Schule ohne Noten ODER Ich dachte, ich erzähle Euch etwas Neues……

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@UliStein

Na, toll. Da finde ich ein interessantes Thema hier in Norwegen, will Euch in Deutschland damit etwas “gaaaanz Neues” erzählen und stelle fest: Pustekuchen, das kennt Ihr schon. Old news. Schnee von gestern. Schule ohne Noten – ein alter Zopf ist das!

Hallo, meine lieben Leser, wie schön, dass wir uns hier wieder treffen. Eigentlich wollte ich Euch heute davon erzählen, dass es hier in Norwegen bis zur 8. Klasse keine Schulnoten gibt. Stattdessen bekommen die Schüler mehr oder weniger schriftliche Bewertungen, ähnlich wie dem, was ich als Schülerin Ende der 70er-Jahre in der Grundschule bekommen habe: “Ulrike nimmt aktiv am Unterricht teil und malt sehr schön.” Naja, ein bisschen tiefgehender werden die Bewertungen hier schon sein, entscheidend ist: Es sind keine Zahlen. Die werden nämlich von vielen Experten als ungerecht und demotivierend angesehen. Erst im Übergang zur ungdomskole (ab 8. Klasse) werden die Leistungen mit Zensuren von 1-6 bewertet. Oder besser gesagt von 6 – 1, denn in Norwegen hat der Top-Schüler lauter Sechsen auf dem Zeugnis und der leistungsschwächere Schüler viele Einsen.

Seit einigen Jahren gibt es in der Politik die Debatte, Zensuren in bestimmten Fächern ab der 5. Klasse einzuführen, um so den Übergang in das volle Zensurensystem ab der 8. Klasse zu vereinfachen. Die beiden konservativen Regierungsparteien Høyre und FrP sind dafür, die liberalere AP ist dagegen und stützt sich auf Studien und Berichte des Ausbildungsministeriums. Mittlerweile dürfen Schulen und Kommunen selber entscheiden, ob sie ab der 5. Klasse in den Fächern Norwegisch und Mathematik Noten vergeben wollen – entsprechende Anträge liegen aber anscheinend lange unbearbeitet auf zuständigen Schreibtischen.

Das alles wollte ich Euch also erzählen und erwartete sowas wie: “Oh, wow!!! In Skandinavien machen die Sachen, da gibt es keine Noten, uihuihui!”

Und dann stelle ich fest (nicht das erste Mal, nebenbei gesagt), dass mein Wissen über Deutschland ungefähr von 2003 ist. Das Wissen über das Schulsystem in Deutschland scheint in den 80ern zu stecken. Als ich nämlich, nur zur Sicherheit, im Internet den Begriff “Schule ohne Noten” eingebe, überschlägt sich Google fast mit Suchergebnissen. “Die ideale Schule!” – “Schule ohne Noten 2017 an den Start!” – “Länder proben Alternativen zu Zensuren.” – “Sind Noten überflüssig?” – “Hier herrscht angstfreie Lernatmosphäre!” – “Auch in der Schule ohne Noten können Kinder viel leisten!” Ich finde Schulen, die bereits erfolgreich zensurenlos arbeiten, lerne, dass es an bayerischen Grundschulen 2015 bis zur dritten Klasse keine Zeugnisse gab, stattdessen Lernentwicklungsgespräche, Schleswig-Holstein hat die zensurenfreie Grundschule eingeführt und ich sitze vor diesen ganzen Infos und denke: Ach?

So, nun habe ich zwei Möglichkeiten: Weiter mit dem Zensurenthema, das ich eigentlich spannend finde, aber was soll ich Euch da erzählen, anscheinend sind sich Norwegen und Deutschland da mal wieder viel ähnlicher als ich dachte. Oder ich sinniere darüber, wie weit entfernt mir der deutsche Alltag ist und dass ich meine Themen nicht mehr danach aussuchen sollte, was ICH denke, was für EUCH (gerade in Deutschland) wirklich Neues aus Norwegen ist.

Keine Zensuren also.

Hm. Und schon wieder merke ich, wie weit ich von Schule gedanklich weg bin (das Thema kommt ja erst in ein paar Jahren wieder auf uns zu). Noten haben doch nie geschadet, oder? Eher angespornt, oder?

Manche (viele?) Lehrer und andere Bildungsexperten meinen aber, dass reine Notenvergabe auf Schüler demotivierend wirken kann. Dass der Gedanke “Ich bin der Beste!” ebenso schädlich sein kann wie “Ich bin der Schlechteste in Mathe!” Von äußerer und innerer Lernmotivation ist die Rede, von dem Ziel, dass Schüler lernen “wollen”, nicht lernen “sollen”. Zahlen könnten einem Schüler nicht ausreichend bestätigen, wie weit er oder sie im Lernprozess ist. Schriftliche Bewertungen hingegen würden den Schüler dort abholen, wo er oder sie sich gerade befindet und ermutigt, weiter zu machen.

Ich war überrascht, das so von Lehrern zu lesen. Schriftliche Bewertungen bedeuten in meinen Augen für sie sehr viel mehr Arbeit und Arbeit haben sie wahrscheinlich genug. Sprechen sich also Lehrer für diese Art der Bewertung aus, drückt das dem notenfreien System für mich den Stempel “gut” auf. Ich nehme es viel ernster, als wenn ich ähnliche Argumente auf den Seiten politischer Parteien lese.

