprogramm“ füllen die Regale der Bücherläden. Lachyoga-Seminare und kostenpflichtige Bestellungen beim Universum versprechen Unmögliches. Glückberater bieten in Frauenmagazinen oder auf Selbsthilfe-CDs ihre Hilfe an. Glücksweisheiten gepaart mit Sonnenuntergängen verstopfen soziale Netzwerke wie Facebook.

@PetraLaschewski

@PetraLaschewski

Das Glück, scheint es, ist heute überall Thema. Neu ist die Idee, das eigene Glück zu finden, nicht. Schon der griechische Philosoph Aristoteles beschrieb, dass der Mensch durch eigenes Handeln zu seinem Glück beitragen kann und regte damit eine über 2500 Jahre dauernde Diskussion an. Die amerikanische Unabhängigkeitserklärung von 1776 erklärt „Life, Liberty and the pursuit of Happiness“ (Leben, Freiheit und das Streben nach Glück) zu den Naturrechten des Menschen. 1972 ersetzte der bhutanische König Jigme Singye Wangchuck das Bruttoinlandsprodukt durch das Bruttonationalglück seiner Untertanen und verpflichtete sich zur nachhaltigen Weiterentwicklung des Königreiches. Und im Jahr 2012 legte das Earth Institute, eine Fachabteilung der New Yorker Columbia University, der UN den ersten World Happiness Report vor. Ziel: Festzustellen, in welchem Land die glücklichsten Menschen leben.

Nun ratet, welches Land 2012 gewonnen hat….

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Dänemark!

Und ratet, welches Land 2013 gewonnen hat….

Dänemark!

Und nun ratet, wer auf Platz 2 im Jahr 2013 lag??? Na, na, na…..

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NORWEGEN!!!!!!!!!!! Hipphipphurrah!

Ich lebe also in dem zweitglücklichsten Land der Welt. Das ist doch mal eine Aussage, das hebt die Stimmung, da fühlt man sich gut!

Wie aber haben die schlauen Menschen von der UN und dem Earth Institut das festgestellt? Ganz einfach: Sie haben zwei Fragen gestellt, die die Befragten auf einer Skala von 0 bis 10 beantworten sollten:

1. Wie glücklich sind Sie?

2. Wie zufrieden sind Sie mit Ihrem Leben insgesamt?

Denn Glück, so die Forscher, kann zwei Bedeutungen haben: Als Gefühl („Ich bin gerade so glücklich, ich könnte immerzu jubeln!“) und als rationale Beurteilung („Mein Leben ist glücklich.“) Da Menschen dazu tendieren, die Bedeutungen zu verwechseln, entschieden sich die Forscher zu den beiden oben genannten Fragen und erstellten aus den Antworten eine globale Glücksliste. Hier die Top Ten von 2012 und 2013:

2012

1. Dänemark

2. Finnland

3. Norwegen

4. Niederlande

5. Kanada

6. Schweiz

7. Schweden

8. Neuseeland

9. Australien

10. Irland

2013

1. Dänemark

2. Norwegen

3. Schweiz

4. Niederlande

5. Schweden

6. Kanada

7. Finnland

8. Österreich

9. Island

10. Australien

(Quelle: World Happiness Report 2013)

Was aber macht die Bewohner eines Landes glücklich? Warum könnte Norwegen das zweitglücklichste Land der Welt sein? (Und wer jetzt ruft: „Es gibt viel Schnee!!!“ hat verloren…) Ich habe mal ein bisschen nachgedacht und bin für mich zu folgenden Antworten gekommen:

1. Umwelt, Landschaft

Norwegen hat sauberes Wasser, klare Luft und eine grandiose Natur direkt vor der Haustür. Wasser wird hier sorgenfrei aus dem Hahn getrunken und jetzt, wo das Recycling seinen Einzug gehalten hat, wird auch der Umweltschutz eine größere Rolle spielen. In der Natur zu sein gehört zu den wichtigen, positiven Erlebnissen in Norwegen. Draußen sein macht glücklich.

2. Finanzielle Sicherheit

Durch Öl reich geworden, liegen die monatlichen Einkommen in Norwegen heute mit ca. 30% über dem weltweiten Standard, so die OECD-Statistik. Jobs, besonders in staatlichen Unternehmen, sind fast unkündbar, drohende Arbeitslosigkeit ist keine alltägliche Sorge. Das Wiegen in finanzieller Sicherheit führt allerdings auch zu einer grandiosen Verschuldung norwegischer Haushalte. Was passiert, wenn das Öl zur Neige geht, steht in den Sternen. Der milliardenschwere Norwegische Ölfonds, seit Anfang Januar bei 611 Milliarden Euro, sorgt hier schon mal vor.

3. Positive Ausstrahlung

Die beiden oben genannten Punkte bewirken, dass Menschen in Norwegen grundsätzlich besser gelaunt sind und die positiven Seiten des Lebens genießen können. Außerdem lehnen Norweger langwierige, ausufernde Diskussionen und Rechthabereien ab. Jammern liegt ihnen fern und eine derartige Gesellschaft wirkt angenehm. (Keine Angst, es gibt auch schlechte Angewohnheiten, aber die interessieren gerade nicht.)

4. Offen für Familien

Kinder sind willkommen in Norwegen, fast schon eine gesellschaftliche Verpflichtung. Drei Kinder plus Eltern bilden in Norwegen die klassische Rama-Familie. Ihr Schutz und Wohlergehen steht weit oben in der Gesellschaftsordnung. Ein Land, das glückliche Kinder heranzieht, muss ein guter Platz zum Leben sein.

5. Toleranz

Hier ist nicht alles Gold, was glänzt. So offen Norweger auch in Fragen der Gleichberechtigung oder Homosexualität zu sein scheinen – ich bin mir nicht sicher, wie ehrlich das alles ist. Xenophobie ist anscheinend weit verbreitet, Traditionen werden hochgehalten, Nostalgie wird gefeiert und manchmal glaube ich, dass Norwegen besser von sich denkt, als es tatsächlich im Alltag ist. Aber wie gesagt: Ich bin unsicher.

6. Selbstliebe

Und das bringt mich zu einem weiteren Punkt der Kritik: Bewohner Norwegens tendieren dazu, ihr Land einfach super zu finden. Und viel besser als jedes andere Land auf der Welt ist es schon mal überhaupt. VIEL besser. VIEL bessere Menschen. VIEL bessere Natur. NATÜRLICH ist man hier glücklich. Ja, vielleicht. Aber lebt man in Norwegen wirklich glücklicher? Oder haben die Menschen in Norwegen einfach beschlossen, glücklich zu sein, weil es sich so besser leben lässt, unabhängig von den Problemen, die das Land trotz allem hat? Kann man Glück überhaupt messen? Nun ja, man kann es immerhin versuchen. Und vielleicht sagt es wirklich etwas über die einzelnen Länder und deren Bewohner aus. Aber im Endeffekt ist doch jeder seines eigenen Glückes Schmied, ob nun in Norwegen, Deutschland oder Togo.

