Lørdagsgodt ODER Am Samstag wird in Norwegen genascht!

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Schickt die Kinder aus dem Raum für die folgende gruselige Aussage und setzt Euch selber ganz schnell hin.

Bereit?

Sicher?

Besonders alle mit einem sogenannten sweet tooth, also einer Schwäche für Süßigkeiten, möchte ich jetzt vorwarnen. Ok. Here it comes. Mich gruselt es schon fast selbst….also, tief einatmen…und…

In Norwegen bekommen Kinder nur am Samstag Süßigkeiten.

!!!

Hallo, meine lieben Leser, wie schön, dass wir uns hier wieder treffen. Ja, da guckt Ihr…Süßigkeiten nur am Samstag. Das muss man erst mal verdauen, begreifen und sich vorstellen können. Lørdagsgodt nennt sich diese norwegische Tradition und sie funktioniert wie folgt: Die ganze Woche werden Kinder von allem Zuckerzeug ferngehalten und am Samstag dürfen sie dann zuschlagen. In manchen Familien gibt es einen Schokoriegel, süße Brötchen oder Kekse, in anderen eine 300g-Packung Weingummi.

Entstanden ist diese norwegische Tradition in Schweden. Wir schreiben das Jahr 1942. Bei fast allen schwedischen Wehrpflichtigen werden bei der Eingangsuntersuchung Löcher in den Zähnen festgestellt. Große Löcher. Ärzte und Gesundheitsministerium beschließen, dass etwas geschehen muss. Zucker wird als Verursacher der löcherigen Zähne vermutet, der Beweis dafür steht allerdings noch aus. Um diesen Beweis zu erbringen, startet in einem Sanatorium in Lund ein bis heute hart kritisiertes Experiment: 600 (ahnungslose und nie um Zustimmung gebetene) geistig behinderte Testpersonen werden fast genötigt, süße und klebrige Karamellbonbons zu essen. Und zu essen. Und zu essen. Nach einigen Jahren ist der Beweis erbracht: Übermäßiger Zuckergenuss führt zu Löchern in den Zähnen. Das schwedische Gesundheitsministerium schlägt daraufhin 1957 vor, Süßigkeiten nur noch am Samstag zu genießen. Der Begriff lördagsgodis (Samstagssüßigkeiten) entsteht und wird bald in Norwegen als lørdagsgodt übernommen.

Und gilt bis heute. Wie mit allen Traditionen ist es auch mit lørdagsgodt so: Nicht alle machen es. Aber erstaunlich viele. So wenigstens mein Eindruck, als ich im Bekanntenkreis und über Facebook nachgefragt habe. Und am Thema scheiden sich die Geister. Manche Eltern sind dafür, weil damit Diskussionen und Bettelaktionen der Kinder im Supermarkt vor dem Schokoladenregal ausfallen. Die Kinder akzeptieren, dass es Süßigkeiten eben nur am Samstag gibt. Unterstützt werden die Eltern dabei von den Kindergärten/Schulen, die anscheinend auch ein striktes Anti-Zucker-Regime führen.

Nein, das stimmt nicht.

Sagen wir ein Anti-Süßigkeiten-Regime.

Kindergärten, die Brot mit Kaviar-aus-der-Tube an Kinder verfüttern, sollten sich mal nicht so weit aus dem Fenster lehnen.

Finde ich :).

So, die einen finden lørdagsgodt also ganz prima, eine tolle norwegische Tradition, jawohl, auch sie sind so aufgewachsen, alles prima, alle machen das so, punktum. Toll.

Dann kommen die anderen, denen diese Gleichmacherei in Norwegen auf die Nerven geht. Ja, Ihr habt es Euch gedacht, das sind meistens ausländische Stimmen. Viele von ihnen finden das Prinzip lørdagsgodt völlig daneben, wollen sich nicht vorschreiben lassen, WANN sie ihrem Kind und OB Süßigkeiten geben. Außerdem, so feixen sie, solle man mal genau hingucken, wie viel Süßigkeiten norwegische Kinder am Samstag so bekämen. Das wäre eine wahre Zuckerschlacht und völlig übertrieben.

Im häuslichen Alltag ist das vermutlich gar nicht so leicht umzusetzen. Soll das Kind nur am Samstag Süßigkeiten bekommen, dürfen an den anderen sechs Tagen in der Woche keine Zuckersünden auf den Tisch. Nicht nur für das bemitleidenswerte Kind gilt das dann – nein, auch für die Eltern! Wie sonst soll ich meinem Kind lørdagsgodt beibringen? Aber wird das auch immer durchgehalten? Oder schleichen sich zuckerabhängige Eltern abends heimlich in den Keller, wo sich hinter den Langlaufskiern das geheime Zuckerversteck befindet? Und wie schrecklich, dann von den Kindern dabei erwischt zu werden. Gegenseitig schieben sich die beschämten Eltern die Schuld zu. Doch es hilft nichts. Die Katze ist aus dem Sack, der Zucker aus dem Keller. Ende mit dem lørdagsgodt.

Na gut, das ist vielleicht etwas übertrieben.

Aber lustig.

