Das (fast) glücklichste Land der Welt ODER Willst du glücklich sein im Leben….

14511546-illustration-depicting-a-green-roadsign-with-a-happiness-concept-blue-sky-background-1

„Willst du glücklich sein im Leben, trage bei zu andrer Glück. Denn die Freude, die wir geben, kehrt ins eigene Herz zurück.“ So steht es wahrscheinlich nicht nur in meinem Poesiealbum. Willst du glücklich sein im Leben – na, wer will das nicht? Nun ist das mit dem Glück aber so eine Sache, es ist schrecklich subjektiv und was für den einen Glück bedeutet, das hält der nächste für nicht erstrebenswert.

Hallo, meine lieben Leser, wie schön, dass wir uns hier wiedersehen. Seht Ihr mich?? Ich bin die hier oben – im Schneesturm. Ja, es schneit immer noch. – Ich gewöhne mich langsam dran.

Aber zurück zum Thema. Der (über-)menschliche Drang, mit allen Mitteln glücklich zu werden, hat sich mittlerweile in ein rentables Megamillionengeschäft entwickelt: Unzählige Selbsthilfebücher mit vielversprechenden Titeln wie „Die Glückskatzen-Philosophie: Wink dem Glück und es winkt dir zurück“ oder „Wir sind alle kleine Funktürme – Ein Inspirationsprogramm“ füllen die Regale der Bücherläden. Lachyoga-Seminare und kostenpflichtige Bestellungen beim Universum versprechen Unmögliches. Glückberater bieten in Frauenmagazinen oder auf Selbsthilfe-CDs ihre Hilfe an. Glücksweisheiten gepaart mit Sonnenuntergängen verstopfen soziale Netzwerke wie Facebook.

@PetraLaschewski

@PetraLaschewski

Das Glück, scheint es, ist heute überall Thema. Neu ist die Idee, das eigene Glück zu finden, nicht. Schon der griechische Philosoph Aristoteles beschrieb, dass der Mensch durch eigenes Handeln zu seinem Glück beitragen kann und regte damit eine über 2500 Jahre dauernde Diskussion an. Die amerikanische Unabhängigkeitserklärung von 1776 erklärt „Life, Liberty and the pursuit of Happiness“ (Leben, Freiheit und das Streben nach Glück) zu den Naturrechten des Menschen. 1972 ersetzte der bhutanische König Jigme Singye Wangchuck das Bruttoinlandsprodukt durch das Bruttonationalglück seiner Untertanen und verpflichtete sich zur nachhaltigen Weiterentwicklung des Königreiches. Und im Jahr 2012 legte das Earth Institute, eine Fachabteilung der New Yorker Columbia University, der UN den ersten World Happiness Report vor. Ziel: Festzustellen, in welchem Land die glücklichsten Menschen leben.

Nun ratet, welches Land 2012 gewonnen hat….

happy-fred

Dänemark!

Und ratet, welches Land 2013 gewonnen hat….

Dänemark!

Und nun ratet, wer auf Platz 2 im Jahr 2013 lag??? Na, na, na…..

norway

NORWEGEN!!!!!!!!!!! Hipphipphurrah!

Ich lebe also in dem zweitglücklichsten Land der Welt. Das ist doch mal eine Aussage, das hebt die Stimmung, da fühlt man sich gut!

Wie aber haben die schlauen Menschen von der UN und dem Earth Institut das festgestellt? Ganz einfach: Sie haben zwei Fragen gestellt, die die Befragten auf einer Skala von 0 bis 10 beantworten sollten:

1. Wie glücklich sind Sie?

2. Wie zufrieden sind Sie mit Ihrem Leben insgesamt?

Denn Glück, so die Forscher, kann zwei Bedeutungen haben: Als Gefühl („Ich bin gerade so glücklich, ich könnte immerzu jubeln!“) und als rationale Beurteilung („Mein Leben ist glücklich.“) Da Menschen dazu tendieren, die Bedeutungen zu verwechseln, entschieden sich die Forscher zu den beiden oben genannten Fragen und erstellten aus den Antworten eine globale Glücksliste. Hier die Top Ten von 2012 und 2013:

