Norwegische Nationalgerichte aus Ulrikes Küche ODER Warum ist der Kuchen blöd?

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Falsche Freunde sind verstörend. Das gilt für zwischenmenschliche Beziehungen ebenso wie für interlinguale, wo sie neudeutsch false friends genannt werden. Ein schönes Beispiel: Gift. Englisch sprechende Empfänger reagieren auf ein gift mit Freude, Deutschsprechende hingegen mit ihrem letzten Atemzug.

In Norwegen ist mir ein besonders schöner „falscher Freund“ begegnet.

Der bløtkake.

Hallo, meine lieben Leser, schön, dass wir uns hier wieder treffen. Erneut in meiner Küche, wo ich heute DEN norwegischen Feiertagskuchen zaubern werde. Letztes Mal haben wir gemeinsam das Lied Hurrah for deg gelernt und zusammen mit dem heutigen Blog seid Ihr in der Lage, einen echten norwegischen Geburtstag zu feiern. Toll, oder??

Bløtkake also.

„Blööööödkuchen????“ war meine erste Reaktion, begleitet von hysterischem Gelächter.

Ja, ich bin leicht zu unterhalten.

Aber wer leicht zu unterhalten ist, der hat immer was zu lachen!

Wollt Ihr meinen Lieblingswitz lesen???

Ja???

Wie, nee???

Klar!

Also los:

Treffen sich ein Rührei und ein Spiegelei. Sagt das Rührei: „Ich bin heute ganz durcheinander…“

Pruuuuuust!!!

Aber zurück zum bløt

*kicher*

…zurück zum…

*kicher*

…zum bløtka

*pruuuust*

Nun reiß dich zusammen, Niemann!

Also zurück zum…bløtkake.

Der darf bei keiner norwegischen Feier fehlen, versüßt Geburtstage, Hochzeiten, Weihnachten und natürlich den Nationalfeiertag. Und das allerbeste an ihm ist die einfache Zubereitung. Ein unschätzbarer Vorteil für Backdilettanten wie mich. Nun gibt es unzählige Rezepte für bløtkake, der natürlich nicht blöd sondern bløt (weich) ist. Die Zutaten sind simpel: Kuchenboden, Sahne, Früchte.

„Das kann ich auch!“, dachte ich mir und beschließe, für Martins Geburtstag aktiv zu werden. Mein Rezept muss diesmal aus dem Internet kommen – keine Angst, ich werde meinem Lieblingskochbuch Norsk mat og kultur nicht untreu. Ich habe einfach keine Zeit, in die Bibliothek zu gehen. Also ab ins Netz…..

Meine Güte, gibt es viele Rezepte! Wonach soll ich mich entscheiden, ich will einfach, schnell und möglichst unkompliziert einen tollen Kuchen herstellen. Vielleicht dieses hier mit dem hübschen Bild??? Und das hier von dem lustigen Blog der Amerikanerin, die in Nordnorwegen wohnt? Oder das hier von den Sons of Norway in den USA?

Oho, ich bemerke Unterschiede. Backt die Kuchenenthusiastin den dreiteiligen Biskuitboden selber, schlägt mir der anscheinend ähnlich backgehemmte Blog einer Australierin vor, den Boden im Supermarkt zu kaufen.

DAS ist mein Rezept!!!

Die Bilder sind auch ganz hübsch, damit ist der Fall klar, ich kopiere sofort die Einkaufsliste und stürme mit Gesa in den Supermarkt gegenüber und kaufe:

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1 (bereits vorgeschnittenen, Super!) dreiteiligen Biskuitboden

300ml laktosefreie Sahne (die bleibt länger stabil)

1 Beutel gefrorene Himbeeren

Puddingcreme

etwas Orangensaft oder Milch

Früchte nach Wahl (hier: Mango und frische Himbeeren)

***

Ich liebe norwegische Rezepte. Ganz oft sind sie simpel, ohne viel Firlefanz und was hinterher dabei rauskommt, ist lecker.

Hoffentlich auch diesmal.

