Norweger…..verzweifelt gesucht! Teil 1 oder Hei, vil du være vennen min?

Eigentlich finde ich Vorsätze fürs neue Jahr unsinnig. Meistens man macht ja gute Vorsätze, bei denen klar ist: Das wird nichts. Oder man entscheidet sich für harmlose Vorsätze, deren Erfüllung jedem Pfadfinder nur ein schwaches Gähnen entlockt.

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Dabei ist die Auswahl der Vorsätze vielfältig: Nett sein zu Mitmenschen, mehr oder überhaupt Sport treiben; das Rauchen/Trinken/Spielen/Schokoladeessen/ etc. aufgeben; einen Baum pflanzen, ein Haus bauen UND ein Kind zeugen; angefangene Projekte beenden; glücklich sein.

Dieser repräsentativen Auswahl füge ich meinen guten Vorsatz für 2013 hinzu:

Ich will Norweger kennenlernen.

Ich sehe Eure Blicke, meine lieben Leser!  Ich höre Eure Stimmen! „Da lebt sie in Norwegen und will Norweger kennenlernen. Geht’s noch?“

Nein, es geht eben nicht. Norweger kennenzulernen ist nicht so einfach wie Ihr denkt. Ehrlich gesagt, habe ich mir hier in Oslo ein fast vollständig Norweger-freies Umfeld geschaffen. Am Samstag bei unserer Einweihungsparty fiel es mir auf: Außer den zehn deutschen Freunden saßen dort zwar zwei wunderbar nette Dänen….von Norwegern aber keine Spur. In den letzten Tagen verbrachte ich meine Zeit abwechselnd in der deutschen Gemeinde, dem deutschen Goetheinstitut und der deutschen Schule, kurz unterbrochen von einer Verabredung mit einer deutschen Freundin, die mich, dem Thema verhaftet, zu deutschen Käsespätzle einlud.

Das letzte Mal, dass ich so viel Deutsch gesprochen habe war in…Deutschland.

Ich übertreibe. NATÜRLICH habe ich auch Kontakt zu Norwegern. Gerade eben sprach ich mit Jens am Telefon.

Er ist Kundenberater beim Stromversorger NorgesEnergi und sehr nett.  Und dass, obwohl ich kein Abo wollte. Außerdem habe ich täglich Kontakt mit Stine, meiner freundlichen Kassiererin im Kiwi-Supermarkt und Kira, die Bibliothekarin in der Deichmanske Bibliothek plaudert immer wieder nett mit mir.

Aber niemand von denen würde ich zu meiner Einweihungsparty einladen! (Und selbst wenn, würden sie kommen?)

Nun stellt sich die Frage, woher dieses Norwegerfreie soziale Umwelt kommt. Ich habe so meine Vermutungen:

  1. Ich arbeite von Zuhause aus oder in der deutschen Gemeinde. Beide Orte sind überwiegend frei von Norwegern (vor allem unsere Wohnung, außer Hausmeister Björn muss etwas reparieren).
  2. Das Goetheinstitut, die deutsche Schule oder die deutsche Gemeinde sind ein Zuhause in der Ferne: Alle, die sich dort treffen sprechen die gleiche Sprache, haben dieselbe oder eine ähnliche Kultur, viele Anknüpfungspunkte und gemeinsame Geschichten. Dort zu sein fühlt sich so schön sicher an. (Dieser Absatz ist allen gewidmet, die sich über die Ghettobildung von Immigranten in, z.B., Deutschland beschweren. Wer das noch nie erlebt hat, kann es nicht im Geringsten verstehen und noch weniger verurteilen.)
  3. Huch, ich bin heute so ernst.
  4. Entschuldigung.
  5. Schnell ein Witz.
  6. Treffen sich zwei Rühreier, sagt das eine: „Hach, ich bin heute ganz durcheinander.“
  7. (Über den lache ich seit 5 Tagen.)
  8. (Ja, ich hab einen einfachen Humor. Lucky me.)
  9. Also zurück zu den Gründen, warum ich keine Norweger kenne.
  10. In Oslo bieten sich unzählige Angebote auf andere Ausländer zu treffen, die sich in Oslo niedergelassen haben und verstehen , wie es sich anfühlt, im Ausland zu leben. Gerade hier in Frogner und Majorstuen wimmelt es von Europäern und Amerikanern, hier findet man englische Pubs und amerikanische Cafés, hier kann man mexikanischen Totentag feiern und Halloween.
  11. Und nun zum entscheidenden Grund: Ich versuche nicht stark genug, Kontakt mit Norwegern zu bekommen. Dabei bin ich so neugierig auf ihre Kultur, ihre Sprache und Geschichte, ihre Ansichten zu Gott und der Welt. Aber eine ernsthafte Suche hat noch nicht stattgefunden.

