Ein Abend im Sportstudio in Oslo ODER Schweinehund ade!!

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Aua.

Warum kann ich meinem Computer keine Texte diktieren?

Aua.

Warum strapaziert Tippen die Oberarmmuskeln?

Aua.

Und warum, Frage aller Fragen, habe ich mich gestern freiwillig derartig quälen lassen, dass mein Körper heute lautstark protestiert???

AUA!

Hallo, meine hoffentlich muskelungeschädigten Leser, schön, dass wir uns hier wieder treffen. Als allererstes wünsche ich Euch ein wunderbares neues Jahr, mit vielen schönen Erlebnissen, positiven Begegnungen und erfüllten Wünschen und Plänen. – Ich habe einen meiner Pläne für 2014 gestern Abend in die Tat umgesetzt: Ich war im Fitnessstudio.

HA! Wie harmlos das klingt – Fitnessstudio. Dabei sollte man den drei „s“ Beachtung schenken, die heimtückisch wie ein gefährliches Reptil zischen und von der Gefahr künden, die harmlose, unsportliche Debütanten in ihren Hallen erwartet.

Seit längerer Zeit bin ich bereits Mitglied im SATS Sportstudio, dessen oranges Logo den positiven Ausschlag für meine Wahl gegeben hatte. Ja, ich bin eine Frau, ich darf das – auch bei Autos und Fußballteams zählen bei mir rein farboptische Gründe – was denn sonst? SATS also. Allein die Vorstellung, dass ich Mitglied in einem Sportstudio werde, wäre vor unserer Zeit in Oslo noch absolut lächerlich gewesen, aber wie ich bereits erwähnte, ist Oslo das Mekka der norwegischen Sportbewegung und irgendwann packt es jeden. So auch mich. Außerdem zeigt meine Waage seit einigen Monaten ein paar Kilo an, die definitiv überflüssig sind und denen wurde nun der Kampf angesagt.

Aua.

Oslo hat verschiedene Sportstudios: SATS, Elixia, Fresh Fitness, fitnessexpress, um nur einige zu nennen. Die Auswahl ist groß, die Nachfrage auch und Neulinge werden herzlich begrüßt. Totale Neulinge, wie ich, sind dabei aber anscheinend die Ausnahme.

„Du warst noch nie in einem Fitnessstudio?“

„Äh, nein.“

„Also, noch nie, in deinem ganzen Leben?“

„Ja, also nein. Nein, nie.“

(Um meine Ehre zu retten, die sich unter dem Tisch verstecken wollte, fügte ich hinzu:)

„Aber JETZT bin ich ja da!“

„Aber vorher…NOCH NIE??“

„Nope.“

„Du bist 41!“

„Ja, ich bin 41, war noch nie an irgendwelchen Geräten und wenn du hier so weiter fragst, bezweifle ich, dass sich das jemals ändern wird!!!“

Die ersten fünf Minuten meiner Gratis-Trainerstunde hatten, ohne sportliche Betätigung, meinen Blutdruck bereits in die Höhe getrieben. Während mein irritierter Trainer mein Sportprogramm am Computer zusammenstellte, blickte ich mich um.

Wow, sahen die alle sportlich aus. Durchtrainierte, schweißschimmernde junge Norweger trabten auf Laufbändern lachend vor sich hin, hingen athletisch konsequent an Sprossenwänden und stemmten Eisengewichte so lässig wie ich meine Kaffeetasse. Wo war denn hier die Anfängergruppe? Beim Skilaufen gibt es doch auch den Idiotenhügel, hier muss es doch auch so eine Art abgesperrten Bezirk…für Leute wie mich….oder….?

Nein, immer rein ins Vergnügen. Kurze Zeit später saß ich an Foltermaschine 1 zur Stärkung meiner Beinmuskeln. Vor mir ein rotgesichtiger Norweger, der bei den letzten beiden Hebungen fast in Tränen ausbrach. Kein Wunder, der stemmte 75 Kilo!!!

Ich 10.

Bildete ich mir das ein, oder sahen die Stecklöcher bei den Gewichten unter 20 Kilo jungfräulich aus? Gerade wechselte O., mein Trainer, den Stecker auf 15 Kilo, weil „es aussieht, als seien 10 Kilo zu leicht für dich.“

BOAH!!! STEEEMMM!

„Da habe ich mich wohl getäuscht.“

Ich konnte nur nicken.

Von Gerät zu Gerät arbeiteten wir uns und nach und nach nahm meine Unsicherheit ab. Niemand der anderen Besucher schien sich auch nur einen Deut für die Verrenkungen zu interessieren, die ich da vollführte. Selbst als ich im Pumpraum vor dem Spiegel zwischen lauter ernstzunehmenden Gewichtehebern meine 5 Kilo stemmte und mich weit weg wünschte – nichts, kein Blick, kein Grinsen. Toll. Nur O. schenkte mir Aufmerksamkeit und erzählte mir von irgendwelchen Muskeln, die parallel zu anderen Körperteilen liegen sollten, von Sehnen, die es zu schützen und Füßen, die es zu strecken galt. Ich nickte brav und wollte nach Hause.

