Bolle, Flatbrød & Co. ODER Ein Abschiedsblog für Baker Hansen

Meine Lieblingsbäckerei schließt für zwei Jahre. Zwei Jahre!!!! Ich habe keine Ahnung, welche Art von Umbauten Baker Hansen im Bogstadveien 54 geplant hat, aber sie scheinen massiv zu sein. Nicht, dass es uns hier in der Nähe an Bäckereien und Cafés mangeln würde – sechs in unmittelbarer Nähe nenne ich gute Versorgung – aber bei dieser Filiale von Baker Hansen habe ich immer besonders gut gesessen und geschlemmt. Hier habe ich meine erste bolle gegessen und mein erstes skolebrød. Bevor ich jetzt noch anfange „Memory“ zu singen, wähle ich einfach ein passendes Blogthema: Norwegische Backwaren!

Hallo, meine lieben Leser, wie schön, dass wir uns hier wieder treffen! Skolebrød? Bolle? „Ich kenne nur: Bolle reiste jüngst zu Pfingsten, nach Pankow war sein Ziel!“, sang mir ein deutscher Freund einmal vor, als ich von den norwegischen Backheiligtümern erzählte.

@http://delideluca.no/

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Boller finden sich an jeder Straßenecke und sie besitzen zwei ungewöhnliche Eigenschaften:

– Sie sind (oft) günstig.

– Sie werden mit Kardamom gebacken.

Das Ingwergewächs Kardamom und ich haben eine schwierige Beziehung, die in einem Wort gipfelt: Igittigittigitt. Und ich weiß auch nicht, was es in der norwegischen Teigware soll, die dadurch schmeckt wie ein deutsches Milchbrötchen auf Asien-Urlaub. Aber jeder, der in Norwegen ist, MUSS einmal bolle gegessen haben. Es gibt sie in verschiedenen Varianten: Mit oder ohne Rosinen, manchmal mit Vanillepuddingfüllung und Kokosraspeln (dann ist es skolebrød) mit Schokolade, Karamell und die besten boller in Oslo gibt es, laut Aftenposten, nein, nicht bei Baker Hansen sondern im Kaffehuset Steam in der Østbanehalle am Osloer Bahnhof.

Bei mir stehen boller zwar nicht regelmäßig auf dem Speiseplan, aber hin oder wieder finden sie den Weg in meine Küche – besonders, wenn meine Mutter da ist. Sie ist den blanken Hefebrötchen verfallen und reist nie ohne eine große Tüte boller ab. Ich sollte mir stattdessen beim nächsten Besuch echte, deutsche Brötchen mitbringen lassen – denn die sind hier in Norwegen nicht zu finden.

Ich habe aber noch zwei andere norwegische Backwaren zu bieten: Flatbrød und lefse. Lässt sich das erste Wort noch relativ problemlos mit „flachem Brot“ übersetzen, wird es beim zweiten Begriff schon schwieriger. Lefse?

Wie in Hundelippe?

Japp. Genau. Nur in Teigform.

Und mit Kardamom.

Neeeeeeeein, natürlich nicht.

Lefse sind traditionelle, norwegische Fladen aus Kartoffelmehl. Ähnlich wie ihre französischen Cousins crêpes und galettes können sie mit so ziemlich allem bestrichen werden, was das Herz begehrt. Im Supermarkt kann man fertig gebutterte, mit Zimt gefüllte und dann origamiartig gefaltete lefsen bekommen, die köstlich zum Frühstück schmecken.

In einem der alten Bauernhäuser des Norske Folkemuseum gibt es im Sommer lefse-Backvorführungen, bei denen in weiße Schürzen und altertümliche Kleider gewickelte Darstellerinnen vor Publikum backen. Da bekommt man sofort Lust, selber zu backen. Leider fehlt mir sowohl ein altes Bauernhaus, als auch Schürze und riesiger Steinofen – also kaufe ich meine lefsen weiterhin im Supermarkt. Die Euch schon bekannten lomper, ohne die hier kaum ein Würstchen verspeist wird, sind übrigens sehr ähnlich.

Flatbrød hat eine lange Tradition in Skandinavien – angeblich haben es bereits die Wikinger auf ihren langen Reisen gegessen. Heute wird es in ländlichen Gegenden noch selber gebacken und über die richtigen Zutaten scheint es verschiedene Meinungen zu geben: Die einen benutzen Kartoffeln im Teig, die anderen finden das absurd und nehmen selber nur Mehl, Salz und Wasser. Um das flatbrød auch flat zu bekommen, muss der Teig gerollt werden und gerollt und gerollt und gerollt und gerollt und gerollt und gerollt und gerollt und…..

Das getrocknete Brot passt gut zu Suppen, Fisch oder rømmegrøt!  Es eignet sich nicht zum Belegen, mir sind die hauchdünnen Scheiben auf jeden Fall immer durchbrochen, sobald ich sie mit Butter beschmieren wollte. Wahrscheinlich ein typischer Anfängerfehler!

Über bløtkake und kransekake habe ich hier im Blog schon geschrieben, fehlen noch fyrstekake und kvæfjordkake, besser bekannt als „Verdens beste“, also weltbester Kuchen. Ich habe beide noch nicht probiert, aber sie sehen köööstlich aus! Guckt selbst:

Verdens beste

Verdens beste

vgc.no

Fyrstekake @vgc.no

Nächste Woche ist mein Geburtstag, vielleicht sollte ich mir selber einen Kuchen backen und darüber berichten? Verdens beste wird mit Meringue gemacht und da ich Pavlovas liebe, wäre das vielleicht der ideale Kuchen für mich! Na, gucken wir mal.