2012

1. Dänemark

2. Finnland

3. Norwegen

4. Niederlande

5. Kanada

6. Schweiz

7. Schweden

8. Neuseeland

9. Australien

10. Irland

2013

1. Dänemark

2. Norwegen

3. Schweiz

4. Niederlande

5. Schweden

6. Kanada

7. Finnland

8. Österreich

9. Island

10. Australien

(Quelle: World Happiness Report 2013)

Was aber macht die Bewohner eines Landes glücklich? Warum könnte Norwegen das zweitglücklichste Land der Welt sein? (Und wer jetzt ruft: „Es gibt viel Schnee!!!“ hat verloren…) Ich habe mal ein bisschen nachgedacht und bin für mich zu folgenden Antworten gekommen:

1. Umwelt, Landschaft

Norwegen hat sauberes Wasser, klare Luft und eine grandiose Natur direkt vor der Haustür. Wasser wird hier sorgenfrei aus dem Hahn getrunken und jetzt, wo das Recycling seinen Einzug gehalten hat, wird auch der Umweltschutz eine größere Rolle spielen. In der Natur zu sein gehört zu den wichtigen, positiven Erlebnissen in Norwegen. Draußen sein macht glücklich.

2. Finanzielle Sicherheit

Durch Öl reich geworden, liegen die monatlichen Einkommen in Norwegen heute mit ca. 30% über dem weltweiten Standard, so die OECD-Statistik. Jobs, besonders in staatlichen Unternehmen, sind fast unkündbar, drohende Arbeitslosigkeit ist keine alltägliche Sorge. Das Wiegen in finanzieller Sicherheit führt allerdings auch zu einer grandiosen Verschuldung norwegischer Haushalte. Was passiert, wenn das Öl zur Neige geht, steht in den Sternen. Der milliardenschwere Norwegische Ölfonds, seit Anfang Januar bei 611 Milliarden Euro, sorgt hier schon mal vor.

3. Positive Ausstrahlung

Die beiden oben genannten Punkte bewirken, dass Menschen in Norwegen grundsätzlich besser gelaunt sind und die positiven Seiten des Lebens genießen können. Außerdem lehnen Norweger langwierige, ausufernde Diskussionen und Rechthabereien ab. Jammern liegt ihnen fern und eine derartige Gesellschaft wirkt angenehm. (Keine Angst, es gibt auch schlechte Angewohnheiten, aber die interessieren gerade nicht.)

4. Offen für Familien

Kinder sind willkommen in Norwegen, fast schon eine gesellschaftliche Verpflichtung. Drei Kinder plus Eltern bilden in Norwegen die klassische Rama-Familie. Ihr Schutz und Wohlergehen steht weit oben in der Gesellschaftsordnung. Ein Land, das glückliche Kinder heranzieht, muss ein guter Platz zum Leben sein.

5. Toleranz

Hier ist nicht alles Gold, was glänzt. So offen Norweger auch in Fragen der Gleichberechtigung oder Homosexualität zu sein scheinen – ich bin mir nicht sicher, wie ehrlich das alles ist. Xenophobie ist anscheinend weit verbreitet, Traditionen werden hochgehalten, Nostalgie wird gefeiert und manchmal glaube ich, dass Norwegen besser von sich denkt, als es tatsächlich im Alltag ist. Aber wie gesagt: Ich bin unsicher.

