Praktische Tipps für den Winter in Oslo – Teil 1 ODER Walk like a penguin!

achimkirchmeier.de

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Der eine will stark sein wie ein Bär. Die andere gern listig wie ein Fuchs. Mancher wünscht sich Adleraugen. Mir sind Bär, Fuchs und Adler gerade völlig schnurz. Ich möchte ein Pinguin sein.

Hallo, meine lieben Leser, wie schön, dass wir uns hier wieder treffen. Der Winter hat Oslo voll im Griff, aber es ist ein launischer Winter, den wir bisher erleben: Schneefall, Tauen, Schneefall, Tauen, Schneefall, RICHTIG KALT, Tauen….so geht das bereits seit ein paar Wochen. Ist ja nicht schlimm.

Wenn man plant, bis Mai im Haus zu bleiben.

Das will ich nicht und darum ärgere ich mich jeden Tag über das größte Winterproblem in Oslo: Eis. Kaum ein Bürgersteig, der nicht mit einer dicken Eisschicht überzogen ist. Obwohl die städtischen Streufahrzeuge unermüdlich im Einsatz sind, rutschen wir Osloaner täglich von A nach B. Die kleinen schwarzen Kiesel, mit der die Kommune versucht, dem Eis Herr zu werden, sind vor allem eines: Echt niedlich. Aber fast komplett wirkungslos. Warum nicht alle Hausbesitzer und Geschäftsleute verpflichtet sind, den Bürgersteig vor ihrem Haus/Geschäft eisfrei zu halten ist eine Frage, die mir hier niemand beantworten will. Ich vermute, dass sich einfach alle ans Rutschen und Fallen gewöhnt haben.

ICH MICH ABER NICHT!

Mir fehlt das norwegische Gleichgewicht-halten-oder-Lachen-trotz-Fallen-Gen und deshalb tue ich, was die meisten Nicht-Norweger auf Eis tun werden: Ich rutsche. Ich falle. Ich drehe Pirouetten, die mir beim Eiskunstlauf Punktabzug einbrächten. Und – ich fluche. Auf Englisch. Warum, das weiß ich selber nicht so genau, aber ein gut platziertes „F..k!“ schlägt ein deutsches „S…..e“ um Längen. Probiert es aus!

Nach zwei Wintern Fluchen und Rutschen suchte ich im Winter 2014 endlich nach Hilfsmitteln. Die erste Waffe gegen rutschigen Untergrund: Brodder. Das klingt doch gut, fand ich. Irgendwie stabil, sicher und verlässlich. Im Deutschen werden daraus neudeutsch Spikes, also kleine Spitzen, die unter den Schuhsohlen für Halt im Eis sorgen. Brodder gibt es in vielen Formen, meine sind aus elastischem Material und werden einfach über die Schuhsohle gezogen. Das Problem: Ich vergesse sie ständig mitzunehmen. Meistens geht das so: Nach zwei Gängen aus dem dritten Stock sind Baby, Wickeltasche, Windelmülltüte, Arbeitstasche, Handtasche und ich endlich alle zusammen am Kinderwagen – bereit loszugehen. Und dann: „Mist, die brodder sind noch oben! – Och nöööööö! – Wird schon nicht soo glatt sein!“

Also schieben wir los.

NaTÜRlich ist es glatt.

Wusste ich vorher.

NaTÜRlich nehme ich mir vor, die brodder beim nächsten Mal UNBEDINGT mitzunehmen. Am besten lege ich sie nach der Rückkehr SOFORT in den Kinderwagen. Jawoll, so mache ich das!

Klar. Klappt super.

Außerdem sind brodder uncool, habe ich gelernt. Die würden doch nur alte Leute überziehen, lachen mich gleichaltrige Freunde aus. Das geht doch auch ohne. Stell dich nicht so an!

Aber wie soll es denn ohne gehen, frage ich mich beim Rutschen über den Bürgersteig? Gibt es etwa eine Anleitung zum „Gehen auf Eis“?