Und das bringt mich zu meiner letzten Frage, diesmal an Euch: Auf welchem Platz, glaubt Ihr, liegt Deutschland? (Nicht nachgucken! Schätzen!) Und warum wohl?

„Willst du glücklich sein im Leben, trage bei zu andrer Glück. Denn die Freude, die wir geben, kehrt ins eigene Herz zurück.“ Das war es schon wieder für heute, meine lieben Leser. Ich wünsche Euch eine glückliche Woche, beantwortet die Fragen vom Earth Institute und guckt, wie glücklich Ihr seid. Und wenn da etwas nicht stimmt: Dann geht los und macht jemanden anderen glücklich, denn das, so mein Poesiealbum, ist der einzig wahre Weg zum Glück!

Ha det bra,

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Ulrike

Ein Blick hinter die Kulissen ODER Reaktion auf den Best Blog Award

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Was lange währt, wird endlich gut. Außerdem herrscht in der glitzernden Welt des Showbusiness gerade der alljährliche Preisverleihungswahnsinn. Und somit reagiere ich nun, wenn auch sehr verspätet, auf die Verleihung des Best Blog Award.

Corinna von Mein Apulien zeichnete meinen Blog im September mit dem Best Blog Award aus. Danke dafür und auch für deine immer lesenswerten Geschichten, die eine echte Freude sind!

Die Preisverleihung ist mit einer Verpflichtung verbunden – jaja, ZU einfach soll es ja nicht sein. Der Preisträger verlinkt auf den Blog, von dem die Auszeichnung kam, beantwortet elf Fragen, wählt dann einen anderen Blog aus und überbringt die frohe Nachricht. Das Gute daran: Ein Netzwerk kann sich bilden und man lernt fellow bloggers besser kennen: Ein wünschenswerter Zustand in den anonymen Weiten des Internets.

Heben wir also den Vorhang von Neues in Norwegen ein wenig und blicken hinter die Kulissen. Hier meine Fragen und Antworten, so ehrlich wie möglich, so höflich wie nötig.

1. Was magst du beim Kochen lieber? Nachtisch oder deftige Gerichte?

Das fängt einfach an: Ich würde eine Kartoffelsuppe immer einem Schokoladenpudding vorziehen. Habe ich viel Süßes gegessen (kann ja mal passieren), muss eigentlich in unanständig kurzer Zeit ein Käsebrot oder ähnliches herhalten, um den Körperhaushalt wieder auszugleichen. Nachtisch gibt es eh selten bei uns. Im Restaurant, ja, da gehören mindestens drei Gänge dazu, da wähle ich die Hauptspeise schon danach aus, ob und was für ein Nachtisch passen würde. In unserem Lieblingsrestaurant in Victoria, Kanada, dem Paggliacci’s, belohnte der Kellner meine Käsekuchen-Bestellung immer mit einem strahlenden und anerkennenden Lächeln.

Huch.

Nun lese ich gerade die Frage erneut durch und bemerke meinen Fehler: Automatisch und für mich sehr typisch habe ich die Frage unter dem Aspekt des ESSENS beantwortet, dabei dreht es sich ums KOCHEN.

Die Antwort bleibt gleich: Deftig über süß. Nachtisch, so fern nicht aus Tüte oder Plastikgefäß, ist ein tricky business. In meiner Zeit als Köchin/Aushilfe im Harbour House Restaurant in Victoria hat mich karamellisierender Zucker an den Rand der Verzweiflung getrieben. Es gibt diese Nanosekunde zwischen Perfektion und Anbrennen – und ich war oft zu langsam. Was zerstört ist, das ist zerstört bei Nachtisch – bei deftigen Gerichten kann ich allerdings viel retten.

So, nun habe ich Hunger.

2. Was ist dir bei einer Person wichtiger, Persönlichkeit oder Erscheinungsbild?

Was nützt mir ein adretter Mensch mit einer fleckigen Persönlichkeit? Ich kann nichts mit Menschen anfangen, die meinen, dass ihr Äußeres zwangsläufig ihr Inneres spiegelt, obwohl sie in Wahrheit ihr chaotisches und unfreundliches Inneres durch eine oberflächliche Schicht vertuschen wollen. Es gibt auch Menschen, die ihr äußerlich respektables Erscheinungsbild dafür nutzen, andere in höchsten Tönen zu kritisieren oder zu veralbern. Die tun mir immer leid, weil sie so wunderbar durchschaubar sind. Mit einem Riss in der Jeans kann man ihnen eine Freude machen und sie so auf Vergnüglichste manipulieren. Was sie natürlich nicht merken.

Aber ich schweife ab.

Ein Mensch mit einem ehrlichen Lächeln, Mut zur eigenen Meinung und einer Offenheit für die Welt wird mir immer wichtiger sein.

Und darüber bin ich froh.

3. Wann hast du deinen Blog gegründet?

Am Freitag, den 13. – ausgerechnet! Genauer gesagt am 13. April 2012 in der Deichmanske Bibliothek, Filiale Majorstuen. Und ich bin froh, dass ich es gemacht habe. Aus den von mir vorausgesagten sieben Leser sind viel mehr geworden, momentan haben 62 Leser den Blog abonniert. Ich bin dankbar und begeistert über jeden einzelnen von Euch! You rock!!!!

4. Welche Person hat dich bisher inspiriert, in der Welt etwas Neues anzufangen?

Das kann ich nicht sagen. Darüber muss ich nachdenken. Hat mich eine Person schon zu etwas inspiriert? Oder ihre Taten an sich? Ist das ein Unterschied? Ganz tief in meinem Inneren regt sich die Antwort: Ich. Ich habe mich inspiriert, neue Dinge anzufangen. Aber es gab viele andere Menschen, die mich in die Richtung von Dingen gestupst haben, die mich interessieren. Danke dafür 🙂

Generell inspirieren mich Menschen, die kochen. Nämlich dazu, auch zu kochen. Und Neues auszuprobieren. Dank Jamie Oliver und seiner Saintsbury-Werbung von 2006 ist meine Nudelrezeptsammlung um ein Rezept reicher, Michel Roux, Gordon Ramsey und nicht zuletzt die wunderbare Sarah Wiener haben mich mit fliegenden Fahnen in die Küche rennen lassen, um ein Rezept nachzukochen. Kochen und Essen für mich Basiszutaten für ein glückliches Leben. Also habe ich doch noch eine Antwort gefunden: Köche wie Sarah Wiener inspirieren mich.