6. Selbstliebe

Und das bringt mich zu einem weiteren Punkt der Kritik: Bewohner Norwegens tendieren dazu, ihr Land einfach super zu finden. Und viel besser als jedes andere Land auf der Welt ist es schon mal überhaupt. VIEL besser. VIEL bessere Menschen. VIEL bessere Natur. NATÜRLICH ist man hier glücklich. Ja, vielleicht. Aber lebt man in Norwegen wirklich glücklicher? Oder haben die Menschen in Norwegen einfach beschlossen, glücklich zu sein, weil es sich so besser leben lässt, unabhängig von den Problemen, die das Land trotz allem hat? Kann man Glück überhaupt messen? Nun ja, man kann es immerhin versuchen. Und vielleicht sagt es wirklich etwas über die einzelnen Länder und deren Bewohner aus. Aber im Endeffekt ist doch jeder seines eigenen Glückes Schmied, ob nun in Norwegen, Deutschland oder Togo.

Und das bringt mich zu meiner letzten Frage, diesmal an Euch: Auf welchem Platz, glaubt Ihr, liegt Deutschland? (Nicht nachgucken! Schätzen!) Und warum wohl?

„Willst du glücklich sein im Leben, trage bei zu andrer Glück. Denn die Freude, die wir geben, kehrt ins eigene Herz zurück.“ Das war es schon wieder für heute, meine lieben Leser. Ich wünsche Euch eine glückliche Woche, beantwortet die Fragen vom Earth Institute und guckt, wie glücklich Ihr seid. Und wenn da etwas nicht stimmt: Dann geht los und macht jemanden anderen glücklich, denn das, so mein Poesiealbum, ist der einzig wahre Weg zum Glück!

Ha det bra,

20140128_111850

Ulrike

Advertisements

7 Kommentare zu “Das (fast) glücklichste Land der Welt ODER Willst du glücklich sein im Leben….

  1. Hallo Ulrike, toller Beitrag! Und sehr interessant, Deine Einschätzungen, warum Norwegen so weit oben liegt.
    Ich lebe ja im glücklichsten Land 🙂
    Habe mich auch oft gefragt, warum das so ist, dass ausgerechnet Dänemark das glücklichste Volk sein soll. Ich kann es nicht unbedingt immer merken an der Stimmung hier im Land. Oder wenn man den Leuten in der S-Bahn im Gesicht schaut….

    Ein entscheidender Punkt hier im Lande, der oft bei den Analysen der Glücksstatistik angebracht wird, das ist die Bescheidenheit der Bürger Dänemarks. Die Janteloven-Kultur – alle haben den gleichen Wert und keiner soll sich als besonders bedeutsam herausstellen (das ist ein alter Wert hier in Dänemark, der zwischenzeitlich natürlich nicht mehr so gelebt wird, aber durchaus vielleicht noch seine Wirkung hat).
    Jedenfalls sind die Menschen in ihren Erwartungen möglicherweise bescheidener als in anderen Nationen (sagt man) und damit schneller glücklich zu machen.

    Ich selbst finde Deine Punkte zutreffender, auch für Dänemark.
    Auf meinem Blog werde ich irgendwann auch mal noch einen Beitrag dazu verfassen.

    Übrigens – die Studien muss es schon sehr lange geben, denn als ich vor 6 Jahren auswanderte, war damals schon Dänemark regelmäßig als glücklichstes Volk der Welt gewählt worden.

    Viele Grüße in den Schnee…
    Maryleen

    Blog zu Dänemark: http://4nordlichter.wordpress.com

  2. ALSO: Ich hatte so zwischen Platz 15 – 20 getippt. DANACH habe ich mich internetmäßig informiert und damit Deutschland auf „26“ gefunden – na ja …………… Mutta-Kuss

  3. Pingback: (Die Sonntagsleserin) KW #05 – Januar/Februar 2014 | Bücherphilosophin.

  4. In meinem Poesiealbum steht der Spruch auch. … und Deutschland dürfte recht weit hinten liegen im Glücksreport. Italien aber auch. Die Italiener meckern immer auf Italien (oft zu recht) und glauben, dass es überall besser sei als hier, was natürlich Quatsch ist.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s