Pretty in Pink – muss sein??? ODER Immer her mit der Identitätskrise….

„Das ist aber ein süßer Junge“, sagt die Mutter am Wickeltisch nebenan. Ich zwinkere Gesa zu, die auch zu denken scheint: „Oho, ein süßer Junge, den gucken wir uns gleich mal an!“ – „Jawohl“, zwinkere ich zurück, „sobald du still genug hälst, damit ich die Windel festmachen kann.“ Einige Augenblicke später sind wir beide bereit und blicken uns im großen Raum der helsestasjon Frogner nach dem süßen Jungen um.

Keiner da.

Nur die Mutter von nebenan.

Und wir.

„Wie heißt er denn?“ setzt die Nebenan-Mutter nun nach und lächelt Gesa zuckersüß an.

Ich mache große Augen.

Gesa pupst.

„SIE heißt Gesa“, antworte ich.

„Ach, das ist ein Mädchen“, antwortet es nach einer kurzen Pause von der anderen Seite des Tisches, während gleichzeitig Gesas braunweißes H&M-T-Shirt mit Löwen kritisch beäugt wird. Na warte, du Tussi. Ich betrachte das fremde Baby unter ihren Händen, das gerade von der perfekt frisierten Mutter mit Goldarmband in einen rosafarbenen, plüschigen Strampler mit dreilagigen Rüschen gesteckt wird. Nach einer Weile frage ich zuckersüß:

„Und Ihr Kind? Junge oder Mädchen?“

Hallo, meine lieben Leser, wie schön, dass wir uns hier wieder treffen. Die Babypause ist offiziell vorbei, was aber nicht bedeutet, dass auch die Baby-Themen vorbei sind. (NEIN!!!! Nicht den Blog löschen…ich werde auch über rein norwegische Themen schreiben… versprochen… ehrlich.. …Freunde?). Heute also als eine Art sanfter Übergang aus der Babypause in den Alltag ein Thema, das mich völlig unerwartet getroffen hat: Mädchen in Norwegen müssen rosa tragen!

Nun muss ich gleich mal klarstellen: Ich habe nichts gegen Rosa. In Maßen genossen, ist das eine wunderbare Farbe, die sich mit vielen schönen anderen Farben kombinieren lässt, sowohl als Muffindekoration als auch beim Babystrampler finde ich Rosa sehr ansprechend. Aber eben in Maßen. Wir haben zur Geburt ganz wunderschöne rosa Geschenke, Karten und Blumen bekommen. Als geschlechterspezifisches Leuchtsignal finde ich Rosa allerdings völlig daneben. Genauso daneben, wie ein Jungenzimmer mit Bob der Baumeister zu dekorieren, während das Mädchen Einhörner und Prinzessinnen bekommt. Jungen mögen Einhörner bestimmt auch. UND Prinzessinnen. Während Mädchen auch Bagger cool finden.

Nun leben wir aber im Westen von Oslo. Die helsestasjon (so eine Art offenes und kostenloses Gesundheitszentrum), wo wir zum Gesa-Wiegen waren, liegt dort ebenfalls und das Schicki-Micki-Mütter-Mantra scheint zu lauten: Was weiblich ist, trägt rosa. Punktum. Nicht nur die Kleidung ist davon betroffen. In den letzten Tagen habe ich Kinderwagen mit rosa Verdecken, rosa Babydecken und Bettwäsche, rosa Kuscheltiere, rosa Windeltaschen, rosa Schnuller und rosa Kinderwagenspielzeugketten (uhhh, Galgenraten!) entdeckt. Manchmal alles zusammen an einem Wagen. Die Mutter dazu vielleicht noch mit rosa Haarband und der Vater im rosa Oberhemd und schon ist die Zuckergussfamilie perfekt.

Mir tränen schon beim Gedanken daran die Augen.

