Winke winke! ODER Sommer ist die Zeit der Abschiede…

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Hier in Norwegen habe ich gelernt, Abschied zu nehmen. Das hört sich jetzt dramatischer an, als es ist. Aber nach drei Jahren, in denen immer wieder liebgewordene Menschen die Stadt verlassen, kann ich sagen: Ich bin ein Abschiedsprofi.

Hallo, meine lieben Leser, schön, dass wir uns hier wieder treffen. Der Beginn des Sommers ist immer auch ein Ende hier in Norwegen. Nicht einer unserer drei Sommer hat hier ohne Abschiede gestartet.

„Wie denn, was denn, es ist doch so toll in Norwegen, wo wollen die denn alle hin?“ höre ich Euch fragen.

Hier in Oslo, gerade in der deutschen, aber ich vermute auch in anderen ausländischen Gemeinden, ist der Wechsel hoch. Es gibt Menschen, die von vornherein nur für eine bestimmte Zeit in der Stadt sind. Dazu gehören deutsche Au Pairs, die nach ihrem Abitur in Deutschland Lust aufs Ausland hatten. Oder Praktikanten an deutschen Institutionen wie der Deutschen Schule oder der Deutschen Botschaft. Einige absolvieren ein soziales Jahr hier über die Organisation Aktion Sühnezeichen Friedensdienste. Sie alle bleiben meistens für ein Jahr in Oslo.

Dann gibt es sogenannte „Expats“, Arbeitnehmer, die von ihrer z.B. deutschen Firma für eine gewisse Zeit in eine Auslandsfiliale versetzt werden. Nach meistens vier Jahren ist auch hier ein Wechsel angesagt und die Familien kehren entweder nach Deutschland zurück oder ziehen in das nächste Land. Ähnliches gilt für die Mitarbeiter der deutschen Botschaften. Oder, wie dieses Jahr, für die Pfarrerfamilie der Deutschen Gemeinde. Nach neun Jahren gab es keine Verlängerungsmöglichkeit mehr und Familie Baur ist letzte Woche nach Stuttgart zurückgekehrt.

Dann gibt es natürlich rein persönliche Entscheidungen: Jemand hatte schon immer den Traum, nach Norwegen zu ziehen. Aber irgendwie, irgendwas und überhaupt passt es nicht. Das Heimweh ist groß, die Familie fehlt zu sehr, die Arbeitswirklichkeit hier in Norwegen gefällt nicht. Der oder die Liebste in Deutschland will vielleicht doch nicht nach Oslo nachkommen, der Katze gefällt es hier auch nicht und überhaupt ist alles komisch.

Tja und dann heißt es irgendwann, meistens eben zum Sommer: Tschüß, Oslo.

In den ersten drei Monaten musste ich mich schon von zwei sehr netten Menschen verabschieden und fand das blöd. Danach habe ich ernsthaft überlegt, neue Bekanntschaften als erstes zu fragen: „Wie lange bleibst du hier?“ um dann, bei falscher Antwort, das Weite zu suchen.

Das klappte nicht.

Irgendwann habe ich es dann akzeptiert. Das ist nun einmal so, habe ich gelernt, vor allem, wenn man sich in einer Auslandsgemeinde bewegt, wie wir eben in der deutschen Gemeinde hier in Oslo. Aber statt jetzt jedes Jahr in Tränen auszubrechen, sage ich mir: Toll, dass ich so viele verschiedene Menschen kennenlerne. OK, vielleicht verbringen wir nur ein paar Monate zusammen, aber das ist doch besser, als hätten wir uns nie getroffen.

Das hat natürlich auch Nachteile. Je öfter man sich verabschiedet, umso mehr gewöhnt man sich daran und denkt irgendwann: Ach ja, jetzt kommt diese Zeit wieder. Was nicht heißt, dass der Abschied weniger schwer fällt. Aber man ist…oder ich bin…von vorne herein distanzierter in diese neue Bekanntschaft gegangen. Und dann fällt das Abschied nehmen weniger schwer. Das ist schade – aber ich kann doch nicht jedes Jahr den Sommer mit Tränenströmen begrüßen!!!!!

Wirklich nicht!

Wie sähe man denn dann aus nach ein paar Wochen?

So aufgequollen und überhaupt!

Das ist doch nicht hübsch!

Auf jeden Fall ist das Abschied nehmen ein Teil meines Lebens hier in Norwegen geworden und ich bin froh für alle, die dieses Jahr hiergeblieben sind. Froh bin ich aber auch für die, die ich kennenlernen durfte und die nun wieder zurück in der Heimat sind.