Das rettet vielleicht nicht die Welt, aber es macht glücklich.

Was will frau mehr?

Frauen, die sich mit der Welt und ihrem eigenen Geschlecht nicht verbissen-frustriert oder rechthaberisch-verzweifelt sondern witzig-humorvoll beschäftigen, inspirieren mich Tag für Tag dazu, Frauen hochleben zu lassen. Auf die Gefahr der harschesten Kritik hin, hier eine Gruppe von Frauen, die immer in meinem Bücherregal anzutreffen sind: Jane Austen, Margaret Atwood, Elisabeth von Arnim, Sophie Kinsella, die Guerilla Girls, Mascha Kaléko, Dorothy Parker, Rita Mae Brown, Toni Morrison. Und da fehlen Tausende und ich frage mich warum? Ab sofort werde ich mich wieder humorvoll-ehrgeizig um dieses Thema kümmern. Schreiben Frauen anders? lautete der schwachsinnige Titel eines Symposiums an der Uni Hildesheim, als ich dort Studentin war. Mal gucken, was die Welt seitdem an Texten produziert hat. Ich bin gespannt. 🙂

5. Verfolgst du viele Blogs?

Nein, aber ich bin immer auf der Suche. Ich habe mehrere Blogs, die ich mit großer Begeisterung regelmäßig lese – meistens von Bloggern, die in einer ähnlichen Situation sind wie ich und über ihr neues Leben in fremden Ländern schreiben. Gern würde ich mehr davon lese, doch die Auswahl an wirklich lesenswerten deutschen Blogs ist beschränkt. Es gibt viele ambitionierte Tagebuchblogs mit Fotos, die aber als unterhaltsame Lektüre (außer für Familienmitglieder) nicht taugen. Was sehr schade ist. Dank der Bloglisten meiner vertrauten Blogger bin ich auf einige wirklich gute Blogs gestoßen, aber freue mich über weitere Empfehlungen!

6. Kochst du lieber oder lässt du dich lieber bekochen?

Nach meiner Tirade über Köche als Inspirationsfiguren erscheint diese Frage überflüssig ;). Für mich ist Urlaub, wenn ich bekocht werde. Weswegen ich mittlerweile den Urlaub in einer Ferienwohnung weniger attraktiv finde – außer es gibt eine Menge guter Frühstückscafes und Restaurants in der Nähe. Aber wenn ich wählen sollte, würde ich mich immer fürs selber Kochen entscheiden. Auch wenn es manchmal nicht besonders gut ist. Kennt Ihr das? Da kocht man ein Gericht seit gefühlten hundert Jahren ohne Problem – plötzlich hat man Gäste und zack – die Küche verwandelt sich in Feindesgebiet mit unüberwindlichen Problemen. Es gibt nur wenige Menschen, für die ich problemlos kochen kann und mein Vertrauensgrad zu ihnen lässt sich genau danach ablesen, ob das Essen auf ihrem Teller selber vor Verlegenheit weint oder sich stolz präsentiert :).

7. Welches Buch liest du momentan?

„Die Eleganz des Igels“ von Muriel Barbery. Das Tagebuch einer Concierge. Eine französische Pförtnerfrau in einem stinkreichen Apartmentgebäude in Paris ist im Gegensatz zu der üblichen Meinung unglaublich intellektuell und steckt manchen Pseudodenker in die Tasche. Nur merken darf niemand etwas davon, vor allem nicht die Snobs in ihrem Haus. Gefahr droht, als ein neuer Mitbewohner einzieht. – Neben den Berichten von Madame Michel, der Concierge, erfahren wir von den Selbstmordgedanken der zwölfjährigen, hochbegabten Paloma, Tochter eines Ministers, die im Haus lebt. Wie und wo die beiden sich treffen und anfreunden, was sich für Madame Michel alles ändert, wird in diesem wunderbaren Buch beschrieben. Nebenbei nimmt man noch ein bisschen Philosophie und Literatur mit, aber vor allem die Antwort auf die Frage: Was ist wichtiger: Persönlichkeit oder Erscheinungsbild?

Ich liebe das Buch.

8. Welches Kleidungsstück hat es bis jetzt am längsten in deinem Schrank überlebt?

Mein Hochzeitskleid von 1995. Kleider sind bei unseren diversen Umzügen immer als erstes aussortiert worden.

9. Was ist dein Lieblingsgericht?

Schon wieder geht es ums Essen. ICH habe die Fragen nicht ausgesucht, sage ich jetzt mit Bestimmtheit den Mitgliedern meiner Familie, die immer schmunzelnd Urlaubsfotos betrachten und sagen: „Oh guck, da isst du ja schon wieder.“

Lieblingsgericht….also etwas, das ich allem anderen Essen vorziehen würde..immer….überall…..

Gibt es nicht.

Wenn ich mir aber ein Essen wünsche würde, dann immer das Zwiebel-Sahne-Geschnetzelte meiner Mutter, das schmeckt auch ohne Fleisch super, dazu eine Ladung Kartoffeln. Lecker!

10. Welche Eigenschaften einer Person sind dir in einer Freundschaft besonders wichtig?

Ein gesunder, realistischer Blick aufs Leben, vermischt mit spontan-witzigen Aussetzern und großer Toleranz.

11. Was ist dein Lieblingsfilm?

Huch, das ist ja eine antiklimatische letzte Frage. Ich dachte, nun kommt: Was ist dein Lebensmotto? Ok, Lieblingsfilm. Ich bin nicht gut darin, mich zu beschränken bei Büchern, Filmen, Essen oder ähnlichem. Ich liebe Filme von Tim Burton und den Coen Brüdern, die kann ich immer gucken, da bin ich immer begeistert. Es gibt Filme, die ich nur gucken kann, wenn ich eh schon traurig bin (Finding Neverland), wenn ich wütend bin (Die Hard), wenn ich Heimweh nach Frankreich habe (Amelie), wenn ich mit den ganzen Tag mit wertvollem Kram beschäftigt habe und nur noch gut unterhalten werden will (Star Trek – Alternative Reality, Thor, Iron Man oder andere Marvel-Verfilmungen) oder wenn der Frühling anbricht (Notting Hill).

FERTIG!

