Oslo – Die Stadt der Verlierer oder Hilfe, wo ist mein Handtuch?

@Kristen Nicole

@Kristen Nicole

Bjarne, der graue Kater, guckt mich von jedem zweiten Baumstamm in unserer Nachbarschaft an. Er ist 13 Jahre alt, lese ich, spielt gerne, mag es zu kuscheln…und ist seit sechs Tagen nicht mehr nach Hause gekommen. Schon wieder eine Katze verschwunden – was ist nur los in dieser Stadt?

Hallo meine lieben Leser! Schön, dass wir uns hier wieder treffen. Ich weiß nicht, was schief läuft in Oslo. In keiner anderen Stadt habe ich bisher so viele Vermisstenanzeigen gelesen. Die Leute verlieren hier alles: Hunde, Katzen, Vögel, Schlüssel und vor kurzem hat im Frognerpark jemand sein Handtuch verloren und per Handzettel gesucht.

Mal ehrlich, ein Handtuch? Wer weiß, wo das war in der Zwischenzeit.

Nein, danke. Schüttel.

Dank moderner Technik kann eine Handzettelsuchaktion professionell wirken. Statt wie früher per Hand ein Stück Papier zu bekritzeln und an den nächsten Baum zu kleben, wird heute alles genutzt, was die Technik so bietet. Der Zettel, mit dem Bjarne gesucht wird, ist ein Farbdruck und bietet neben einem hochaufgelösten Foto und einer Telefonnummerabreißreihe auch mehrere Email-Adressen und einen QR-Code. Q what??? Ihr wisst schon, diese schwarz-weißen Quadrate, die durch ein Wunder der Technik Informationen speichern.

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Wer kann es lesen?

Ich bekomme immer Magenschmerzen, wenn ich Vermisstenanzeigen von Tieren lese, weil ich mir sofort ausmale, wie die unglücklichen Menschen zu Hause sitzen und auf die Rückkehr ihres felligen Familienmitglieds warten. Noch schlimmer ist aber die Vorstellung, dass irgendwo ein verletztes Tier liegt und nicht nach Hause kann. Und da in unserem Stadtteil andauernd Tiere verschwinden, ich also ständig an Magenschmerzen leide, frage ich mich doch zuerst: Wo ist meine Wärmflasche? Und dann: Was ist denn hier los? Liegt eine Energie über dem Stadtteil, die sich negativ auf das Mensch-Tier-Verhältnis auswirkt? Oder tendieren die Menschen in Majorstuen und Frogner dazu, sich besonders freiheitsliebende Vierbeiner anzuschaffen? Oder liegt es an ganz anderen Gründen?

Spielen wir die Möglichkeiten durch:

  • Schlechte Energie?

Blödsinn. Märtha Louises Engelschule liegt in Frogner, wir sind versorgt.

  • Freiheitsdrang?

Ok. Vielleicht. Aber warum sind die Vierbeiner so freiheitssuchend? Ist das genetisch veranlagt oder gefällt es ihnen einfach nicht da, wo sie leben? Eigentlich sind Tiere doch ganz pflegeleicht: Fressen und Aufmerksamkeit und schon ist alles gut. An ausreichender Ernährung mangelt es bestimmt nicht, aber vielleicht an Aufmerksamkeit? Tja, da würde ich auch meinen Napf packen und gehen. Knallhart. Und tschüß. Blöd ist, wenn zu einem anfänglichen Freiheitsdrang schlechte Orientierungsfähigkeiten kommen. Stellen wir uns vor, dass ein vernachlässigter Kater eines Tages entscheidet: So nicht, nicht mir mir, ich gehe! Natürlich nicht ernsthaft, weil, hey, es gibt jeden Tag zwei Mahlzeiten und manchmal wird gekuschelt und eigentlich will er nur mal zeigen, was wäre wenn….und plötzlich steht er dann in der Fremde und denkt:

Mist. Wo bin ich denn jetzt?

  • Aliens?

Verstricken wir uns nicht in lange Diskussionen, ob es sie gibt oder nicht. Fragen wir uns lieber: Was wollen Aliens in Oslo? Die Familie besuchen? Norweger wirken auf Ausländer oft fremdartig und vielleicht sind sie tatsächlich die Brücke zwischen uns und E.T.. Aber das erklärt nicht, warum Aliens hier in Frogner landen und dann ausgerechnet die Katze meines Nachbarn verschleppen. Oder brauchten sie etwa Mittages….darüber will ich gar nicht nachdenken!!!!!!!!!!! Oh nein, wie schrecklich. Dabei gibt es zwei Supermärkte in der Nähe, da hätten sie doch….