Eltern abends im Keller am Naschen…heimlich…wer weiß, das heizt vielleicht eingeschlafene Beziehungen wieder an…

An mir wird diese norwegische Absurdität sang- und klanglos vorübergehen. Der bloße Gedanke, nur einmal in der Woche Süßes zu essen, ist so erschreckend, dass ich zur Beruhigung erst mal ein Snickers essen muss.

Besser, danke.

Aber im Ernst: Das Prinzip ist nicht schlecht. Der Samstag wird dadurch zu einem besonderen Tag, an dem die ganze Familie sich etwas Süßes gönnt. Es müssen ja nicht gleich 300g-Tüten auf den Tisch kommen.

***

Absurd, oder? Aber norwegischer Alltag und ein wirklich nettes Blogthema, fand ich. Aber das war es schon wieder für heute. Obwohl es eigentlich gestern ist, nämlich genauer gesagt, die Nacht auf Freitag kurz vor 1 Uhr. Irgendwie habe ich das Blogschreiben noch nicht in Gesas und meinen Alltag einbauen können, aber das kommt sicherlich noch. Nun schläft sie aber selig und ich habe Zeit zu schreiben. Obwohl ich zugeben muss, dass meine Kreativität nach Mitternacht auch nicht mehr das ist, was sie mal war.

Ich arbeite dran!

Euch allen wünsche ich eine tolle Woche, wir haben die bestimmt, denn im Abstand von ein paar Tagen kommen uns Gesas Paten aus Deutschland besuchen. Meine wöchentlichen Grüße also diese Woche an Sabine, Imke und Kai – wir freuen uns auf Euch!!!

Genießt den restlichen Herbst, versüßt ihn Euch (und zwar nicht nur am Samstag) und vergesst nicht zu lachen!

Ha det bra,

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Ulrike

 

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7 Kommentare zu “Lørdagsgodt ODER Am Samstag wird in Norwegen genascht!

  1. Kenn‘ ich von den norwegischen Familien mit Kindern auch so, nur samstags gibt’s Suesses! Allerdings ist das auch nur so lange durchsetzbar wie die Kleinen auch klein sind, wenn sie das Teenager-Alter erreichen kaufen auch sie sich was sie wollen und wann. Ich habe mich heute allerdings ein bisschen schuldig gefuehlt als ich mir eine Tuete mit smågodt gefuellt habe 🙂

  2. Ich find das vom Prinzip her gut, denn es ist ja leider so, dass grad das Naschzeug nicht nur Schuld an schlechten Zähnen, sondern auch an Gewichtsproblemen schuld ist, und da spreche ich aus leidvoller, eigener Erfahrung.
    Solange das vernünftig kommuniziert wird und nicht mit „Karies und Übergewicht“ begründet wird, warum nicht?
    Vermutlich sind da wirkliche Süßigkeiten gemeint und süßes in Form vom Marmeladenbrötchen sind dennoch erlaubt, oder?

    Ganz viel Spaß mit eurem Besuch 🙂

    • Natürlich, aber norwegische Kids essen am liebsten Brunost und frag mich nicht wieviel Zucker da drin ist…Brunost ist eine Art Karamellkäse und er schmeckt auch so, wie sich das anhört…nach Karamell und Käse…

  3. Ha…und die norwegischen Kids gewöhnen sich dann auf jeden Fall schon mal daran, dass es nur samstags was Tolles gibt..ab späte oder frühe Pubertät (je nach Stadteil, im Westen Oslos früher als im Osten) werden dann die Süssigkeiten durch Alkohol ersetzt…damit man sich schon mal daran gewöhnen kann, dass es nur am WE (Freitagabend und Samstagabend) Alk gibt und zwar in rauhen Mengen…ich habe meine Kollegen auf sämtlich Feiern, „Ut i det blå“-Veranstaltungen und Seminaren nicht mehr wiedererkannt. Da wird dann auch gerne mal ein Unbekannter recht plump angebaggert und auf den Tischen getanzt! ûber die hiesigen Scheidungsraten wundere ich mich nicht mehr…Soviel zu dem Thema. Meine Kids bekommen übrigens fast täglich Süsskram (in sehr kleinen Mengen), denn ohne sind sie unaustehlich, die brauchen ihren täglichen Zuckerschock und ich natürlich auch.

  4. Wie witzig! Aber so bleiben Süßigkeiten doch auch etwas besonderes. Haben Zahnärzte bei euch eigentlich auch Sonntags geöffnet? Könnte ja sein, dass die ein oder andere Zahnfüllung in dem Karamell hängen bleibt… 😉
    Ganz liebe Grüße, Emily

  5. Interessant. Das ist so, wie als es früher nur am Sonntag Kuchen gab. Allerdings hatte das wohl eher etwas mit Mangel zu tun als mit Übergewicht und schlechten Zähnen. Ich erinnere mich noch an einen viel zitierten Spruch (muss wirklich viel zitiert gewesen sein, sonst würde ich mich nicht erinnern): „Wer jeden Tag nur Kuchen isst, Bonbons und Schokolade, der weiß ja nicht, wann Sonntag ist, und das ist wirklich schade.“

    Ich hingegen denke mir, lieber in kleinen Mengen und häufiger, als einmal richtig vollstopfen und dann Bauchweh bekommen.

    Sind schon komisch, die Norweger.

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