Begeistert und mit ungewohnter Backlust starte ich am nächsten Morgen. Ja, okay, okay, ich BACKE natürlich nicht wirklich, aber Kuchen backen hört sich besser an als Kuchen zusammenkleistern oder Kuchen bauen. Eigentlich hatte ich geplant, den Kuchen am Abend vorher zu bac….zu MACHEN…aber es war spät geworden und ich müde und Gesa wollte nicht schlafen und irgendwie…kam es dazu, dass ich nun um 7 Uhr morgens im Pyjama in der Küche stehe und Sahne schlage.

Habt Ihr schon mal Kuchen gebacken (jaja!) vor dem Frühstück? Sehr ungewöhnlich, aber auch lustig. Mein Geburtstagsmann schläft noch selig neben seiner ebenfalls schlummernden Tochter, während ich gut gelaunt Sahne durch die Küche spritzte. Was für ein Tagesanfang! Die Sahne ist geschlagen und ich widme mich erneut dem unerhört komplizierten Rezept.

Ja, ein Scherz. Seien wir ehrlich: Kauft man den Boden fertig im Supermarkt, macht sich der restliche Kuchen fast von selbst:

– 300ml Sahne schlagen

– 2/3 zur Seite stellen für später

– die Hälfte der aufgetauten Himbeeren in die restliche Sahne (das wären dann..naaa???? 1/3! Genau! BRAVO!!!) mixen

– Puddingcreme unter die Sahne heben (Menge hängt von Eurem Geschmack ab)

– einen Kuchenboden auf einen großen Kuchenteller legen und mit Orangensaft oder Milch beträufeln

– Himbeer-Puddingcreme-Sahne auf dem Boden verstreichen, aufgetaute Himbeeren darauf verteilen

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– zweiten Kuchenboden aufsetzen, mit Saft/Milch beträufeln

– Himbeer-Puddingcreme-Sahne auch auf diesem Boden verstreichen, aufgetaute Himbeeren darauf verteilen

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– dritten Kuchenboden aufsetzen, mit Saft/Milch beträufeln

(es lebe „Copy and Paste“)

– dann den kompletten Kuchen mit der restlichen Sahne bedecken.

Das ganze Gebilde in den Kühlschrank balancieren und für mindestens sechs Stunden kühlen. Kurz vor dem Servieren mit Obst dekorieren. Hier sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt, sehr beliebt ist hier in Norwegen natürlich eine Dekoration aus Erdbeeren und Blaubeeren, die zusammen mit der Sahne die Nationalfarben darstellt. Blaubeeren hatte ich nicht gekauft, und außerdem feiern wir ja nicht Norwegen sondern Martin und der mag besonders gern Mango und deswegen sah der Kuchen am Ende so aus:

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…und so von innen…und zu später Stunde…

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Der mit Saft getränkte und von Sahne und Himbeeren durchgeweichte Kuchenboden schmeckt köstlich und ich kann verstehen, warum Norweger den bløtkake so sehr lieben. Und ich schließe mich der Begeisterung an: Aus dem falschen Freund bløtkake und mir sind bereits nach dem ersten Bissen ECHTE Freunde geworden!

***

So, das war es schon für heute, meine lieben Leser! Ich hoffe, der Besuch in meiner Küche hat Euch gefallen und freue mich auf Fotos von Euren bløtkaker – das wäre super! Ich stelle die Fotos dann auch in den Blog! Vielleicht gibt es Leser, die eine deutsche Dekoration hinbekommen??

Euch allen wünsche ich auf jeden Fall ein schönes Herbstwochenende und eine erfolgreiche und schöne erste Novemberwoche. Und schon wieder ist es soweit, das Gutelaunebild gegen den tristen November herauszuholen. Sagt auch „Ja“ zum November, vergesst nicht zu lachen und genießt Kuchen und Sahne, so oft Ihr könnt!

Ha det bra,

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Ulrike

 

 

 

Norwegische Nationalgerichte aus Ulrikes Küche ODER Heute gibt es Fårikål!

Am letzten Donnerstag im September feiert Norwegen Fårikålens Festdag. Ganz Norwegen? Nein! Eine von unbeugsamen Deutschen bevölkerte Wohnung in der Sorgenfrigata 10A leistete bislang Widerstand gegen das norwegische Nationalgericht.

Bis heute.