@AlienProductions/WarnerBrosTelevision

@AlienProductions/WarnerBrosTelevision

Ich merke schon, ich komme nicht weiter in meinen Überlegungen. Im Gegenteil, es wird immer verwirrender. Statt hier über Aliens zu schwafeln, gebe ich lieber handfeste Tipps: Solltet Ihr einmal nach Oslo kommen und etwas verlieren, sei es nun ein Handtuch oder ein Haustier, dann wendet Euch vertrauensvoll an diese Stellen:

  • Hittegodskontor: Fundbüros haben sowohl die Polizei in Oslo als auch die Transportunternehmen Ruter (T-bane, Bus, Straßenbahn) und NSB (Züge). Das der Polizei ist am Grønlandsleiret 44, Ruter hat sein Fundbüro am Bahnhof Nationaltheater und alle Dinge, die in Zügen vergessen wurden, finden sich im hittegodskontor am Hauptbahnhof Oslo S.
  • FOD:  Foreningen for omplassering av dyr ist der etwas sperrige Name des lokalen Tierheims am Enebakkveien. Die erste und beste Anlaufstelle für verlorene Tiere.
  • Astarte Inspiration: In der Riddervoldtsgate 9 gibt Prinzessin Märtha Louise Kurse, damit Menschen ihrem persönlichen Engel begegnen. Vielleicht findet der ja dann das verschwundene Handtuch.

Wer sucht, der findet heißt es. Im Fall Bjarne scheint sich etwas getan zu haben, denn seit gestern sind alle Handzettel samt QR-Code von Bäumen und Straßenlaternen verschwunden. Ja und nun? Was ist denn das für eine Sache? Da fiebere ich mit und bekomme Magenschmerzen und dann verschwinden die Zettel sang- und klanglos und ich kann mir allein Gedanken machen: Sprang Bjarne eines Abends vollgefressen und befriedigt zurück auf den häuslichen Balkon, putzte sich ausgiebig und verstand die ganze Aufregung nicht? Öffnete ein Nachbar nach seinem mehrtägigen Angeltrip die Garage und hinaus wankte der bedröppelte Kater seiner Nachbarin, den er sofort nach Hause und in die Arme seines Menschen packte? Oder rief das Tierheim an und vermeldete, dass im Nachtbus ein orientierungsloser Kater ohne Ticket aufgegriffen wurde?

Ich habe keine Ahnung.

Aber ich glaube an ein Happy-End.

Ganz, ganz fest.

Das war es für heute, meine lieben Leser. Falls jemand von Euch eine Erklärung hat, warum gerade in Oslo so viele Tiere verschwinden, freue ich mich über einen Kommentar. Meine wöchentlichen Grüße gehen heute an alle, die gerade im Krankenhaus liegen. Haltet die Ohren steif und die Stimmung hoch! Ich wünsche Euch allen eine tolle Woche, verliert Eure gute Laune nicht und genießt den restlichen Sommer.

Ha det,

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Ulrike

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4 Kommentare zu “Oslo – Die Stadt der Verlierer oder Hilfe, wo ist mein Handtuch?

  1. Warum so viele Tiere verschwinden? Ich habe leider keine Ahnung!
    Aber, ich kann dich auch auf dem Telefon lesen 😉 Das mit dem Code ist super! Das solltest du allen per Whats App schicken 🙂

    Hab ein tollese WE!

  2. Katzen verschwinden? Zufällig Leute mit seltsamen kulinarischen Eigenarten in der Nähe?

    Liebe Grüße aus Bosseborn….

  3. Manchmal gehen Katzen eine Weile ihren eigenen besonderem Weg….immer der Nase nach.
    Irgendwann riecht die Nase die Heimatstube und zack sind sie wieder da.

    Das hoffe und wünsche ich mir für die Katzenwelt.

  4. Ich denke, der Kater hat einen Ausflug in den Park gemacht, sich dort das Handtuch geschnappt und es als Versöhnungsgeschenk für seine bangen Dosenöffner mit nach Hause genommen. Zwischendurch hat er vielleicht sogar seinen Engel getroffen, der ihm den Heimweg gewiesen hat.

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