„Der Hölle Rache kocht in meinen Seiten!“ ODER Vom Versuch, den besten Kuchen der Welt zu backen

So, liebe Ulrike, du hast also beschlossen, dir nicht von mir helfen zu lassen? Tapfer, sage ich dazu, tapfer. Und vielleicht auch ein klein bisschen naiv. Aber du hast deine Entscheidung getroffen. Du hast dich gegen mich, das karierte Kochbuch, entschieden.

Bitte.

Wenn du meinst.

Wirf meine jahrelange, ach was, JAHRZEHNTELANGE, Erfahrung ruhig über Bord und back‘ deinen Kuchen mithilfe dieser….dieser…Internetseite.

Viel.

Erfolg.

Lykke til.

***

Hallo, meine lieben Leser, schön, dass wir uns hier wieder treffen. Was lange währt, wird endlich gut und wieder einmal heißt es: Willkommen in meiner Küche! Heute backen wir Verdens Beste – einer der klassischen, norwegischen Backspezialitäten. Wie angekündigt, habe ich diesmal ganz besonders erfahrene Hilfe – das karierte Kochbuch, zusammengestellt von Ingrid Espelid Hovig. DAS Kochbuch Norwegens.

Oh, danke, danke.

Was stimmt, das stimmt. Gut, nun aber los hier. Ich will Verdens Beste backen. Wo finde ich das denn bei dir?

Seite 642. Ich besitze auch ein Inhaltsverzeichnis, aber bitte.

600…614…637…642! Bløtkake, Sukkerbrød, Marengkake….hm, hier steht nichts von Verdens Beste.

Wir mochten den Namen nicht. Verdens Beste…das klang so…überheblich. Deshalb heißt er bei uns Marengkake med Mango. Ganz köstlich. Warte ich lese dir die Zutaten vor: 100g Butter, 5 Eiweiß…

Hm. Das ist nicht dasselbe.

Bitte?

Na, ich wollte Verdens Beste backen und nicht Marengkake med Mango.

Es ist fast das Gleiche.

Aber es STEHT hier nicht. Ich möchte ein Rezept, über dem Verdens Beste steht.

Aber das hier ist das Gleiche!!

Aber es HEISST NICHT SO!!!

ABER ES IST DAS GLEICHE!!!

ABER ES H E I S S T NICHT SO!!!!!!

Stille.

Du bist ein bisschen merkwürdig.

Ach ja?

Naja, du schreist ein Kochbuch an. Das ist merkwürdig  – und nicht sehr nett.

Ich glaube es nicht!!!

Ich habe schließlich auch Gefühle.

Und ich habe Lust auf Verdens Beste. Gibt es auf deinen Seiten ein Rezept, das diesen Namen trägt?

Nun?

Nein.— Was machst du?

Ich gucke im Internet nach einem Rezept. Ah, hier auf der Seite von TINE. Na bitte, da steht es: „Oppskrift Verdens beste – Kvæfjordkake.“

Im Internet.

Ja, super, oder?!!

Du weißt schon, wer ich bin???

Ja, das weiß ich. Vor allem bist du für heute fertig und hast Feierabend.

***

Ich klappe das rot-weiß-karierte Kochbuch zu und schüttele den Kopf. Sachen gibt es. So, nun aber los hier – es ist schon fast 21 Uhr und ich habe jetzt echt Lust auf Kuchen. Das Foto auf der TINE-Seite sieht köstlich aus. Ich bin ja wirklich keine begabte Bäckerin, aber das Rezept wirkt einfach genug – selbst für mich.

Wart’s ab.

Bitte? – Oh prima, ich höre schön Stimmen. – So also, her mit den Zutaten. Zucker, Butter, Mehl, Milch, Eier, Back… Wo ist denn das Backpulver? Ich gucke mich verwirrt um. Gerade stand die runde, rote Dose noch auf dem Tisch. Das ist komisch. Ohne Backpulver geht es nicht, lache ich und frage mich, was ich damit gemacht habe. Ist sie runtergefallen? Ich gucke unter den Tisch.

Kalt.

Nichts. Ich gucke in den Hängeschrank.

Kalt.

Nichts. Ich gucke auf den Kühlschrank

Wärmer.

Nichts. Ich öffne den Kühlschrank. Bei mir weiß man ja nie.

Heiss.

Huch! Was macht denn das Backpulver IM Kühlschrank?

Also wiiiiiirklich, wie komisch!!!

