Sommer, nee Herbst, nee Sommer in Oslo….

@radiokiepenkerl

So, gleich geht es los. Habe ich alles eingepackt für einen Nachmittag im Park? Kurz nochmal checken: Picknickdecke, Ball, Sonnencreme, Gummistiefel, Schirm, Schneeanzug, Handschuhe. Ja, alles da, auf geht’s!

Hallo, meine lieben Leser, wie schön, dass wir uns hier wieder treffen. Das Wetter in Oslo spielt 2016 echt verrückt. Verlässt man das Haus morgens in sommerlicher Stimmung, kehrt man spätestens mittags frierend zurück. Oder umgekehrt. Ein heilloses Durcheinader! Mehrfach haben wir schon gedacht: “So, das war es mit dem Sommer!”, nur damit er dann am nächsten Tag wieder da war. Das ist verwirrend! Wie soll man sich denn darauf einstellen?

Ich meine, mal ehrlich: Make up your mind, Sommer! Sein oder nicht sein? Strand oder Pfütze? Das würde mir auf jeden Fall den Tagesablauf sehr erleichtern.

Allerdings bemerke ich, dass viele Norweger (und bald auch ich) dieses Hin und Her einfach ignorieren und sagen: “Es ist Sommer. Basta!” Da hüpfen die Kinder im Regen barfuß auf dem Spielplatz, da geht die Familie bei Herbstwetter ins Freibad und Eis schmeckt überhaupt schon mal IMMER. Dazu tragen wir Birkies und Shorts, Blumenkleider und Bikinis und wer im Sommer Socken anzieht ist ein Loser! Sommer ist, weil wir das sagen.

Ein sehr unterhaltsame und positive Einstellung, die Gesa und ich gern übernehmen. Wir sind allerdings noch blutige Anfänger, deshalb quillt der Kinderwagen über von Gegenständen für alle vier Jahreszeiten. Naja, das wird schon! Bis Montag dauert der Zauber noch, dann geht hier in Oslo der Alltag wieder los: Schulstart. Ende des Sommers. Ende der lockeren Tage, des Pokemon-gefüllten Frognerparks und langsamer Anfang vom Herbst.

Schade. Je länger ich in Norwegen lebe, umso mehr mag ich den Sommer. Besonders den norwegischen Sommer: Am See liegen, leichter Wind in den Birken, Sommergeruch in der Nase. Schön ist das. Nur irgendwie zu kurz.

Also, Sommer, falls du noch ein paar Tage bleiben willst, von mir aus gerne. Aber dann entscheid’ dich: Do you wanna stay or wanna go? Weil, ehrlich, ich habe keine Lust mehr, den ganzen Mist immer mitzuschleppen!!!!

***

So, meine lieben Leser, das war es für heute! Meine wöchentlichen Grüße gehen diesmal an meinen Partner in Crime und Love. Ich wette, du hast beim Lesen die Augen verdreht, den Kopf geschüttelt und hast “Ich will Herbst!” gemurmelt. – Und dann schicke ich ein paar Grüße an den kleinen Sonnenschein, der nebenan seinen Mittagsschlaf hält: Heute, meine kleine Motte, war unser letzter “normaler” Tag. Nur wir beide vormittags mit unserem normalen Alltag. Ab morgen ist Oma zu Besuch, jippie!!! und ab Dienstag, deinem 2. Geburtstag, bist du ein Kindergartenkind!!!

Was hatten wir für zwei tolle Jahre, mein kleiner Lieblingsmensch! Jetzt kommt dein erster Schritt raus aus dem Nest und ich frage mich, wer tapferer sein muss… Als du gerade ein paar Tage alt warst, habe ich geschrieben: “Gesa füllt einen Platz in unseren Herzen, von dem wir gar nicht wussten, dass er so schmerzhaft leer war.” Wahnsinn, wie lange das schon her ist. Ich hab dich trillionenfach mehr lieb als damals, meine kleine Entdeckerin. Und jetzt, los, husch, raus aus dem Nest!

Ha det bra,

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Ulrike

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Das Gold der Arktis ist reif! ODER Auf Moltebeerjagd in Oslo…

„Willst du gelten, mach dich selten!“, lautet ein Mantra in unzähligen Liebesratgebern. Und nicht nur in der Liebe gilt dieser Grundsatz: Diamanten, intelligente Reality-Shows, Gold, sichere Arbeitsplätze, Trüffel, unkomplizierte Teenager, Sternschnuppen – sie alle sind kostbar, weil sie sich rar machen. Eine norwegische Kostbarkeit hat jetzt wieder Saison: Die Moltebeere.

