Schönen St. Hallvard-Tag! ODER Ein Abbild auf dem Gullideckel…

„Frohe Pfingsten“ wünscht man sich heute in der christlichen Welt. Heute am 15. Mai 2016 feiern wir hier in Oslo nicht nur Pfingsten. Es ist auch St. Hallvard Tag!

Hallo, meine lieben Leser, habt Ihr jemals das Stadtwappen von Oslo gesehen? Oder: bewusst an-gesehen? Mir ist es in den letzten vier Jahren häufig untergekommen – von Gullideckeln bis zum Kindergeldbescheid. Für alle, die es nicht kennen oder sich nicht erinnern können, hier ist es:

Man sieht darauf einen Mann mit Heiligenschein, der in der einen Hand drei Pfeile und in der anderen – nein, keine CD – einen Mühlstein hält. Unter ihm liegt eine nackte Frau. Das, in wenigen Symbolen, ist die Geschichte von Hallvard Vebjørnsson. Und bevor Ihr rätselt und versucht, Symbole zu verbinden, erzähle ich, so gut ich kann, seine unglaubliche Geschichte:

Hallvard lebte im Oslo des 11. Jahrhunderts, einziger Sohn eines Großbauerns. Eines Tages im Mai entschied er sich, eine Bootstour auf dem Fjord zu unternehmen. Während er das Boot startklar machte, kam eine junge Frau auf den Steg. Sie rannte um ihr Leben. Die junge Magd wurde von drei Männern verfolgt, die sie als Diebin verhaften wollten.

Hallvard, von edler Gesinnung, ließ die junge Frau auf sein Boot, löste die Seile und das Boot segelte hinaus auf den Fjord. Die drei Verfolger waren wenig begeistert, schnappten sich das nächstbeste Boot und begannen die Verfolgung. Sie beschuldigten Hallvard lautstark, einer Diebin zu helfen und beschossen ihn und die Frau mit Pfeilen. Beide starben auf See. Die Mörder nahmen die Leiche der Frau mit an Land. Hallvards toter Körper aber wurde auf einen Mühlstein gebunden und im Fjord versenkt.

„Fall erledigt“, dachten die Mörder.

Doch zur allgemeinen Überraschung versank Hallvards Körper nicht, sondern trieb mitsamt dem Mühlstein an Land, wo der edle Mann ordnungsgemäß begraben werden konnte. Das Volk begann ihn als Märtyrer zu verehren: Hallvard, der eine Unschuldige verteidigte und dabei sein Leben verlor. Im Jahr 1053 siedelte König Harald Sigurdssønn das Grab in die Marienkirche um und Hallvards sterbliche Überreste zogen um in einen Schrein mit Silberverzierung. Knapp 80 Jahre später fand Hallvard seine letzte Ruhe in der 1130 fertiggestellten St. Hallvardskirche.

Am 15. Mai feiert Norwegen seitdem den Heiligen Hallvard, der auch ab dem 14. Jahrhundert das Stadtwappen Oslos ziert. Wer dem Stadtheiligen heute etwas nahe sein möchte, kann die Ruinen der alten Hallvardkirche in der Altstadt von Oslo besichtigen – und vergesst nicht, nach den Gullideckeln zu gucken!

***

So, das war es für heute, meine lieben Leser. Diese Geschichte ist mir heute ganz unerwartet beim Konfirmationsgottesdienst in der Deutschen Gemeinde begegnet. Danke, Georg, fürs Erzählen! Uns allen wünsche ich ein schönes Pfingstfest und allen hier in Norwegen einen wunderbaren 17. Mai! Viel Spaß bei der Parade, beim Eisessen, beim Picknicken, bei Feiern in Familie und Schulen, beim Fahnenschwenken und und und… Es ist nicht alles perfekt hier, aber ich stimme am Nationalfeiertag gerne ein in: „Ja, vi elsker dette landet!“

Hilsen,

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(Wie die Zeit vergeht: 17. Mai 2013 – und diesmal stehen wir bestimmt wieder am selben Platz zur Parade)

Ulrike

 

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