Von strickenden Norwegern, exklusiven Balkonkonzerten und einem neuerdings alleinstehenden Piraten

Ich beginne diesen Blog am 22. Juni 2012, meinem 17. Hochzeitstag, mit einem Geständnis:

Ich habe mich verliebt.

In einen Norweger namens Arne und einen Brasilianer namens Carlos.

Ich konnte nichts dagegen tun.

Die beiden sind einfach die genialsten, witzigsten und kreativsten Künstler, die mir hier in Norwegen bisher begegnet sind!!! Es war am Montag letzter Woche und ich hatte gerade meine Begegnung mit Sting beim fantastischen Norwegian Wood-Festival verdaut. Julia und ich beschlossen, noch mehr Kultur zu erleben und besuchten das DogA, das norwegische Zentrum für Design und Architektur, das außer interessanten Ausstellungen zwei unschlagbare Vorteile bot: Es ist eines der wenigen Osloer Museen, das montags offen ist und der Eintritt ist frei!

Nichts wie hinein.

Und da, auf einem Buchcover, waren sie: Arne und Carlos. Zwei grauhaarige Männer mit schwarzen Hornbrillen, die auf einem Sofa saßen und…

….strickten.

Beide.

Norwegerpullover mit Marsmännchen-Muster.

Es war um mich geschehen.

Die beiden Designer sind durch ihr erstes Buch „Julekuler“ zu Kultautoren geworden und so manchen skandinavischen oder deutschen Weihnachtsbaum zieren die nach ihren Vorlagen gestrickten Weihnachtskugeln. Sie schaffen es, norwegische Tradition und Popkultur des 21. Jahrhunderts auf eine kreativ-witzige Art zu verbinden, die mich begeistert und von den selbstgestrickten Socken gehauen hat. Seht selbst:

@ Arne&Carlos

Die königliche Familie in glatt rechts.

@Arne&Carlos

Julekuler: Gestrickte Weihnachtskugeln…kommen definitiv an unseren 2012er Weihnachtsbaum!

@Arne&Carlos

Erkennt Ihr es? Traditionsstrick mit Marsmännchen.

Hier nun die beiden live und in Farbe:

http://www.youtube.com/watch?v=FoDghBI3F34

Wunderbar schräg, komisch und hinreißend charmant. I am in love.

Und als wären die beiden strickenden Männer nicht genug, habe ich Sonntag einen Schweden kennengelernt, der mich nicht durch Nadelklappern, sondern Stimmbänder-Akrobatik begeistert hat.

Martin glücklicherweise auch.

Schon seit drei Abenden hatten wir, gemeinsam mit Gisela und Volker, die Konzerte beim Norwegian Wood-Festival verfolgt. Brian Ferry hat uns gefallen, Tom Petty und Lenny Kravitz haben uns gespalten (ich fand Lenny Kravitz GENIAL, stand aber relativ allein da) und Kaizers Orchestra hat uns erschreckt und an sofortigen Umzug denken lassen. (An dieser Stelle Grüße an Christian! :)..) Am Sonntag wurde es Zeit, persönlich beim Festival vorbeizuschauen: Sting stand auf dem Programm!

Der Auftritt um 18.30 interessierte uns nicht wahnsinnig, aber wir vier hatten einen tollen Platz in Nähe der Bühne und den wollten wir bis zum Auftritt von Sting verteidigen. Mit Rotwein, Bier und Erdnüssen ausgestattet, harrten wir der Dinge die da kommen sollten.

Und dann kam er.

Lars Winnerbäck.

Die Musikfans unter meinen Lesern mögen verzeihen, aber ich hatte von dem Schweden mit dem Schirm noch nie gehört. Anders als das im Freibad versammelte Publikum, das ihm ein gewaltiges Willkommen entgegenschrie.

Und dann fing er an und Martin sagte nach zwei Liedern: „Die CD müssen wir haben.“

Haben wir jetzt auch.

Wir haben gejubelt und getanzt und waren fast schon heiser bevor Sting auch nur einen Fuß auf die Bühne gesetzt hatte.

Musik ist immer Geschmackssache, aber ich gebe Euch trotzdem ein Hörbeispiel. Das ist  unter Garantie nicht erlaubt und ich hoffe, dass nicht gleich die WordPress-Blog-Polizei an den Bildschirm klopft. Viel Spaß mit Lars:

http://www.youtube.com/watch?v=EOBOOjQIlvk

Zu Sting kann ich nur sagen: Er kam, sah und siegte.

Toll, ihn mal wieder live zu sehen.

Nun denkt Ihr, meine lieben in 7er-Gruppen versammelten Leser vielleicht, es sei Schluss mit fremden Männern, aber weit gefehlt. Noch einige sorgten für Schlagzeilen diese Woche. Entweder in meinem eigenen Umkreis oder in der achso bunten Welt der Klatschpresse: (Ich rate allen Yellowpress-Gegnern den folgenden Absatz zu überspringen!)

Johnny Depp hat sich getrennt!