Was haben wir aus diesen 11 Fragen gelernt? Wie wäre es mit der Antwort auf die imaginäre Frage 12: Was ist deine größte Charakterschwäche? – Arroganz. Denn man muss arrogant sein, wenn man soviel über sich selber schreibt und Spaß daran hat. 🙂

Nun aber weg von mir und hin zu dem Blog, den ich als „Best Blog“ auszeichnen möchte. Gefunden habe ich ihn über die Blogliste eines anderen Blogs und war sofort angetan. Seitdem begleitet mich das liebenswerte, chaotische Alter Ego von Nicole Markfort durch die Woche. Emily Rosensteuz, du bekommst für Emily’s Blog von mir den Best Blog Award! Mach bloß weiter so!

Die 11 Fragen für Emily sind:

1. Wie kam die Idee zu deinem Blog?

2. Wie viel Nicole ist in Emily?

3. Wie ist Emilys Lebensmotto?

4. Wie sieht dein perfekter Tag aus?

5. Wahrheit oder Konse – was wählst du?

6. Liest du viele andere Blogs?

7. Was ist dein(e) Lieblingsfarbe, Lieblingsfilm, Lieblingsbuch, Lieblingsland?

8. Was bedeutet Schreiben für dich?

9. Wie beginnt dein Tag?

10. Wie lange wird es deinen Blog geben?

11. Was wolltest du den Lesern deines Blogs schon immer mal sagen?

+++

Das war es für heute, meine lieben Leser, ein fast vollständig Norwegenfreier Blog, aber ich hoffe, dass Ihr Spaß hattet. Ich wünsche Euch eine tolle Woche, wie wäre es, wenn Ihr die 11 Fragen, die ich beantworten musste, auch beantworten würdet? Einfach nur so! Ich fände es nämlich auch sehr spannend, meine Leser besser kennenzulernen!!!!!

Ha det bra,

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Ulrike

Shockheaded Peter im Norske Teatret ODER Der Abend, an dem ich fast die Bühne gestürmt hätte

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Ich liebe Theater. Auf, hinter oder vor der Bühne. Das Prickeln in der Luft, wenn sich im Theatersaal die Türen schließen. Stille. Und dann entrollt sich eine eigene Welt vor den Augen der Zuschauer. Manchmal wünschte ich zwar, sie hätte es sein gelassen, aber meistens sitze ich wie ein kleines Kind unterm Weihnachtsbaum und lasse mich begeistern. Wie letzte Woche – in Shockheaded Peter.

Hallo, meine lieben winterlichen Leser, wie schön, dass wir uns hier wieder treffen. Es schneit. Und schneit. Und schneit, und schneit und schneit. Nachdem der Winter sich bisher ein wenig geziert hatte, schlägt er nun umso kräftiger zu und Oslo versinkt in weißer Masse. Ich tue so, als bemerkte ich nichts. Sind ja nur noch, was?, 4 Monate, dann ist schon wieder Frühling. Die Begeisterung der Neuzugereisten über die weiße Pracht kennt, im Gegensatz zu meinem Gegrummel, aber kein Ende: Fotoalben und Statusmeldungen über Schnee, Winter, Skilaufen und Schlittentouren füllen soziale Medien und ich frage mich, wo meine winterliche Begeisterung geblieben ist. Die scheint irgendwie im letzten, unendlichen Winter in meine wollene Unterhose gerutscht zu sein – und da steckt sie wohl immer noch. Ich frage mich, ob wir in den Süden auswandern sollten? Italien, wie hört sich das gerade schön an!!!! – Aber ich schweife ab.

Wir waren also im Theater. Seit unserer Ankunft hier in Oslo sind wir wunderbarerweise recht häufig im Theater, was unter anderem daran liegt, dass Statoil eine monatliche Ticketverlosung hat. Dem Gewinner winken zwei Tickets zum 50%-Preis. Das ist verlockend, und so nimmt Martin jeden Monat an der Lotterie teil und bisher hatten wir oft Glück. UND gute Plätze, meistens mittig in der 7. bis 10. Reihe. Wir haben Salome und Cavalleria Rusticana in der Oper gesehen, Liv Ullmanns Inszenierung von Onkel Wanja im Nationaltheater, die Vålerenga-Fußballchronik Neste Kamp im Oslo Nye Teater und nun also Shockheaded Peter im Norske Teater.

Der englische Titel mag nicht allen etwas sagen, die literarische, deutsche Quelle kennt aber jedes Kind: Der Struwwelpeter. 1845 von Heinrich Hoffmann geschrieben und illustriert, beschreiben die einzelnen Geschichten die übertriebenen, katastrophalen Auswirkungen von schlechtem Benehmen bei Kindern. Zappelphilipp, Daumenlutscher und der Suppenkaspar sind Alpträume meiner Kindheit. 1998 entwickelte dann Julian Bleach gemeinsam mit anderen Autoren und der Band Tiger Lillies aus dem schrägen Kinderbuch ein absurd-schräges Musical. Und nach nur knapp 15 Jahren habe ich es dann auch mal gesehen! Ja, immer mit der Zeit, immer hipp, so bin ich ;).

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Oslo hat, wie schon geschrieben, zwei große Theater: Das Nationaltheater (siehe Foto) und das Norske Teatret. Verschreibt das erste sich eher den konservativen Stücken, schlägt das nur auf Nynorsk spielende Norske Teatret einen eher modernen Weg ein. Bisher haben mir hier alle Stücke gefallen, die ich gesehen habe, unter anderem Trauer muss Elektra tragen oder Über offenem Abgrund, inszeniert von meinem ehemaligen Oberspielleiter am Carrousel Theater Berlin, Uwe Cramer. Die Welt ist ein Dorf, oder? Das Problem im Norske Teatret: Ich verstehe nichts. Aber wenn man dreieinhalb Stunden im Theater sitzt, nichts versteht und trotzdem am Ende sagt: Toller Abend!, dann heißt das schon was, finde ich. Nun also Shockheaded Peter. Schon seit Wochen freute ich mich wie verrückt auf einen wunderbar, absurden Theaterabend.

Und wollte dann nach zwei Minuten gehen.

Seit Hape Kerkelings Hannilein habe ich eine Hassflecken-produzierende-Abneigung gegen erwachsene Schauspieler, die Kinder spielen. Oder gar Babies. Da wird mir anders, da könnte ich killen, da will ich nur noch weg.

Shockheaded Peter begann mit einer Gruppe von kreischenden, daumenlutschenden, sich am Po kratzenden „Kleinkindern“ in Feinrippstramplern, die sich auf der Bühne und im Zuschauerraum tümmelten. Da wurde geknickert und gepupst, gekreischt und geknutscht, während mir der Dampf langsam aus den Ohren kam. Ich merkte, wie Martin neben mir unruhig wurde, während sich die Besucher vor mir köstlich amüsierten. Wenn ich nun eines noch mehr hasse als babyspielende Schauspieler, dann sind das Zuschauer, die darüber lachen.