Nein, natürlich nicht. – Es gibt ZAHLREICHE Anleitungen. Ich stoße im Internet auf Artikel verschiedenster Webseiten. Von senioryears.com über zeit.de bis hin zur US-Universität von Illinios bekomme ich praktische Tipps geliefert:

„Geben Sie sich ausreichend Zeit, um an Ihr Ziel zu gelangen.“

„Gehen Sie langsam.“

„Strecken Sie Ihre Arme aus, um das Gleichgewicht zu behalten.“

„Blicken Sie nach unten beim Gehen.“

Hm. Ich neige dazu, die Hände in die Manteltaschen zu stecken, während ich, himmelwärtsblickend, über vereiste Wege galoppiere. Danke für die guten Tipps. Als ich noch vor mich hin meckere, lese ich den Satz: „Gehen Sie wie ein Pinguin.“

Wie bitte?

Um mir das Leben einfacher zu machen, fügt die Autorin von today.com die folgende Zeichnung hinzu:

Das leuchtet mir irgendwie ein: Pinguine können sich schließlich perfekt auf Eis fortbewegen. Im Internet finde ich Webseiten und Videos (Ich lache immer noch!) zum Pinguin-Stil und gebe hier gerne das In-sechs-Stufen-zum-Pinguin-Programm weiter, mit dem ich mich zur Zeit auf meinen ersten Auftritt vorbereite:

  1. Aufrecht und entspannt stehen.
  2. Arme eng an die Seiten pressen.
  3. Handflächen hochklappen, bis sie parallel zum Boden sind.
  4. Brust raus, Schultern zurück.
  5. Gleichgewicht auf das vordere Bein legen.
  6. Loswatscheln.

Normalerweise, so die Autorin von today.com, läge das Gleichgewichtszentrum in der Mitte unseres Körpers. Die Beine seien so gezwungen, das Körpergewicht in einem bestimmten Winkel zu unterstützen, der für eisige Böden nicht geeignet ist. Man fällt. Legt man das Gleichgewicht nun immer auf das vordere Bein, fällt man nicht. Ganz einfach!

Um die kommenden Spaziergänge hier in Oslo mit heilen Knochen zu überleben, möchte ich also ein Pinguin sein. Aber nur bis zum Frühling. Dann träume ich wieder vom Fliegen.

***

Das war es schon wieder für heute, meine lieben rutschfesten Leser! Ich wünsche uns allen eine schöne Woche. Habt Spaß, genießt jeden Tag und sagt den Menschen und Pinguinen in Eurem Leben, wie wichtig sie Euch sind. Man weiß nie, wie lange wir alle zusammen sein werden.

Ich watschele also ab jetzt pinguingleich über die Bürgersteige und hoffe nur, dass mich niemand dabei sieht! Falls doch habe ich aber einen Weg gefunden, von meinem Gang abzulenken.

Ha det bra,

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Ulrike

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6 Kommentare zu “Praktische Tipps für den Winter in Oslo – Teil 1 ODER Walk like a penguin!

  1. Ja, mal wieder eine sehr gute Beschreibung der aktuellen Situation! 😉
    Aber ich unterstütze dich: die brodder trägt man sehr wohl auch in unserer Altersgruppe!!! Ich kann gar nicht zählen wie oft sie mich vor dem Boden schon gerettet haben und v.a. man läuft wider normal!

  2. Also ich würde mir ja an deiner Stelle einfach Piggsko kaufen. XXL hat eine gute Auswahl. Da kannst du deine Überzieher getrost vergessen. Und du musst nicht wie ein Pinguin watscheln.

    Liebe Grüße aus dem Westen :o)

  3. Na, da bin ich ja richtig froh, dass ich zur „alten“ Generation gehöre. Habe mir gerade gestern (für meinen Februar-Besuch in Oslo) „Spikes“ gekauft!!!
    🙂

  4. Haha! So erkennt Dich vielleicht niemand, aber Du fällst bestimmt mehr auf, als wenn Du nur watschelst. 😉

    Ich finde die Idee mit den Spikes besser. Kauf Dir doch gleich ein paar davon. Eins für die Handtasche, eins für den Kinderwagen, ein Notfallpaar im Auto und vielleicht kann man noch eins am Gürtel unterbringen.

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