Buddhistischer Bergführer gesucht! ODER Planänderung

https://i2.wp.com/img01.lachschon.de/images/75592_wandarine.jpg

Schnee im August, geführte Tour über Gletscher, kalte Winde….hm.

Hallo, meine lieben Leser, wie schön, dass wir uns hier wieder treffen. Seit wir in Norwegen leben, habe ich viele Dinge getan, die ich schon immer mal machen wollte: Theatergruppe gründen – check. Blog schreiben – check. Kind bekommen – check. Heute Abend lese ich dann noch beim Offenen Bühnenabend in der Gemeinde „Der Walzer“ von Dorothy Parker – ein weiterer Haken auf meiner Liste von Dingen, die ich immer mal machen wollte.

Dann aber gibt es auch Dinge, von denen ich gesagt habe, dass ich sie tun werde und was ist passiert?

NIX!

Im Jahr 2014 beispielsweise habt Ihr mich per demokratischer Abstimmung auf den höchsten Berg Norwegens geschickt – aber war ich seitdem dort?

NOPE!

Im Jahr 2012 (!!!) habe ich angekündigt, eine norwegische Molkerei zu besuchen, um mehr über Brunost zu lernen.

NICHTS IST PASSIERT!

Da hättet Ihr mich aber auch mal in den Hintern treten müssen, mal ehrlich, alles muss man selber machen. Nun habe ich mich also heute bei strahlendem Frühlingssonnenschein sehr kräftig in den Allerwertesten getreten und kann folgendes berichten:

Ich klettere erstmal nicht auf den Galdhøpiggen – AUSSER, es findet sich ein buddhistisch geduldiger Mensch mit Bergerfahrung, der mich bergunerfahrene Stadtpflanze behutsam an die Hand nimmt und auf den Gipfel führt. Freiwillige vor! Bis dahin biete ich Euch eine Alternative: Ich klettere nicht auf den höchsten Berg Norwegens (2469 Meter) aber bezwinge stattdessen den höchsten Berg Oslos!!

Na, wie wäre das???

Super wäre das, genau!

Nun muss ich erstmal herausfinden, wo der liegt und wie der heißt und wie hoch der ist! Aber das Internet ist und bleibt unschlagbar…schwupps habe ich eine Liste mit den höchsten Bergen (naja, oder Hügeln) jeder norwegischen fylke (Landesteil). AHA!!! Der höchste Berg Oslo ist….

..der Kirchenberg (kjerkeberget)! Der hat immerhin stolze und imponierende…2070…

…Fuß….also…

631 Meter!

IMMERHIN!

Ich habe schon fleißig gegoogelt und Fahrstrecken rausgesucht, habe eine erfahrene Wanderfreundin als Begleitung ergattert (Hallo, Christine!) und sobald wir einen Termin gefunden haben, geht es los. Wahrscheinlich von der Bahnstation Stryken in ca. drei Stunden auf das Dach Oslos. Falls jemand dort schon einmal war, schreibt gerne Eure Erfahrungen als Kommentar!

Ok, der Berg ist einigermaßen abgehakt. Jetzt der Brunost. TINE hat seit 2012 die Internetseite verbessert und ich finde sechs Molkereien in Norwegen, die Brunost herstellen. Die eine liegt in der Nähe von Tromsø, zwei weitere westlich von Jotunheimen, aha, aber hier ist eine, in Tretten, das liegt nördlich von Lillehammer, das wäre ein guter Tagestrip! Geschmückt mit meinem besten Norwegisch setze ich mich also hin und schreibe eine, wie ich finde, sehr sympathische Email an den ebenfalls sympathisch aussehenden Chef der Molkerei und bitte um einen Besuch. Erkläre ihm, dass ich einen wöchentlichen Blog schreibe in dem der braune Käse immer wieder vorkommt (verschweige allerdings meine persönliche Haltung dazu und nein, Sebastian, du darfst jetzt NICHT erzählen, dass ich bei Katharinas Party Waffeln mit brunost gegessen habe…pscht!)

Auf eine Antwort aus Tretten bin ich auf jeden Fall sehr gespannt!

Ihr seht also, ich habe meine Versprechen nicht ganz vergessen und freue mich auf die Tour zum kjerkeberget (oder/und auf galdhøppigen falls mich jemand führt) und in die Molkerei nach Tretten!

***

So, das war es schon für heute, meine lieben Leser! Meine wöchentlichen Grüße gehen dieses Mal nach Berlin an Levin: Willkommen auf der Welt, kleiner Mann, wie schön, dass du da bist!

Uns allen wünsche ich eine tolle Woche, nächsten Dienstag gehen Gesa und ich dem Königspaar ein Ständchen singen, am 9. und 10. Mai feiern Sonja und Harald ihren 80. Geburtstag mit vielen royalen und noch mehr bürgerlichen Gästen auf den Straßen Oslos, in der Oper und an der Festung. Ich werde berichten!

