Das Ende

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„WAAAAAAAS?“

„Ja.“

„Aber, das kannst du mir nicht antun, ich werde gerade berühmt!“

„Bitte?“

„Die Leser lieben mich, ich bin witzig, bald kommen T-Shirts und Autogrammkarten und….und….“

„Gewissen, du verstehst deinen Job falsch. WENN du mich schon aufhalten willst, dann nicht aus so egozentrischen Gründen. Du solltest verzweifelt versuchen mich aufzuhalten, mir soziale, intellektuelle oder sonstwelche Gründe geben.“

„Keinen Bock.“

Na gut. Dann ist es also so:

Hallo, meine lieben Leser, wie schön, dass wir uns hier wieder treffen. Zum letzten Mal. Der Blog und ich sagen heute ein finales „ha det“.

„WAAAAAAAS?“

„Ja.“

„Aber, das kannst du mir nicht antun, ich werde gerade berühmt!“

„Gewissen, wir wiederholen uns.“

„Hach, menno, na dann sag DU doch was Neues.“

Ich sage nichts Neues, aber ich sage ein dickes, riesiges, schokoladenüberzogenes und wirklich von Herzen kommendes DANKE und zwar an jeden einzelnen Leser. An die ersten sieben, die im März 2012 dabei waren, als ich in die norwegische und die virtuelle Welt stolperte. An alle Leser, die dazu gekommen sind, die gelesen und/oder kommentiert haben, die mir Geschenke geschickt und mich auf der Straße angesprochen haben, die zur Geburt von Gesa gratuliert und mir die Daumen bei der Norwegischprüfung gedrückt haben, die mir emails und Weihnachtskarten geschickt haben, die für mich gedichtet und gerätselt haben, ein dickes Danke an alle, die bei der Lesung im Goethe-Institut waren, an alle, die mich auf Ausflügen begleitet haben und die ich für den Blog „benutzen“ durfte, einfach an Euch alle, die Ihr da draußen gerade lest:

D A N K E!!!!

Jetzt ist Zeit für etwas Neues. Nein, wir werden Norwegen nicht verlassen und nein, ich werde auch nicht aufhören zu bloggen, weil, das macht viel viel viel zu viel Spaß. Aber nach fünf Jahren Norwegenblog ist jetzt Zeit für etwas anderes.

„Ach, ja. Und das wäre?“

„Gewissen, ich habe keine Ahnung.“

„Ich sach nix.“

Naja, eine Ahnung habe ich schon, seid gespannt, ich werde den neuen Blog auf jeden Fall hier ankündigen und vielleicht kommen ja ein paar von Euch mit auf eine neue Reise. Ich würde mich freuen. Es ist immer gut, ein neues Abenteuer mit bekannten Gesichtern zu starten.

Hach, menno, das ist schwieriger als ich dachte und deswegen höre ich jetzt auch auf. Neues aus Norwegen und ich verabschieden uns nach 5 Jahren, 224 Beiträgen und 96231 Besuchern aus 131 Ländern (der Wahnsinn!). Macht es gut, meine lieben Leser, meldet Euch, wenn Ihr mal nach Norwegen kommt, lacht viel und besucht mich und meinen neuen Blog.

Ein letztes

ha det,

Ulrike

 

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Auf die Weide, fertig, los!!! ODER Kuslipp auf Bygdøy

https://gfx.nrk.no/BfrttZvUJCRRqMtkYTKsAgizQNpHOVLBfOC7JU5lv4fg

NRK.no

So, jetzt ist es soweit: Ich jubele einer Kuh zu. Alta Falta, bin ich peinlich oder was? Gut, warum nicht, ist ja auch eine schöne Kuh. Und wie sie da so über die Wiese hüpft, das ist schon einen Jubler wert. Findet das Kind neben mir irgendwie nicht – es guckt mich an, als hätte ich einen an der Waffel. Dumme Göre. Ich jubele gleich nochmal. Die Kuh freut sich bestimmt!

