Norwegische Nationalgerichte aus Ulrikes Küche ODER Heute gibt es Rømmegrøt!

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Schweigen am anderen Ende der Leitung. Dann folgt ein bestimmtes: „Gut, dann esse ich Brot heute oder hol‘ mir eine Pizza.“ Martin, mein unerschrockener Partner in allen kulinarischen Lebenslagen, lässt mich im Stich. Und das nur, weil ich angekündigt hatte, ein neues Rezept auszuprobieren.

Hallo, meine lieben hungrigen Leser und willkommen in meiner Küche! Schön, dass wir uns hier wieder treffen. Der Blog geriet ein bisschen sehr persönlich in den letzten Wochen und da ich vermute, dass sich viele nicht unbedingt für Neues vom Mammayoga sondern für Neues aus Norwegen interessieren, musste mal wieder ein typisch norwegisches Thema her. Dachte ich so. Nur was? Die Auswahl ist so groß! Wie immer, wenn ich mich nicht entscheiden kann, esse ich eine Kleinigkeit, das hilft ungemein beim Denken und so komme ich nach nur drei Erdbeeren auf die Idee, mal wieder ein norwegisches Nationalgericht zu kochen.

Gesagt, getan. Mein erster Weg führt mich also in die Majorstuen-Filiale der Deichmanske Bibliothek auf der Suche nach meinem Lieblingsbuch…

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…das ich mir aus unerfindlichen Gründen immer noch nicht gekauft habe. Ich blättere also durch die bekannten Seiten auf der Suche nach einem unbekannten Gericht. Auf Seite 90 werde ich fündig:

Rømmegrøt!!!

Ich habe immer nur davon gehört, es aber weder selbst gegessen noch gekocht, aber es scheint das zu sein, was ich suche, denn mein Buch schreibt: „Rømmegrøt hører til blant de norske nasjonalretter.“ Die weiße Masse gehört also zu den Nationalgerichten des Landes. Zwei Rezepte werden angeboten: Eines aus dem südlichen Trøndelag, wo meine Lieblingsstadt Trondheim liegt…

und eines aus dem südlicher gelegenen Sogn und Fjordane…

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…an der Westküste mit dem Namen Rømmegrøt aus Sogn und Fjordane.

Der Unterschied zwischen den beiden Rezepten besteht darin, dass im Trøndelag nur Rømme, Milch und Mehl verwendet werden, an der Westküste werden noch gryn (Hartweizengrieß) und Ei zugegeben. Hm. Hört sich vielversprechender an, finde ich und entscheide mich für das zweite Rezept. Guter Dinge verabschiede ich mich aus der Bibliothek und mache mich auf den Weg zum Supermarkt. Meine Einkaufsliste ist kurz, aber ungewöhnlich:

Hartweizengrieß

Eier

Milch

Rosinen

Schinken

Zimt

und natürlich Rømme.

(An dieser Stelle ein dickes Danke an meine Freundin Eva, die mir gestern dern Trick verraten hat, wie ich auf einer deutschen Tastatur das norwegische „ø“ tippe. Alt plus 155. Genial. Gerade heute, wo ich gefühlte 1000 Mal Rømmegrøt schreibe. DANKE!!!)

Rømme also.

„Himmel, was ist denn dieses Zeug, von dem sie die ganze Zeit schreibt??????“, höre ich Euch Nicht-Norweger genervt rufen.

‚Tschuldigung.

Da muss man ja nicht gleich so laut werden.

Ich bin sensibel.

*schmollt*

HätteschonnocherklärtwasRømmeististjawohlklaraberesgehtjnichtimmeralles-

sofortsoeinArtikelfolgtjaaucheinemrotenFadendenmussmanbeachtenmenno.

*schmollt*

Ok, fertig geschmollt!

Rømme gibt es nur in Norwegen und kann am ehesten mit Creme fraîche verglichen werden, aber das trifft es genauso wenig wie das norwegische Kesam und deutscher Quark dasselbe sind. Die weiße Masse wird aus Sahne oder einer Mischung aus Vollmilch und Sahne hergestellt, die dann mithilfe von Baktierenkulturen angesäuert wird. Normale Rømme hat einen Fettgehalt von 18-20%, die sogenannte Seterrømme liegt bei hüftfreundlichen 35%.

