Besuch im Ekebergpark ODER Ist das da auch Kunst?

ekebergparken-share„Zieh dich warm an, Frognerpark – du hast echte Konkurrenz bekommen“, war mein erster Gedanke auf dem Nachhauseweg. Seit Ende September hat Oslo eine neue Attraktion – den Ekebergpark. Da mussten wir hin, ist doch klar!

Hallo meine lieben Leser, schön, dass wir uns hier wieder treffen. Zuerst einmal bedanke ich mich für Eure positiven Reaktionen auf den Deutschland-Artikel zum 3. Oktober – das hat mich super gefreut und mir Hoffnung gemacht. Und es hat mich darin bestärkt, häufiger mal über den norwegischen Tellerrand zu blicken. Heute aber, an diesem strahlenden 11. Oktober, stürzen wir uns wieder in die norwegische Hauptstadt, die um eine Attraktion reicher ist: Den wunderbaren Ekebergpark im Osten der Stadt, in einem hügeligen Waldgebiet in der Nähe von Nordstrand.

Am Sonntag machten wir uns frohgelaunt auf den Weg. Normalerweise passiert ja meistens etwas, wenn ich für einen Blog-Artikel unterwegs bin. Mal sperren sie den Zugang zur Akerselva, dann hat das Elektroauto, das wir mieten wollten, einen Platten – aber diesmal…diesmal lief alles glatt. Die Straßenbahnlinie 19 brachte uns zur Haltestellte Sjømannskolen und damit direkt zum Haupteingang des Parks. Und nicht nur uns: Halb Oslo schien Lust auf Kunst und Natur zu haben – der Park war gerammelt voll. Das allein ist schon ein Sieg für Christian Ringnes, Immobilienmagnat, Kunstmäzen und Geldgeber des Parks. Fast 300 Millionen norwegische Kronen investierte der gebürtige Osloaner und wurde dafür scharf kritisiert. In einer Gesellschaft wie Norwegen, wo Gleichstellung eines der höchsten Ideale sein soll, werden große Finanzspenden einer einzelnen Person misstrauisch beäugt. Was wohl sein eigentliches Motiv wäre, einen derartigen Park zu ermöglichen, wurde er gefragt. – Er wolle seiner Heimatstadt ein Geschenk machen, lautete die Antwort.

Ist doch eine gute Antwort, reicht mir.

Wäre mir auch schniepsschnurzegal, was er für ein Motiv hätte – der Park ist nämlich grandios. Bergauf und bergab geht es in dem Waldgebiet, das zwischendurch immer wieder fantastische Blicke auf die Stadt und den Oslofjord bietet. Auf der Mappe des Parks sind die 31 Skulpturen verzeichnet, die es zu finden gibt. Gleich am Eingang begrüßt uns Dalis Venus de Milo aux Tiroirs und kurz danach erblicken wir die Venus Victrix von Auguste Renoir, der über Kunst sagte: „Warum sollte Kunst nicht schön sein? Es gibt genug Hässliches in der Welt.“ An einem Sandkasten entdecken wir eine kleine Statue, die ganz verloren inmitten der Menschenmassen wirkt. Reflections heißt die hübsche Statuette von Guy Buseyne und am liebsten nähme ich sie sofort mit.

Weiter geht der Weg den Berg hinauf, wir drehen uns um und werfen einen Blick über Oslo und den Fjord, weichen anderen Besuchern aus und sind, wie immer, geteilter Meinung über die Kunst, die sich uns in den Weg wirft. Ein bisschen erinnert mich der Park an den Laves-Kulturpfad in Holle, eben nur 10x so groß. Die Kombination von Natur und Kunst ist natürlich nicht neu, aber immer wieder schön. Im Gegensatz zum Frognerpark dominieren die Kunstwerke hier nicht, sie fügen sich ein in die Landschaft und überraschen. Angenehm, irgendwie.

Auf einer großen Lichtung angekommen, wundern wir uns über die Menschenmasse, die um eine Gruppe von Kiefern steht. Neugierig wandern wir näher und entdecken eine Skulptur. The couple schwingt dort oben in den Ästen. Noch scheint der Park nicht zum Programm der Touristenbusse zu gehören, denn um uns herum spricht alles Norwegisch. Weiter geht der Weg. Bergab passieren wir eine Laterne und Martin witzelt: „Ist das auch Kunst??“ – als wir plötzlich angesprochen werden. Von der Laterne. Wir bleiben irritiert stehen. Sie spricht weiter. Lachend hocken wir uns hin und lauschen am Laternenpfahl, an dem sich tatsächlich ein Lautsprecher befindet. Wir müssen ein interessantes Bild abgeben, andere Besucher beäugen uns verwirrt und ich winke fröhlich. Selber schuld, wenn sie nicht richtig hinhören. Was genau uns die Laterne erzählt, das haben wir nicht verstanden – das verschieben wir aufs nächste Mal.

Um 14h beobachten wir die Color Line, wie sie sich auf den Weg nach Kiel macht und beenden unsere erste Runde im Ekebergpark. Aber wir kommen wieder!

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Venus de Milo aux Tiroirs

Venus de Milo aux Tiroirs

Sarah Sze: Still life with Landscape

Sarah Sze: Still life with Landscape

Lichtung mit The Couple

Lichtung mit The Couple

Louise Bourgeois: The Couple

Louise Bourgeois: The Couple

George Cutts: The dance

George Cutts: The dance

Richard Hudson: Marilyn

Richard Hudson: Marilyn

Abfahrt Color Line

Blick vom Park auf Oslofjord und die Abfahrt der Color Line

Eingangsbereich mit La Grande Laveuse

Eingangsbereich mit La Grande Laveuse

Klang

Klang

Das war es schon für heute, meine lieben kunstbegeisterten Leser. Ich hoffe, Ihr hattet Spaß an unserem Spaziergang und besucht den Park auch – das hat er nämlich verdient. Meine wöchentlichen Grüße gehen diese Woche an meine Eltern mit einem Hipphipphurrah zum heutigen Rosenhochzeitstag!!!! Außerdem Gratulation an die OPCW, die den Friedensnobelpreis 2013 erhält, wie das Nobelkomitee hier in Oslo heute erklärte. Was für eine Gratulationsmischung 🙂 Euch allen wünsche ich eine tolle Woche, sucht mal nach Neuheiten in Eurer Stadt oder besucht einen Ort, an dem Ihr noch nie gewesen seid, habt Spaß und genießt den Herbst.

Ha det bra,

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Ulrike

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Ein Kommentar zu “Besuch im Ekebergpark ODER Ist das da auch Kunst?

  1. Ist doch komisch, dass heute immer Hintergedanken vermutet werden, wenn jemand etwas einfach nur aus Nettigkeit tut, oder? Über so ein spektakuläres Geschenk sollten sich Stadt und Bewohner einfach nur freuen und es machen wie Du: hingehen. 🙂

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