Von nicht so überraschenden Friedensnobelpreisankündigungen, frierenden Staatsministern und einer Party mit Zahlen

Na zdrave! Skål! Cheers! Terviseks! Kippis! Santé! Jámas! Proost! Sláinte! Salute! Uz veselibu! I sueikata! Aviva! Na zdrowie! Saúde! Noroc! Salud! Na zdravi! Egészségére! Na zdravje! Prost!

Die EU erhält den Friedensnobelpreis 2012!

Ein friedliches Hallo meine lieben Leser, wie schön, dass wir uns wieder treffen! Aus dem EU-kritischen Norwegen gratuliere ich uns allen, denn wie twitterte Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso kurz nach der Entscheidung: Der Preis gelte „der ganzen EU, allen 500 Millionen Bürgern.“

Super! Her mit dem Preisgeld! 930.000 Euro geteilt durch 500 Millionen Einwohner…

0, 18 Cents!!!!!!!!

Wow.

Ein Feiertag also, dieser 12. Oktober 2012.

Punkt 11 Uhr öffneten sich die Türen im noblen Nobelinstitut in Oslo und der Vorsitzende des Komitees, Thorbjørn Jagland, verkündete die, seit gestern Abend vermutete, Entscheidung. Bei mir und allen anderen NRK-Zuschauern hielt sich die Überraschung in Grenzen: Die Besserwisser und Spannungsverderber des norwegischen Staatsfernsehens tönten schon ab 10.45, dass der Preis an die EU ginge.  Als wäre der Auftritt von Jagland pure Makulatur, diskutierten Journalisten und Politiker bereits über Auswirkungen, Begründungen und mögliche Reaktionen.

Ist doch blöd irgendwie.

Tut mir leid, aber ob nun ehrwürdiger Friedensnobelpreis oder neuer deutscher Superstar: Ich hasse es, wenn mir die Spannung genommen wird. Hätte ja gleich einer im Nobelinstitut bei Jaglands Auftritt rufen können: „Jaja, EU, wir wissen schon!“

Macht natürlich niemand.

Da hoffen ja dann noch alle, dass es im letzten Moment eine Änderung gibt.

So wie bei der Oscar-Verleihung 2006, als nicht der haushohe Favorit „Brokeback Mountain“ sondern „L.A. Crash“ den Preis als bester Film abräumte.

Ich schweife ab.

Die EU also.

Der Preis würdige vor allem den historischen Aspekt der EU, betonte Jagland. Aus früheren Kriegsfeinden wie Deutschland und Frankreich seien seit 1945 Partner geworden, ein Krieg zwischen beiden wäre heute undenkbar. Die Aufnahme ehemaliger Diktaturen wie Portugal oder Spanien habe zum weiteren Demokratisierungsprozess in Europa beigetragen. Dass Länder wie Serbien, Montenegro und Kroatien zu den Kandidatenstaaten gehöre, beweise, dass auch die Ost-West-Demokratisierung in Europa vorangehe. Aus einem Kriegskontinent sei dank der EU ein Friedenskontinent geworden.

So, erstmal Atem holen.

Weiter geht’s.

Ein Signal wolle das Komitee setzen: Gegen Extremismus und aufkommenden Nationalismus und als Erinnerung an alle EU-Bürger, was man im Falle eines Zusammenbruchs der EU verlieren würde. Es solle gesichert werden, was man erreicht hätte, sagte Jagland, las das ganze noch einmal auf Norwegisch vor und beendete seinen Vortrag.

Und dann ging es los.

Fragen, Fragen, Fragen. Reaktionen, Reaktionen, Reaktionen. Im Europahaus in Oslo knallten die Sektkorken, im Parlament schoben sich wichtig aussehende Jungpolitiker mit Grabesmiene vor die Kamera und beweinten den Untergang der Welt und im NRK-Studio wurde einfach weiter diskutiert, man wusste ja schließlich schon Bescheid. Einige Minuten später stellte sich Staatsminister Jens Stoltenberg, sichtlich frierend, vor dem Osloer Schloss in Position und wiederholte in groben Zügen, was wir von Herrn Jagland bereits wussten. Und nein, die EU-nicht-zum-Thema-machende- Regierung habe selbstverständlich keinen Einfluss genommen auf die Entscheidung des Komitees.