Hallo, meine lieben Leser, schön, dass wir uns hier wieder treffen. Eine kleine, orange Beere steht heute im Mittelpunkt des Blogs. Bis ich hier nach Oslo kam, hatte ich von der himbeerähnlichen Frucht noch nie gehört und blickte beim Restaurantbesuch verwirrt auf Dessertangebote mit multer. Vor einigen Wochen begegnete mir die Beere dann in den norwegischen Nachrichten: Auf einer Wiese in der Finnmark berichtete eine ältere Norwegerin, dass die multer in diesem Jahr wirklich spät kämen, letztes Jahr um diese Zeit hätte sie schon alle abgeerntet.

Nun begann ich, die Beeren ernst zu nehmen. Sie mussten in den Blog, wenn ihr unpünktliches Erscheinen es schon in die Hauptnachrichten schaffte! (Obwohl das hier in Norwegen nichts bedeutet: Letztes Jahr begannen die 21h-Nachrichten mit einem Bericht über Justin Bieber...)

Voller Interesse für die orange Beere setzte ich mich also heute Morgen an den Computer. Bald war klar, dass ich auf eine echte norwegische Spezialität gestoßen war. Die nur in wenigen nördlichen Ländern auftauchende Beere wird auch „Gold der Arktis“ genannt. Sie wächst in Moorgebieten, aber auch da nur spärlich. Durch mir unverständliche Zicken der Natur kann die Moltebeere nicht kommerziell angebaut werden, und mehrere Versuche skandinavischer Wissenschaftler schlugen fehl. Ein Moltebeerfeld zu finden, es sogar auf dem eigenen Grundstück zu besitzen, gilt in Norwegen wie das Auffinden einer Ölquelle (auch wenn der finanzielle Wert sich nicht gleicht…aber immerhin). Das Wissen um öffentlich zugängliche Moltebeerpflückstellen wird als Familiengeheimnis von Generation zu Generation weiter gegeben. Aufgrund ihrer Bedeutung für die lokale Wirtschaft ist das Pflücken von Moltebeeren sogar gesetzlich geregelt.

Ehrlich!

Kein Scherz!

Paragraf 5 des friluftsloven (Freiluftgesetz) beschäftigt sich mit dem Ernten in freier Natur. Im zweiten Absatz heißt es: „For multer på multebærland i Nordland, Troms og Finnmark gjelder første ledd bare når eier eller bruker ikke har nedlagt uttrykkelig forbud mot plukking. Uavhengig av et slikt uttrykkelig forbud kan allmennheten alltid plukke multer som spises på stedet.“  Der erste Absatz, der erlaubt, dass jedermann Früchte, Blumen, Nüsse oder Beeren wild ernten darf, gilt also NICHT für bestimmte Moltebeerplätze in den Regionen Nordland, Troms und Finnmark. Hier haben die Eigentümer das Recht, ein Pflückverbot auszusprechen. Genauer gesagt ein Mitnahmeverbot, denn vor Ort dürfen die Beeren immer gepflückt und verspeist werden. Hintergrund ist wahrscheinlich der hohe kommerzielle Wert der seltenen Beere, die in den nördlichen Regionen Norwegens häufiger auftauchen als im warmen Süden.

Naja, wärmer auf jeden Fall.

So, die Beere ist gesetzlich geregelt und schafft es in die Nachrichten. Aber wie bekomme ich sie in die Finger???

Eine kurze Recherche zeigt, dass es auch in den Wäldern rund um Oslo vielversprechende Moltebeerstellen gibt. Hm. Ich bezweifle, dass eine möglicherweise erfolglose Beerensuche im Wald die beste Unternehmung für mich und meinen Kugelbauch ist. Wie aber dann kommen eine Hochschwangere und eine Moltebeere zusammen?

Auf die Art und Weise, wie wir in der Großstadt uns meistens Obst und Gemüse beschaffen.

Wir gehen in den Supermarkt.

Aber auch das ist bei Moltebeeren nicht einfach. Mein Kiwi gegenüber hat weder frische noch gefrorene Moltebeeren im Angebot und auch im Meny bleibt meine Jagd erfolglos. Nun werde ich irritiert. Okay, her mit der allmächtigen Waffe: Dem Ultra-Supermarkt.

Dort: Nichts, nada, nothing.

Na, sag mal….