Hallo, meine lieben Leser, wie schön, dass wir uns hier wiedertreffen. Am vorletzten Sonntag waren wir mit Freundin Kathrin und Gesas Kumpel Niklas auf dem königlichen Bauernhof auf Bygdøy. Nur eine halbe Stunde Fußweg und schon ist man dem Stadtleben entfleucht und findet sich mitten auf dem Land wieder – wir lieben es! Neben dem Landleben findet sich auf der Halbinsel aber auch viel Kultur, beispielsweise das Kontiki-Museum oder das norwegische Freiluftmuseum, dessen jährlicher Weihnachtsmarkt ein absoluter Hit ist.

Diesmal aber auf zum königlichen Bauernhof. Seit 1905 liegt die königliche Sommerresidenz auf Bygdøy und das heute zum Bauernhof gehörende Land gehörte zu eben dieser Residenz, die sich heute nur noch auf der rechten Seite der Straße befindet.

(Ok, das war jetzt ein wirklich merkwürdiger Satz. Entschuldigt, ich nehme gerne Korrekturen an.)

So, also Kühe.

Bygdø Kongsgard ist heute der größte ökologische Milchproduzent in Oslo (ich bin nicht sicher, wieviel Konkurrenz sie haben, aber gut…) und zur Milchproduktion braucht man….

…jawoll, Kühe.

Und die haben lange, lange, lange Monate im Stall verbracht, hatten es da zwar schön kuschelig, aber irgendwan ist es ja auch mal gut, da will auch die geduldigste Kuh mal wieder an die Luft und damit sie das nicht ganz alleine machen muss, luden die Verantwortlichen die Osloer Bevölkerung ein und wir folgten der Einladung und gingen zum…

KUSLIPP!

Was sich anhört wie gemusterte Unterwäsche ist der Begriff für den Moment, wenn die Kühe das erste Mal auf die Sommerwiese hinauskommen. „Es ist wunderbar zu sehen, wie glücklich die Kühe sind,“ schreibt der Bauernhof und wir seien herzlich eingeladen, das mitzuerleben.

Sie haben nicht gelogen: Es WAR wunderbar. Die Sommerwiese war noch etwas verwintert, als sich am 7. Mai 2017 um 12.30 die Stalltore öffneten, aber das war den Tieren erstmal egal.  Die massigen Milchkühe galoppierten auf die Weide, vollführten Bocksprünge wie kleine Zicklein, kämpften mit gesenkten Häuptern um die besten Plätze, drehten sich um die eigene Achse, schlugen mit den Hinterbeinen aus und wenn sie hätten jubeln können, dann hätte es sich so angehört:

WUUUUUUHUUUUUUUUUMUUUUUUHUUUUUUUUWUUUUUUUUUUMUUUUUHUUUUUU!!!

Toll war es.

***

Nach fünf Minuten Party wollten sie wieder rein.

Es war nämlich empfindlich kalt und über den Köpfen der geschlossen gen Stall marschierenden Herde war zu lesen:

„War nett. Gerne morgen wieder. Tschüß!“

Ich bin vor Lachen fast in den Elektrozaun gekippt. Die resolut blickenden Bauern bildeten aber eine undurchdringliche Mauer und nach kurzem Überlegen drehten die kompromissbereiten Vierhüfer um und verteilten sich auf der Wiese. Langsam legte sich die Aufregung, die Umgebung wurde in Ruhe betrachtet und Gemütlichkeit machte sich breit. Es wurde ein bisschen hier geknabbert und da geschubbert und die eine ließ sich in eine Schlammpfütze fallen, zwei andere guckten die Menschen am Zaun an und es fehlte nur noch Beethovens Pastorale und das Landleben wäre perfekt gewesen.

Haaaaach.

Und dann joggten plötzlich zwei Bauern über die Weide. Kühe und Menschen blickten gleichermaßen irritiert. Was war denn nun???

