Ich bin eine Trantüte! ODER Norwegische Ernährung der besonderen Art…

nrk.no September 2014: Ich will das nicht schlucken. Wirklich nicht. Noch nicht einmal warmer Milchreis mit Zimt und Zucker löst einen derartigen Widerwillen in mir aus. Und das will was heißen, denn ich HASSE warmen Milchreis. Vor mir sitzt Gesa und guckt mich interessiert an. In Ordnung, here goes nothing. Mein erster Löffel Tran. Hallo, meine lieben Leser und ein Frohes neues Jahr! Schön, dass wir uns auch in 2015 hier wieder treffen. Tran also. Ja. Was tun wir nicht alles für unser Kind. Bei ihrem ersten Besuch betonte die helsesøster der kommunalen Gesundheitsstation wie wichtig es sei, dass Kinder Tran zu sich nähmen. TRAN? Nicht im Ernst, oder? Für mich gehörte diese ölige Nahrungsergänzung wenn nicht ins tiefste Mittelalter, dann doch wenigstens in die Kindheit meiner Eltern. „Vielleicht ist das in Deutschland so“, antwortete die Kinderkrankenschwester auf Hausbesuch. „Hier in Norwegen gehört Tran zum alltäglichen Leben.“ Ich fragte herum. Ungläubig. Klar hatte ich im Supermarkt die Regale voller Tranflaschen gesehen, aber meiner Meinung nach staubten die da trantütig vor sich hin – ignoriert von den modernen Großstadtnorwegern. Weit gefehlt. Sowohl in meinem norwegischen als auch deutschen Umfeld fanden sich viele, die die Omega-3-Quelle Tran täglich zu sich nahmen. „Aber nimm es bloß als Kapsel, das Originalzeug schmeckt widerlich.“ – „Nimm es bloß nicht als Kapsel!“ Äh ja, danke. Nun sollte es aber nicht vorsätzlich MEINER Gesundheit dienen sondern Gesas und damit schieden Kapseln schon mal aus. Also ab in den Supermarkt und eine Flasche Möller’s Tran gekauft. Ich fühlte mich unglaublich norwegisch! Vitamin A, E und D (Mangelware in den dunklen norwegischen Wintern) versprach mir der Tran. Ein Esslöffel für mich und 2,5 ml für Gesa sollte unseren täglichen Bedarf decken. Hm. Ich stelle fest, dass Mengenangaben identisch sein können, aber absolut nicht identisch empfunden werden müssen. Ein Löffel Apfelmus – ganz köstlich. Ebenso wie ein Löffel voll französischer Zwiebelsuppe. Und ganz wunderbar: Ein Löffel mit Nutella. Aber ein Löffel mit Tran? Jeder zehnte Norweger nimmt angeblich täglich Tran zu sich. Viele davon in der flüssigen Form, die Herr Möller mir nun auch anbietet. Was 500.000 Norweger können, das kann ich jawohl auch. Ist ja schließlich für Gesa. Unsere Idee ist: Wenn WIR es schlucken und dabei Spaß machen, findet sie es auch ganz klasse. „Ich bin Christ, Leiden ist mein Los“, zitiere ich La Cage aux Folles und führe den Löffel zum Mund. Nun bin ich nicht nur Christin sondern auch begeisterte Schauspielerin mit Clown-Ausbildung. Das mit dem Lachen bekomme ich schon hin, selbst wenn der Tran jetzt nicht so toll…. Oh Hilfe. Igitt. Die ölige Höllenflüssigkeit mit Fischgeschmack macht sich in meiner hilflosen Mundhöhle breit und wandert Richtung Hals. Ich rieche, schmecke, denke nur eines: FISCH. Bääääääääh. Würg. Lächel, lächel. Hilfe, es ist im Hals gelandet, automatisch schlucke ich. Igitt. Das wird immer schlimmer. „Oh Gesa, Tran schmeckt so prima!“ Darf eine Mutter schon so früh ihr Kind anlügen? Ruhe, keine Zeit für moralische Selbstdiskussion, weil…. Der Nachgeschmack kommt!!!! Ich schließe erschüttert die Augen und fühle mich wie Jona, der im Walbauch sitzt und dessen Magenwände ableckt. Gesa gluckst. Martin feixt. Ich öffne die Augen, reibe mir mit der Hand den Bauch und behaupte strahlend: „Geeesa, soooo lecker!“ Sie guckt zweifelnd auf mich und den kleinen Löffel, der sich nun ihrem Mund nähert. Man wird ja nicht gerne ausgespielt von jüngeren Konkurrenten, aber Gesas Minenspiel schlägt meines um Längen. Im Gegensatz zu mir, die tapfer geschluckt hat, schiebt das schlaue Baby die ölige Masse in die entgegengesetzte Richtung. Ein kleiner Löffel Tran fließt also an ihrem Kinn herunter und sorgt dafür, dass unsere wunderbare Tochter noch stundenlang wie ein französischer Fischhändler riecht. Später erfahre ich, dass es in der Apotheke Vitamin-D-Ersatz-Tran-Tropfen gibt, die, völlig geruchs- und geschmacklos in die Babymilch gegeben werden können. Ist ja mal wieder typisch, dass ich das HINTERHER erfahre. Naja, aber ansonsten hätte ich keine Geschichte erzählen können. So hat immer alles seine zwei Seiten. Die norwegische Gesundheitspropaganda ist aber nicht spurlos an uns vorübergegangen: Martin und ich nehmen jetzt täglich zwei Fischtran-Kapseln Möller’s Dobbel. Und Gesa bekommt täglich 5 Tropfen D-vitamin dråper. Die Flasche Tran steht seitdem unberührt in unserem Kühlschrank. In einem Monat muss sie weg. Falls also jemand sie will, einfach melden! Wirklich lecker!!!!! Und falls mir jemand die für deutsche Augen falsche Schreibweise von Möller’s erklären könnte, wäre ich auch dankbar. *** Das war es schon für heute, meine lieben Leser. Angeblich soll in Deutschland der Tran ein Comeback gefeiert haben, stimmt das? Und Ihr hier in Norwegen, seid Ihr auch Trantüten oder Totalverweigerer? Was immer Ihr seid, ich wünsche Euch und uns allen eine tolle Woche mit lauter köstlichen Dingen. Mir wünsche ich im Moment ein starkes Paar Ohrenschützer – Gesa hat gestern die hohen Stimmoktaven entdeckt und quietscht sich begeistert und lautstark durch den Tag. Ob ich etwas Tran……..? Ha det bra, 20150109_130249 (Ein Hoch auf die Kapseln!) Ulrike

