Majorstuen singt: Let it snow oder Warum ist es im Erzgebirge soviel kälter?

Das hat es in diesem Blog auch noch nicht gegeben: Ich habe einen Artikel auf der Hälfte gestoppt, alles markiert und gelöscht. Geplant hatte ich einen Text über den klirrenden Winter hier in Oslo. Da momentan jedes Gespräch in der norwegischen Hauptstadt mit „Herregud, det er veldig kaldt!“ beginnt ist das ein legitimes Thema, dachte ich.  Doch dann sah ich den Wetterbericht für Deutschland, der von -17° Nachttemperatur im Erzgebirge berichtete und für weite Teile der Republik weiteren Schneefall ankündigt. WEITEREN Schneefall.

Schnee?

Haben wir nicht.

-17°?

Haben wir nicht.

Wovon also genau wollte ich erzählen???

Das kann doch aber nicht sein!!! Wir leben in NORWEGEN!!! Gut, ja, wir hatten in den letzten Tagen regelmäßig -16°. Ok, ich trage ein Doppelpaar Socken und noch weitere wollene, wärmende Schichten beim Rausgehen. Ja, ich muss aufgrund der zusätzlichen Kleidungsschicht immer 20 Minuten früher aufstehen, um pünktlich zu sein.

Aber wem erzähl ich das?

BEI EUCH LIEGT SCHNEE!

Hier ist der Frognerpark mit einer weißen Pseudoschicht überzogen. Irgendwo weiter oben in Oslo soll zwar mehr Schnee liegen, aber ich muss ganz ehrlich zugeben: Ich bin enttäuscht bisher! Schickt mir also Eure Schneebilder und Wintererlebnisse aus Deutschland ins fast schneefreie Majorstuen.

Lächerlich. Mal ehrlich.

Da haben es Blogger viel einfacher, die aus Südamerika stammen, aus Afrika oder Mexiko. DIE haben jetzt trotzallem etwas zu erzählen. DIE können Familie und Freunde mit haarsträubenden Geschichten über den Winter ( „¿Qué es WINTER?“) aus dem fernen Land am Rand der Arktik begeistern. Ich stelle wieder einmal fest: Norwegen und Deutschland sind sich einfach zu ähnlich. Nein, das ist falsch gesagt. OSLO und Deutschland sind sich ähnlich. Für die anderen Landesteile kann und will ich das nicht sagen, vermute aber, dass es zwischen Nord-Norwegen und Deutschland gravierende Unterschiede gibt.

Die haben da oben mehr Schnee!

Und kälter ist es auch!

Die tiefste, jemals gemessene Temperatur in Norwegen stammt aus der Finnmark. Im Januar 1886 wurden in Karasjok – 51,4° Grad gemessen. HA! Take that Erzgebirge! Nicht, dass ich irgendeine Form von Wettstreit starten will. Neeeeinnnnn. Aber ich hatte schon vor, Euch mit Geschichten aus dem klirrenden Winter Norwegens zu überraschen.

WIE SOLL DAS GEHEN, WENN IHR NICHT MITMACHT???

Ehrlich. Nun haltet Euch mal zurück.

Besonders Ihr da im Erzgebirge.

Wo war ich?

Ähnlichkeiten, genau.

Hier ein paar aktuelle Dinge, die ähnlich sind zwischen Norwegen und Deutschland (um weitere wird in den Kommentaren gebeten!):

  • Adventskranz
  • Adventskalender
  • Marzipan
  • Weihnachtsmarkt
  • Rotkohl (den gab es in Frankreich beispielsweise im Regal für „Ethnic Food“)
  • Sprache (manchmal wirkt Norwegisch wie ein deutscher Dialekt, was sind beispielsweise „Strømpebukse“?)

Es sind nur Kleinigkeiten, aber sie wecken in mir das Gefühl von Heimat, das ich noch in keinem anderen Land so schnell verspürt habe. Und doch finden sich überall kleine, feine Unterschiede:

  1. Der norwegische Adventskranz wird bevorzugt mit lila Kerzen bestückt. Das ist keine farbliche Modeerscheinung: Ähnlich wie die Fastenzeit vor Ostern, gilt der Advent als Vorbereitungs-, Umkehr- und Bußzeit (beim Blick in den Supermarkt mag das allerdings niemand glauben). Die Menschen bereiten sich auf das Weihnachtsfest vor. Eine derartige Zeit im Jahr wird in den Kirche durch die liturgische Farbe Lila dargestellt. Voilá: Lila Kerzen auf dem Adventskranz.
  2. Marzipan. Wo die deutschen Schleckermäuler Marzipankartoffeln und Marzipanbrote schlemmen, gibt es in Norwegen eine ganz wichtige Marzipanfigur: Das Julegris. Ein kleines, aus Marzipan gefertigtes Schwein, das derjenige als Trophäe bekommt, der die Mandel im Weihnachtsmilchbrei findet.
  3. Weihnachtsmarkt in Oslo. Ich sage nur: Komplett Alkoholfrei.
  4. Sprache.     Von „Strømpebukse“ auf Strumpfhose zu kommen, in „Julemarked“ den „Weihnachtsmarkt“ zu erkennen oder von „Herregud“ auf „Herrgott“ zu übersetzen, ist möglich. Was aber sind „skøyte“, „lue“ oder „vinterdekk“? Und warum spricht meine Bekannte „votter“, wie „vanter“ aus und lässt mich ratlos stehen, obwohl ich das Wort „votter“ verstehe? Und wie ist es möglich, dass die Bedienung im „Jacobs Aall“ gestern sofort auf Englisch umstellt, nachdem ich magere zwei Worte gesagt hatte? Fragen über Fragen.

So findet sich überall in der Stadt Bekanntes und Vertrautes, Neues und Ungewohntes. Aber das macht das Leben im Ausland jeden Tag spannend.

So, wo ist jetzt der SCHNEE?????

Nachdem seit Wochen die satirische Hilfsaktion der norwegischen Studentengruppe SAIH „Radiatoren für Norwegen“ das Internet amüsiert,

http://www.youtube.com/watch?v=oJLqyuxm96k

bitte ICH nun um Schneespenden. Schnee für Norwegen klingt wie Eulen nach Athen tragen. Seltsame Welt.

Das war es schon für heute, meine lieben glorreichen Sieben im Schnee! Das Wochenende lockt mit einer „Extravaganza Weihnachtsfeier“, einer Keller-Entrümpelungsaktion (unglaublich, was sich in 8 Monaten ansammelt), einer langen (und hoffentlich erfolgreichen) Schreibsitzung für die ersten Szenen zum Theaterabend „Grimm Reloaded“ oder „Grimm 2013“ und einem hoffentlich sonnigen Spaziergang! Meine wöchentlichen Grüße gehen heute an meinen wunderbaren „partner in crime and love“ Martin, der letzte Woche befördert wurde, was mich ganz stolz macht. Well done, you!

Ich wünsche Euch allen eine wunderbare Woche mit Tannenduft und Lebkuchen, Schlitten fahren und Schneeballschlacht, warmen Füßen und Kaminfeuer. Genießt die Zeit, kommt mal zur Ruhe und lasst Euch das Marzipanbrot schmecken.

Ha det bra,

blog1

(Nikolauspaket meiner wunderbaren „Mutta“, noch ein Stück Heimat, das in die Fremde kam)

Ulrike

 

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5 Kommentare zu “Majorstuen singt: Let it snow oder Warum ist es im Erzgebirge soviel kälter?

  1. Ach Ulli,
    das hast du wieder einmal wunderschön geschrieben! Vielen Dank!

    Und für Martin ein dreifaches Hipp Hipp Hurra! Herzlichen Glückwunsch! 🙂

  2. Schick dir gerne etwas Schnee, hier schmeisst’s gerade durchgehend. Zur Zeit aber zu dunkel für Fotos.
    Auch von hier Glückwunsch zur Beförderung!

  3. Endlich Wochenende – und wie immer spannende „news“ aus Oslo.
    Danke Ulli, weiter so. Auch von uns Glückwünsche an Martin. Euch allen einen schönen 2. Advent
    PS: morgen soll’s wieder schneien.

  4. Kleiner Trost: AUCH IN RUSSLAND – d.h. in Sotschi, wo heute das Skispringen stattfand (das wir natürlich gesehen haben) – liegt nicht ein Hauch von Schnee und dort waren heute Mittag 12° plus. Dieter und ich freuen uns jeden Freitag auf Deine amüsante Berichterstattung!! Mutta-Kuss

  5. Hallo Ulli,
    gedulde Dich noch ein bißchen, morgen soll es schneien. Und im Mai wirst auch Du mehr als genug Schnee gesehen haben und froh sein, wenn die weiße (oder bis dann eher graue) Pracht dahin geschmolzen ist. Übrigens habe ich heute herausgefunden, dass man mit dem Zug bis Movatn fahren kann (Gjøvikbanen) und dort gibt es sogar schon genug Schnee zum Langlaufen. Und das beste: Movatn befindet sich noch im Stadtgebiet Oslo (Zone 1). 🙂
    Liebe Grüße und bis hoffentlich morgen auf dem Weihnachtsmarkt!
    Eva
    P.S. Es gibt dieses Jahr übrigens Alkohol auf dem Weihnachtsmarkt in der Karl-Johansgate: In einem abgetrennten Bereich (Zaun muss sein) und für 70 NOK pro Tasse. Also hoch die Tassen und auf Martins Beförderung angestoßen! 🙂

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