Tja, da hatten zwei ganz schlaue Kühe ein Loch im Zaun entdeckt und standen plötzlich direkt neben den irritiert blickenden Zuschauern: „Huhu. Muh.“

Wir malten uns schon die schlimmsten Situationen aus: ALLE Kühe ab durchs Loch und dann auf die Autobahn Richtung Innenstadt…..oder ab zur königlichen Sommerresidenz…oder alle an den Strand und ab ins Wasser. Die beiden Ausreißer ließen sich aber schnell überzeugen, auf die Weide zurückzukehren – aber ich wette, sie sind die absoluten Helden der Herde für den Rest des Sommers:

„Weißt du noch, als Hellwine im Mai ausgebüxt ist?“

„Die verrückte Kuh, die – wieder typisch!“

„Ist ja auch immer die Erste, die mit der Massagebürste kämpft.“

„Du sagst es. Draufgängerin, die.“

Naja, oder so ähnlich.

Tja und irgendwann standen alle achtundvierzig Milchkühe samt Teenager-Nachwuchs auf der Weide, freuten sich an Gras und Luft und wir haben uns gutgelaunt auf den Heimweg gemacht.

Nächstes Jahr wieder. Und dann jubele ich NOCH lauter!

Ha det,

(vor dem großen Moment)

Ulrike

Buddhistischer Bergführer gesucht! ODER Planänderung

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Schnee im August, geführte Tour über Gletscher, kalte Winde….hm.

Hallo, meine lieben Leser, wie schön, dass wir uns hier wieder treffen. Seit wir in Norwegen leben, habe ich viele Dinge getan, die ich schon immer mal machen wollte: Theatergruppe gründen – check. Blog schreiben – check. Kind bekommen – check. Heute Abend lese ich dann noch beim Offenen Bühnenabend in der Gemeinde „Der Walzer“ von Dorothy Parker – ein weiterer Haken auf meiner Liste von Dingen, die ich immer mal machen wollte.

Dann aber gibt es auch Dinge, von denen ich gesagt habe, dass ich sie tun werde und was ist passiert?

NIX!

Im Jahr 2014 beispielsweise habt Ihr mich per demokratischer Abstimmung auf den höchsten Berg Norwegens geschickt – aber war ich seitdem dort?

NOPE!

Im Jahr 2012 (!!!) habe ich angekündigt, eine norwegische Molkerei zu besuchen, um mehr über Brunost zu lernen.

NICHTS IST PASSIERT!

Da hättet Ihr mich aber auch mal in den Hintern treten müssen, mal ehrlich, alles muss man selber machen. Nun habe ich mich also heute bei strahlendem Frühlingssonnenschein sehr kräftig in den Allerwertesten getreten und kann folgendes berichten:

Ich klettere erstmal nicht auf den Galdhøpiggen – AUSSER, es findet sich ein buddhistisch geduldiger Mensch mit Bergerfahrung, der mich bergunerfahrene Stadtpflanze behutsam an die Hand nimmt und auf den Gipfel führt. Freiwillige vor! Bis dahin biete ich Euch eine Alternative: Ich klettere nicht auf den höchsten Berg Norwegens (2469 Meter) aber bezwinge stattdessen den höchsten Berg Oslos!!

Na, wie wäre das???

Super wäre das, genau!

Nun muss ich erstmal herausfinden, wo der liegt und wie der heißt und wie hoch der ist! Aber das Internet ist und bleibt unschlagbar…schwupps habe ich eine Liste mit den höchsten Bergen (naja, oder Hügeln) jeder norwegischen fylke (Landesteil). AHA!!! Der höchste Berg Oslo ist….

..der Kirchenberg (kjerkeberget)! Der hat immerhin stolze und imponierende…2070…

…Fuß….also…

631 Meter!

IMMERHIN!

Ich habe schon fleißig gegoogelt und Fahrstrecken rausgesucht, habe eine erfahrene Wanderfreundin als Begleitung ergattert (Hallo, Christine!) und sobald wir einen Termin gefunden haben, geht es los. Wahrscheinlich von der Bahnstation Stryken in ca. drei Stunden auf das Dach Oslos. Falls jemand dort schon einmal war, schreibt gerne Eure Erfahrungen als Kommentar!