Ja, was soll ich sagen, so funktioniert mein Kopf eben 🙂

Schule ohne Noten: In Norwegen wird diskutiert, ob man Noten früher einführen sollte. In Deutschland wollen immer mehr Bundesländer in bestimmten Schulformen Noten abschaffen. Spannend – mal sehen, ob sich beide irgendwo in der Mitte treffen.

***

So, meine lieben Leser, das war es für heute. Ich bin gespannt auf Eure Kommentare zu diesem bildungspolitischen Thema! Erzählt auch gern von Euren Erfahrungen!

Hier in Oslo soll es ab heute schneien, ich bin gespannt und checke regelmäßig auf Facebook – wann erscheint das erste “SCHNEE!!!!”- oder “SNØ!!!!”-Foto? Warten wir weiter ab!

Meine wöchentlichen Grüße gehen heute in zwei Richtungen: Einmal nach Hildesheim, wo Freund Alex heute, hoffentlich schneefrei, Geburtstag feiert: Hipp hipp hurra für dich! Und dann weiter in den Osten nach Berlin zu Nichte Meli und Freund Chris: Wir freuen uns ganz doll!!! Das Paket ist unterwegs!

Uns allen wünsche ich  eine angst- und stressfreie Woche, genießt den dunklen November, den viele ja schon “Yes-vember” getauft haben, genießt ihn mit Tee und Kakao, Zimt-Orange-Schaumbädern, Lesen unter dicken Kuscheldecken, Laubschlachten im Park und und und….Euch fällt schon was ein!

Wir lesen uns nächste Woche,

bis dahin,

ha det,

Mein Zeugnis aus der 4. Klasse. Ne 1 in Mathe.....das kam nie wieder.

(Mein Zeugnis aus der 4. Klasse. Ne 1 in Mathe…..das kam nie wieder.)

Ulrike

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4 Kommentare zu “Schule ohne Noten ODER Ich dachte, ich erzähle Euch etwas Neues……

  1. Eine Eins in Mathe? Selbst nach über 20 Jahren lerne ich immer noch etwas Neues über dich :).
    Bezüglich Noten muß ich gestehen, das ich da eher altmodisch bin und Zensuren befürworte. Allerdings habe ich mich nie im Detail mit den Auswirkungen, oder dem Pro und Contra beschäftigt. Natürlich ist eine Vier oder Fünf demotivierend, aber eine entsprechende schriftliche Bewertung kann auch nicht sonderlich positive sein. Peter Merle Jonas Kevin gibt sich viel Mühe und versucht es, aber es klappt nicht…. Wäre schön hier von Lehrern zu lesen, wie eine schlechte Zensur schriftlich aussieht.

    Und zum Ende noch einmal alles Gute nach Berlin. Heule immer noch :).

  2. Ich finde diese schriftliche Sache viel besser! Wie einfach ist es einem Schüler eine Note 5 aufzuschreiben, nur weil man ihn nicht leiden kann….und nein Kinderchen das ist kein Hirngespinst, es gibt auch heute noch solch nette Lehrpersonen….aber wie schwer ist es denn dies schriftlich auszuführen, warum dieser Schüler so einen Störfaktor darstellt? Ja da passiert es nämlich plötzlich, dass man reflektieren muss und eventuell merkt, dass man der anderen Person unrecht tut….ich finde das super!
    Was ich allerdings schwierig finde ist folgendes, und zwar kann ich mich erinnern dass es bei mir in der ersten und zweiten Klasse auch nur diese handschriftlichen Bewertungen gab. Und du waren immer suuuuper positiv geschrieben und alle Eltern dachten: Ui, mein Kind macht sich aber toll in der Schule! Und mit den Noten kam das böse Erwachen! Wenn es also so ausgeschrieben Bewertungen gibt, soll doch bitte auch was negatives drin stehen dürfen. Damit meine ich nicht: Ihr Sohn Hans-Christian ist ein Vollidiot. Aber eine Art Hilfestellung, wie zum Beispiel Hans-Christian hat ein Problem seine Aufmerksamkeit lange genug auf den Unterricht zu richten. Es ist angeraten zuhause mehr Denksportaufgaben zu machen.
    Ha! Das wäre doch mal ein Ding! Das wäre konstruktiv und nicht zerstörerisch wie so manche 5 auf dem Zeugnis

  3. Entschuldige, Frontalunterricht ist aus Kostengründen der Normalfall.
    Viele Lehrer werden wie an den Unis üblich mit Kurzzeit Verträge angestellt.
    Sommerferien = Arbeitslosigkeit.
    Schulzeitverkürzung „G8“ und Turbo- Bachelor Studium ist eine Kostensenkung
    Bildungsreform.
    Als Jens Stoltenberg noch regierte, habe ich im Internet eine NRK „Brennpunkt“ Reportage
    gesehen. Inhalt: Schule mußte wegen Schimmelbelastung geschlossen werden.
    In Deutschland ist das der Normalfall.

  4. Es ist mindestens , wenn es um die Versetzung in die nächst höhere Klasse geht, ein Prädikat erforderlich ist. Das öffentlich anerkannt, akzeptiert ist und die Leistung/ Reife eines Schülers hinreichend beschreibt. Oder andere Variante, alle Tests , Klassenarbeiten des Gesamtjahres gehen in ein Punktesystem ein, dass den Leistungsstand spiegelt.
    Gruß Ralf

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