Gut, ich wende eine neue Taktik an und poste mein Begehren in einer der hilfreichsten Gruppen bei Facebook:  „Where in Oslo“. Und tatsächlich: Nach nur wenigen Minuten der Tipp, ich solle es beim Supermarkt Rimi versuchen.

Beim RIMI???? Da gehe ich ja sonst nie hin. Na gut, wir haben einen gleich um die Ecke, dann gehe ich halt mal gucken und….

EUREKA!!!!!!!!

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Dort, neben gefrorenen Brombeeren und anderen Vitaminbomben lachen mir multer entgegen. 300 Gramm des arktischen Goldes, wahrscheinlich importiert aus Finnland (in Norwegen ist die Nachfrage viel höher als das Angebot), aber egal, her damit, achja, ich wurde gewarnt, sie seien unverschämt teuer, aber was können so ein paar Beeren schon kosten und…..

IST DAS DER PREIS??????

Ich blicke entsetzt auf die plötzlich winzig erscheinende Packung in meinen Händen.

Checke nochmal das Preisschild.

110 KRONEN?????

13 EURO????

FÜR OBST?????

Und dazu noch gefrorenes, wahrscheinlich ausländisches Obst, während ich bei ambitionierter Suche in den Wäldern dieselbe Menge für umsonst haben könnte??? Und auch noch echt norwegisch???

In meinem Kugelbauch zappelt es, als wollte das Baby kurz deutlich machen: „Jawoll, los, wir beide, auf in den Wald, immer schön bücken…wirst schon sehen, was du davon hast….hihihiihihi….!“

Seufzend packe ich das gefrorene Gold in den Einkaufskorb. Wehe, die schmecken nicht!!!

Zuhause angekommen bilde ich mich weiter. Mein schon bekanntes Lieblingskochbuch „Norges Nasjonalretter“ bietet mir zwei unglaublich komplizierte Rezepte für „Multekrem“ an. Ich entscheide mich für das aus dem südlichen Trøndelag (das Bild ist hübscher) und beginne mit den unerhört schwierigen Vorbereitungen:

1. Moltebeeren auftauen.

2. Sahne schlagen.

Puuh. Eine kulinarische Höchstleistung. Kransekake zu backen war ein Witz dagegen.

Aufgetaute Beeren sind grundsätzlich nicht der Hit und ich versuche, ein paar hübsche Exemplare zu finden in der matschigen Masse. (13,- Euro…………) Eine wandert direkt in meinen Mund. Uih, sauer. Puristen lehnen das Zuckern der seltenen Beeren ab, ich finde allerdings, dass die bitter-säuerlichen Beeren ein paar Krümel Zucker gut vertragen könnten. Norweger frieren die Beeren für den Winter ein, um in den kalten Monaten eine wertvolle Vitamin-C-Quelle zu haben und früher wurde die Moltebeere wegen ihres hohen Vitamingehalts von Seeleuten als Mittel gegen Skorbut eingesetzt.

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Nach einer gewissen Auftauzeit bringe ich mein äußerst aufwändiges Rezept zum Abschluss und bald steht eine sommerlich duftende multekrem vor mir.  Traditionell wird sie gemeinsam mit krumkaker (eine Art Crepewaffel) zu Weihnachten serviert, aber mir schmeckt sie heute auf einem dünnen Pfannkuchen auch sehr gut. Die süße Sahne mit den säuerlichen Beeren auf dem Teigfladen – ganz köstlich!

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Aber – und das sehe ich ganz deutlich – der eigentliche Spaß ging hier verloren. Nämlich rauszugehen in die Natur, hoch oben in den Moorgebieten im Norden des Landes, bewaffnet mit Eimer, Gummistiefeln und einem Netz gegen die Mücken. Dann zu den bekannten und von Urgroßvater entdeckten Stellen zu wandern und die in Bodennähe orange leuchtenden Beeren zu erspähen und vorsichtig zu pflücken. Immer nach dem Prinzip: Eine in den Eimer, eine in den Mund. Nach einem sonnenreichen Tag mit der Familie die wertvolle Ernte nach Hause zu bringen und dort zu Moltebeersuppe, Moltebeermarmelade oder Moltebeerkuchen verarbeiten und einen Teil für den Winter einfrieren. Und sich im Winter an der leuchtenden Farbe und der Erinnerung an den Sommer zu erfreuen.

Das alles bieten gefrorene (und wahrscheinlich finnische) Moltebeeren nicht.

Aber immerhin hatte ich so eine erste Begegnung mit dem arktischen Gold.