Ok, der Berg ist einigermaßen abgehakt. Jetzt der Brunost. TINE hat seit 2012 die Internetseite verbessert und ich finde sechs Molkereien in Norwegen, die Brunost herstellen. Die eine liegt in der Nähe von Tromsø, zwei weitere westlich von Jotunheimen, aha, aber hier ist eine, in Tretten, das liegt nördlich von Lillehammer, das wäre ein guter Tagestrip! Geschmückt mit meinem besten Norwegisch setze ich mich also hin und schreibe eine, wie ich finde, sehr sympathische Email an den ebenfalls sympathisch aussehenden Chef der Molkerei und bitte um einen Besuch. Erkläre ihm, dass ich einen wöchentlichen Blog schreibe in dem der braune Käse immer wieder vorkommt (verschweige allerdings meine persönliche Haltung dazu und nein, Sebastian, du darfst jetzt NICHT erzählen, dass ich bei Katharinas Party Waffeln mit brunost gegessen habe…pscht!)

Auf eine Antwort aus Tretten bin ich auf jeden Fall sehr gespannt!

Ihr seht also, ich habe meine Versprechen nicht ganz vergessen und freue mich auf die Tour zum kjerkeberget (oder/und auf galdhøppigen falls mich jemand führt) und in die Molkerei nach Tretten!

***

So, das war es schon für heute, meine lieben Leser! Meine wöchentlichen Grüße gehen dieses Mal nach Berlin an Levin: Willkommen auf der Welt, kleiner Mann, wie schön, dass du da bist!

Uns allen wünsche ich eine tolle Woche, nächsten Dienstag gehen Gesa und ich dem Königspaar ein Ständchen singen, am 9. und 10. Mai feiern Sonja und Harald ihren 80. Geburtstag mit vielen royalen und noch mehr bürgerlichen Gästen auf den Straßen Oslos, in der Oper und an der Festung. Ich werde berichten!

Für heute Tschüß,

ha det,

Schönstes Frühlingswetter an der Bucht in Fornebu

Ulrike

Von nordischen Göttern und Theatergöttern ODER Edda im Norske Teatret

Fimbulvinter-i-Edda

Fotos: LESLIE LESLEY-SPINKS

Wahnsinn.

Hallo, meine lieben Leser, wie schön, dass wir uns hier wieder treffen. Als Theaterkritikerin wäre ich verloren, denn ein, wenn auch begeistertes, “Wahnsinn!” wäre nicht genug für eine ganze Kritik. Und doch ist mir gestern Abend nicht viel anderes eingefallen als erste Reaktion auf Robert Wilsons “Edda” in Det Norske Teatret.

Wer diesen Blog schon länger liest, weiß, dass ich ein großer Fan dieses Theaters bin. Und das, obwohl ich selten mehr als ein Wort verstehe, da alle Stücke auf nynorsk gespielt werden, dieser „anderen“ norwegischen Sprache neben bokmål, die vor allem an der Westküste gesprochen wird. Im Norske Teatret habe ich schon dreieinhalb Stunden “Trauer muss Elektra tragen” miterlebt, ohne ein Wort zu verstehen und war hinterher begeistert.

Gestern nun also „Edda“ und Robert Wilson. Die Edda ist eine Sammlung skandinavischer Helden- und Göttersagen, niedergeschrieben in Island im 13. Jahrhundert. Odin und Frigg, Balder, Loki, Thor und sein Hammer, Heimdall, Tyr, Freya, Volva – willkommen in der nordischen Götterwelt, in der es drüber und drunter geht und die voller schwieriger Namen ist, was gestern Abend häufig zu der verwirrten Frage geführt hat: “War das ein Name oder war das nynorsk?”

Meine Begegnung mit der nordischen Götterwelt beschränkte sich bisher auf Kreuzworträtsel und den Hollywood-Schinken “Thor”, in dem der streitsüchtige Gott von Odin aus dem Götterreich verbannt wird, um auf der Erde zur Vernunft zu kommen. Ein sehr unterhaltsamer Film, aber bis auf einige Rahmenfiguren meilenweit von der Edda entfernt.

Klar.

