Von einem verpatzten Rendezvous, einer tollen Aussicht und der heilenden Kraft von Kaffee.

Hallo meine lieben Leser und Segel los!

Wie versprochen, habe ich mich heute Morgen auf den Weg zur Aker Brygge gemacht, um den Start der größten norwegischen Regatta zu beobachten. Bei meiner Ankunft begann eine Musikkapelle schwungvoll zu spielen, was ich nicht nur ungemein nett mir gegenüber fand, sondern irgendwie auch passend. Immerhin: Die größte Regatta. 1000 Boote und Segelschiffe!

Nach ca. 10 Minuten guter Musik begann ich mich zu fragen, warum die am Steg versammelten Ehrengäste immer in Richtung des kleinen, geschmückten Schiffs der Rettungswacht blickten, das am Kai vor sich hin dümpelte.

Und wo waren überhaupt die wettbewerbsbereiten Segelboote?

Und was reden die hübsch angezogenen Menschen auf der kleinen Bühne?

In dem Moment, als eine der hübschen Mädchen eine Sektflasche in die Hand nahm und auf das Schiff zielte, wurde mir klar:

Hier bist du falsch.

Der Meinung war mittlerweile auch Julia, die ich mit der Ankündigung „Das ist die größte und tollste Regatta im ganzen Land!“ an die Aker Brygge gelockt hatte. Nachfragen bei umliegenden Kiosken und Reiseveranstaltern erhellten die Situation nicht wirklich. HAAALLLOOO??? Wo bitte ist diese tolle, bekannte Regatta, die der König um 12h eröffnen soll?

Es war fünf vor 12.

Wir wanderten also Aker Brygge entlang und näherten uns dem bescheidenen Yachthafen. Und, oho, Lautsprecherdurchsagen waren zu vernehmen. Ganz entfernt, doch klar und deutlich. Noch immer keine Boote in Sicht.

Ok, ok, KEINE ist übertrieben.

Aber wo waren die anderen 997?

Fast am Ende der Aker Brygge fanden wir die Quelle der Lautsprecherdurchsagen, die Streifen am Horizont, unsere Führer im Nebel, die Orakel der Regatta. Zwei ältere Herren saßen, windgeschützt, in einem Zelt und hörten sich geduldig meine Fragen an. Doch, doch, die Regatta würde in 20 Minuten starten. Ja, ja, der König würde auch teilnehmen. Die königliche Yacht würde in der 10. Gruppe starten.

Um 15.15.

UM 15.15???????

Majestät Harald, nun mal bei allem Respekt: Ich winke und singe und lobe die Monarchie seit ich in Ihrem Herrschaftsgebiet angekommen bin und nun werde ich VERSETZT???? Sie sitzen eventuell noch beim Frokost-Kaffee, während ich hier am Wasser warte?

Ich bin enttäuscht.

Catharina, auch sie war meinem Ruf gefolgt, und Julia nahmen mich behutsam in die Mitte und führten mich in eine koffeinversprechende, schwimmende Bar am Wasser und peppelten mich mit braunem Lebenselixier wieder auf. Dort genossen wir den Anblick der um 12.30 Uhr startenden Segelboote, die langsam durch die Bucht Richtung Süden zogen. Ein wirklich toller Anblick!

Die Sonne schien, wir hatten Spaß und irgendwie war es nicht so schlimm, dass ich die beiden rund 3 Stunden zu früh zur tollen Regatta bestellt hatte. Hoffe ich.

Um 15.15h hätten wir sowieso alle keine Zeit gehabt.

Eure Majestät: In Zukunft sprechen Sie doch bitte Ihre Termine etwas besser mit uns ab! Wirklich! Wir haben ja schließlich auch noch andere Dinge zu tun! Trotz allem wünschen wir Ihnen Schiff ahoi und allzeit eine steife Brise! Mast- und Schotbruch!

Das war es schon, meine lieben, in 7er-Knoten segelnden Leser. Ich hatte Spaß und die ganze Bucht voller Schiffe zu sehen, war eine tolle Sache!

Nächste Woche entfällt der Blog, da einer der „Originalen 7 Leser“ mitsamt Gattin nach Oslo kommt und ich vermutlich aufgrund exzessiver Besichtigungen und Verköstigungen keine Zeit zum Bloggen haben werde.

Ich wünsche Euch ein tolles Wochenende, segelt gut durch steife Brisen und lasst Euch nicht versetzen.

Ha det bra,

Ulrike

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5 Kommentare zu “Von einem verpatzten Rendezvous, einer tollen Aussicht und der heilenden Kraft von Kaffee.

  1. Hallo Ulrike,
    Mein zweiter Kommentar innerhalb von 2 Tagen. Wahnsinn…… Irgendwie bin ich auch total neidisch, das du mit Blasmusik empfangen wurdest. Mmmmmh… Wie kann man das noch toppen? Ich weiß es nicht.
    Das Könige, Blaublüter und ähnliche Gesellen dieser Spezies später (und zu spät kommen) ihr Ding machen als alle anderen, ist vollkommen normal. Das nennt man, glaub ich, „Hoheitsrechte“.

    Viele Grüße aus Bosseborn

  2. Kaffee ist und war schon immer ein Lebenselixier :o)
    Schön, dass du trotz verspätetem Beginn noch einen tollen Tag hattest!!

    *klein bisschen neidisch bin* ;o)

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