„Adjø, Kneippbad und Dampfsauna!“ ODER Wie mich (diesmal) der Hausmeister überraschte

tonecartoons.uk

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Es gibt vieles, was ich am norwegischen Mietwohnungsmarkt ätzend finde: Die Preise (aktuelles Angebot: 41m² in Frogner für knapp 1700,- Euro), der teilweise marode Zustand der Wohnungen (Badezimmer aus den 30er Jahren), die Verfügbarkeit (freie Wohnung ab sofort, aber Kündigungsfrist 3 Monate). Eines finde ich aber ganz prima: Dass die Wohnungen samt Elektrogeräten vermietet werden. Kühlschrank, Herd, Spülmaschine, Waschmaschine und Trockner gehören in den meisten Wohnungen dazu. Geht dann mal etwas kaputt, ersetzt es der Vermieter.- Und manchmal erwartet er dabei von seinen Mietern telepathische Fähigkeiten.

In meinem Fall war das wenigstens so.

Hallo, meine lieben Leser, schön, dass wir uns hier wieder treffen. Erinnert Ihr Euch an die Geschichte von Herrn Siemens, dem Geschirrspüler? Nun, diesmal streikten nicht die Geräte in der Küche sondern im Badezimmer. Die Waschmaschine plante eine neue Karriere als Fliesenwäscher und der Wäschetrockner bildete sich als Saunaofen weiter. Nach jeder Ladung Wäsche hatten wir, kurz gesagt, einen nassen Boden und Nebel im Bad.

Meine entsprechende Nachricht an die Hausverwaltung brachte die übliche Antwort: „Bitte den Kundenservice von Bosch und AEG anrufen.“ Sollte der dann feststellen, dass es sich nicht mehr lohnt, das Gerät zu reparieren, gäbe es Ersatz. Gesagt, getan. Am kommenden Montag klingelte pünktlich um 9 Uhr der Bosch-Mann an der Tür. Als erstes zog der sympathische Techniker seine Schuhe im Flur aus – eine echt norwegische Sitte. In unserer Anfangszeit in Norwegen guckte ich immer irritiert, wenn unser norwegischer Besuch sich im Flur aus den Schuhen puhlte. HEUTE bin ich irritiert, wenn unser deutscher Besuch das nicht sofort tut.

Auf Socken stiefelte Herr Boschtechniker also ins Badezimmer und hatte nach wenigen Minuten das Problem gefunden: Ein riesengroßes Loch im Gummiteil der Trommel war Schuld am nassen Badezimmer. Eine Reparatur lohne sich bei einer derartig alten Maschine nicht mehr, so seine Aussage. Obwohl der Trockner von der Konkurrenz war, warf er einen kurzen Blick aufs Gerät und kam nach meiner Beschreibung der Sauna-Zustände zum gleichen Resultat wie bei der Waschmaschine.

Ich zahlte 800,- NOK an den besockten Techniker, der seine Schuhe wieder anzog und mir einen Bericht per Email am späten Nachmittag versprach. Die Email kam, wurde weitergeschickt an die Hausverwaltung (plus, die, wenn auch firmenfremde, Aussage zum AEG-Trockner) und am nächsten Tag erhielt ich die Antwort: Jawohl, so die Hausverwaltung ungefähr, das höre sich nicht gut an, beide Geräte werden durch ein Kombigerät ersetzt.

Außerdem bräuchten sie noch meine Kontonummer, um die 800,- NOK zurückzuerstatten.

Na, das waren doch mal gute Nachrichten!

WANN der Austausch der Geräte stattfinden würde, wüssten sie noch nicht, es würde sich aber jemand vorher bei mir melden. Prima! Ich hatte von meinem letzten Geräte-Austausch-Abenteuer gelernt und blickte die kommenden Tage IMMER in mein Spamfach – nur für den Fall, dass sich die entsprechende Email dort versteckt hielt.

