Skillingsboller in Oslo ODER Eine kulinarische Herausforderung!

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Ha!  Na, das wollen wir doch mal sehen, das wäre doch gelacht, da gebe ich jetzt alles und dann wird sich zeigen – ob man skillingsboller NUR in Bergen hinbekommt!

Hallo, meine lieben Leser, schön, dass wir uns hier wieder treffen. Heute nehme ich Euch mit in meine Küche – das hatte ich schon vor zwei Wochen geplant, es dann aber vergessen – herregud, ich werde 45, das kann ja mal passieren.

Was passieren?

Tja und wir kochen auch nichts aus dem Wikingerbuch, was daran liegt, dass ich heute zum Essen eingeladen bin und am Wochenende meine Mutter kocht, lange Rede, kurzer Sinn: Wir backen.

Also ich.

“Gnade uns Gott.”

Hallo, Gewissen! Backst du mit?

“Nee, lass mich da raus. Ich hab jetzt Wochenende! murmelt: Backen will sie, klar, wir haben ja auch alle das Kransekake-Desaster vergessen….”

Ey, du bist mein Gewissen, du bist auf meiner Seite. – Oder? – Oder??

“Ja, merkst du selber, ne?”

Ich backe jetzt. Punktum.

“Siehe oben.”

Omm.

So, bei den Wikingern habe ich irgendwie nichts gefunden, ich habe dann in meinem Lieblingsbuch “Norwegische Nationalgerichte” geblättert und…BINGO: skillingsbolle.

Die habe ich in Bergen probiert und fand sie megalecker und sie zählen ganz eindeutig zu den norwegischen Nationalgerichten, wenigstens an der Westküste. Die Bergenser kennen die skillingsbolle seit der Hansezeit und den Namen bekam das Nationalbackwerk wegen seines Preises: Eine Zimtbolle kostete damals ….einen Schilling. In ganz Norwegen sind kanelboller beliebt, aber skillingsboller, die gibt es anscheinend echt nur in Bergen!

Das Rezept  liest sich einfach und dann kommt der herausfordernde Satz:

Men de må være bakt i Bergen, for en østlandsk etterligning kan ikke måle seg – det mener nå i hvert fall bergenserne selv!

Habt Ihr verstanden, ja? Skillingsboller müssen in Bergen gebacken werden, Nachahmungen aus dem Osten des Landes können sich damit nicht messen. Das meinen zumindestens die Bergenser selbst.

Na, das wollen wir ja mal sehen!

“Räusper.”

Ja?

“Du, also ausgerechnet Miss Kransekake 2013, will sich dieser Herausforderung stellen?”

Ja, klar! Ich bin in den letzten Jahren viel besser geworden im Backen.

“Klar.”

Bin ich.

“Sicher.”

Du hast irgendwie deine Jobbeschreibung falsch verstanden.

“Ok. räusper-räusper: Du schaffst das.”

Danke.

“Tschakka.”

Egal, dann motiviere ich mich eben selbst. Und los geht es: Ab in die Küche!!! Damit ich nicht ganz vernorwegere, läuft Radio ffn im Hintergrund. Gerade singt Herbert Grönemeyer. Der Meister, oder? Im Moment setzt sich so ein komischer Seelen-Sprechgesang im Radio durch, gefühlsüberladene Männer singen in Trauerstimme und irgendwie ohne Melodie von Liebe und Ewigkeit, da stellen sich meine Nackenhaare hoch, das hat schon bei Xavier Naidoo angefangen…uihuihui….aber Herbert geht immer. Immer. Immer.

So.

Milch, Trockenhefe, Butter, Zucker, Mehl, Zimt – es geht kaum einfacher. Schüssel, Messlöffel, los. Erstmal die Milch auf 37 Grad erwärmen.

Hm.

Woher weiß ich denn, wieviel 37 Grad ist? Ich kann ja schlecht Gesas Fieberthermometer da rein halten. Vor allem, wo das so vorher war….

“Mahlzeit.”