Die Jagd in der freien Natur folgt dann nächstes Jahr!

***

Das war es für heute, meine lieben Leser. Gibt es Moltebeeren in Deutschland? Niedersachsen soll einige streng geschützte Gebiete besitzen, ob man Produkte aus Moltebeeren in den Supermärkten oder Reformhäusern findet – sagt Ihr es mir!!!!

Ich wünsche Euch allen eine tolle Woche, entdeckt etwas Kostbares oder macht Euch auf die Suche danach! Denen, die den Urlaub noch vor sich haben: Viel Spaß und erholt Euch gut! Und denen, die schon wieder im Alltag sind: Viel Erfolg und der nächste Urlaub kommt bestimmt!

Ha det bra,

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Ulrike

(Großstadtjagd. Man beachte: Moltebeeren und Blaubeeren entdeckt!)

 

 

 

 

Von Herbstanfang, Internetüberraschungen und Ärzten in Armani-Kitteln

Meine Güte, es ist fast schon September. In Oslo trollt sich der Sommer beschämt davon und der Herbst schmeichelt sich mit viel Sonne an seine Stelle. Herbst!! Bunte Blätter, mitreißende Stürme, Regenschirm und Gummistiefel stehen bald wieder auf dem Programm! Genauso wie verrotzte Nasen und schaurige Hustenattacken. Und das bringt mich zu einem neuen Thema über das Leben in Norwegen………..

HALLO MEINE LIEBEN LESER! Da sind wir wieder. Also Ihr und ich. Lange haben wir uns nicht gesehen! Ich hatte eine tolle Zeit in Deutschland, das gerade in der Woche, als ich dort war, beschlossen hatte, Saharaluft zu importieren. Aus der Sauna bin ich aber wohlbehalten wieder im kühleren Norwegen gelandet und konnte gleich einen Haken auf meiner „Ich lerne Norwegen kennen“-Liste machen. Ich war beim Arzt. Muss man ja auch mal machen. Während ich so im Warteraum saß, habe ich mir Notizen gemacht, um Euch von diesem Erlebnis und dem norwegischen Gesundheitssystem so gut wie möglich berichten zu können!

(Womit auch klar ist, dass ich nicht bettlägerig schwerstkrank war. Nur zu Eurer Beruhigung. Es ging um meinen Magen.)

Norwegen ist ein Sozialstaat, der jedem Bewohner Norwegens, sofern er registriert ist, das Recht auf kostenfreie medizinische Betreuung zusteht. Den zuständigen Hausarzt kann man entweder selber wählen oder bekommt ihn von der HELFO (Helseøkonomiforvaltingen…tolles Wort für Galgenraten!) zugewiesen. So einfach ist das mit dem Selbstwählen aber nicht: Der Arzt muss auch freie Plätze haben. Um festzustellen, ob der Lieblingsarzt noch Kapazitäten hat, kann im Internet eine Liste konsoltiert werden, die für Majorstuen beispielsweise gerade so aussieht:

https://tjenester.nav.no/minfastlege/innbygger/fastlegesokikkepalogget.do

Von den 51 ansässigen Ärzten in Frogner/Majorstuen haben nur noch 8 freie Plätze.  Ist der Lieblingsarzt dabei, kann der Wechsel gleich online vollzogen werden und, schwupps, ab dem nächsten Monat kann sich ein neuer Mediziner um den wertvollen Körper kümmern.

Da wir keine Erfahrung mit Ärzten in Oslo hatten und uns nicht auf unterschiedliche Empfehlungen verlassen wollten, haben wir gewartet, bis wir zugeteilt wurden. Nach ca. drei Monaten kam der Brief mit Name und Adresse unseres neuen Arztes. Gleich hier um die Ecke, na das nenn ich praktisch.

Und nun sollte ich ihn zum ersten Mal treffen.

Da ich ein Internetjunkie bin (und die Öffnungszeiten der Praxis erfahren wollte), googelte ich unseren Arzt also und erlebte einigen Überraschungen:

Erstens: Er war eine sie. Manche norwegischen Vornamen sind aber auch tricky.

Zweitens: Ich fand zwar keine Öffnungszeiten, aber erfuhr, dass meine Ärztin in 2009 knapp 1 Million NOK verdient hatte. (In Norwegen wird jährlich das Einkommen, Vermögen und die Steuerbelastung  JEDES Norwegers und Steuerpflichtigem in Norwegen veröffentlicht. Glaubt Ihr nicht? Hier: http://www.nrk.no/skattelister2009/kommune~oslo~0301/)

Drittens: Wütende norwegische Patienten hatten sich in einem Ärzte-Forum ihren Frust über unsere neue Ärztin von der Seele geschrieben und „frustrierte, verbitterte Kuh“ war eine der nettesten Beschreibungen.