Ich kontrolliere die restlichen Zutaten- alles ist da. Prima, los geht es! Butter und Zucker zu verrühren geht einfach genug, auch wenn mich das Mengenverhältnis etwas erstaunt.

Hihihihihhihihhiihi….

Aber es wird schon stimmen. Als nächstes soll ich 5 Eier trennen. Irgendwie habe ich plötzlich vier linke Hände oder die Zutaten haben ein Eigenleben entwickelt. Das erste Ei fällt auf den Boden. Beim zweiten geht das Eigelb kaputt. Als ich Mehl abwiege, schütte ich die Hälfte daneben und das Backpulver ist zwar da, dafür klemmt aber die Schublade zum Besteckkasten und es dauert ewig, bis ich einen Teelöffel in der Hand habe.

Uihuihui….

Ich reiße mich zusammen, so schwierig hatte ich mir das Backen heute nicht vorgestellt. Immerhin lässt sich der Eischnee ohne Probleme schlagen, auch wenn ich die doppelte Menge an Zucker brauche, damit der Schnee steif wird. So, nun den Teig in der Form verteilen, oben drauf die Eischneemasse und ab in den Ofen. Irgendwie wirkt das alles nicht richtig. Naja, wird schon.

Bestiiiimmmmmt.

Ich schiebe die Form in den Ofen und gucke mich in der Küche um. Also, so viel Chaos habe ich ja selten beim Backen veranstaltet. Das ist wirklich nicht mein Tag heute. Egal, jetzt muss ich Sahne schlagen für die Füllung. Im Kühlschrank suche ich die Schlagsahne (kremfløte) und blicke verwirrt auf die grüne Packung mit matfløte. Aber ich hatte doch ganz bestimmt Schlagsahne eingekauft. – Ob das mit der anderen Sahne wohl auch geht?

Klar.

Klar, wird schon. – Nach fünf Minuten ist sicher: Es geht nicht. Was ist hier bloß heute los? Egal, dann fülle ich den Kuchen eben nur mit Vanillecreme und lasse die Sahne weg. Im Ofen hebt sich der Eischnee zu einem schönen Meringue-Deckel und wird leicht braun. Köstlich.

Tja, aber darunter….

Oh nein, aber was ist darunter los?

Ja, was denn bloß????

Der Teig ist kein Teig, sondern eine merkwürdig geschmolzene Substanz auf der der Eischnee klebt!!! Och nee!!! Ich öffne die Ofentür und hole das Blech raus. Eine Art Butter-Mehl-Schaum verteilt sich auf dem Boden der Form, gefolgt von einer Schicht rohem Eischnee und einem Deckel fester Meringue. Das ist ja ein Desaster!!

Kann man laut sagen. Und es riecht komisch.

Und was riecht denn bloß so komisch???? Ich lese erneut das Rezept von TINE. Ich habe doch alles gemacht, was da steht: 150g Butter und 125g Zucker und dann 150g Mehl und überhaupt…das habe ich doch….oder vielleicht auch nicht….wer weiß, ich habe ja auch das Backpulver in den Kühlschrank gestellt…und das Ei auf den Boden geworfen…die falsche Sahne benutzt…und irgendwie…dabei wollte ich Euch einen leckeren Kuchen zeigen! Und wollte das Rezept von TINE hier im Blog aufschreiben, damit Ihr das alle nachbackt. Aber irgendwie…also irgendwie…..

Ich sollte mich mal setzen.

***

Das ist eine gute Idee. Setz‘ du dich mal. Erhole dich ein bisschen. In der Zwischenzeit zeige ich deinen Lesern das beste Rezept für Verdens Beste – ob es nun so heißt oder nicht.

Und beim nächsten Mal, da überlegst du vorher mit wem du dich anlegst….nicht wahr, Ulrike???

20150327_140413

Meine Seiten 642 und 643. Hier das Rezept:

20150327_140429

Und selbstverständlich kommt mein Rezept für Euch auch auf Deutsch:

Für den Teig

100g Butter oder Margarine (Raumtemperatur)

1,5 dl Zucker

5 Eigelb

4 Esslöffel Milch

2 dl Mehl

2 Teelöffel Backpulver (das mit dem Kühlschrank war brillant!!! Oder?? Los, Ihr habt auch gelacht. Ihr Blick…Ihr hättet ihren Blick sehen sollen…..hahahaha!!!)

