A good walk spoiled? ODER Ein Vormittag beim Golf…

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So schwer kann es ja wirklich nicht sein, beschließe ich. Schwinge den Schläger nach rechts, dann gekonnt nach links. Erwartungsvoll blicke ich in die Weite der Halle. Wo ist denn…? Ein Blick nach unten bringt Klarheit: Mein Golfball liegt noch akkurat am selben Platz. Mist!

Hallo, meine lieben Leser, wie schön, dass wir uns hier wieder treffen. Vor einigen Wochen entdeckte ich beim unmotivierten Rumzappen am Fernsehgerät, dass wir Viasat Golf empfangen. Ach du Himmel, war mein erster Gedanke, wie öde ist das denn?? 24 Stunden Golf, ja, genau das, was ich brauche. Martin war allerdings angetan und ich bin ja generell offen für neue Dinge, also guuut, gucken wir also mal Golf.

Gähn….

Aber nun ratet, was passierte?

Nix war mit “gäääähn”, ganz im Gegenteil. Ich fand es sogar ziemlich spannend.

(Ich gebe Euch, allen Nicht-Golfern, jetzt kurz Gelegenheit, lachend vom Stuhl zu fallen…

…Besser?…

…Braucht Ihr noch oder geht es schon?…

…Ok, nun ist es genug!)

Als erstes gefiel mir die parkähnliche Golfanlage. Große, alte Bäume, Büsche, kleine Seen…ich hätte hier sofort einen Spaziergang gemacht und mich Mark Twain angeschlossen, der sagte: “Golf is a good walk spoiled.” Ich möchte nicht wissen, wieviel Wasser verbraucht wird, um Golfplätze in, z.B. der kalifornischen Wüste zu unterhalten und hoffe auf das ökologische Verständnis heutiger Golfplatzbetreiber. Aber zurück zum Spiel. Im strahlenden Sonnenschein wanderten also mir – bis dahin – noch völlig unbekannte Sportler über eine… Wiese … und schlugen nach kleinen, weißen Bällen. Das mit mal mehr, mal weniger Erfolg.

War der Schlag schlecht, landete so ein Ball schon mal im Gebüsch oder, noch unterhaltsamer, im Wasser. Spannend war daran, wie schnell sich der Wettbewerb verändern konnte. Ein bis dahin führender Spieler spielte plötzlich an einem Loch schlechter, plötzlich misslangen Schläge, andere spielten besser – es war ein ständiges oder häufiges Auf und Ab von Erwartungen und Situationen.

Nach Martins Erklärungen und einigen Stunden TV-Erfahrung konnte ich bald mit Begriffen wie bogey, putten, iron und 2 under par etwas anfangen und hatte gelernt, dass man als (angehender) Golffan zum Beispiel Jordan Spieth kennen muss und auch die Abkürzungen PGA und LPGA. Das eine ist die professionelle Männerliga, in der anderen spielen die ladies. Unsere Abende waren plötzlich voller Golf und wir fanden das lustig.

Daran selber zu spielen, hatte ich bis dahin noch nicht gedacht: Ich bin eine bekennende couch potatoe, die, bis auf Wandern,  Sport am allerliebsten liegend beobachtet. Aber wie das Schicksal manchmal so spielt: Am Sonntag gingen wir in die Deutsche Gemeinde.

Unsere Theaterpremiere steht kurz bevor und einige Mitglieder der Kirche kamen auf mich zu und bestellten Karten oder erklärten, warum sie nicht kommen könnten.

Nett, oder?

Bald ergab sich ein Gespräch, in dem mir ein netter Kölner erklärte, er könne zur Premiere nicht kommen wegen einer Einladung.

“Dann komm doch am Sonntag”, schlug ich vor.

“Ja, nee, da geht es leider auch nicht. Ich fahre nämlich nach Schottland zum Golfen.”

RINGRINGRING!!!!!

“Du golfst????!!!!” fragte ich fasziniert. Da stand ein echter Golfer vor mir. Der mir bestimmt alle meine Fragen beantworten konnte. (Ich muss dazu erklären, dass es mich irre macht, wenn ich Regeln nicht verstehe. Ich kann es nicht ändern, es ist einfach so. – Ich bügele auch Jeans.)