Dann bekam ich von Martin zum Geburtstag die Nacherzählung einiger nordischer Sagen von Neil Gaiman. Hier las ich zum ersten Mal von Yggdrasil, dem Weltenbaum. Von Niflheim, der dunklen und Muspell, der lodernden Welt. Von Bergelmir und Gjallerhorn, von Embla und Bor, von Midgard und Svadilfari und sobald ich einen Namen gelesen hatte, hatte ich ihn auf der nächsten Seite schon wieder vergessen.

Aber toll klingen sie, oder? Nach Abenteuern und vergangenen Zeiten, nach übermenschlichen Kräften und menschlichen Abgründen und nach einer ganz eigenen Welt.

Wie bei Robert Wilson. Ich will gar nicht versuchen theaterkritisch zu schreiben, das würde in die Hose gehen, aber was ich sagen kann ist: Er hat Bilder auf die Bühne gestellt, da wollte ich nie wieder weggucken. Odin, der auf einer Bühne voller waberndem Nebel auf einem weißen Stuhl sitzt und einen Ast an seiner Seite hat, Volva, die vor einer blaugeleuchteten Wand durch die eisigen Höhen von Jotunheimen zieht – ach, man kann das nicht beschreiben, Ihr müsst das einfach sehen!

Dazu kam der Text von Jon Fosse, der die Edda sozusagen nachgedichtet hat und die Musik von Arvo Pärt und der Indieband CocoRosie, ein fantastisches Ensemble (auch wenn ich manchmal gern in deren Köpfe geguckt hätte…) und ein Publikum, das sich begeistern lassen wollte. Nicht alle, aber viele. Ich wiederhole mich gerne und sage: Ihr müsst das sehen!

Wilson will ein Gesamtkunstwerk aus Licht, Kostüm, Text, Musik und Darstellern schaffen und auch wenn einige Szenen für den nynorsk– und Edda-unwissenden Zuschauer wie mich etwas lang waren, am Ende bleibt nur eines zu sagen:

Wahnsinn.

***

Ich muss auf jeden Fall nochmal in das Stück. Und darum folgt ab jetzt ein Crashkurs in nordischer Mythologie, eine sehr spannende Aufgabe, finde ich. Das Norske Teatret bietet viel Hintergrundwissen zum Stück – natürlich auf nynorsk! Dann tauche ich jetzt ein in die Sagenwelt, wünsche Euch allen eine wunderschöne Woche, genießt den Schnee und/oder den Frühling, lasst Euch mal wieder von Kunst begeistern und vergesst nicht zu lachen!

Ha det,

Ulrike

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Eine Mutter packt aus ODER Elsa, let me go!

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Es ist soweit. Ich werde Kind und Mann nehmen und in die Wildnis ziehen. Weg aus der Zivilisation, weg aus dem Kapitalismus –  weg von FROZEN!

Hallo, meine lieben Leser, wie schön, dass wir uns hier wieder treffen. Jedes kleine Mädchen kommt in die Prinzessinnen-Phase. Das ist nunmal so, das ist irgendwie so drin, da kann man nix machen, nur Augen zu und durch. Cinderella und Schneewittchen, Arielle und dingens hier, die andere Blonde – ach weiß ich jetzt auch nicht, wie die heißt, Mutter verliert den Überblick. Nun kann man von Prinzessinnen halten, was man will, nur entkommen, entkommen tut man ihnen nicht.

Bei uns heißt die Prinzessin der Wahl seit einigen Wochen Elsa.

(Aus dem Film Frozen oder Frost, falls hier irgendwelche Fragen auftauchen sollten.)

Elsa gehört mittlerweile zur Familie, zumindestens bekomme ich das Gefühl, so oft, wie ich täglich mit ihr telefoniere. Die blonde Eisprinzessin hat nämlich tatsächlich magische Kräfte:

Das Kind hat keinen Bock zu baden?

“Ich habe gerade mit Elsa telefoniert, die geht jetzt auch baden.” Tapp tapp tapp und ab in die Wanne hüpft das Kind.

“Diese Augentropfen hat Elsa extra für dich gemacht, warte ich rufe kurz an…ja, du sollst die unbedingt nehmen.” Tropf tropf, fertig.