Doch das werde ich ändern. Ich werde mir neue, norwegische Freunde suchen. Oder Bekannte. Wenigstens das. Auf geht es!

Es geht dabei natürlich auch um Integration. Gelungene Integration besteht aus Annäherung, gegenseitiger Auseinandersetzung und Kommunikation, Finden von Gemeinsamkeiten und Akzeptanz von Unterschieden (behauptet wikipedia). Früher wurde gesagt, Integration bestehe aus Erwerbstätigkeit, sozialem Kontakt und Beherrschen der Landessprache. Das alles ohne die eigene kulturelle Identität aufzugeben. Da stellt sich bei uns Nomaden natürlich die Frage: Wie sehr wollen wir uns integrieren? Läuft es nicht alles prima so wie es ist?

Nee, nicht so 100%. Mein guter Vorsatz steht also fest: Ich will Norweger kennenlernen! Ich werde Euch über meine Erfolge oder Misserfolge auf dem Laufenden halten. Ist doch selbstverständlich! Mal sehen, was so passiert.

Enden möchte ich heute mit der angekündigten Geitost/Brunost-Vernichtungsaktion, die Mitte Januar im nördlichen Norwegen stattfand:  27 Tonnen des karamellisierten Höllenprodukts gingen im Brattli Tunnel am Tysfjord in Flammen auf. Fünf Tage loderte das Feuer im schwer beschädigten Tunnel. Die Kombination von Fett und Zucker führte dazu, dass der Käse „wenn er heiß genug wird fast wie Benzin brennt“, erklärte der verantwortliche Polizeibeamte Viggo Berg. Kjell Bjoern Vinje vom Norwegischen Straßenbauamt fasste seine Überraschung so zusammen: „Ich wusste nicht, dass Brunost so gut brennt.“

So.

Na, das ist ja was.

Räusper.

Hihi.

Pscht.

Hehe.

PSCHT!

Hahahahahahahaha!!!!

27 TONNEN!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!! Gut gemacht!

Der unverletzte LKW-Fahrer ist sich keiner Schuld bewusst und auch ich muss hier alle Schuld von mir weisen, aber wer immer es war:

DANKE! Mein Bruder oder meine Schwester im Geiste, ich vernehme deine Botschaft!

WEG MIT DEM BRUNOST!

Hm.

Tja.

Ob das nun ein erfolgsversprechender Ansatz ist, um Norweger kennenzulernen, wage ich zu bezweifeln…..

OH! ICH WEISS!

Ich werde nach Norwegern suchen, die KEINEN Brunost oder Geitost mögen!

Problem gelöst.

Das war es schon wieder für heute, meine lieben in 7er-Freundschaftsgruppen zusammensitzenden Leser. Morgen steht ein Kreativtag mit meiner tollen Theatergruppe auf dem Programm und am Sonntag wollen wir wieder hinaus in den Schnee. Martin hat sich Schneeschuhe angeschafft und die wollen ausprobiert werden.

Ich wünsche Euch allen eine tolle Woche, trefft auch mal schwierige Entscheidungen, vor allem, wenn ihr wisst dass sie richtig sind ; guckt Euch um und schätzt die tollen Menschen, die in Eurem Leben sind und lacht jeden Tag aus vollem Herzen!

Ha det bra,

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Ulrike

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15 Kommentare zu “Norweger…..verzweifelt gesucht! Teil 1 oder Hei, vil du være vennen min?

  1. *lol*
    Erst der Witz und dann der brennende Käse! Genial! 🙂

    Und viel Erfolg beim Norweger kennenlernen!! Vielleicht hilft eine Anzeige oder ein Aushang in der Bücherei?

    • ja, gute Idee, ich habe auch schon an das Sprachtandem im Goetheinstitut gedacht. Da treffen Norweger, die Deutsch sprechen wollen, auf Deutsch die Norwegisch reden möchten. 🙂

  2. Ich will auch Norweger kennenlernen! Erzähl mir, wie!
    Ich kenne zwar norwegische Kollegen von Steffen und mir und ansonsten Dänen und Deutsche. Aber mir fehlt auch ein norwegischer Freund – also jemand, der in Oslo lebt! Denn norwegische Freunde hab ich – in Jakarta, Kopenhagen etc.
    Wie stellen wir das an?