O. muss das geahnt haben und strafte mich für meine fehlende Begeisterung mit Sit ups.

Ich HASSE Sit ups. Kennt Ihr die? Gemütlich liegt man auf dem Rücken und soll dann den Oberkörper heben – ohne sich abzustützen. Wozu habe ich denn zwei Arme an mir rumhängen? Die wollen auch mitspielen. Nee, dürfen sie nicht. Sagte ich schon? Ich hasse Sit ups! Oder sagen wir besser: Ich hasse es, mir selber Schmerzen zuzufügen. Mal ganz ehrlich, wer macht das gerne? Ich warte auf den Tag, wo man überflüssige Pfunde mit ganz viel Spaß und ohne jegliche Anstrengung verlieren kann (und ohne Fettabsaugen!). Einfach so beim Spazierengehen beispielsweise – das wäre doch toll. Noch besser wäre es natürlich auf dem Sofa, aber ich will mal nicht nach den Sternen greifen. Den Gedanken, sich selber quälen zu müssen, sich gar quälen zu WOLLEN, finde ich absurd.

Und verzog mein Gesicht bei der Ankündigung von Sit ups.

Nun wäre so ein persönlicher Trainer natürlich unnütz, hätte er nicht die richtige Medizin für störrische Kunden auf Lager. O., dem ich vorher mein halbes Leben erzählen musste, begann also plötzlich von Paris zu schwärmen…

„Paris!“, keuchte ich, „Ich liebe Paris!“

Sit up.

„Parles-tu français aussi? “ – „Mais oui!“

Sit up.

So sit upten und parlaverten wir uns auf Französisch durch die kommenden 15 Sit ups und am Ende war ich gutgelaunt und schon viel durchtrainierter. Fand ich. Überhaupt begann es Spaß zu machen, nachdem mein Körper langsam verstanden hatte, was ich von ihm wollte. Und er das gar nicht so übel fand.

Nach 45 Minuten fiel ich völlig unelegant auf den nächstbesten Stuhl, griff in eine der zahlreichen Obstkisten, die strategisch über das Studio verteilt standen und war ganz unglaublich stolz auf mich. O. werkelte noch an meinem Trainingsplan herum, verordnete mir 2x wöchentlich Training plus einmal „Spinning“, Indoor-Radfahren in der Gruppe.

BRÜLL!!!!!!

HAHA!!!!

INDOOR-RADFAHREN!!!!!!!!!!!!!!!!

IN!

DER!

GRUPPE!!!!!!

BRÜLL!!!

Nee, mach ich, klar.

Dienstag, 7.1. 11.15 Uhr – ich bin schon angemeldet.

Ich schleppte mich und meinen Rucksack (nächstes Mal: Schloss für die Schränke mitbringen!) zurück in den Umkleideraum, setzte mich auf eine der gepolsterten Bänke und sah mich um. Vor lauter Aufregung war vorher dafür keine Zeit gewesen. Folgende Dinge fielen mir auf:

1. Kontakt scheint unerwünscht. Im Umkleidebereich waren mindestens 15 Frauen – aber niemand unterhielt sich miteinander. Das werde ich ändern. Falls ich hinterher noch sprechen kann.

2. Manche meiner Sportkolleginnen verbringen ungefähr dieselbe Zeit an Geräten wie vorher vor dem Spiegel. Unglaublich, wie viele Arten es gibt, einen Pferdeschwanz zu binden. Zu flechten. Nein, doch lieber hochzustecken. Ich werde mir eine Perücke anschaffen müssen, um hier mithalten zu können. Nee, will ich gar nicht. Zugucken ist viel besser.

3. Kleidungsmäßig war ich auf einer Linie mit meinen Muskelfreundinnen. Die schwarze Laufhose trug ich schon beim Ankommen, lässig ergänzt von Gummistiefeln und Daunenwinterjacke. Typischer Oslo-West-Aufzug. Nur die Haare eben….

4. Die meisten hatten ihr smartphone oder den ipod dabei und Kopfhörer hingen entweder um den Hals oder waren im Ohr verstaut. Hm. Ich bin kein Fan von Music-on-the-go, besitze keinen ipod und habe ihn auch nie vermisst. Kopfhörer finde ich unkomfortabel und außerdem höre ich ja gar nicht, was andere Leute sagen, wenn ich die Dinger im Ohr habe. Hm. Och, macht nix. Zuviel Konformität ist ja auch schädlich. Wer immer wie alle anderen sein will und Angst davor hat, aufzufallen, der vergisst irgendwann, wer er selber ist und wird zu einer inhaltslosen, unauffälligen Kopie. Schade drum, denn, wie schon Monty Python wusste: „Wir sind alle Individuen!“ – „Ich nicht!“ (Kleines Triviaquiz: Aus welchem Film stammt das wunderbare Zitat?)