“Elsa isst total gerne Broccoli.”

Unmöglich, höre ich Euch schreien, diese Art von Manipulation, so geht das gar nicht!!! Aber mal ehrlich – sie erleichtert das Leben ungemein! Sogar unser Hausarzt hat behauptet, er wäre gerade mit Elsa am Telefon gewesen, als der kleine Wirbelwind bei der letzten Untersuchung so gar nicht in die Nähe des Doktors wollte.

Lug und Betrug wohin das Auge blickt.

Das bleibt nicht ungestraft. Natürlich nicht. Denn seit bei uns in der Sorgenfrigata das Prinzessin-Elsa – Fieber ausgebrochen ist, guckt mich die blond-türkise Animationsschönheit in jedem Laden an.  Man kann ihr nicht entkommen: Elsa-Kleider, Elsa-Tasche, Elsa-Puzzle, Elsa-Joghurt, Elsa-Trinkflasche, Elsa-Bücher, Elsa-Muffinformen, Elsa-Aufkleber, Elsa-Stempel, Elsa-Schuhe, Elsa, Elsa, Elsa!!!!!!!!!

Vor einigen Tagen wollte ich dem Kind in Kiel eine neue Frühlingsjacke kaufen. Meine eigentlich kompromissbereite Tochter betritt den Laden, ihr Blick fällt auf eine türkise…naaa?….genau Elsa-Jacke und wir waren fertig mit Shoppen. Also Gesa. Ich habe 30 Minuten lang den albernen Versuch unternommen, sie von ihrer Entscheidung abzubringen und präsentierte zahlreiche andere Jackenmodelle.

“Mamma, die für BABIES!” bekam ich als Antwort.

Ja und heute im Kindergarten war sie der ungekrönte Star des Tages mit ihrer neuen Elsa-Jacke.

Und hier nun meine verzweifelte Bitte an Disney:

STOOOOOOOOOOOPPPPPPPPPPPPP!

Ich möchte nicht in die Wildnis ziehen!

Ich will der Zivilisation nicht den Rücken kehren!

Ich mag Kapitalismus!!

Hört auf, alles was nicht bei drei auf dem Baum ist, mit der blonden Eisprinzessin zu verzieren oder mit Anna oder Kristoffer oder Sven oder Olaf oder…

WIESO KENNE ICH ALLE DIESE NAMEN, OBWOHL ICH DEN FILM NOCH NIE GESEHEN HABE???????

***

“Naja, du MUSST das ja nicht kaufen.”

Gewissen, du hast mir gerade noch gefehlt.

“Kuckuck. Oder soll ich sagen: Let it go?”

Du fliegst jetzt raus.

***

Klar, natürlich muss man diese Sachen überhaupt nicht kaufen. Klar, toller pädagogischer Ansatz. Besonders bei einer Zweijährigen mit Trotzphase, die händelt das prima, wenn wir im Supermarkt an gefühlten fünfhundert Elsa-Produkten vorbeifahren und ich permanent sage: “Nein.”

Ich mache das.

Natürlich.

Immer dann, wenn ich zwei Valium dabei habe. Dann bin ich Mrs. Konsequenz. An den anderen Tagen nicht. Meine neueste Idee war: Ich kaufe gaaaaaanz viel von Elsa und es wird Gesa irgendwann langweilig.

*räusper*

Deshalb also die einzige Möglichgkeit: Wir steigen aus. Es war schön mit Euch, liebe Leser, vergesst mich nicht und falls irgendwann die Zeit kommt, in der blonde Eisprinzessinnen aus der Mode sind – schickt mir einen Brief, eine Taube oder kommt persönlich vorbei und sagt mir Bescheid.

Ha det,

UlrikeDiadem

Ulrike

„Hammermäßig“ hat Premiere ODER Deutsches Theater in Oslo

Kein automatischer Alternativtext verfügbar.

Hallo, meine lieben Leser, wie schön, dass wir uns hier wieder treffen! Wer von Euch diesen Blog schon länger verfolgt, weiß, dass ich im April schlumperig werde mit den Artikeln. Seit vier Jahren ist nämlich im April Premiere unserer Theatergruppe! Und ganz ehrlich – da schaffe ich es nicht, einen Artikel für den Blog zu schreiben….SHAME ON ME!!!!!

