Von Promis, Einweggrillen und der besten Zeit, die Müllabfuhr zu treffen

Hallo und Willkommen meine lieben Leser! Heute erscheint der Blog mal am Donnerstag…Surprise!! Zusätzlich erscheint er am Freitag, dann mit Liveberichterstattung von der größten Regatta Norwegens, der Færer Regatta, die aus über 1000 Segelbooten besteht.

Heute dreht sich alles um das Leben in der Großstadt und Promis, denn Oslo ist hip…anscheinend. Für Osloaner gilt diesen Sommer: Zückt Eure Autogrammkarten, putzt die Objektive oder verlasst die Stadt!

Wie ich reagiere?

Nun ja,….

Es hat ja bekanntlich immer alles zwei Seiten. Der Stau, in dem man endlich Zeit findet, in Ruhe mit der besten Freundin zu telefonieren. Der nervige Nachbar, der ohne zu zögern beim Umzug mit anpackt. Der witzige Kinobesuch, der durch Popcorn-schmatzende Nachbarn zum Alptraum wird. Hier in Oslo habe ich in den letzten Wochen auch einige, zweiseitige, Erfahrungen gemacht.

Nummer 1: Wohnen in der Nähe einer Sehenswürdigkeit.

Wie ich bestimmt schon erwähnt habe, wohnen wir im Stadtteil Majorstuen, direkt am Frognerpark. Super Lage, alles prima, alles grün, wir lieben es. Nun gibt es ein Problem: Der Frognerpark (oder Vigelandpark) ist DIE Sehenswürdigkeit der Stadt. Das hat mich im ersten Monat gar nicht groß gekümmert. Das Wetter war noch kühl, der Park relativ leer, problemlos konnten wir unsere Lieblingsecken durchwandern und die langsam erwachende Natur bewundern. Schön! So ein Park, fast für uns, wie ist das nett. Abends hieß es: „Wollen wir nochmal in den Park? Bisschen rumwandern?“

Seit Mai ist damit Schluss.

Ich weiß nicht, wo all diese Touristen, Schulklassen, Familien, Jogger, Hundebesitzer, Bettler, Hare-Krishna-Jünger, Kunsterzieher, Rugbymannschaften, Schauspieler, Waffelbäcker, Frisbeewerfer, Würstchengriller, Müllwerker, Kindergärten, Yogamattenträger, Portraitfotografen und Bikinischönheiten herkommen, aber sie sind da.

Der Park ist dicht.

NICHT FAIR!

WAS WOLLEN DIE DENN DA??

Ja, ja, ja, tolle Statuen, wichtiger norwegisches Künstler, schöne Parkanlage, einziger großer Stadtpark…JA JA JA!

Gut, dachte ich, dann brauche ich eben einen Zeitplan. Es muss doch eine gute Zeit geben, um in den Park zu gehen.

Hier meine Ergebnisse:

7.00: Verschlafene Jogger, gähnende Hundebesitzer, schnarchende Bettler. Fazit: Müde.

8.30: Die Müllabfuhr fährt ein. Die Grillmülleimer werden geleert. Ein schwarzer Nebel wabert darum über den Park. Fazit: Atemlos und dreckig.

10.00: Die ersten Reisebusse kommen. Vereinzelte Touristen, die amüsiert, irritiert oder, im Fall einer japanischen Schülerin beim Anblick einer Statue mit einem mächtigen Gemächt, schockiert, durch den Park wandern. Wenig Jogger. Fazit: Erträglich.

12.00: Die Touristen-Apokalypse gemischt mit dem Aufmarsch der Kindergärten. Von beiden Seiten wird der Park nun von fotowütigen Reisenden eingenommen. Der besseren Koordinierung halber in Gruppen eingeteilt, schieben die Massen durch den Park und kämpfen um die schönsten Ecken und Fotomotive. Die gewaltigen Reisebusse verstopfen die Haupteingänge und ein gebrülltes Sprachgewirr rauscht durch die Bäume. Zwischen die Touristenmassen schieben sich die rotgelben Kinderwägen mit ihren jungen Passagieren, die quengelnd und quäkend zur Park-Kakophonie beitragen. Fazit: HILFE! WEG HIER!

14.00: s. 12.00 nur ohne Kinder. Fazit: HILFE!

16.00: Immer noch Touristen, nun vermehrt unterstützt von Roma, die harmlose Ziehharmonikas quälen und dadurch Geld machen, dass Leute sagen: „Hier sind 50 Kroner. Hör auf zu spielen!“ Die Schule ist aus und der Park wird von lümmelnden Jugendlichen eingenommen und die Wiesen verwandeln sich in Frisbee-/Volleyball-/Fußballplätze. Fazit: NEIN, ICH GEH HIER NICHT WEG. DAS IST MEINE WIESE.

17.30: Zeit zum Abendessen. Raus mit den Einweggrills. Die gefährlichste Zeit im Park, ohne Atemgerät schwer zu überstehen. So müssen sich Touristen auf Mallorca am Ballermann fühlen. Choreographie des Parks: Handtuch, Grill, Handtuch, Grill, Handtuch, Grill. Fazit: *Hust*

22.00: Ruhe kehrt ein. (Wochentags) An den Mülleimern stapeln sich die ökologisch wertvollen Einweggrills. Die Romas igeln sich ein und verbringen eine weitere Nacht auf der Wiese. Die Fontäne beendet ihr Treiben und der Park kommt zur Ruhe. Fazit: Nee, NUN hab ich auch keine Lust mehr zum Spazierengehen.

Ach, meine lieben in 7er-Gruppen versammelten Leser, nehmt mich nicht Ernst: Es ist schon genial, am Park zu wohnen. Irgendwann wird’s ja auch wieder leerer sein.