Ja, gut………

Mit dem Bild einer männlich aussehenden, aber weiblich heißenden, verbitterten Kuh im Armani-Kittel vor Augen, machte ich mich auf den Weg in die Praxis.

Wo ich erstmal meine Schuhe ausziehen sollte. Also nicht zur Untersuchung. Nein, nein. Gleich beim Reinkommen. Norwegen ist das Mekka aller Hausschuhhersteller, denn kein privates Haus kann in Straßenschuhen betreten werden. Ist so. Gibt es bei uns auch nicht!

Aber beim ARZT?

Irritiert verließ ich meine Schuhe und stieg in ein, kurz vor dem Rentenalter stehendes, Paar blauer Pantoffeln. Vielleicht hat Frau Doktor einen Deal mit einem Fußpilzmedizinvertreter und ich wurde gerade das neueste Opfer?? Gottergeben schlurfte ich zum Warteraum. Der Armanihexe in Pantoffeln zu begegnen war mir nicht recht, und gerade, als ich dabei war, eine Strategie zu ersinnen, ertönte mein Name: „Ulrike?“.

Oho, meine Ärztin schien eine Vertretung zu haben, dachte ich erleichtert und schlurfte der netten, blonden Frau im regulären Arztkittel entgegen, die mir einen Platz anbot und sich vorstellte.

Und nun habe ich einen Rat an Euch alle, meine lieben Leser: Vertraut nie, NIEMALS, den Kommentaren im Internet. Alles Humbug. Irgendwelche Selbstdiagnose-Träger mit Selbstbewusstseinsknacks geben ihren Senf ab und dusselige Leute wie ich fallen darauf rein.

Meine Ärztin ist toll! Professionell, kompetent und freundlich. Was will ich mehr?

Auf Englisch arbeiteten wir uns durch die notwendigen Fragen, ich bekam mein Rezept und während Frau „Total nett und gar keine reiche Hexe“-Doktor tippte, blickte ich mich um. Und war verwirrt: Im Raum befand sich neben einer Untersuchungsliege auch ein Poster für Seh-Übungen und ein gynäkologischer Untersuchungsstuhl.

Es ist in Norwegen wie auf dem Land: Der Hausarzt ist für alles da. Augen- , Frauen- , Kinder- und Allgemeinkrankheiten.

Oha. Das musste ich erstmal verdauen. In einem Dorf hätte ich nichts anderes erwartet, aber hier in Oslo? Im Westend? Oha.

(In bestimmten Fällen scheint es die Überweisung zu Fachärzten zu geben, aber ob das ein Gerücht ist oder die Wahrheit habe ich noch nicht herausgefunden. Es gibt selbstverständlich Privatkliniken für alle, die dem System nicht ausreichend vertrauen.)

Wieder was gelernt.

Und Ihr auch! Toll so ein Blog, nicht wahr?

Mit meinem Rezept, vielen neuen Informationen und einer Quittung über die gezahlten 116 NOK verließ ich die Praxis. Eine anschließende Runde im Frognerpark machte klar, dass der Herbst wirklich da war: Das Frognerbad hat geschlossen, genauso wie eines der Cafes im Park. Statt 50 parkten nur noch gefühlte 25 Reisebusse am Haupteingang. Manche Spaziergänger trugen Stiefel und Schal, während andere den Sommer nicht loslassen wollten und tapfer in Shorts und Flipflops stiegen.

Herbst.

JUCHUUU!!!!!!!!!!!!!!!

ICH LIEBE HERBST!!!!

Lass den Sommer ruhig blöd sein, kümmert mich nicht!!

VELKOMMEN HǾSTEN!!!

Das war es, meine lieben in 7er-Gruppen hoffentlich schmunzelnden Leser! Danke, dass Ihr hier wart! Ich wünsche Euch eine tolle Woche, für mich beginnt Montag eine neue Runde Norwegisch-Kurs, an der ich Euch natürlich wieder teilhaben lasse.

Bis dahin liebe Grüße, schätzt mal wieder das deutsche Sozialsystem, genießt den Herbst und holt die Keksrezepte aus dem Schrank!

Ha det bra,

Ulrike