Für heute Tschüß,

ha det,

Schönstes Frühlingswetter an der Bucht in Fornebu

Ulrike

„Der Hölle Rache kocht in meinen Seiten!“ ODER Vom Versuch, den besten Kuchen der Welt zu backen

So, liebe Ulrike, du hast also beschlossen, dir nicht von mir helfen zu lassen? Tapfer, sage ich dazu, tapfer. Und vielleicht auch ein klein bisschen naiv. Aber du hast deine Entscheidung getroffen. Du hast dich gegen mich, das karierte Kochbuch, entschieden.

Bitte.

Wenn du meinst.

Wirf meine jahrelange, ach was, JAHRZEHNTELANGE, Erfahrung ruhig über Bord und back‘ deinen Kuchen mithilfe dieser….dieser…Internetseite.

Viel.

Erfolg.

Lykke til.

***

Hallo, meine lieben Leser, schön, dass wir uns hier wieder treffen. Was lange währt, wird endlich gut und wieder einmal heißt es: Willkommen in meiner Küche! Heute backen wir Verdens Beste – einer der klassischen, norwegischen Backspezialitäten. Wie angekündigt, habe ich diesmal ganz besonders erfahrene Hilfe – das karierte Kochbuch, zusammengestellt von Ingrid Espelid Hovig. DAS Kochbuch Norwegens.

Oh, danke, danke.

Was stimmt, das stimmt. Gut, nun aber los hier. Ich will Verdens Beste backen. Wo finde ich das denn bei dir?

Seite 642. Ich besitze auch ein Inhaltsverzeichnis, aber bitte.

600…614…637…642! Bløtkake, Sukkerbrød, Marengkake….hm, hier steht nichts von Verdens Beste.

Wir mochten den Namen nicht. Verdens Beste…das klang so…überheblich. Deshalb heißt er bei uns Marengkake med Mango. Ganz köstlich. Warte ich lese dir die Zutaten vor: 100g Butter, 5 Eiweiß…

Hm. Das ist nicht dasselbe.

Bitte?

Na, ich wollte Verdens Beste backen und nicht Marengkake med Mango.

Es ist fast das Gleiche.

Aber es STEHT hier nicht. Ich möchte ein Rezept, über dem Verdens Beste steht.

Aber das hier ist das Gleiche!!

Aber es HEISST NICHT SO!!!

ABER ES IST DAS GLEICHE!!!

ABER ES H E I S S T NICHT SO!!!!!!

Stille.

Du bist ein bisschen merkwürdig.

Ach ja?

Naja, du schreist ein Kochbuch an. Das ist merkwürdig  – und nicht sehr nett.

Ich glaube es nicht!!!

Ich habe schließlich auch Gefühle.

Und ich habe Lust auf Verdens Beste. Gibt es auf deinen Seiten ein Rezept, das diesen Namen trägt?

Nun?

Nein.— Was machst du?

Ich gucke im Internet nach einem Rezept. Ah, hier auf der Seite von TINE. Na bitte, da steht es: „Oppskrift Verdens beste – Kvæfjordkake.“

Im Internet.

Ja, super, oder?!!

Du weißt schon, wer ich bin???

Ja, das weiß ich. Vor allem bist du für heute fertig und hast Feierabend.

***

Ich klappe das rot-weiß-karierte Kochbuch zu und schüttele den Kopf. Sachen gibt es. So, nun aber los hier – es ist schon fast 21 Uhr und ich habe jetzt echt Lust auf Kuchen. Das Foto auf der TINE-Seite sieht köstlich aus. Ich bin ja wirklich keine begabte Bäckerin, aber das Rezept wirkt einfach genug – selbst für mich.

Wart’s ab.

Bitte? – Oh prima, ich höre schön Stimmen. – So also, her mit den Zutaten. Zucker, Butter, Mehl, Milch, Eier, Back… Wo ist denn das Backpulver? Ich gucke mich verwirrt um. Gerade stand die runde, rote Dose noch auf dem Tisch. Das ist komisch. Ohne Backpulver geht es nicht, lache ich und frage mich, was ich damit gemacht habe. Ist sie runtergefallen? Ich gucke unter den Tisch.

Kalt.

Nichts. Ich gucke in den Hängeschrank.

Kalt.

Nichts. Ich gucke auf den Kühlschrank

Wärmer.

Nichts. Ich öffne den Kühlschrank. Bei mir weiß man ja nie.

Heiss.

Huch! Was macht denn das Backpulver IM Kühlschrank?

Also wiiiiiirklich, wie komisch!!!

Ich kontrolliere die restlichen Zutaten- alles ist da. Prima, los geht es! Butter und Zucker zu verrühren geht einfach genug, auch wenn mich das Mengenverhältnis etwas erstaunt.

Hihihihihhihihhiihi….

Aber es wird schon stimmen. Als nächstes soll ich 5 Eier trennen. Irgendwie habe ich plötzlich vier linke Hände oder die Zutaten haben ein Eigenleben entwickelt. Das erste Ei fällt auf den Boden. Beim zweiten geht das Eigelb kaputt. Als ich Mehl abwiege, schütte ich die Hälfte daneben und das Backpulver ist zwar da, dafür klemmt aber die Schublade zum Besteckkasten und es dauert ewig, bis ich einen Teelöffel in der Hand habe.