Ratet, welche ich verwenden werde?

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Was sonst?

Rømme hat eine dicke Konsistenz und riecht säuerlich-frisch. Ähnlich wie Creme fraîche wird es in unterschiedlichen Rezepten verwendet, aber gern auch als Dip oder auf Waffeln. Anders als Creme fraîche dient es in Norwegen aber auch als Grundlage für eine komplette Mahlzeit. Als ich das erste Mal davon hörte, stellten sich meine Nackenhaare auf. Warme „Creme fraîche“ mit Mehl und Milch???

Nein, danke.

Aaaaber, Ansichten ändern sich ja und nun stehe ich also in meiner Küche und breite meine Schätze vor mir aus.

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Das Rezept ist mehr als einfach. Seterrømme in den Topf, drei Minuten kochen lassen, Hälfte des Mehls dazu, kräftig rühren. Fünf bis zehn Minuten weiter kochen lassen, bis sich eine Schicht flüssiges Fett absondert. Die abschöpfen und warm stellen. Ei und Milch verrühren. Zusammen mit dem Hartweißengrieß und dem restlichen Mehl in den Topf und auf schwacher Hitze für eine Stunde köcheln lassen. Mit Rosinen, Zucker, Zimt, gehacktem Ei, Schinken und flatbrød (superdünnes Knäckebrot) servieren.

Es schüttelt mich ein bisschen.

Aber wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Zaudern ist der Dieb der Zeit und überhaupt…los jetzt!

Nach einigen Minuten blubbert die Rømme fröhlich im Topf und ich füge „1 dl Mehl“ hinzu. Witzig, oder? Die Skandinavier messen Mehl in Deziliter und um das auch abmessen zu können, gibt es ein Set von kleinen Löffeln. Hatte ich mir vor Monaten gekauft, aber noch nie benutzt. Nun ist es dran. Ab mit dem Mehl in die Blubbermasse und aufs Fett warten.

Kennt Ihr das? Man wartet darauf, dass Wasser kocht oder Nudeln gar werden oder die Pizza schön golden braun und je länger man zuguckt, umso langsamer scheint es zu gehen. So auch diesmal. Die Masse blieb weiß. Deckel drauf, mein Reh auf 7 Minuten gestellt und stattdessen Ei gepellt. Nun ein guter Tipp von mir: Habt Ihr jemals Rømme und Mehl zusammen in einem Topf lasst es nicht – ich wiederhole: NICHT! – für mehrere Minuten unbeaufsichtigt.

Interessanter- und unerwarterterweise brennt das verfluchte Zeug nämlich an.

Fluchend wechsle ich Töpfe und lasse die Blubbermasse nicht mehr aus den Augen.

Aber dann ein Erfolg: Ein kleines Fettrinnsal zeigt sich am Blubbermassenrand. Eureka!!!! Ich warte noch einen Moment und schöpfe den Fettfluss dann mit einem Löffel ab. Das heben wir auf für später! Der Geruch aus dem Topf ist….sagen wir es höflich….ungewöhnlich. Aber ich mache weiter. Die restlichen Zutaten in den Topf und schwach köcheln lassen für eine Stunde.

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Eine Stunde? Pffffff….was mache ich denn eine Stunde lang?

Zuerst die Küche aufräumen. Ich hasse unordentliche Küchen oder Arbeitsflächen. Im Harbour House Restaurant in Kanada und in einem meiner Lieblingsanimationsfilme Ratatouille habe ich gelernt: „Always keep your work station clean!“ Es gibt Leute, die kochen und schaffen es hinterher zu essen, obwohl die Küche aussieht wie nach einem Wirbelsturm. Kann ich nicht. Putz, putz. Widerstrebend entsorge ich den Milchkarton in der Altpapiertasche. Daran werde ich mich hier in Norwegen nie gewöhnen: Getränkekartons sollen ins Altpapier! Aber der Deckel, der kommt in den gelben – hier in Norwegen blauen – Sack. Unsinnig.

Ich rühre um und etwas Erstaunliches passiert: Ich bekomme Appetit, die Blubbermasse zu probieren. Hilfe! Schnell wieder Deckel drauf. Noch 45 Minuten.