In den nächsten 15 Minuten fragte ich und fragte und fragte und erfuhr, dass Peter in der Wintersaison gern das Indoor Golf Center in Oslo besuchte. – Später am Nachmittag und nach einigem Zögern schrieb ich ihm eine Email und fragte, ob er mich nicht einmal mitnehmen würde. So, just for fun. Und das tat er dann! Glücklicherweise ist ja gerade meine Mutter in Oslo und so konnte ich am kommenden Mittwochvormittag Golf spielen gehen!

(Natüüürlich habe ich vorher bei Youtube Golf-Videos geguckt, um Peter nicht vor Lachen zusammenbrechen zu lassen. Nicht, dass das geholfen hätte. Den Gedanken an muskel-, hirn- oder Handgelenkaufputschende Mittel ließ ich sofort sein – war doch mein Golfpartner ehemaliger Leiter des norwegischen Anti-Doping-Labors.)

Am nächsten Mittwoch machten wir uns auf den Weg. Das Indoor Golf Center liegt auf der Halbinsel Fornebu, nicht weit entfernt von Martins Arbeitsstelle Statoil. Besondere Kleidung sei nicht nötig, hatte Peter erklärt, nur warm solle ich mich anziehen, die Halle wäre kalt. Wir betraten also den Vorraum, in dem ein großer Golf-Shop lag und nachdem Peter Eintritt gezahlt hatte, betrat ich den Ort meiner neuen Sportkarriere. Eine riesige Halle lag vor mir, in der Norweger verschiedenen Alters und Geschlechts Bälle mal weiter und mal weniger weiter schlugen. Das war die driving range, an der Abschläge trainiert wurden. Fast alle Abschlagplätze waren besetzt – erstaunlich an einem Mittwochvormittag.

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Laut Norwegischem Golfverband sind über 100.000 Norweger Mitglied in einem Golfclub, von denen es 180 im Land gibt, dazu 172 Golfbahnen. Golf, so der Verband, sei eine der beliebtesten Sportarten in Norwegen.

Na, dann mal los. Peter zeigte mir einige Abschläge und erklärte, auf was ich zu achten hatte. “Sieht einfach genug aus”, dachte ich optimistisch.

War es nicht.

Erst einmal ist der Schläger viel schwerer als ich dachte.

Dann ist der Ball viel kleiner als ich dachte.

Und dann bin ich viel unsportlicher als ich dachte.

Der erste Ball blieb unbeeindruckt meiner Kraftanstregung liegen wo er war. Der zweite kullerte auf das Grün. Der dritte flog ein bisschen und rollte den Rest des Weges. Den vierten traf ich wieder nicht. Peter hielt sich tapfer. Ich beobachtete ungläubig die Rentnerin hinter mir, die die Bälle hoch und weit in die Luft schoss. “Also, so schwer kann das doch nicht….”, begann ich zu denken, und dachte mich dann: Doch, es kann so schwierig sein. Es war schwierig. Verdammt schwierig!!

Um mir einen kleinen Erfolg zu gönnen, nahm mein geduldiger Golfpartner mich mit zum Putting Green. Das erinnerte mich mehr an Minigolf und tatsächlich sollte ich nicht mehr tun, als einen Ball aus 1-3 Meter Entfernung in das Loch quasi….einzulochen.

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UND DAS GELANG!!!!

EUREKA!!!

Es sind die kleinen Dinge im Leben und so freute ich mich über meinen ersten Golferfolg. Aber, seien wir ehrlich: Klappt der Abschlag nicht, kommt der Ball dem Loch also gar nicht erst so nahe, braucht man auch das putten nicht zu üben. Nach einigen unterhaltsamen Versuchen, den verflixt kleinen Ball aus einer Sandkuhle, dem sogenannten bunker,  zu befreien …

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…kehrten wir zur Driving Range zurück.

