Blaubeeren, Russ und Einweggrills ODER Der Wonnemonat Mai in Oslo

„Ach guck, da sind sie ja wieder!“ – „Ach guck, da blüht es ja wieder!“ – „Ach guck, da schwanken sie ja wieder!“ – Ach guck, ach guck, ach guck. Im Mai müsste ich den Blog eigentlich umnennen. Nicht Neues aus Norwegen – nein, Altbekanntes aus Norwegen müsste er jetzt heißen.

Hallo, meine lieben Leser, wie schön, dass wir uns hier wieder treffen. Zum vierten Mal erleben wir den Mai in Oslo und ich bemerke, wie lieb mir diese jährlichen Traditionen schon werden. So gierig wir doch heute danach sind, immer alles neu und anders und besser und ungewöhnlicher zu haben, so sehr liegt uns doch an Altbekanntem. Kotzende Abiturienten zum Beispiel. Die sind doch jedes Jahr wieder ein Schauspiel!

Seit einigen Wochen beleben die roten, blauen oder schwarzen Latzhosen wieder die Straßen von Oslo. Der diesjährige Abiturjahrgang sieht noch jünger aus als der im Jahr davor. Ansonsten ist alles wie immer: Der Springbrunnen vor dem Nationaltheater schäumt dank Russ-Seife, gefrustete Lehrer posten Bilder leerer Klassenzimmer und am Tryvann treffen sich Russe aus ganz Norwegen zur potentiell größten Russfeier des Jahres – diesmal mit echtem Schnee dank eines unverschämt späten Wintereinbruchs.

Aber es gibt auch Neuheiten von der Partyfront: Immer mehr Abiturienten verweigern sich dem Russritual. Wurden sie früher noch als Partypupser ausgelacht, scheinen sie heute immer größeren Anklang zu finden. Naja…bei Eltern und Lehrern wahrscheinlich. Ich finde es schon mutig und auch – darf man das sagen?- unnorwegisch, sich dem Gruppenzwang zu entziehen. Hut ab also an alle Russverweigerer!

Noch bis zum 17. Mai geht die Feierei, die Parade am Nationalfeiertag beendet die Partyzeit und schickt die Schulkinder zurück in die höheren Lehranstalten. Über „alkoholische Gärung“ wissen sie dann bestimmt genug.

haz.de

haz.de

Der 17. Mai, Norwegens Nationalfeiertag, wirft seine blau-weiß-roten Schatten schon seit mehreren Wochen durch die Stadt. Im Supermarkt bedeutet das, zu Gesas großer Freude, dass gewaltige Becher mit noch gewaltigeren Blaubeeren die Obstabteilung füllen.

Erdbeeren und Blaubeeren sind die populärste Dekoration für Kuchen oder Desserts zum syttende mai  und werden tonnenweise gekauft – selbst wenn sie so gespritzt und unnatürlich erscheinen wie die Lippen von Kim Kardashian. Schmecken tun sie trotzdem irgendwie. Also die Beeren. Die Lippen kann ich nicht beurteilen!

Dank zahlreicher Feiertage ist der Mai hier in Norwegen wirklich ein Wonnemonat. Leider hat sich der 1. Mai 2016 auf einen Sonntag verirrt, aber dafür liegen Pfingsten und der Nationalfeiertag diesmal genau hintereinander und ich frage mich, ob irgendwer im Mai überhaupt noch arbeiten geht. Wozu eigentlich – sind doch sowieso bald Sommerferien!

Der Sommer – wie freue ich mich auf ihn! Langjährige Blogleser werden meinen Weg von Sommerhasserin zu Sommerliebhaberin verfolgt haben. Norwegen hat mir zwar beigebracht: Det er ikke dårlig vær, bare dårlig klær – es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung – und so versuche ich, jeder Jahreszeit ihre schönen Seiten abzugewinnen. Aber der Sommer ist mir doch mehr ans Herz gewachsen hier oben im Norden.

(„Haha!“, lachen jetzt alle nördlich von Oslo…)

Draußen sein ohne drei Lagen Kleidung, laufen können ohne hinzufallen, im Sognsvann schwimmen und auf Hovedøya grillen gehen, Blaubeeren pflücken, Eis essen, am Bogstadvann unter rauschen Birken zu liegen… und und und….ich mag den norwegischen Sommer!

Was ich nicht mag sind Einweggrills. Die finden sich ab jetzt auch überall, ob verschweißt im Supermarkt oder stinkend und vor sich hin kokelnd im Frognerpark – sie sind und bleiben eine ökologische Unart. Und die Würstchen werden darauf auch nicht gegrillt, eher warm gemacht. Danke an alle Freunde mit großen Reserven an Nürnberger Rostbratwürstchen oder Thüringern und ordentlichen Grills!

Toll, jetzt habe ich Hunger.

Alles kehrt wieder. Klar, das ist in jeder Jahreszeit so, aber der Mai lockt uns alle raus aus unseren Stadtwohnungen und bringt uns in Feierlaune und ist dadurch irgendwie besonders. Für mich auf jeden Fall.

Same procedure as last year? – Same procedure as every year!

***

So, das war es für heute meine lieben Leser! Den gestrigen Himmelfahrtstag haben Gesa und ich mit der Theatergruppe verbracht – wir sind um den Bogstadvann gewandert bei herrlichstem Sonnenschein und haben anschließend Pizza gemacht. Ein sonniger, wunderbarer, lustiger, lauter Tag – der vielleicht auch zur Tradition wird.

Uns allen wünsche ich einen wirklich wonnigen Mai mit Sonne am Himmel und im Herzen, mit Lust auf Feiern und Zeit zum Genießen. Macht das Beste draus!

Ha det bra,

Theaterdamen unterwegs :)

Theaterdamen unterwegs 🙂

 Ulrike

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2 Kommentare zu “Blaubeeren, Russ und Einweggrills ODER Der Wonnemonat Mai in Oslo

  1. Und während bei uns der Sommer bereits angefangen hat, ist er bei euch dann auch bald vorbei. Geniesse also das warme Wetter!

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