Hallo, meine lieben Leser, wie schön, dass wir uns hier wieder treffen. Heute wird gekocht! Und zwar stürze ich mich auf DAS norwegische Nationalgericht, das im Herbst alle Küchen, Restaurantmenüs und Supermarktregale bestimmt: Fårikål. Der Name sieht lustig aus und heißt übersetzt Schaf im Kohl.

Und mehr ist es auch nicht.

Schaf und Kohl.

Da nächste Woche der alljährliche Fårikål -Festtag ist und ich ja versprochen hatte, etwas typisch Norwegisches zu beschreiben, bot sich Fårikål an. Mein erster Gang beim Kochen von norwegischen Nationalrezepten führt, wie immer, in die Deichmanske Bibliothek hier in Majorstuen, um meine beiden Lieblingskochbücher auszuleihen.

Doch, oh Graus!!!!

Irgendein unverschämter Mensch war mir zuvorkommen und statt der breiten Buchrücken springen mir an gewohnter Stelle nur zwei Lücken im Regal entgegen. Also, das ist doch…das ist doch…HALLO!? So geht das nicht! Ich werde mir die Bücher kaufen. Beide. Morgen. Und dann kann mich die Bücherei mal. Oh, Verzeihung, das war nicht hübsch gesagt. Dabei muss ich doch auf meine Sprache jetzt achten. Egal. Desperate times call for desperate measures. In der allergrößten Not….naja und so weiter…wo war ich?

In der Majorstuen Bibliothek, genau. OHNE Buch.

Aber in der Internetwelt von heute dauert es natürlich keine Minute, bis ich unzählige Fårikål-Rezepte online gefunden habe. Ich entscheide mich für das von Wenche (oder eingedeutscht: Wencke) und versuche, mir die unglaublich umfangreiche Zutatenliste zu merken:

1 kg Lammfleisch oder Fårikålfleisch

1 kg Weißkohl

Ganze Pfefferkörner

***

Ja, das war es schon. Dann noch Kartoffeln als Beilage und fertig ist das Nationalgericht. Bin jetzt schon gespannt auf das Rezept. Ist bestimmt wahnsinnig kompliziert!!!

Statt wie üblich zu KIWI gehe ich diesmal zu REMA1000 einkaufen und frage mich, warum ich das nicht öfter mache. Vom Stil her wie das gute alte ALDI: Kultige Billigmarken bestimmen das Angebot. Die Gemüseabteilung ist ordentlich und ohne jeglichen Schimmel – eine Sache, die mich beim KIWI gegenüber immer in den Wahnsinn treibt.

Dass Fårikål Saison hat, erkenne ich auf den ersten Blick (ich Fuchs!) an den Kisten voller Weißkohl. Ein Kohlkopf mittlerer Größe wandert in meinen Einkaufskorb. So, nun Fleisch. Hm. Ich stehe vor einem Regal mit Lammbraten und Lammfilet…das kann es nicht sein. Eine norwegische Hausfrau geht an mir vorbei und legt dabei eine Packung „Fårikålkjott“ in ihren Korb. OHO! Wo hat sie das her? Ich wandele auf ihren Spuren und stehe bald vor dem richtigen Kühlregal.

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Pfefferkörner sind auch noch schnell gefunden, ab geht es zur Kasse, 140 NOK für alles zusammen, das ist günstig! Zuhause angekommen, wird das unglaublich komplizierte Rezept konsultiert. Achtung an alle zum Mitschreiben:

  1. Kohl schneiden.
  2. Fleisch und Kohl in Topf stapeln, jede Lage mit Pfefferkörnern bestücken und gut salzen.
  3. 3 dl kochendes Wasser dazu.
  4. Alles aufkochen.
  5. Auf kleiner Flamme 1,5 bis 2 Stunden köcheln lassen.

Fertig.

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Ich bin irritiert, als ich lese, dass der Kohl in „båter“ geschnitten werden soll. In BOOTE? Schon sehe ich mich fluchend filigrane Wikingerschiffe aus Weißkohl schnitzen und verstehe voller Schrecken, warum das Rezept ansonsten so einfach ist.

Klar, wenn ich stundenlang an norwegischer Kohlkunst verzweifele!

