Konsumentennähe ist wichtig ODER Meine Kuh heißt Beyoncé!

mit-der-kuh-kuscheln

Ein Liter Vollmilch, ein Liter Leichtmilch, ein Liter extraleichte Milch, ein halber Liter Vollmilch und ein halber Liter leichte Milch. Der Kassierer im Supermarkt blickt etwas irritiert auf meinen laktosehaltigen Einkauf, wirft dann einen Blick in den Kinderwagen und zieht seine eigenen Schlüsse. Dabei kaufe ich die Milch nicht wegen der Milch. Ich kaufe sie wegen der Bilder!

Hallo, meine lieben Leser, wie schön, dass wir uns hier wieder treffen. Ich bin jemand, für den es sich lohnt, Produktpackungsschreiber zu sein – falls es diesen Beruf gibt. Ihr wisst schon, diese werbeähnlichen Texte, die auf die Verpackungen gedruckt werden. Ich lese die, jawohl! Beispielsweise auf dem Klo. Dort kann einem manchmal langweilig sein. In diesen Fällen schnappe ich mir die erste verfügbare Verpackung und beginne, mich zu informieren. Ob Kontaktlinsenmittel, Zahnpasta oder Bodylotion – ich lese alles.

Jeder hat seine Abgründe.

Gestern Morgen war mir beim Frühstück langweilig. Die Zeitung hatte ich gelesen, mit dem Essen war ich fertig – nur Gesa kaute noch voller Hingabe an ihrem Brot. Ich beschloss noch einen Kaffee zu trinken, griff zur Milchpackung und erblickte Beyoncé.

Nein, nicht die:

http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/1/11/Beyonce_-_Montreal_2013_(3)_crop.jpg

Die:

20150605_113647

Also, eine Kuh namens Beyoncé MUSS man interessant finden, deshalb las ich weiter: „Das ist Beyoncé – einer der vierbeinigen Superstars auf dem Øvre Stengelsen Bauernhof. Hier können die Milchkühe im Sommer und Winter nach draußen gehen und die beste Nahrung genießen, die die Natur zu bieten hat. Das Resultat ist berühmt: Frische Milch direkt aus Alta.“

Meine Langeweile war wie weggemuht. Ich suchte nach weiteren Infos über meine Kuh, fand auf der anderen Seite des Literpacks aber stattdessen ein Bild der Bauernfamilie. Noch besser! Die Milchbauern Sigurd und Ingrid, so lernte ich, betreiben den Øvre Stengelsen Bauernhof mit ihren Töchtern. Wie schön! Da scheint Beyoncé in guten Händen zu sein. Sogar Besuch bekämen die Kühe, lese ich, von Schul- und Kindergartenkindern.

Ich will auch!

Am Mittag im Supermarkt entdeckte ich, dass die große norwegische Milchfirma (die ich jetzt nicht nenne, weil alle sonst denken, ich bekäme Werbegelder) – diese Milchfirma also bietet verschiedene Milchsorten an.  Vollmilch, Leichtmilch, extra leichte Milch…

(Mir fällt ums Verrecken der richtige deutsche Begriff nicht ein. „Leichtmilch“?? Hört sich falsch an. Im Norwegischen heißt es zwar auch lettmelk, aber wie heißt es im Deutschen???….Tja….es fällt mir nicht ein und Google lässt mich im Stich…es bleibt also bei Leichtmilch…albern….LEICHTMILCH…dusselig….pff….weiter im Text…)

Leichtmilch, Vollmilch, extra leichte Milch werden also in Literpackungen angeboten; lettmelk und Vollmilch auch in Halbliterpackungen.

Ob wohl auf allen Packungen Beyoncé zu finden ist?

Oh nein!

Zu meiner großen Freude entdeckte ich, dass jede Milchart andere Bilder und Texte hat!

Super!!!!

(An diesem Punkt stockte ich und nahm mir vor, mehr raus zu gehen. Ich brauche anscheinend Abwechslung. Und zwar schnell!)

Ich packte also von jeder Milchart eine Packung in den Korb, verwirrte den Kassierer und lernte Zuhause kennen:

– Jakob und seinen Großvater Per Arne vom Opsahl-Hof in Roa, den die Kühe besonders gern mögen (fast so gerne wie den Klee und die Wiesengräser),

– Kari Sofie vom Hof in Tingelstad, die gern mit Kühen schmust,

– den von Holunderbüschen umrahmten Hof in Nordre Bjørge, auf dem die braune Kuh Lotta aufwächst,

– und Bjørg Irene, die sich beim Sommerjob in Alsetaunet nicht nur in die Natur sondern auch in den Bauern verliebte – und blieb.

20150605_113523

Begeistert saß vor meinen vier Litern Milch. Und fragte mich dann:

Was mache ich bloß damit?

Leider gibt es in Norwegen keine H-Milch.

