Geschichten aus Majorstuen Teil 1 oder Immer schön nach unten gucken!

Das Leben ist eine Baustelle. Da ist was Wahres dran. Irgendwo im Leben gibt es immer was zu verbessern, zu verändern, manchmal wird angebaut oder irgendwo stürzen Mauern ein. Auch in Oslo ist das Leben eine Baustelle.

Im wahrsten Sinn des Wortes.

Hier wird gebaggert, geteert, aufgerissen und zugeschmissen, verlegt, gebohrt, gemixt.

Und das noch bis 2014. Mindestens.

Hallo, meine lieben Bauarbeiter, wie schön, dass wir uns hier wieder treffen. Kalt ist es geworden und glatt ist es geworden. In den höher gelegenen Wohngebieten Oslos stapfen die Anwohner durch knöchelhohen Schnee, während wir hier im Zentrum sehnsüchtig jeder Schneeflocke hinterher blicken. Zu lange darf der Blick allerdings nicht dauern, denn in Majorstuen oder in Oslo Zentrum muss der Blick vor allem in eine Richtung gehen: Nach unten. Wer will schon gern in ein Bauloch fallen?

Irgendjemand in der Oslo Kommune muss Langeweile haben. Oder die Bauarbeiter haben Arbeitsdrang. Oder der Oil Fund, den die norwegische Regierung für schlechte Zeiten angelegt hat, läuft über und wird teilweise in die Straßenwirtschaft gesteckt. Auch die 200-Jahrfeier Norwegens 2014 wirft ihre königlichen Schatten voraus. Ihr verdanken wir die Megabaustelle neben der Oper, auf der ein gläsernes Designhochhaus nach dem anderen entsteht.

Woran es auch immer liegt, es wird gebaut in Oslo. Und zwar immens.

Die uns am stärksten betreffende Baustelle zieht sich langsam aber stetig den Bogstadtveien hinauf. Das Shoppen an dieser beliebten und exklusiven Einkaufsmeile erinnert momentan mehr an ein Hindernisrennen und verlangt vom tütenbeladenen Fussgänger ein Hochmass an Konzentration, Sportlichkeit und Orientierungsvermögen. Nicht selten passiert ist, dass neongrün-rote Absperrungen den Weg vorgeben, dann aber mitten auf der Baustelle enden. In einer Sackgasse. Anscheinend komplette Fußwege brechen unerwartet auf und zwingen zum Vollkörperstopp. Mannshohe Bürgersteige versperren hüftgeschädigten Senioren den Weg zum Supermarkt und Mütter mit Kinderkarren wurden schon seit Monaten nicht mehr gesichtet.

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Noch bis November 2013 soll der Spaß dauern und dann, ja dann, soll alles besser sein: Breitere Straßen, neue Bäume und weniger Vibrationen durch vorbeiratternde Straßenbahnen. Aber das Tollste wisst Ihr noch nicht: Der Bogstadveien bekommt Fußbodenheizung!

Doch, doch sowas gibt’s in Oslo!

EHRLICH!

Ich wollte es auch erst nicht glauben, aber nachdem ich vom vereisten Majorstuveien in die Innenstadt fuhr und auf der völlig eisfreien Karl Johans Gate ankam, bin ich ein absoluter Fan von  Bürgersteigheizungen. (Es gibt unter Garantie einen Fachbegriff dafür, aber was bin: Das interaktive Baulexikon?) Und so sehen die Bürgersteige unter dem Asphalt dann aus:

IMAG0672

Toll, oder? Und so soll es aussehen, wenn alles fertig ist:

http://www.bogstadveien.no/

Sehr schön.

Und so ökologisch.

Besonders die beheizten Bürgersteige. Ganz prima.

Man spart das menschliche Kraftpotential, das zum Sand streuen oder Eis hacken nötig gewesen wäre, und nutzt dafür den ja so überwältigend zur Verfügung stehenden Strom. In Reykjavik wird dafür kochendes Wasser benutzt, das die Natur dank Erdwärme den Isländern gratis zur Verfügung stellt. In Oslo bestimmt nicht. Wer sich im Bauleben auskennt und weiß, wie die Fernwärme erzeugt wird, wird gebeten, einen Kommentar zu hinterlassen!

Billig ist es bestimmt nicht.

Ab Ende November gilt in Majorstuen erstmal: Das Leben ist eine Baustelle ….to be continued. Natürlich. Im Weihnachtsrausch soll die Konsumlust der Bürger nicht durch störende Bauarbeiten behindert werden. Außerdem wird es kalt. Und zwar ordentlich! Wer will da noch baggern? Im April 2013 soll es dann weitergehen. Ich freue mich jetzt schon. Die bauarbeitsfreien Monate werde ich nutzen, um meine Kletterstrategie zu verbessern und mir ein profundes Wissen über geeignete Ausweichstraßen anzueignen. Doch wer weiß: Vielleicht wird da dann auch gebaut.

Das war es von mir für heute, meine lieben Leser. Der Dezember steht vor der Tür und mit ihm die für mich schönste Zeit im Jahr. Ich wünsche uns allen eine friedliche, stressfreie, tannenduftende, kerzenleuchtende und fröhliche Weihnachtszeit. Bleibt ruhig und besinnt Euch. Ihr könnt das, wenn Ihr wollt!! Doch, doch!

Habt eine schöne Woche, arbeitet auf Euren Baustellen und haltet die Füße warm!

Ha det bra,

2012-11-30 10.24.45

Ulrike

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5 Kommentare zu “Geschichten aus Majorstuen Teil 1 oder Immer schön nach unten gucken!

  1. Deine Namensvetterin Ulrike Peters hat ein Buch geschrieben: „Oh diese Norweger“, in dem sie auch über beheizbar Bürgersteige in einigen norwegischen Städten und über Kühe, die auf Matratzen schlafen spricht sowie darüber, dass Norwegen im Jahre 2030 das reichste Land der Erde sein wird. Tolle Aussichten und tolles Land!! Mutta-Kuss (Und schön die baustellenfreie Zeit zum Trainieren nutzen!! .) 🙂

    • Das ist aber nett von ihr. Ich halte mich mit der Begeisterung mal im Rahmen, die Norweger finden sich schon klasse genug :)) Jedes Land hat was Tolles und Schönes, findest du nicht? 🙂

  2. Ulli, hier in HiHeim können wir auch ein Liedchen davon singen! Die Stadt wird für den Tourismus optimiert, schade nur, dass die Einwohner bei den ganzen Baumaßnahmen völlig vergessen werden…
    Ich bin grade dabei diesen Wahnsinn zu erleben (und in ruhigen Minuten zu notieren) und glaube mir, das was da gemacht wird, erinnert an Schilda….

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