Aber da ich eher grobmotorig veranlagt bin, fabriziere ich kurzerhand Kohl-Boote im Bauhausstil. Funktional. Schlicht. Rein in den Topf.

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Eines der Boote legt sich mit der Schwerkraft an, verliert, ich entdecke beim Aufheben, dass der Küchenschrank mal wieder geputzt werden sollte, erledige das schnell, entsorge den Kohl, stelle den Herd auf 3 und bin mal wieder ein Fan des Multitaskings.

Der Topf ist bis oben hin gefüllt mit Lamm und Kohl. Fertig. Herd auf Stufe 3. Küchenreh auf eine Stunde stellen. Fertig.

Von dieser unglaublichen Arbeit ganz geschafft, gönne ich mir ein zweites Frühstück. Dabei lerne ich, dass Fårikål im Juni 2014 in einer Umfrage von Landwirtschaftsministerium und IPSOS von 45% aller Befragten zu DEM norwegischen Nationalgericht erklärt wurde. So wie schon 1972 als die Radiosendung Nitimen vom NRK dieselbe Frage stellte und dabei ebenfalls die beliebte Kohlkasserolle gewann. Wann genau Fårikål zum ersten Mal auf norwegischen Tellern zu finden war, ist unbekannt. Aber dass es noch für viele Jahre zu finden sein wird, das ist sicher. Und wer nicht nur lecker essen sondern seinen Gästen auch ein bisschen passendes Programm bieten möchte, der ist auf der Fårikål-Website bestens aufgehoben. Hier finden sich neben interessanten Tischsets zum Selberausdrucken auch launige Limericks. Achtung. Hier kommt das Original:

En utgammel vær i fra Kvam

Ble solgt som det møreste lam,

Det kokte en uke,

Men smakte som ruke

Og lukten var minst like stram.

Der alte Widder verdient unser Mitleid, mein Norwegisch auch, denn es reicht nicht für eine komplette Übersetzung. Hier verlasse ich mich auf meine Leser und einen entsprechenden Kommentar.

Ein köstlicher Geruch füllt die Küche. Schnell noch Kartoffeln gekocht und schon bald sitzen wir am Tisch und probieren unseren ersten Fårikål.

SO LECKER! Und so einfach….

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***

So, das war es schon für heute aus meiner Küche. Nächste Woche beantworte ich eine Frage, die mir wiederholt gestellt wurde: „Wie ist das, in Norwegen ein Kind zu bekommen?“ In den Grundzügen so wie in jedem anderen Land, vermute ich :). Aber ein paar Unterschiede in Bezug auf Hebammen, Krankenhaus etc. gibt es natürlich. Und nach vier Wochen habe ich jetzt wahrscheinlich auch eine ganz gute Distanz zu Schwangerschaft und Geburt und kann wirklich Tipps und Infos geben. Und wenn ich schon mal dabei bin, werde ich auch gleich mit Klischees und gut gemeinten, aber falschen, Ratschlägen aufräumen. Und das heilige Thema „Stillen“ angreifen. Natürlich, wie immer, alles rein subjektiv, aber damit nicht weniger wahr ;).

Nächste Woche kommt meine Mutter zu Besuch, was nicht nur klasse ist, sondern auch den Vorteil hat, dass ich den Blog wieder in Ruhe schreiben kann. (Das ist auf alle Fälle mein Plan :)….) So wie heute, wo sich Martin gerade mit seiner quietschenden Tochter beschäftigt.

Euch allen wünsche ich eine tolle Woche, kocht was Schönes und erzählt mir davon, genießt den Herbst und überlegt mal, wofür Ihr dankbar seid im Leben.

Ha det bra,

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(Fårikål, Ulrike und Gesa….Foto by Martin)

 

Ulrike

 

Norwegische Nationalgerichte aus Ulrikes Küche ODER Heute gibt es Rømmegrøt!

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Schweigen am anderen Ende der Leitung. Dann folgt ein bestimmtes: „Gut, dann esse ich Brot heute oder hol‘ mir eine Pizza.“ Martin, mein unerschrockener Partner in allen kulinarischen Lebenslagen, lässt mich im Stich. Und das nur, weil ich angekündigt hatte, ein neues Rezept auszuprobieren.