„Hört auf zu lachen, Ihr Idioten!“, wollte ich brüllen. Himmel, die würden auch über Mario Barth lachen.

Ich wollte weg.

Der bis dahin anscheinend blinde Regisseur hatte ein Einsehen mit mir: Die Horrorkindergartengruppe verschwand von der Bühne. Ich war auf 180, die Handtasche über der Schulter, den Körper gespannt – bereit zur augenblicklichen Flucht.

Da kam ein Elefant auf die Bühne.

Und alles wurde gut.

„Theater ist der seligste Schlupfwinkel für diejenigen, die ihre Kindheit heimlich in die Tasche gesteckt und sich damit auf und davon gemacht haben, um bis an ihr Lebensende weiterzuspielen.“ – Max Reinhardt

Es gibt diese Momente im Leben, da taucht man ein in eine fremde, absurde Welt und fühlt sich sofort verstanden. So ging es mir jetzt. Auf der Bühne entfaltete sich eine Welt, die so oder so ähnlich direkt aus meinem Kopf hätte stammen können. – Von hinten rechts fuhr eine gewaltige, meterhohe Elefantenkonstruktion auf die leere Bühne. Der monströse, graue Rüssel schwang, die dicken Füßen bewegten sich im Rhythmus der fünfköpfigen Band, bestehend aus Ukulele, Tuba und Trommeln, Ziehharmonika und Keyboard. Oben auf dem immensen Elefantenkopf eine Figur mit weißem Gesicht und schwarzem Zylinder. Im Körper des Elefanten, an Metallstangen, die sein Skelett waren, hängend: Schauspieler, Requisiten und Kostüme. Behäbig wälzte sich das wunderbare Monstrum zur Bühnenmitte – und der Spaß begann.

In den kommenden 80 Minuten explodierte die Bühne dank der großartigen Musik der Tiger Lillies, einer Mischung aus „pre-war Berlin with the savage edge of punk“ wie ein Kritiker meint. Dazu ein Zeremonienmeister, der mit Ironie, Respektlosigkeit und perfektem Timing für Pointen durch die makabren Geschichten führte. Das Publikum stand fast auf den Sitzen vor Begeisterung. Die Bühne wurde in allen technischen Möglichkeiten genutzt: Schauspieler verschwanden durch Falltüren in die Unterbühne, schwangen am Flugseil meterhoch in der Luft, „explodierten“ in gewaltigen Rauchschwaden. Dario Fo traf auf Tim Burton. Es war eine reine Freude!

Foto: Fredrik Arff/Det Norske Teatret

Foto: Fredrik Arff/Det Norske Teatret

Zappelphilipp - Foto: Fredrik Arff/Det Norske Teatret

Zappelphilipp – Foto: Fredrik Arff/Det Norske Teatret

Der fliegende Robert - Foto: Fredrik Arff/Det Norske Teatret

Der fliegende Robert – Foto: Fredrik Arff/Det Norske Teatret

Foto: Fredrik Arff/Det Norske Teatret

Foto: Fredrik Arff/Det Norske Teatret

Nach 80 Minuten waren alle Kinder tot, Gedärme und Blutfäden verstaut, der Elefant wieder zusammengebaut und mit den letzten Tönen der Musik schob sich die Gruppe von der Bühne. Noch bevor der letzte Schauspieler im Off war, brach ein Applaussturm los.

Doch zu früh gefreut.

Denn was muss ein Stück, das mit einem, wenn auch fürchterlichen, Rahmen angefangen hat? Es muss diesen Rahmen schließen, genau. Die Horrorkindergruppe kehrte zurück, daumenlutschend, pupsend und ein letztes Lied singend.

Ich wurde zu einer gefährlichen Waffe und wäre fast auf die Bühne gestürmt, um diesem Treiben ein für alle Mal ein Ende zu setzen. Meine Begeisterung schlug in Ärger um, der nur für einen Augenblick verebbte, als die wunderbaren Musiker und der Joker-Dark-Knight-Zeremonienmeister zum Applaus kamen. Aber dann begann die Musik erneut und ich ergab mich: Ließ mich besänftigen und stimmte lauthals in den Jubel der anderen Zuschauer ein. – Sollte ich mir das Stück nochmal angucken, schließe ich in den ersten und letzten zwei Minuten einfach Augen und Ohren. Um sie dann, besonders für die Musik der Tiger Lillies, wieder weit zu öffnen.

Das war es für heute, meine lieben Leser. Ich hoffe, Ihr hattet Spaß an unserem Theaterbesuch und vielleicht findet Ihr in den nächsten Wochen auch eine Aufführung, die Euch mitreißt. Lasst es mich wissen!

Theater ist etwas Besonderes und kann Erlebnisse vermitteln, die kein anderes Medium unserer Zeit schafft. Geht doch einfach mal wieder ins Theater und lasst Euch begeistern. Und guckt nicht immer den alten, bekannten Schmarrn, sondern lasst Euch auf Neues ein. Ich wünsche Euch jetzt schon viel Spaß und bin gespannt auf Eure Kommentare. Lasst es Euch in der kommenden Woche gut gehen, genießt den Schnee (falls Ihr welchen habt), behaltet Eure gute Laune und bleibt neugierig.

Ha det bra,

Still in the spirit....

Still in the spirit….

Ulrike

Ein Ausflug nach Nesodden ODER Wo es gutes Essen gibt, da lass‘ ich mich gern nieder…

64cd718a-9e5b-495b-9e74-68454af473c1Ich weiß ja nicht wie es Euch geht, aber ich mag Wanderungen, die zu einem Ausflugslokal führen. Schönes Wort, Ausflugslokal. Erstens esse ich gern, zweitens belohne ich mich gern und drittens habe ich gern ein Ziel. Ziellose Wanderungen absolviere ich daher auch nur mit Proviantrucksack, der meistens auf der Fahrt zum Ausgangspunkt schon geöffnet wird.

Aber ich schweife ab.

Hallo meine lieben Leser, die Ihr wahrscheinlich gerade am Mittagstisch sitzt, schön, dass wir uns hier wieder treffen. Der Winter ist immer noch nicht da, aber wenn ich so nach New York gucke oder die eingefrorenen Niagarafälle im Internet betrachte, finde ich das auch nicht schlimm. Ein Vorteil des fehlenden Winters: Wanderungen ohne Ski sind noch möglich. Und deswegen nehme ich Euch heute mit auf eine kleine Tour, die wir Ende letzten Jahres unternommen haben. „Tour“ ist übertrieben…da denken Menschen aus Norwegen an kilometerlange Hüttentouren…nennen wir es Sonntagsspaziergang. Und zwar zum Hellviktangen Kulturhus auf Nesodden.