Jaaa, ist ja gut. Also dann google ich das halt. – Aha, looogisch, einfach Finger reinhalten und wenn es weder warm noch kalt ist, schreibt Backkönigin85, dann ist es zwischen 35 und 37 Grad.

Aua.

Meine Milch ist eindeutig heißer. Also pusten.  So, dann den Rest der Dinge dazu und alles gut durchkneten. Es ist ja toll, dass man beim Backen oder Kochen so nebenbei neue norwegische Vokabeln lernt. Hier eine kleine Vokabelliste für Euch:

  • gjæren – die Hefe
  • heving – heben/aufgehen (Teig)
  • kjevler – ausrollen
  • leiv – großes Stück
  • smuldre – abbröckeln/auflösen
  • drysse – streuen

So, der Teig fühlt sich ölig und richtig an. Dann ab in den Ofen zum Aufgehen. Dass ich heute so in Ruhe backen kann (mal abgesehen von meinem nervigen Gewissen) liegt daran, dass Oma Tutta in town ist. Gesas Kindergarten ist heute und am Montag geschlossen und die beiden sind jetzt mit der Straßenbahn unterwegs nach Grünerløkka zum Eis essen. Was auch sonst bei 1 Grad und Nieselregen? Meine Mutter kommt so alle zwei Monate nach Oslo und das ist wirklich eine schöne Sache, für alle Beteiligten und auch eine tolle Hilfe an Tagen wie heute. Also hier mal ein großes Hipphipphurra auf alle Omas und Opas in Fern und Nah: Ihr seid toll! Ob nun Krippe bauen oder Lichterpyramide anzünden, unterm Regenschirm sitzen und Eis essen, bei Oma und Opa ist immer was los.

PING!

Ein Blick in den Ofen und jawoll, der Teig hat sich mehr als verdoppelt. Ich bin so backunerfahren, dass mir das jedes Mal wie ein Wunder vorkommt. Nun Teig ausrollen in ein “leiv” – tja, was bitte ist denn nun ein großes Stück? Definiere “groß”!!! Och, ich mach einfach mal, rolle, rolle, passt schon. Nun den ausgerollten Fladen mit Zimt und Zucker bestreuen – Norweger liiiiiieben Zimt! Also rauf, da. So, nun eine Wurst rollen und in gleichgroße 2cm dicke Scheiben schneiden.

Klappt auch.

Ich sollte eine Bäckerei eröffnen!

“Hüstel.”

Du wieder, dir zeige ich es schon noch.

So, jetzt mit der Schnittfläche auf das Blech setzen. Da steht, dass das Blech eingebuttert sein soll. Ich nehme Backpapier, daran wird es schon nicht scheitern. So, nun noch fünf Minuten gehen lassen. Uihhh, das riecht schon toll! Nun jedes Stück mit Ei bepinseln und ab in den Ofen. 220 Grad für 15 Minuten.

Und ab jetzt sitze ich mit großen Augen vor der Backofentür.

Oh, wow!!!

Gewissen, guck!!!!

“Ja, ja.”

Die werden ganz groß und schön und bollerig!!!!

“Ja, die sehen ganz ok aus.”

Cooooool!!!!!

“Sag mal, wie alt bist du eigentlich!?”

Ich bin gerade 5 und das hier ist der Hit!!!

“Wenn du mich nicht hättest, würdest du im Einhornkleid auf Bäume klettern!”

Uh. Gute Idee! Das machen wir morgen.

Jetzt guck doch mal diese wunderschönen Kunstwerke an.

PING!

Und schon ist es Zeit, die Osloer skillingsboller aus dem Ofen zu holen.

Tataratarata!!!!!!

Schnell den Zucker auf die wunderschönen Backwerke streuen und…fertig!!! Eine erste Geschmacksprobe verrät: LECKER! Zugegeben, sie schmecken anders als in der Bäckerei in Bergen, aber sie schmecken.

“Aha. Also, Experiment gescheitert. Du kannst keine Bergenser skillingsboller backen.”