Hallo, meine lieben hungrigen Leser und willkommen in meiner Küche! Schön, dass wir uns hier wieder treffen. Der Blog geriet ein bisschen sehr persönlich in den letzten Wochen und da ich vermute, dass sich viele nicht unbedingt für Neues vom Mammayoga sondern für Neues aus Norwegen interessieren, musste mal wieder ein typisch norwegisches Thema her. Dachte ich so. Nur was? Die Auswahl ist so groß! Wie immer, wenn ich mich nicht entscheiden kann, esse ich eine Kleinigkeit, das hilft ungemein beim Denken und so komme ich nach nur drei Erdbeeren auf die Idee, mal wieder ein norwegisches Nationalgericht zu kochen.

Gesagt, getan. Mein erster Weg führt mich also in die Majorstuen-Filiale der Deichmanske Bibliothek auf der Suche nach meinem Lieblingsbuch…

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…das ich mir aus unerfindlichen Gründen immer noch nicht gekauft habe. Ich blättere also durch die bekannten Seiten auf der Suche nach einem unbekannten Gericht. Auf Seite 90 werde ich fündig:

Rømmegrøt!!!

Ich habe immer nur davon gehört, es aber weder selbst gegessen noch gekocht, aber es scheint das zu sein, was ich suche, denn mein Buch schreibt: „Rømmegrøt hører til blant de norske nasjonalretter.“ Die weiße Masse gehört also zu den Nationalgerichten des Landes. Zwei Rezepte werden angeboten: Eines aus dem südlichen Trøndelag, wo meine Lieblingsstadt Trondheim liegt…

und eines aus dem südlicher gelegenen Sogn und Fjordane…

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…an der Westküste mit dem Namen Rømmegrøt aus Sogn und Fjordane.

Der Unterschied zwischen den beiden Rezepten besteht darin, dass im Trøndelag nur Rømme, Milch und Mehl verwendet werden, an der Westküste werden noch gryn (Hartweizengrieß) und Ei zugegeben. Hm. Hört sich vielversprechender an, finde ich und entscheide mich für das zweite Rezept. Guter Dinge verabschiede ich mich aus der Bibliothek und mache mich auf den Weg zum Supermarkt. Meine Einkaufsliste ist kurz, aber ungewöhnlich:

Hartweizengrieß

Eier

Milch

Rosinen

Schinken

Zimt

und natürlich Rømme.

(An dieser Stelle ein dickes Danke an meine Freundin Eva, die mir gestern dern Trick verraten hat, wie ich auf einer deutschen Tastatur das norwegische „ø“ tippe. Alt plus 155. Genial. Gerade heute, wo ich gefühlte 1000 Mal Rømmegrøt schreibe. DANKE!!!)

Rømme also.

„Himmel, was ist denn dieses Zeug, von dem sie die ganze Zeit schreibt??????“, höre ich Euch Nicht-Norweger genervt rufen.

‚Tschuldigung.

Da muss man ja nicht gleich so laut werden.

Ich bin sensibel.

*schmollt*

HätteschonnocherklärtwasRømmeististjawohlklaraberesgehtjnichtimmeralles-

sofortsoeinArtikelfolgtjaaucheinemrotenFadendenmussmanbeachtenmenno.

*schmollt*

Ok, fertig geschmollt!

Rømme gibt es nur in Norwegen und kann am ehesten mit Creme fraîche verglichen werden, aber das trifft es genauso wenig wie das norwegische Kesam und deutscher Quark dasselbe sind. Die weiße Masse wird aus Sahne oder einer Mischung aus Vollmilch und Sahne hergestellt, die dann mithilfe von Baktierenkulturen angesäuert wird. Normale Rømme hat einen Fettgehalt von 18-20%, die sogenannte Seterrømme liegt bei hüftfreundlichen 35%.

Ratet, welche ich verwenden werde?

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Was sonst?