FÜR DIE MERINGUE

5 Eiweiß

2,5 dl Zucker

1 dl gehackte Pinienkerne

FÜR DIE FÜLLUNG

1 Beutel (250g) tiefgefrorene Mango in Stücken

3 dl Schlagsahne

1dl gekaufte Vanillekrem

TEIG: Butter und Zucker verrühren. Eigelb dazugeben. Milch dazu. Mehl und Backpulver vermischen. In die Butterzuckermasse geben. 

MERINGUE: Eiweiß mit Hälfte des Zuckers steif schlagen. Behutsam den Rest des Zuckers unterheben.

Eine Backform 30x40cm mit Backpapier auslegen. Teig verteilen. Darauf die Meringue / Eiweißmasse. Zum Schluss die Pinienkerne verstreuen. 

In der unteren Schiene des Backofens für ca. 30 Minuten bei 150° Grad backen. Kuchen abkühlen lassen.

Mango antauen lassen. Kuchenteig teilen. Sahne schlagen und Vanillecreme unterheben. 

Kuchenteile mit Sahnemischung und Mangostücken zusammensetzen.

SO macht man das!

Ha det, 

20150326_211737

Euer kariertes Kochbuch, Ausgabe 2014

 

Bolle, Flatbrød & Co. ODER Ein Abschiedsblog für Baker Hansen

Meine Lieblingsbäckerei schließt für zwei Jahre. Zwei Jahre!!!! Ich habe keine Ahnung, welche Art von Umbauten Baker Hansen im Bogstadveien 54 geplant hat, aber sie scheinen massiv zu sein. Nicht, dass es uns hier in der Nähe an Bäckereien und Cafés mangeln würde – sechs in unmittelbarer Nähe nenne ich gute Versorgung – aber bei dieser Filiale von Baker Hansen habe ich immer besonders gut gesessen und geschlemmt. Hier habe ich meine erste bolle gegessen und mein erstes skolebrød. Bevor ich jetzt noch anfange „Memory“ zu singen, wähle ich einfach ein passendes Blogthema: Norwegische Backwaren!

Hallo, meine lieben Leser, wie schön, dass wir uns hier wieder treffen! Skolebrød? Bolle? „Ich kenne nur: Bolle reiste jüngst zu Pfingsten, nach Pankow war sein Ziel!“, sang mir ein deutscher Freund einmal vor, als ich von den norwegischen Backheiligtümern erzählte.

@http://delideluca.no/

@http://delideluca.no/

Boller finden sich an jeder Straßenecke und sie besitzen zwei ungewöhnliche Eigenschaften:

– Sie sind (oft) günstig.

– Sie werden mit Kardamom gebacken.

Das Ingwergewächs Kardamom und ich haben eine schwierige Beziehung, die in einem Wort gipfelt: Igittigittigitt. Und ich weiß auch nicht, was es in der norwegischen Teigware soll, die dadurch schmeckt wie ein deutsches Milchbrötchen auf Asien-Urlaub. Aber jeder, der in Norwegen ist, MUSS einmal bolle gegessen haben. Es gibt sie in verschiedenen Varianten: Mit oder ohne Rosinen, manchmal mit Vanillepuddingfüllung und Kokosraspeln (dann ist es skolebrød) mit Schokolade, Karamell und die besten boller in Oslo gibt es, laut Aftenposten, nein, nicht bei Baker Hansen sondern im Kaffehuset Steam in der Østbanehalle am Osloer Bahnhof.

Bei mir stehen boller zwar nicht regelmäßig auf dem Speiseplan, aber hin oder wieder finden sie den Weg in meine Küche – besonders, wenn meine Mutter da ist. Sie ist den blanken Hefebrötchen verfallen und reist nie ohne eine große Tüte boller ab. Ich sollte mir stattdessen beim nächsten Besuch echte, deutsche Brötchen mitbringen lassen – denn die sind hier in Norwegen nicht zu finden.

Ich habe aber noch zwei andere norwegische Backwaren zu bieten: Flatbrød und lefse. Lässt sich das erste Wort noch relativ problemlos mit „flachem Brot“ übersetzen, wird es beim zweiten Begriff schon schwieriger. Lefse?

Wie in Hundelippe?

Japp. Genau. Nur in Teigform.

Und mit Kardamom.

Neeeeeeeein, natürlich nicht.

Lefse sind traditionelle, norwegische Fladen aus Kartoffelmehl. Ähnlich wie ihre französischen Cousins crêpes und galettes können sie mit so ziemlich allem bestrichen werden, was das Herz begehrt. Im Supermarkt kann man fertig gebutterte, mit Zimt gefüllte und dann origamiartig gefaltete lefsen bekommen, die köstlich zum Frühstück schmecken.