Das Wetter soll schön werden, stellten wir am Samstagabend über unsere Favoritenwetterseite yr.no fest. Lust und Zeit für einen Ausflug hatten wir. Blieb nur die Frage: Wohin? Vielleicht erst ein Stück laufen, dann nett essen? Hervorragende Idee! Irgendwo in den unorganisierten Tiefen meines Hirns regte sich eine Erinnerung. Ein Maler, den ich bei einer Theaterpremiere traf, hatte mir von einer Künstlersiedlung erzählt und einem fantastischen Restaurant, das ganze auf Nesodden, einer Halbinsel im Oslofjord. Nichts wie hin da!

Am nächsten Vormittag standen wir an Aker Brygge, wo die weißen Fähren nach Nesodden abfahren. Knapp 20 Minuten dauert die Fahrt und ist damit viel kürzer als die Fahrt mit dem Auto.

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Und viel schöner, denn im Sonnenschein über den Fjord zu schippern, ist eine meiner Lieblingsbeschäftigungen in Oslo. Die Fähre gehört zu ruter, den Osloer Verkehrsbetrieben. Nesodden liegt in Zone 2, das Ticket kostet 50 NOK pro Fahrt (70 NOK, wenn man an Bord kauft und OBS! – an Bord ist nur Bares Wahres!). Mein bald aus Koffein bestehender Mann versorgte sich mit einem Kaffee vom Bootskiosk und ich sicherte schon mal die besten Plätze an Deck.

Es war international um mich herum. Zwei französische Studenten fragten sich, wo der Schnee sei, ein deutsches Pärchen stimmte „Eine Seefahrt, die ist lustig“ (haha, ich höre Euch summen, liebe Leser) an und drei russische Männer redeten über….ja, keine Ahnung worüber. Ich kam fast in Kreuzfahrtstimmung! Nach kurzer Zeit lag Nesodden vor uns und eine überraschend große Gruppe von Menschen erwartete uns am Kai. Ein aufgeregter Schäferhund jodelte neben mir in den höchsten Tönen und wollte nichts als runter von diesem schaukelnden Ding. Beim Aussteigen latschte er mir noch gehörig auf den Fuß und erreichte, schwer an der Leine ziehend, das sichere Land. Armer Hund! Schließlich standen auch wir auf Nesodden, zum ersten Mal überhaupt – es gibt immer wieder was Neues zu entdecken.

Laut Internet sollten wir dem Kyststien, dem Küstenweg, folgen, der würde uns direkt zum Kulturhus führen. Zwei Richtungen standen uns zur Verfügung, wir wanderten Richtung Südosten los, ein kleines Stück an der Hauptstraße lang und schon begrüßte uns ein Kyststien-Schild. Um es gleich vorweg zu sagen: Der Weg war enttäuschend. Ich hätte ihn eher Fast-Küstenweg genannt. Meistens gingen wir zwischen, wenn auch hübschen, Häusern entlang und erhaschten über Gartenzäune einen Blick aufs Wasser. Warum? Weil alle Hausbesitzer direkten Zugang zum Wasser haben wollen. Und der öffentliche Weg deshalb HINTER  ihren Grundstücken liegt.

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Das war irgendwie nicht so toll. ABER: Am Ende sollte ja ein gutes Essen auf mich warten, da verzeihe ich vieles! Weiter also durch die Wohngebiete, ein bisschen Klettern durch vertrockenete Bachtäler und schließlich in der Ferne, an einer Landzunge: Das Hellviktangen Kulturhus. Ein weißes Holzhaus, zwei Etagen, mit großer Terrasse und Grünflächen bis ans Wasser. Hin da! Kurz bevor wir uns verlaufen konnten, wies ein riesiger schwarzweißer Kater, der aus einem Pippi-Langstrumpf-fähigen Haus gewandert kam, uns den richtigen Weg. Ein Schild bestätigte seine Angaben.  Bald standen wir vor dem Kulturhus und ich habe mich sofort verliebt.

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Es war voll an diesem Sonntagmittag, aber wir hatten Glück: Ein Paar verließ seinen Platz, fast direkt nachdem wir angekommen waren. Ein Tisch am Fenster, perfekt. Neben Kunstausstellungen, Konzerten und Buchbasaren bietet Küchenchefin Bente Westergaard auch Kochkurse an. Grønn Gourmet will zum Kochen mit ökologischen Lebensmitteln inspirieren. Für heute gab es die Wahl zwischen zwei vegetarischen Gerichten: Gefüllte Auberginen und Kürbissuppe mit Ingwer. Die Suppe brodelt auf einer Wärmeplatte in einem großfamilienfreundlichen Topf direkt am Buffet und meine Entscheidung fiel schnell. Bald standen vor uns auf dem geschrubbten Holztisch zwei dampfende Teller. Dazu selbstgebackenes Brot.

Kurz gesagt: Es war köstlich. Die Suppe ganz unerwartet scharf, aber nach der ersten Überraschung löffelten wir, als ob es kein Morgen gäbe. Nie würde ich mit soviel Ingwer kochen, und fragte mich, warum eigentlich nicht, denn es schmeckte einfach super. UND ist gesund. Die großen weißen Suppenteller sahen auf dem dunklen Holztisch simpel, aber doch chic aus und diese schlichte Eleganz zog sich durch den ganzen Raum. Ich bin ätzend penibel, was Restaurants angeht, und habe meistens etwas auszusetzen. Das ist gar nicht arrogant gemeint, aber fleckige Tischdecken, künstliche Blumen, „Wir-wollen-gern-können-aber-nicht-Eleganz“, Lieblosigkeit oder Fertigsaucen ärgern mich nun mal im Restaurant. Wen nicht?

Im Hellviktangen hatte ich nichts zu meckern. Satt und zufrieden genoss ich die Aussicht auf den Fjord. Der Raum war voll, eine Großfamilie feierte am Tisch neben uns und gerade musste Oma (vielleicht ihr Geburtstag) in verschiedene Handys lachen. Gegenüber unterhielten sich zwei Elternpaare mit jungen Kindern auf Englisch über ihre Silvesterpläne, während eine ältere Frau langsam von Bild zu Bild durch den Raum wanderte und sich begeistern ließ von der Kunst.  Die Stimmung war entspannt, familiär und positiv.

Hier kommen wir wieder hin!“ beschlossen wir auf dem Rückweg.