Rømme hat eine dicke Konsistenz und riecht säuerlich-frisch. Ähnlich wie Creme fraîche wird es in unterschiedlichen Rezepten verwendet, aber gern auch als Dip oder auf Waffeln. Anders als Creme fraîche dient es in Norwegen aber auch als Grundlage für eine komplette Mahlzeit. Als ich das erste Mal davon hörte, stellten sich meine Nackenhaare auf. Warme „Creme fraîche“ mit Mehl und Milch???

Nein, danke.

Aaaaber, Ansichten ändern sich ja und nun stehe ich also in meiner Küche und breite meine Schätze vor mir aus.

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Das Rezept ist mehr als einfach. Seterrømme in den Topf, drei Minuten kochen lassen, Hälfte des Mehls dazu, kräftig rühren. Fünf bis zehn Minuten weiter kochen lassen, bis sich eine Schicht flüssiges Fett absondert. Die abschöpfen und warm stellen. Ei und Milch verrühren. Zusammen mit dem Hartweißengrieß und dem restlichen Mehl in den Topf und auf schwacher Hitze für eine Stunde köcheln lassen. Mit Rosinen, Zucker, Zimt, gehacktem Ei, Schinken und flatbrød (superdünnes Knäckebrot) servieren.

Es schüttelt mich ein bisschen.

Aber wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Zaudern ist der Dieb der Zeit und überhaupt…los jetzt!

Nach einigen Minuten blubbert die Rømme fröhlich im Topf und ich füge „1 dl Mehl“ hinzu. Witzig, oder? Die Skandinavier messen Mehl in Deziliter und um das auch abmessen zu können, gibt es ein Set von kleinen Löffeln. Hatte ich mir vor Monaten gekauft, aber noch nie benutzt. Nun ist es dran. Ab mit dem Mehl in die Blubbermasse und aufs Fett warten.

Kennt Ihr das? Man wartet darauf, dass Wasser kocht oder Nudeln gar werden oder die Pizza schön golden braun und je länger man zuguckt, umso langsamer scheint es zu gehen. So auch diesmal. Die Masse blieb weiß. Deckel drauf, mein Reh auf 7 Minuten gestellt und stattdessen Ei gepellt. Nun ein guter Tipp von mir: Habt Ihr jemals Rømme und Mehl zusammen in einem Topf lasst es nicht – ich wiederhole: NICHT! – für mehrere Minuten unbeaufsichtigt.

Interessanter- und unerwarterterweise brennt das verfluchte Zeug nämlich an.

Fluchend wechsle ich Töpfe und lasse die Blubbermasse nicht mehr aus den Augen.

Aber dann ein Erfolg: Ein kleines Fettrinnsal zeigt sich am Blubbermassenrand. Eureka!!!! Ich warte noch einen Moment und schöpfe den Fettfluss dann mit einem Löffel ab. Das heben wir auf für später! Der Geruch aus dem Topf ist….sagen wir es höflich….ungewöhnlich. Aber ich mache weiter. Die restlichen Zutaten in den Topf und schwach köcheln lassen für eine Stunde.

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Eine Stunde? Pffffff….was mache ich denn eine Stunde lang?

Zuerst die Küche aufräumen. Ich hasse unordentliche Küchen oder Arbeitsflächen. Im Harbour House Restaurant in Kanada und in einem meiner Lieblingsanimationsfilme Ratatouille habe ich gelernt: „Always keep your work station clean!“ Es gibt Leute, die kochen und schaffen es hinterher zu essen, obwohl die Küche aussieht wie nach einem Wirbelsturm. Kann ich nicht. Putz, putz. Widerstrebend entsorge ich den Milchkarton in der Altpapiertasche. Daran werde ich mich hier in Norwegen nie gewöhnen: Getränkekartons sollen ins Altpapier! Aber der Deckel, der kommt in den gelben – hier in Norwegen blauen – Sack. Unsinnig.

Ich rühre um und etwas Erstaunliches passiert: Ich bekomme Appetit, die Blubbermasse zu probieren. Hilfe! Schnell wieder Deckel drauf. Noch 45 Minuten.

Mein Magen gluckert. Um mich abzulenken, greife ich zum Strickzeug – auch hier bin ich gerade ganz norwegisch und stricke aus dem Buch meiner Lieblingsstricknorweger Arne und Carlos Strikk fra Setesdal. Himmel, bin ich heute häuslich – das scheint die Nestphase zu sein! Ran an die Nadeln und weiter am Bein gestrickt:

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Plötzlich klingelt mein Reh.