In einem der alten Bauernhäuser des Norske Folkemuseum gibt es im Sommer lefse-Backvorführungen, bei denen in weiße Schürzen und altertümliche Kleider gewickelte Darstellerinnen vor Publikum backen. Da bekommt man sofort Lust, selber zu backen. Leider fehlt mir sowohl ein altes Bauernhaus, als auch Schürze und riesiger Steinofen – also kaufe ich meine lefsen weiterhin im Supermarkt. Die Euch schon bekannten lomper, ohne die hier kaum ein Würstchen verspeist wird, sind übrigens sehr ähnlich.

Flatbrød hat eine lange Tradition in Skandinavien – angeblich haben es bereits die Wikinger auf ihren langen Reisen gegessen. Heute wird es in ländlichen Gegenden noch selber gebacken und über die richtigen Zutaten scheint es verschiedene Meinungen zu geben: Die einen benutzen Kartoffeln im Teig, die anderen finden das absurd und nehmen selber nur Mehl, Salz und Wasser. Um das flatbrød auch flat zu bekommen, muss der Teig gerollt werden und gerollt und gerollt und gerollt und gerollt und gerollt und gerollt und gerollt und…..

Das getrocknete Brot passt gut zu Suppen, Fisch oder rømmegrøt!  Es eignet sich nicht zum Belegen, mir sind die hauchdünnen Scheiben auf jeden Fall immer durchbrochen, sobald ich sie mit Butter beschmieren wollte. Wahrscheinlich ein typischer Anfängerfehler!

Über bløtkake und kransekake habe ich hier im Blog schon geschrieben, fehlen noch fyrstekake und kvæfjordkake, besser bekannt als „Verdens beste“, also weltbester Kuchen. Ich habe beide noch nicht probiert, aber sie sehen köööstlich aus! Guckt selbst:

Verdens beste

Verdens beste

vgc.no

Fyrstekake @vgc.no

Nächste Woche ist mein Geburtstag, vielleicht sollte ich mir selber einen Kuchen backen und darüber berichten? Verdens beste wird mit Meringue gemacht und da ich Pavlovas liebe, wäre das vielleicht der ideale Kuchen für mich! Na, gucken wir mal.

Bolle, lefse, flatbrød, bløtkake, kransekake, fyrstekake und verdens beste – typische norwegische/skandinavische Backwaren, die das Leben hier in Norwegen lecker machen. Bestimmt habe ich andere Backspezialitäten vergessen und freue mich auf Eure Kommentare! Gesa und ich gehen jetzt für einen letzten Café latte und eine bolle zu „unserem“ Baker Hansen.

***

Das war es für heute, meine lieben Leser, was für ein glutenhaltiger Blogartikel :). Deutschland ist für mich immer noch Brotmeister und ich vermisse eine echte deutsche Bäckerei hier in Oslo mit deutschen Brötchen, Zuckerkuchen, blankem Brot und und und. Darum mein Aufruf an alle deutschen Bäcker: Kommt nach Oslo und macht mich glücklich!!!

Hm, das liest sich komisch.

Na, Ihr versteht mich schon 🙂

Euch allen wünsche ich ein leckeres, kalorienhaltiges Wochenende – esst ein großes Stück Torte auf mein Wohl! Meine wöchentlichen Grüße gehen diesmal an Verdens beste Theatergruppe – wir haben in 7 Wochen Premiere mit unserem Krimistück „Das Böse, nein, es ruht und rastet nicht & andere Kriminalitäten“ und ich bin sehr gespannt auf unsere Premiere am 18.4.!

Ha det bra,

Vor meiner Baker Hansen Filiale am Bogstadveien.

Vor meiner Baker Hansen Filiale am Bogstadveien.

Ulrike

Nachtrag 28.2.: Heute finde ich diesen Artikel in Aftenposten…

@Aftenposten 28.2.15

@Aftenposten 28.2.15

Darin lese ich, dass Baker Hansen den Bogstadvei verlässt (das wussten wir ja schon) ABER es nicht sicher sei, ob sie die Filiale im dann umgebauten Stadthaus wieder eröffnen!!! Gemeinheit! Bei der Ausweichfiliale, nur einige hundert Meter weiter hieß es, meine Filiale schließe für 2 Jahre. Nicht für immer! Na, warten wir mal ab. – Außerdem war ich heute noch Byens beste boller probieren – super leckere Rosinenboller in der Østbanehalle am Bahnhof. Alle hin da!

Jetzt aber wirklich:  Ha det!

20150228_13054120150228_131114