Egal, es hat sich gelohnt, um einige der hochsubventionierten norwegischen Milchbauernhöfe kennenzulernen. Ich danke Beyoncé, Hjertros, Lotta, Stina, Svartlin und allen anderen Kühen für die Milch – und Euch, meine lieben Leser, naja… für’s Lesen eben!

***

Das war es schon für heute. In einem Land, wo Kühe auf Matratzen schlafen, beschmust werden und auf unendlich wirkenden Weiden grasen können, muss die Milch ja gleich viel besser schmecken! Meine veganen Leser bitte ich das Thema übrigens zu entschuldigen – ja, ich weiß, warum Kühe immer Milch geben und nein, das finde ich bei näherem Nachdenken nicht in Ordnung. Aber die Verpackungen waren trotzdem ein Spaß zu lesen!

Ich wünsche uns allen eine tolle Woche – der Sommer hat es nach Oslo geschafft, mal sehen, wie lange er bleibt. Hier sind alle in sommer avsluttning-Stimmung, eine Abschieds- und Abschlussparty jagt die nächste. Kein Wunder, dass alles etwas größer gefeiert wird: Die Sommerpause geht von Ende Juni bis Ende August.

Ob die Kühe wohl auch Sommerferien bekommen?

Hier in Norwegen würde es mich nicht wundern.

Ha det bra,

2015-06-11 21.05.58

Ulrike

Advertisements

10 Kommentare zu “Konsumentennähe ist wichtig ODER Meine Kuh heißt Beyoncé!

  1. Hei på deg!

    Schöner „Milch-Exkurs“ 😉 und doch mal eine nette Idee von der Firma mit den vier Buchstaben, „ihre“ Bauern und Kühe vorzustellen…
    Wenn du gerne die Texte auf Verpackungen liest, lohnen sich evtl. auch die „Kvikk lunsj“ Packungen – zumindest zu meiner Norwegen-Zeit stand da innen auf dem Papier immer was… 😉
    „Lettmelk“ ist hier glaube ich „fettarme Milch“, also die mit 1,5% Fett.
    Zur Verwendung der Milch kannst du ja vielleicht Pudding oder „Risengrynsgrøt“ kochen…
    Ha en fin helg!

    • Fettarm, genau!!!!! Und ja, du hast recht, Kvikk lunsj hat tolle Beschreibungen von Wandertouren. Da lohnt sich das Lesen wirklich!
      Dir auch ein fin helg 😉

  2. *lol* Ich oute mich hiermit ebenfalls als eine „auf dem Klo alles Leserin“.

    Mit vier Litern Milch könntest du zum Beispiel Griesbrei kochen… so als Anfang. Auch bei Milchreis ginge relativ viel davon drauf, dann Pudding… oh, ich glaube, ich geh‘ mal nachsehen, wie viel Milch wir noch haben. 😉

  3. Schade, da war einer sehr schnell, ja es ist die 1.5% Milch.
    Wikipedia mit Sprachvergleiche hat Unterschiedliches zu „Milch“ zu liefern.
    Das Norwegische Wort gefällt mir auch besser.
    Das deutsche neigt zum amtsdeutschen „fettreduziert“
    Übrigens war es nun TINE oder Arla?
    Übrigens das Norwegische Wort für Molkerei finde ich interessant.

    • Arla kenne ich gar nicht, die scheint es im Süden nicht zu geben? „Molkerei“ musste ich erstmal nachgucken, um dann „Ach ja!“ zu rufen: Meieri. Warum ist das so interessant? Waren „Meier“ wie im Deutschen Molker? Danke für’s googlen der Milch – „fettarm/fettreduziert“ da wäre ich nie drauf gekommen. Ist auch irgendwie sehr deutsch, oder? Der Milch fehlt etwas, anstatt, ganz positiv in Norwegen, die Milch ist eben „leicht“ 🙂

  4. So sind wir Deutschen halt.
    Arla-Butter gibts hier übrigens u kaufen. Dann wird es doch sicher in Oslo auch Milch dort geben? Vielleicht nicht in deinem bevorzugten Supermarkt, aber irgendwo bestimmt 🙂

    Milch kann man sicherlich auch einfrieren und bei Bedarf, wenn der nächste Pudding gekocht werden soll, dafür auftauen. Denke nicht, dass das in irgend einer Form dem Geschmack abträglich ist.
    Ich finde es übrigens toll, dass es nur Frischmilch gibt, denn die schmeckt einfach um Längen besser als haltbare. Nur muss man dann immer achten, dass man ausreichend im Haus hat und rechtzeitig los gehen.

  5. Es muss dazu gesagt werden, dass jede Region andere Milchverpackungen hat. In Trøndelag haben wir zum Beispiel Ian-Daniel, der am Frühstückstisch mit seinem Namen belustigt. 😉

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s