Bolle, lefse, flatbrød, bløtkake, kransekake, fyrstekake und verdens beste – typische norwegische/skandinavische Backwaren, die das Leben hier in Norwegen lecker machen. Bestimmt habe ich andere Backspezialitäten vergessen und freue mich auf Eure Kommentare! Gesa und ich gehen jetzt für einen letzten Café latte und eine bolle zu „unserem“ Baker Hansen.

***

Das war es für heute, meine lieben Leser, was für ein glutenhaltiger Blogartikel :). Deutschland ist für mich immer noch Brotmeister und ich vermisse eine echte deutsche Bäckerei hier in Oslo mit deutschen Brötchen, Zuckerkuchen, blankem Brot und und und. Darum mein Aufruf an alle deutschen Bäcker: Kommt nach Oslo und macht mich glücklich!!!

Hm, das liest sich komisch.

Na, Ihr versteht mich schon 🙂

Euch allen wünsche ich ein leckeres, kalorienhaltiges Wochenende – esst ein großes Stück Torte auf mein Wohl! Meine wöchentlichen Grüße gehen diesmal an Verdens beste Theatergruppe – wir haben in 7 Wochen Premiere mit unserem Krimistück „Das Böse, nein, es ruht und rastet nicht & andere Kriminalitäten“ und ich bin sehr gespannt auf unsere Premiere am 18.4.!

Ha det bra,

Vor meiner Baker Hansen Filiale am Bogstadveien.

Vor meiner Baker Hansen Filiale am Bogstadveien.

Ulrike

Nachtrag 28.2.: Heute finde ich diesen Artikel in Aftenposten…

@Aftenposten 28.2.15

@Aftenposten 28.2.15

Darin lese ich, dass Baker Hansen den Bogstadvei verlässt (das wussten wir ja schon) ABER es nicht sicher sei, ob sie die Filiale im dann umgebauten Stadthaus wieder eröffnen!!! Gemeinheit! Bei der Ausweichfiliale, nur einige hundert Meter weiter hieß es, meine Filiale schließe für 2 Jahre. Nicht für immer! Na, warten wir mal ab. – Außerdem war ich heute noch Byens beste boller probieren – super leckere Rosinenboller in der Østbanehalle am Bahnhof. Alle hin da!

Jetzt aber wirklich:  Ha det!

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12 Kommentare zu “Bolle, Flatbrød & Co. ODER Ein Abschiedsblog für Baker Hansen

  1. Hallo Ulrike, ich folge Deinem Blog. Bin demnächst wieder in Lom und dort im Rema kaufe ich Verdens beste einmal die Woche, köstlich! Brötchen backe ich selbst, Norweger sind immer ganz begeistert. Torten und Kuchen hat Deutschland mehr Auswahl. Uberrasche auch da meine norwegischen Freunde ab und zu.Liebe Grüße Eva

  2. Hach, du schreibst immer so herrlich…an dem Schild von Baker Hansen bin ich heute vorbeigelaufen, aber ich muss gestehen, zu Baker Hansen gehe ich jetzt nicht so, ich bevorzuge da eher Kaffemakeriet oder Kaffebrenneriet und ab uns zu mal kaufe ich mir auch meinen Cafe Latte bei Starbucks, Waynes Coffee oder Espresso House….ohoh, so gar nicht norwegisch. Zu den norwegischen Backwaren kann ich nur sagen: ich kenne alle und mir schmecken die Boller mit Kardamom wirklich gut, ich mache noch zusätzlich gerne Ingwer rein, aber am liebsten mache ich daheim Kanelknuter, damit die auch gelingen, nehme ich eine Fertigpackung Boller und mache die dann so wie die schwedischen Mädels das beim BIT machen. Teig ausrollen, dann geschmolzene Butter und Zimt/Zucker drauf, Teig zusammenklappen, in schmale Streifen schneiden und dann diese Teigstreifen in sich drehen und daraus einen Knoten machen. Es gibt bei youtube ein Video dazu. Die schmecken besser als gewöhnliche Kanelboller, weiss auch nicht warum. 😉 Und mal ganz ehrlich: du hast „Verdens Beste“ noch nicht gegessen? Wow, dann wird es aber Zeit…es gibt übrigens ne Fertigpackung und damit gelingt der weltbeste Kuchen wirklich gut, ein Traum sage ich dir! LIebe Grüsse aus Nittedal! Marjan

  3. Ich liebe Boller. Wenn ich nach Norwegen fahre, gibt’s immer erstmal ne Tüte Boller. In einer norwegischen Sendung hatte ich mal von den berühmten Espa Boller gehört. An der Shell-Tanke an der E6 machten wir dann auch mal Halt und haben und köstlichst versorgt. Superlecker.

  4. Deine Sehnsucht nach deutschem Brot verstehe ich voll und ganz. Zum Glück habe ich unlängst Roggenbrot im Penny entdeckt und mich wirklich über Globalisierung gefreut. Sonst kenne ich nur einen einzigen Bäcker, der dunkles Brot mit allerlei Körnern bäckt.

    Die norwegischen Kuchen würde ich aber auch alle probieren, sehen auf den Fotos total lecker aus. 🙂

  5. Ich gehe ausschließlich zu Hansen für die Müslibrötchen mit Brunost, es ist die perfekte Kombination und die Müslibrötchen sind die besten die ich bis jetzt gegessen habe. Ganze Haselnüsse und ganz viel Früchte 😄. Soweit ist doch der Weg bis zu Majorstua zum nächsten Hansen auch nicht.

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