Hm. Vielleicht nicht. Aber ich kann ganz tolle Osloer skillingsboller backen!

***

So, meine lieben Leser, das war es für heute. Spaß hat es mir gemacht und ich hoffe, wir treffen uns bald wieder in meiner Küche. Uns allen wünsche ich eine tolle Woche mit viel Gemütlichkeit, Lachen und lieben Menschen. Meine wöchentlichen Grüße gehen heute an meinen Lieblingsgaukler: Alles Gute zum Geburtstag!

Für alle, die auch mal wieder Zimtrollen backen wollen, hier das Rezept der Bergenser skillingsboller:

4 dl Milch, 1,5 Tüten Trockenhefe, 100g Butter, 1 dl Zucker, 12 dl Mehl, Zimt, Zucker und ein Ei zum Bepinseln. Milch auf 37 Grad erwärmen, Hefe hinein und auflösen lassen. Butter, Zucker und Mehl hineinmischen und alles gut vermengen. Teig an einen warmen Ort stellen und gehen lassen, bis er sich in der Größe verdoppelt hat. Teig ausrollen, mit Wasser bestreichen und mit Zucker und Zimt bestreuen (großzügig!).  Den Fladen zusammenrollen und 2cm dicke Stücke abschneiden. Mit der Schnittfläche auf ein Backblech legen. Noch einmal gehen lassen. Mit Ei bepinseln und für 10 Minuten bei 220 Grad ab in den Ofen. Staunen! Staunen! Backkunstwerke rausholen, gleich mit Zucker bestreuen, abkühlen lassen und….GENIESSEN!!!!

Ha det,

backen1

Ulrike

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8 Kommentare zu “Skillingsboller in Oslo ODER Eine kulinarische Herausforderung!

  1. Ja Hallo,

    Wie immer ein sehr gelungener Blogeintrag.

    Ich würde probieren eine kleine Brise Salz zuzugeben. Hefe mag Salz 🙂
    Vorsichtig halt, soll ja kein Laugenboller werden 🙂

    Gruß

    Veikko

  2. …und wenn du jetzt noch eine Schoko-Nuss-Creme (z.B. die mit dem schwarzen und den Buchstaben) statt des Wassers nimmst, also zum Bestreichen…. dann wird es noch leckerer *sabber*

  3. Oh was hast Du mich zum lachen gebracht mit diesem Bericht 🙂 ich liebe backen und verstehe nie warum andere das so schlimm/schwierig finden.

    Deine Post ist heute gekommen, vielen Dank !!! Königs hängen jetzt bei mir am Kühlschrank 🙂

    LG Bianca

  4. Hi Ulrike.
    Noch ein Tipp: Mit Frischhefe schmeckt es besser. Eine gute Frischhefe ist auch Triebstärker.

    Ich kenne natürlich das Original aus Bergen nicht, aber es gibt einen Haufen von Abarten der Zimtschnecke. Vielfach wird die mit einem Plunderteigs gemacht. Eine vereinfachte Variante geht so:
    Die Butter nicht in den Teig geben (oder zusätzlich Butter verwenden), sondern nach dem ersten Ausrollen kalte Butterflochen nahezu vollflächig auf den Teig legen.
    2x einschagen, 20 Minuten kalt stellen; nochmal ausrollen, 2 mal einschlagen, 20 Minuten kalt stellen.
    Dann ganz normal ausrollen, mit Wasser bepinseln bestreuen, einrollen, schneiden und backen.

    Deine Postkarte ist gestern angekommen und wir suchen gerade einen schönen Ehrenplatz. 🙂

    Liebe Grüße von
    Lotte, Mia und Tom

  5. Die Boller sahen nicht nur gut aus, sie haben auch noch super geschmeckt :). Ich kann sie nicht mit den Originalen aus Bergen vergleichen, aber es ist schwer vorstellbar, das sie besser sind :). Ich hoffe nun darauf, das es bald einen neuen Blog aus der Kueche gibt :).

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