Nach einer Stunde Programm ging die Welt dann zum Alltag über. NRK beglückte uns mit „Extremfischen“ , mein Nachbar setzte lautstark seine Renovierungsarbeiten fort und ich geriet bei facebook in einen merkwürdigen Cyber-Streit. Facebook wird den Friedensnobelpreis niemals bekommen, soviel steht fest!

(Huch, seit wann spielt denn Magnum-Tom Selleck bei „Friends“ mit??? Läuft hier gerade….ist ja süß!)

Aber weg von den weltpolitischen Ereignissen des Tages und hin zu den wirklich wichtigen Dingen des Lebens: Ich war feiern in Deutschland! Jawohl!

Meine Freundin Britta und ich haben den 80. Geburtstag gefeiert, mit einem 70er-Jahre-Mitbringbuffet und 35 lieben Menschen, die uns alle zum 40. gratuliert haben. Aus dieser ungewöhnlichen Formel ergab sich eine leckere, lustige, luftschlangenbehängte Party. An dieser Stelle ein dickes Danke an unsere Eltern und die gutgeplante Entscheidung, Britta und mich im Jahr 1972 zur Welt zu bringen, so dass wir 2012 gemeinsam feiern konnten; an Alex, der nicht nur den kultigen Raum zum Feiern gefunden hat, sondern uns auch dazu gebracht hat, wirklich zu feiern; an Lisa und Jan-Niklas fürs Helfen: Ihr seid meine Helden!; an Martin, den besten Barkeeper überhaupt; an alle tollen Gästen und Eure leckeren Mitbringsel und natürlich an meine Partyschwester Britta mit Vorfreude auf den 160. Geburtstag – unsere Rollatorparty!

(Das war doch mal eine Dankesrede, was? Diese ganze Preisverleiherei ist mir zu Kopf gestiegen….)

Es war wie immer eine tolle Zeit in good old Hildesheim, nun bin ich wieder im hohen Norden und das ist auch schön!

Für heute soll es das gewesen sein meine lieben, in 7er-Gruppen friedlich lesenden Leser. Ich wünsche Euch eine tolle Woche, freut Euch über die 0,18 Cents Preisgeld, seid dankbar in Frieden leben zu können und gönnt Euch mal wieder eine leckere Party!

Ha det bra,

Ulrike

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4 Kommentare zu “Von nicht so überraschenden Friedensnobelpreisankündigungen, frierenden Staatsministern und einer Party mit Zahlen

  1. Gerade wird angemerkt, dass ich keine eigene Meinung geäußert habe zur Entscheidung des Komitees,
    Stimmt.
    Werde ich auch nicht tun :).
    Aber Ihr dürft jederzeit.

  2. Huhu Ulli,
    zu diesem Nobelzeugs kann ich überhaupt nichts sagen. Das ist alles irgendwie an mir vorbei gedüst. Aber zu eurem vierzigsten kann ich was sagen!!! Es war toll. Und wie du schon erwähnt hast, die Lokalität war sehr kultig. Dieses Schützenhaus wurde, glaube ich, 40 Jahre nicht verändert. Sogar die Ernst Mosch Langspielplatte stand wie unbenutzt auf den 45 Jahre alten Dual Plattenspieler der 12er Serie…. Und das mit dem Barkeeper überlasse ich eurer Fantasie. Das Buffet war ja mal richtig Klasse!! Bitte nicht falsch verstehen, das war nicht 45 Jahre alt. Aber die Auswahl war schon interessant. War seit langen mal wieder ein Igel auf dem Tisch und die Lachsröllchen richtig lecker.
    Bei der Gelegenheit haben wir dann auch gleich mal neue, liebe Freunde kennen gelernt und schweben ungefähr auf der gleichen Wellenlänge.

    Feierst du deinen 41zigsten auch wieder dort?? Wir sind dabei…

    Liebe Grüße aus Bosseborn, Volker

  3. Mich hat ja beeindruckt, dass ein chin. Schriftsteller den Literatur-Nobelpreis erhalten wird. Leicht wird er es nicht damit haben bei „seinen Politikern“, das hat die Vergangenheit bei anderen chin. Nobelpreisträgern gezeigt. Ansonsten kann ich mich Volkers Kommentar zu Eurer Super-Sause nur anschließen. War alles stimmig!! Und dass ich mit Freude Deinen Artikel – wie immer – gelesen habe, brauche ich eigentlich gar nicht mehr zu betonen. Immer schön so weitermachen ……….!!!!!!!! 🙂 🙂 Mutta-Kuss

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