Nummer 2: Promis in der Stadt

Wie jede Hauptstadt wird Oslo gern und häufig im Sommer von Hauptdarstellern der Yellowpress und tatsächlichen Prominenten besucht. In Paris oder Berlin wird davon zwar Notiz genommen, aber irgendwie verläuft es sich in solchen Millionenstädten auch wieder schnell.

Oslo hat 560.000 Einwohner.

Hier verläuft sich nichts.

Hier stockt alles.

Mir beispielsweise der Atem, als ich letzte Woche die Hauptnachrichten auf NRK 1 einschalte und mir ein nett lächelndes Mädchen entgegenblickt. Ihrem Akzent nach Kanadierin. Sie sitzt in einem Hotelraum und gibt ein Live-Interview, steht dann lachend auf, öffnet das Fenster und blickt nach draußen: „JUSTIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIN!“ brüllt es aus Hunderten von Mädchenkehlen, deren Besitzerinnen sich auf der Straße versammelt haben. Justin Bieber ist in der Stadt. Keiner weiß genau warum, keiner weiß genau wo, es gibt Gerüchte um ein Konzert auf dem Dach der Oper, die Presse goes crazy, die Mädchen erst recht, im Endeffekt 40 Verletzte bei chaotischen Bedingungen vor der Oper.  Dass Hillary Clinton zeitgleich den amerikanischen Botschafter besucht hat, erfuhr ich am nächsten Tag über facebook.

Justin Bieber ist der Pionier der diesjährigen Promi-Riege, die sich in der norwegischen Hauptstadt ein Stelldichein gibt. Kiss und Rihanna singen am Holmenkollen, obwohl ich es unterhaltsamer fände sie würden springen statt singen. Bryan Ferry, Kaizers Orchestra und Sting treffen sich zum Bahnenziehen im Frognerbad, was genial weil gleich bei uns gegenüber ist. Auch George Clooney hat seine Liebe zu Norwegen entdeckt und überrascht die norwegischen Fernsehzuschauer im DNB-Bankcommercial.

WOW, oder? Dabei wussten die meisten von denen bestimmt nicht einmal, wo Oslo genau liegt. Ist ja auch nicht so einfach. Und man hat so viel Wichtigeres zu tun als Promi. Fazit: Zieh dich warm an, Berlin, Oslo zieht hinterher und wird bald einen regelmäßigen Platz in der Yellowpress bekommen. Dann wird die Stadt vielleicht auch etwas cooler mit kreischenden Mädchen, halbseidenen Stars und dem Niveau der 20h-Nachrichten umgehen. Ich bin gespannt.

So, meine lieben Leser, für morgen heißt es: Backbord voraus, Land in Sicht, Leinen los und Anker frei. Ich freu mich und hoffe, dass das Wetter mitspielt.

Bis dahin wünsche ich Euch einen tollen Nachmittag, betrachtet immer alles von zwei Seiten, findet die beste Tageszeit und zieht Euch warm an!

Ha det bra,

Ulrike

Vor dem Nationalmuseum

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10 Kommentare zu “Von Promis, Einweggrillen und der besten Zeit, die Müllabfuhr zu treffen

  1. Da bleibt mir nur ein „dankeschön, gleichfalls“! Genieße morgen die Regatta und dann das Wochenende! :o)

  2. Was hast Du da Hübsches gekauft? Eine warme Unterhose, falls das Regatta-Wetter zu wünschen übrig lässt? Will ich aber nicht hoffen und wünsche Dir viel Spaß bei bestem Wetter! Kuss!

  3. Hallo Ulrike,
    Da hast du mir ja was eingebrockt!!! Ich muß heute und morgen einen Kommentar abgeben. Jetzt aber zu heute:
    Wie ich mich kenne, würde ich auch mit einem Einweggrill im Park sitzen und lecker Bratwürste essen. Aber es wird ja auch wieder Herbst, dann hast du deine Ruhe und kannst ohne Lärm im Park wandern. Im Winter geht der Spass von neuen los, nur mit Schlitten und Schal um Hals……..

    Die waren Promis, die wissen wie man (über)lebt, siehst du dann in den nächsten Tagen.

    Viele Grüße aus dem Weserbergland

    • Ich zeig Euch den Park, Volker und ich wette, du würdest dich auch lieber etwas abseits setzen und nicht mitten rein in den Mief :))

  4. Die touristische Erschütterung ob gemächtsfaszinierter japanischer Schülerin ist definitiv meine Lieblingspassage…! Wunderbare Beschreibung der Sommerinvasion, Uli!
    Es erinnert mich, ėvidemment, an meine Jahre in der Provence, als “ uns“ der Strand der Cote Bleue nur bis Mai in seiner wilden freien Schönheit gehörte, bis Touristen en masse alle Steine mit sich und ihrem künftigen Müll monatelang okkupierten und jeden Gedanken an Besinnlichkeit ad acta verbannten…“Wir“, die eigentlichen Ureinwohner der Mittelmeergefilde, versauerten in ihren endlosen Staus, vornehmlich auf dem Weg zum Einkaufszentrum (sinnigerweise in Strandnähe gebaut)…
    Naja, ab Oktober war dann der Weg zum Badestrand am inzwischen abgekühlten wieder frei… Ruhe kehrte wieder ein, Regenspaziergänge wurden (wieder) möglich

    • Hi Hen, da liegt der Strand so nah und ist doch so fern 🙂 Und nun musst du die Skipisten mit den Touristen teilen, oder? Man hat doch nie seine Ruhe :)). Liebe Grüße nach Grenoble!

  5. Ok, ihr habt euren ersten „Bevölkerungs – Ballungs – Raum“ gefunden! Ich hoffe, die Touristensaison endet bald….Liebe Grüße aus Wien:)

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