Das war es schon für heute, meine lieben Leser! Angeblich soll der Winter kommen nächste Woche, warten wir es mal ab. Euch allen wünsche ich, Schnee hin oder her, eine tolle Woche, kommt an im neuen Jahr, viel Spaß und Erfolg, bei was Ihr auch immer vorhabt! Wir lesen uns wieder am nächsten Freitag! Bis dahin,

ha det bra,

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Ulrike

Ein Abend im Sportstudio in Oslo ODER Schweinehund ade!!

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Aua.

Warum kann ich meinem Computer keine Texte diktieren?

Aua.

Warum strapaziert Tippen die Oberarmmuskeln?

Aua.

Und warum, Frage aller Fragen, habe ich mich gestern freiwillig derartig quälen lassen, dass mein Körper heute lautstark protestiert???

AUA!

Hallo, meine hoffentlich muskelungeschädigten Leser, schön, dass wir uns hier wieder treffen. Als allererstes wünsche ich Euch ein wunderbares neues Jahr, mit vielen schönen Erlebnissen, positiven Begegnungen und erfüllten Wünschen und Plänen. – Ich habe einen meiner Pläne für 2014 gestern Abend in die Tat umgesetzt: Ich war im Fitnessstudio.

HA! Wie harmlos das klingt – Fitnessstudio. Dabei sollte man den drei „s“ Beachtung schenken, die heimtückisch wie ein gefährliches Reptil zischen und von der Gefahr künden, die harmlose, unsportliche Debütanten in ihren Hallen erwartet.

Seit längerer Zeit bin ich bereits Mitglied im SATS Sportstudio, dessen oranges Logo den positiven Ausschlag für meine Wahl gegeben hatte. Ja, ich bin eine Frau, ich darf das – auch bei Autos und Fußballteams zählen bei mir rein farboptische Gründe – was denn sonst? SATS also. Allein die Vorstellung, dass ich Mitglied in einem Sportstudio werde, wäre vor unserer Zeit in Oslo noch absolut lächerlich gewesen, aber wie ich bereits erwähnte, ist Oslo das Mekka der norwegischen Sportbewegung und irgendwann packt es jeden. So auch mich. Außerdem zeigt meine Waage seit einigen Monaten ein paar Kilo an, die definitiv überflüssig sind und denen wurde nun der Kampf angesagt.

Aua.

Oslo hat verschiedene Sportstudios: SATS, Elixia, Fresh Fitness, fitnessexpress, um nur einige zu nennen. Die Auswahl ist groß, die Nachfrage auch und Neulinge werden herzlich begrüßt. Totale Neulinge, wie ich, sind dabei aber anscheinend die Ausnahme.

„Du warst noch nie in einem Fitnessstudio?“

„Äh, nein.“

„Also, noch nie, in deinem ganzen Leben?“

„Ja, also nein. Nein, nie.“

(Um meine Ehre zu retten, die sich unter dem Tisch verstecken wollte, fügte ich hinzu:)

„Aber JETZT bin ich ja da!“

„Aber vorher…NOCH NIE??“

„Nope.“

„Du bist 41!“

„Ja, ich bin 41, war noch nie an irgendwelchen Geräten und wenn du hier so weiter fragst, bezweifle ich, dass sich das jemals ändern wird!!!“

Die ersten fünf Minuten meiner Gratis-Trainerstunde hatten, ohne sportliche Betätigung, meinen Blutdruck bereits in die Höhe getrieben. Während mein irritierter Trainer mein Sportprogramm am Computer zusammenstellte, blickte ich mich um.

Wow, sahen die alle sportlich aus. Durchtrainierte, schweißschimmernde junge Norweger trabten auf Laufbändern lachend vor sich hin, hingen athletisch konsequent an Sprossenwänden und stemmten Eisengewichte so lässig wie ich meine Kaffeetasse. Wo war denn hier die Anfängergruppe? Beim Skilaufen gibt es doch auch den Idiotenhügel, hier muss es doch auch so eine Art abgesperrten Bezirk…für Leute wie mich….oder….?

Nein, immer rein ins Vergnügen. Kurze Zeit später saß ich an Foltermaschine 1 zur Stärkung meiner Beinmuskeln. Vor mir ein rotgesichtiger Norweger, der bei den letzten beiden Hebungen fast in Tränen ausbrach. Kein Wunder, der stemmte 75 Kilo!!!

Ich 10.

Bildete ich mir das ein, oder sahen die Stecklöcher bei den Gewichten unter 20 Kilo jungfräulich aus? Gerade wechselte O., mein Trainer, den Stecker auf 15 Kilo, weil „es aussieht, als seien 10 Kilo zu leicht für dich.“

BOAH!!! STEEEMMM!

„Da habe ich mich wohl getäuscht.“

Ich konnte nur nicken.

Von Gerät zu Gerät arbeiteten wir uns und nach und nach nahm meine Unsicherheit ab. Niemand der anderen Besucher schien sich auch nur einen Deut für die Verrenkungen zu interessieren, die ich da vollführte. Selbst als ich im Pumpraum vor dem Spiegel zwischen lauter ernstzunehmenden Gewichtehebern meine 5 Kilo stemmte und mich weit weg wünschte – nichts, kein Blick, kein Grinsen. Toll. Nur O. schenkte mir Aufmerksamkeit und erzählte mir von irgendwelchen Muskeln, die parallel zu anderen Körperteilen liegen sollten, von Sehnen, die es zu schützen und Füßen, die es zu strecken galt. Ich nickte brav und wollte nach Hause.

O. muss das geahnt haben und strafte mich für meine fehlende Begeisterung mit Sit ups.

Ich HASSE Sit ups. Kennt Ihr die? Gemütlich liegt man auf dem Rücken und soll dann den Oberkörper heben – ohne sich abzustützen. Wozu habe ich denn zwei Arme an mir rumhängen? Die wollen auch mitspielen. Nee, dürfen sie nicht. Sagte ich schon? Ich hasse Sit ups! Oder sagen wir besser: Ich hasse es, mir selber Schmerzen zuzufügen. Mal ganz ehrlich, wer macht das gerne? Ich warte auf den Tag, wo man überflüssige Pfunde mit ganz viel Spaß und ohne jegliche Anstrengung verlieren kann (und ohne Fettabsaugen!). Einfach so beim Spazierengehen beispielsweise – das wäre doch toll. Noch besser wäre es natürlich auf dem Sofa, aber ich will mal nicht nach den Sternen greifen. Den Gedanken, sich selber quälen zu müssen, sich gar quälen zu WOLLEN, finde ich absurd.