Nichts passierte. Fünf Tage lang kontrollierte ich Email- und Spamfach, aber nichts. Fünf Tage lang verwandelte sich das Badezimmer weiter zu Kneippbad und Dampfsauna. Ich wurde langsam etwas ungeduldig und erwartete außerdem jeden Tag meinen Nachbarn aus der Wohnung unter uns vor unserer Tür – in Gummistiefeln und mit Regenschirm, weil Wasser durch seine Decke kam. Aber nichts passierte.Tag 6, Tag 7, Tag 8….. Das Leben nahm so seinen Gang, mittlerweile war meine Mutter zu Besuch gekommen und als wir an Tag 9 nach einem Spaziergang zurückkamen, bot sich uns folgendes Bild:

20150216_142400

Da stand ein kombinierter Waschtrockner vor meiner Wohnungstür.

Und wollte anscheinend hinein.

Ok, beschloss ich, es gab drei Möglichkeiten:

  1. Ich besitze ein weiteres Spampostfach, vom dem ich bisher nichts wusste.
  2. Ich habe die Email mit dem Termin gesehen und SOFORT wieder vergessen.
  3. Dr. Who hatte meine Mutter, Gesa und mich während des Spaziergangs in seine Tardis gelockt und in die Zukunft gebracht – dabei DEN Tag übersprungen, an dem ich die Email gefunden hätte.

Ok, ok, Möglichkeit 3 war nicht sehr wahrscheinlich. – Aber es war definitiv meine Lieblingsmöglichkeit!

Auf der Kombimaschine lag eine Nachricht für mich: „Können Sie mich bitte anrufen? Tel.: 12345678. Gruß, Stina.“ Stina ist unser neuer Hausmeister und sobald ich Kind und Schuhe abgelegt hatte, tippte ich entschlossen und gleichzeitig schuldbewusst Stinas Nummer. Da quält sich der arme Mann in die dritte Etage, um dann unverrichteter Dinge wieder gehen zu müssen. War mir das peinlich!!! Es klingelte. Folgender Dialog ergab sich:

Ulrike: „Hallo Stina, hier ist Ulrike aus der Sorgenfrigata.“

Stina: „Ah, ja! Hei!“

Ulrike: „Ich komme gerade nach Hause und finde einen Waschtrockner vor meiner Tür.“

Stina: „Ja, den habe ich dort hingestellt.“

Ach nee….

Ulrike: „Es tut mir leid, anscheinend habe ich die Email mit dem Termin nicht gesehen.“

Stina: „Es gab keinen Termin.“

Stille. Ich versuchte, diese unerwartete Information zu verarbeiten.

Ulrike: „…äh…“

Stina (lacht): „Und deswegen auch keine Email!“

Das hatte eine gewisse Logik.

Ulrike: „Ja, aber…wie…äh…was?“

Stina: „Ich dachte, ich komme einfach mal vorbei. Aber dann hatte ich keinen Schlüssel und konnte nicht rein. Und Sie waren ja nicht da.“

Wie jetzt, ich war nicht da? Wieso hätte ich denn auch….

Ulrike: „Ich konnte ja nicht ahnen, dass Sie und die Maschine kommen.“

Stina: „Hätte ja sein können.“

An diesem Punkt musste ich tief einatmen und überlegen, ob ich im Mietvertrag angegeben hatte, übersinnliche Fähigkeiten zu besitzen. Oder ob das vielleicht eine Anforderung war, um diese Wohnung zu mieten. Mist, und nun war ich aufgeflogen….Hoffentlich holte mich Dr. Who bald wieder ab!

Ulrike: „Ja, tut mir leid, ich habe das leider nicht geahnt.“

Stina: „Macht ja nichts.“

Stille.

Pause.

Waschtrockner: „Hallo? Ich steh hier immer noch.“

Ulrike: „Ja, und was passiert nun?“

Stina: „Ich komme morgen vorbei.“

Ulrike&Waschtrockner: „MORGEN?“

Stina: „Das Gerät ist so ein Schwergewicht, das nimmt schon keiner mit.“

Waschtrockner: zieht hörbar und empört Luft ein.