Aber so ganz ohne Grüße wollte ich Euch für zwei Wochen auch nicht lassen – hinterher kündigt Ihr mir die Freundschaft und dann sitze ich hier allein. Das wäre doof!!!

Wir sind also in der heißen Endprobenphase, heute Abend ist Generalprobe und es ist, klar, alles extrem spannend!!! Vor allem, da wir dieses Jahr unser Stück selber geschrieben haben. DAS ist für mich dieses Jahr der Hammer, die Entwicklung von „Hm, wir sollten was zum Luther-Jahr machen…..“ hin zu „Hammermäßig – Eine Revue durch Luthers Zeiten“ mit zwei Vorstellungen in Oslo und einem Gastspiel in Göteborg. Irre, plötzlich nehmen Gestalten und Texte Leben an und bewegen sich bunt, laut und witzig über die Bühne.

Tja und irgendwann waren die Szenen fertig. Ihr wollt wissen, worum es geht? Hier unsere Ankündigung:

„Ein kurfürstlicher Ausrufer mit mütterlichem Schutz, ein eitler Ablasshändler mit schlaffen Waden und ein gestresster Reformator, der eigentlich lieber kochen will: Willkommen im Wittenberg des 16. Jahrhunderts!
Natürlich müsse man etwas zum Lutherjahr machen, hatten die Mitglieder der Theatergruppe im letzten Jahr entschieden. Nur was? Es fand sich kein Stück, das zu der ironisch-unterhaltsamen Art der Kleinen Deutschen Szene passte.
“Dann schreiben wir eben selbst ein Stück!”
Gesagt, getan. Es folgten viele Treffen, in denen die Köpfe rauchten und das Zwerchfell vibrierte. Vieles wurde geschrieben, vieles wieder gestrichen, aber irgendwann – endlich!!! – war das Stück fertig.
“Hammermäßig! – Eine Reise-Revue durch Luthers Zeiten!” lautet das Ergebnis und nimmt die Zuschauer mit in den Alltag des 16. Jahrhunderts – und der ist amüsanter, als man denkt! Zusammen mit der Musik von Erik Gøthesen erwartet Euch ein bunter, witziger und manchmal nicht ganz jugendfreier Abend. Mit viel Humor – und und noch mehr Fantasie – erzählen die Darsteller Geschichten rund um den Thesenanschlag, die so garantiert nicht stattgefunden haben.
Oder vielleicht doch?“

Also, ich würde hingehen 🙂

Wer Sonntag noch nichts vorhat (die Vorstellung am Samstag ist ausverkauft) kommt gerne um 19 Uhr in die Deutsche Gemeinde!

Und nächste Woche gibt es wieder einen richtigen Artikel – versprochen!

Ha det, Ulrike 🙂

LutherGöteborgSchwarzWeiss300dpi

(Die (leider auf dem Foto nicht komplette) Kleine Deutsche Szene Oslo)

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Jeg velger meg april! ODER Frühlingsgrüße aus Oslo…

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Jeg velger meg april
I den det gamle faller,
i den det ny får feste;
det volder litt rabalder,-
dog fred er ei det beste,
men at man noe vil.

Jeg velger meg april,
fordi den stormer, feier,
fordi den smiler, smelter,
fordi den evner eier,
fordi den krefter velter,-
i den blir somren til!

Hallo, meine lieben Leser, wie schön, dass wir uns hier wieder treffen! Der Frühling kommt mit Riesenschritten und auch wenn meine Nachbarn das Haus mit Skiern über der Schulter verlassen, auch wenn jetzt am Wochenende Biathlon World Cup am Holmenkollen ist – ich bin in Frühlingsstimmung. Und zwar ganz genau so, wie Bjørnson das in seinem Gedicht beschreibt. Für mich stürmt und fegt, lächelt und schmeckt, umstürzt und lärmt nicht nur der April sondern der ganze Frühling.

Geht Euch das auch so?