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6 Kommentare zu “Ich bin eine Trantüte! ODER Norwegische Ernährung der besonderen Art…

  1. Wenn es bei meinem Besuch Mitte Februar bleibt, ist das Tran-Verfallsdatum erreicht – ODER?????????????!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!! 😦

  2. Andererseits: Ich habe über den Artikel sooo gelacht, dass ich (zu Eurer Belustigung!!) auch bereit wäre, eine Portion zu schlucken!!!

  3. Vitamin D3 Tropfen bekommt auch in Oesterreich jedes Kind. Also, zumindest war das bei meinen Kindern noch so.
    Wie ist das in Norwegen, steht da auch jedem Einwohner eine jaehrliche Gesundheitskontrolle mit Blutkontrolle zu (Dann muesstet ihr die Kapseln nur bei Bedarf nehmen)?

    Liebe Gruesse Tina

    • Blutkontrolle ist in Norwegen freiwillig und wenn man da einen Vitamin D-Mangel feststellt, bekommt man sehr gute Vitamin D Tabletten und kein Tran verschrieben. 😉

  4. Da nehmen meine Kids und ich doch lieber die aus Deutschland importierten Vigantoletten…ganz ehrlich, Tran kommt mir nicht ins Haus…ich will ja nicht wissen, wie das hergestellt wird. Bin ja schliesslich Mitglied bei Greenpeace und Sea Sheperd.
    In D gibts auch Vitamin D Tropfen für die ganz Kleinen, das empfehlen deutsche Kinderärzte.

  5. Ich würd‘ mich da erstmal mit meinem Arzt beraten und hinterfragen, ob Nahrungsergänzung überhaupt notwendig ist… und sollte es so sein, dann bestimmt auch eher mit Tabletten. Fischöl zu schlucken, stelle ich mir nicht halb so witzig vor, wie es sich hier bei Dir liest. 😉

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