Im Ullevål Krankenhaus begann die optische Geschlechterzuweisung bereits kurz nach der Geburt. Gesa wurde gemessen und gewogen und dann, ob sie wollte oder nicht, in eine schweinchenrosa Krankenhausdecke gewickelt. Und zwar ganz fest. Im Zimmer des Patientenhotels angekommen, wechselten wir dann die Decken. Die rosafarbene verschwand und unsere eigene, blaue Decke mit Sternen wurde benutzt. Mit welchem Erfolg? Als wir im Restaurant an Baby Alma Louise (ganz in rosa) und ihrer Mutter vorbei schoben, guckte die zu Gesa in den Kinderwagen und sagte…

Na, was wohl???

Alle zusammen!!!

„Das ist aber ein süßer Junge!“

***

So, das war es schon für heute, meine lieben Leser. Die rosa Mutter von Alma Louise erklärte mir wenigstens noch, dass ja, die Norwegerinnen seien ein bisschen „over the top“, also übertrieben, mit ihrem Rosa-Tick. Sie selber könne sich da mit einbeziehen, sagte sie lachend, während Baby Alma Louise auf ihrem rosa Baby-Stirnband kaute. Ich bin gespannt, welche Erfahrungen Gesa und wir hier noch machen werden. Besonders gespannt bin ich auf das erste Treffen der Müttergruppe in der helsestasjon. Für diese Gelegenheit werde ich Gesa ein EXTRA fetziges T-Shirt kaufen. Ich werde davon berichten!

So, das war er nun wirklich, der erste Blog nach der Babypause. Teilt gerne wieder Eure Erfahrungen mit mir. Wie groß ist der Rosa-Tick in anderen Ländern? Welche Erfahrungen habt Ihr hier in Norwegen gemacht? Ich freue mich, von Euch zu lesen!

Nächste Woche wird der Blog wieder kulinarisch. Wir begeben uns in meine Küche und zaubern eine echte norwegische Spezialität: Farikål.

Euch allen wünsche ich bis dahin eine schöne Woche, vergesst Stereotypen, probiert mal gegen den Strom zu schwimmen und genießt den kommenden Herbst. Meine ersten wöchentlichen Grüße nach der Babypause gehen…natürlich…. an unsere wunderbare Tochter Gesa Vibeke, die unsere Herzen im Sturm erobert hat und einen Platz in unserem Leben gefüllt hat, von dem wir gar nicht wussten, dass er so schmerzhaft leer war.

Ha det bra,

20140902_145146

(mit rosa/pink Accessoires am Sognsvann)

 

Ulrike

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7 Kommentare zu “Pretty in Pink – muss sein??? ODER Immer her mit der Identitätskrise….

  1. Erst mal abwarten, bis Gesa so drei Jahre alt ist, dann wird sie sicherlich eine Lieblingsfarbe haben…..könnte dann aber auch rosa oder pink sein 😀

    Liebe Grüße von Mathilda ✿✿✿✿✿✿

  2. die unsere Herzen im Sturm erobert hat und einen Platz in unserem Leben gefüllt hat, von dem wir gar nicht wussten, dass er so schmerzhaft leer war.

    wie poetisch, wie wahr!!! Ihr macht das toll!!!!

  3. hihi… also in Deutschland ist es ähnlich.
    Madame trägt viel rot und grün und blau, ich mag leuchtende Farben, das Pastellalter kommt erst später 😉
    Ich ärger mich schon immer, dass ich im h+m, Ernstings etc eigentlich in fast ALLEN Läden immer an 2 entgegengesetzte Wände gehen muss, für die Jungs und Mädchensachen. Können die nicht einfach am gleichen Ständer hängen!? Mein Mädchen wird aber selbst in komplettrosa für einen Jungen gehalten mit jetzt knapp 2. Und sie findet Bagger viel interessanter als Puppen oder Pferde.
    Ich weiß, das kann und wird sich vermutlich noch ändern…

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