Warten wir auf die, die jetzt kommen und alle meine Freunde hier in Oslo warne ich: Bleibt bloß hier!!!

So gut bin ich dann im Abschied nehmen doch noch nicht!

***

Das war es für heute, meine lieben Leser. Ich wünsche uns allen eine sonnige Woche mit angenehmen Temperaturen, viel Lachen, wenigen Abschieden und all den Sachen, die man im Sommer so machen will. Meine speziellen Grüße gehen diese Woche an meine Blog-Kollegin Corinna vom Italien-Blog Mein Apulien mit ganz herzlichen Glückwünschen zur Geburt des kleinen Davides.

Macht es gut, bis nächste Woche,

ha det bra,

20150710_171500

Ulrike

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7 Kommentare zu “Winke winke! ODER Sommer ist die Zeit der Abschiede…

  1. Achjee, ja, das ist nicht schön. Und ich kann verstehen, dass du dich nicht ganz auf neue Bekanntschaften einstellen möchtest. Die Frage, die bleibt, ist aber : nimmst du dir dadurch nicht ein bisschen mehr Lebensfreude?
    Dank sozialen Netzwerken kann man auch über 1000 e km in Kontakt bleiben, solltet ihr selbst irgendwann wieder Abschied vom Land und den Leuten nehmen und weiter ziehen, findet ihr vielleicht an neuen Orten alte Bekannte wieder und fühlt euch gleich ein bisschen wohler…

  2. Hallo Ulrike,
    das deckt sich genau mit meinen Oslo-Erfahrungen – hohe Fluktuation allenthalben, und ich habe in meinen 5 Jahren genau zwei Freundinnen kennengelernt, die mir die gesamte Zeit über erhalten geblieben sind… Ansonsten war es eben wegen der hohen Fluktuationsrate eher schwierig, und wahrscheinlich war ich wie du dann auch schon von Anfang an distanzierter.
    Wünsche dir ein schönes Wochenende ohne weitere Abschiede.
    Viele Grüße!

  3. Der Begriff „Auswanderung“ verwundert mich.
    Ich habe Verwandtschaft in der Toskana (dauerhaft) und die kommen oft nach Deutschland.
    Ich habe Engländer als Bekannte hier (dauerhaft) und ein Trip auf die Insel – so oft wie möglich.
    In NRW gibt es viele Grenzgänger.
    Aber im Internet lese ich oft: Ich (Kiel) will nach Esbjerg auswandern, was muss ich beachten?
    Todernst wird dann geantwortet, als wäre es die USA.
    Ähnliches Phänomen ist die Schweiz, die deutschen leben idort n einem teuren Käfig und Kurztrips sind wohl Luxus, (Schweizer Fernsehen)

  4. ASF ersetzen also wie innerhalb Deutschland die Freiwillige „Ersatzdienstleistenden“
    fehlende Planstellen zb in Altenheime oder Essen-auf-Räder. Deutsches Fachpersonal
    wird nicht eingestellt oder wenn doch, dann sind die Arbeitsbedingungen wie in Deutschland?
    Sie haben es wohl gehört, südeuropäisches Pflegepersonal kündigen wegen der Überforderung gegenüber den Alten Menschen oder Patienten in der BRD Reihenweise.
    Ärzte ohne Deutschkenntnisse müssen Diagnossen Stellen. (ARD / ZDF)
    Überall werden Fachkräfte gesucht und es heißt das Mangelberufe „Sichere Jobs“ garantieren. Die Realität ist aber das niemand eingestellt wird außer Ehrenamtliche Tätigkeiten.
    Ähnliche Frusterfahrungen liest man auch aus Schweden und Dänemark in deutschsprachige Posting.
    Dann kann auch niemand Wurzel bilden und es bleibt bei der hohen Fluktuation vor Ort.

  5. Hey, danke auch für die Gratulation auf deinem Blog. Heute komme ich mal dazu meinen Reader abzuarbeiten. Der Kleine hält mich wirklich gut auf Trab! Aber so ein Stillkissen ist Gold wert. 🙂

    Wie sieht es denn mir norwegischen Freundschaften aus? Hier in Italien ist das schwierig, weil alle so eng im Familienclan zusammenhängen. Da kann man mit außerfamiliären Personen nur sporadisch Kontakt pflegen. Eine richtige Freundschaft hat sich bei mir noch nicht ergeben.

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