Und verzog mein Gesicht bei der Ankündigung von Sit ups.

Nun wäre so ein persönlicher Trainer natürlich unnütz, hätte er nicht die richtige Medizin für störrische Kunden auf Lager. O., dem ich vorher mein halbes Leben erzählen musste, begann also plötzlich von Paris zu schwärmen…

„Paris!“, keuchte ich, „Ich liebe Paris!“

Sit up.

„Parles-tu français aussi? “ – „Mais oui!“

Sit up.

So sit upten und parlaverten wir uns auf Französisch durch die kommenden 15 Sit ups und am Ende war ich gutgelaunt und schon viel durchtrainierter. Fand ich. Überhaupt begann es Spaß zu machen, nachdem mein Körper langsam verstanden hatte, was ich von ihm wollte. Und er das gar nicht so übel fand.

Nach 45 Minuten fiel ich völlig unelegant auf den nächstbesten Stuhl, griff in eine der zahlreichen Obstkisten, die strategisch über das Studio verteilt standen und war ganz unglaublich stolz auf mich. O. werkelte noch an meinem Trainingsplan herum, verordnete mir 2x wöchentlich Training plus einmal „Spinning“, Indoor-Radfahren in der Gruppe.

BRÜLL!!!!!!

HAHA!!!!

INDOOR-RADFAHREN!!!!!!!!!!!!!!!!

IN!

DER!

GRUPPE!!!!!!

BRÜLL!!!

Nee, mach ich, klar.

Dienstag, 7.1. 11.15 Uhr – ich bin schon angemeldet.

Ich schleppte mich und meinen Rucksack (nächstes Mal: Schloss für die Schränke mitbringen!) zurück in den Umkleideraum, setzte mich auf eine der gepolsterten Bänke und sah mich um. Vor lauter Aufregung war vorher dafür keine Zeit gewesen. Folgende Dinge fielen mir auf:

1. Kontakt scheint unerwünscht. Im Umkleidebereich waren mindestens 15 Frauen – aber niemand unterhielt sich miteinander. Das werde ich ändern. Falls ich hinterher noch sprechen kann.

2. Manche meiner Sportkolleginnen verbringen ungefähr dieselbe Zeit an Geräten wie vorher vor dem Spiegel. Unglaublich, wie viele Arten es gibt, einen Pferdeschwanz zu binden. Zu flechten. Nein, doch lieber hochzustecken. Ich werde mir eine Perücke anschaffen müssen, um hier mithalten zu können. Nee, will ich gar nicht. Zugucken ist viel besser.

3. Kleidungsmäßig war ich auf einer Linie mit meinen Muskelfreundinnen. Die schwarze Laufhose trug ich schon beim Ankommen, lässig ergänzt von Gummistiefeln und Daunenwinterjacke. Typischer Oslo-West-Aufzug. Nur die Haare eben….

4. Die meisten hatten ihr smartphone oder den ipod dabei und Kopfhörer hingen entweder um den Hals oder waren im Ohr verstaut. Hm. Ich bin kein Fan von Music-on-the-go, besitze keinen ipod und habe ihn auch nie vermisst. Kopfhörer finde ich unkomfortabel und außerdem höre ich ja gar nicht, was andere Leute sagen, wenn ich die Dinger im Ohr habe. Hm. Och, macht nix. Zuviel Konformität ist ja auch schädlich. Wer immer wie alle anderen sein will und Angst davor hat, aufzufallen, der vergisst irgendwann, wer er selber ist und wird zu einer inhaltslosen, unauffälligen Kopie. Schade drum, denn, wie schon Monty Python wusste: „Wir sind alle Individuen!“ – „Ich nicht!“ (Kleines Triviaquiz: Aus welchem Film stammt das wunderbare Zitat?)

Mehr fiel mir auf die Schnelle nicht ein, als ich mich umsah, aber ich bin auf die nächsten Besuche gespannt. Diesmal war ich mit der Abendcrew unterwegs, ab kommender Woche werde ich aber immer vormittags sportlich sein. Erstens kann ich mir das glücklicherweise so einrichten und außerdem gefällt es mir auch besser. Mal sehen, was dann für Leute diese heiligen Hallen bevölkern werden. Für heute verabschiedete ich mich: Ich zog die blauen Schuhtüten über meine Gummistiefel, stieg, leise stöhnend, die Stufen zum Eingangsbereich hoch, entsorgte die Schuhsäcke und humpelte zum Ausgang. Der Regen hatte zugenommen. Und mit den Worten von Theaterkritiker Friedrich Luft, nachdem er aus einer Berliner Premiere kam,  klagte ich: „Auch das noch.“ Und wanderte langsam nach Hause.

So, meine lieben, hoffentlich unversehrten Leser, das war es für heute. Mein Muskelkater und ich werden aufs Sofa gehen und uns pflegen. Was hat der ganze Blog heute denn überhaupt mit Norwegen zu tun? höre ich die Kritiker fragen.

Tja.

Nicht so viel.

Obwohl: Ich war in einem norwegischen Fitnessstudio in Oslo, mit meiner norwegischen Sporthose und in Norwegen gekauften Sportschuhen und habe an norwegischen Weintrauben geknabbert.

Immerhin! Und wann immer Ihr nach Oslo kommt, oder schon hier seid und ein Fitnessstudio sucht, habt Ihr jetzt ein paar Infos dazu.

Das ist doch toll.

Das muss doch reichen!

Nächsten Montag sehen mich die Folterhallen wieder, diesmal bin ich dann auf mich allein gestellt und erinnere hoffentlich alles, was O., mein Parisliebhaber, mir erklärt hat. Ansonsten frage ich einfach einen fast platzenden Superstemmer vor mir und freue mich auf seinen Blick, wenn er meine 10-Kilo-Gewichte sieht.

Euch allen, meine lieben Leser, wünsche ich eine tolle Woche, probiert mal wieder etwas Neues aus, setzt Eure guten Vorsätze in die Tat um und kämpft gegen Euren inneren Schweinehund. Es lohnt sich! Danke an alle, die sich am Jahresrückblicks-Quiz beteiligt haben, ich war total baff, wie fix die ersten drei richtigen Einsendungen kamen. Ein großes Hipphipphurrah an Yasmin, Ute und Imke aber auch an alle anderen, die Lösungen geschickt haben. Nachdem ich das Limit auf zehn Karten hochgesetzt habe, ist jetzt noch ein Platz frei, also schickt mir Eure Lösungen!

Jeg ønsker dere et riktig godt nytt år!

Ha det bra,

Danach.

Danach. Live-Fotos wollte ich Euch ersparen. Und mir.

Ulrike