Uihuihui….

Ich reiße mich zusammen, so schwierig hatte ich mir das Backen heute nicht vorgestellt. Immerhin lässt sich der Eischnee ohne Probleme schlagen, auch wenn ich die doppelte Menge an Zucker brauche, damit der Schnee steif wird. So, nun den Teig in der Form verteilen, oben drauf die Eischneemasse und ab in den Ofen. Irgendwie wirkt das alles nicht richtig. Naja, wird schon.

Bestiiiimmmmmt.

Ich schiebe die Form in den Ofen und gucke mich in der Küche um. Also, so viel Chaos habe ich ja selten beim Backen veranstaltet. Das ist wirklich nicht mein Tag heute. Egal, jetzt muss ich Sahne schlagen für die Füllung. Im Kühlschrank suche ich die Schlagsahne (kremfløte) und blicke verwirrt auf die grüne Packung mit matfløte. Aber ich hatte doch ganz bestimmt Schlagsahne eingekauft. – Ob das mit der anderen Sahne wohl auch geht?

Klar.

Klar, wird schon. – Nach fünf Minuten ist sicher: Es geht nicht. Was ist hier bloß heute los? Egal, dann fülle ich den Kuchen eben nur mit Vanillecreme und lasse die Sahne weg. Im Ofen hebt sich der Eischnee zu einem schönen Meringue-Deckel und wird leicht braun. Köstlich.

Tja, aber darunter….

Oh nein, aber was ist darunter los?

Ja, was denn bloß????

Der Teig ist kein Teig, sondern eine merkwürdig geschmolzene Substanz auf der der Eischnee klebt!!! Och nee!!! Ich öffne die Ofentür und hole das Blech raus. Eine Art Butter-Mehl-Schaum verteilt sich auf dem Boden der Form, gefolgt von einer Schicht rohem Eischnee und einem Deckel fester Meringue. Das ist ja ein Desaster!!

Kann man laut sagen. Und es riecht komisch.

Und was riecht denn bloß so komisch???? Ich lese erneut das Rezept von TINE. Ich habe doch alles gemacht, was da steht: 150g Butter und 125g Zucker und dann 150g Mehl und überhaupt…das habe ich doch….oder vielleicht auch nicht….wer weiß, ich habe ja auch das Backpulver in den Kühlschrank gestellt…und das Ei auf den Boden geworfen…die falsche Sahne benutzt…und irgendwie…dabei wollte ich Euch einen leckeren Kuchen zeigen! Und wollte das Rezept von TINE hier im Blog aufschreiben, damit Ihr das alle nachbackt. Aber irgendwie…also irgendwie…..

Ich sollte mich mal setzen.

***

Das ist eine gute Idee. Setz‘ du dich mal. Erhole dich ein bisschen. In der Zwischenzeit zeige ich deinen Lesern das beste Rezept für Verdens Beste – ob es nun so heißt oder nicht.

Und beim nächsten Mal, da überlegst du vorher mit wem du dich anlegst….nicht wahr, Ulrike???

20150327_140413

Meine Seiten 642 und 643. Hier das Rezept:

20150327_140429

Und selbstverständlich kommt mein Rezept für Euch auch auf Deutsch:

Für den Teig

100g Butter oder Margarine (Raumtemperatur)

1,5 dl Zucker

5 Eigelb

4 Esslöffel Milch

2 dl Mehl

2 Teelöffel Backpulver (das mit dem Kühlschrank war brillant!!! Oder?? Los, Ihr habt auch gelacht. Ihr Blick…Ihr hättet ihren Blick sehen sollen…..hahahaha!!!)

FÜR DIE MERINGUE

5 Eiweiß

2,5 dl Zucker

1 dl gehackte Pinienkerne

FÜR DIE FÜLLUNG

1 Beutel (250g) tiefgefrorene Mango in Stücken

3 dl Schlagsahne

1dl gekaufte Vanillekrem

TEIG: Butter und Zucker verrühren. Eigelb dazugeben. Milch dazu. Mehl und Backpulver vermischen. In die Butterzuckermasse geben. 

MERINGUE: Eiweiß mit Hälfte des Zuckers steif schlagen. Behutsam den Rest des Zuckers unterheben.

Eine Backform 30x40cm mit Backpapier auslegen. Teig verteilen. Darauf die Meringue / Eiweißmasse. Zum Schluss die Pinienkerne verstreuen. 

In der unteren Schiene des Backofens für ca. 30 Minuten bei 150° Grad backen. Kuchen abkühlen lassen.

Mango antauen lassen. Kuchenteig teilen. Sahne schlagen und Vanillecreme unterheben. 

Kuchenteile mit Sahnemischung und Mangostücken zusammensetzen.

SO macht man das!

Ha det, 

20150326_211737

Euer kariertes Kochbuch, Ausgabe 2014