Mehr fiel mir auf die Schnelle nicht ein, als ich mich umsah, aber ich bin auf die nächsten Besuche gespannt. Diesmal war ich mit der Abendcrew unterwegs, ab kommender Woche werde ich aber immer vormittags sportlich sein. Erstens kann ich mir das glücklicherweise so einrichten und außerdem gefällt es mir auch besser. Mal sehen, was dann für Leute diese heiligen Hallen bevölkern werden. Für heute verabschiedete ich mich: Ich zog die blauen Schuhtüten über meine Gummistiefel, stieg, leise stöhnend, die Stufen zum Eingangsbereich hoch, entsorgte die Schuhsäcke und humpelte zum Ausgang. Der Regen hatte zugenommen. Und mit den Worten von Theaterkritiker Friedrich Luft, nachdem er aus einer Berliner Premiere kam,  klagte ich: „Auch das noch.“ Und wanderte langsam nach Hause.

So, meine lieben, hoffentlich unversehrten Leser, das war es für heute. Mein Muskelkater und ich werden aufs Sofa gehen und uns pflegen. Was hat der ganze Blog heute denn überhaupt mit Norwegen zu tun? höre ich die Kritiker fragen.

Tja.

Nicht so viel.

Obwohl: Ich war in einem norwegischen Fitnessstudio in Oslo, mit meiner norwegischen Sporthose und in Norwegen gekauften Sportschuhen und habe an norwegischen Weintrauben geknabbert.

Immerhin! Und wann immer Ihr nach Oslo kommt, oder schon hier seid und ein Fitnessstudio sucht, habt Ihr jetzt ein paar Infos dazu.

Das ist doch toll.

Das muss doch reichen!

Nächsten Montag sehen mich die Folterhallen wieder, diesmal bin ich dann auf mich allein gestellt und erinnere hoffentlich alles, was O., mein Parisliebhaber, mir erklärt hat. Ansonsten frage ich einfach einen fast platzenden Superstemmer vor mir und freue mich auf seinen Blick, wenn er meine 10-Kilo-Gewichte sieht.

Euch allen, meine lieben Leser, wünsche ich eine tolle Woche, probiert mal wieder etwas Neues aus, setzt Eure guten Vorsätze in die Tat um und kämpft gegen Euren inneren Schweinehund. Es lohnt sich! Danke an alle, die sich am Jahresrückblicks-Quiz beteiligt haben, ich war total baff, wie fix die ersten drei richtigen Einsendungen kamen. Ein großes Hipphipphurrah an Yasmin, Ute und Imke aber auch an alle anderen, die Lösungen geschickt haben. Nachdem ich das Limit auf zehn Karten hochgesetzt habe, ist jetzt noch ein Platz frei, also schickt mir Eure Lösungen!

Jeg ønsker dere et riktig godt nytt år!

Ha det bra,

Danach.

Danach. Live-Fotos wollte ich Euch ersparen. Und mir.

Ulrike

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8 Kommentare zu “Ein Abend im Sportstudio in Oslo ODER Schweinehund ade!!

  1. Ich könnte dem Club der noch-nie-in-meinem-Leben-war-ich-im-Fitnessstudio leider nur fast beitreten… Aber du animierst mich zu einem Bericht über meinen einmaligen Ausflug in den Roman Sports Club 😉

  2. ohjee! Einmal Bedauern „oooooooooooooooooooooooooh“
    Ansonsten habe ich mich über deinen Bericht, grad zum Spinning-Kurs, köstlich amüsiert. Herzerfrischend!
    Ich wünsche Dir ganz viel Erfolg und Durchhaltevermögen. Mein Lieblingsgerät war und bleibt wohl der Crosstrainer… und ich gedenke ihn in diesem Jahr nicht so sehr zustauben zu lassen… 😉
    Liebe Grüße und ein frohes und gesundes neues Jahr!

  3. Halt durch und uns auf dem Laufenden. War richtig anstrengend heute, Deinen Blog auf meinem Fernsehsofa zu lesen, musste permanent meinen Kopf heben, hoffentlich gibt das keinen Muskelkater!!!
    🙂

  4. Hallo meine Lieblingsnorwegerin,
    du warst vorher wirklich noch nie in der Muckibude?
    Kannst du dir vorstellen, das sogar ich hingegangen bin? Beim nächsten Besuch in Oslo können wir ja mal zusammen die Gewichte durch die Gegend tragen.
    Also, bis bald, Volker….

  5. Push-up wääääre ja auch möglich, aber sicher 3 x anstrengender als Sit-ups .) Ansonsten sage ich auch „aua“, und zwar vom Lachen!

  6. Yeah! ‚Das Leben des Brian!!!‘ *ichweißauchwas* 😀
    Und ich kann dir deine Sportstudio-Erfahrung total nachfühlen – ich bin Ende 40 und habe vor ein paar Monaten zum allerersten Mal so einen Fitnesstempel betreten…
    Halte durch, irgendwann werden sie dir zunicken, deine Sportkolleginnen… :mrgreen:

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