Ja gibt es denn das?? Seit 14 Jahren ein Traumpaar, zwei tolle Kinder, ein idyllisches Leben in der französischen Einöde und kaum ziehen sie nach L.A.: zack, bumm, aus. Ein Schocker. Nun zieht er angeblich von Party zu Party mit Marilyn Manson, während Vanessa sich fragt, warum sie nicht in Plan-de-la-Tour geblieben sind.

Sacha Baron Cohen in „The Dictator“. Ich muss zugeben: Ich habe gelacht. Mehrmals. Lauthals. Glücklicherweise hat Mr. Cohen mich in meinen Vorurteilen bestätigt und einige völlig geschmacklose Szenen in seinen Film aufgenommen. Ansonsten wäre ich noch zum Fan mutiert. Aber soweit kam es nicht. Puuh. Trotz allem ein sehr witziger Abend, der darin gipfelte, dass Deutschland das erste Tor gegen Holland schoss, als Catharina und ich die Kneipe betraten, in der unsere Männer den Ball verfolgten. Wie schön, mit einem derartigen Jubel begrüßt zu werden.

Jaaaa, das galt nicht uns, ist ja gut.

Trotzdem nett. *lach*

Die früheste Begegnung mit einem Mann hatte ich in dieser Woche mit unserem, während des Aufenthalts in Oslo zum Wikinger mutierten, Freund Volker: Um 6.30 Uhr trafen wir im Wohnzimmer aufeinander und begannen unseren Freitag auf wunderbare Weise. Wir suchten gemeinsam einen Parkplatz. Das schweißt zusammen. Ein toller Besuch war es und ich hoffe, dass Gisela und Volker genauso viel Spaß hatten wie wir. Beim nächsten Mal pusten wir auch die Wolken am Holmenkollen weg, versprochen!

Eine unerwartet tolle Begegnung hatte ich mit einem Mann namens Bileam, dessen Geschichte Pastor Friedbert Baur und ich im Gottesdienst der deutschen Gemeinde in Oslo theatralisch in Szene gesetzt haben. Bereits zweimal hat die Geschichte der armen Eselin und des geldgierigen Sehers, der am Ende doch das Richtige tut, Kirchenbesucher zum Lachen und Mitmachen animiert und hoffentlich auch ein bisschen zum Nachdenken. Für mich war es eine superhyperfantastischtolle Erfahrung!

Was ist mit Martin? fragt Ihr Euch vielleicht, meine treuen Leser. Da schreibt sie an ihrem Hochzeitstag 800 Wörter über fremde Männer und kaum ein Wort über ihren eigenen.

Mach ich auch nicht.

Das geht Euch nämlich gar nichts an, jawoll! *lach*

Ein ungewöhnlicher Blog ist es heute geworden, der irgendwie ein Eigenleben entwickelt hat. Heute habt Ihr nicht viel über Norwegen erfahren. Da Liebe und Kennenlernen ein zentrales Thema waren, beende ich den Blog mit einigen norwegischen Redewendungen, die immer zu Herzen gehen:

Jeg elsker deg! – Ich liebe dich.

Du har øyne som stjerner! – Du hast Augen wie Sterne.

Und wer sich gar nicht beherrschen kann:

Lille bamsen – Bärchen

Sussebass – Schnuckibär

Ob die Norweger diese Begriffe gern und häufig benutzen kann ich noch nicht sagen. Ich werde morgen mal die Ohren offen halten, wenn wir im Norwegischen Freilichtmuseum die verspätete Sommersonnenwende, das St. Hans-Fest, feiern. Davon nächste Woche mehr!

Meine lieben in 7er-Gruppen versammelten Leser, ich wünsche Euch allen ein sonniges, fröhliches, ruhiges und schönes Wochenende. Verliert nie den Mut, lasst neue Begegnungen zu und sagt mal wieder „Ich liebe dich!“, egal in welcher Sprache!

Ha det bra,

Ulrike

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5 Kommentare zu “Von strickenden Norwegern, exklusiven Balkonkonzerten und einem neuerdings alleinstehenden Piraten

  1. Hallo Urike,
    soso… Du hast dich also in Pullover strickende Männer veriebt. Kratzen die orginal norwegischen handgetüddelten Dinger oder kann man die wirklich tragen? Und die Weihnachtskugeln? Vieleicht sollten wir uns die mal in echt ansehen. Als mutierter Wikinger muß ich ja das jetzt gut finden.
    Die Parkplatzsuche gegen Mittag um halb sieben war doch schön, oder? Stadtfahrt im komfortablen Fahrzeug, Augentraining beim Lücken suchen, frische Luft und einen Spaziergang mit mir. Das haben Dir Sting, die norwegischen Stricker und Jonny Depp nicht geboten.
    War eine tolle Zeit mit euch, nur zu kurz. Das wiederholen wir auf jeden Fall wieder.
    Gruß vom frisch gebackenden Wikinger aus Bosseborn.

  2. Pingback: Ein Souvenir aus Norwegen ODER Von Waschbärmützen, Strickpullovern und Käsehobeln | Neues aus Norwegen

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