Ich gucke verwirrt.

Meine Reh-Küchenuhr scheint ins Wochenende zu wollen, denn es können unmöglich schon 60 Minuten vergangen sein. Doch, laut Reh schon. Ich werde misstrauisch und stelle das Reh auf 15 Minuten.

5 Minuten später klingelt es mir freundlich entgegen.

Hilfe, mein Reh ist kaputt!!! Das war eine Tchibo-Sonderedition, das bekomme ich nie mehr, das geht doch nicht!!! Ich stelle es in eine dunkle Ecke zum Beruhigen und hoffe auf ein Wunder. Die Blubbermasse sieht nicht viel anders aus als zu Beginn. Ok, noch 30 Minuten, entscheide ich. Whatever. Rühr, rühr, Magen knurr.

30 Minuten später hat der Strickbär ein zweites Bein und ich habe richtig Hunger. Das Rømmegrøt-Zubehör steht bereit…

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und ich werfe einen letzten Blick auf das Foto im Rezeptbuch.

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Blubbermasse auf den Teller, warmgestelltes Fett an den Rand, gehacktes Ei darüber, Rosinen verteilen und abschließen mit Zucker und Zimt. Auf einem extra Teller: Schinken und flatbrød.

Mein Magen schweigt plötzlich stille und skeptisch sitzen wir gemeinsam vor unserer Kreation. Immerhin sieht es aus wie auf dem Foto. Schluck.

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Here goes nothing, denke ich. Und: Geronimo!

Ich greife entschlossen nach dem Löffel und beginne zu essen. Meine Geschmacksnerven reagieren verwirrt auf die ungewohnte Mischung, trauen sich aber weiter raus, werden mutiger, beginnen zu entdecken und dann:

LECKER!!!!!!

Der säuerliche Geschmack der Rømme zusammen mit dem Ei und den Rosinen ist köstlich! Mit einem Stück Schinken wird es sogar noch besser. Und das flatbrød nimmt den Fettgeschmack ein bisschen weg! Das gibt es doch nicht, das ist richtig, richtig, richtig lecker!!

Für ungefähr 6 bis 8 Löffel voll. Dann schlägt das Fett zu und mein Magen sendet Bitte um Nothalt. Ich bin schon satt. Aber ganz glücklich. Was für eine Entdeckung. Nächstes Mal koche ich eben die nur die Hälfte. Ich stelle den Rest vom Rømmegrøt später in den Kühlschrank – neben die Fischbuletten, die Martin heute Abend bekommt.

Ich bin ja kein Unmensch 🙂

Vielleicht habt Ihr Lust bekommen, das norwegische Nationalgericht nachzukochen. Hier das Rezept:

1 l seterrømme

2 dl Mehl

5 Esslöffel Hartweizengrieß (gryn)

1 Ei

½ l Milch

Beilage: Rosinen, gehacktes Ei, geräucherter Schinken, Zimt und Zucker, flatbrød.

Zubereitung: Seterrømme in den Topf, Deckel schließen, drei Minuten bei kochen lassen, Hälfte des Mehls dazu, kräftig rühren. Fünf bis zehn Minuten weiter kochen lassen (Deckel drauf!), bis sich eine Schicht flüssiges Fett absondert. Die abschöpfen und warm stellen. Ei und Milch verrühren. Zusammen mit dem Hartweißengrieß und dem restlichen Mehl in den Topf und auf schwacher Hitze für eine Stunde köcheln lassen. Mit Rosinen, Zucker, Zimt, gehacktem Ei, Schinken und flatbrød (superdünnes Knäckebrot) servieren. Vel bekomme!

***

Das war es für heute, meine lieben Leser! Ich wünsche Euch allen eine tolle Woche mit viel Sonne, neuen Eindrücken und ganz viel Lachen. Und immer daran denken: Nach dem Motto „Was der Bauer nicht kennt, das frißt er nicht“ zu leben, verhindert vielleicht die leckersten Überraschungen.

Ha det bra,

Rommegrot

Ulrike