Mein Magen gluckert. Um mich abzulenken, greife ich zum Strickzeug – auch hier bin ich gerade ganz norwegisch und stricke aus dem Buch meiner Lieblingsstricknorweger Arne und Carlos Strikk fra Setesdal. Himmel, bin ich heute häuslich – das scheint die Nestphase zu sein! Ran an die Nadeln und weiter am Bein gestrickt:

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Plötzlich klingelt mein Reh.

Ich gucke verwirrt.

Meine Reh-Küchenuhr scheint ins Wochenende zu wollen, denn es können unmöglich schon 60 Minuten vergangen sein. Doch, laut Reh schon. Ich werde misstrauisch und stelle das Reh auf 15 Minuten.

5 Minuten später klingelt es mir freundlich entgegen.

Hilfe, mein Reh ist kaputt!!! Das war eine Tchibo-Sonderedition, das bekomme ich nie mehr, das geht doch nicht!!! Ich stelle es in eine dunkle Ecke zum Beruhigen und hoffe auf ein Wunder. Die Blubbermasse sieht nicht viel anders aus als zu Beginn. Ok, noch 30 Minuten, entscheide ich. Whatever. Rühr, rühr, Magen knurr.

30 Minuten später hat der Strickbär ein zweites Bein und ich habe richtig Hunger. Das Rømmegrøt-Zubehör steht bereit…

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und ich werfe einen letzten Blick auf das Foto im Rezeptbuch.

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Blubbermasse auf den Teller, warmgestelltes Fett an den Rand, gehacktes Ei darüber, Rosinen verteilen und abschließen mit Zucker und Zimt. Auf einem extra Teller: Schinken und flatbrød.

Mein Magen schweigt plötzlich stille und skeptisch sitzen wir gemeinsam vor unserer Kreation. Immerhin sieht es aus wie auf dem Foto. Schluck.

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Here goes nothing, denke ich. Und: Geronimo!

Ich greife entschlossen nach dem Löffel und beginne zu essen. Meine Geschmacksnerven reagieren verwirrt auf die ungewohnte Mischung, trauen sich aber weiter raus, werden mutiger, beginnen zu entdecken und dann:

LECKER!!!!!!

Der säuerliche Geschmack der Rømme zusammen mit dem Ei und den Rosinen ist köstlich! Mit einem Stück Schinken wird es sogar noch besser. Und das flatbrød nimmt den Fettgeschmack ein bisschen weg! Das gibt es doch nicht, das ist richtig, richtig, richtig lecker!!

Für ungefähr 6 bis 8 Löffel voll. Dann schlägt das Fett zu und mein Magen sendet Bitte um Nothalt. Ich bin schon satt. Aber ganz glücklich. Was für eine Entdeckung. Nächstes Mal koche ich eben die nur die Hälfte. Ich stelle den Rest vom Rømmegrøt später in den Kühlschrank – neben die Fischbuletten, die Martin heute Abend bekommt.

Ich bin ja kein Unmensch 🙂

Vielleicht habt Ihr Lust bekommen, das norwegische Nationalgericht nachzukochen. Hier das Rezept:

1 l seterrømme

2 dl Mehl

5 Esslöffel Hartweizengrieß (gryn)

1 Ei

½ l Milch

Beilage: Rosinen, gehacktes Ei, geräucherter Schinken, Zimt und Zucker, flatbrød.

Zubereitung: Seterrømme in den Topf, Deckel schließen, drei Minuten bei kochen lassen, Hälfte des Mehls dazu, kräftig rühren. Fünf bis zehn Minuten weiter kochen lassen (Deckel drauf!), bis sich eine Schicht flüssiges Fett absondert. Die abschöpfen und warm stellen. Ei und Milch verrühren. Zusammen mit dem Hartweißengrieß und dem restlichen Mehl in den Topf und auf schwacher Hitze für eine Stunde köcheln lassen. Mit Rosinen, Zucker, Zimt, gehacktem Ei, Schinken und flatbrød (superdünnes Knäckebrot) servieren. Vel bekomme!

***

Das war es für heute, meine lieben Leser! Ich wünsche Euch allen eine tolle Woche mit viel Sonne, neuen Eindrücken und ganz viel Lachen. Und immer daran denken: Nach dem Motto „Was der Bauer nicht kennt, das frißt er nicht“ zu leben, verhindert vielleicht die leckersten Überraschungen.

Ha det bra,

Rommegrot

Ulrike