Hier hatte sich mittlerweile eine interessante Gruppe von Spielern angesammelt: Ein mittelalter, engagierter Neuanfänger, der mithilfe seines Trainers die richtige Haltung beim Abschlag übte. Da er das noch ohne Schläger probierte, wirkte das Ganze wie eine Mischung aus Physiotherapie und Regentanz. – Daneben drosch ein vielleicht zehnjähriger Junge die Bälle derart routiniert in die Ferne, das ich ihn ganz ungläubig anstarrte. Was übrigens okay ist. Alle Driving Range –Nachbarn ließen sich auf Anfrage gerne beobachten. Neben dem Jungen schoss ein hochaufgeschossener junger Mann mit Haartolle die Bälle so, wie ich es im Fernsehen gesehen hatte. Und auch Peter demonstrierte mir beeindruckende Golfschläge.

Ich wollte das jetzt auch!!!!! Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg!

Zum Golf scheint man aber zwei Dinge zu brauchen: Geduld und Ehrgeiz. Als mein Hirn das verstanden hatte, begann es laut zu lachen und schlug mir vor, doch jetzt zu gehen.

Aber so einfach gab ich nicht auf. 60 Bälle hatte der Automat für uns ausgespuckt und ich hatte noch einige zum Üben. Und dann, nach dem gefühlten 59. Schlag: BUUUUUUMMMM!

Ich konnte richtig merken, wie gut ich den Ball getroffen hatte. Statt zu kullern, flog er tatsächlich ein bisschen in die Höhe und sauste, wie nie zuvor, durch das Grün der Halle!!!!

Nun war mir alles klar. Der Grund, warum Menschen aller Altersgruppen sich jahrelang über Golfplätze spielen, zur Driving range gehen, um stundenlang zu üben, hat nur einen einzigen Grund: Es ist ein tolles Gefühl zu merken, den Ball richtig getroffen zu haben – und dieses Gefühl will man immer und immer wieder haben. Und wenn mir das, nach einem Minierfolg, klar wurde, wie muss sich das erst anfühlen, wenn mal ein wiiirklich guter Ball gelingt?

Den Erfolg wiederholen.

So einfach ist das.

Ganz im Gegenteil zum Spielen selbst, das gar nicht einfach ist.

Ich hatte einen fantastischen Vormittag und überlege ernsthaft, Stunden zu nehmen. (Jaaa, lacht ruhig! Das ist Peters Schuld, wegen ihm hatte ich so viel Spaß beim Golfen!) Der frühe elitäre Sport scheint sich, in Norwegen sowieso, in einen halben Massensport zu aufzuweichen und wenn ich auch die professionelle Karriere ausschließen kann – Spaß kann ich immer noch haben! Und wenn ich viel übe, bleibt der Ball vielleicht auch nicht mehr bewegungslos liegen!

***

So, meine lieben Leser, das war es für heute. Es ist immer spannend, etwas Neues auszuprobieren und wer sich jetzt für Golf interessiert, kann entweder den Fernseher anmachen (die Masters sind in vollem Gang) oder mal im lokalen Golfclub vorbeigucken. Hier in Norwegen heißt das Anfängerprogramm VTG (Veien til Golf) und wird von vielen Golfclubs im Land angeboten. Und wer das Thema blöd und uninteressant fand, den frage ich: Was soll ich denn ansonsten mal ausprobieren? Schlagt mir etwas vor!

Ich wünsche uns allen eine schöne Woche mit neuen Erlebnissen, viel Lachen und gutem Essen. Bedanken möchte ich mich auch noch ganz herzlich für die Glückwünsche zur neuen Staatsbürgerschaft. Toll, wenn ein Aprilscherz gelingt!! Ich versichere Euch aber: Ich bleibe deutsche Staatsbürgerin :).

Hilsen,

Golfblog4

Danke, Peter!

Ulrike Woods & Trainer 🙂

 

 

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Ein Kommentar zu “A good walk spoiled? ODER Ein Vormittag beim Golf…

  1. Wunderbar!!!

    Ich musste mehrmals laut loslachen beim Lesen, was in der T Bane zu etwas Verwunderung geführt hat. Aber was soll man machen. Vielen Dank für die sehr unterhaltsame Heimfahrt :).
    Wäre gerne live bei deiner Masters Trainingsstunde dabei gewesen und hätte sicherlich auch die Löcher im Bunker für dich wieder verfüllt… 🙂

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