Alles fängt von vorne an und ich bin voller Energie! Habe Lust auf Abenteuer, unzählige Ideen für neue Theaterprojekte, will reisen und lachen und einfach auf und los und weg…oder hin…wie man es eben nimmt! Und da mich bisher immer noch niemand anstellen will (echt deren Verlust, seien wir mal ehrlich ;)…) habe ich auch alle Zeit der Welt, um meine Ideen in die Tat umzusetzen. Das Tolle an Oslo ist für mich: Ich habe hier in den letzten fünf Jahren so viele Projekte starten und Ideen umsetzen können. Niemand hält mich ab, im Gegenteil, es finden sich lauter gutgelaunte Menschen, die sich beteiligen.

Und während also die Norweger glücklich ihr ute-pils genießen, das Straßenleben erwacht und die Sonne vom Himmel strahlt, tüftle ich über meinen Kulturideen. Das ist echter  Luxus, glaubt mir, das weiß ich! Das Neue (also auch eine neue Idee) wird gefeiert, schreibt Bjørnson und recht hat er. Ich bin ja nicht gerade als Lyrik-Fan unterwegs, aber manchmal treffen Gedichte ein Gefühl so genau, dass es mich fast umhaut. Rilke kann das bei mir, Mascha Kaléko oder die wunderbare Dorothy Parker. Rilkes Satz “In meinen Armen schlafen Wälder ein” gibt mir jedes Mal eine Gänsehaut. Ha, und schon habe ich ein neues Projekt für mich selbst: Mehr Gedichte lesen, wer weiß, was an Gänsehaut da draußen auf mich wartet! Hm… und dann vielleicht eine Fotoausstellung mit Gedichten!

Ob Bjørnson auch zum Frühjahrsputz motiviert? Es gibt Menschen, die putzen gerne – mir muss man eine große Belohnung versprechen oder mich währenddessen mit Gummibärchen bei Laune halten. Aber vielleicht schafft der norwegische Nationaldichter ja das Wunder und ich rücke frühlingsenthusiastisch mit Lappen und Eimer dem Winterschmutz zu Leibe. Denn schließlich soll auch hier drinnen Frühling sein. Nille und Clas Ohlson überbieten sich mit gut in Sichthöhe platzierten Putzartikeln, deren Verpackungen frühlingshaft rosa und lindgrün sind und fast Lust auf Putzen machen. (Naja, eine Tüte Gummibärchen daneben würde noch besser wirken!)

Und so schwelge ich also durch diesen frühlingshaften Freitagmorgen und schicke Euch allen, egal wo Ihr seid, die wunderbarste norwegische Frühlingssonne.

Jeg velger meg april,
fordi den stormer, feier,
fordi den smiler, smelter,
fordi den evner eier,
fordi den krefter velter,-
i den blir somren til!

***

Das war es für heute, meine lieben Leser. Ich wünsche uns allen eine wunderbare Woche und schicke beste Wünsche an alle, die selbst der Frühling im Moment nicht trösten kann.

In der Kleinen Deutschen Szene Oslo steigt die Aufregung, denn in knapp zwei Wochen ist Premiere und nach einer sehr geglückten musikalischen Probe gestern freue ich mich noch mehr auf unsere Aufführungen am 1. und 2. April. In der Rasselbande, der Kindergruppe in der Deutschen Gemeinde, haben wir den Frühling schon gefeiert und ich freue mich auf viele weitere Treffen mit diesem lustigen, lauten, bunten Haufen. Hier Zuhause freue ich mich auf unsere Fahrt mit der Color Line, auf lange Touren in Wald und Feld und über ein quasseliges, wirbelwindiges Wunder, dessen Lieblingswort im Moment “Puuups!” ist.

Ob ich das irgendwie auf “Frühling” ändern kann? – Nee, oder? Langweilig!!! Und Langeweile wollen wir im Frühling nicht!

In diesem Sinne: Seid stürmisch und mutig, verliebt und vergnügt, kreativ und neugierig. Es ist Frühling!

Ha det,

Jeg velger meg

Ulrike (und ab geht es nach draußen!)

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