  3. Jetzt bewundere ich aber Deinen Optimismus: „’nen Norweger kennenlernen, der KEINEN …. mag?“ Hm, viel Spaß dabei. Apropos Spaß: Hier etwas für Deinen „einfachen Humor“: Ein ca. 60 Jahre altes Ehepaar geht im Wald spazieren, da begegnet ihnen eine Fee. Sie sagt dem Mann, dass er einen Wunsch frei hat und was er sich denn so richtig doll wünsche. Antwort: Eine Frau, die 30 Jahre jünger ist als er und – schwupp – war er 90.“
    Mutta-Kuss

  4. hei ulrike.
    tja wenn es fuer norwegerinnen kennenlernen eine patentløsung gæbe. Ihre herzen zum schmelzen bringen wie stakkars brunost im tunnel? ernsthaftes thema eigentlich. sich in die styre des lokalen skiklubb waehlen zu lassen gibt masse plusspoeng. oder vielleicht orte aufzusuchen, die fuer die einhoamischen naturlich sind, wie die theke am samstagabend. Oder ein kor vielleicht, da kann mensch wat von bach singen und in den pausen am norwegisch feilen und sozialisieren. falls du als teaterdame schon auf norwegisch schreibst, gibt es ja die gute alte diktkammeret, dort gibt es keine konkreten freundschaften, aber kommentare.
    ueben, ueben ueben. kennst du die geschichte eines echten norwegers aus stavanger glaube ich, der vor einiger zeit einen klubb der einsamen oder so aehnlich gruendete und einen briefkasten in kubickmetergroesse anschaffen musste……
    lykke til.
    markus

    • hei Markus, danke fürs Lesen und die Ideen, den Chor finde ich besonders spannend! Und die diktkammeret muss ich erstmal googlen. Habe heute übrigens ganz viele Norweger getroffen, Ich lag auf der Loipe und sie sind über mich geklettert oder gesprungen…….;)

  5. Norweger kennenlernen? Hmmmh … schade, die Chance mit der Einweihungsparty hast du vergeben, ansonsten hilft ja immer mal eine Ladung zollfreien Alkohol für alle (bekannten und unbekannten) Nachbarn! Norweger erwarten sowieso von Ausländern, dass man dauert Alkohol trinkt und anbietet. Die nächste gute Chance ist dann ein Kind in die Welt zu setzen und sich einer norwegischen Barselgruppe bzw Vatergruppe anzuschliessen. Über Kinder, oder im Notfall auch über Hunde, läuft dann schon mal Kontakt an. Letzte Chance ist dann sich dem Ski- oder Touristenklub anzuschliessen und für ein paar Jahre absolut alle Arrangements mitzumachen, die die anbieten. Ansonsten sieht’s düster aus! – das von einem, der schon dreissig Jahre hier lebt.

  6. Hei Ulrike,

    ich finde Deinen Vorsatz gut fuer dieses Jahr aber ich denke du solltest nicht allzu hohe Erwartungen haben. Ich bin 2009 nach Norwegen ausgewandert und habe mich bewusst dazu entschlossen mit meiner Familie auf dem Land zu wohnen in der Hoffnung mehr Kontakt zu den Norwegern zu bekommen. Wir leben in Lier und wir haben hier mehr deutsche Freundschaften gefunden als wir erwartet haben. Was super fuer die Kinder ist. Sicher man findet Kontakt zu den Norwegern aber eher selten und immer nur oberflåchlich. Ich finde es traurig das es so schwierig ist aber ich habe damit gelernt das man immer mehr die Initiative ergreifen sollte und nicht aufgeben. Deshalb wuensche ich Dir viel Glueck mit Deinem Vorhaben. Julia

    • Hallo Julia, erstmal danke fürs Lesen und Kommentieren. Wir schaffen das noch mit demm Kennenlernen, gib nicht auf!!! Dir auch weiterhin viel Glück!

  7. Ich kenne Dein Problem aus eigenem Erleben (Auslandssemester an der Uni).

    . . . hier in Italien wollte ich alles ganz anders machen und habe mich zu einem Tanzkurs angemeldet. Dadurch hat sich mein Bekanntenkreis an Einheimischen, die nicht zu Luigis Familie gehören, tatsächlich ganz schnell vergrößert. 🙂

    Daher: Warum nicht Bekannte über ein Hobby finden? Vielleicht klappt’s dann auch mit den Norwegern. 😉

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