Stina: „Ich rufe vorher nochmal an, ja? Bis morgen!“

Wir beendeten dieses merkwürdige Gespräch. Ich berichtete dem Waschtrockner sein Schicksal. Dann schloss ich die Tür wieder und dachte: „Das ist so typisch norwegisch!“

Am nächsten Morgen kam Stina wie versprochen vorbei, ließ seine Schuhe an (es scheint besondere Schuhregeln für schwere körperliche Arbeit zu geben), tauschte die Geräte aus und nach knapp einer Stunde stand Herr Waschtrockner Bosch im Badezimmer. Ich verbringe seitdem viel Zeit mit ihm. Ich helfe ihm einerseits, das Flur-Trauma zu überstehen, andererseits versuche ich, meine telepathischen Fähigkeiten gegenüber Elektrogeräten auszubauen. Wer weiß, wann das mal wieder von mir verlangt wird.

Der Herd hustet seit kurzem auch so komisch.

***

So, meine lieben Leser, das war es für heute. Ich hoffe, Ihr hattet Spaß beim Lesen! Habt ein tolles Wochenende und eine noch tollere Woche, lasst Euch überraschen und vergesst nicht zu lachen! In der Deutschen Gemeinde zeigen wir morgen in Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut Oslo einen absoluten Filmklassiker: „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“. Ab 13 Uhr – kommt zahlreich und habt Spaß! – Meine wöchentlichen Grüße gehen diesmal an unsere Berliner Lieblings-nun-nicht-mehr-Studentin-Nichte Meli, die gerade ihre Masterthesis  erfolgreich verteidigt hat! Klasse! Hipphipphurrah!

Macht es gut, bis nächsten Freitag!

Ha det,

Herr Bosch

Ulrike

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7 Kommentare zu “„Adjø, Kneippbad und Dampfsauna!“ ODER Wie mich (diesmal) der Hausmeister überraschte

  1. Hmmm, war das nun schlimm, dass der Waschtrockner da ohne Termin hingestellt wurde? Und warum musste sie zum tragen nun wiederkommen? Hätter ihr das beide nicht geschafft? Hmmm. Vielleicht seh ich das irgendwie nur so. Seltsam. Aber auf jeden Fall hoffe ich, dass du mit dem Ding zufrieden bist! Ich hatte mal einen Waschtrockner und das Ding hat nie so gut getrocknet wie ein reiner Trockner. Ich hab das Ding verschenkt und mir 2 einzelne Geräte gekauft. 🙂

    • Hahaha…also entweder bist du schon zu lange in Norwegen oder ich noch nicht lange genug 😉 und nein, ich hätte nicht die beiden alten Geräte abgebaut und entsorgt, dann das neue reingetragen und installiert – nicht bei der Miete, die wir hier zahlen 😉

      • Also ich hätte natürlich auch nur die neue reingeschleppt und die alten beiden zur Abholung in den Flur gestellt. Aber ansonsten ist es ja nichts weiter als den Ab- und Zulaufschlauch festzudrehen. Das ist keine Raketenwissenschaft. Aber du hast schon Recht. Wir bezahlen hier so verdammt viel Miete (es sind fast 2000 Euro – für Deutschland schier unglaublich), da sollte alles drin sein. Und dann braucht es natürlich auch einen Termin für alles. Ha en fin helg!

  2. Witztige Geschichte! 🙂 Mit Waschmaschinen kann man etwas erleben.

    Ich bin sehr froh über unsere Neue, die wir uns letztes Jahr angeschafft haben, nachdem ich keine Lust mehr hatte, mich beim Spülen auf die Alte zu setzen nur, damit sie nicht durch’s ganze Bad wandert. 😉

    Übrigens finde ich den Namen Sorgenfrigata ja irgendwie sehr sprechend. Klingt nach einer Kombinationen aus „Sorgen“ und dem italienischen „fregata“ (Schwindel oder „aufgeschmissen sein“). Fragt sich nur, wer da aufgeschmissen ist. 🙂

    • Haha Corinna, gute Übersetzung, dabei si d wir hierher gezogen, um „sorgenfrei“ zu leben :). Ich hoffe, es gibt Videomaterial von dir beim Waschmaschinenrodeo 😉

      • Haha… nee, nur ein Foto, das Luigi sich dazumal nicht verkneifen konnte. Dem sieht man die Dramatik der Lage aber auch nicht an. Ich hoffe, eure neue Maschine läuft gut und ohne zu hopsen. 🙂

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